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Jakobsstele am Lahn-Camino in Weilburg

 

Guten Tag, Weilburg! Am König-Konrad-Platz, nicht weit vom Denkmal für den ersten deutschen König entfernt, wurde in dieser Woche eine Jakobsstele aufgestellt. Es handelt sich um eine Basaltsäule mit einer Jakobsmuschel aus dem spanischen Santiago de Compostela, dem Ort, an dem sich nach der Überlieferung des Grab des Apostels Jakobus d.Ä. befindet. Seit über 1 000 Jahren machen sich Gläubige und Nichtgläubige auf den Weg, um den heiligen Jakobus um Fürsprache zu bitten.

Die private Initiative wurde von Bürgermeister Hans-Peter Schick gerne aufgegriffen und unterstützt. Er hat bei einem Besuch am Jakobsgrab in Santiago de Compostela im Jahr 2009 die schöne Jakobsmuschel mitgebracht. Die Aufstellung der Basaltsäule mit der Jakobsmuschel hat der städtische Bauhof übernommen.

Längst schon ist die Jakobsmuschel, das Symbol für die Pilgerreise zum Jakobusgrab, nicht mehr nur für Jakobspilger ein Erkennungszeichen. Sie ist auch auf anderen heimischen Pilgerpfaden zu finden. Auf dem Elisabethpfad oder dem Bonifatiusweb zum Beispiel.

Im Mittelalter lebten schätzungsweise 40 Millionen Menschen in ganz Europa. Davon waren, so vermuten wir heute, stets 30 – 40 Prozent auf einer Pilgerreise. Gläubige, Nichtgläubige, Abenteurer, Kreuzfahrer, die ebenfalls zu den Pilgern gerechnet wurden, machten sich auf den Weg. Viele von ihnen pilgerten nach Santiago de Compostela. Aus Villmar wissen wir, dass eine Pilgergruppe 1491 auf dem Rückweg Station in Trier machte.

Schon früh werden die Pilger auch in Weilburg Station gemacht haben. Die frommen Pilger suchten sich Wege entlang der Flussläufe und auf sogenannten Altstraßen, die zum Teil schon in keltischer Zeit bestanden und die Möglichkeit boten, Unterkunft, Verpflegung und vielleicht sogar Versorgung im Krankheitsfall zu erhalten. Schon im Jahr 912 wurde in Weilburg, nahe dem Schloss, ein Benediktiner-Chorherrenstift mit einer kleinen St. Walpurgis Stiftskirche gegründet. Hier fanden die Pilger eine Möglichkeit der Versorgung. Die Wallfahrtsstätte Pfannstiel in der Gemarkung Drommershausen ist seit 1364 nachgewiesen. Es war der Gottesmutter Maria geweiht, die hier besonders verehrt wurde.

Auch wenn wir heute keine Almosenbriefe wie in Andernach am Rhein oder anderen Orten mehr vorliegen haben, so ist doch anzunehmen, dass das heutige Weilburg schon seit dem frühen Mittelalter Anziehungspunkt für Pilger aus der näheren und weiteren Umgebung war. Sie waren auf dem gefährlichen Weg nach Dietkirchen, nach Koblenz, nach Trier und auch ins rund 2 700 Kilometer entfernte Santiago de Compostela.

Am Landtor, dem prächtigen Eingang in das alte Weilburg, begrüßt nun die Jakobsstele den modernen Pilger auf den Spuren der Menschen, die seit mehr als 1 000 Jahren auf dem Weg sind. Zum heiligen Jakobus, zu Gott und zu sich selbst.

Pilgerstempel für Pilger auf dem Lahn-Camino sind in der Touristen-Information in der Mauerstraße und frei zugänglich auch am Erbstollen 2 (neben dem Bauhof) zu erhalten.

Lahn-Camino Weilburg

 

Weilburg mausert sich am Jakobsweg. Manchmal kam ich mir wie ein Rufer in der Wüste vor, wenn ich das katholische Pfarramt und die Redaktion des Weilburger Tageblatts mit Artikelwünschen und Leserbriefen bombardiert habe.

Nachdem das Hotel Weilburg an der Frankfurter Straße als Pilgerherberge gewonnen werden konnte (mit einem ordentlichen Preisnachlass für Pilger mit Pilgerausweis), stehen nun neue Dinge an.

1. Es gibt in Weilburg jetzt gleich zwei Stempelstellen. Während der Öffnungszeiten der Touristen-Information in der Mauerstraße 6-8 können Sie dort einen Stempelabdruck für Ihren Pilgerpass erhalten. Und im Erbstollen 2 neben dem Städtischen Bauhof ist ein Jakobsweg-Stempel angebracht, zu dem Sie Tag und Nacht Zugang haben. Hinweisschilder sind in der Planung, die am Kalvarienberg auf beide Stempelstellen hinweisen werden.

2. Es laufen Planungen zur Errichtung einer Jakobsstele und einer Informationstafel am König-Konrad-Platz vor dem Landtor.

Damit ist Weilburg endlich im Kreis der Städte am Jakobsweg angekommen. Wenn es auch keine historischen Dokumente mehr gibt, ist doch sehr wahrscheinlich, dass die Pilger entweder im Johanniterkloster an der Wallfahrtsstätte Pfannstiel oder im St. Walpurgisstift/St. Andreasstift in der Nähe des Weilburger Schlosses Station gemacht haben.

Heute gibt es dieses Obdach im Erbstollen 2 bei Familie Strommen-Schäfer, über das Katholische Pfarramt Heilig Kreuz in der Frankfurter Straße und bei Familie Brandies im Hotel Weilburg zum speziellen Pilgerpreis.

Zwei Dinge wünsche ich mir für Weilburg noch:

* Ein spezielles Pilgermenü zum Pilgerpreis in einer der gemütlichen Gaststätten in der Weilburger Altstadt

* Eine Pilgerwanderung aller interessierten Weilburger auf dem Lahn-Camino bis nach Lahnstein oder noch weiter

Lust zum Mitmachen? Dann rufen Sie mich einfach an unter 06471-507959.

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