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Schlagwort: sonnenschein

Ultreia

 

Ultreia, vorwärts, morgen geht es endlich wieder los. Und nachdem wir im Februar wunderschönstes Frühlingswetter mit strahlendem Sonnenschein hatten, meldet sich heute pünktlich zum Frühlingsanfang der Winter zurück. Und die nächsten Tage sollen nicht gerade einladender werden. Wollen wir wirklich los?

Ich bin mir alles andere als sicher, ob ich das wirklich will. Mindestens einmal am Tag nass werden. Und das bei Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt. Aber es gab mittelalterliche Pilger, die haben zur Buße Erbsen (roh natürlich, sonst wirkt es nicht :-)) in die Schuhe hineingesteckt. Ich weiss nur nicht so genau, wofür ich büßen soll.

Ich glaube, ich überlasse Lisa die Entscheidung. Denn eigentlich brenne ich darauf, endlich wieder loszukönnen. Den Wegen der Jakobspilger auf der Rhein-Achse folgen. Nicht alle sind über die Eifel nach Trier gegangen. So manch einer wird dem Verlauf des Rheines gefolgt sein. Die Almosenrechnungen in Andernach, oder die Hospitalkapelle in Lahnstein, oder die vielen anderen Spuren beweisen es.

Um Lisa mache ich mir aber die geringsten Sorgen. Rucksack-Packen ist so ein Beispiel.

Da hat sich ein Pilger aus der Nähe von Gießen meinen Pilgerwanderführer für den Lahn-Camino gekauft, dazu ein paar gute Wanderschuhe und einen Rucksack – hat aber meine Liste der Ausrüstung nicht weiter beachtet. Bei 65 kg Körpergewicht rückte er hier am vergangenen Sonntag mit einem 15 kg Rucksack an. 1,6 kg hat er von hier nach Hause geschickt und zog mit etwas über 13 kg von hier weiter. Kein Wunder, dass er körperlich an seine Grenzen stiess.

Ganz anders unsere Lisa Marie. "Du kannst aber höchstens 6 kg mitnehmen!" "Was muss denn mit," war ihre Frage. Ich habe ihr die Liste aus den Pilgerwanderführern und Gabis Rucksack gegeben, eine Stunde später kam sie mit dem gepackten Rucksack wieder: 4,9 kg. Und hatte noch zusätzliche Wäsche drin. Mit Wasserflasche ist sie jetzt bei 10% ihres Körpergewichtes. Klasse – die Jakobspilger in den verschiedenen Internet-Foren, die tagelang über Sinn und Unsinn streiten und sich nicht belehren lassen wollen, sollten sich daran ein Beispiel nehmen.

Lisa wäre ja auch ohne Wanderschuhe, in labberigen Turnschuhen losgezogen. Oder in ihrer Jeans-Jacke. Mir kommen da die "Vögel des Himmels" in den Sinn: "Sie säen nicht, sie ernten nicht, aber der Herr im Himmel ernährt sie doch!" Völlig unbedarft, voller Gottvertrauen, es wird schon nicht so schlimm werden – und bei Regen und Schnee stellt man sich unter.

Ja, ein Riesenunterschied. Ist es das Alter, das mich alles vorbereiten und planen lässt?

Ultreia, ultreia et sus eia, deus adjuva nos.

24. Tag Pont-a-Mousson – Liverdun 04.01.2008

 

Drei Monate ist es her, seit ich nachmittags bei strahlendem Sonnenschein in Pont-a-Mousson ankam und eine ABC-Tour (Another Bloody Cathedrale) durch die Innenstadt unternahm. Nein, so schlimm war es gar nicht, die Jesuitenkirche St.- Martin und besonders das Kleinod St. Laurent hatten es mir schon damals angetan.

Gabi und ich mussten erstmal von Nancy nach Pont-a-Mousson kommen. Also erstmal mit dem Bus in die Innenstadt zum Bahnhof, dann fast 50 Minuten auf den Zug gewartet – 15 Minuten später, um 10 Uhr, waren wir in Pont-a-Mousson.

Ich hatte, glaub‘  ich, letztes Jahr schon geschrieben, dass Pont-a-Mousson so eine Art französisches Wetzlar ist. Alte Wurzeln -immerhin die erste lothringische Universität und auf dem Berg die Burg der lothringischen Herzöge-, aber heute eher ein industriell geprägter Ort. In Deutschland finden wir auf den Kanaldeckeln den Schriftzug "Buderus" (Wetzlar), in Frankreich heisst es "Pont-a-Mousson". Nur die optischen Werke scheinen zu fehlen.

So ungefähr wusste ich die Richtung, vom Bahnhof aus weg von der Innenstadt. Und im Outdoor-Führer heisst es: "… Sie pilgern zurück zur Kirche von Maidiers, wo der GRP links weiter …". Ha, wenn’s denn mal so einfach gewesen wäre. Maidiers? Kein Problem. Kirche? Kein Problem. GRP? Wo? Outdoor-Führer: "… bewaldete Hänge …" Wir also nach oben und einem Wanderweg gefolgt. Dieser führte aber plötzlich und ohne Vorwarnung wieder zurück, d.h. die Mosel hinunter in Richtung Metz. Das konnte es wohl nicht sein. Also zurück. Also wieder nach unten. Also der nächstbesten Strasse zum "idyllischen Jezainville" (Outdoor-Wanderführer) gefolgt. Lieber Michael Moll, ich weiss wieviel Arbeit in einem Pilgerwanderführer steckt. Aber für manche Beschreibung solltest Du die Strecke noch einmal ablaufen, die Pilger werden es Dir danken.

Und in Jezainville haben wir den Bus zurück zum Bahnhof von Pont-a-Mousson genommen, dort den Zug bis nach Nancy. Warum?

Das war einfach kein Tag zum Pilgern. Trüber Himmel, immer wieder Nieselregen, und ein gefrorener Boden, der für spiegelglatte Bürgersteige und später auch Wanderwege sorgte. Das war nicht unser Tag. Während ich noch munter ausschritt und gegen die Schmerzen im linken Knie ankämpfte, verspannte sich Gabi völlig, ging wie auf Eiern mit kleinen Schritten übervorsichtig auf Bürgersteigen und Waldwegen. Hinzu kam bei ihr ein zu schwerer Tagesrucksack und dann nach nicht einmal 5 km Rücken- und Schulterschmerzen.

Unser Rhythmus passte einfach nicht zusammen. Zwar hätte ich Gabi in Jezainville in den Bus setzen und selbst weiter nach Liverdun pilgern können – aber mittlerweile hatten wir durch das Verlaufen oberhalb von Maidiers und unsere Langsamkeit soviel Zeit verloren, dass ich nicht mehr bei Tageslicht in Liverdun angekommen wäre.

"Also morgen auf ein Neues!" nahmen wir uns vor und suchten in Nancy erstmal das "Flunch". Flunch, ein Tipp von Wolfgang, ist eine französische Restaurantkette, in der es ein Hauptgericht und dann beliebig viele Beilagen  gibt. Ideal, wenn man endlich mal zu einem vernünftigen Preis etwas vernünftiges Essen will.

Das, was vom Nachmittag noch übrig war, haben wir damit verbracht, uns Nancy wirklich intensiv anzusehen. Zwar klappte es mit dem Galle-Museum und den anderen Museen nicht, aber ansonsten haben wir wohl das meiste sehenswerte gesehen. Eine tolle Stadt, nachfolgenden Pilgern sei gesagt, dass der Nancy-Abstecher im Outdoor-Führer vom Stein-Verlag wirklich lohnenswert ist.

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