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Schlagwort: wagen

13. Tag Eberhards-Klausen – Klüsserath 19.02.2007

 
Mein Töchterchen (immerhin auch schon 25 – bleibt aber auch in den nächsten 25 Jahren "-chen") meckert. Die letzten vier Tage waren zu lang, es hat zu lang gedauert, alles zu lesen.
 
Also machen wir es heute kürzer, weil die Etappe auch kürzer war, einverstanden?
 
Klausen, Berg hoch, Berg runter, Klüsserath, Rosenmontagszug, tolles Zimmer, Spitzen-Abendessen, Spitzen-Wein, getrennt geschlafen. Alles klar? Das war unsere Montags-Etappe.
 
Für diejenigen, die noch etwas mehr erfahren wollen, hier die Langfassung:
 
Gabi und ich hatten uns vorgenommen, unser Budget nicht allzusehr zu strapazieren, mit den kommenden zwei Tagen von Klausen nach Schweich. Deshalb hatte ich auch schon am Sonntag ein Zimmer in Klüsserath gebucht.
 
Wir sind erst gegen 11 in Klausen eingetroffen. Ziemlich spät. So toll, wie in der letzten Woche war das Wetter auch nicht mehr – zwar blieb es trocken, aber den strahlenden Sonnenschein, mit dem ich verwöhnt wurde, habe ich schon vermisst. In Klausen druften wir den Wagen auf den Parkplätzen der Patres abstellen, damit er sicher aufgehoben war.
 
Ein wenig Mühe hatten wir, den Einstieg in unseren Weg zu finden. Die Karte war nicht ganz eindeutig. Aber zweimal nachfragen brachte Rat und der Weg führte fast schnurgerade auf den Berg hinauf.
 
Rund 10 km haben uns auf gewartet, mit einem heftigen Anstieg, aber dann mit einem gemütlichen Abstieg. Kurz nach 2 kamen wir in Klüsserath an und gerieten mitten in den Rosenmontagszug. So etwas bekommen die Hessen einfach nicht hin und bei mir brach die Kinder- und Jugendzeit durch. Migesungen, mitgeschunkelt, mit Helau gerufen! Wie in jungen Jahren. Nun bin ich ja der Meinung, dass die Hessen eh zum Lachen in den Keller gehen – Gabi bestätigte meine Meinung. "Komm, weiter, das hält ja niemand aus!" Typisch hessisch also! Erst, als sie sah, welcher Art die "Kamelle" sind, die da vom Wagen geschmissen wurden, war sie doch noch zum Bleiben zu bewegen. Unser Mittagessen bestand also in erster Linie aus Toblerone, Milky Way, Mars, Snickers und was es da sonst noch so alles gibt. Ich hielt mich lieber am Wein – denn die Weinprobe liess sich sehr schön am Wagen des Elferrates erledigen, hinter dem wir uns in den Zug eingereiht hatten.
 
Dann haben wir "eingecheckt", im Ferienweingut Herres – die Senioren Herres standen auf der Strasse, um auch dem Zug ihr Helau zuzurufen. Nach dem Weg durch die Weinberge und weil ich ja wusste, dass wir heute nacht bei Winzern übernachten, hatte ich viele Fragen. Und so löcherte ich Herres-Senior, ohne Rücksicht. Das tut mir auch wirklich leid, Herr Herres, ich habe Sie wirklich über Gebühr strapaziert. Dabei hatten Sie vorher schon erwähnt, dass Sie nicht so lange stehen können.
 
Aber es kamen auch interessante Dinge heraus. Frau Herres-Senior erwähnte: "Vor zwei Jahren hatten wir schon einmal eine Jakobspilgerin!" Welch ein Zufall. Von den tausenden von Unterkunftsmöglicheiten am Weg hat es tatsächlich schon eine Jakobspilgerin genau in unsere gebuchte Unterkunft verschlagen. Liebe Mitpilgerin: wenn Du dies zufällig liest, dann meld‘ Dich doch mal bei uns. Wir wüssten gerne, wie es Dir auf Deinem Weg ergangen ist.
 
Im modernen, aber urgemütlichen Zimmer, stand eine Flasche Riesling für uns bereit, der ich einfach nicht widerstehen konnte. Aber dann erst einmal ein paar Minuten geschlafen – und so gegen sechs machten wir uns auf die Suche nach einem Abendessen ohne Karnevals-Remmidemmi. Da brechen dann meine norddeutschen Wurzeln durch :-). Gefunden: im Anker gab es ein hervorragendes Abendessen (Gabi mit Nudeln, von der Portion konnte ich auch noch satt werden – ich hatte eine hausgemachte Frikadelle mit Kartoffelsalat, und ich hätte den Teller ablecken können, so lecker war es).
 
Trotz der kurzen Strecke sind wir beide engumschlungen auf der Couch eingeschlafen. Mitten in der Nacht hat Gabi mich schnöde verlassen – Richtung Bett. Deshalb das "getrennt geschlafen" oben in der Kurzfassung.
 
Erkenntnis des Tages
 
die Mosel gehört eindeutig zum Rheinland  

Zwischenetappe

 
Übernachten auf dem Jakobsweg im Winter:
 
Unsere Planung steht – am Freitag geht es von Löf nach Treis-Karden und am Samstag weiter nach Zell-Merl. Die Idee mit dem Moselradweg nach Cochem haben wir ad acta gelegt. Einen ganzen Tag, ca. 28 km, auf Asphalt, das ist so eine Sache. Wir übernachten also in Treis, um am nächsten Tag ausgeruht die weietere Strecke nach Merl zurückzulegen.
 
Übernachten ist überhaupt so ein Thema. Ich war gestern morgen schon sehr frustriert. Es hat fast 3 Stunden gedauert, bis ich eine bezahlbare Unterkunft für uns gefunden hatte. Ich hatte schon geplant, den Wagen in Cochem abzustellen, dann mit dem Zug nach Löf, mit dem Zug oder Bus von Karden wieder nach Cochem und dann von Merl wieder nach Cochem. Alles, was unter 70 Euro (für 2 Personen) liegt, hat entweder geschlossen, oder renoviert, oder hat geschlossen und renoviert. Oder es fällt ihnen was anderes ein. In meiner Not habe ich das Pfarrbüro angerufen (dem Herrgott sei Dank für die Telefonflatrate), die haben mir zumindest bestätigt, dass die Fremdenverkehrsinformation eigentlich präsent sein müsste und hatten auch drei Adressen für uns. Fehlanzeige. Die endlich erreichte Information hat mir dann 3 Adressen gegeben: bei der ersten ging niemand ans Telefon, bei der zweiten bin ich kurz abgewatscht (würde der Bayer sagen) worden, wie ich mich denn erdreisten könne, am Montag im Winter anzurufen und bei der Dritten (Gasthaus Gräf) musste ich erst mal mit den beiden Kindern parlieren (piepsig: Hallo – ich: Hallo, gibst Du mir bitte die Mama – piepsig: Hallo – ich: Hallo, gibst Du mir bitte die Mama – piepsig: Hallo – ich: … – piepsig: dann gebe ich Dir jetzt mal lieber die Mama), bevor ich die Chefin an die Strippe bekam. Und das Zimmer mit Etagendusche kam auch erst ins Gespräch, als ich dreimal sagte, dass mir 50 Euro zuviel sind. Wenn wir das bis zur spanischen Grenze bezahlen sollen, dort, wo es dann richtige Pilgerherbergen gibt, müssen wir einen Pilgerkredit aufnehmen 🙂 Die Hotels sind durchweg der Meinung, der Januar-Gast muss gefälligst die Strom- und Heizungsrechnung für 3 Monate zahlen. 50 Euro pro Person sind nicht die Ausnahme, sondern eher die untere Regelpreisgrenze. Da ist die Mosel hervorragend touristisch erschlossen – nur die Pilger mit einem bescheidenen Budget sind völlig vergessen.
 
Das ist der Nachteil, wenn im Winter abseits der Hauptpilgerströme gepilgert wird. Vielleicht wäre es am Rhein Richtung Mainz und Speyer oder in der Eifel zwischen Köln und Trier anders. Wir werden es nicht mehr ausprobieren, wir sind schon auf dem Weg. Mal sehen, wie die nächsten Übernachtungsplanungen verlaufen werden.
 
Auf jeden Fall werden wir hier in Weilburg für die Pilger auf dem Lahn-Camino eine Übernachtungsmöglichkeit schaffen – und vielleicht ist ja auch unsere Heimatgemeinde bereit, das Pfarrheim für Pilger zur Verfügung zu stellen.

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