5. Etappe Obernhof – Nassau/Lahn (90 m) – Dausenau – Bad Ems (100 m) 18 km
Schwierigkeitsgrad: leicht
Besichtigungen: Nassau, Dausenau, Bad Ems
Zeitbedarf: ca. 4 Stunden (bei 4 km/Stunde) zzgl. Pausen und Besichtigungen
Tagesmotto: „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe!“ (1 Kor 13, 13)
Lahn-Camino
Ich hoffe, Sie konnten sich in der letzten Nacht wieder gut erholen und haben gut geschlafen. Dennoch ist die heutige Tagesetappe kürzer und bequemer als der gestrige Tag. Wir verlassen den Lahnhöherweg auf der Taunusseite (linke Lahnseite) und wechseln in Nassau auf den Höhenweg der Westerwaldseite, um der Jakobsmuschel in Dausenau einen Besuch abstatten zu können.
Zunächst gehen Sie aus dem Ort wieder in Richtung Kloster Arnstein. Wenn es gestern mit der Besichtigung und mit einem Gebet in der Wallfahrtskirche nicht mehr geklappt hat, bietet sich jetzt die Gelegenheit dazu. Im Kloster befindet sich übrigends heute eine Jugendbildungsstätte – es handelt sich um ein Selbstversorgerhaus, die personelle Ausstattung erlaubt es dem Konvent nicht mehr, einen Komplett-Service anzubieten.
Gegenüber dem Hoftor führt der Lahn-Camino auf einem asphaltierten Fahrweg über oberhalb der Lahn sanft nach unten. Bitte folgen Sie nicht der Beschilderung des Lahnhöhenweges, dieser macht einen weiten Boden in den Taunus hinein in Richtung Singhofen, um dann nach rund 8 km in Nassau wieder auf die Lahn zu treffen. Folgen Sie hier dem liegendem Andreaskreuz des Europäischen Fernwanderweges E1. Auf der anderen Lahnseite können Sie jetzt das über 750 Jahre alte Wasserschloss Langenau erkennen. Wenn Sie aus dem Wald treten, können Sie schon bald den nassauer Kirchturm und wenig später rechter Hand auf dem Felsen die Nassauer Burg erkennen.
Im Ort gibt es viele Wegweiser zur Burg, die hoch über der Lahn liegt.
Nassau
Allgemeines: Nassau, im Bundesland Hessen und im Rhein-Lahn-Kreis. Die Einwohnerzahl belief sich am 30.06.2006 auf 4.899.
Anlaufstellen: Pfarrbüro Kath. Pfarramt St. Bonifatius, Emser Str. 18, Telefon 02604-942212, eMail st.bonifatius.nassau@t-online.de, Evangelische Kirchengemeinde, Bahnhofstr. 14, Telefon 02604-1820, eMail ev.kirchengemeinde.nassau@ekhn-net.de, Tourist-Information Nassauer Land e.V., Günter-Leifheit-Kulturhaus, Oberstrasse 9a, Nassau, Telefon 02604-951991, eMail info@nassau-touristik.de
Übernachtung:  Campingplatz „Auf der Au“, Telefon 02604-4442, www.camping-nassau.de, Privatpension Kreidel, Ackerweg 6,Telefon 02604-5750,Ü/F im Doppelzimmer 17 Euro
Geschichte: Nassau liegt heute an der deutsch-niederländischen Oranier-Ferienstrasse, und das hat seinen besonderen Grund. Im Jahr 915 wurde ein Gutshof erstmals urkundlich erwähnt, der dem Bischof von Worms gehörte. 1348 erhielt der sich entwickelnde Ort von Kaiser Karl IV. Stadtrechte. Die Burg über der Stadt wird erstmals 1093 im Zusammenhang mit Dudo von Laurenburg erwähnt (siehe auch „Laurenburg“), diese Stiftsurkunde des Klosters Maria Laach gilt aber als Fälschung. Gesichert ist der Bestand der Burg um das Jahr 1100. Die Söhne von Dudo nahmen den Burgberg und -turm 1120 in Besitz und begannen die Umgestaltung im Jahr 1124. Nach Streitigkeiten mit dem Bischof von Worms wurden die Laurenburger vom Trierer Erzbischof mit der Burg und dem Land belehnt, sie nannten sich fortan Grafen von Nassau – das Stammhaus der niederländischen und luxemburgischen Herrscherfamilien war geboren. Zwischen 1220 und 1230 wurde der Palas im spätromanischen Stil erbaut, im 14. Jhdt. dann der heute noch erhaltene, 33 m hohe Bergfried. Als gegen Ende des Mittelalters die Burg als Wohnsitz aufgegeben wurde, verfiel sie zusehends. Ein Merian-Stich aus dem 17. Jhdt. zeigt zwar noch einen intakten Palas und Bergfried, aber bei Restaurierungsarbeiten um 1970 waren nur noch Ruinen vorhanden. Den Bergfried können Sie kostenlos besichtigen, im Palasgebäude befindet sich ein Restaurant. Die Internet-Seiten des Restaurants geben die nassauer Familiengeschichte sehr detailliert wieder und lohnen einen Besuch www.burg-nassau.de.
In Nassau wurde 1747 der Staatsmann und Reformer Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein geboren. Er wuchs im Schloss der Familie,dem Stein’schen Hof, in der Innenstadt von Nassau gelegen auf. DerStein’sche Hof befindet sich noch heute im Besitz der Nachkommen, den Grafen von Kanitz. Die berühmte Nassauer Denkschrift nach Forderung der Selbstverwaltung von Provinzen, Kreisen und Gemeinden in Preußen beeinflusst noch heute unsere Verwaltung. Freiherr vom und zum Stein sah sich selbst als Deutscher. Sein Grab ist in der Familiengruft in Frücht,durch das unsere nächste Tagesetappe führt.
Lahn-Camino
Um zum Stein’schen Hof zu gelangen, mussten wir über die Brücke auf die rechte Seite der Lahn. Hier treffen Sie auf den Lahnhöhenweg der Westerwaldseite, bezeichnet mit einem scharzen L. In Richtung Krankenhaus und Schützenhäuser führt Sie der Weg auf die Westerwaldhöhen durch die Stadt in Richtung Dausenau. Nach einigen schönen Aussichtsplätzen kommen Sie beim Schieferturm in den Ort Dausenau hinein.
Beidseitig eines kleinen Nebenbaches der Lahn hat sich der 1234 erstmalig erwähnte Ort gebildet. Der alte Ortkern ist noch von einer weitgehend intakten,mittelalterlichen Ringmauer umgeben. Sehenswert sind die beiden noch erhaltenen Türme der Stadtbefestigung, der Tortum und der Schiefe Turm. Dieser neigte sich im 19. und 20. Jhdt. und musste schliesslich 1950 um ca. 7,50 m abgebrochen werden. Von weiteren 5 Türmen sind nur noch die Stümpfe erhalten. Direkt neben dem Torturm sehen Sie die 1100 Jahre alte Gerichtseiche des Ortes.
Der Grund für unseren Abstecher vom Lahn-Camino ist jedoch die St. Kastor-Kirche. Der romanische Turm wurde im Jahr 1179, die frühgotische Hallenkirche mit drei Schiffen, Staffel und Empore entstand in den 20er Jahren des 14. Jhdts. Die Wandmalereien, 1902 rekonstruiert, stammen aus dem 14.und 16. Jhdt. Sie stellen die Leidensgeschichte Jesu und die Apostel dar. St. Jakobus ist noch nicht als Pilger mit Hut, Stab und Jakobsmuschel dargestellt, sondern noch in seiner ursprünglichen Gestalt, mit Buch (Evangelium) und die linke Hand auf das Schwert gestützt. Im Jahre 44 wurde Jakobus der Ältere im Heiligen Land mit dem Schwedrt hingerichtet. Er soll nach der Missionierung Spaniens dahin zurückgekehrt sein. Der Flügelaltar aus der Zeit um 1500 ist ein besonderes Kleinod. Er zeigt Patrone und Tafelbilder aus dem Marienleben. Im linken Kirchenschiff entdecken Sie eine unscheinbare Vitrine. Sie enthält Gegenstände, die bei Ausgrabungen im Jahr 1991 in der Kirche gefunden wurden. Unter anderem auch Teile einer Jakobsmuschel, die darauf schliessen lassen, dass sich ein Pilger im 14. oder 15. Jhdt. auf den beschwerlichen Weg von Dausenau nach Santiago de Compostela gemacht hat und wohlbehalten mit der Jakobsmuschel zurückkehrte. Diesem unbekannten Pilger war die Muschel so wichtig, dass sie ihm mit ins Grab gegeben wurde. Die Besichtigung der evangelischen St. Kastor-Kirche ist von Ostern bis zum Erntedankfest jeweils sonntags von 14 – 17 Uhr möglich. Ausserhalb dieser Zeiten rufen Sie bitte 02603-6256 an oder senden Sie eine eMail an ugschdausenau@aol.com.
Von Dausenau ist es nicht mehr weit bis zum Ziel unserer heutigen Tagesetappe, Bad Ems. Der Weg führt noch einmal hinauf Richtung Höhenhaus und Concordiaturm, von wo sich ein schöner Blick auf die Stadt bietet. Dann geht der Weg hinunter in die Stadt Bad Ems.
Bad Ems
Allgemeines: Verbandsgemeinde Bad Ems, im Bundesland Hessen und im Rhein-Lahn-Kreis. Die Einwohnerzahl belief sich am 30.06.2006 auf 9.452.
Anlaufstellen: Pfarrbüro Kath. Pfarramt St. Martin, Gartenstr. 4, Telefon 02603-2573, eMail kath.pfarramt.ems@onlinehome.de, Evangelische Kirchengemeinde, Kirchgasse 15-17, Telefon 02603-50126, eMail evkirchebadems@web.de, Tourist-Information, Bahnhofplatz, Telefon 02603-9415-0, eMail info@bad-ems.info
Übernachtung:  Jugendherberge,Alte Kemmenauer Str. 41, Telefon 02603-2680, eMail bad-ems@diejugendherbergen.de, Ü/F ab 17 Euro, Campingplatz Obere Lahnstrasse, Telefon 02603-2679, Pension Haus Rheingau, Fam.Cajan, Bahnhofstr. 4, Telefon 02603-4481, Ü/F im Doppelzimmer Euro 15-20 p.P.
Geschichte: Bad Ems wurde 880 erstmalig urkundlich erwähnt und erhielt im Jahr 1324 die Stadtrechte. Im Stadtbereich befand sich ein römische Kastel, von dem jedoch keine Spuren mehr erhalten sind. Ringsum, in den Wäldern um Bad Ems, finden sich jedoch noch zahlreiche Relikte aus römischer Zeit.
Im 17.und 18. Jhdt. entwickelte sich die Stadt Ems zu einem der berühmtesten deutschen Kur- und Badeorte. Die Blütezeit erlebte Ems im 19.Jhdt. – die Stadt wurde zum Weltbad und zur Sommeresidenz zahlreicher europäischer Monarchen und Künstler, darunter in erster Linie Kaiser Wilhelm I., die Zaren Nikolaus I. und Alexander II., Richard Wagner, Wassili Wereschtschagin, Fjodor Michailowitsch Dostojewski und vielen anderen. Im Mainzer Haus auf der linken Lahnseite tagte 1786 der Emser Kongreß.
Die Emser Depesche ging in die Geschichtsbücher als einer der Auslöser des deutsch-französischen Krieger von 1870/71 und damit auch der Kaiserkrönung Wilhelm I ein. Ganz kurz die Geschichte:
In Spanien wurde die korrupte Königin Isabella II. gestürzt, der Thron war vakant. Einer der aussichtsreichsten Kandidaten auf den spanischen Herschertitel war Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen. Jedoch wurde ihm die Krone erst dann angeboten, als schon drei andere Kandidaten auf Drängen Frankreichs abgelehnt hatten. Und so wollten die Franzosen auch nicht zulassen, dass ein  Hohenzoller auf den spanischen Thron kam. Die drohende Umklammerung durch die Preußen bereitete ihnen schlaflose Nächte. Otto von Bismarck, als preußischer Ministerpräsident, förderte die Thronbesteigung Prinz Leopolds nach Kräften, hatte er doch schon früher die Absetzung des Hauses Boubon mit Napoleon III an der Spitze in Frankreich gefordert. Obwohl Wilhelm I. von Preußen nicht viel von der ganzen Sache wissen wollte und sie als Privatsache Leopolds abtat, stimmte er doch dem Plan zu und die Wahlversammlung der Comtes in Spanien wurde auf den 20.Juli 1870 festgelegt. Dies brachte die französische Regierung, allen voran der neu ernannte Aussenminister Herzog de Gramont (als antipreußisch geltend) in Zugzwang. Obwohl Napoleon III durch die Möglichkeit gehabt hätte, die Sache diplomatisch geschickt von König zu König aus der Welt zu räumen,bevorzugte Herzog de Gramont den Frontalangriff. Er suchte mit antipreußischen Erklärungen die Öffentlichkeit. In scharfem Ton erklärte er den europäischen Hauptstädten und dem Cahmbrfe ligislativ in Paris, dass Frankreich diese Entwicklung nicht hinnehmen und ohne zu Zögern seiner Pflicht nachkommen werde. Dies war eine kaum verhüllte Kriegserklärung. König Wilhelm I. machte aber trotzdem seinen Einfluss geltend und der Prinz Leopold verzichtete am 12.Juli auf die Königskrone. Dies war de Gramont jedoch nicht genug, vielmehr verlangte er nun von Wilhelm I. einen endgültigen Verzicht des Hauses Hohenzollern auf den spanischen Thron und übermittelte dem französischen Botschafter Benedetti seine Forderung.
König Wilhelm I. weilte zur Kur in Ems,als Benedetti am Morgen des 13. Juli versuchte, eine Audienz zu erhalten. Wilhelm I.befand sich auf seinem Morgenspaziergang und der Botschafter suchte ihn auf der Kurpromenade an der Lahn auf. Die erneute Forderung der Franzosen lehnte der preußische König kategorisch ab und gab nach einem weiteren Audienzersuchen Benedettis kund, dass er sein letztes Wort in der Angelegenheit gesprochen hatte.
Am Abend wurde Bismarck von einem engen Mitarbeiter über die Ereignisse informiert, und mit dieser eigentlichen Emser Depesche ist auch Bismarcks Version in die Geschichtsbücher eingegangen. Bismarck redigierte und kürzte den Bericht nämlich gewaltig, so dass der Eindruck entstehen konnte, weitere diplomatische Kontakte seien vom König abgelehnt worden. Bevor Bismarck seine redigierte Fassung an die Presse gab,erkundigte er sich noch nach dem Stand der Rüstung. Noch am 13. Juli wurde die Emser Depesche in einer Sondernummer der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung verbreitet. 5 Tage später, am 19. Juli, erfolgte die von Bismarck erhoffte Kriegserklärung Frankreichs an Preußen.
Weit weniger bedeutend, aber für die Betroffenen nicht weniger schrecklich, war 1876 die Unterzeichnung des Emser Erlasses durch Zar Alexander II im Haus 4 Türme. Dieser Erlass verbot den Gebrauch der ukrainischen Sprache bei Strafe.
Im 19. und 20. Jhdt. wurde die heutige Kurstadt auch durch den Bergbau geprägt. Schon seit der römischen Zeit waren Vorkommen von Blei, Silber, Zink und Kupfer bekannt, die bis ins Mittelalter hinein im Tagebau abgebaut wurden. Im Laufe der Zeit ging der Abbau dann im Untertagebau vor sich. Während der Industrialisierung wurde der Abbau durch die Emser Blei- und Silberwerk AG vorangetrieben. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Förderung nicht wieder aufgenommen.
Sehenswerte Gebäude in Bad Ems: Kurhaus und barockes Badeschloß, die Brunnenhalle, das Kursaalgebäude mit Marmorsaal (heute Sitz der Bad Emser Spielbank), die Malberbahn und die Kurwaldbahn zum Bismarckturm, die neugotische, katholische St. Martinskirche, gebaut 1866 bis 1882, darin eine Sandnerorgel aus dem Jahr 1995, die evangelische Martinskirche aus einer ursprünglich romanischen Basilika, die evangelische Kaiser-Wilhelm-Kirche imneo-romanischen Stil, die russisch-orthodoxe Kirche aus demJahr 1876, der Quellenturm aus dem Jahr 1907, der Limeswsehrturm, das Künstlerhaus Schloß Balmoral, der Bismarckturm, der Concordiaturm (an dem Sie auf demWeg in die Stadt vorbeigekommen sind), das Glockenspiel amalten RFathaus und das Kaiser Wilhelm Denkmal im Kurpark.