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Schlagwort: zufall

Zwischenetappe Metz/Verdun 06.10.2007

Diese spezielle Zwischenetappe, unseren Besuch in Verdun zu beschreiben – davor fürchte ich mich ein wenig und ich schiebe es, wie Ihr merkt, immer weiter hinaus. Wie kann man auch das Grauen beschreiben? Schließlich bin ich kein Remarque, der seinen gleichnamigen Roman mit dem Wehrmachtsbericht enden lässt: „Im Westen nichts Neues!“

Das in Verdun, durch Zufall waren wir am Fort Vaux, waren für mich Gefühle pur. Ich konnte die Gruppenführer, Unteroffiziere und Offiziere immer wieder auf deutsch und auf französisch schreien hören: „Auf, auf, vorwärts!“ Und dann sprangen die Mannschaften auf und rannten ins Maschinengewehrfeuer. Humaner Krieg ist eigentlich ein Widerspruch in sich und die Schrecken sind sicherlich heute grösser als 1914/18, aber eine Steigerung der Grausamkeiten von Verdun gibt es einfach nicht – dagegen ist der Irak-Krieg wirklich eine „saubere“ Angelegenheit. Und wenn auch als erstes die Franzosen Giftgas verschossen hatten, so waren es doch die deutschen Gelbkreuz-Granaten, die ein neues Zeitalter der Massenvernichtungswaffen einläuteten. 9 Millionen Tote, die grösste Katastrophe des 20. Jahrhunderts (nicht zuletzt auch durch die grossen politischen Verwerfungen in Europa bedingt) – dafür steht heute neben den vielen anderen Schlachtfeldern auch oder gerade in erster Linie Verdun.

Ansonsten ist Verdun selbst nicht sonderlich interessant. Ein nettes Städtchen mit einem Flüsschen (Maas) und einer dazugehörigen Promenade. Ein Haufen monströser Denkmäler für die gefallenen Soldaten aller Nationen. Dazu natürlich auch die unvermeidbaren Siegesdenkmäler. Auch die oberhalb der Stadt gelegene Kathedrale hat schon bessere Zeiten gesehen. Das Weltfriedenszentrum im alten Bischofspalast  ist noch einen Besuch wert – leider war es geschlossen, als wir dort waren.

Eigentlich wollten wir nachmittags noch bei Wolfgang Kaffee trinken – das hat uns die moderne Technik verdorben. Noch vor 20 Jahren wär doch niemand auf die Idee gekommen, nur mit einer Plastikkarte in Luxemburg fast 100 Euro auszugeben. Heute ist das selbstverständlich und unsere Bargeldvorräte tendierten gegen Null. Auf jeden Fall funktionierten unsere Karten in der luxemburgischen Tankstelle nicht. Und so bin ich bis Saarburg gefahren, um von meinem DB-Sparbuch Geld abzuheben. Soweit zum Thema preiswertes Tanken in Luxemburg. Tja, das Mitbringsel für Wolfgang haben wir zwischenzeitlich selber gegessen – aber wir holen das im November nach, Wolfgang! Wenn Du uns dann noch einmal enlädst.

Zwischenetappe

„Ja, sagen Sie Ja zu sich, zu Ihrer Absonderung, Ihren Gefühlen, Ihrem Schicksal! Es gibt keinen anderen Weg. Wohin er führt, weiß ich nicht, aber er führt ins Leben, in die Wirklichkeit, ins Brennende, ins Notwendige.“ Hermann Hesse
Dieser Blog ist zur Zeit nicht viel mehr, als eine Wanderbeschreibung von DAW’s (Dümmste anzunehmende Wanderer). Ein wenig auch deshalb, weil wir wirklich nichts über den Lahn-Camino finden konnten und vielleicht mit unserer Beschreibung andere Wanderer auf die Schönheit unserer direkten Umgebung aufmerksam machen möchten. Wir wollen sagen: „Gehen Sie los, starten Sie ganz einfach wie wir vor der Haustür, und laufen Sie.“ Alles andere kommt dann schon.
Aber hauptsächlich endet dieses Pilgertagebuch zur Zeit als Wanderbeschreibung, weil wir uns noch auf den Vorbereitungsetappen befinden. Vor einer Woche wussten wir noch gar nicht, ob wir überhaupt wandern können. Und dann noch im Winter! Heute wissen wir schon ein wenig mehr über uns. Unsere Ausrüstung wird professioneller, der Rucksack voller. Wir hören stärker auf unseren Körper, wissen, wenn es anfängt, wehzutun, dass wir immer noch gute fünf Kilometer laufen können. Das gibt Sicherheit für die nächsten Etappen.
Aber immer noch halte ich mir das Hintertürchen offen, diesen Blog einfach zu löschen, um da weiterzumachen, wo ich irgendwann im vergangenen Jahr angefangen habe. Niemand braucht davon zu wissen, dass ich mich auf den Weg gemacht habe, dass ich erneut angefangen habe, nach etwas zu suchen. Und in unserer schnelllebigen Zeit ist eine von vielen Internetseiten bei den wenigen Besuchern, die durch Zufall hier landen, schnell vergessen.
Aber seit gestern, seit dem Abstecher in den Limburger Dom, ist diese Möglichkeit des Abbrechens schon deutlich geringer geworden. Wie gestern geschrieben: ich habe jetzt den Eindruck, ein Pilger zu sein und nicht mehr ein Wanderer. Es ist schon seltsam, dass bei Gabi, die schon ein gutes Stückchen weiter von der Kirche entfernt ist als ich, ein ähnliches Gefühl aufgekommen ist.
Mal wieder beginnt für mich ein neuer Lebensabschnitt. Hei, ich bin 50 Jahre alt, ich gehöre noch nicht zum alten Eisen. Ich bin erfolgreicher Management-Trainer, habe aber die letzten vier Jahre etwas völlig anderes gemacht. Ich wollte es noch einmal wissen. Jetzt bin ich zurück – aber bevor ich wieder GANZ zurückomme, will ich es noch einmal wissen. Ich will noch einmal wissen, welche Erfahrungen ich auf einem solchen Weg machen werde, welche Gedanken mir kommen, welche Menschen mir begegnen werden. Mit Hermann Hesse heisst das: „Es gibt für mich keinen anderen Weg!“
Und ich weiss, dass ich bei mir ankommen werde.

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