Geschichte - Kultur - Spiritualität

Schlagwort: munter

Wege der Jakobspilger in Deutschland – Mittelalterliche Pilger unterwegs!

 

  • Einleitung
  • Mythos Jakobswege
  • St.-Jakobus d.Ä. – Apostel und Maurentöter?
  • Santiago de Compostela – warum wurde das Grab zum Hauptpilgerziel?
  • Mittelalterliche Pilger unterwegs!
  • Der "wahre Jakob"!
  • Heilige Jahre
  • Deutschland und seine Jakobswege
  • Stolzenfels im Jakobswege-Netz
  • Warum das 21. Jh. sich nicht so sehr vom hohen Mittelalter unterscheidet!

     

    Was trieb nun den mittelalterlichen Pilger auf den Weg nach Santiago de Compostela?

    Verabschieden Sie sich von dem Gedanken, dass die Pilger des Mittelalters immer fromme Gesellen und Gesellinnen waren, die munter ausschreitend, ein Kirchenlied auf den Lippen, die bis zu 4.000 km lange Pilgerfahrt unternahmen.

    Fangen wir mal oben an, bei den Adligen. Wobei ich natürlich sagen muss, dass Ausnahmen immer die Regel bestätigen. Also bei den Adligen dominierte die Abenteuerlust. Nicht selten legte man auf dem Weg nach Santiago de Compostela einen kurzen Stopover an der Sarazenenfront ein, um sich ein wenig an der Reconquista, der Rückeroberung Spaniens zu beteiligen. Heute würde man salopp sagen: "Araber kloppen!" Das ging oft genug schief, und der Ritter von SoUndSo kam nicht wieder nach Hause. Aber dafür gab es immerhin zumindest zeitweilig einen Ablass vom Papst.

    Von anderen Adeligen wissen wir Genaueres. Zum Beispiel vom böhmischen Diplomaten, Herrn Leo von Rozmital, einem Verwandten des böhmischen Königs, der sehr genau seine "Ritter-, Hof- und Pilgerreise durch das Abendland" beschrieben hat. Bei ihm und auch bei anderen Adligen seiner Zeit spielt der Bericht über den Besuch des Apostelgrabes denn auch nur eine untergeordnete Rolle. Sie waren mehr darauf bedacht, in den Orten, in denen sie verweilten, ihren Namen und/oder ihr Wappen zu hinterlassen. Zum Beispiel in Neuss, wo von Rozmital im Jahre 1465 vorbeikam.

    Heute geschieht das übrigens anders herum: der neuzeitliche Pilger frönt der Stempelsammelleidenschaft. Stempel im Pilgerpass sind soetwas wie die Stocknägel der 50er und 60er Jahre. Und natürlich für die letzten 100, bzw. 200 km vor Santiago de Compostela unabdingbar. Denn nur durch zwei Stempel am Tag kann der Pilger im Pilgerbüro belegen, dass er gepilgert ist und erhält auch nur dann die begehrte Urkunde.

    Zurück zu den Adligen, die sich direkt nach Santiago aufmachten, denn diese haben auch häufig den weniger beschwerlichen Seeweg gewählt. Die Schiffe landeten dann in La Rochelle, Bordeaux oder A Coruna und von dort ging es zu Fuß oder zu Pferd weiter nach Santiago de Compostela.

    Ein weiterer Beweggrund war die Neugierde. Reisen war "In" und wie in der heutigen Zeit reisten alle Gesellschaftsschichten. Die grossen Reisen nach Konstantinopel, nach Rom, nach Jerusalem, nach Santiago de Compostela, in die arabische Welt liebten die Menschen des Hoch- und Spätmittelalters über alles. Das ging sogar so weit, dass sich geistliche Pilger, wie Priester, Mönche und Nonnen, in einen Interessenkonflikt zwischen spiritueller Pflicht und individueller Neigung gestürzt sahen. (Ganz-Blätter, 1991, S. 239f.)

    Ab etwa 1500 kam noch ein weiterer Aspekt hinzu: da wurde die Pilgerfahrt zur Ausrede, um sich an ausländischen Höfen aufzuhalten, um fremde Sitten kennenzulernen,  um zu Handeln oder um an Ritterturnieren teilzunehmen.

    Aber bei allen weltlichen Motiven, die gerade bei den Priveligierten eine Rolle gespielt haben mochten, so stand und steht auch heute noch die Buß- und Betfahrt im Vordergrund. Diejenigen, die zum Beispiel schon von einer schweren Krankheit genesen waren oder aus grosser Not errettet wurden, brachen auf, um dem Heiligen für die Heilung oder Errettung zu danken. Diese Bittfahrten wurden häufig auch auf Grund von Gelübden durchgeführt. Die Furcht vor dem Fegefeuer liess die Gläubigen nach einem immer zuverlässigeren Schutz vor der Verdammnis suchen. Die Kirche konnte auch Pilgerfahrten anordnen, zum Beispiel als Buße für eine schwere Sünde. Aber das Mittelalter wäre nicht das Mittelalter, wenn nicht gerade für diese Bußwallfahrten ein Schlupfloch existiert hätte. So konnte die Wallfahrt auch delegiert werden, d.h. ein Stellvertreter machte sich auf den Weg nach Santiago de Compostela. Und das gibt es auch heute wieder. Suchen Sie einfach einmal im Internet nach Stellvertreter-Wallfahrt. Selbst als Sühne für schwere Verbrechen konnte die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela auferlegt werden. Im Jahr 1306 gab es einen Pilger aus Gent, der sich auf den Weg machen musste. Hauptsächlich im niederländischen Raum ergriffen die Gerichte diese Maßnahmen.

    Wie gesagt, die weltlichen haben die spirituellen Gründe der Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela nicht ersetzt. Grundsätzlich war das Hauptmotiv für eine Reise die Erlangung des Ablasses und damit die Sündenvergebung.

    Was erwartete nun den einfachen Pilger auf seinem Weg? Ach so, richtig machohaft spreche ich nur in der männlichen Form, verzeihen Sie bitte, meine Damen. Selbstverständlich waren auch Frauen unterwegs. Und Paare sowieso. Also bitte: wenn ich von DEM Pilger spreche, meine ich immer auch DIE Pilgerin.

    Stellen Sie sich vor, Sie lebten als Tochter aus adligem Haus im Benediktinerinnenkloster Brunnenburg oder sind von Ihren Eltern ins Prämonstratenserkloster Arnstein gesteckt worden, um dort von den Mönchen Zucht, Ordnung und Gebet zu erlernen. Man konnte halt mit Ihnen zu Hause nicht viel anfangen – und Pflichtteile der Erbschaft kommen erst viel später ins Gesetzbuch. Immerhin noch besser im Kloster an der Lahn, als auf ewiger Wanderschaft. Stellen Sie sich weiter vor, wir schreiben so etwa das Jahr 1400. Es ist Winter – und es ist verdammt kalt in diesem Jahr.

    Die Sitten werden schon streng gewesen sein, auch von die Sagen heute noch von Kindergebeinen im Gewölbekeller der Brunnenburg und von einem langen unterirdischen Gang zwischen der Brunnenburg und Kloster Arnstein berichten.

    Und in diesem kältesten Winter seit Menschengedenken, in dem die grossen Kamine in den beiden Klöstern vergeblich versuchen, die feuchten Mauern ein wenig aufzuheizen, suchen Sie zumindest nachts ein wenig Körperwärme beim anderen Geschlecht. Aber schon im Morgengrauen, noch vor der Laudes, dem Morgengebet, rennen Sie den Weg zurück in Ihr Kloster, in Ihre kalte und klamme Zelle.

    Diese Nacht blieb nicht so ganz ohne Folgen und als diese Folgen nicht mehr zu verheimlichen waren, beichten Sie Ihren Fehltritt Ihrem Beichtvater. Der erteilt Ihnen die Absolution unter der Bedingung, dass Sie am Grab des Heiligen Apostel Matthias in Trier und am Grab des Heiligen Apostel Jakobus d.Ä. Gott um Vergebung Ihrer Sünden bitten.

  • Im nächsten Frühjahr machen Sie sich also auf die beschwerliche Reise nach Santiago de Compostela. Bevor Sie aufbrechen, hat Ihnen die Äbtissin bzw. der Abt ein kleines, handgeschriebenes Büchlein mit auf den Weg gegeben. Dieses Büchlein wird schon seit einigen Jahrzehnten innerhalb des Ordens immer wieder abgeschrieben und den Jakobspilgern mitgegeben. Es enthält neben einer Anzahl Texte zur geistlichen Erbauung auch eine Wegbeschreibung und eine mehr oder weniger vollständige Liste der Klöster am Pilgerweg. Bestimmt ist dieses Heftchen nicht so umfangreich wie der Liber Sancti Jacobi, dafür aber immer aktuell gehalten und ein unentbehrliches Hilfsmittel.

    Immer auf den Höhen, denn das Lahntal (und später Moseltal) ist sumpfig und stellenweise überhaupt nicht passierbar, legen Sie am Tag zwischen 20 und 40 km zurück. Wenn Sie keine Unterkunft in einem Kloster finden können, versuchen Sie, Obdach und eine Mahlzeit in einer der Ortschaften oder Burgen am Weg zu erhalten. Gelegentlich übernachten Sie auch unter freiem Himmel und essen das harte Brot, das Sie vom Schultheiss der letzten Ortschaft als Wegzehrung erhielten. Dies ist aber wegen der wilden Tiere in den dichten Wäldern nicht ohne Gefahren.

    Ihr Pilgerbrief stellt Sie unter den besonderen Schutz des Gesetzes. Harte Strafen erwarten denjenigen, der sich an dem Hab und Gut oder an dem Pilger selbst vergreift. Klöster, Kirchen, Rittergüter, Burgen, ja, jedermann ist aufgerufen, dem Pilger Obdach und Essen zur Verfügung zu stellen. In Trier und an vielen anderen Orten haben Sie als Pilger nicht nur Pilgerherbergen zu erwarten, sondern auch Pilgerhospitäler für den Fall, dass Sie wegen Krankheit nicht weitergehen können.

    Um die Mildtätigkeit gerade der armen Bevölkerung auf eine nicht allzu harte Probe zu stellen, sind Sie als Pilger gehalten, nicht mehr als 3 Nächte an einem Ort zu bleiben – es sei denn, Sie sind schwer erkrankt.

    So gelangen Sie schon nach zwei Tagen nach Lahnstein, zur Burg Lahneck und an den Rhein. Der Burggraf Friedrich Schilling von Lahnstein gewährt Ihnen Unterkunft, lädt Sie zum Abendmahl und gibt Ihnen reichlich Proviant mit auf die weitere Reise. Dann trägt er Ihnen auf, für ihn und seine Familie an den Apostelgräbern zu beten.

    Für ein "Vergelt’s Gott" setzt Sie der Fährmann über den Rhein und Sie erklimmen die Hunsrück-Höhen – vorbei an Burg Stolzenfels. Wir können uns heute nur noch schwer vorstellen, wie die Burg in damaliger Zeit aussah. Als Zollburg von Kurtrier wird sie aber lange nicht so heimelig gewesen sein, wie sie sich nach dem Umbau zum Romantik-Juwel darstellt.

    Auf den Hunsrück-Höhen treffen Sie schliesslich auf die alte Römerstraße von Koblenz nach Trier, der Sie bis zur Abtei St. Mattheis folgen. Unterwegs steigen Sie immer wieder in die Moselortschaften hinab, um sich mit Verpflegung zu versorgen und gelegentlich ein Dach über dem Kopf zu finden.

    1. Tag Weilburg-Villmar 28.12.2006

    Zunächst einmal: wir sind angekommen. Zum ersten Mal im Leben 26 km am Stück gelaufen, ständig auf und ab, wir haben dem Eisregen getrotzt und sind gesund nach rund 8 Stunden wieder zu Hause angelangt. Wir wissen jetzt: 26 km am Tag sind möglich – und planen die nächste Etappe Villmar – Dietz schon für die nächste Woche.
    Nur … mit Pilgern auf dem Jakobsweg hatte die ganze Sache noch nichts zu tun!!!!
    Aber lasst mich einmal beschreiben, wie der Tag und die Strecke gelaufen ist (oder gelaufen wurde?):
    Zunächst einmal haben wir verschlafen. Statt, wie geplant, um 6 Uhr aufzustehen und mit viel Ruhe zu frühstücken und die Sachen zu packen, bin ich von Gabi erst um 10 nach 7 geweckt worden und dann aus dem Bett gesprungen. Wir hatten ja nun keine Ahnung, wie lange wir brauchen werden und wollten rechtzeitig um 8 Uhr losgehen. Gabi hat es noch geschafft, zu frühstücken, ich habe mich mit 2 Kaffee begnügt. Duschen, anziehen, Füsse eincremen – um 8:30 Uhr ging es dann wirklich los.
    Die ersten 1.000 Meter kannte ich von Hundespaziergängen der letzten Monate und wusste, dass uns gleich ein Anstieg erwartete. Da half uns aber der gefrorene Boden; abgesehen davon, dass es bergauf ging, war dieser Anstieg kein Problem. Die „Probleme“ kamen erst später.
    Wir waren auf jeden Fall gut motiviert, schritten munter voraus. Bis mich dann Gabi mal fragte: „Was ist das denn da unten?“ Kurzer Blick und dann: „Die Gunthersau, das ist das Arnold-Werk, wir laufen jetzt bis Freienfels oberhalb des Weiltalradweges.“ „Und warum,“ fragte dann Gabi, „sind wir jetzt ca. 1 Stunde unterwegs, wenn wir das auch in 10 Minuten geschafft haben könnten?“ Berechtigte Frage, ich habe besser den Mund gehalten.
    Im Sommer mag diese Streckenführung durchaus ihre Berechtigung haben, denn wenn wir auch den ganzen Tag nur einer Familie begegnet sind, die einen Spaziergang machten, so wird doch in der Hauptpilgerzeit zwischen April und Oktober der Fussgänger- und Fahrrad-Verkehr schon ganz schön heftig sein. Hier ein Tipp für fusslahme Pilger, die von Wetzlar oder Marburg oder gar von Erfurt kommen:
    Die kürzeste Strecke von Weilburg nach Villmar läuft landschaftlich wunderschön gelegen auf dem Leinpfad an der Lahn entlang. Ohne Steigungen (abgesehen von der Strecke Aumenau nach Villmar, da geht es dann steil bergan auf eine viel befahrene Landstrasse, ca. 3 km) und ohne Hindernisse. Einfach dem Radwanderweg folgen – bis März ist auf dieser Strecke nicht viel Verkehr.
    Und die ersten Kilometer mit den heftigen Anstiegen von Weilburg nach Freienfels könnt Ihr auf dem Weilwanderweg abkürzen, die leichte Steigung ist kein Problem und kurz vor Freienfels kommt der Lahn-Camino auch wieder für ein paar hundert Meter auf den gut ausgebauten Fahrradweg zurück.
    Dies werden übrigends wohl die einzigen Abkürzungstipps bleiben, denn hinter Villmar waren wir, zumindest zu Fuß, auch noch nicht.
    Für ein zweites Frühstück oder eine kurze Pause bietet sich der alte Bahnhof in Freienfels an. Dieses Lokal mit Biergarten ist eigentlich eher zufällig entstanden. Die Besitzer haben zunächst den Garten für die Radler geöffnet und daraus entwickelte sich ein nettes Lokal. Jetzt im Winter haben sie geschlossen, aber wenn die Fahrradsaison wieder losgeht, lässt man es sich hier gutgehen.
    Der Weg läuft dann zur Burgruine Freienfels hinauf und dort direkt am grossen Tor vorbei. Ein Tipp: klettern Sie ruhig noch auf den Turm, ein wunderbarer Ausblick auf das Weiltal und darüber hinaus ist wirklich ist wirklich lohnenswert.
    Von Freienfels geht es weiter nach Weinbach – hier haben wir im Supermarkt noch ein wenig Verpflegung für unterwegs eingekauft. Schliesslich brauchte ich noch ein Frühstück – und ein paar Getränke wollten wir auch noch mitnehmen.
    Durch einen Teil von Weinbach hindurch führt der Weg dann „endlich“ wieder nach oben. Das führte dann zu meiner Frage: „Warum müssen Ortschaften immer im Tal liegen? Zuerst läuft man runter und weiss doch ganz genau, gleich geht es wieder hoch!“ Aber die Strecke mitten durch den Wald nach Elkerhausen entschädigt dann auch für die Anstrengungen.
    In Elkerhausen solltet Ihr noch einen kurzen Abstecher zur Burg machen. Die Sammlung zeitgenössischer Kunst von Herrn Krupp und seiner Tochter ist weit über die Grenzen bekannt. Die Galerie ist i.d.R. nicht geöffnet, aber „klopfet und es wird Euch aufgetan“ (O-Ton Frau Dr. Krupp).
    In Elkerhausen ist die Streckenführung des Lahn-Camino nicht ganz eindeutig. Unten an der Hauptstrasse wendet Euch nach links Richtung Blessenbach und biegt dann rechts Richtung Klein Weinbach ein (Abstecher zur Pilzzucht Noll mit einer Art Straußenwirtschaft im Sommer), gleich nach 50 m geht der Weg rechts über eine Wiese weiter. Interessant am Ende des Anstiegs, dort, wo es wieder auf einen Weg geht, eine moderne Skulptur „Die eiserne Hand“, welche die Himmelsrichtungen für Blessenbach, Runkel, Weilburg, Bad Camberg und Mainz angibt.
    Hier führt der Weg nach Langhecke mit dem Hotel Zum Grünen Wald. Wenn auch der Name nicht unbedingt einfallsreich ist, so bietet sich das Restaurant für eine Mittagspause mit einem gutbürgerlichen Tagesgericht oder, wie jetzt im Winter, mit einer heissen Tasse Kakao geradezu an. Leider war es gestern geschlossen – und so haben wir unsere Pause im Wald auf Baumstämmen sitzend im Regen verbracht.
    Ein Trost für alle geschwächten Wanderer: der Anstieg von Langhecke nach Villmar ist die letzte grosse Steigung, auch wenn noch ein gutes Stück Weg zurückzulegen ist.
    Mittlerweile entwickelte sich der Schauer zu einem ausgewachsenen Regen und unsere Jacken waren bald durchnässt. Aber jetzt umzukehren: Nein. Auch unsere Wehwehchen wurden langsam lästig und unsere Hochachtung vor Wanderern und Pilgern wuchs ins Unermessliche. Diese Tortur täglich, über mehrere Wochen? Aber eine Erkenntnis kam zumindest mir: nach dieser Quälerei kann ich nur entweder ganz aufhören, oder möglichst schnell weitermachen. Diese Art der Fortbewegung ertrage ich höchstens für 4 Wochen immer mal wieder – dann muss ich so fit sein, dass es nicht mehr wehtut.
    In Villmar kommt der Lahn-Camino am Galgenberg aus dem Wald. Eine Schutzhütte und mehrere Bänke laden zur Rast, bevor es auf den unangenehmsten Teil des Weges geht. Von hier bis nach Villmar zum Bahnhof geht es nur bergab. Ausserdem ist der Landwirtschaftsweg asphaltiert. Nach den Strapazen der vergangenen Stunden noch einmal der Höhepunkt und spätestens jetzt wissen wir, dass eine Steigung zwar die Luft knapp werden lässt, ein Gefälle jedoch richtig wehtut. Naja, eine von vielen Erfahrungen.
    Obwohl wir geplant hatten, uns irgendwo in Villmar niederzulassen und auf den nächsten Zug zu warten (Achtung: der Bahnhof ist nicht gerade anheimelnd und weit und breit keine Gaststätte oder Cafe), waren wir dann doch auf der Marmorbrücke und haben 6 Minuten später den nächsten Zug zurück nach Weilburg erwischt. Nach fast exakt 7 Stunden Wanderung (mit kurzen Pausen, sonst wäre uns zu kalt geworden). Gott sei Dank. Der kurze Weg vom Bahnhof nach Hause hat uns nach der Sitzerei im Zug noch einmal gequält.
    Meine Erkenntnisse vom gestrigen Tag (für Gabi kann ich nicht sprechen, die will heute vom Wandern nichts mehr hören):
    1. meine Füße tragen mich 26 km an einem Stück!
    2. ich muss schnell weitermachen oder ganz aufhören!
    3. solange der Körper nicht fit ist, brauche ich über meine Suche nicht nachzudenken!
    Das wars schon. Und jetzt lege ich mich auf die Coach und lasse den lieben Gott einen guten Mann sein.
    Achso, wenn sich tatsächlich jemand in diesen Blog verirren sollte und Lust verspürt, einfach einmal eine Etappe mitzulaufen, schreibt mir eine eMail oder ruft mich an (06471-506088), Gabi und ich würden uns über Begleitung freuen. Voraussetzung für die nächsten Wochen: unfit, unerfahren und keine Angst vor grossen Hunden! Bis dann!

    © 2023 Auf dem Weg

    Theme von Anders NorénHoch ↑