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Schlagwort: norden

RZ-Online Artikelarchiv vom 11.03.2008

 

Buch vorgestellt: Dem Jakobsweg von Stolzenfels aus folgen

Karl-Josef Schäfer und Wolfgang Welter präsentierten ihren Pilgerwanderführer – Bereits im Mittelalter führte eine Etappe von Koblenz nach Trier

KOBLENZ. Der Weg ist das Ziel. Wenn das berühmte Zitat von Konfuzius irgendwo ins Schwarze trifft, dann beim legendären Jakobsweg, der nach Santiago de Compostela (Spanien) führt. Eine landschaftlich reizvolle und mit vielen kulturellen Kostbarkeiten gespickte Etappe des Pilgerpfades führte im Mittelalter von Stolzenfels nach Trier. Das Buch "Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier" führt den Leser auf den Mosel-Camino. Die Buchautoren Karl-Josef Schäfer und Wolfgang Welter stellten ihren Pilgerwanderführer in der Stolzenfelser Pfarrkirche St. Menas vor.

Warum startete der Weg ausgerechnet in Stolzenfels? Dies hatte logische geografische Gründe. Auf dem Weg vom Norden oder Osten Europas nach Santiago de Compostela führte die Route durch Deutschland. Drehscheibe für Pilger war das Johannes-Kloster in Lahnstein. Der Weg führte die Pilger aus dem Norden meist durch das Rhein- und die aus dem Osten stammenden Gläubigen durch das Lahntal. In Lahnstein angekommen, teilte sich die Streckenführung. Entweder ging es den Rhein abwärts bis Speyer oder man beschloss, als Zwischenziel das Grab des Apostels Matthias in Trier zu besuchen.

Wer sich für die letztere Variante entschied, setzte mit dem Boot über den Rhein nach Stolzenfels. Von dort war es über den Hunsrück-Höhenweg nicht mehr weit bis zur Mosel. Das liebliche Flusstal und die urwüchsigen Hunsrück- und Eifelhöhen entschädigten reichlich für die Strapazen der Reise. Es ist höchst wahrscheinlich, dass im Mittelalter und auch später viele Tausend Pilger über diesen Pfad Trier erreichten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Denn die Jakobswege erleben in unserer Zeit eine Renaissance.

Deshalb führen Karl-Josef Schäfer und Wolfgang Welter in acht Tagesetappen über den Mosel-Camino durch eine der schönsten Fluss- und Höhenlandschaften in Europa. Die erste Strecke führt von Stolzenfels nach Alken. Ihre persönlichen Erfahrungen auf der Route schrieben die Autoren nieder. Viele Informationen über Land und Leute, Sehenswürdigkeiten und spirituelle Anregungen machen das Buch zur Fundgrube für alle, die selbst einmal die Faszination "Jakobsweg" aktiv erleben wollen. "Und man braucht dazu nicht in einem Stück die 2200 Kilometer bis nach Santiago de Compostela zu pilgern", sind die Autoren Schäfer und Welter überzeugt.   Erwin Siebenborn

Informationen – An- und Rückfahrt zur bzw. von der Via Jutlandica

 

Mit dem Auto erreichen Sie Flensburg bzw. Niehuus insbesondere über die Autobahn A7. Dort können Sie Ihr Fahrzeug stehen lassen und am Ende Ihres Pilgerwanderung bequem von Glückstadt/Elbe mit der Bahn nach Flensburg zurückfahren.

Der Flensburger Bahnhof ist aus Richtung Süden (Hamburg) und Norden (Dänemark) gut per Bahn zu erreichen. Direktverbindungen gibt es mit EC, IC, RE und RB. ICE-Verbindungen führen nach Hamburg und von dort aus weiter nach Flensburg. Den Start in Krusau oder Niehuus erreichen Sie von Flensburg aus bequem per Bus.

Erfahrungsbericht auf der Via Jutlandica (Okt./Nov. 2007)

 

Einen Pilgerbericht kann ich es ja nicht nennen, lieber Herr Hasselbach, aber einen Erfahrungsbericht schon. Aber nun einmal ganz ehrlich: wollen Sie den wirklich? Jetzt, nachdem ich auf der letzten Etappe von Itzehoe nach Glückstadt wegen fehlender oder unklarer Wegmarkierung aus den rund 22 km gute 30 km gemacht habe? Jetzt, wo mir Muskeln wehtun, von denen ich noch nicht einmal wusste, dass es sie gibt? Jetzt, wo meine Hosenbeine bis zu den Knien mit Schafscheisse bespritzt sind? Jetzt, wo ich heute gerade zum fünften Mal wieder trocken geworden bin und ich Ohrenschmerzen vom scharfen Küstenwind habe?

Dann will ich Ihnen einmal etwas sagen, lieber Fred Hasselbach, dieser Abschnitt der Via Jutlandica von Niehuus bis zum Fährkopf in Glückstadt an der Elbe führt durch ein völlig unterschätztes, aber dafür um so schöneres Revier im hohen Norden Deutschlands. Gleich, ob die spätherbstliche Sonne mich verwöhnt hat oder ich meine Regenhosen und den -poncho aus dem Rucksack holen musste: Jeder Pilgerwandertag hatte seinen eigenen Reiz und war auf seine ganz spezielle Art und Weise etwas ganz Besonderes.

Angefangen mit dem von Ihnen empfohlenen Prolog über den Gendarmenpfad von Krusau nach Niehuus, über die Kilometer im Stiftungsland Schäferhaus, die Strecke auf dem Ochsenweg durch den Kropperbusch (ohne den Wegelagerern zu begegnen) und schliesslich die zahllosen Besichtigungen in den Dörfern und Städten entlang des Weges machen diesen Pilgerwanderweg zu einem Erlebnis auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Hinzu kommt die Geschichte dieses Landesteiles, die nicht nur kriegerisch durch hindurchziehende Soldateska-Horden bestimmt wird, sondern auch in friedlicher, kultureller Hinsicht viel zu bieten hat.

Besonders genossen habe ich die Stille der vielen geöffneten Kirchen am Weg – leider ist das Haus Gottes nicht mehr überall in Deutschland tagsüber für den Betenden geöffnet. Die dänische Kirche mitten in der Flensburger Fussgängerzone ist mir da in besonderer Erinnerung. Auch die manchmal im wahrsten Sinne des Wortes „reizlosen“ Landstrassen bieten dem Pilgerwanderer eine ganz besondere Möglichkeit, die Gedanken abzuschalten oder auf das wirklich Wesentliche zu reduzieren.

Nun schlagen, wie Sie wissen, zwei Herzen in meiner Brust. Einmal das Herz des Pilgerers, besonders das des Jakobspilgerers auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Zum anderen aber auch das Herz des Reiseschriftstellers und Autors von Pilgerwanderführern.

Und da ich weiss, wieviel Mühe und Zeit es kostet, einen Weg möglichst an historischen Gegebenheiten entlang zu planen, zu beantragen und schlussendlich zu markieren, muss ich wirklich den Hut vor Ihnen ziehen und sagen „Chapeau“. Die Leistung die Sie hier in noch nicht einmal 2 Jahren vollbracht haben, ist nicht hoch genug einzuschätzen. Dass an der einen oder anderen Stelle die eine oder andere Markierung nicht richtig hängt, oder vielleicht (siehe oben im Eingangssatz) schon wieder abgerissen wurde (Itzehoe Innenstadt gegenüber St. Laurentii am Laternenpfahl) wird sich bald einspielen und sicher bis zur nächsten Saison, im Frühjahr 2008 behoben sein.

Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall alles Gute und freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen,

Ultreia et sus eia

Ihr Ka-Jo Schäfer

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