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Schlagwort: schmerzen

11. Tag Traben-Trarbach – Bernkastel-Kues 16.02.2007

 
Die Jugendherberge in Bernkastel-Kues hatte ich ja eigentlich schon gestern abend abgesagt – aber heute morgen war mir einfach nicht nach pilgern. Ausserdem war es hier wunderschön – Traben-Trarbach ist durchaus einen längeren Abstecher wert. Aber hierbleiben war auch nicht drin – die Herberge erwartete 160 Gäste übers Karnevalswochenende – eine Gruppe, die schon seit Jahren gerade hier in Traben-Trarbach dem Karnevals-Trubel entgehen will (ich wünsch‘ es ihnen ja, aber kann man das an der Mosel wirklich?).
 
Also bat ich, doch noch einmal in Bernkastel-Kues anzurufen, ob die ein Bett für mich haben. Acht Kilometer schienen mir machbar, plus die zwei von der Jugendherberge bis hinüber nach Traben.
 
Bei aller Freude über den herrlichen Tag, ging es mir ganz schön beschissen. Der Rucksack drückte gewaltig, mein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule, der mir schon seit Jahren Schmerzen bereitet, jubelte den ganzen Tag munter vor sich hin. Der Vorfall drückt auf einen Nerv, der den rechten Arm und die ersten drei Finger bedient – den spürte ich schon ab mittags nicht mehr. Und solche Schmerzen drücken ganz schön aufs Gemüt, da kann auch die Sonne nur wenig aufhellen. Ich habe viel über meine körperliche Verfassung als 50jähriger nachgedacht (gar nicht so schlecht, oder?), über meine Beziehung zu Gabi (ich liebe sie immer noch wie am ersten Tag, nein, eigentlich noch mehr) und über vieles andere.
 
Nun wollte ich die kurze Strecke nach Bernkastel-Kues nutzen, um weiter meinen Gedanken nachzuhängen und natürlich auch, um meine Batterien wieder aufzuladen. Hat geklappt. Mit beiden Vorsätzen bin ich ein gutes Stück weitergekommen.
 
Die Jugendherberge liegt in Trarbach, Richtung Mont Royal. Der Weg nach Bernkastel-Kues über den Berg beginnt am Alten Gymnasium in Traben. Wurschtelt oder fragt Euch durch, so weit ist es gar nicht.
 
Nur der Weg verscheissert einen ganz schön. Gleich hinterm Gymnasium steht an der Strasse ein Schild "30% Steigung" – als ahnungsloser Pilger dachte ich, dann kann es ja nicht so lange dauern, bis ich oben bin. Die 30% waren wirklich nicht so lang, ein paar hundert Meter vielleicht. Aber dann ging die Steigung um die Hälfte zurück und hörte überhaupt nicht mehr auf. Furchtbar, da kann man doch den Wanderer drauf aufmerksam machen, oder?
 
Auf jeden Fall hat mich das ganz schön geschafft. Die alten Hohlwege, parallel laufend, zeigten an, dass dies aber schon seit ein paar Jahrhunderten so ist und ich bestimmt nicht der erste war, der sich hier die Lunge aus dem Hals gekeucht hat.
 
Und dann stehe ich plötzlich oben und vor mir geht der Weg wieder nach unten. Das war eine Belohnung wert und ich studierte in Ruhe die Informationen, die es hier oben am Rastplatz gab. Graacher Schanzen, Wolfer Schanzen – hier oben hat der Bär der Geschichte getobt. Alles so um 1794, als die Franzosen auf die Idee kamen, die glorreichen Errungenschaften ihrer Revolution in die Welt hinaus zu tragen. War das nun wirklich der Drang nach Missionierung? Oder vielleicht doch nur der Rückfall in den Imperialismus des Kaisertums? Die Historiker werden die Antwort wissen.
 
Auf jeden Fall waren die Schanzen, die Laufgräben, Geschützstellungen und Bollwerke hier oben zum Aufhalten der Franzosen begonnen worden. Hat aber nicht geklappt, denn auch für die Schanzen benötigten die Verteidiger Soldaten, und an denen mangelte es denn doch gewaltig. Also hörten die Preussen mit dem Bau auf und verzogen sich klammheimlich. Die Franzosen konnten schalten und walten wie sie wollten. Bis die Preussen und Österreicher wieder ein paar Soldaten zum Dienst gepresst hatten. Da ging es dann den Franzosen an den Kragen – und die hatten nichts besseres zu tun, als die Arbeit an den Schanzen wieder aufzunehmen. Hat aber auch denen nicht viel gebracht, denn schlussendlich musten die Franzosen das Feld räumen und den vereinigten preussischen Österreichern 1815 im Wiener Kongress alles das wieder zurückgeben, was sie sich vorher in ihrem Missionierungswahn angeeignet hatten. Erwähnt sei nun noch, dass weder die Preussen, noch die Österreicher, noch die Franzosen selbst auch nur einen Finger gekrümmt hatten. Die Winzer und Bauern der Umgebung waren die Leidtragenden: sie mussten nicht nur das Material, sondern auch noch ihre Arbeitskraft für dieses sinnlose Unterfangen liefern.
 
Kurz und gut, hier oben auf der Graacher Höhe sind militärische Festungswerke erbaut worden, an denen höchstens einmal aus Versehen geschossen wurde, oder aber um mit einem Stück Wild die Mahlzeit zu verfeinern. Das ganze Unterfangen war schlichtweg sinnlos – und eigentlich sollte die Geschichte dieser riesigen Schanzwerke über einen ganzen Höhenzug in jeder Militärakademie ausführlich gelehrt werden. Vielleicht fliesst dann weniger Geld in sinnlose Rüstung.
 
Trotz meiner kritischen Haltung bin ich aber der Letzte, der sich Denkmälern widersetzen könnte – also bin ich, schon fast einen Kilometer weit nach unten gepilgert, dann doch wieder umgedreht. Was soll’s? Ich habe doch Zeit genug. Das schaue ich mir noch an.
 
Ich habe versucht, den grandiosen Anblick mit der Kamera einzufangen – ging leider nicht, schade. Der Zahn der Zeit hat Bäume und Gestrüpp wachsen lassen, hat Wälle verflachen und Geschützstellungen fast unsichtbar gemacht. Aber das Umherstreifen war ein wirkliches Erlebnis für mich. Es hört sich blöd an, aber stellenweise habe ich die Planer an ihren Tischen und die Bauern mit ihren Spaten, Pferdefuhrwerken und laut schimpfend sehen können. Wirklich, kein Flachs, es war ein Erlebnis.
 
Dann aber doch zurück auf den Weg und hinunter nach Bernkastel. Die Mosel war in ihrer Geschichte bestimmt keine arme Gegend. Gerade die letzten 200 Jahre haben überall prächtige Villen und Bauten entstehen lassen. Und schon der Weg durch die Bernkasteler Weinberge zeigt viel von der prächtigen Vergangenheit Bernkastel-Kues.
 
Das letzte erhaltene Stadttor ist das Graacher Tor, oben mit dem St. Michael. Und die Altstadt lässt einen schon staunen. Ein sorgfältig restaurierter Fachwerkbau neben dem anderen. Burg Landshut thront über dem Ort und bietet einen überwältigenden Ausblick auf Kues, auf der anderen Moselseite. Ich kam aus dem links und rechts schauen nicht mehr heraus.
 
Schnell noch in eine Buchhandlung, um die nächste Anschlusskarte zu kaufen (die gibt es nicht wirklich, die GeoMap-Karte reicht auch nur bis Schweich, ist aber übersichtlicher, als die Topographische Karte vom Landesvermessungsamt) und nach dem Weg zur Jugendherberge fragen. "Sind Sie Jakobs-Pilger?" Natürlich ist das leicht an der Jakbosmuschel am Rucksack zu erkennen, aber gefreut habe ich mich trotzdem.
 
Und dann weiter durch die Altstadt, an der Hospitalkirche vorbei, hinauf zur Burg. In der Hospitalkirche habe ich noch viel Zeit verbracht. Ich habe Danke gesagt für die vergangenen zwei Tage und um Segen für den weiteren Weg gebeten.
 
Dann geht es noch am Wasserfall vorbei, den habe ich aber nicht gefunden. Vielleicht habe ich zuviel erwartet? Also da, wo ich an dem Bach entlang gegangen bin, gab es keinen. Nur ein Schild, auf dem Wasserfall stand.
 
Bei Maria Hilf, einer Kapelle, führt der Weg auf die Strasse zur Burg. Totus tuus – der Wahlspruch von Johannes Paul II. – steht auf dem Sockel des Marienbildes. Das wurde zum Motto des ruhigen Nachmittages, den ich in der traumhaften, rund 100 Jahre alten Jugendherberge, oberhalb der Burg verbracht habe. Hier konnte ich meine Batterien so richtig wieder aufladen.
 
Totus tuus – ich möchte das auch gerne sagen können. Denn das bedeutet ja auch sich fallenlassen, einfach die Verantwortung abzugeben an jemanden anderen. Aber für diesen "anderen" auch alles zu tun, für ihn dazusein. Kann ich das? Kann das überhaupt ein Mensch? Totus tuus – mit diesem Thema bin ich noch lange nicht fertig. Vielleicht wird mich das Motto auf dem ganzen weiteren Weg begleiten. Mal sehen.
 
Wirkliche Herzlichkeit bekam ich in der Jugendherberge zu spüren. Traben-Trarbach ist ein 70er Jahre Bau, viel Beton, viel Kälte, aufgelockert durch ein paar Bilder. Selbst die Zimmer sind so kalt, wie der Beton von aussen. Sogar die Bettwäsche war nullachtfunfzehn. Nicht, dass ich den Luxus des riesigen Badezimmers in Traben-Trarbach nicht genossen hätte. Nicht, dass ich mich in Traben-Trarbach nicht heimisch gefühlt hätte. Aber hier in Bernkastel war alles so anders. Schon das Haus hat Atmosphäre, später in der Nacht hat es sogar mit mir gesprochen. Die Duschen und die WCs sind auf dem Flur, die Zimmer sind enger – aber die Freundlichkeit fing schon mit dem gemachten Bett, der lustig rot-weiss karierten Bettwäsche und dem kleinen Betthupferl an. Kuchen war keiner da, also wurde die Keksdose geplündert. Rund 1 km über der Stadt ist natürlich kein Zigarettenautomat, also erhielt ich die letzten 3 Zigaretten aus der Notration. Ein dickes Lob und ein herzliches Dankeschön an das Team.
 
Zum Abendessen gab es Frikadellen, Kartoffelpüree und Blumenkohl- und Brokkoli-Gemüse, ein Mähdrescher hätte mir kaum Konkurrenz machen können. Einen Roten aus der Gegend hatten sie nicht, aber dafür einen Spitzenriesling. Herr, was habe ich verbrochen, dass es mir so gut geht?
 
Erkennnis des Tages
 
Totus tuus!?????????????  

3. Tag Diez – Obernhof 10.01.2007

 
An alle Golfspieler: wenn Ihr tatsächlich glaubt, dass Golfspielen demütig macht, dann müsst Ihr mal wandern gehen. Dann müsst Ihr Euch mal 26 km vornehmen und dann rund 30 km, die letzten 5 km bei völliger Dunkelheit auf einer Serpentinenstrasse, abspulen. Dann wisst Ihr, was Demut bedeutet.
 
Diese 26 km zwischen Diez und Obernhof war bisher die landschaftlich reizvollste, aber auch die körperlich anstrengenste Etappe auf unserem Jakobsweg. Wir dachten immer, dass das Lahntal hier bei uns in Weilburg schön ist – nein, Richtung Rhein wird es immer reizvoller und schöner. "Warum denn in die Ferne schweifen, sieh, das Gute liegt so nah!" Deutschland hat so wunderschöne Ecken, die es zu entdecken gilt. Allein dafür lohnt es sich schon, dem ausgeschilderten Lahn-Camino zu folgen und nicht den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Diese Etappe war die Etappe der Schlösser und Burgen. Und der Schmerzen!
 
Der Reihe nach: um kurz nach acht sind wir aufgebrochen. Gabi, Lisa Marie (die manchmal doch kein typischer Teenager von 14 Jahren ist), die Hunde und ich. Mit dem Auto nach Diez, am Bahnhof geparkt und dann ging es so gegen 9 Uhr los. Wieder der schönste Tag der Woche, frühlingshafte Temperaturen mitten im Januar. Dieser Tag gab uns einen Vorgeschmack auf die positiven Seiten des Klimawandels.
 
In Diez waren wir einmal kurz unsicher, wie es weitergeht. Der Lahnhöhenweg führt in einen privaten Hof hinein, so scheint es zumindest. Aber hinter dem letzten Haus führt ein schmaler Weg links den Berg hinauf. Beim Hinaufkraxeln ist dann das Foto vom Grafenschloss Diez entstanden, das traumhaft schön im Sonnenlicht hinter uns geblieben ist.
 
Oben auf der Kuppe liegt dann schon die Schaumburg vor dem Pilger. Ein reichliches Stück Weg noch, und gerade hier führt der schmale Weg leider direkt an der Strasse entlang. Aber auch unangenehme Wegstrecken gehen einmal zu Ende und nach kurzer Zeit führt der Pilgerpfad über die Strasse wieder in den Wald zum Abstieg nach Fachingen (dahin, wo das weltberühmte Fachinger herkommt).
 
Auf- und Abstiege haben uns den ganzen Tag begleitet. Kein Vergleich mit unserer ersten Etappe, viel anstrengender, viel steiler. Aber die Ausblicke an den zahlreichen Aussichtspunkten machen so manchen Anstieg wieder wett.
 
Ein Tipp für ähnlich untrainierte Pilger: erspart Euch den Anstieg vom Sportplatz in Laurenburg, sondern nehmt die Strasse durch den Ort. Hinter Laurenburg kommt noch einmal an Anstieg, der es in sich hat und wo Ihr für jeden gesparten Höhenmeter auf der Tour vorher dankbar seid.
 
In Laurenburg sind Hilde und Bahrani zu uns gestossen. Fotos gibt es leider keine, dafür war erst keine Kraft und später kein Licht mehr da. Aber das holen wir nach.
 
Hilde war mit dem Auto direkt nach Laurenburg gefahren um uns die letzten Kilometer bis Obernhof zu begleiten. Eigentlich wollte sie zwei Hunde mitbringen – im Nachhinein waren beide Entscheidungen richtig: nach Laurenburg und nicht nach Diez zu fahren und nur einen Hund ins Auto zu packen.
 
Oben auf der Höhe, wo Hilde wartete, gab es erst einmal Zickenalarm. Feny und Bahrani haben sich tüchtig in die Wolle gekriegt. Bahrani hat Glück gehabt, naja, schliesslich soll sie ja auch noch auf Ausstellungen und in die Zucht – kein einziger Kratzer. Mit unserer Feny war es ein wenig anders. Ein Schlappohr perforiert und abends haben wir dann noch eine Stelle im Nacken gefunden. Bahrani hat gut zugelangt.  Das zeigt aber auch, dass Rudelhaltung zwar gut für die Hunde und für die Halter ist – ein oder eine Fremde jedoch relativ wenig Chancen hat, in dieses Rudel hineinzukommen. Soziale Kontakte, Umgang mit Artgenossen, tendieren da schon mal gegen Null. Denn ganz ehrlich: welcher Hundehalter kann sich bei einer Beisserei schon seelenruhig in einiger Entfernung aufbauen und abwarten, was passiert? Ich dachte einfach: "Bahrani ist für Hilde werthaltiger, solange sie nichts tut …." und Hilde schien die gleiche Meinung über uns zu haben. Später wollte sich Feny noch für die erlittene Schmach revanchieren und zog Gabi einmal kräftig über den Waldboden. Hatte aber keine Chance, Gabi war dann doch zu schwer 🙂
 
In Laurenburg oder vielmehr zum Treffpunkt mit Hilde kamen wir schon rund 2 Stunden später als geplant. Und das anstrengenste Stück lag noch vor uns. Wieder ein Abstieg und dann ein gutes Stück an der Lahn entlang. Wir überquerten die Gleise und standen dann im Hof eines Anwesens. Auf der anderen Seite der Bahngleise konnten wir nach längerer Ratlosigkeit unseren Weg sehen. Für zukünftige Pilger: nicht der Wegmarkierung über die Gleise folgen, sondern geradeaus weiter durch das Dickicht und auf dem Trampelpfad. Hinter dem verlassenen Haus führt der Weg dann wieder steil nach oben.
 
Schmerzende Füsse, schmerzende Muskeln – Gabi, Lisa, die Hunde und ich hatten schon gute 15 km mit ständigem auf und ab hinter uns. Aber dieser Anstieg hat nicht nur uns sondern auch die frische Hilde geschafft. Gabi klammerte sich an die Hoffnung: "Wenn ich besonders schnell gehe, dann schaffen wir es noch vor der Dunkelheit!" Pustekuchen! Und ich habe mich an meine gute, katholische Erziehung erinnert und den schmerzhaften Rosenkranz aus den Tiefen meines Gedächtnisses hervorgekramt. Nein, nicht wirklich um zu Beten, sondern vielmehr, um nicht mehr denken zu müssen. Klar, so manches blasphemische Stossgebet habe ich trotzdem in Richtung Himmel geschickt, aber ich muss sagen, dass die Katholen durchaus wussten, wozu so eine Litanei oder ein Rosenkranz gut sind. Absolute Leere, nur noch ein Fuss vor den anderen. Und wieder: "Ehre sei dem Vater und … – Vater unser im Himmel … – Ave Maria …" Irgendwann habe ich mir dann gedacht: "Wenn Du sowieso schon betest, dann kannst Du das gleich auch mit einem Anliegen verbinden. Der da oben wird das schon richtig einzuordnen wissen." Und so war dann der Rosenkranz für die Schäfers, die Rabensteins, die Strommens, die Kleins, Schulzendorffs, Eceterskis und Kargs – also alle, die zum erweiterten Familienkreis zählen. Ich hoffe, denen haben wenigstens die Ohren geklingelt. Und für die katholischen Leser: dieser Anstieg hat für einen kompletten Rosenkranz gereicht!!!!! Und der dauert …..
 
Oben angekommen war das Schlimmste überstanden. Nur kam jetzt bald die Dämmerung, wir haben den Weg verloren und konnten ihn auch nicht wiederfinden. Die Lichter von Obernhof zeigten uns aber die Richtung und bald kamen wir an eine Strasse, die in Serpentinen in den Ort hinuntergeführt hat. Dieses Asphaltlaufen hat uns dann noch einmal den Rest gegeben. Und im Kopf? Stellt Euch einmal vor, Ihr geht auf Euer Ziel zu (in diesem Fall das Kloster Arnstein im Scheinwerferlicht) und dann kommt eine Kehre und Ihr lauft wieder ins Dunkel hinein. Klar, auch daraus kann man im Kopf etwas machen – aber unsere Nerven, die Füsse und Knie wollten einfach nicht mehr. Lisa musste sich noch schnell eine Zerrung am Fuss holen, aber sonst ist alles gut gegengangen.
 
Der Herrgott hat wieder ein Einsehen gehabt, 10 Minuten, nachdem wir am Bahnhof ankamen, sollte der Zug Richtung Laurenburg abgehen. Hilde stieg in Laurenburg aus (wir waren zu schwach 🙂 um sie vernünftig zu verabschieden und winkten mehr oder weniger müde) und wir kamen auch bald in Diez an.
 
"Der Jakobsweg gibt Dir alles, was Du brauchst – aber nicht mehr!" Wir hatten einen wunderschönen Tag erwischt, milde Temperaturen, kein Regen. Kaum im Auto, wurde aus dem schon heftigen Wind ein Sturm und kurz vor Limburg prasselte der Regen.
 
Erkenntnisse des dritten Tages:
 
1. wir brauchen Wanderkarten im Massstab 1:25.000
2. es geht immer noch ein Stückchen weiter
3. um Demut zu lernen, brauchen wir nicht ins Kloster
4. Der Weg gibt uns alles, was wir wirklich brauchen
 
   

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