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Schlagwort: riese

Via Jutlandica: 5. Etappe Kropp – Rendsburg = ca. 21 km

 

>5. Tag Kropp – Fockbek (13,5 km) – Rendsburg (8 km) = ca. 21 km

Schwierigkeit: leicht

Zeitbedarf ca. 5,5 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen

Besichtigungen Rendsburg

Impuls für den Tag: Ist Christus nicht auferweckt worden, so ist euer ganzer Glaube vergeblich. Eure Schuld ist dann nicht von euch genommen. Wenn wir nur für das jetzige Leben auf Christus hoffen, sind wir bedauernswerter als ir­gend­jemand sonst auf der Welt. Nun aber ist Christus vom Tod auferweckt worden, und als der erste Auferweckte gibt er uns die Gewähr dafür, dass auch die übrigen Toten auferweckt werden. (1 Kor 15,17; 19f.)

Sage:

Der Sand aus den Holzschuhen

Einmal ist ein Riese von Süden her über die Eider gekommen und von Nübbel über Fockbek nach Lohe gegangen. Als er nach Fockbek kommt, hat er seine Holzschuhe schon bis oben hin voll Sand gehabt. Er musste den Sand ausschüt­ten, und das gab eine ganze Menge. Davon heißt der Berg bei Fockbek noch heute der Schütterberg. (In: Meyer, Gus­tav Friedrich: Schleswig-Holsteiner Sagen. Jena 1929)

Von Kropp aus führt der Jakobsweg der heutigen Etappe auf dem historischen Ochsenweg durch den Kropperbusch, das Gehege Lohe und über Fockbek nach Rendsburg. Den Schütterberg bei Fockbek konnte ich aber weder bei der Be­gehung noch bei den Recherchen im Kartenmaterial entdecken. Vielleicht hilft mir dafür ein Einheimischer weiter? Die Fockbeker sind auch der Beweis, dass ‚Schilda’ überall ist – aber dazu kommen wir später.

Zunächst führt Sie der Weg wieder aus Kropp heraus, über die B 77 in Richtung Flugplatz, dann aber nach wenigen Schritten nach rechts. Die Markierungen sind eindeutig, der Jakobsweg kaum zu verfehlen.

Nach noch nicht einmal einen Kilometer durch den Wald überqueren Sie die L 40 und erreichen dann bald den Kropperbusch und ein gutes Stück originalen Ochsenweg. Der Volksmund will wissen, dass im Kropperbusch allerhand dunkles Gesinde und Wegelagerer ihr Unwesen getrieben haben. Tatsächlich aber wird seit Beginn der Aufzeichnungen nur einmal von einem Überfall auf Reisende berichtet. Die Warnung „Du büst an Kropperbusch noch ni vörbi!“ ist deshalb wohl eher an die Kutscher der Fuhrwerke gerichtet gewesen. Der folgende Abschnitt des Ochsenweges ist besonders sandig und wird so manchem Gespann und Fuhrwerk böse mitgespielt haben. Gegen gutes Geld haben die Wirte der Krüge am Weg die Fuhrwerke wieder aus dem Sand gezogen. Ein einträgliches und gutes Geschäft, haben sich doch hier am Ochsenweg zwischen Kropp und Lohe vier Krüge niedergelassen.

Es ist schon etwas besonderes, auf diesem Stück des uralten Handels- und Heerweges zu pilgern. Schnurgerade führt der Ochsenweg durch den Wald. Die Nutzung durch Spaziergänger, Wanderer, Reiter, landwirtschaftliche Gerätschaften und Kraftfahrzeuge erhält den Weg, indem sie den Bewuchs niedrig halten. Immer wieder sind Hinweistafeln mit Infor­ma­tionen über den Ochsenweg aufgestellt. Auch das Abnahmehaus von 1688 oder die Königliche Schäferei sind auf den Info-Tafeln beschrieben.

Nach rund 6 km erreichen Sie Sorgbrück und den Sorgekrug, hier gehen Sie bitte nicht geradeaus durch die Unterfüh­rung, sondern biegen nach links ab und überqueren dann die Straße. Schon nach einem kurzen Stückchen biegt der Weg nach rechts in ein Gewerbegebiet und dann wieder in den Wald ein.

Durch den Wald und vorbei an Binnendünen passieren Sie, kurz bevor es aus dem Wald herausgeht, Wallensteins Schanzen. Links von Ihnen, sehr nahe am Weg, erkennen Sie deutlich die Schanzwerke. In einer Karte von 1804 ist diese Kanonenstellung eingezeichnet – deshalb ist es durchaus möglich, dass die Schanzen 1627 gebaut wurden. Da nämlich hatte der große Feldherr Wallenstein Quartier in Rendsburg bezogen und seine Truppen weitläufig in der Um­gebung verteilt. Die Schanze könnte zum Schutz des Ochsenweges gedient haben.

In das jetzt noch rund 4 km entfernte Fockbek geht es überwiegend auf Wirtschaftswegen.

Fockbek

Allgemeines: Fockbek liegt im Landkreis Rendsburg-Eckernförde und hatte am 31.12.2012 eine Einwoh­nerzahl von 6305.

Ansprechpartner: Evangelische Kirchengemeinde Fockbek, Friedhofsweg 7a, 24787 Fockbek, Telefon 04331-63342, E-Mail ev-kirche-fockbek add gmx.de; Gemeinde Fockbek, Rendsburger Straße 42, 24787 Fockbek, Telefon 04331-66770, E-Mail info add fockbek.de

Schon 1196 wird Fockbek als Fokabikre in einer Urkunde des Dänenkönigs Knut IV. urkundlich erwähnt. Der Ort liegt unmittelbar am Ochsenweg und hatte deshalb eine besondere Bedeutung. Wahrscheinlich ist er aber eine der ältesten Ansiedlungen im nördlichen Eidergebiet; die ältesten Beweise menschlicher Anwesenheit stammen aus der mittleren Steinzeit, also 8000 – 3000 v. Chr.

Auf einen Streit mit der nahe gelegenen Stadt Rendsburg geht die Geschichte vom ‚Aal versupen’ zurück. Vermutlich wurde die weit über die schleswig-holsteinischen Grenzen bekannte bösartige Geschichte von den Rendsburgern in die Welt gesetzt, um die Dummheit der Fockbeker zu beweisen. Ich glaube eher, dass ‚Schilda’ überall und auch heute noch präsent ist:

Die Fockbeker wollten Heringe züchten und kauften zu diesem Zweck in Rendsburg auf dem Fischmarkt einige Fässer mit Salzheringen. Diese schütteten sie in den Fockbeker See und harrten der Dinge, die dort kommen mögen. Im nächsten Jahr wurde das Wasser abgelassen – aber siehe da, statt der erhoff­ten Fülle an Heringen fand sich im Schlick nur ein dicker, fetter Aal. Es war nahe liegend, dass die Fock­beker glaubten, dieser Aal hätte all die Salzheringe aufgefressen.  Die versammelten Dorfbewohner be­rieten lange über eine möglichst grausame Strafe und entschieden schließlich, den Aal zu ertränken (ver­supen). Als der See wieder gefüllt war, wurde der Aal mit dem Kahn zur tiefsten Stelle gebracht und dort über Bord geworfen. Als dieser sich im Wasser wand, riefen die Fockbeker laut: „Seht, wie er sich quält!“ und „He versupt! He versupt!“ (Er ertrinkt, er ertrinkt!). Um sich schließlich noch die Stelle zu merken, an der der Aal ertränkt wurde, kerbten sie eine Markierung in die Bootswand.

Ganz so mag es sich heutzutage nicht mehr ereignen, aber im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler findet man alljährlich eine Vielzahl von Berichten aus ganz Deutschland, die die Verschwendung öffentlicher Gelder in ähnlicher Weise be­legen …

Der Jakobsweg führt direkt durch den Ort und dabei auch am Aalversuper-Brunnen vorbei. Ein Stückchen geht es um den See herum, bevor Sie auf wenig befahrenen Straßen weiter in Richtung Rendsburg nach Klint kommen.

Vor dem Friedhof biegt die Via Jutlandica nach rechts ab und führt dann geradeaus weiter nach Klint. Am Reiterhof in Klint vorbei, bringt Sie der Jakobsweg die Eider hinauf nach Rendsburg.

Es geht noch unter der B 77 hindurch und dann wechseln Sie bitte auf die linke Uferseite der Eider und folgen dem Uferweg bis in die Stadt hinein. Vorbei am Schwimmzentrum und Mobilhome-Hafen biegt der Weg vor einer Schule nach rechts ab und führt dann immer am Stadtsee entlang, bis dieser auf einer Brücke überquert wird. Kurz danach weist ein Wegpfeiler den weiteren Weg: noch 3152 km nach Santia­go de Compostela!

Rendsburg

Allgemeines: Rendsburg ist Sitz der Kreisverwaltung des Landkreises Rendsburg-Eckernförde. Am 31. De­zember 2012 war die Einwohnerzahl 27.446.

Ansprechpartner: Evangelisches Kirchenbüro St. Marien, An der Marienkirche 21, 24768 Rendsburg, Telefon 04331-29494; Katholisches Pfarrbüro St. Michael, Am Margarethenhof 39, 24768 Rendsburg, Telefon 04331-71220, E-Mail Pfarramt add st-michael-rendsburg.de; Touristinformation Nord-Ostsee-Kanal, Schiffsbrücken-Galerie, 24768 Rendsburg, Telefon 04331-21120, E-Mail info add tinok.de

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Auch die Geschichte von Rendsburg hat mit einer ganz besonderen Sage begonnen. In der dänischen und englischen Sage ist Offa bis zum 30. Lebensjahr stumm. Als der damalige Sachsenkönig einen un­rechtmäßigen Anspruch auf den Thron seines Vaters, des Angelnkönigs Wermund, erhebt, gewinnt Offa die Sprache wieder und besiegt im Zweikampf den Sohn des Herausforderers auf einer Eiderinsel. Damit hat Offa die Unabhängigkeit der Dänen gesichert und die Grenze zu den Sueben an der Eider festgelegt. Dies wird sich im 5. Jh. zugetragen haben.

Die Eiderinsel hatte aber dann auch später eine besondere Bedeutung. So trafen sich Franken und Dänen dort im Jahr 811 und verständigen sich über die Eidergrenze. Um 1100 wird schließlich die erste Festung angelegt und 1150 die Ortschaft gegründet, die als Reinoldesburch im Jahr 1199 erstmalig urkundlich erwähnt wird. Bis in das 15. Jh. hinein wird Rendsburg immer wieder von Feuersbrünsten heimgesucht, die umfangreiche Neubauten notwendig machten. So wird die Marienkirche nach dem großen Stadtbrand von 1286 errichtet.

Das Rathaus am Altstädter Markt wurde 1566 fertig gestellt, das Rendsburger Schloss Ende des 16. Jh. ausgebaut. 1718 wird die Schlossanlage wieder abgebrochen. Mit dem Bau der ersten großen Festungs­anlage wird 1669-1673 begonnen. Die Anlage wurde im Laufe der Zeit immer wieder erweitert und aus­gebaut. Erst als die Dänen 1852 wieder die Landeshoheit über Rendsburg erlangen, werden die Fes­tungs­anlagen geschliffen.

Vorher jedoch spielt Rendsburg eine besondere Rolle in den Unabhängigkeitsbestrebungen der Schles­wig-Holsteiner.

So verbüßt z. B. Uwe Jens Lornsen 1831 den größten Teil der Haftstrafe, zu der ihn das Oberkriminal­ge­richt Gottorf verurteilt hatte, in der Festung Rendsburg. Lornsen galt seit der Veröffentlichung seines Trak­tates: ‚Ueber das Verfassungswerk in Schleswigholstein’ als Freiheitskämpfer und Verfechter eines von Dänemark unabhängigen Schleswig-Holsteins. König Frederik VI. ließ den Landvogt von Sylt wenige Tage nach seinem Amtsantritt verhaften und zu eben diesem Jahr Festungshaft verurteilen. Das Lornsen-Denkmal am Rendsburger Paradeplatz gibt ihm den Ehrentitel „Erster Märtyrer für die Sache Schleswig-Holsteins“. Bei allem Nationalstolz ist dies ein wenig weit hergeholt, Uwe Jens Lornsen fand den Freitod im Genfer See, weil er sich für unheilbar krank hielt.

Am 24. März 1848, nach der Ausrufung der provisorischen schleswig-holsteinischen Regierung in Kiel, fuhr ein Sonderzug mit Soldaten von dort ins dänische Rendsburg. Die in dänische Uniformen gekleideten Aufständischen ließen die Feuerglocke läuten und überrumpelten so die Garnison. Rendsburg wurde zum Zentrum des Bürgerkrieges gegen Dänemark.

Für einen Stadtrundgang vorbei an den vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt bietet sich die ‚blue-line’ an, der blaue Weg durch Rendsburg. Die Markierung beginnt am alten Rathaus am Altstädter Markt und führt auf der 3,2 km langen Strecke vorbei an 30 Kultureinrichtungen und Sehenswürdigkeiten.

aktualisiert und überarbeitet am 11. Mai 2014

2. Etappe Handewitt – Süderschmedeby = ca. 19,5 km

 

Schwierigkeit: leicht

Zeitbedarf: 5 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen

Impuls für den Tag: „Im Anfang nur das Wort – und: Du sollst dir kein Bild machen. Diese beiden Grund-Sätze haben wir längst verkehrt. Ich fürchte, nicht wenigen Kindern wird heute erst ein Bild gemacht, ehe sie überhaupt zu Wort kommen.” (Peter Härtling)

Sage: Handewitter Streit

Die Riesen lebten sehr oft mit den Nachbarriesen in grimmigem Streit. So weiß man aus der Gegend von Handewitt, dass die Großwieher Riesen einmal eine Fehde mit den Riesen von Handewitt austrugen. Dabei geriet der Handewitter in so großen Zorn, dass er einen großen Findling nahm und ihn nach dem Großwieher schleuderte. Der Stein fiel auf dem Großwieher Berg nieder, wo er ein tiefes Loch wühlte. Der Riese aber hatte den Stein so hart angefasst, dass sich seine Fingerspitzen darin abdrückten, die heute noch zu sehen sind. Es ist der alte Opferstein, der heute noch auf dem Großwieher Berg zu sehen ist. (Quelle unbekannt)

Heute geht es von Handewitt durch den Handewitter Forst über Banderup zum Sankelmarker See, von dort nach Oeversee, dann durch den Föruper Forst nach Süderschmedeby.

Der Handewitter Forst ist mit 580 ha das weit und breit größte zusammenhängende Waldgebiet. Die Gründe dafür sind im Mittelalter zu suchen. Während in der näheren und weiteren Umgebung die Wälder dem Haus- und Schiffsbau zum Opfer fielen, kam der Handewitter Forst in königlichen Besitz, um dort die Jagdgelüste zu befriedigen. Eine Hinweistafel am Weg erklärt die Entstehung im Detail.

Nach Verlassen des Forstes überqueren Sie die K 85, die unter der A 7 hindurch und an den alten Zollhäusern vorbei in die Gartenstadt Flensburg-Weiche führt. Wenn Sie die 1. Tagesetappe bis hierhin ausgedehnt haben sollten, erreichen Sie hier die Flensburger Stadtbusse für eine mögliche Rückfahrt.

Folgen Sie der guten Markierung des Jakobsweges unter der B 200 hindurch und dann immer zwischen Bahnstrecke und Autobahn auf dem Margeritenweg bis nach Barderup. Bei dieser kleinen Ortschaft, erstmals urkundlich 1472 erwähnt, handelt es sich um eine Oeverseer Aussiedlung. Sie unterqueren hier die Autobahn A 7 und vorbei am Sophienhof gelangen zum Sankelmarker See. An diesem in der letzten Eiszeit entstandenen See liegt die Europäische Akademie Sankelmark, eine Erwachsenenbildungs-Einrichtung, die weit über die Grenzen von Schleswig-Holstein hinaus bekannt ist. Sie bietet Seminare und Tagungen zu politischen und kulturellen Themen der Region Sønderjylland/Schleswig, des Landes Schleswig-Holstein und der Bundesrepublik Deutschland an.

Ein Stückchen gehen wir an diesem ökologischen Kleinod entlang (am nördlichen Teil soll es Eisvogel-Bestände geben), um dann rechts in den Weg nach Oeversee abzubiegen.

Oeversee

Allgemeines: Oeversee liegt im Landkreis Schleswig-Flensburg und hatte am 31.12.2006 eine Einwohnerzahl von 2016. Am 01.06.2008 werden Oeversee und Sankelmark fusionieren.

Anlaufstellen: Kath. Pfarramt St. Marien Schmerzhafte Mutter Flensburg, Nordergraben 36, 24937 Flensburg, Telefon 0461-1440910, E-Mail kath-kirche-fl@foni.net; Gemeindebüro St. Georg, Stapelholmer Weg 29, 24988 Oeversee, Telefon 04630-93237; Tourist- und Service-Center Grünes Binnenland, Dorfstraße 8, 24963 Tarp, Telefon 04638-898404, E-Mail info@tourismus-nord.de

Übernachtung: Gasthaus Frörup, Stapelholmer Weg 43, 24988 Oeversee-Frörup, Telefon  04638-8945-0, Ü/F im DZ ab 41 Euro; Pilgerunterkunft www.via-jutlandica.de

Bei Oeversee weiß man gar nicht, was nun zuerst zu nennen ist: Der Schnittpunkt zweier historischer Handelswege an der strategisch so wichtigen Furt durch die Treene? Die Wehrkirche St. Georg aus dem 12. Jh.? Oder das Gebäude des heutigen Luxushotels ‚Historischer Krug’, aus dem Jahr 1519, das nach der Schlacht von Oeversee als Lazarett diente?

Beginnen wir mit den mittelalterlichen Handelsrouten. Über den Ochsenweg haben Sie ja schon im Informationsteil des Pilgerwanderführers gelesen. Der Stapelholmer Weg, der hier bei Oeversee vom Ochsenweg abzweigte und an der Treene entlang bis nach Hollingstedt (Nordseehafen von Haitabu – siehe dort) führte, hatte für die Flensburger Kaufleute eine besondere Bedeutung. Ab Hollingstedt war die Treene dann bis zur Mündung in die Eider und später in die Nordsee schiffbar und stellte somit eine schnelle Verbindung dar. Am Unterlauf der Eider hatten die Kaufleute Umschlagplätze eingerichtet, besonders für englische und holländische Waren.

Im deutsch-dänischen Krieg (1.2. – 30.10.1864) kam es am 6. Februar 1864 bei Oeversee zu einem Gefecht zwischen den mit den Preußen verbündeten Österreichern und den Dänen. Das 6. k.u.k. Armeekorps aus Graz siegte über die im Rückzug befindlichen Dänen. In den Abend- und Nachtstunden kamen Bewohner aus dem 10 km entfernt liegenden Flensburg und schafften die Verwundeten in den am Ochsenweg liegenden ‚Krug’. In Oeversee erinnern das Österreicher-Denkmal an der L 317 und der Grazer Platz, in Graz die Oeversee-Gasse und das Oeversee-Gymnasium an die denkwürdige Schlacht. Die Flensburger Bürger gedenken alljährlich mit dem Oeversee-Marsch der Auseinandersetzung.

Eine besondere Bedeutung für uns hat die dem heiligen Georg geweihte, aus dem Anfang des 12. Jh. stammende Feldsteinkirche. Vermutlich war sie von Anfang an dem Schutzpatron der Reisenden geweiht, denn Oeversee war Rastplatz am Ochsenweg für Pilger auf ihrem beschwerlichen Weg noch Jerusalem, Rom oder Santiago de Compostela.

Der runde Turm der romanischen Kirche hat im Norden noch erhaltene Schießscharten. Diese deuten darauf hin, dass St. Georg in Oeversee Teil eines Befestigungssystems war. Kosel und Haddeby an der Schlei und Kampen (Rendsburg) und Süderstapel an der Schlei gehörten ebenfalls zu diesem Befestigungssystem. Ähnliche Bauten können Sie im Osten Englands entdecken, dem Teil, der einmal zum dänischen Reich gehört hat.

Der Altar und der Taufstein, beide aus gotländischem Kalkstein, stammen noch aus der Zeit der Kirchengründung. Die ehemalige Balkendecke, die schon ab 1497 eingewölbt wurde, ist noch über dem Südfenster und gegenüber zu erkennen. Die schönen Gewölbemalereien im Altarraum stammen aus der Spätgotik, die im Schiff aus der Frührenaissance. Auch aus dem 15. Jh. stammt das Triumphkreuz, dessen ursprüngliche Fassung aber nicht wiederhergestellt werden konnte. Die Renaissance-Kanzel stammt aus der Ringerinck-Schule (Flensburg, 17. Jh.). Zwischen den lateinischen Bibelversen unter den Bildern und Szenen aus dem Leben Jesu sind die christlichen Tugenden dargestellt: Glaube, Hoffnung, Klugheit, Liebe, Güte, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigkeit, Nüchternheit und Geduld.

Alle anderen Ausstattungsdetails sind jünger, aber nicht weniger wertvoll. Die Taufschale aus Messing stammt aus dem Jahr 1758, die Orgel wurde 1846 bei Marcussen in Aabenraa gebaut. Die Kronleuchter wurden 1894 gestiftet; die bunten Glasfenster über dem Altar und an der Südwand stammen schlussendlich von der Flensburger Künstlerin Käthe Lassen aus den Jahren 1935 und 1936.

Auf dem Weg aus dem Ort hinaus überqueren Sie die Treene trockenen Fußes und gehen dann an der Straße entlang in Richtung Fröruper Holz. Wenn Sie aus dem Wald herauskommen, erreichen Sie bald die wenig befahrene Straße nach Süderschmedeby. Kurz vorher noch einmal nach rechts, die L 193 ist etwas stärker befahren.

Süderschmedeby

Allgemeines: Süderschmedeby gehört zur Gemeinde Sieverstedt im Landkreis Schleswig-Flensburg und hat ca. 90 Einwohner.

Übernachtung: Gisela Hansen, Norderstraße 9, 24885 Süderschmedeby, Telefon 04638-7000, ÜF im DZ ab 40 Euro; Pilgerunterkunft www.via-jutlandica.de

Um 1342 wird Süderschmedeby als Smedebu urkundlich erwähnt. Namen mit der Endung -by sind dänischen oder schwedischen Ursprungs und stammen wahrscheinlich von den Wikingern. Der Name lässt sich als ‚Schmiededorf‘ deuten. Aber schon in der Römerzeit rauchten hier die Hochöfen zur Eisenverhüttung. Auf dem Urnenfriedhof in Süderschmedeby wurden Urnen mit einer Schlacken-Ummantelung gefunden. Der Schmiedeplatz am Auberg mit Wohnsitz des Schmieds und seiner Familie ist die erste in dieser Kombination nachgewiesene Waldschmiede in Schleswig-Holstein.

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