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Schlagwort: wetter

Auch auf dem Mosel-Camino sind Pilger unterwegs – Januar/Februar 2009

 

Lieber Herr Welter,

Sie haben mir sehr geholfen. Es hat alles gut geklappt. Das Wetter war aber hart: Am Samstag stürisch-kalter Wind auf dem Hunsrüc, gleich hinter dem Schloss Stolzenfels hing die Markierung an einem Nagel nach unten. Wir gingen einen kurzen Weg falsch, sind zurück und haben die Markierung wieder richtig gestellt (natürlich nicht eingenagelt). Rosi hatte zu, die Reiterstube auch und den ersten Kaffee gab es erst in der Raststätte. Unterwegs war es zu kalt, um stehen zu bleiben. Dann bevor wir den kurzen Anstieg auf die Moselhöhe mit Blick zur Burg Thurant machten, kam um 4.00 Uhr nachmittags die Sonne und hat diese schöne Wallfahrtskirche richtig angestrahlt. Man spürt dort wirklich etwas. Wir wohnten bei Cafe Becker (sehr gut, aber kein Lunchpaket). Bei strahlendem Sonnenschein verließen wir den Ort am Sonntag und beim Anstieg hinter Hatzenport kam vom Hunsrück her eine hellgraue Wand: Schnee! Es war zwar nicht mehr so kalt, aber zugefrorene Pfützen waren unter Laub und Schnee kaum auszumachen. Aber dieser Tag war traumhaft. Total kaputt mit zittrigen Knien kamen wir um 17.30 Uhr in Karden an. Der Abstieg war bei Schnee schon heftig, da wir zuvor keine Pausen hatten (Burg Eltz noch zu). 

Man sollte unbedingt eine halbe Stunde vor Abfahrt des Zuges am Bahnhof sein, denn der Fahrkartenautomat war das letzte Abenteuer. 10 Minuten reichten nicht, um drei Karten zu ziehen. Ich stieg ohne in den Zug. Gott sei Dank hatte ein junger Mann (Libanese) im Abteil ein 5-Personen-Ticket und fuhr nach Saarbrücken, so dass wir uns entspannen konnten.

Jetzt wollen wir im März weitergehen.

Ganz herzlichen Dank

und freundliche Grüße

 

Und gerade kam noch ein Nachschlag, der die Erfahrungen meiner Frau und mir im Winter 2007 bestätigt:

Danke Herr Welter für die schnelle Antwort. Ich wollte Ihnen gerade schreiben, dass ich eben in der Wanderkarte nachgesehen habe, dass da nicht viel fehlen kann. Man könnte den Weg eigentlich sogar ohne Karte gehen, denn er ist super beschildert. (Grosses Kompliment an Wolfgang Welter – Anmerkung KS) Man kriegt als alter Peregrino ja auch ein Auge dafür, an allen Stellen die Muschel zu sehen. Mit dem Lunchpaket braucht Ihnen nichts leid zu tun, Das Frühstück war so super, so dass wir gut über die Runden kamen. … Wir waren zu dritt, sie (Frau Becker, Cafe Becker, Alken – Anmerkung KS) ist uns mit dem EZ-Preis "entgegengekommen". Jeder von uns musste 33,00 Euro zahlen. Sie hatte noch ein paar Gäste im Haus. Und sie sagte, sie bewundere jeden, der so einen Pilgermarsch mache. Es war für uns so aber okay.Zimmer habe ich jetzt immer noch keine in Alken für den 30.4., ich solle sie nochmal Ende der Woche anrufen, sie habe vielleicht noch ein paar Zimmer, müsse das aber erst abklären, dann soll ich nebenan Müllers anrufen, die noch zu haben bis 6. 2.. In Beilstein übernachten wir im Mai zweimal. Wegen Happy Mosel war überall voll. Erst überall Absage. Dann Anruf von Frau Lippmann,  mit Entgegenkommen auf zwei Nächte.. Auf diese Weise brauche ich in Karden nicht mehr zu suchen. Und wir können eine Weinprobe machen an eine Abend und noch eine Stadtrundführung.Ich habe schon mit dem Herrn ?? (wahrscheinlich Herr Vitz – Anmerkung KS) gesprochen.

So, ich will jetzt aber keinen Roman schreiben und danke nochmals.

Gute Nacht.

Wir sind Kirche München „Den Gemeinden Zukunft geben“

 

Pressemitteilung München, 1. Februar 2009
„Den Gemeinden Zukunft geben“

Veranstaltung kirchlicher Reformgruppen am 5. Februar 2009 – Appell an die Gemeinden im Erzbistum – Ein Jahr Erzbischof Reinhard Marx in München (2. Februar 2009)
„Den Gemeinden Zukunft geben – Wege in der Kirchenkrise“ ist das Thema einer Diskussionsveranstaltung mit dem Würzburger Pastoraltheologen Dr. Bernhard Spielberg, mit der katholische Reformgruppen den aktuellen Prozess der pastoralen Umstrukturierung im Erzbistum München und Freising kritisch begleiten. Eingeladen sind Mitglieder von Pfarrgemeinden und alle Interessierte, die von der im großen Umfang geplanten Zusammenlegung von Pfarreien im Erzbistum besonders betroffen sind.
Die von der KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche gemeinsam mit der Leserinitiative Publik e.V., dem Theologischen Forum e.V. und der Regionalgruppe der „Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen durchgeführte Veranstaltung ist am Donnerstag, 5. Februar 2009 um 18:30 Uhr im Hansa-Haus des KKV Hansa e.V. München, Brienner Str. 39 (Rückgebäude), direkt neben der U-Bahn-Station „Königsplatz“.
Wir sind Kirche ruft gleichzeitig alle Pfarreien, Verbände und Gruppierungen im Erzbistum dazu auf, sich an dem diözesanen Zukunftsforum „Dem Glauben Zukunft geben“ intensiv zu beteiligen, auch wenn die inhaltlichen Vorgaben und äußeren Rahmenbedingungen äußerst kritisch zu bewerten sind. Dies betrifft vor allem die von Erzbischof Dr. Reinhard Marx vorgegebene Maxime, an der Spitze von Pfarreien oder Pfarrgemeinschaften müsse immer ein Pfarrer stehen. Dies verkündete er Anfang März 2008, gerade 33 Tage im Amt – ein abrupter Kurswechsel gegenüber seinem Vorgänger Kardinal Friedrich Wetter. Auch die keineswegs repräsentative Zusammensetzung der „Vollversammlungen“ des „Zukunftsforums“ (bisher 102 Männer und 21 Frauen) und die sehr engen Zeitvorgaben für die Pfarreien, die nur bis zum 27. Februar 2009 ihre Rückmeldungen abgeben können, sind mehr als problematisch angesichts der derzeit intensiven Diskussionen in vielen Pfarreien und Dekanaten.
Das vom Ordinariat vorgelegte Konzept 2020 sieht vor, dass lediglich 47 der insgesamt 747 Pfarreien im Erzbistum München und Freising eigenständig bleiben (die bisherige Planung für 2010 ging noch von 199 Einzelpfarreien aus). Die übrigen Gemeinden sollen zu sogenannten Pfarreiengemeinschaften zusammengefasst werden. Stadt und Region München trifft es besonders hart, dort sollen von 170 Pfarreien nur 23 eigenständig bleiben. In der Regel werden die neuen „pastoralen Räume” zwischen 6.000 und 10.000 Katholiken umfassen. Im Raum München sind aber auch Zusammenschlüsse mit bis zu 16.000 Katholiken geplant.
Zum Start des „Zukunftsforums“ hatte Wir sind Kirche „Sieben Denkanstöße“ formuliert(http://www.wir-sind-kirche.de/files/791_Denkanst%F6sse5.pdf ). Zum ersten Jahrestag der Amtseinführung am 2. Februar 2008 hat Wir sind Kirche den Erzbischof erneut um ein erstes Gespräch mit kirchlichen Reformgruppen gebeten.
Homepage: www.wir-sind-kirche.de/?id=507

2. Tag Limburg 20 km

Zugegeben: Gestern war schon ein wenig geschummelt, aber es ging einfach nicht mehr weiter. Ich habe mir den Pilgerstempel beim Pfarrer in Villmar geholt und gefragt wo ich übernachten könne. Gleich kam er mit der Pension Behr. Das Missverständnis hätte ich auch aufklären können – naja nun ist halt ein wenig geschummelt. Bezahlt habe ich aber nicht.

Das Wetter war heute herrlich und ich habe die Zeit, die mir die Zwischenübernachtung eingebracht hat auch kräftig ausgenutzt. Mehr als eine Stunde habe ich einer Orgelprobe im Lubentiusstift gelauscht, eine Ewigkeit den Chorproben im Dom zugehört. Und hier im Missionshaus der Pallotiner ist es richtig nett. Aber leider scheint der Orden zu sterben. Nur alte Männer waren beim Abendessen um mich herum, und einer der Patres erzählte, dass es in diesem Jahr erstmals keinen Novizen mehr gab.

Körperlich bin ich ganz okay – obwohl jetzt natürlich die Wehwehchen anfangen, die mich die erfahrungsgemäß nächsten 14 Tage begleiten werden.

Morgen solls 35 km nach Obernhof gegen.
Mal sehen!

Auf dem Weg … Euer Ka-Jo

Pilgerbericht aus Alken

 

Gerade erreicht mich ein Bericht vom Mosel-Camino: 2. Etappe von Alken nach Treis-Karden. Herzlichen Dank für die Rückmeldung, lieber Herr Rittel!

Wanderung auf dem Jakobsweg!

Angeregt durch das Büchlein “Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier“ (beim Informationsgeschäft Funkenvoll in Alken erhältlich) nahm ich die zweite Etappe in Angriff!

Um 9:00 Uhr verließ ich die Wohnung in Alken und machte mich per pedes auf die Wanderung.

Ausgerüstet mit einem Wasservorrat und witterungsbedingter Attribute ging es über die Löferbrücke zum Bahnhof Löf (9:39 Uhr) und weiter über den Wanderweg nach Hatzenport. Im Ortsteil „Dattel“ (10:20 Uhr) zeigt der ‚M-Weg‘ und der Schoppenstecherweg in Richtung Küppchen/Lasserg (11:00 Uhr).

Eine erste Rast ist hier empfehlenswert. Einmal wegen der herrlichen Aussicht in das Moseltal, zum anderen sind bei schönem Wetter die Drachenflieger zu Gange. Die Höhe ist erklommen, es geht weiter in Richtung Burg Elz. Vorbei am Neuhof ist die Strecke leicht bis stark abfallend zur Burg Elz. Nicht erschrecken vor dem Trubel der in und um die Burg Elz herrscht (12:30 Uhr).

Nach der Burg Elz folgt ein starker Anstieg in Richtung Rotherhof. Die Ausschilderung >Karden< ist leicht zu sehen, die Wegebeschilderung ist gut.

Gegen 14:00 Uhr sollten Sie oberhalb der Ortslagen Karden und Treis auf einem schönen Aussichtpunkt angelangt sein. Für den steilen Abstieg (ähnlich unserm Fußfälle–Steig) sollten Sie sich Zeit nehmen. Sicherheit geht vor. Ein Besuch der Basilika in Karden ist ein Muss. Eine Ortsbesichtigung zeigt schöne Fachwerkhäuser und viel Historisches.

Um 15:36 Uhr fährt die DB-Regio für 2.90 Euro wieder zurück bis zum Bahnhof Löf.

Müde, aber sehr zufrieden mit meiner Leistung, freue ich mich bereits auf die Fortsetzung.

Karl-Heinz Rittel

   

6. Etappe Osann-Monzel – Klüsserath

Osann-Monzel – Eberhardts-Klausen – Klüsserath = ca. xx km
Schwierigkeit mittel

Zeitbedarf 5 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen
Besichtigungen Wallfahrtskirche Klausen, Klüsserath

Guten Morgen, wir hoffen, Sie haben gut geschlafen und wünschen Ihnen für die heutige Etappe wunderschönes Wetter.

Heute geht es über den Marien-Wallfahrtsort Eberhards-Klausen nach Klüsserath. Jährlich pilgern aus der näheren und weiteren Umgebung über 100.000 Menschen nach Klausen, v. a. im Marienmonat Mai, um die Gottesmutter um Hilfe in vielerlei Anliegen zu bitten oder ihr zu danken.

In Monzel gehen Sie zurück auf den Moselhöhenweg ‚M’ und folgen diesem wieder nach Westen am Monzeler Hüttenkopf entlang auf die Eifelhöhen. Zwar gibt es auch einen Pilgerweg nach Klausen, der auch markiert und in manchen Landkarten als Wallfahrt-Schleife eingetragen ist, der folgt aber im Wesentlichen einer Landstraße und ist zudem als Fahrradweg ausgewiesen. Deshalb schlagen wir Ihnen vor, zunächst das Auf und Ab des sicherlich reizvolleren Moselhöhenweges in Kauf zu nehmen.

Es geht also hinauf bis zur Schutzhütte Minheim mit dem Gnadenbild der Muttergottes, das zum kurzen Innehalten einlädt. Dies ist mit 431 m über NN der höchste Punkt des heutigen Tages und erlaubt eine herrliche aussicht bin hin nach Wittlich. Zum Zeitpunkt der Begehung im Februar 2007 war an einer Wegmarkierung eine handschriftliche Notiz ‚Klausen 2 km – spätgotische Wallfahrtskirche’ angebracht – aber auch ohne diesen Vermerk können Sie den Weg nicht verfehlen. Folgen Sie einfach dem Weg vor der Schutzhütte nach rechts. Der gut ausgebaute Weg führt von hier immer bergab in Richtung Klausen und schon bald können Sie die Wallfahrtskirche vor sich im Tal liegen sehen.

Die Wallfahrtskirche in Eberhardts-Klausen geht auf den Tagelöhner Eberhard im 15. Jh. zurück. Er stellte an der Stelle der heutigen Kirche eine Pieta, eine Darstellung der schmerzhaften Mutter, d.h. Maria mit dem gekreuzigten Jesus im Arm, auf. So oft es ihm möglich war, besuchte er diese Figur. Als ihm die Grundherren der Umgebung ein Stück Land zur Verfügung stellten, baute er 1442 mit Unterstützung der Bewohner eine Hütte (clausa). Auch besorgte er eine Glocke und einen eisernen Leuchter. Eine neue Mariendarstellung, die der ersten glich, stellte er an ein Fenster auf der Südseite, die Nordseite war geöffnet und zum Schutz vor Dieben mit einem Eisengitter verschlossen. Schon jetzt kamen Pilger und hinterließen Opfergaben vor dem Marienbild. Da diese aber oft gestohlen wurden, baute sich Eberhard schließlich eine Hütte neben dem Marienhäuschen und lebte dort als Klausner. Diese Klause ist neben der Gnadenkapelle in der Wallfahrtskirche immer noch zu sehen.

1444 erhielt Eberhard die Genehmigung zur Errichtung einer Kapelle und riss das Marienhäuschen ab. Die ständig wachsenden Pilgerzahlen machten schon in den Jahren 1447/48 eine Erweiterung der Kapelle nötig – die kleinere Kapelle wurde nicht abgerissen, sondern wahrscheinlich integriert. 1449 wurde die Kirche der hl. Maria geweiht. Die heutige spätgotische Wallfahrtskirche wurde 1502 eingeweiht.

Lassen Sie uns einen kleinen Rundgang durch die Wallfahrtskirche machen. Meister Johann Eltusch aus Antwerpen schuf bis 1480 einen der schönsten Hochaltäre in Deutschland. Die Bauzeit wird auf 40-50 Jahre geschätzt – ein ganzes Lebenswerk. Der Altar besteht aus drei Teilen – links die Vorbereitung der Kreuzigung, mittig die Kreuzigung und rechts die Abnahme vom Kreuz. Ursprünglich war der Altar ein Doppelflügelaltar, die heute noch vorhandenen Flügelgemälde stammen von Hans Memmling aus der zweiten Hälfte des 15. Jhs.. Die äußeren Flügel sind seit der Säkularisation im Jahr 1802 verschwunden.

Die barocke Kanzel im Mittelschiff ist ein besonderes Kleinod der Wallfahrtskirche. Die Verbindung mit dem darunter liegenden Beichtstuhl sollte den Gläubigen nach der Beichte ermutigen, das Wort Gottes zu hören. Auf der anderen Seite des Mittelschiffs entdecken Sie sieben weitere Beichtstühle, in denen die Darstellung jeweils eines Apostels eingearbeitet ist. Auch den Schutzpatron unserer Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela – Jakobus d. Ä. – finden Sie über einem der Beichtstühle. Es waren ursprünglich 12, zwei befinden sich in Piesport und Dhron, zwei sind in der Pfarrkirche von Schweich bei einem Brand Opfer der Flammen geworden; von einem weiteren gibt es keine Informationen zum Verbleib. Hinten im Mittelschiff befindet sich ein sehr großes Gemälde, auch darin können Sie mit ein wenig Suchen einen Pilger mit den typischen Pilgerattributen Hut, Stab, Kalebasse und Muschel erkennen.

Einige wertvolle Holzschnitzereien sind noch im Mittelschiff zu entdecken. Rechts der Kanzel die hl. Anna Selbdritt, d.h. als Darstellung mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind. Die Initialen ‚RI’ im Sockel könnten auf den großen Tilman Riemenschneider hindeuten. Links der Kanzel zeigt die Holzschnitzerei Maria Königin, die Figur stammt aus dem Jahr 1700. Ein Bildnis des Heiligen Augustinus, einer der bedeutendsten Kirchenlehrer und Philosophen an der Zeitenwende von der Antike zum Mittelalter, stammt aus dem 17. Jh. und ist am Aufgang zum Chorgestühl links im Mittelschiff angebracht.

Bevor wir uns nun in der Gnadenkapelle umsehen, werfen Sie doch noch bitte einen Blick nach oben in das außergewöhnlich schöne Netzgewölbe. Besonders sind die aus Sandstein gehauenen Schlusssteine. Sie zeigen die Apostel, Heilige, die Wappen kirchlicher und weltlicher Würdenträger. Und auch die Wappen der am Bau beteiligten Handwerker.

Bei dem Gnadenaltar in der Kapelle handelt es sich um einen neueren Nachbau des ursprünglichen Altares. Dabei verwendete man Teile des Lettners, der früher das Mittelschiff vom Chor trennte. Der Mittelteil mit den zwei Gnadenbildern ist neuer und wurde um 1900 zusammengefasst. Auch die eisernen Seitentüren und das große Tor am Turm gehörten zum Lettner. Die Vertäfelung wurde 1927 eingebaut, die fünf Barockreliefs darin stammen aus der Zeit um 1700. Auffallend sind die zahlreichen handgeschmiedeten Leuchter, die hauptsächlich aus dem 30jährigen Krieg und der Pestzeit stammen (17. Jh.). Auf einer Plakette sind die stiftenden Pfarreien oder Personen genannt – und an den Jahreszahlen auf den Kerzen erkennt man, wie lange schon von dort die jährlichen Wallfahrten stattfinden.

In Ihren Pilgerpass gibt man Ihnen gerne im Pfarrhaus einen Stempel. Größere Pilgergruppen während der Wallfahrtszeit zwischen Mai und Oktober sollten sich anmelden. Die E-Mail-Anschrift ist pfarramt@klausen.de, die Telefonnummer 06578 218. Auch Kirchenführungen können Sie so für eine Gruppe vereinbaren.

1461 wurde das bei der Kirche erbaute Kloster der Augustiner Chorherren aus der Windesheimer Kongregation geweiht. Dieser reformierte Orden aus Holland verlangte eiserne Disziplin und Demut. Täglich vier Stunden mussten die Brüder in ihrer Zelle Bücher abschreiben – an Sonn- und Feiertagen sogar zu aller verfügbaren Zeit.

Damit blieb es nicht aus, dass die Klosterbibliothek der Augustiner schon bald einen der größten Buchbestände innerhalb des Erzbistums Trier hatte. Sicher ist heute, dass es sich um 180 Handschriften, 139 Inkunabeln (Frühdrucke vor 1500) und einige tausend anderer Schriften handelte.

Die Bibliotheksräume wurden gegen Ende des 15. Jhs. über der Sakristei erbaut und gelten als Beispiel einer wohldurchdachten, malerischen Ausgestaltung eines klösterlichen, nicht unmittelbar kirchlichen Zwecken dienenden Raumes. Die Spitzbogenfelder der Wandflächen sind nämlich mit Malereien bedeckt, die Anfang des 16. Jhs. entstanden sind (Spätgotik). 19 Personen verteilen sich auf sechs Felder, jeweils drei bilden eine Gruppe, die durch Spruchbänder miteinander und mit dem Raum in Beziehung gesetzt wurden. Der Schluss liegt nahe, dass die Darstellung der Personen sich auf die Anordnung und Aufstellung der Bücher bezieht. Ab 1802, während der Säkularisation, blieb die Bibliothek geschlossen und war der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Es blieb nicht aus, dass die Bücher und die Räume im Laufe der Jahrhunderte Schaden durch Feuchtigkeit, Schimmel und Bücherwurm nahmen. Im Jahr 1999 konstituierte sich ein Freundeskreis der alten Klosterbibliothek, der Maßnahmen zum Erhalt der Bücherei unternimmt. Im Jahr 2006 konnte der Freundeskreis die renovierte Bibliothek der Öffentlichkeit präsentieren. Die ehrenamtliche Arbeit, der unermüdliche Einsatz zum Erhalt der vielen einzigartigen Bücher und Handschriften kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Weitere Informationen über den Freundeskreis erhalten Sie unter http://www.klosterbibliothek-klausen.de/.

Unser Jakobsweg und der Mosel-Camino führen nun nach auf dem mit ‚7’ bezeichneten Weg nach Süden, zunächst neben der L 50, dann auf einem Wiesen- und Feldweg Richtung Piesport hinauf zum rechter Hand an exponierter Stelle befindlichen Klausenkreuz. „Anno 1699 hat der ersame Henrich Hart und seine Hausfraw Catarina v Piesport dis Creuz lassen aufrichten zu Ehren der Mutter Gottes“ ist hier zu lesen; man ahnt, welch starker Gottes- und Marienglaube die Menschen damals geprägt haben muss.

Weiter geht’s zum Piesporter Heiligenhäuschen. Nicht sonderlich gepflegt, lädt es mit einem Misereor-Hungertuch von 1976 ‚Christus im Lebensbaum – Hoffnung für alle’, einer Madonnastatue (aus Gips?) und seinen beiden Sesseln zu einer etwas ungewöhnlichen Art von Besinnung und Meditation ein.

Jetzt geht es weiter auf dem Moselhöhenweg, immer dem ‚M’ entlang. Nach etwa 1,5 km müssen Sie aufpassen, dort zweigt der Weg unvermittelt nach rechts ab. Dennoch sollte man es sich nicht nehmen lassen, zunächst mal auf dem asphaltierten Weg einen kleinen Abstecher zu machen, um nach 250 m, hoch über der Mosel, am ‚Großen Moselblick’ die herrliche Aussicht auf Neumagen, Piesport und andere Moseldörfer zu genießen. Wenn Sie Glück haben, können Sie auch den Paragleitern und Drachenfliegern zu sehen, die hier eine Startrampe haben.

Zurück auf dem Moselhöhenweg geht es nun durch Wälder und wunderschöne Wiesenlandschaften mit tollen Ausblicken auf den fernen Hunsrück zur Waldkapelle am Hansenberg. Fromme Menschen haben sie erst kürzlich renoviert, den Zuweg befestigt und sorgen für Blumenschmuck. Ständig brennen Kerzen zu Ehren der Muttergottes: ein rechter Ort zum Gebet.

Schließlich geht es die letzten Kilometer, immer dem ‚M’ folgend, erst durch einen Wald, dann am Waldrand entlang bis zur Klüsserather Schutzhütte. Von hier dauert es nun nicht mehr lange, bis man auf die ersten Weinberge stößt. Auf dem Wirtschaftsweg geht es nun hinab nach Klüsserath.

Klüsserath

Allgemeines:  Klüsserath gehört zur Verbandsgemeinde Schweich im Landkreis Trier-Saarburg und  im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 1111. 

Ansprechpartner: Katholisches Pfarramt Rosenkranzkönigin, Kirchstraße 1, 54340 Klüsserath, Tel. 06507 4672; Tourist-Information "Alte Ökonomie", Kirchstraße 3, 54340 Klüsserath, Tel.: 06507 3099, E-Mail buergermeister@kluesserath.de

Übernachtung: Weingut Herres, Hauptstrasse 177, 54340 Klüsserath, Tel.: 06507 99123, E-Mail ferienweingut.herres@t-online.de, Doppelzimmer/Frühstück ab 38,- Euro; Ferienweingut Jostock-Lex, Hauptstraße 127, 54340 Klüsserath, Tel: 06507 4500, E-Mail weingut.jostock-lex@t-online.de, Doppelzimmer/Frühstück ab 40,- Euro; Hotel Zum Rebstock, Salmstraße 8, 54340 Klüsserath, Tel: 06507 93510, E-Mail moselrebstock@t-online.de; Doppelzimmer/Frühstück ab 23,- Euro; Straußwirtschaft ‚Zur alten Salmbrücke’, Hauptstraße 3, 54340 Klüsserath, Tel: 06507 4633, Doppelzimmer/Frühstück ab 20,- Euro

Sicher kennen Sie auch als Nicht-Weintrinker die Klüsserather Bruderschaft. Durch diese typischen Mittelmosel-Weinlage sind Sie in den Ort hinuntergekommen. Es handelt sich um eine der größten zusammenhängenden Südhänge der Mosel mit ca. 90 Hektar Rebfläche und bis zu 83 % Hangneigung.

Das klassische Straßendorf erstreckt sich auf einem recht schmalen Streifen zwischen der steilen ‚Bruderschaft’ im Norden, der aus der Eifel kommenden Salm im Westen und dem Moselufer im Süden auf einer Länge von knapp 2 km. „Lang wie Klüsserath“ hat an der Mosel sprichwörtlichen Charakter.

Wahrscheinlich ist Klüsserath eine keltische Gründung. Und der berühmte römische Dichter Ausonius hat schon 371 über Klüsserath in seier ‚Mosella’ geschrieben: "Da, wo längs des Stromes grünende Matten sich dehnen, wo schäumend die Salm, ungebärdig, kein verächtlich Wässerlein, sich mit Mosella eint, ist, sonst in der Landschaft Friede, mein Heimatland, mein neues. Mit Wild und Fisch und Reben, wo wären sie reicher zu finden! Diana, Göttin der Jagd, schütze du die Heimat, die neue." Urkundlich erwähnt wird Klüsserath immer wieder ab 634. 1270 wird die Wasserburg, heute im Privatbesitz, urkundlich erwähnt. 1295 berichten die Urkunden von der Pfarrkirche St. Remigius und später auch St. Michael. Ab 1304 wird eine größere Kirche gebaut, deren gotischer Chor noch im heutigen Bau aus dem Jahr 1787 zu sehen ist.

Wenn Sie am Abend noch ein wenig durch Klüsserath schlendern, können Sie einige Zeugnisse der großen Vergangenheit entdecken. Die Pfarrkirche mit dem spätgotischen Chor und dem Grab des Kreuzfahrers Richard von Hagen (1449) wurde oben schon erwähnt. Die Wasserburg mit dem großen gotischen Gewölbekeller wurde 1270 erstmals urkundlich erwähnt und wird heute privat bewohnt. An der ehemaligen Gerichtslinde können Sie noch die alten Eisenringe für die Häftlinge sehen. Der Echternacher Hof stammt aus dem 18. Jh. und ist aus Bruchsandstein errichtet. Schließlich besitzt so manches Winzerhaus in Klüsserath noch die Bausubstanz aus dem 17. Jh.

4. Etappe Diez/Lahn – Obernhof 26 km

4. Etappe Diez/Lahn (150 m) – Balduinstein (115 m) – Gabelstein (240 m) – Obernhof (120 m) 26 km
Schwierigkeitsgrad: schwer
Besichtigungen: Balduinstein, Schaumburg, Kloster Arnstein
Zeitbedarf: ca. 7 Stunden (bei 4 km/Stunde) zzgl. Pausen und Besichtigungen
Tagesmotto: „Der Mensch kann sich nicht umschaffen, ohne zu leiden, denn er ist beides, der Marmor und der Bildhauer.“ (Alexis Carrel)
Lahn  Camino
Die heutige Tagesetappe von Diez nach Obernhof stellt an Ihre Kondition einige Anforderungen. Wenn Sie nicht besonders trainiert sind, ist es vielleicht besser, die Etappe schon in Laurenburg zu beenden. Zwar geht es von der Lahn kaum auf über 300 m hoch, jedoch ist die Vielzahl der Anstiege eine besondere Herausforderung. Besonders der letzte Anstieg an den Häuserhöfen hat es in sich und fordert Sie auf den letzten Kilometern noch einmal besonders.
Aus der Stadt Diez geht es an der Kirche zunächst einmal auf die Höhen, dort durch ein Wohngebiet und dann an der Strasse entlang auf einem Fussgängerpfad in Richtung Fachingen. Hier oben können Sie schon eines der heutigen Tagesziele in einiger Entfernung erkennen: die Schaumburg. Nach ein paar Kilometern geht es auf einem steilen Weg, der bei schlechtem Wetter durchaus unangenehm werden kann, wieder hinunter zur Lahn in das kleine Örtchen Fachingen. Aus diesem Ort kommt das berühmte Staatl. Fachingen Mineralwasser. Schon im 18. Jhdt. erzählte man sich von einem Kölner Schiffer, der nach dem Trinken des heilsamen Wassers von seinem Verdauungsleiden befreit wurde.
Schon bald geht es wieder nach oben und nach etwa 2 km erreichen Sie Balduinstein mit der Burg. Unterwegs bieten sich Ihnen einige wunderschöne Ausblicke auf die Lahn. Erzbischof Balduin von Trier begann im Jahr 1319 mit dem Bau der Burg unterhalb der Schaumburg und übergibt sie 1335 an den Ritter von Staffel. Nachdem sie im 14. und 15 Jhdt. ausgebaut wurde, verfällt die Burg ab dem 17. Jhdt.immer stärker, so dass schliesslich nur noch die Mauern standen. Seit 1974 wird die Burg Balduinstein von der bündischen Jugend als Jugendburg genutzt. Ein weiteres interessantes Bauwerk ist der, nahe der Lahn gelegene, achteckige Port-Turm. Hier gibt es Hinweise darauf, dass es sich um einen, lange vor der Burg errichteten, Templerturm handelt. Nie führte durch diesen, in die Stadbefestigung integrierten Turm, eine Pforte oder ein Tor. Ausserdem hatten die Templer eine Vorliebe für die Zahl 8. Dieser Turm gibt heute den Historikern viele Rätsel auf.
Vorbei an der Burg geht es mit einem Blick zurück auf Balduinstein wieder hinauf. Am Ende dieses Anstieges wartet die Schaumburg, die vermutlich schon im Jahre 915 erbaut wurde. Die ersten urkundlichen Erwähnungen stammen aus dem Jahr 915. Von 1847 bis 1867 gehörte die Schaumburg Erzherzog Stefan von Österreich die Schaumburg, der sie ab 1850 aufwändig zu dem neugotischen Schloss umbauen liess, in der sie heute noch erscheint. Nachdem sich nach 1983 die Planung eines Hotels mit Goilfplatz zerschlagen hat, verfällt das Schloss mitsamt dem Inventar zusehends. Lediglich die Schloßkapelle ist in einem guten Zustand. Das von der Decke herabhängende Jerusalemkreuz soll der älteste Gegenstand im Schloss sein und sich dort seit der Grundsteinlegung befinden. Teilweise kann das Schloss in den Sommermonaten besichtigt werden, von Juni bis September täglich ausser Montag. Der Eintritt beträgt 2 Euro.
Weiter führt der Weg zunächst an der Strasse entlang, aber schnell wieder im Wald, auf den Lahnhöhen nach Steinsberg, vorbei an einigen Schutzhütten, die wieder einen schönen Blick ins Lahntal bieten. Nach dem Überqueren der L 323 führt der Weg wieder steil nach oben zur Schönen Aussicht. Nach dem Abstieg führt der Lahn-Camino am Bahnhof von Laurenburg vorbei. Hier empfiehlt es sich für den untrainierten Pilger, diese Etappe zu beenden und am nächsten Tag die Pilgerwanderung mit einer Besichtigung von Burg und Schloß Laurenburg (auf der rechten Lahnseite) fortzusetzen. Die Übernachtung auf dem Campingplatz kostet Euro 4,50 pro Person, im Gasthof „Zum Lahntal“ die Übernachtung mit Frühstück im Doppelzimmer pro Person Euro 20,–. Die Anschrift: Gasthof „Zum Lahntal“, Inh. Fam Ehrich, Lahnstr. 5, 56379 Laurenburg, Tel.: 0 64 39 / 76 20, E-mail: webmaster@gasthofzumlahntal.de.
Im Jahr 1093 wird die Burg Laurenburg erstmalig urkundlich erwähnt.  Dudo Comes de Lurenburch gilt als Erbauer. Seine Söhne haben schon im Jahr 1124 mit dem Bau der Burg Nassau begonnen und nannten sich dann Grafen von Nassau. Wie es zur Zerstörung der Burg kam, ist weitgehend unbekannt. 1643 hat Reichsgraf von Holzappel die verfallene Laurenburg erworben. 1985 hat Horst Wienberg die Burg gekauft und es sich zur Aufgabe gemacht, die Ruine zu sichern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie ist ganzjährig täglich, ausser dienstags, von 10 – 18 Uhr geöffnet. Zur Burg gehört auch ein kleines Militär-Museum.
Das Alter des Schlosses Laurenburg liegt im Dunkeln. Im 14.Jhdt. gibt es urkundliche Erwähnungen eines Hofes an dieser Stelle. Die Fürsten von Anhalt-Bernburg nutzten es im 18. Jhdt.als Sommerresidenz. Durch Erfolge gelangte es an Erzherzog Stephan von Österreich (siehe auch Schaumburg), der es seinen Bediensteten als Altersruhesitz überliess. Nach mehreren Besitzer-Wechseln gelangte das Schloss schliesslich in den Besitz der Evangelischen Kirche Nassau-Hessen und wird heute als Pflegeheim genutzt.
Wir gehen aber weiter auf der linken Lahnseite, auf dem Weg neben der Bahntrasse. Wenn die asphaltierte Strasse über die Bahngleise zur Lahn führt, bleiben Sie bitte links der Bahn. Evtl. müssen Sie sich hier einen Weg bahnen, zum Zeitpunkt unserer Begehung im Januar 2007 war der Weg hier weder ausgeschildert, noch vom Gestrüpp und hohem Gras befreit. Hinter dem verlassenen Haus wenden Sie sich nach links. Hier folgt der letzte heftige Anstieg des Tages. Aber auch hier erreichen Sie nach einigen 100 m die Höhen. Auf gut ausgebauten und ausgeschilderten Wegen geht es jetzt in Richtung Obernhof und Kloster Arnstein.
Schon lange bevor Sie das Kloster sehen können, hören Sie die Glocken der Kirche. Und bevor Sie in den Ort hinuntergehen, sollten Sie erst noch diese alte Wallfahrtstätte besuchen.
 

Obernhof und Kloster Arnstein
Allgemeines: Obernhof liegt an der Lahn und gehört zur Verbandsgemeinde Nassau, im Bundesland Hessen und im Rhein-Lahn-Kreis. Die Einwohnerzahl belief sich am 30.06.2006 auf 387.
Anlaufstellen: Pfarrbüro Kath. Pfarramt St. Margareta, Kloster Arnstein, Obernhof, Telefon 02604-1412, eMail s.nonn@bistum-limburger.de
Übernachtung: 

Privatpension Klose,

Hauptstrasse 35  Tel 02604/ 62 71 Fax 02604/ 95 15 25

Mit 3 Sternen klassifizierte Pension.
Gesamtbettenzahl: 4, B/D/T/L/Gt/TV/Radio
Übernachtung mit Frühstück: ab 18.-/Tag

www.fewo-klose.de.vu
H-M.Klose@web.de 

Geschichte: Obernhof ist ein romantisches Lahnörtchen mit liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern. Die als Hallenkirche im Barockstil 1715 erbaute evangelische Kirche ist ein Kleinod. Etwas ausserhalb des Ortes liegt das über 750 Jahre alte Wasserschloß Langenau. In Oberhof wird heute noch Wein angebaut, die Lage Obernhofer Goetheberg zählt zum Weinanbaugebiet Mittelrhein. Es werden Spätburgunder und Riesling angebaut.

Unterhalb des Klosters passieren Sie die Klostermühle, die in früheren Zeiten dem Kloster zur Fertigung der Lebensmittel diente, heute aber die Bibelschule der evangelikalen Missionsgesellschaft der Fackelträger beherbergt. Dann geht es entweder die Strasse, oder, wenn Sie noch Kraft haben, den schmalen Trampelpfad hinauf zum Kloster. Die Geschichte reicht zurück bis in die 2. Hälfte des 10. Jhdt. 1139 hat Graf Ludwig III.seine Burg Arnstein in ein Prämonstratenser-Kloster umgewandelt, 1145 bestätigt Konrad III. die Abtei als reichsunmittelbar. Als die Nassauer zum Protestantismus übertraten, unterstellte sich das Kloster dem Erzbistum Trier. 1919 bildeten die Arnsteiner Patres hier das erste Konvent auf deutschem Boden. Seit 1924 gibt es die Arnsteiner Herz-Jesu-Wallfahrt.

 

15. Tag Schweich – Trier 04.03.2007

Wieder unterwegs! Die Zwischenetappen werden länger – aber auch die einzelnen Pilgeretappen gehen jetzt über mehrere Tage. Uns stehen drei Tage bevor, von denen wir einen ganzen Tag in Trier bleiben wollen. Hotel ist gebucht, Wetter an diesem Sonntag soll toll werden – Ultreia!
Zeitig ging es los, wir sind um halb zehn in Schweich beim Wolfgang zum Frühstücken verabredet. Immerhin sind wir jetzt alleine für die Anfahrt schon 2 Stunden unterwegs. Im Vorfeld gab es schon den ersten „Ärscher“ (wie der Hesse sagen würde): kurze eMail an Wolfgang „Was sind denn so Deine Interessengebiete?“ als Antwort kam: „Nichts mitbringen, ich kaufe auch die Brötchen und Croissants, Ihr seid meine Gäste – habt Ihr das verstanden?“ Ist der Mann Hellseher? Immerhin haben wir den Menschen dort in Schweich nie vorher gesehen, nur ein netter eMail-Kontakt hatte sich die vergangenen Wochen mit dem Mosel-Spezialisten entwickelt. Und jetzt gibt es bei ihm am hochheiligen Sonntagmorgen ein tolles Frühstück, der Tisch bog sich unter den feinen Sachen, die er aufgetragen hat. Auch wenn es langweilig wird: Der Weg gibt Dir alles was Du brauchst – und für die nächsten drei Tage noch viel, viel mehr.
Aber vorher noch ganz kurz bei Christa Rößler vorbei, der Küsterin, die uns als rettender Engel von Schweich nach Klausen gefahren hatte. Wer weiss, ob wir noch jemals die Chance haben, uns mit einem kleinen Geschenk für die Hilfe zu bedanken – deshalb dort noch schnell eine kleine Erinnerung an die verrückten Pilger aus Weilburg vorbeigebracht. Sie stand im Hof – war schon viel zu spät dran und musste zum Dienst. Trotzdem war es, als ob wir eine uralte Bekannte treffen. Pilger unter sich scheinen eine verschworene Gemeinschaft zu sein!
Dann beim Wolfgang vor der Tür: „Schön, dass Ihr etwas zu früh seid, ich habe nämlich Hunger!“ Seid sieben Uhr hatte er das Frühstück vorbereitet und Obst für den riesigen Obstsalat geschnippelt. Und den haben wir noch nicht einmal angeschaut – das kam erst abends. So ein Frühstück hat schon was. Wolfgang, herzlichen Dank für Deine Gastfreundschaft und Deine Mühen. Wir hatten ihm übrigends doch etwas mitgebracht, liessen es aber einfach draussen liegen. Was soll man bloss jemandem mitbringen, den man nicht kennt? Naja, es war dann das im letzten Jahr erschienene Buch über die zu seiner Zeit einzigartige Wasserversorgung des Weilburger Schlosses. Der Mann ist schliesslich Lehrer, vielleicht kann er mal etwas für den Unterricht nachschlagen und vielleicht interessiert er sich ja für Geschichte. Es ist halt eine Geste.
Während des Frühstücks lernten wir uns dann kennen, und erhielten noch eine Einladung zum Abendessen, und das Angebot, ein kurzes Stück mitzulaufen. Und, und, und ….
Kurz auf die Karte geschaut und dann ging es los. Bei strahlendem Sonnenschein machten wir uns auf den Weg von Schweich nach Trier. Die Wanderführer empfehlen, diese Strecke mit dem Bus zurückzulegen, weil die Etappe unattraktiv ist und durch das Hafengebiet von Trier führt. Das sind anscheinend die Autoren, die ihre Pamphlete nach intensivem Kartenstudium zu schreiben pflegen. Tatsächlich unterscheidet sich die Etappe in nichts von den vorhergehenden, ganz im Gegenteil. Ausser der Nähe zur Stadt und dem an einem Sonntag sowieso zu erwartenden Spaziergänger-Ansturm haben wir nichts am Weg auszusetzen.
In Quint am Bahnhof stiess Wolfgang dann für ein paar Kilometer zu uns. Er wollte bis Ehrang mitgehen. Strahlender Sonnenschein – tja, wenn Engel verreisen, dann lacht die Sonne. In Ehrang noch einen Abstecher ins Pfarrhaus. Markus Nicolay, Sekretär der Sankt-Jakobus-Bruderschaft, Trier, wird nachmittags als Pastor in Ehrang eingeführt. Wir wollten wenigstens mal guten Tag gesagt haben und Markus Nicolay auch unsere Wünsche für die sicher nicht leichte Zeit als Pastor mit auf den Weg geben. Obwohl beim Mittagessen mit Familie und Freunden gestört, hat er sich gefreut, dass die Jakobspilger auch bei ihm Station machten.
In Ehrang geht es noch einmal steil hinauf in den Wald auf den Karl-Kaufmann-Weg. Nun fragt nicht, wer dieser Karl Kaufmann war – sein Weg auf jeden Fall ist ein schönes Stück Natur auf dem Weg Richtung Trier und führt in Biewer wieder nach unten an die Mosel.
Hier in Biewer kommt ein historischer Jakobsweg, der von Aachen über die Eifel nach Trier, an die Mosel. Die Pfarrkirche St. Jakobus wollten wir uns nicht entgehen lassen und schon vorher zeigt eine Säule den Schutzpatron unserer Pilgerreise in voller Grösse. Leider war die Kirche geschlossen – aber wir nutzen die Bänke für ein kurzes Sonnenbad im März, bevor wir uns mit Bargeld versorgten und auf den Bus warteten. Wir hatten einfach keine Lust mehr. Die Hauptstrasse in Biewer hat furchtbar viel Durchgangsverkehr und kann einem das Pilgern schon ganz schön verleiden. Gabi taten die Füsse weh, und im Hinblick auf den nächsten Tag haben wir uns haltg ein wenig geschont. Wolfgang hat es „schummeln“ genannt. Aber wir haben den Weg am nächsten Tag deutlichst wieder nachgeholt (nicht von Biewer nach Trier, sondern in Trier selbst).
Wann waren wir im Hotel? So gegen 2 Uhr nachmittags. Leider noch kein Gepäck da, der Gepäcktransfer von Schweich nach Trier hat nicht so ganz hingehauen 🙂 Aber wir wollten Wolfgang nicht zweimal nach Trier hetzen, und deshalb haben wir uns erstmal zum Mittagsschlaf ins Bett gelegt. An so einen Gepäcktransfer könnten wir uns gewöhnen. Auch dafür herzlichen Dank an Dich, Wolfgang.
Zum Hotel: ein schrecklicher Kasten, 14 oder 15 Stockwerke hoch, nahe der Trier Arena am Ratio-Einkaufszentrum, in unmittelbarer Nähe zum Nells-Park. Aber eindeutig der „Best Deal“ in Trier, denn nachdem die Jugendherberge wegen Umbau bis April geschlossen hat, Privatquartiere noch nicht so ganz unseren Vorstellungen entsprochen haben (dazu gleich mehr) und die Barmherzigen Brüder in ihrem Gästehaus 71,30 Euro pro Nacht haben wollten, sind wir hier im 3*-Haus für 45 Euro spitzenmässig komfortabel und günstig innerhalb unseres Budget von deutlich unter 50 Euro untergekommen. Innen ist das NH-Hotel längst nicht so hässlich, wie es die Waschbetonfassade vermuten liesse. Und ein grosses Zimmer im 8. Stock, mit Blick auf Trier, die Mosel und hinüber nach Biewer – soviel Luxus haben wir gar nicht erwartet. Toll, zukünftigen Pilgern empfhelen wir einfach, mal auf die Internet-Seiten zu gehen und zu schauen, wie die Raten gerade so sind. Wir waren voll und ganz zufrieden.
Privatquartiere sind so eine Sache. Auf der einen Seite werden wir sicher noch oft auf diese generösen Angebote eingehen, auf der anderen Seite jedoch sind Gabi und ich im Moment noch froh, wenn wir abends unsere Ruhe, sprich ein wenig Privatsphäre haben. „Man“ sagt bei privaten Gastgebern nicht einfach: „Ich will meine Ruhe haben“ und die Hemmschwelle, ist bei uns noch viel zu gross. Vielleicht ändert sich das, wenn wir länger unterwegs sind. Vielleicht freuen wir uns dann über mehr Kontakte am Weg. Noch sind wir nicht soweit. Das „Annehmen“ ist tatsächlich noch ein grosser Punkt. Da müssen wir noch viel lernen. Christa Rößler – wir waren sprachlos. Ein fremder Mensch fährt uns von Schweich nach Klausen. Wolfgang Welter – nach ein paar eMails lädt er uns zum Frühstück, zum Gepäcktransfer, zum Abendessen, zum kleinen Stadtrundgang, zum erneuten Abendessen ein. Ist schon nicht einfach, hier einfach „Danke, vergelt’s Gott!“ zu sagen. In unserer Gesellschaft lernen wir, dass wir für alles, was uns gegeben wird, in irgendeiner Form bezahlen müssen. Und jetzt wird uns einfach so gegeben! Dies ist ein Lernprozess – den wir gerade erst begonnen haben.
So gegen 5 kam Wolfgang mit unserem Rucksack! Ein Kaffee und Espresso in der Lobby, während Gabi noch schnell unter die Dusche sprang. Und dann begann ein wunderschöner Abend in Schweich, mit einem „perfekten Dinner“ (frei nach VOX) und einem tollen Wein. Und die am Morgen verschmähte Schüssel Obstsalat war, mit einem Klosterlikör verfeinert, restlos niedergemacht (ich hoffe, Wolfgang, Deine Tochter hat uns verziehen!). „Willst Du noch eine Flasche Wein mit ins Hotel nehmen?“ Klar wollte ich, und, da wir keinen Korkenzieher mithatten, legten wir auch noch eine zweite, geöffnete, Flasche ins Auto. Das haben wir nämlich gleich nach Trier umgesetzt, damit wir auch den weiteren Weg ohne Rucksack machen konnten.
Abends im Bett hing der Haussegen schief. „Nun sag‘ schon, ich weiss selbst, dass ich blöd war!“ Gabis einzige Antwort an diesem Abend: „Du bist ein Tyrann!“ Der Rest war Schweigen. Naja, der Nikotinentzug treibt seltsame Blüten (keine Entschuldigung, nur eine Erklärung). Ich bin am Esstisch bei Wolfgang etwas sehr ungeduldig geworden – es war Zeit, ins Bett zu kommen und Gabi wollte perse noch mit den Kindern sprechen. Wolfgang, das brachte Dich als Gastgeber in eine komische Situation, bitte verzeih‘ mir.
Mit dem Spitzen-Roten aus der Gegend klang unser Tag dann aus. So lässt sich das Pilgern aushalten. Was haben wir bloss verbrochen, lieber Gott, dass es uns so gutgeht?
Erkenntnis des Tages:
Annehmen

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