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Schlagwort: Ochsenweg

Via Jutlandica: 5. Etappe Kropp – Rendsburg = ca. 21 km

 

>5. Tag Kropp – Fockbek (13,5 km) – Rendsburg (8 km) = ca. 21 km

Schwierigkeit: leicht

Zeitbedarf ca. 5,5 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen

Besichtigungen Rendsburg

Impuls für den Tag: Ist Christus nicht auferweckt worden, so ist euer ganzer Glaube vergeblich. Eure Schuld ist dann nicht von euch genommen. Wenn wir nur für das jetzige Leben auf Christus hoffen, sind wir bedauernswerter als ir­gend­jemand sonst auf der Welt. Nun aber ist Christus vom Tod auferweckt worden, und als der erste Auferweckte gibt er uns die Gewähr dafür, dass auch die übrigen Toten auferweckt werden. (1 Kor 15,17; 19f.)

Sage:

Der Sand aus den Holzschuhen

Einmal ist ein Riese von Süden her über die Eider gekommen und von Nübbel über Fockbek nach Lohe gegangen. Als er nach Fockbek kommt, hat er seine Holzschuhe schon bis oben hin voll Sand gehabt. Er musste den Sand ausschüt­ten, und das gab eine ganze Menge. Davon heißt der Berg bei Fockbek noch heute der Schütterberg. (In: Meyer, Gus­tav Friedrich: Schleswig-Holsteiner Sagen. Jena 1929)

Von Kropp aus führt der Jakobsweg der heutigen Etappe auf dem historischen Ochsenweg durch den Kropperbusch, das Gehege Lohe und über Fockbek nach Rendsburg. Den Schütterberg bei Fockbek konnte ich aber weder bei der Be­gehung noch bei den Recherchen im Kartenmaterial entdecken. Vielleicht hilft mir dafür ein Einheimischer weiter? Die Fockbeker sind auch der Beweis, dass ‚Schilda’ überall ist – aber dazu kommen wir später.

Zunächst führt Sie der Weg wieder aus Kropp heraus, über die B 77 in Richtung Flugplatz, dann aber nach wenigen Schritten nach rechts. Die Markierungen sind eindeutig, der Jakobsweg kaum zu verfehlen.

Nach noch nicht einmal einen Kilometer durch den Wald überqueren Sie die L 40 und erreichen dann bald den Kropperbusch und ein gutes Stück originalen Ochsenweg. Der Volksmund will wissen, dass im Kropperbusch allerhand dunkles Gesinde und Wegelagerer ihr Unwesen getrieben haben. Tatsächlich aber wird seit Beginn der Aufzeichnungen nur einmal von einem Überfall auf Reisende berichtet. Die Warnung „Du büst an Kropperbusch noch ni vörbi!“ ist deshalb wohl eher an die Kutscher der Fuhrwerke gerichtet gewesen. Der folgende Abschnitt des Ochsenweges ist besonders sandig und wird so manchem Gespann und Fuhrwerk böse mitgespielt haben. Gegen gutes Geld haben die Wirte der Krüge am Weg die Fuhrwerke wieder aus dem Sand gezogen. Ein einträgliches und gutes Geschäft, haben sich doch hier am Ochsenweg zwischen Kropp und Lohe vier Krüge niedergelassen.

Es ist schon etwas besonderes, auf diesem Stück des uralten Handels- und Heerweges zu pilgern. Schnurgerade führt der Ochsenweg durch den Wald. Die Nutzung durch Spaziergänger, Wanderer, Reiter, landwirtschaftliche Gerätschaften und Kraftfahrzeuge erhält den Weg, indem sie den Bewuchs niedrig halten. Immer wieder sind Hinweistafeln mit Infor­ma­tionen über den Ochsenweg aufgestellt. Auch das Abnahmehaus von 1688 oder die Königliche Schäferei sind auf den Info-Tafeln beschrieben.

Nach rund 6 km erreichen Sie Sorgbrück und den Sorgekrug, hier gehen Sie bitte nicht geradeaus durch die Unterfüh­rung, sondern biegen nach links ab und überqueren dann die Straße. Schon nach einem kurzen Stückchen biegt der Weg nach rechts in ein Gewerbegebiet und dann wieder in den Wald ein.

Durch den Wald und vorbei an Binnendünen passieren Sie, kurz bevor es aus dem Wald herausgeht, Wallensteins Schanzen. Links von Ihnen, sehr nahe am Weg, erkennen Sie deutlich die Schanzwerke. In einer Karte von 1804 ist diese Kanonenstellung eingezeichnet – deshalb ist es durchaus möglich, dass die Schanzen 1627 gebaut wurden. Da nämlich hatte der große Feldherr Wallenstein Quartier in Rendsburg bezogen und seine Truppen weitläufig in der Um­gebung verteilt. Die Schanze könnte zum Schutz des Ochsenweges gedient haben.

In das jetzt noch rund 4 km entfernte Fockbek geht es überwiegend auf Wirtschaftswegen.

Fockbek

Allgemeines: Fockbek liegt im Landkreis Rendsburg-Eckernförde und hatte am 31.12.2012 eine Einwoh­nerzahl von 6305.

Ansprechpartner: Evangelische Kirchengemeinde Fockbek, Friedhofsweg 7a, 24787 Fockbek, Telefon 04331-63342, E-Mail ev-kirche-fockbek add gmx.de; Gemeinde Fockbek, Rendsburger Straße 42, 24787 Fockbek, Telefon 04331-66770, E-Mail info add fockbek.de

Schon 1196 wird Fockbek als Fokabikre in einer Urkunde des Dänenkönigs Knut IV. urkundlich erwähnt. Der Ort liegt unmittelbar am Ochsenweg und hatte deshalb eine besondere Bedeutung. Wahrscheinlich ist er aber eine der ältesten Ansiedlungen im nördlichen Eidergebiet; die ältesten Beweise menschlicher Anwesenheit stammen aus der mittleren Steinzeit, also 8000 – 3000 v. Chr.

Auf einen Streit mit der nahe gelegenen Stadt Rendsburg geht die Geschichte vom ‚Aal versupen’ zurück. Vermutlich wurde die weit über die schleswig-holsteinischen Grenzen bekannte bösartige Geschichte von den Rendsburgern in die Welt gesetzt, um die Dummheit der Fockbeker zu beweisen. Ich glaube eher, dass ‚Schilda’ überall und auch heute noch präsent ist:

Die Fockbeker wollten Heringe züchten und kauften zu diesem Zweck in Rendsburg auf dem Fischmarkt einige Fässer mit Salzheringen. Diese schütteten sie in den Fockbeker See und harrten der Dinge, die dort kommen mögen. Im nächsten Jahr wurde das Wasser abgelassen – aber siehe da, statt der erhoff­ten Fülle an Heringen fand sich im Schlick nur ein dicker, fetter Aal. Es war nahe liegend, dass die Fock­beker glaubten, dieser Aal hätte all die Salzheringe aufgefressen.  Die versammelten Dorfbewohner be­rieten lange über eine möglichst grausame Strafe und entschieden schließlich, den Aal zu ertränken (ver­supen). Als der See wieder gefüllt war, wurde der Aal mit dem Kahn zur tiefsten Stelle gebracht und dort über Bord geworfen. Als dieser sich im Wasser wand, riefen die Fockbeker laut: „Seht, wie er sich quält!“ und „He versupt! He versupt!“ (Er ertrinkt, er ertrinkt!). Um sich schließlich noch die Stelle zu merken, an der der Aal ertränkt wurde, kerbten sie eine Markierung in die Bootswand.

Ganz so mag es sich heutzutage nicht mehr ereignen, aber im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler findet man alljährlich eine Vielzahl von Berichten aus ganz Deutschland, die die Verschwendung öffentlicher Gelder in ähnlicher Weise be­legen …

Der Jakobsweg führt direkt durch den Ort und dabei auch am Aalversuper-Brunnen vorbei. Ein Stückchen geht es um den See herum, bevor Sie auf wenig befahrenen Straßen weiter in Richtung Rendsburg nach Klint kommen.

Vor dem Friedhof biegt die Via Jutlandica nach rechts ab und führt dann geradeaus weiter nach Klint. Am Reiterhof in Klint vorbei, bringt Sie der Jakobsweg die Eider hinauf nach Rendsburg.

Es geht noch unter der B 77 hindurch und dann wechseln Sie bitte auf die linke Uferseite der Eider und folgen dem Uferweg bis in die Stadt hinein. Vorbei am Schwimmzentrum und Mobilhome-Hafen biegt der Weg vor einer Schule nach rechts ab und führt dann immer am Stadtsee entlang, bis dieser auf einer Brücke überquert wird. Kurz danach weist ein Wegpfeiler den weiteren Weg: noch 3152 km nach Santia­go de Compostela!

Rendsburg

Allgemeines: Rendsburg ist Sitz der Kreisverwaltung des Landkreises Rendsburg-Eckernförde. Am 31. De­zember 2012 war die Einwohnerzahl 27.446.

Ansprechpartner: Evangelisches Kirchenbüro St. Marien, An der Marienkirche 21, 24768 Rendsburg, Telefon 04331-29494; Katholisches Pfarrbüro St. Michael, Am Margarethenhof 39, 24768 Rendsburg, Telefon 04331-71220, E-Mail Pfarramt add st-michael-rendsburg.de; Touristinformation Nord-Ostsee-Kanal, Schiffsbrücken-Galerie, 24768 Rendsburg, Telefon 04331-21120, E-Mail info add tinok.de

Übernachtungstipps bei booking.com

Auch die Geschichte von Rendsburg hat mit einer ganz besonderen Sage begonnen. In der dänischen und englischen Sage ist Offa bis zum 30. Lebensjahr stumm. Als der damalige Sachsenkönig einen un­rechtmäßigen Anspruch auf den Thron seines Vaters, des Angelnkönigs Wermund, erhebt, gewinnt Offa die Sprache wieder und besiegt im Zweikampf den Sohn des Herausforderers auf einer Eiderinsel. Damit hat Offa die Unabhängigkeit der Dänen gesichert und die Grenze zu den Sueben an der Eider festgelegt. Dies wird sich im 5. Jh. zugetragen haben.

Die Eiderinsel hatte aber dann auch später eine besondere Bedeutung. So trafen sich Franken und Dänen dort im Jahr 811 und verständigen sich über die Eidergrenze. Um 1100 wird schließlich die erste Festung angelegt und 1150 die Ortschaft gegründet, die als Reinoldesburch im Jahr 1199 erstmalig urkundlich erwähnt wird. Bis in das 15. Jh. hinein wird Rendsburg immer wieder von Feuersbrünsten heimgesucht, die umfangreiche Neubauten notwendig machten. So wird die Marienkirche nach dem großen Stadtbrand von 1286 errichtet.

Das Rathaus am Altstädter Markt wurde 1566 fertig gestellt, das Rendsburger Schloss Ende des 16. Jh. ausgebaut. 1718 wird die Schlossanlage wieder abgebrochen. Mit dem Bau der ersten großen Festungs­anlage wird 1669-1673 begonnen. Die Anlage wurde im Laufe der Zeit immer wieder erweitert und aus­gebaut. Erst als die Dänen 1852 wieder die Landeshoheit über Rendsburg erlangen, werden die Fes­tungs­anlagen geschliffen.

Vorher jedoch spielt Rendsburg eine besondere Rolle in den Unabhängigkeitsbestrebungen der Schles­wig-Holsteiner.

So verbüßt z. B. Uwe Jens Lornsen 1831 den größten Teil der Haftstrafe, zu der ihn das Oberkriminal­ge­richt Gottorf verurteilt hatte, in der Festung Rendsburg. Lornsen galt seit der Veröffentlichung seines Trak­tates: ‚Ueber das Verfassungswerk in Schleswigholstein’ als Freiheitskämpfer und Verfechter eines von Dänemark unabhängigen Schleswig-Holsteins. König Frederik VI. ließ den Landvogt von Sylt wenige Tage nach seinem Amtsantritt verhaften und zu eben diesem Jahr Festungshaft verurteilen. Das Lornsen-Denkmal am Rendsburger Paradeplatz gibt ihm den Ehrentitel „Erster Märtyrer für die Sache Schleswig-Holsteins“. Bei allem Nationalstolz ist dies ein wenig weit hergeholt, Uwe Jens Lornsen fand den Freitod im Genfer See, weil er sich für unheilbar krank hielt.

Am 24. März 1848, nach der Ausrufung der provisorischen schleswig-holsteinischen Regierung in Kiel, fuhr ein Sonderzug mit Soldaten von dort ins dänische Rendsburg. Die in dänische Uniformen gekleideten Aufständischen ließen die Feuerglocke läuten und überrumpelten so die Garnison. Rendsburg wurde zum Zentrum des Bürgerkrieges gegen Dänemark.

Für einen Stadtrundgang vorbei an den vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt bietet sich die ‚blue-line’ an, der blaue Weg durch Rendsburg. Die Markierung beginnt am alten Rathaus am Altstädter Markt und führt auf der 3,2 km langen Strecke vorbei an 30 Kultureinrichtungen und Sehenswürdigkeiten.

aktualisiert und überarbeitet am 11. Mai 2014

Via Jutlandica: 9. Etappe Heiligenstedten – Glückstadt/Elbe-Fähranleger = ca. 21,5 km


9. Tag Heiligenstedten – Hodorf – Neuenkirchen – Borsfleth – Ivenfleth – Glückstadt/Fähranleger (= ca. 21,5 km)Schwierigkeit: leichtZeitbedarf 6 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen

Besichtigungen: Heiligenstedten, Neuenkirchen, Glückstadt

Impuls für den Tag:  Seid Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen! (Jak 1,22)

Sage: Die Eiche am Deich

Nicht weit von Glückstadt steht unter dem Elbdeiche, wo sonst nur Weiden stehen, eine schöne große Eiche, wohl weitherum die einzige in der ganzen Marsch. Vor vielen Jahren stand hier nur ein Busch. Ein paar Tagelöhner ruhten sich einmal an einem heißen Tage dahinter aus, als sie an der anderen Seite einen Handelsmann, der sich auch da niedergelassen hatte, mit seinem Geld klimpern hörten. Der böse Geist erwachte in ihnen, und sie fielen über den armen Mann her und erschlugen ihn; sie nahmen das wenige Geld und warfen den Packen in die Elbe. Die Leiche verscharrten sie unter dem Busch. Aber als sie noch mitten im Werke waren, war eine Schar wilder Enten schreiend über sie hingeflogen. Sterbend hatte der Unglückliche ihr Geräusch gehört und, seine Hand zum Himmel erhebend, sie zu Zeugen der Tat angerufen. Doch viele Jahre blieb der Mord unentdeckt. Aber an der Stelle wuchs seit der Zeit ein blutrotes Kraut, sonst aber nirgends in der Gegend. Man nannte diese Stelle daher nur den „roten Fleck“. Und abends, wenn die Jungen die Pferde vom Außendeich holten, mussten sie immer schnell daran vor­überjagen und die Pferde mit Gewalt dazu zwingen. Denn sie wieherten und bäumten sich und scharrten mit den Hufen, wie sie immer an Stellen tun, wo unschuldiges Blut vergossen ist. Der eine Mörder hatte sich unterdes verheiratet, der andere diente noch als Knecht auf einem Hofe. Beide waren alt und grau geworden und wurden von allen als brave und tüchtige Leute geachtet. Da begab es sich nun, dass ein­mal an einem Abend jener mit seiner Frau am Deiche spazieren ging und sie unvermerkt in die Nähe des roten Flecks kamen. In demselben Augenblick kam der Knecht über den Deich, um ein Pferd zu holen, und wie er am Busch vorüberstreifte, flatterten schreiend einige Enten auf. Beide Männer fuhren vor Schreck zusammen, sahen einander starr an und gingen aneinander vorüber, ohne ein Wort zu sagen. Während der Knecht das Pferd suchte und der Mann mit seiner Frau noch eine Strecke weiterging, ließen sich die Enten wieder nieder und flogen abermals auf, als beide einander noch einmal in der Nähe des Busches begegneten. Die Frau erkannte, wie die beiden Männer bleich wurden und zitterten, und sie hörte, wie sie dann fluchten. Als sie zu Hause waren, wich der Mann allen Fragen seiner Frau aus. Aber seit dem Abend war sein ganzes Wesen verändert. Still und schwermütig ging er umher und vermied jede Gesellschaft. Die Frau klagte es endlich der Nachbarin und erzählte ihr alles, was sie gesehen hatte. Sie fragte um Rat, weil sie glaubte, ihr Mann wäre krank. Der Nachbarin aber stiegen böse Vermutungen auf; ohne ein Wort zu sagen, ging sie fort und erzählte alles ihrem Mann. Der ging sogleich zum Bauern­vogt, und als man nun auf der Stelle beim Busche nachgrub, fand man bald das Gerippe des Ermordeten. Die beiden Männer wurden festgenommen; von Gewissensbissen gepeinigt, gestanden sie die Tat, die sie vor 40 Jahren vollbracht hatten, und in Reue und Ergebung erlitten sie in Glückstadt ihre Strafe. Zum Gedächtnis pflanzte man diese Eiche. (In: Müllerhoff Karl: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg.)

Wahrscheinlich werden Sie heute, auf Ihrer letzten Etappe, so richtig durchgepustet. Es geht überwie­gend auf dem Stördeich in Richtung Glückstadt. Bitte achten Sie besonders bei regnerischem Wetter auf geeignete Schuhe. Und sollten Sie ein Paar Regen-Gamaschen besitzen, ist dies der richtige Tag, um die­se einzusetzen. Wie gesagt: bei Regen. Sollten Sie einen der wenigen windstillen Tage mit Sonnenschein erwischen,  so steht Ihnen wohl der schönste Tag auf Ihrem Jakobsweg bevor.

Um am gestrigen Tag anzuknüpfen: In Heiligenstedten spricht noch etwas für die frühe und herausragende Lage der Kirche hier am rechten Ufer der Stör: die etwa einen Kilometer von der Kirche entfernt gelegene Esesfeldburg, die 810 auf Veranlassung Karls des Großen durch den Grafen Egbert von Stade aus als Ringwallburg angelegt worden war. Heute sind nur noch einige Gräben erhalten. Am Ortseingang von Heiligenstedten aus Richtung Itzehoe (1. Weg rechts nach der großen Brücke) finden Sie eine entsprechende Hinweistafel.

Störbrücke in Heiligenstedten

Störbrücke in Heiligenstedten

Die Brücke über die Stör, die Sie nun überqueren, gibt es an dieser Stelle schon seit 1452. Bis 1965 war es eine wunderschöne Holzbrücke, die auch im Wappen von Heiligenstedten zu sehen ist, leider musste sie einem mehr zweckdienlichen Bauwerk weichen.

Ihr Weg führt Sie nun rechts auf dem Deich oder auf der Straße daneben störabwärts. Wenn Sie sich stattdessen zunächst nach links wenden, erreichen Sie nach rund 300 m das Schloss Heiligenstedten. 1769 wurde das Herrenhaus von Nicolas Henri Jardin im Auftrag des dänischen Gesandten am Hof zu Versailles errichtet.  Damit ist das Schloss das einzige Bauwerk des großen französischen Architekten und Gartengestalters, der von 1754 bis 1769 an der Akademie der Künste in Kopenhagen lehrte und den Stil aller bedeutenden Neubauten in Dänemark bestimmte. Leider ist das Herrenhaus nicht zu besichtigen, es befindet sich im Privatbesitz. Aber ein wenig zu träumen sei gestattet, auch dem ein­fachen Pilger auf der Via Jutlandica: im Dezember 2007 stand das Schloss zum Preis von 3.500.000 Euro zum Verkauf.

Nach diesem kleinen Abstecher geht es nun weiter in Richtung Glückstadt. Der heutige Weg führt immer mehr oder weniger an der Stör entlang, einige Störschleifen werden abgeschnitten. Bei schönem Wetter ist die Entscheidung leicht: pilgern Sie, soweit erlaubt, auf dem Deich und genießen die Blicke über die Stör und in die Geest- bzw. Marschlandschaft. Bei starkem Wind oder sogar Regen ist es nicht ganz so einfach. Dann ist der Boden auf dem Deich sehr schwer, das ungeschützte Pilgern recht unangenehm. Unangenehm ist aber auch die Alternative Straße. Zwar ist der Verkehr naturgemäß nicht allzu dicht, die Enge der Straße und die unangepasste Geschwindigkeit der PKW’s und Lieferwagen lädt aber nicht zum Gehen am Stra­ßenrand ein. Bei der erneuten Begehung im April 2014 habe ich beides ausprobiert und kann Ihnen nur emp­fehlen, das kleinere Übel zu wählen. Welches das ist, überlasse ich Ihrer Wahl.

Nur einmal verlässt der Jakobsweg die Stör – dann geht es nämlich durch die Felder in Richtung Heiligen­stedter Kamp. Dabei werden einige Störschleifen abgeschnitten, die den Weg unnötig verlängern würden. Hinter Hodorf erreichen Sie wieder die K 11 und den Stördeich, schneiden bei Groß-Bahrenfleth eine wei­tere Störschleife ab, um dann in der Gemarkung Kuhdamm wieder auf den Deich zu stoßen.

Neuenkirchen

Neuenkirchen

Weiter geht es nach Neuenkirchen. Durch die Jacobstraße erreichen Sie ein paar Meter abseits des Weges die Nicolai-Kirche und dem hölzernen Glockenturm. Die hier verwendeten Backsteine wurden im Klosterformat gebrannt und könnten von dem 1260 in Ivenfleth aufgegebenen Zisterzienserinnen-Kloster stammen. Ein besonderes Kleinod ist die 1785 gebaute Orgel des Orgelbau­meisters Johann Daniel Busch. Leider sind von diesem großen Orgelbauer nur noch zwei Orgeln erhalten, eine in Kahleby und diese hier in Neuenkirchen. Sein Vater, Johann Christian Busch, hat u. a. die Orgeln in St. Laurentii in Itzehoe und St. Georg in Hamburg gebaut. Leider ist die Kirche nicht immer geöffnet, den Schlüssel können Sie aber bei Frau Magdalene Eggers, Dorfstraße 4, oder Frau Sabine Bührens, Dorfstraße 19 er­halten.

Hier geht es jetzt auf dem Stördeich in Richtung des etwa 6,5 km entfernten Ivenfleth und des Stör­sperrwerkes. Wenn Sie in Ivenfleth an der Gaststätte durch den Deich in Richtung Sportboot-Hafen ge­hen, kommen Sie an ein Hinweisschild. An dieser Stelle hat das Zisterzienserinnen-Kloster bis zum Jahr 1260 gestanden, das Sie gestern in Itzehoe als adliges Kloster kennen gelernt haben.

Störsperrwerk

Störsperrwerk

Das Störsperrwerk wurde 1975 gebaut und schützt die Flussniederungen entlang der Stör bis Itzehoe vor den Auswirkungen von Sturmfluten. Schiffbar ist die Stör übrigens ab Itzehoe, obwohl der Schiffsverkehr immer mehr an Bedeutung verliert.

Ab dem Sperrwerk ist das Laufen auf dem Deich etwas angenehmer, der Boden ist fester und wird auch durch Regenfälle nicht so stark aufgeweicht.

Schon bald erreichen Sie die Störmündung, und von nun an pilgern Sie auf dem Elbdeich. Wenn Sie sich nun einmal umdrehen, dann erkennen Sie auf der anderen Seite der Störmündung hinter der Wilster Marsch das Atomkraftwerk Brokdorf. Traurige Berühmtheit erlangte die Wilster Marsch durch die Groß­demonstrationen, die im Jahr 1976 zunächst Erfolg hatten und zu einem Baustopp führten. Ende 1980 wurde bekannt, dass das AKW weitergebaut werden sollte, und so versammelten sich am 28. Februar 1981 mehr als 80.000 Menschen, um gegen den Bau zu demonstrieren. Denen standen zum Schutz des Geländes 10.000 Polizisten gegenüber. Mehr als 200 Demonstranten wurden zum Teil schwer verletzt. Die endgültige Abschaltung des Kraftwerkes ist bis spätestens 2021 vorgesehen.

An der Elbe in Richtung Fähranleger

An der Elbe in Richtung Fähranleger

Von der Störmündung aus sind es etwa 3 km bis zum Fähranleger Glückstadt zum niedersächsischen Wischhafen. Hier endet unser Pilger- und Jakobsweg auf der Via Jutlandica zunächst einmal. Zum Zeitpunkt der Recherche (August 2014) kostet die Überfahrt mit der Elbfähre 2 Euro und Sie können mit Abfahrten alle 30 Minuten rechnen. Aktuelle Meldungen erhalten Sie stets unter www.elbfaehre.de.

Das Etappenziel, die Fähre nach Wischhafen und damit auf die andere Seite der Elbe Richtung Bremen, haben Sie nun erreicht. Doch den Abstecher nach Glückstadt sollten Sie auf jeden Fall noch machen.

Glückstadt

Allgemeines: Glückstadt ist nach Itzehoe die zweitgrösste Stadt im Landkreis Steinburg. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2012 auf 11.099.

Ansprechpartner: Ev.-Luth. Kirchenbüro, Am Kirchplatz 19a, 25348 Glückstadt, Telefon 04124-2009, E-Mail kirchenbuero add kirche-glueckstadt.de; Katholisches Pfarrbüro St. Marien, Königsberger Strasse 1, 25348 Glückstadt, Telefon 04124-89364 oder Itzehoe 04821-952591; Tourist Information Glückstadt, Große Nübelstraße 31, 25348 Glückstadt, Telefon 04124-937585, E-Mail info add glueckstadt-dm.de

Übernachtung: DJH, Am Rethövel 14-15, 25348 Glückstadt, Telefon 04124-604455, E-Mail glueckstadt add Jugendherberge.de, ÜF für 2 Personen ab 48 Euro (neue Jugendherberge ab 2008

Übernachtungstipps in Glückstadt

Geschichte: Das wachsende und prosperierende Hamburg sollte an der Unterelbe einen starken, uneinnehmbaren Gegenpol erhalten. Deshalb ließ der dänische König Christian IV. im November 1615 das zukünftige Stadtgebiet eindeichen. Mit dem Bau der Hafen- und Festungsstadt konnte begonnen werden. Auch den Namen der neuen Stadt hatte Christian IV. gleich parat: „Dat schall glücken un dat mutt glücken, un denn schall se ok Glückstadt heten!“ (Das soll glücken und das muss glücken und dann soll sie auch Glückstadt heissen!). 1617 wurde die Gründungsurkunde ausgestellt und das Wappen, die unbekleidete Fortuna, festgelegt.

Trotz aller Bemühungen gelang es nicht, der auf dem Reißbrett entworfenen Fürstenstadt die wirtschaftliche Bedeutung zu verschaffen. Glückstadt konnte die Rolle von Hamburg und Altona nicht übernehmen. Mit kostenlos zur Verfügung gestellten Grundstücken, Religionsfreiheit und Handelsprivilegien wurde um Einwohner geworben. Dennoch bestimmten Militär und Verwaltung bis 1867 die Stadt. Entscheidend dafür war die bis heute vor dem Elbhafen liegende Sandbank, welche die Schiffahrt erheblich behindert – wohingegen das tiefe Fahrwasser weiter nach Hamburg erhalten geblieben ist.

Wenn Sie nicht gleich in den Zug springen und nach Hause oder zu Ihrem Auto zurück wollen, dann nehmen Sie sich doch die Zeit für einen ausgiebigen Stadtrundgang. Einen detaillierten historischen Rundgang können Sie auf den Internet-Seiten der Touristen Information unter www.glueckstadt-tourist-info.de finden. Hier nur die besonderen Sehenswürdigkeiten:

Den annähernd sechseckigen Grundriss der Stadt, in Norddeutschland einmalig, erleben Sie am Besten vom Marktplatz aus. Wenn Sie in der Mitte stehen sind die 7 Radialstrassen, die 3 Pseudoradialstrassen und 2 Tangentialstrassen gut zu erkennen.

Die Fassade des Rathauses ist eine Nachbildung der ursprünglichen Fassade. 1872 musste das im Stil der niederländischen Spätrenaissance 1642/43 errichtete Rathaus wegen Baufälligkeit abgerissen werden.  Das Schicksal der Baufälligkeit traf auch das Glückstädter Schloss im Bereich des heutigen Hafens, welches schon im 18. Jh. abgerissen werden musste. Die Festungsanlagen wurden im 19. Jh. geschliffen – nicht wegen Baufälligkeit, sondern weil sie ihre Bedeutung verloren hatten.

Die Stadtkirche -auch am Marktplatz- wurde 1623 geweiht und ist die erste nach der Reformation erbaute Kirche in Schleswig-Holstein. So ganz wusste man sich noch nicht von den katholischen Kirchen abzugrenzen, und es entstand ein katholischer Grundriss mit Lettner (Abtrennung Altarraum von der Gemeinde). Die Kanzel, dort, wo das Wort Gottes verkündigt wird, unterstreicht aber durch Lage und Ausstattung den protestantischen Charakter. Auch der schöne Altar und das Taufbecken stammen aus der Erbauungszeit. Auf dem aussergewöhnlichen Turm thront nicht ein Kreuz oder ein Hahn, sondern vielmehr die heidnische Göttin Fortuna, als Symbol für Glückstadt. An der nördlichen Turmseite hängt ein Anker, der wohl 1630 von einem hamburgischen Schiff erbeutet wurde.

In der Altstadt stehen noch viele schöne, alte Häuser, Villen und Palais. In der Königstrasse 36 finden Sie das Wasmer-Palais im Barockstil, mit der Baluster-Brüstung und den Stuckprofilen an Wänden und Decken das bedeutendste weltliche Bauwerk in der Stadt. Das Brockdorff-Palais, Am Fleth 43, wurde 1631/32 errichtet. Bemerkenswert ist die Rückfront aus gelben Ziegeln mit horizontalen Bändern aus roten Steinen. Am Binnenhafen steht die gesamte, besonders schöne Häuserzeile unter Denkmalschutz, freistehende Gebäude sind dort das Brückenhaus und der Salzspeicher.

Überarbeitet und aktualisiert am 21. August 2014

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