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Schlagwort: links und rechts

Anhang 1 – Rundgang durch das historische Neuss

 

Wenn Sie ein wenig Zeit für einen Rundgang durch Neuss haben, dann mag dieser Anhang einen ersten Eindruck von der Stadt verschaffen. Wenn Sie Zeit haben, dann sollten Sie aber an einer von der Tourist-Information organisierten Stadtführung teilnehmen oder sich einen der zahlreichen guten Stadtführer besorgen.

Denn es ist nicht leicht, in einer so uralten und im Mittelalter so bedeutenden Stadt wie Neuss einen Startpunkt für den historischen Spaziergang zu finden. Da das Münster St. Quirin als Ausgangspunkt Ihres Jakobsweges entlang des Rheins als Höhepunkt erst am Ende des Rundganges liegen soll, lassen Sie uns doch am Markt, dem zentralen Punkt einer jeden mittelalterlichen Stadt beginnen. Und wenn Sie bei Ihrem Spaziergang aufmerksam links und rechts schauen, werden Sie viel mehr als die beschriebenen historischen Zeugnisse entdecken.

Hier, am Markt, steht auch das 1954, an Stelle des im 2. Weltkrieg zerstörten historischen Gebäudes, erbaute Rathaus. Der Brunnen gegenüber zeigt Szenen aus der Neusser Stadtgeschichte. Oben auf dem Brunnen steht Hermann von Hessen in voller Rüstung, der Verteidiger von Neuss im Neusser Krieg 1474/75.

Mit dem Rathaus im Rücken geht es hinunter zum ehemaligen Hessentor, 1646 als sechstes Tor errichtet; schon 1829 musste es der Expansion weichen. Der Name geht auf die hessischen Besatzer im Dreißigjährigen Krieg zurück, die durch dieses Tor auf dem schnellsten Weg zu den Schanzen am Rhein gelangen konnten.

Die Treppe zu Ihrer Linken führt zum Quirinusmünster und zum Zeughaus auf der rechten Seite. Das 1639 erbaute Gebäude war bis Anfang des 19. Jh. die Kirche des daneben liegenden Franziskanerklosters. Der Name ‚Zeughaus’ stammt aus der Mitte des 19. Jh., als die preußische Garnison es für die Versorgung nutzte.

Gegenüber dem mächtigen Löwen gehen Sie nach rechts in die Hymgasse. Gegenüber, in der kleinen Grünanlage, können Sie den oberen Teil des Kehlturmes der ehemaligen mittelalterlichen Stadtbefestigung erkennen. Der Turm hat einen Durchmesser von 12 m, die Mauern sind bis zu 2 m dick. Und deutlich ist zu erkennen, wie hoch das heutige Straßenniveau im Vergleich zu dem im Mittelalter ist. In der Mitte des Platzes befand sich ursprünglich eine römische Herberge aus dem 2. oder 3. Jh.

Wenn Sie jetzt am Rheinischen Landestheater vorbei und an der Ampel in die Oberstraße abbiegen, sehen Sie nach wenigen Metern rechts den Jesuitenhof. Der Jesuitenturm ist das letzte Überbleibsel des Klosters. Der achteckige Turm hat drei Geschosse und eine geschweifte Haube. Auf dem heute bebauten Gelände gegenüber befand sich das Minoritenkloster, das älteste Kloster auf Neusser Stadtgebiet.

Zurück auf der Oberstraße gehen Sie nach rechts auf das einzige vollständig erhaltene mittelalterliche Stadttor von Neuss zu. Es stammt aus dem 12./13. Jh. und kontrollierte den Weg zum Oberrhein, also hauptsächlich nach Köln. Es war das größte und wichtigste der fünf bzw. sechs Neusser Stadttore. Der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden hatte den Ausbau der Stadtbefestigung in der ersten Hälfte des 13. Jh. veranlasst und auch für sich selbst als Landesherr, da er ja von Bonn und Köln nach Neuss kam, die repräsentative Torburg im Gegensatz zu den vier schlichteren Tortürmen veranlasst. Im 14. Jh. kamen dann noch die beiden prächtigen Rundtürme hinzu. Heute beherbergt das Obertor die Mittelalter-Abteilung des Clemens-Sels-Museums. Das Museum mit den sehenswerten Abteilungen zum römischen und mittelalterlichen Neuss ist dienstags bis samstags von 11 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 11 – 17 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt für Erwachsene 3,50 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre und Studenten bis 27 Jahre 2,50 Euro.

Vor dem Obertor nach rechts in die Zitadellstraße und wieder rechts in die Mühlenstraße kommen Sie zum Windmühlenturm. Diese Mühle an der ehemaligen Stadtmauer ist wohl die älteste Neusser Stadtmühle gewesen und schon auf einem Stich aus dem Ende des 15. Jh. zu erkennen. Auch der Unterbau weist auf das Alter hin. Bis ins 19. Jh. hinein blieb die Mühle in Betrieb.

Ein Stückchen weiter steht auf der linken Seite der Blutturm, ein typischer Halbrundturm einer mittelalterlichen Stadtbefestigung. Die schweren Eisenringe im Inneren deuten auf die einstige Nutzung hin: es war wohl der Gefängnisturm der Stadt, in dem die Gefangenen auch für ihre Zeit nicht gerade komfortabel untergebracht wurden.

An der Ecke zur Zollstraße geht es nach links ab. Gegenüber an der Ecke zur Michaelstraße befindet sich das älteste erhaltene Fachwerkhaus von Neuss, 1571 erbaut. Es überstand den Brand bei der  Eroberung im Kölner Krieg und viele weitere Kriege und Brandkatastrophen. Das ‚Schärpe Eck’ wurde 1712 erbaut und der Name erinnert daran, dass Fuhrwerk kaum in schmale Gasse einbiegen konnten.

Kurz vor der Brücke stand ehemals das Zolltor, heute erinnert nur noch eine Informationstafel an das wichtige Stadttor. Der gesamte Handel Richtung Westen, also nach Aachen und Flandern, wurde durch dieses Tor abgewickelt. Sie biegen rechts in den Wierstraetweg ein, der Sie entlang des rekonstruierten Befestigungsgrabens und Teilen der mächtigen Stadtmauern in Richtung Hamtor führt.

Erstmals erwähnt wird das heute wenigstens teilweise rekonstruierte Hamtor im Jahre 1298. Es hatte nur geringe Bedeutung für die Stadt, eigentlich wurde es nur an bestimmten Wochentagen und zur Erntezeit geöffnet. Aber auch dieses Stadttor hatte einen eigenen Torwächter, der nach einer Stadtrechnung von 1501 mit 1 Malter Roggen, 5 Mark und 8 Albus schon sehr gering entlohnt wurde.

Gehen Sie am Hamtor vorbei und durch die Sebastianusstraße zur Niederstraße mit der Einkaufszone. Wenden Sie sich nach links, und an der nächsten Ecke steht die barocke Sebastianuskirche. Sie wurde 1720 geweiht und stellt heute eine Ruhepol in der hektischen Innenstadt dar. Betreut wird die Kirche von zwei Patres aus dem jungen Orden ‚Pro Deo et Fratribus – Familie Mariens’.

Zurück auf dem Hauptstraßenzug stehen Sie an der Ecke Büchel/Sebastianusstraße vor dem ‚Schwatte Päd’. Ein Haus mit dem Namen ‚Schwarzes Pferd’  ist schon seit 1559 belegt, das heutige Gebäude stammt aus dem Jahr 1604. Das Kellergewölbe ist sogar noch älter, nämlich rund 800 Jahre. Die Gaststätte wirbt mit dem Slogan ‚Ältestes Gasthaus am Niederrhein’.

Wenn Sie den Büchel weitergehen und die nächste Straße links abbiegen, kommen Sie zum Münsterplatz. Linker Hand steht das ehemalige ‚Vogthaus zu den Heiligen Drei Königen’, 1597 von dem damaligen kurfürstlichen Vogt erbaut und 200 Jahre von den Vögten als Wohnhaus genutzt. Heute befindet sich eine gemütliche Gaststätte in dem Haus. Im Giebel befindet sich ein Glockenspiel mit Figuren des Neusser Bürger-Schützenregimentes. Täglich um 11, 15 und 17 Uhr können Sie den Aufmarsch des Regimentes und das Glockenspiel genießen.

Gegenüber hat man bei Ausgrabungen in den 1950er Jahren die mittelalterlichen Reste der Marienkapelle freigelegt. Vier Meter unter dem heutigen Straßenniveau befindet sich ein Ziegelfußboden. Platz bot die Kirche in unmittelbarer Nähe zur Münsterkirche für rund 400 Menschen.

Am Münsterplatz steht auch der heute moderne Quirinusbrunnen, aus dem schon die mittelalterlichen Pilger das heilsame Quirinuswasser getrunken und mit nach Hause genommen haben. Der restaurierte Brunnen heute zeigt Szenen aus dem Leben des Quirinus von Neuss. Übrigens bringen in Neuss nicht die Klapperstörche die Babys – diese kommen aus dem Quirinusbrunnen.

Zum guten Schluss stehen Sie jetzt vor dem Neusser Wahrzeichen, dem Quirinusmünster, Höhepunkt unseres kleinen Stadtrundganges.

An der Stelle, auf der sich heute das im 13. Jh. erbaute Münster befindet, gab es schon ein Gräberfeld außerhalb der römischen Zivilsiedlung. Es handelte sich um ein Gebäude zum Totengedächtnis, eine ‚cella memoriae’. Durch eine Glasplatte können Sie die Überreste unter dem heutigen Boden sehen.

Das schon im Jahr 850 gegründete Kloster wurde in ein adliges Damenstift umgewandelt – und sicher gab es schon zu dieser Zeit ein Kirchengebäude. Erstmalig unkundlich erwähnt wurde eine Kirche im Jahr 1043. Auch der heilige Quirinus wird als Stadtpatron zum ersten Mal genannt. Nach alter Überlieferung wurden die Gebeine des Märtyrers im Jahr 1050 über mehrere Stationen, die uns immer wieder am Jakobsweg durch Deutschland in Richtung Süden begegnen, nach Neuss gebracht. Der daraufhin einsetzende Pilgerstrom brachte eine nicht ganz unerwünschte wirtschaftliche Blüte.

1209 reichte die Vorgängerkirche nicht mehr aus und der Wohlstand machte den Neubau einer größeren, schöneren und reicher ausgestatteten Kirche möglich. Der Baumeister Wolbero orientierte sich an den romanischen Kölner Kirchen, besonders an St. Maria im Kapitol.

Bis in die Barockzeit stand der hohe, spitze Westturm des Quirinusmünsters. Ein Blitzschlag und das nachfolgende Feuer zerstörten den Turm und Teile der Kirche. Danach wurde die barocke Kuppel errichtet. Und seitdem wacht auch der heilige Quirinus von der Kuppel die über die Stadt Neuss.

Das gewaltige Gebäude ist die letzte Kirche, die im Stil der rheinischen Romanik errichtet wurde. Stellenweise können Sie bei einer Umrundung auch schon den gotische Einfluss an verschiedenen Spitzbögen erkennen.

Der Eindruck der Größe und Weite setzt sich im Innenraum fort und wird durch die staufische Farbgebung, die sehr schön rekonstruiert wurde, noch verstärkt.

In der Krypta unter dem Chor finden sich die ältesten Bauteile: zwei Säulen aus der Zeit um 1050 und Fußbodenreste aus dem 9. Jh.

Leider ist von der reichen Ausstattung der Wallfahrtskirche heute nur noch wenig erhalten. In der Säkularisation wurden viele wertvolle Stücke entwendet – das anliegende Kloster wurde sogar völlig zerstört. Einige Kostbarkeiten sind jedoch noch erhalten.

In der Apsis, dem hinteren Teil des Chors oder Altarraumes, fällt gleich der Quirinusschrein ins Auge. Er birgt die Reliquien des heiligen Quirinus und stammt aus dem 19. Jh. Der Vorgänger dieses Schreines ist im Clemens-Sels-Museum ausgestellt. Der ursprüngliche Schrein wurde schon im Truchsessischen Krieg 1585 zerstört. Zum Festtag des römischen Märtyrers am 30. April feiert die Gemeinde alljährlich eine Quirinusoktav und zieht mit dem Quirinusschrein durch die Straßen und Gassen der Innenstadt.

Das Chorgestühl stammt aus dem 15. Jh. Das Pestkreuz ist von 1360, und die Marienstatue wurde vor 1430 geschaffen. Im südlichen Seitenschiff entdecken Sie den Quirinusaltar. Die Darstellung des heiligen Quirinus stammt aus dem Beginn des 16. Jh. Schließlich gibt es noch einen römischen Sarkophag im Münster.

Viel zu entdecken gibt es im Neusser Münster. Viele kleine Details. Nicht alle kann ich hier nennen, dabei sind alleine die modernen Bronzeplaketten mit den Kreuzwegstationen schon einen Abschnitt wert.

Zum Ende unseres Rundganges versuchen Sie sich doch bitte einmal diese herrliche Basilika im Mittelalter, während des Höhepunktes der Wallfahrten zu dem Schutzheiligen, vorzustellen. Bei 4000 Einwohnern waren zeitweise 5000 bis 6000 Pilger in der Stadt. Es stehen keine Kirchenbänke mehr in den Schiffen. Im Mittelalter gab es diesen Luxus nicht. Dicht an dicht standen die Pilger andächtig vor dem Altar. Auch die umlaufenden Emporen, die als Pilgerunterkünfte für die Nacht dienten, waren voll mit Gläubigen. Es gab kein elektrisches Licht. Der große Kirchenraum war lediglich durch Tageslicht oder durch zahlreiche Kerzen in ein Halbdunkel getaucht. Die meisten Pilger verstanden kein Latein, die Sprache der Kirche zu dieser Zeit. Das ‚Pater noster’ haben sie mühselig auswendig gelernt. Dennoch trugen alle diese Menschen ihre Sorgen und Nöte vor den Heiligen, in der Gewissheit, dass er ihnen und denen, für die sie beteten, Schutz und Heilung geben konnte.

Man mag zum Glauben, zum Christentum und auch zu der Heiligenverehrung in der katholischen Kirche gestern und heute seine eigene Meinung haben – aber der Glaube hat großartige Bauwerke entstehen lassen. Und der Glaube, die unzähligen Gebete, die unzähligen Hoffnungen, die mit diesen Gebeten verbunden waren und sind, machen diese wie auch alle anderen Wallfahrtskirchen zu ganz besonderen Orten.

17. Tag Trier – Wasserbillig 06.03.2007

„Hört auf vor meinen Augen Böses zu tun. Lernt, Gutes zu tun! Sorgt für das Recht! Helft den Unterdrückten. Jesaja 1,16f“
„Man kann auf dem richtigen Weg sein, aber nicht der richtige Mensch für diesen Weg. Was meinen Andere, wozu du da bist?“
Ganz schön heftig, oder? Gestern wollte ich noch schreiben, dass diese SMS einfach nicht passen können, weil sie an soviele Menschen gerichtet ist – und siehe da, die Kurznachrichten vom 06. März passen wie Faust auf Auge. Seltsam! An die regelmässigen Mitleser: seid mir bitte nicht böse, wenn ich jetzt, bis zur nächsten Pilgeretappe, die Zwischenetappen jeweils als Niederschrift meiner Gedanken zu den Fasten-SMS nutze.
Für heute spare ich mir aber einen Kommentar. Die SMS forderten auch an diesem Pilgertag nicht zum Innehalten auf, sondern wurden bei Erhalt einfach nur abgespeichert. Innehalten, Geniessen – vielleicht ist das auch der Grund, warum ich (und Gabi) Schwierigkeiten damit haben, einfach „Anzunehmen“.
Wir sind ganz zeitig aufgebrochen. Schon um viertel nach Acht waren wir auf dem Weg. Der Wetterbericht sagte für den späten Nachmittag Regen voraus – und dem wollten wir möglichst aus dem Wege gehen. Und da wir Entfernungen auch am 17. Tag noch nicht richtig einschätzen können, marschieren wir lieber früher, als später nass zu werden.
Ziemlich trostlos führte uns der Weg Richtung Luxemburg auf der Zurmaiener Strasse durch die Gewerbeansiedlungen links und rechts zur Römerbrücke und auf die andere Seite der Mosel. Der heftige Anstieg hoch zur Mariensäule – von Wolfgang am Vortag lapidar mit „es geht ein wenig hoch“ abgetan – ging uns ganz schön an die Substanz. Aber der Blick von der Mariensäule auf Trier entschädigt für alle Anstrengungen. „Da, dort drüben ist St. Matthias“ und „Ach, da ist ja unser Hotel“. „Schau, da liegen die Kaiserthermen, die Porta Nigra, der Dom, St. Paulin“ – diesen Blick auf Trier vergisst man als Pilger nicht mehr so schnell. Aber es war stark windig und wir kräftig durchgeschwitzt. Deshalb haben wir uns viel zu schnell von diesem traumhaften Blick losgerissen und sind weiter Richtung Wasserbillig.
Der Massstab der Karte, die wir vom Wolfgang bekommen hatten, war mit seinen 1:25.000 etwas sehr gewöhnungsbedürftig. Wir sind viel zu schnell gepilgert, haben uns viel zu wenig Zeit für Pausen genommen – immer, weil wir dachten, es wäre noch so weit zu laufen. Im einzigen Ort, den wir passiert haben, wollten wir uns eigentlich mit zusätzlichen Getränken versorgen – aber wie so häufig konnten wir nicht einen Laden finden. Und die Hemmschwelle, einfach an einer Haustüre zu klingeln und um Wasser zu bitten, ist noch viel zu gross.
Schon um halb eins kamen wir in Wasserbilligerbrück an, die deutsche Seite der Grenze. Ein Blick auf den Busfahrplan: von hier können wir stündlich mit dem Bus nach Trier zurückkommen. Aber wir sind noch weiter, über die Sauer-Brücke und damit die Grenze, nach Wasserbillig in Luxemburg. Der starke Verkehr ging uns mal wieder auf den Geist. Dieser Wechsel von Abgeschiedenheit hinein ins tobende Leben fällt uns schwer. Aber auf der Brücke begrüsste uns wieder der nassauische Löwe, zumindest haben wir ihn zum Nassauer erklärt, ohne zu wissen, ob die nassauischen Großherzöge tatsächlich den Löwen nach Luxemburg exportiert, oder ob sie dort einen eigenen Löwen vorfanden und sich sogleich heimisch fühlten. Fakt ist, dass Adolph nach seiner Abdankung und der Verabschiedung von seinen Truppen in Bayern niemals mehr nach Nassau zurückkehrte. Es wäre wohl zu schmerzlich für ihn gewesen, in sein Nassauer Land, dass jetzt eine preussische Provinz war, zurückzukehren. Achso, und ich muss noch herausfinden, ob die protestantischen Nassauer in Luxemburg wieder katholisch wurden – das bin ich Wolfgang noch schuldig. Kleinen Moment, klären wir in den nächsten Tagen.
Nee, machen wir sofort: erstens, lieber Wolfgang, hast Du Recht – die Luxemburger sind zu 90% römisch-katholisch, somit ist anzunehmen, dass wirklich die grossherzögliche Familie in einer katholischen Kathedrale „herummacht“. Die zweite Wikipedia-Suche ergibt folgenden Satz: „Adolf wurde – als Protestant in einem katholischen Land – Großherzog von Luxemburg und Begründer des Hauses Luxemburg-Nassau.“ Die dritte Wikipedia-Suche ergibt den ersten Hinweis: „1920 trat Marie-Adelheid in ein Karmeliterinnenkloster in Modena ein, später stieß sie zu den „Kleinen Schwestern der Armen“ in Rom.“ Beides sind katholische Orden. Und jetzt kommt die vierte Suche: „Der protestantische Erbgroßherzog Wilhelm heiratet am 21. Juni 1893 die portugiesische Infantin Maria Anna von Braganza, die katholischen Glaubens ist. Die sechs Mädchen des erbgroßherzöglichen Paares werden demzufolge katholisch erzogen, wie der vorwiegende Teil der luxemburgischen Bevölkerung.“ Da ist es also: die sind nicht konvertiert (ach, was wäre das schön gewesen, den Satz zu finden: „Für sein katholisches Volk ist Adolf der I. zum katholischen Glauben konvertiert!“), die haben einfach eine katholische Frau geheiratet, damit sind die Kinder laut katholischem Kirchenrecht automatisch katholisch. Manchmal ist es so einfach. Auf jeden Fall weiss ich jetzt eine Menge über die Nassau-Luxemburger. Kannst mich fragen, wenn Du etwas wissen willst :-). Und lt. Forbes sind die Grossherzöge die am meisten unterschätzen Monarchen der Welt – das Privatvermögen wird auf 4,2 Milliarden geschätzt. Nicht schlecht, Herr Specht! Achso, und den Löwen haben sie exportiert – müssen sie auch, denn lt. Konstitution müssen sich die Luxemburger auch heute noch mit dem Zusatz „aus Nassau“ versehen!
Soweit der Geschichts-Exkurs eines Weilburgers (naja, zugereisten Weilburgers) über Luxemburg. Weiter geht es mit unserem Pilgerweg:
Wir hatten gehofft, an der Touri-Info in Wasserbilligerbrück oder in Wasserbillig Informationen zum weiteren Weg nach Luxemburg und dann Richtung Reims zu bekommen. War nichts. Alles verriegelt und verrammelt. Wohl gerade Mittagspause oder Winterschlaf, ich weiss es nicht so genau. Am Bahnhof suchten wir den Zug zurück heraus, dann ein Cafe. Schlecht, sehr schlecht. Zumindest, wie gerade gesagt, jetzt zur Winterszeit. Also in ein Hotel und dort, in der angeschlossenen Dorfkneipe der 60er-Jahre einen Kaffee und einen Cappuccino. Einen Stempel gabs auch noch. Aber die Frage nach dem weiteren Pilgerweg konnten sie nicht beantworten. Schade, war aber wohl auch nicht zu erwarten.
Zugfahren ist billig! Laut Fahrkarte haben wir für eine Tagesrückfahrkarte nach Trier pro Person 4,40 gezahlt. Tagesrückfahrkarte hätten wir nicht gebraucht, gab es einfach so. Um viertel vor zwei sassen wir im Zug nach Trier, gingen gemütlich vom Hauptbahnhof zur Porta Nigra und von dort noch einmal in die Stadt zu dem Cafe, mit dem Spitzen-Streuselkuchen für kleines Geld. 2 Stücke gekauft, denn wir wollten die Karte noch schnell nach Schweich zurückbringen. Schade, Wolfgang haben wir um wenige Minuten verpasst. Wolfgang, bitte verzeih‘ uns, dass wir den Kuchen nicht dagelassen haben – aber ganz ehrlich: da waren wir nach dem Genuss vom Vortag doch ein wenig egoistisch. Den haben wir restlos während der Fahrt verputzt – aber dabei auch ganz lieb an Dich gedacht!
So, der grosse Meilenstein Trier ist erreicht, der etwas kleinere Meilenstein Luxemburg auch. Die nächsten Meilensteine sind jetzt Luxemburg-Stadt, Reims und dann Paris und Chartres. Ostern, oder aber wahrscheinlicher die Woche danach, geht es weiter.
Erkenntnis des Tages:
wir können 20 km in 5 Stunden schaffen, auch wenn es auf und ab geht

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