Auf dem Weg

Geschichte - Kultur - Spiritualität

Schlagwort: KS (Seite 1 von 6)

Beten mit den Füßen: Lahnwanderweg 19. Etappe von Bad Ems nach Niederlahnstein (Entwurf)

Mit dem Taunusklub Limburg durch die Lahn-Weinberge

Der Herbst kommt mit Riesenschritten, die heißen Sommertage sind vorbei. Grund genug für die Limburger Tauniden, zu einem Sonntagsspaziergang in die Obernhöfer Weinberge aufzubrechen.

Um die Mittagszeit trafen sich an einem sonnigen und perfekten Septembersonntag rund 30 Mitglieder und Freunde des Taunusklub Limburg am Bahnhof, um von dort  auf der Lahntalstrecke mit dem Zug nach Obernhof zu fahren.

Schon die Anreise war ein Erlebnis, gehört doch die Lahntal-Eisenbahnstrecke mit zu den landschaftlich schönsten Zugfahrten in Deutschland.

Vom Bahnhof in Obernhof ging es über die Lahnbrücke und kurz durch den kleinen Ort, vorbei an der evangelischen Kirche. Beim Anblick der saftigen Trauben an den alten Fachwerkhäuser tauchte schon die Frage auf: „Mundraub oder Diebstahl?“

Durch die Obernhöfer Weinberge ging es auf dem Halfterweg teilweise steil bergauf. Bewundernd sprachen die Wanderer über die schwere Arbeit der Lahn-Winzer, die größtenteils im Nebenerwerb die Steillagen bewirtschaften und dabei einen guten weißen oder roten Lahnwein produzieren.  Doch dazu kommen wir später noch einmal.

Der Halfterweg übrigens diente den Treidelknechten in früherer Zeit lahnabwärts als Abkürzung. Die Schiffe wurden vom Rhein bei Lahnstein bis hinauf nach Weilburg getreidelt, das heißt gezogen. Natürlich nicht nur mit menschlicher, sondern in erster Linie mit Pferdestärken. Von Weilburg mussten Treidelknechte und Pferde wieder zum Ausgangsort zurück – und dazu benutzten sie eine möglichst direkte Verbindung. Dies wurde im Laufe der Zeit der Halfterweg auf den Lahnhöhen. Zum Wanderweg ausgebaut wurde der Halfterweg in den letzten Jahren ab Diez lahnabwärts.

Für einige Tauniden ging es hoch bis zum Goethepunkt, der eine atemberaubende Aussicht in das Lahn- und das Gelbachtal bietet. Ob Goethe allerdings tatsächlich hier gestanden hat? Zu wünschen wäre es ihm gewesen. Machte er sich doch, unglücklich in seine Lotte verliebt, bei Nacht und Nebel in Wetzlar auf, um lahnabwärts seinen Liebeskummer zu vergessen. Hier oben, von dem Aussichtspunkt, bietet sich ein wundervoller Blick auf Obernhof, das Kloster Arnstein und auf Weinähr. Eine Aussicht, die Sie nicht versäumen sollten.

Noch eine Besonderheit beginnt hier auf der Höhe: Der Lahnsteig, ein kurzes Wegstück auf dem neuen Lahnwanderweg, der den direkten Weg über Felsen und Steine nach Obernhof nimmt. Gesichert mit Stahlseilen und an besonders schwierigen Stellen mit Stahlkrampen, die im Fels eingelassen wurden, kann der trittsichere Wanderer etwa 1,5 Kilometer das Gefühl des Bergwanderns erleben.

Am Goethepunkt erreichten die Ausflügler des Taunusklub Limburg den höchsten Punkt, von dort ging es stetig bergab in Gelbachtal nach Weinähr. Der Ort wurde schon im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt, vermutlich stand die Ortsgründung im Zusammenhang mit den guten Weinlagen. Später gab es im Gelbachtal fünf wassergetriebene Mühlen.

Der Chor der katholischen Trinitatis-Kirche stammt noch aus der Frühgotik, das Kirchenschiff ist 1428 datiert. Bei dem wunderschönen Fachwerkrathaus handelt es sich um einen spätgotischen Bau. Aber auch sonst lädt der kleine Ort mit seinen malerischen alten Gassen zum Bummeln ein.

Der Taunusklub hatte sich zur Einkehr mitten im Ort angemeldet. Hier wurde den Tauniden serviert, was das Herz begehrt. Leider zeigte sich die Restauration trotz Anmeldung von rund 30 Personen überfordert. Schade, so mancher Schoppen wurde so nicht getrunken.

Wegen einer Wegsperrung in Höhe Langenau ging es am späten Nachmittag für die Limburger wieder über den Berg zurück zum Bahnhof. Ein schöner, spätsommerlicher Sonntag fand mit ruhigen Minuten an der Lahn einen besinnlichen Abschluss.

Beten mit den Füßen: Lahnwanderweg 18. Etappe von Obernhof nach Bad Ems (Entwurf)

Beten mit den Füßen: Lahnwanderweg 17. Etappe von Balduinstein nach Obernhof (Entwurf)

Heimische Heilpflanzen im Portrait: Gewöhnliche Stechpalme (Ilex aquifolium)

„Ilex“. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ilex.jpg#mediaviewer/File:Ilex.jpg

„Ilex“. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ilex.jpg#mediaviewer/File:Ilex.jpg

Warum ist wohl der Zauberstab von Harry Potter aus dem Holz der Stechpalme? Seit alters her wird der Heilpflanze die Kraft zugeschrieben, alles Böse abzuwehren.

Das ist ja ein netter Nebeneffekt. Doch hauptsächlich findet die mit den grünen Blättern und roten Früchten hübsche Weihnachtsdekoration ihren Einsatz in der Naturheilkunde bei Bronchitis und Rheumatismus. Im Frühling wird die Rinde gesammelt und getrocknet, das ganze Jahr über sind die Blätter sammelbar. In der Sonne oder im Schatten rasch und schonend getrocknet, werden die Inhaltsstoffe am Besten erhalten.

Die roten Beeren  übrigens sind stark giftig und dürfen nicht gegessen werden.  Es sind sogar schon Todesfälle aufgetreten. Dabei gelten 20 bis 30 rote Beeren für Erwachsene als tödliche Dosis, bei Kindern entsprechend weniger.

Symptome einer Vergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, Herzrhythmusstörungen, Lähmungen, Nierenschäden, Durchfall, Magenentzündung, Schläfrigkeit.[

In vielen europäischen Ländern steht die Stechplame unter besonderes strengem Naturschutz. Dort hat der vielfältige Einsatz zur Dekoration bei den unterschiedlichsten christlichen Festen dazu geführt, dass die Stechpalme in der Natur fast ausgerottet wurde.

Der lateinische Name „Ilex aquifolium“ beruht übrigens auf einem Deutungsfehler.  Eigentlich müsste es „acrifolium“ heißen – doch wer will das heute nochmals durchsetzen?

Ilex wächst vorzugsweise im Unterholz von Buchenwäldern, wenn die Stechpalme nicht als Zierstrauch angepflanzt wurde. Bis in Höhenlagen von 2000 Metern ist der Strauch oder Baum zu finden. Zwischen 1 und 10 Metern sind die Pflanzen hoch. Die Rinde ist glatt und kahl. Die Blattoberseiten haben eine dunkelgrüne, die Unterseiten eine hellgrüne Farbe. Die Blätter sind meist gewellt und sind stachelig gezähnt. Die Blütezeit ist im Mai und Juni, Früchte trägt die Pflanze zwischen Oktober und Dezember.

Und noch einmal zurück zu Harry Potter. Das Holz der Stechplame ist extrem hart. Vielleicht ist das der Grund, warum der Zauberlehrling den Stab gerade aus diesem Material bekommen hat. Wer weiß?

 

Verloren im Taunus: 65. bei der 14. Oldtimerfahrt des Hoch-Taunus Automobilclubs

Er läuft und läuft und läuft ... VW Käfer on Tour

Er läuft und läuft und läuft … VW Käfer on Tour

Die hämischen Kommentare kennen wir schon, wenn unser Trabbi auftaucht. Doch das wir bei unserer ersten richtigen Oldtimmer-Ralley dermaßen abstürzen, das hätten wir uns nicht träumen lassen. Von 68 gestarteten Oldtimern waren nur drei schlechter. Ja, richtig, wir sind in der Gesamtwertung auf Platz 65 gelandet – mit dem unglaublichen Ergebnis von 318,4 Strafpunkten. Auf dem ersten Platz landete ein Fiat Spider 850 von 1968 mit überragenden 1,3 Strafpunkten. Noch einen Ticken besser war eigentlich das Damenteam im Golf 1 von 1981. Die schnitten in der Sonderwertung 1 und 2 besser ab, versaubeutelten dann aber die SW 3. Auch 1,3 Strafpunkte – aber halt nur den zweiten Platz.

Aber immerhin war den Kollegen vom Usinger Anzeiger am 21. Juli 2014 unser Trabant 601 Universal von 1977 ein Foto und zwei Sätze wert. Auch nicht schlecht, oder?

Kindheitserinnerungen: Mit einem NSU Prinz fuhr unser Kaplan von St. Antonius, Düsseldorf, mit uns durch die schweizer Berge

Kindheitserinnerungen: Mit einem NSU Prinz fuhr unser Kaplan von St. Antonius, Düsseldorf, mit uns durch die schweizer Berge

Nun steht ja irgendwo geschrieben, dass bei einer Rallye das „Gehirn“ auf der Beifahrerseite sitzt. Wir hatten sogar drei Gehirne: Eines auf dem Beifahrersitz und zwei auf der Rückbank. Stellenweise hab‘ ich als Fahrer sogar auch noch das Gehirn eingeschaltet. Vielleicht war das der Fehler. Denn immer dann, wenn ich meinen Senf zu den Fahrtrichtungen dabei gegeben habe, ging irgendetwas schief.

Die erste Etappe, bis zum Mittagsbuffet in Villmar, war schon nach allerkürzester Zeit so chaotisch, dass wir sie gleich gänzlich abgeschrieben haben. Wir wussten schon nicht, wie das Bordbuch zu lesen ist. Und die Fahrerbesprechung hätte auch ohne uns stattfinden können.

Und so haben wir auch gleich zu Beginn die erste Sonderwertung verpasst. Sind einfach dran vorbeigefahren – wir wollten ja endlich mit unserer Startnummer 51 los.

Und noch eine Erinnerung: Taxifahrer auf einem /8er - Vorglühen wie beim Trabbi mit einem Shoke

Und noch eine Erinnerung: Taxifahrer auf einem /8er – Vorglühen wie beim Trabbi mit einem Shoke

Besonders gut fährt es sich bei einer Orientierungsfahrt, wenn man(n) glaubt, die Gegend zu kennen. Aha, da geht es also hin. Denn man los! Und prompt ist man(n) wieder falsch abgebogen.

Wie gesagt, bis zum Mittagessen buchen wir das Ergebnis auf das Konto „Lernen und Erfahrung“ – am Nachmittag lief es ein wenig besser. Auch nicht rund, aber …

Ergebnis hin oder her: Die hervorragend organisierte Oldtimerfahrt 2014 des Hoch-Taunus Automobilclubs fand an einem wunderschönen Tag in einer wirklich außergewöhnlich schönen Kulisse statt. Der Taunus gehört zu den schönsten Mittelgebirgen Deutschlands – und das hat diese Ausfahrt wieder einmal bestätigt.

Beten mit den Füßen: Lahnwanderweg 16. Etappe von Limburg nach Balduinstein (Entwurf)

Von großen und von kleinen Pötten – Ein Spaziergang am Nord-Ostsee-Kanal

Die Anfänge

Die großen Containerschiffe ziehen ebenso an Ihnen vorbei ...

Die großen Containerschiffe ziehen ebenso an Ihnen vorbei …

Die blühende Wikingerstadt Haithabu machte es im 7. Jahrhundert schon vor. Gegründet bei Schleswig an der Schlei war das Land zwischen Nordsee und Ostsee an dieser Stelle nur 16 Kilometer breit. Und diese 16 Kilometer überbrückten die Wikinger, indem sie die Waren und sogar ganze Schiffe über das Land zogen.

Später gab es noch weitere ehrgeizige Projekte. Der Eiderkanal verlief von Kiel nach Rendsburg. Dort endete er in der Eider die in Richtung Nordsee fließt. Die Fahrt dauerte zwei bis drei Tage – viel zu lang für Reichskanzler Otto von Bismarck, der 1864 mit dem Beginn des Deutsch-Dänischen-Krieges wissen wollte, ob ein Kanal zwischen Nord- und Ostsee, „welche alle Kriegs- Handels- und Dampfschiffe gut passieren können“, möglich ist.

Von der Ostsee zur Nordsee: Der Kiel-Kanal entsteht

1887 wurde der Grundstein gelegt,  Nach achtjähriger Bauzeit, im Jahr 1895, wurde der nach Kaiser Wilhelm benannte Kanal von seinem Enkel, Kaiser Wilhelm II. eingeweiht. 156 Millionen Goldmark kostete der Jahrhundertbau. Bis zu 8900 Arbeiter bewegten cirka 80 Millionen Kubikmeter Erdreich. 67 Meter breit, 9 Meter tief und fast 100 Kilometer lang war dieser erste Nord-Ostsee-Kanal. Ein gewaltiges Bauwerk.

... wie die kleinen Sportboote oder Oldtimer.

… wie die kleinen Sportboote oder Oldtimer.

Mit der Sektsteuer wurden die immensen Kosten des Projektes bezahlt – bis heute. Oder hat man nur einfach vergessen, die Sondersteuer wieder abzuschaffen und das Geld fließt in andere Kassen?

Tourismus am NOK

Am Nord-Ostsee-Kanal verläuft auf fast voller Länge beiseitig ein Betriebsweg, der für Spaziergänger und Radfahrer freigegeben ist. Steigungsfreie Radtouren sind so möglich. Und die großen und die kleinen Pötte fahren zum Greifen nah am Erholungssuchenden vorbei.

Spaziergänge, Radausflüge oder Wanderungen sind bequem mit den 14 Fähren, dem Fußgängertunnel in Rendsburg oder der Straßenbrücken Levensau und Holtenau zu planen. Die Fähren sind übrigens kostenlos, das hatte schon Kaiser Wilhelm II. angeordnet. Immerhin durchschneidet der NOK die alten Verbindungswege zwischen vielen Ortschaften.

In Brunsbüttel und in Kiel können die Schleusenanlagen besichtigt werden. Beide Städte haben auch ein Schleusenmuseum, das jeweils ganzjährig geöffnet ist.

Übernachten lässt sich zum Beispiel in Hochdonn auf einem Campingplatz direkt am Kanal. Hier ist es auch möglich, in einer kleinen Sandbucht im Kanalwasser zu baden. An einigen Kanalfähren sind Stellplätze für Wohnmobile vorhanden.

Spaziergang mit den Pötten

Manchmal reicht auch das Sichtfeld nicht, um den Containerriesen komplett zu erfassen

Manchmal reicht auch das Sichtfeld nicht, um den Containerriesen komplett zu erfassen

Für einen Spaziergang oder eine Wanderung am Nord-Ostsee-Kanal brauchen Sie keine Wanderkarte und kein GPS. Von Fähre zu Fähre geht es einfach geradeaus. Ach so, ja, wo die nächste Möglichkeit ist, den Kanal zu überqueren, sollte man schon noch wissen.

Unser Spaziergang startet in Dückerswisch, das Dorf gehört zu Schafstedt. Hier finden sich verschiedene Ferienwohnungen und -häuser, manche sogar mit Panoramablick auf den Kanal.

Es geht am Kanal entlang in Richtung der Autobahnbrücke, davor quert eine der 14 Fähren den Kanal.  Kanal 33 (Pension, Cafe und Biergarten) lädt hier zur Rast ein. Schnell erreichen Sie die andere, die Südseite, und gehen in Richtung Eisenbahnbrücke Hochdonn.

Die Landeinbuchtung kurz vor der Fähre Hochdonn, besser noch auf der Nordseite zu erkennen, dient übrigens als Ausweichstelle, wenn zwei b3esonders große Schiffe aneinander vorbei wollen. Hier muss dann eines warten, bis das andere vorbeigefahren ist.

Die Fähre Hochdonn, direkt unter der Eisenbahnbrücke gelegen, bringt Sie dann wieder auf die Nordseite des Kanals. Ob Sie im Fährhaus Hochdonn eine Kaffeerast einlegen wollen, bleibt Ihrer Entscheidung überlassen. Wir schlagen vor, die Runde zu beenden und dann im Kanal 33 in Ruhe den Ausblick auf den Kanal zu genießen.

Hier in Hochdonn ist auch der Campingplatz mit dem herrlichen Blick auf den Schiffsverkehr. Und ein Stückchen weiter, an eben der oben erwähnten Ausweichstelle, lässt sich herrlich Baden.

Mehr über den Nord-Ostsee-Kanal und die Urlaubsmöglichkeiten dort finden Sie im Internet, zum Beispiel bei www.wikipedia.org.

 

Beten mit den Füssen: Lahnwanderweg 15. Etappe von Villmar nach Limburg (Entwurf)

Entschleunigung Pur – Mit dem Oldtimer zum Hessentag nach Bensheim

Unser 1977er Trabant Universal

Unser 1977er Trabant Universal

„Mir kommt kein Trabi ins Haus,“ spricht meine Frau. Und nicht einmal 10 Tage später steht der Oldtimer-Trabi vor der Tür. Farbe? Grau und Rot! „Mit diesem Auto werde ich bestimmt keine 300 Kilometer durch Hessen fahren,“ ist die Antwort, als ich die Oldtimer-Sternfahrt des ADAC zum Hessentag in Bensheim anspreche. Eine Woche später sitzen meine Frau und eine gute Bekannte auf Beifahrersitz und Rücksitz und ich bemühe mich, den 37 Jahre alten Trabant Universal nach Laubuseschbach zum Taunus-Startpunkt der Sternfahrt zu fahren.

Nun soll nicht der Eindruck entstehen, meine Frau hätte in unserer Beziehung nichts zu sagen. Ganz im Gegenteil, während ich die wichtigen Dinge der Weltpolitik kommentieren darf, bestimmt sie über so unwichtige Dinge wie mein Taschengeld oder wohin wir in Urlaub fahren. Und um ganz ehrlich zu sein, sie wollte diesen Trabi auch. Allerdings mit der Gnade der späten Geburt völlig ahnungslos, wie sich ein Auto mit Lenkstockschaltung und ohne Hilfsmittel wie Servolenkung und Bremskraftverstärker so fährt. Besonders den Bremskraftverstärker vermisst sie schon gewaltig – dabei könnte sie über fehlendes ABS oder den Airbag oder Automatik-Dreipunkt-Sicherheitsgurte hinwegsehen. Das man, wie in alten Zeiten, richtig Kraft zum Bremsen braucht, das ist ihr einfach nicht geheuer.

Start in Laubuseschbach

Start in Laubuseschbach

Der Wetterbericht kündigt das heisseste Pfingstwochenende seit 50 Jahren, wenn nicht seit Beginn der Wetteraufzeichnungen an. Und wir fahren zu Dritt gut gelaunt über den Taunus von Weilburg nach Laubuseschbach. Dort treffen sich rund 100 Oldtimer-Enthusiasten, die sich auf den rund 170 Kilometer langen Weg nach Bensheim machen. An der Bergstraße ist am Tag zuvor der Hessentag eröffnet worden. Die Sternfahrt des ADAC zum Landesfest ist mit fast 400 Fahrzeugen an vier Startpunkten die größte Oldtimer-Fahrt in Deutschland.

Wir sind mit unserem Trabi mittendrin. Natürlich haben wir keine Ahnung, was uns für Sonderaufgaben erwarten. Und natürlich haben wir auch keine Ahnung davon, dass ein Trabantmotor mit seinen zwei Zylindern eigentlich große Hitze so gar nicht mag. Ahnungslosigkeit hilft. Zumindest hilft sie dabei, gut gelaunt 170 KIlometer in praller Sonne durch Hessen zu fahren.

In Grävenwiesbach das erste Mal verfahren. Das liegt nur daran, dass bei einer Oldtimer-Ralley der Fahrer sein Gehirn an den Beifahrer abgibt. Meine beste Ehefrau von allen war noch nicht darauf vorbereitet. Im Laufe der nächsten 100 Kilomter gab sich das aber und wir haben nur noch zweimal eine kleinere Schleife gedreht.

„Mittig stehenbleiben“ ist die erste Sonderaufgabe. Platz 190 – nicht schlecht bei 276 Gesamtplätzen. Dann wieder Jubeln auf der Strecke. Ein Trabi in Hessen errregt Aufsehen. Sowohl positive als auch negative Aufmerksamkeit. Wobei das positive Aufsehen überwiegt. Nicht nur von älteren Mitbürgern aus dem Osten unseres Landes. Negativ fällt eigentlich nur der Gestank auf. Wobei ein Trabi stets besser ist als sein Ruf. Die CO2-Bilanz ist gar nicht so schlecht, gemessen an manch anderem modernen Stinker.

Beim „Gatter-Fahren“ erreichen wir Platz 163. Auch nicht schlecht. Die beiden ehrenamtlichen ADAC-Helfer werden von uns ehrlich bewundert. Trotz Hitze tragen sie das Gatter mit einem schier unendlichen Enthusiasmus von links nach rechts und wieder nach links. Wir belohnen die Helfer mit einem lauten „Dankeschön“ und machen uns hupend auf den weiteren Weg Richtung Bensheim.

Bordsteinfahren, nicht gerade unsere Spezialdisziplin

Bordsteinfahren, nicht gerade unsere Spezialdisziplin

Das „Bordstein-Fahren“ geht daneben. Statt der geforderten 35 cm werden es 20 cm mehr. 55 cm stehen wir vom angenommenen Bordstein entfernt. Viel zu viel für eine gute Platzierung, es reicht gerade für Platz 266. Auch die Gleichmässigkeitsfahrt liegt deutlich daneben. Mit 3,13 Punkten erreichen wir gerade mal Platz 74 von 85. Beim nächsten Mal – wenn es denn ein nächstes Mal gibt – wird alles besser. Versprochen.

Fahrer und Auto erregen einiges Aufsehen: Hans Eichel (zur Zeit hinterm Auto) im Opel Rekord

Fahrer und Auto erregen einiges Aufsehen: Hans Eichel (zur Zeit hinterm Auto) im Opel Rekord

Die Ankunft in Bensheim ist wenig spektakulär. Dafür ist unser Auto auch nicht auffällig genug. Der hessische Ex-Ministerpräsident Hans Eichel mit seinem alten Opel Rekord erregt da schon mehr Aufsehen. Wir werden halt zur Kenntnis genommen, mehr nicht.

Die erste Oldtimerfahrt und gleich eine durch die landschaftlich schönsten Gegenden in Deutschland. Spass hat’s gemacht. Und einen Bronze-Löwen gab es auch. Vielleicht sind wir im nächsten Jahr wieder dabei – doch zuerst müssen sich Fahrer, Beifahrer und Auto erholen.

 

 

 

 

« Ältere Beiträge

© 2021 Auf dem Weg

Theme von Anders NorénHoch ↑