Mensch, Leute, was war ich stolz. Am 02. Juni 2007 erschien die erste Rezension des Pilgerwanderführers für den Lahn-Camino:

"Das habe ich noch nie getan: einen Wanderführer gekauft und mich darin festgelesen! Kurzweilig führt der Autor auf dem Lahn-Camino vom Wetzlarer Dom bis zur Hospitalkapelle in Oberlahnstein und hebt dabei sein Büchlein wohltuend ab."

Ich konnte mich so richtig als "Schriftsteller" fühlen, als jemand, der nicht nur beschreibt, sondern die Leser auch unterhält.

Fast genau sieben Wochen hielt der Stolz an, dann wurde ich rüde auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. In der nächsten Rezension hiess es nämlich:

"Das Buch ist ein (Pilger-) Wanderführer und genauso liest es sich auch, nicht mehr und nicht weniger. Es ist eben kein Reisebericht!"

Und nachdem ich mich von diesem Schock erholt hatte, wurde mir eigentlich klar, was ich denn ursprünglich schreiben wollte: einen Wanderführer für Jakobspilger. Und das habe ich auch! Und der Rezensent hat mir bestätigt, dass ich genau dieses geschafft habe.

Jetzt wird mir neue Ehre zuteil: In die Wikipedia (www.wikipedia.org – Jakobswege) hatte ein Zeitgenosse zunächst den Mosel-Camino aufgenommen und später in die Rubrik "Literatur – Wegbeschreibungen" die Pilgerwanderführer eingetragen.

Der Begriff "Mosel-Camino" wurde schon kurze Zeit später wieder gelöscht, mit dem Kommentar:

 

"sogenannter Mosel-Camino

Ein Jakobspilgerweg ist ein Jakobspilgerweg und ein Moselhöhenweg ein Moselhöhenweg. Lt. google gibt es einen "Mosel-Camino" überhaupt nicht. Lediglich in einem privaten Weblog stellt sich jemand soetwas vor. Die hier aufgeführten Jakobswege sind aber allesamt beschilderte und in Pilgerführern beschriebene Strecken. Wir kommen ins unendliche, wenn jeder, der sich irgendwo einen angeblichen Jakobsweg ausdenkt, ihn hier reinsetzt. Die Verlinkung zum "Lahn-Camino" habe ich auch zurückgesetzt, da es kein Lemma "Lahn-Camino" in der Wikipedia gibt. —Jorge de Burgos 21:50, 31. Jul. 2007 (CEST)"

Schade, aber nicht weiter des Nachdenkens wert.

Jetzt aber wurden am 29. Februar die Titel der Pilgerwanderführer gelöscht. Kommentar hierzu:

 

"Selbstverlegte Bücher

Selbstverlegte Bücher (bspw. BoD) sollen in der Literaturliste nicht genannt werden, da hier eine Kontrolle durch Dritte (z. Bsp. die Entscheidung eines Verlages, das Manuskript anzunehmen oder ein gutes Lektorat) nich garantiert ist. Damit sind Unwahrheiten und Unglaubwürdigkeiten Tür und Tor geöffnet. Konkretes Beispiel: Die Bücher über den "Lahn-Camino" und den "Mosel-Camino". Dort wird behauptet, die Höhenwanderwege entlang der Flüsse, die vor oder nach dem Ersten Weltkrieg angelegt worden sind, sind Jakobswege. —Jorge de Burgos 11:39, 29. Feb. 2008 (CET)"

Das tat dann schon ein wenig mehr weh. Da habe ich also nur Bücher zweiter Klasse geschrieben? Bin herabgesunken auf ein Niveau, das "Unwahrheiten und Unglaubwürdigkeiten Tür und Tor öffnet"? Ich fühlte mich bemüssigt, diesem Jorge de Burgos auf der Diskussionsseite eine Antwort zu hinterlassen, zugegebenerweise nicht ganz frei von Polemik:

 

"Literatur zu Jakobswegen

Oh, Jorge von Burgos, du Kreuzritter für die einzig wahren Jakobswege. Darüber, ob der von Prof. Dr. Kanz (Autor des Buches "Die Jakobswege als Erste Europäische Kulturstraße", erschienen 1995) vorgeschlagene Lahn-Camino ein Weg der Jakobspilger ist oder nicht, diskutiere ich nicht mit dir. Auch nicht darüber, ob die Altstraßen entlang der Mosel von Kelten und Römern auf den Höhen (also als Höhenwege) angelegt wurden oder nicht. Auch über die Via Jutlandica, die von der Regionalgruppe Norddeutschland der Deutschen Jakobus-Gesellschaft angelegt und mit viel Mühen markiert wurde, ist es müssig zu diskutieren (denn wenn ein Buch nicht bei amazon erhältlich ist, dann zählt es für dich ja nicht!). Aber statt mir zu unterstellen, ich würde "Unwahrheiten und Unglaubwürdigkeiten Tür und Tor öffnen" solltest du lieber konsequent deinen eigenen Vorschlägen folgen und selbstverlegte Bücher konsequent löschen. Viel Spass mit Gerhilde Fleischer, Berthold Burkhardt, Renate Florl, Centa Schmid, Fredy Meyer, Heidi Beate Strobel, und allen anderen Kolleginnen und Kollegen, die sich sehr viel Mühe mit der Recherche für ihre Bücher geben. Karl-Josef Schäfer, Autor der Pilgerwanderführer "Der Jakobsweg von Wetzlar nach Lahnstein – Ein Pilgerwanderführer für den Lahn-Camino", "Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier – Der Pilgerwanderführer für den Mosel-Camino" und "Der Jakobsweg von Flensburg nach Glückstadt/Elbe – Ein Pilgerwanderführer für die Via Jutlandica" – alle Pilgerwanderführer gelistet im VLB (Verzeichnis Lieferbarer Bücher) und damit im Buchhandel und bei amazon.de erhältlich."

Heute morgen schliesslich fand ich seinen Kommentar, der mich dann doch auf das Schlimmste in eine erneute Identitätskrise stürzte:

"Wer in seinen Büchern behauptet, der Lahnhöhenweg und der Moselhöhenweg seien historische Jakobswege, kann nicht erwarten, von mir als Autor ernst genommen zu werden. Soviel zum Thema "Unwahrheiten und Unglaubwürdigkeiten". —Jorge de Burgos 20:22, 5. Mär. 2008 (CET)"

Bin ich vielleicht doch ein Schriftsteller mit dem Anspruch, ernst genommen zu werden, oder bleibe ich eher der Schuster, der bei seinen Leisten bleibt? Heisst, der Verfasser, der Informationen zu einem Pilgerwanderführer zusammenstellt?

Hallo, Leute (und besonders Jorge de Burgos), um es noch einmal klarzustellen: ich schreibe Wanderführer für Jakobspilger. Keine wissenschaftlichen Werke. Das überlasse ich lieber den Leuten, die da Ahnung von haben. Christoph Kühn gehört zu diesen, und natürlich vor allen anderen Klaus Herbers und Heinrich Kanz. Ich halte mich lieber an die Beschreibungen des Weges und der Schönheiten rechts und links davon. Und das auch nur für die Strecken, die noch nicht beschrieben wurden und ins Netz hineinpassen: Marburg – Wetzlar – Lahnstein – Stolzenfels – Trier. Oder Flensburg nach Glückstadt. Oder Neuss nach Mainz, Speyer oder Worms. Oder Wischhafen nach Bremen und Osnabrück.

Wobei ich allerdings eine Anmerkung zu dem Kommentar doch noch habe, lieber Jorge de Burgos: anscheinend hast du weder den Pilgerwanderführer für den Lahn-Camino, noch den für den Mosel-Camino tatsächlich in der Hand gehalten oder sogar gelesen. Denn weder in dem einen, noch in dem anderen behaupte ich, Lahnhöhenweg oder Moselhöhenweg seien historische Jakobswege. Dabei brauchst du dir die Bücher noch nicht einmal zu kaufen um dies nachzuprüfen: im Grossen und Ganzen ist der Text auch auf diesen Internetseiten verfügbar. Und bist du nicht auch derjenige gewesen, der Harald Schmidts Kolumnensammlung: "Sex ist dem Jakobsweg sein Genitiv" in die Literaturliste des Jakobsweges aufgenommen hatte. Tja, wie ernst sollen dich eigentlich die Nutzer der Wikipedia nehmen?

(Nomen est Omen: In "Der Name der Rose" ist Jorge de Burgos der blinde Ex-Bibliothekar, der das Lachen verurteilt, weil es das menschliche Gesicht zur Fratze eines Affen verzerrt.)

Achso, gestern fand ich den Pilgerwanderführer für den Lahn-Camino im Hessen-Wiki unter Literatur – Natur. Ich habe mir erlaubt, dort die ISBN zu ergänzen und bin einmal gespannt, wie lange es dauert, bis ein Wächter über die hessische Natur meinen Pilgerwanderführer dort wieder entfernt.