Einen Pilgerbericht kann ich es ja nicht nennen, lieber Herr Hasselbach, aber einen Erfahrungsbericht schon. Aber nun einmal ganz ehrlich: wollen Sie den wirklich? Jetzt, nachdem ich auf der letzten Etappe von Itzehoe nach Glückstadt wegen fehlender oder unklarer Wegmarkierung aus den rund 22 km gute 30 km gemacht habe? Jetzt, wo mir Muskeln wehtun, von denen ich noch nicht einmal wusste, dass es sie gibt? Jetzt, wo meine Hosenbeine bis zu den Knien mit Schafscheisse bespritzt sind? Jetzt, wo ich heute gerade zum fünften Mal wieder trocken geworden bin und ich Ohrenschmerzen vom scharfen Küstenwind habe?

Dann will ich Ihnen einmal etwas sagen, lieber Fred Hasselbach, dieser Abschnitt der Via Jutlandica von Niehuus bis zum Fährkopf in Glückstadt an der Elbe führt durch ein völlig unterschätztes, aber dafür um so schöneres Revier im hohen Norden Deutschlands. Gleich, ob die spätherbstliche Sonne mich verwöhnt hat oder ich meine Regenhosen und den -poncho aus dem Rucksack holen musste: Jeder Pilgerwandertag hatte seinen eigenen Reiz und war auf seine ganz spezielle Art und Weise etwas ganz Besonderes.

Angefangen mit dem von Ihnen empfohlenen Prolog über den Gendarmenpfad von Krusau nach Niehuus, über die Kilometer im Stiftungsland Schäferhaus, die Strecke auf dem Ochsenweg durch den Kropperbusch (ohne den Wegelagerern zu begegnen) und schliesslich die zahllosen Besichtigungen in den Dörfern und Städten entlang des Weges machen diesen Pilgerwanderweg zu einem Erlebnis auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Hinzu kommt die Geschichte dieses Landesteiles, die nicht nur kriegerisch durch hindurchziehende Soldateska-Horden bestimmt wird, sondern auch in friedlicher, kultureller Hinsicht viel zu bieten hat.

Besonders genossen habe ich die Stille der vielen geöffneten Kirchen am Weg – leider ist das Haus Gottes nicht mehr überall in Deutschland tagsüber für den Betenden geöffnet. Die dänische Kirche mitten in der Flensburger Fussgängerzone ist mir da in besonderer Erinnerung. Auch die manchmal im wahrsten Sinne des Wortes „reizlosen“ Landstrassen bieten dem Pilgerwanderer eine ganz besondere Möglichkeit, die Gedanken abzuschalten oder auf das wirklich Wesentliche zu reduzieren.

Nun schlagen, wie Sie wissen, zwei Herzen in meiner Brust. Einmal das Herz des Pilgerers, besonders das des Jakobspilgerers auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Zum anderen aber auch das Herz des Reiseschriftstellers und Autors von Pilgerwanderführern.

Und da ich weiss, wieviel Mühe und Zeit es kostet, einen Weg möglichst an historischen Gegebenheiten entlang zu planen, zu beantragen und schlussendlich zu markieren, muss ich wirklich den Hut vor Ihnen ziehen und sagen „Chapeau“. Die Leistung die Sie hier in noch nicht einmal 2 Jahren vollbracht haben, ist nicht hoch genug einzuschätzen. Dass an der einen oder anderen Stelle die eine oder andere Markierung nicht richtig hängt, oder vielleicht (siehe oben im Eingangssatz) schon wieder abgerissen wurde (Itzehoe Innenstadt gegenüber St. Laurentii am Laternenpfahl) wird sich bald einspielen und sicher bis zur nächsten Saison, im Frühjahr 2008 behoben sein.

Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall alles Gute und freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen,

Ultreia et sus eia

Ihr Ka-Jo Schäfer