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Schlagwort: schweich

RZ-Online Artikelarchiv vom 20.08.2008

 

RZ-Online Artikelarchiv vom 20.08.2008

Camino markiert

Pilgerweg nach Trier

RHEIN-HUNSRÜCK. Seit Kurzem ist der Pilgerweg nach Santiago de Compostela auf der Strecke von Koblenz nach Trier als sogenannter Mosel-Camino komplett markiert. Mehr als 500 Schilder und Aufkleber mit der gelben Jakobsmuschel auf blauem Grund säumen nun den rund 180 Kilometer langen Pilger- und Wanderweg, für den die St.-Jakobus – Bruderschaft Trier die Patenschaft übernommen hat.

In Verbindung mit dem Elisabethpfad II und dem Lahn-Camino ist damit auf beiden Seiten der Mosel sowie deren angrenzenden Höhen die Möglichkeit geschaffen worden, in Ost-West-Richtung nach Trier zum Grab des Apostels Matthias und von dort weiter nach Santiago de Compostela zu pilgern.

Die Route führt von Stolzenfels über Waldesch, Hünenfeld, Nassheck, die Dreifaltigkeitskirche Bleidenberg (Gemarkung Oberfell), Alken, Löf, Hatzenport, Lasserg, Burg Eltz, Treis-Karden, Kloster Engelport, Beilstein, Kapelle Lindenhäuschen (Gemarkung Grenderich), Bullay, Marienburg, Zell-Kaimt, Zell, Bummkopf, Enkirch, Starkenburg, Traben-Trarbach, Bernkastel-Kues, Lieser, (Osann-)Monzel, Minheimer Schutzhütte, Klausen, Krames, Klüsserath, Ensch, Schweich, Trier-Quint, Trier-Ehrang, Trier-Biewer nach Trier (St. Matthias).

Die zusammenlaufenden Rippen der Muschel weisen gleichsam als Pfeil die Richtung.

 

 

Schäfer, Karl-Josef und Welter, Wolfgang: Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier – Der Pilgerwanderführer für den Mosel-Camino

Vieles ist an der „katholischen“ Mosel einfacher:

Denn so wird unser Pilgerwanderführer in einer Cochemer Kirche präsentiert:

Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier.

Der Pilgerwanderführer für den Mosel-Camino

Pilgerweg:

  1. Etappe: Koblenz-Stolzenfels – Alken
  2. Etappe: Alken – Treis-Karden
  3. Etappe: Treis-Karden – Bullay
  4. Etappe: Bullay – Traben-Trarbach
  5. Etappe: Traben-Trarbach – Osann-Monzel
  6. Etappe: Osann-Monzel – Klüsserath
  7. Etappe: Klüsserath – Schweich
  8. Etappe: Schweich – Trier

· Taschenbuch: 220 Seiten

· Verlag: Books on Demand GmbH; Auflage: 1 (Oktober 2007)

· Sprache: Deutsch

· ISBN-10: 3833498889

· ISBN-13: 978-3833498 88

· Preis: 14,95 EUR

In 8 Tagesetappen führen Sie die Autoren auf dem Mosel-Camino von Koblenz-Stolzenfels bis zum Apostelgrab des heiligen Matthias in Trier. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass vor Ihnen schon etliche von Jakobs- und Matthiaspilgern diesen Weg gegangen sind. Er führt Sie entlang der Mosel und auf den benachbarten Eifel- und Hunsrückhöhen durch eines der schönsten Wan­der­ge­bie­te Deutsch­lands mit einer wechselvollen Vergangenheit. Der Pilgerwanderführer be­schreibt die Strecken­führung, gibt spirituelle Anregungen, Tipps für Besichtigungen, verweist auf An­sprechpartner in Kirchengemeinden und Touristen-Informatio-nen und listet erschwing­liche Un­ter­­­kunftsmöglichkeiten auf. Außerdem beinhaltet er eine Viel-zahl weiterer nützlicher Ad­res­sen.

Karl-Josef Schäfer, Jahrgang 1956, arbeitet als Kommunikations-Trainer und Executive-Coach und lebt seit Anfang 2006 in Weilburg/Lahn, nur wenige Schritte vom Lahn-Camino entfernt. Seit langer Zeit be­schäftigt sich Schäfer mit der Geschichte der Jakobswege in Europa und machte sich schließlich im Dezember 2006 selber mit seiner Frau Gabi auf den Weg nach Santiago de Compostela. Da für manche Strecken bisher keine Begleiter vorliegen, entschloss sich Schäfer zunächst, den ersten Pilger­wanderführer für den Lahn-Camino zusammenzustellen. Dieser ist im Mai 2007 erschienen (Der Jakobsweg von Wetzlar nach Lahnstein, ISBN 978-3-8334-9475-8, Euro 9,95).

Wolfgang Welter ist ein ‚Kind‘ der Mosel: 1957 geboren in Cochem und dort aufgewachsen, Lehr­amtsstudium in Koblenz. Sein Referendariat hat er in Zeltingen absolviert. Heute ist er in Trier als Lehrer tätig. Seinen Wohnsitz hat er in Schweich. Zu seinen Hobbys gehört das Wandern. Seine Wandertipps, allesamt für den Bereich Mosel, sind auf vielen Internetseiten veröffentlicht. Für den Eifelverein kümmert er sich um die Pflege und Erhaltung der Markierungen des linksseitigen Moselhöhenweges im Bereich Schweich.

7. Etappe Klüsserath – Schweich = ca. 19 km

Klüsserath – Kahlbach – Zitronenkrämerkreuz – Landwehrkreuz – Schweich = ca. 19 km
Schwierigkeit mittel
Zeit ca. 5 Stunden ohne Pausen und Besichtigungen
Besichtigungen: Schweich

Tagesmotto: “Wecke meine ermüdeten Kräfte aus ihrem Schlaf! Lass mich nicht, meine Verluste zählend, hinter dem Zug zurückbleiben! Lass bei jedem Schritt die Straße unter mir singen von ihrem Ziel, deinem Hause! Denn die Nacht ist dunkel, und dein Pilger ist blind. Halte du meine Hand.“ Rabindranath Tagore

Heute lassen wir es auf der Etappe von Klüsserath ins junge Schweich etwas ruhiger angehen und nehmen uns etwas mehr Zeit als sonst, um all die Schönheiten und Besonderheiten der Natur links und rechts des Weges zu bestaunen. Die Wegmarkierung ist dabei stets das ‚M’, Sie folgen also bis nach Schweich dem Moselhöhenweg.

Bitte überqueren Sie zunächst die Brücke, die am westlichen Ende von Klüsserath über die Salm führt. Sogleich biegen Sie nach rechts ab. Bald schon führt ein Kreuzweg nach links in die Weinberge hinauf. Die Mosaiken der Kreuzwegstationen stammen wohl aus der Mitte des 20. Jhs.; die oben liegende Marien-Kapelle dient auch dem Gedächtnis der Gefallenen der beiden Weltkriege. Das große Mosaik zeigt einen Winzer, der mit der Kiepe auf dem Rücken zur Gottesmutter fleht.

Nun folgt ein Weg hoch über den Weinbergen der ‚Thörnicher Ritsch’ zum gleichnamigen Aussichtspunkt. Der Name Ritsch leitet sich von dem brüchigen Grauschiefer der Lage ab, immer wieder rutschen Felsen ins Tal. Durch die brüchigen Felsen kann in der Ritsch auch keine Flurbereinigung mit Wegebau durchgeführt werden, in dem steilen Gelände würden die Wege abrutschen. Seit 2006 kann man auch über einen Klettersteig vom Parkplatz an der Bundesstraße aus hier hoch kommen. Kaum nachvollziehbar, dass früher die Weintrauben auch von Eseln auf den ‚Wangerstpedchen’ (Weinbergspfade) ins Tal befördert wurden.

Bald schon geht es gleichmäßig auf geteerten Weinbergswegen bergab ins Kahlbachtal. Am Ende des Weinbergsweges halten Sie sich nach links auf der Straße, um nach etwa 300m den Bach zu überqueren. Achtung: bitte nehmen Sie nicht die Zufahrt zum Golfplatz, die sich wenige Meter zuvor befindet! Weiter geht es durch den Wald, dann wieder hoch und runter durch die Weinberge. Sie queren nach ca. 2 km das Kaulenbachtal und erreichen bald das Zitronenkrämerkreuz. Unter den vielen Beweisen der Volksfrömmigkeit, denen Sie bisher auf dem Mosel-Camino begegnet sind, hebt sich dieses Wegkreuz aus dem 18. Jh. ganz besonders ab.

Seit mehr als 200 Jahren steht dieses Gedenkkreuz am Rande einer alten Handelsstraße, dem heutigen Moselhöhenweg, auf der Gemarkung der über 1000 Jahre alten Gemeinde Schleich.

An dieser Stelle soll im Jahre 1687 ein Händler – ein Zitronenkrämer – von seinem Diener ermordet worden sein. Wie die Inschrift besagt, ist das Kreuz errichtet worden von den „Kinder des allhier verstorbenen PI Carove seligen Angedenkens.“ Das Wappen auf der Säule zeigt einen Karren mit rückwärts blickenden Vögeln. Ambros Carove, Sohn eines Thomas, kam zwischen 1651 und 1655 von Lenno (Lenni) am Comersee, Italien, nach Trier. Ambros’ Alter ist nicht bekannt; er oder sein gleichnamiger Sohn wurde 1676 als Zitronenkrämer ins Trierer Krämeramtsbuch eingetragen. Vater oder Sohn muss es gewesen sein, der 1687 auf dem Moselhöhenweg eines gewaltsamen Todes starb. Von Ambros Caroves Sohn Ambrosius nimmt man an, dass er der Erbauer des ‚Hotel Venedig’ (1656 – 1658) in Trier war. Deswegen findet man am Haus ‚Venedig’ in Trier, Ecke Johannis-/Brückenstraße, ein ähnliches, das Carov’sche Wappen – zusätzlich gekrönt von der Statue eines triumphierenden Johannes.

Nach 200 m biegen Sie nach rechts ab (nicht den MV nach Mehring nehmen!) und gehen durch den Mehringer Wald und dann geradeaus über die Wiese unter den gewaltigen Hochspannungsleitungen hindurch zum Landwehrkreuz, das auf fast 410 m NN gelegen ist. Achten Sie hier auf die Markierung: aufgrund von kürzlich durchgeführten Landschaftspflegemaßnahmen ist der Weg über die Wiese nur recht schwierig auszumachen. Der etwas renovierungsbedürftige Rastplatz an diesem alten Wegkreuz aus Buntsandstein bietet sich dennoch für eine kurze Pause an. Vielleicht bietet sich hier auch Gelegenheit, der Mahnung „Gedenke, oh Christ, dass Jesus Christus für dich gestorben ist“, zu folgen. Meistens ist man hier oben von Schafen umgeben – ein besonderer Reiz, sich durch die Herde den weiteren Weg am Mehringer Berg vorbei zu bahnen. Es dauert nicht mehr lange, bis Sie in einen Wald gelangen und sich gleich danach nach rechts halten (auf dem vermeintlichen Hauptweg geht es hinunter nach Longen). Bis zu den Weinbergen geht es durch den Wald beständig nach unten. Sie bleiben oberhalb der Weinberge in etwa auf gleicher Höhe; erst ab der Grillhütte Rupperath geht es wieder bergab. Unter der Autobahn führt der Weg ins Zentrum von Schweich, den Platz an der Pfarrkirche St. Martin.

Schweich

Allgemeines:  Schweich gehört zum Landkreis Trier-Saarburg im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 6560. 

Ansprechpartner: Katholisches Pfarramt St. Martin, Klosterstraße 1a, 54338 Schweich, Tel.: 06502 2327; Tourist-Information Roemische Weinstraße, Brückenstraße 46, 54338 Schweich, Tel. 06502 9338-0, E-mail: schweich@t-online.de

Übernachtung: Ferienweingut Wallerath, Bahnhofstraße 25, 54338 Schweich, Tel: 06502 5554, E-Mail twallerath@web.de, Doppelzimmer/Frühstück ab 42,- Euro; Hotel-Garni Wagner, Langgartenstraße 25, 54338 Schweich, Tel: 06502 92090, E-Mail pension-wagner-schweich@t-online.de, Doppelzimmer/Frühstück ab 24,- Euro; Weingut-Pension Schiff, Schaumbach, 54338 Schweich, Tel: 06502 2787, E-Mail weingut-pension-schiff@web.de, Doppelzimmer/Frühstück ab 48,- Euro

Im Eingangssatz haben wir etwas vom ‚jungen’ Schweich geschrieben. In gewisser Weise ist das auch richtig, denn Schweich an der ‚Roemischen Weinstraße’ bekam die Stadtrechte erst 1984 verliehen. Ausgrabungen einer römischen Villa und archäologische Funde von Mosaikfußboden, Gräberfeld, Münzen, Scherben und Ziegeln zeigen aber, dass hier schon die Römer gesiedelt haben. Der Niederprümer Hof verdankt seine Existenz der fränkischen Königstochter Bertrada, der Mutter Karls des Großen. Diese schenkte den Ort dem Kloster Prüm in der Eifel und sorgte damit für die erste urkundliche Erwähnung im Jahr 721. Heute dient der Niederprümer Hof als Kulturzentrum von Schweich.

Ein kleiner Stadtrundgang führt uns ins Schweich an vielem Sehenswertem vorbei. Eines der beiden Wahrzeichen der Stadt ist der ehemalige Fährturm. Erbaut wurde der massive, fünfeckige Bruchsteinbau gegen Ende des 18. Jhs. Die Spitze ist moselaufwärts gerichtet und diente in kalten Wintern als Eisbrecher. Ursprünglich war das Fährseil zwischen diesem und dem 1902 für den Bau der Moseltalbahn abgerissenen Pendant auf der anderen Moselseite gespannt, mit dem Bau der Brücke wurde aber der Fährbetrieb im Jahr 1906 eingestellt.

Das andere Wahrzeichen ist die Pfarrkirche, deren Turm schon von weitem zu erkennen ist. Ursprünglich befand sich die erste Pfarrkirche aus dem Jahr 1570 an einem anderen Standort. Dann wurde jedoch am heutigen Standort eine Vorgängerkirche 1821 und 1822 erbaut und schließlich, nach einem Brand, zwischen 1894 – 1897 die heutige katholische, neugotische Pfarrkirche St. Martin. Nur der klassizistische Westturm wurde vom Vorgängerbau übernommen. Alle drei Altäre werden von Reliefdarstellungen und Figurenschmuck geprägt. Der Hochaltar zeigt heilsgeschichtliche und biblische Szenen. Die beiden Seitenaltäre sind der Heiligen Maria und dem Heiligen Josef geweiht. Sehenswert sind noch die Fenster im Chor mit Darstellungen von kirchlichen Festen und die Glasfenster in den Querarmen. Taufstein und Kanzel runden das Bild schließlich ab. Aus der ehemaligen, heute säkularisierten Abtei St. Maximin in Trier stammen die beiden unvollständigen Steinfiguren des Heiligen Andreas und Heiligen Johannes an der Außenseite des Chores.

Der schon erwähnte Niederprümer Hof wurde Anfang des 18. Jhs. erbaut und diente unter anderem als Weingut des aldligen Damenstiftes Niederprüm. Heute ist das Gebäude ein Kulturzentrum, in dem auch eine ständige Ausstellung über den Moseldichter Stefan Andres und das Pater-Haw-Museum untergebracht sind.

Schon Ende des 17. Jh. gab es in Schweich eine jüdische Gemeinde, die im Jahr 1820 sogar eine Schule und eine Synagoge besaß. 1862 wurde eine neue Synagoge errichtet, im Innenraum ein großer Saal mit im Westen vorgelagertem Raum. Von hier aus führt die Treppe zur Frauenempore. Das Rundfenster über dem ehemaligen Thoraschrein lässt das Licht der aufgehenden Sonne einfallen. 1989 wurde die Synagoge wieder hergerichtet und ist heute Kulurzentrum, in dem Ausstellungen, Lesungen und Konzerte stattfinden.

Die knapp 2 km außerhalb gelegene Molitorsmühle am Föhrenbach stammt aus dem Jahr 1824 und ist vollständig erhalten. Erbaut wurde sie als Loh-, Öl- und Schleifmühle. Die Mühle wird während der Besichtigungszeiten samstags, sonn- und feiertags von 14 – 17 Uhr auch in Betrieb genommen. Für Gruppen gibt es auch Extra-Termine (Weitere Informationen: Tel.: 06502 1336 oder 06502 2253 oder 06502 4310; E-Mail: info@molitorsmuehle.de, Internet: http://www.molitorsmuehle.de/)

Erwähnenswert sind noch die Wegkapelle in der Hofgartenstraße, sie befindet sich im Chorbereich der alten Pfarrkirche, sowie der prächtige Kreuzigungsbildstock an der Westwand der alten Schule aus dem Jahr 1709.

Zwei Namen sind mit Schweich und der Bahnhofstraße unweigerlich verknüpft: zum einen steht hier das Haus (Nr. 1), in dem am 26.5.1871 der Gründer des nach ihm benannten sozial-caritativen Werkes des Johannesbundes Johannes Maria Haw geboren wurde. Im Johannesbund (heute in Leutesdorf am Rhein ansässig) arbeiten verschiedene Gruppen und Gemeinschaften zusammen: die Johannesschwestern von Maria Königin sowie die Missionare vom heiligen Johannes dem Täufer. Außerdem gehören mehrere Einrichtungen zum Johannesbund, die v. a. Resozialisierungs-, Bildungs- und Pflegeaufgaben wahrnehmen. (weitere Informationen: http://www.johannesbund.de)

Zum anderen verbrachte wenige Meter weiter (Haus Nr. 5) der am 26. Juni 1906 in Trittenheim-Dhrönchen (Breitwies) geborene Schriftsteller Stefan Andres seine Jugend. In Köln, Jena und Berlin studierte Andres Theologie und Germanistik. 1937 verließ er mit seiner Familie Hitler-Deutschland, kehrte 1950 zurück, bevor er 1961 endgültig nach Italien übersiedelte. Andres verband in seinen Romanen und Erzählungen antike Sinnenhaftigkeit mit christlicher Mystik. Sein bekanntestes, im übrigen autobiographisches Werk ist wohl ‚Der Knabe im Brunnen’, aus dem Jahr 1953 (Lesetipp: Andres, Stefan: Der Knabe im Brunnen; Roman; 336 Seiten; ISBN 978-3-423-13459-0; Euro 12,50; dtv):

„Für den kleinen Steff, jüngstes von sechs Kindern des Müllers Stefan Ainert, ist die dörfliche Welt seiner Heimat erfüllt mit Wundern. Er schaut in den Brunnen – und sein Spiegelbild verwandelt sich in einen armen Jungen, der dem Wassermann die Gänse hüten muß. Engel und Teufel geistern durch seine Phantasie und beleben die herbe Schönheit des Mosellandes. Voller Humor schildert Stefan Andres die kauzigen und originellen Gestalten des Dorfes und zeichnet ein unvergeßliches Porträt der Eltern. Es ist in leicht verschlüsselter Form seine eigene Kindheit, eine Kindheit voller Spannungen zwischen der neugierigen Lust auf das Leben und den Hemmungen durch die engen religiösen und konventionellen Grenzen.“ (dtv)

Andres fand auf dem deutschen Friedhof im Vatikan Campo Santo Teutonico seine letzte Ruhestätte. Seine 2003 verstorbene Frau Dorothee ist ebenfalls dort beerdigt

Heute hat sich die in Schweich im Niederprümer Hof ansässige Stefan-Andres-Gesellschaft zur Aufgabe gemacht, das geistige Werk des Dichters zu verwalten: eine ständige Ausstellung im Niederprümer Hof, eine Bibliothek, die Verleihung des Stefan-Andres-Preises, die Herausgabe der ‚Mitteilungen der Stefan-Andres-Gesellschaft’ und andere Initiativen. (weitere Informationen: http://www.stefan-andres-gesellschaft.de/).

Im Herzen der Stadt, an der Ecke Bernhard-Becker-Straße/Stefan-Andres-Straße stellt der von Johannes Scherl phantasievoll gestaltete Stefan-Andres-Brunnen in plastischer Form Stationen des Lebens von Andres dar. (Beschreibung: http://rs-schweich.bildung-rp.de/Unsere-Schule/StefanAndres/A-Brunn.htm)

7. Etappe Klüsserath – Schweich

 

7. Tag: (Variante A)
Klüsserath
→ Zitronenkrämerkreuz (M)                                              10 km
→ Landwehrkreuz (M)                                                         3 km
→ Schweich (M)                                                                  6 km
                                                                   gesamt: ca. 19 km

14. Tag Klüsserath – Schweich 20.02.2007

 
Dieser Blogeintrag war schon einmal geschrieben – dann aber hat die Speicherung nicht geklappt und alles ist wieder weg. Hier nun die zweite Version – diesmal aber mit Zwischenspeicherungen!
 
Aus dem Westerwald ist sie, die Frau Herres-Junior, und deshalb kennt sie auch Weilburg. Aber in Klüsserath und im Klüsserather Karneval fühlt sie sich pudelwohl und mischt auch kräftig mit. Viel zu lange haben wir nach dem grossartigen Frühstück die Zeit verplaudert. Ein wenig enttäuscht waren wir beim Bezahlen. Statt der in der Datenbank hinterlegten 19 Euro pro Person sollten wir 23 bezahlen. "Die erste Nacht ist teurer," erklärte uns Frau Herres. Uns frass es aber die knappen Bargeldvorräte auf, die jetzt gegen Null tendierten. Gerade noch so konnten wir bezahlen – und Klüsserath bot uns keine Gelegenheit, diese wiedre aufzustocken. Vielleicht könnten Sie, Frau Herres, den höheren Preis auch in der Unterkunfts-Datenbank der Gemeinde hinterlegen lassen – Sie sind es allemale wert. Und wenn wir nicht hätten bezahlen können, wäre es für beide Seiten ärgerlich geworden.
 
Regelrecht geschockt war ich von dem Preis für den Spitzen-Riesling. Stundenlang waren wir in den letzten Wochen an der Mosel unterwegs, haben die steilen Rebhänge gesehen und so manchen Weinbauer bei der mühseligen Schneide- und Bindearbeiten beobachtet. Und wir haben uns gewundert, dass so viele Weinberge aufgegeben wurden und jetzt entweder brach liegen oder völlig verwildert sind. Bei einem Preis von 4 Euro 60 für eine Flasche eigentlich kein Wunder, dass sich immer mehr junge Leute gegen den Weinbau entscheiden. Die "Geiz-ist-Geil-Mentalität" treibt schon seltsame Blüten. Der "umweltbewusste" Deutsche, der gegen Atomkraftwerke protestiert und sich vor dem Klimawandel fürchtet, greift im Supermarkt zur weitgereisten australischen oder kalifornischen Flasche für 2,50, statt den qualitativ hochwertigeren Wein aus heimischen Landen für 2 Euro mehr zu kaufen. Fahrt mal an die Mosel, probiert dort den Wein beim Winzer. Alles besser, als das billige Zeugs aus dem Supermarkt.
 
Soweit zum Thema Weinmarketing – jetzt wieder zurück auf den Jakobsweg. Der führt mit einem modernen Kreuzweg aus Mosaiken hinauf in die Weinberge. In der Marien-Kapelle, die auch dem Gedächtnis der Gefallenen des letzten Weltkrieges gewidmet ist, kniet ein Winzer und fleht zur Gottesmutter. Wahrscheinlich bittet er nicht um einen leichteren Anstieg, wir hätten das aber gerne blasphemisch getan.
 
Denn bis zur höchsten Stelle, dem auf 410 m liegenden sogenannten Zitronenkreuz, war es noch ein gutes Stückchen, auf dem Gabi und ich ganz schön gekeucht haben.
 
Ich bin fasziniert von all den Beweisen der Frömmigkeit am Weg. Zwar gibt es auch viel Kitsch und viel Geschmackloses bei den Wegkreuzen und den Bilderstöcken, aber dieses aus dem 17. Jhdt. stammende Zitronenkreuz, und später das Landwehrkreuz, gehören eindeutig zu den Schmankerln. Sie laden regelrecht zum Innehalten und zu einem kurzen Gebet ein.
 
Das Landwehrkreuz, schon kurz vor Schweich, markiert anscheinend eine Grenze – auch im Internet konnte ich keine weitere Erklärung dazu finden. Es steht am Ende einer schmalen Flucht von alten Bäumen, die, mit viel Gestrüp einen schon fast sürreal anmutenden Eindruck machen. Vielleicht hat Kyrill auch hier zugeschlagen, viel Geäst ist sicher auch hierhin getragen worden.
 
Von hier geht es nur noch bergab und schon bald lag Schweich unter uns. Hier hatten wir beide keine Lust mehr, Schweich sieht von hier oben nach all den romantischen Moselortschaften nicht gerade einladend aus. Ausserdem ging uns das ständige Rauschen der Autobahn auf die Nerven. Die sogenannte Zivilisatgion hat uns wieder eingeholt. "Ob das in Schweich auch ständig zu hören ist?" Die Füsse taten uns weh und wir waren auch nicht gerade begeistert von der Vorstellung, in Schweich erst eine Post zur Bargeldaufbesserung, dann den Busbahnhof und dann noch ein Cafe zur nachmittäglichen Kaffeedröhnung zu suchen. "Weisst Du was, ich suche die Telefonnummer vom Wolfgang Welter heraus, oder schicke ihm eine eMail – vielleicht ist er ja aus Belgien schon zurück und dann bieten wir ihm eine Kafeeeinladung gegen einen Lift nach Klausen an, vielleicht geht er ja auf den Deal ein!" Ehrlich, vor vier Wochen hätten wir über so etwas noch gar nicht nachgedacht, mittlerweile sind wir aber mürbe geworden und fragen so hin und wieder nach Hilfe. Mehr als Nein-Sagen wird niemand.
 
Endlich kam die Sonne heraus und versöhnte uns so langsam mit diesem kalten Tag. Gleich hinter der Autobahnunterführung  stand ein Wegweiser, rechts zum Bahnhof, links zur Kirche und zur Altstadt. Eigentlich ist es meine Art, zunächst einmal den Bahnhof und eine Bargeldquelle zu finden – die Besichtigung kann dann immer noch stattfinden und wir wissen zumindest, wo wir hinmüssen. Aber wir haben uns, warum auch immer, für links entschieden. Und das sollte wenig später noch sehr wichtig werden.
 
"Der Weg gibt Dir alles was Du brauchst …" wie oft habe ich den Satz schon geschrieben? Vielleicht liegt es an meinen eigenen Zweifeln, vielleicht auch an meinen Erfahrungen, vielleicht auch daran, dass ich gerne alles durchplanen möchte. Totus tuus – ich bin in Deiner Hand – bis hierhin schon soviele Beweise, dass ER den richtigen Weg aufzeigt. Und hier wieder einer:
 
Gabi und ich sind zur Kirche gegangen. "Ob die wohl offen ist?" Zu oft haben wir auf unserem Weg vor verschlossenen Gotteshäusern gestanden. Ich drückte die Klinke herunter und sah eine im Wind flatternde Fahne. "Schau mal, die haben eine Jakobsmuschel im Stadt- oder Gemeindewappen!" So stehen wir noch einen Moment vor dem Kirchenportal, die Klinke heruntergedrückt. Und von innen wurde das Portal geöffnet: "Ich will gerade abschliessen, aber Sie können sich noch umsehen!" Zwei Minuten später und wir hätten die Küsterin, Frau Rößler, nicht mehr angetroffen.
 
Asu meiner Frage nach einem Stempel im Pilgerpass entwickelte sich ein längeres Gespräch. Frau Rößler pilgert einmal im Jahr im Fränkischen – Tagesetappen mit bis zum 54 km, Übernachtung in Schulen oder, wenn das Wetter mitspielt, im Freien. Chapeau, Hochachtung, vor dieser Leistung – wir würden das nicht schaffen. Aber dafür sagte uns Frau Rößler, sie würde es nicht mit Rucksack nach Santiago schaffen.
 
Im Laufe des Gesprächs erzählten wir, dass wir erst die Post brauchten und dann rund 3 Stunden auf den Bus nach Wittlich und von dort nach Klausen warten müssten. "Ich fahr‘ Sie da hin, ob ich nun 10 Minuten früher oder später nach Hause komme, spielt keine Rolle!" Wir hatten schon unsere Mühe damit, dieses grossherzige Angebot anzunehmen. Aber schliesslich dachte ich mir "Was soll’s, es wird schon für irgendetwas gut sein!"
 
Tatsächlich dauerte die Autofahrt nur wenige Minuten – und das lockere Gespräch mit vielen Informationen übers Pilgern haben wir genossen. In Klausen hat uns Frau Rößlers bis vor das Portal, neben unser Auto gefahren – ein erstklassiger Service. Nach der Einladung, unseren Wagen für die nächsten Etappen in der breiten Auffahrt der Rößlers in Schweich abzustellen, verabschiedeten wir uns von einem Menschen, von dem wir nach 45 Minuten den Eindruck hatten, wir kennen ihn schon ewig. Ein Satz ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: "Sie müssen reif für eine Pilgerreise sein – das richtige Alter haben oder ein besonderes Erlebnis gehabt haben. Sonst klappt es nicht!"
 
Wir stehen kurz vor unserem nächsten grossen Meilenstein: mit der nächsten Tagesetappe erreichen wir Trier mit dem heiligen Rock und St. Mattheis, dem einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen. Wir wollen uns einen ganzen Tag Zeit für die älteste Stadt Deutschlands nehmen. Und dann geht es weiter, Richtung Reims.
 
Erkenntnis des Tages
 
Zufall oder Notwendigkeit?

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