6. Etappe Bad Ems – Hoher Malberg (310 m) – Miellen (140 m) – Hof Aspich ( 243 m) – Lahnstein (70 m) 22 km
Schwierigkeitsgrad: mittel
Besichtigungen: Lahnstein
Zeitbedarf: ca. 5 1/2 Stunden (bei 4 km/Stunde) zzgl. Pausen und Besichtigungen
Tagesmotto: „Sucht die Nähe Gottes; dann wird er sich euch nähern. Reinigt die Hände, läutert euer Herz, ihr Menschen mit zwei Seelen! (1 Jak 4, 8)
Lahn-Camino
Heute geht es wieder zurück auf die linke Lahnseite und damit auf den Lahn-Camino. Im Sommer können Sie den Weg ein wenig abkürzen, indem Sie mit der Malbergbahn hinauf zum Malbergskopf fahren. Alle anderen finden den Einstieg in die Lahnhöhenweg auf der linken Lahnseite in der Nähe des Bahnhofs. Der Weg führt durch die Bebauung und später dann in Serpentinen hinauf auf den 317 m hohen Malbergskopf. Wenig später führt der Weg wieder hinunter und bleibt dann etwas oberhalb der Bahnstrecke auf diesem Niveau. Der Weg folgt dem Lahnbogen, vorbei an den Ortschaften Nievern und Miellen. Am Ortsausgang von Miellen wenden Sie sich nach links, es geht jetzt hinauf, vorbei am Hohen Scheidskopf, durch das Schweizertal in den kleinen Ort Frücht auf 248 m Höhe. Hier in Frücht passieren Sie die Kapelle, unter der sich die Stein’sche Familiengruft befindet und wo auch Carl Freiherr vom und zum Stein bestattet wurde. Von Frücht geht es weiter zum ehemaligen Bergbaudorf Friedrichssegen. Hier gibt es ein interessantes Bergbaumuseum, im Jahr 2000 eröffnet. An der Strasse gehen Sie bitte nach links und folgen ihr für ein paar Meter. Hinter den Häusern führt der Lahn-Camino wieder in den Wald und hält den letzten Anstieg des Tages, hinauf zum Hof Aspich auf 243 m für Sie parat. Von hier aus geht es vorbei an einigen schönen Aussichtspunkten über Friedland hinunter nach Oberlahnstein. Der Lahn-Camino verliert sich in der Stadt – von hier aus sind es noch 2.200 km bis nach Santiago de Compostela. Verpassen Sie nicht die versteckt in der Nähe des Bahnhofs liegende Hospitalkirche. Hier haben sich in früherer Zeit die Jakobspilger für ihre Reise entlang des Rheins oder entlang der Mosel in Richtung Trier gesammelt.
Lahnstein
Allgemeines: Stadt Lahnstein, im Bundesland Hessen und im Rhein-Lahn-Kreis. Die Einwohnerzahl belief sich am 30.06.2005 auf 18.439.
Anlaufstellen: Pfarrbüro Kath. Pfarramt St. Martin, Pfarrgasse 6, Telefon 02621-40006, eMail lahnstein.pfarrei.stmartin@t-online.de, Evangelische Kirchengemeinde Oberlahnstein, Lahneckstr. 8, Telefon 02621-2236, Tourismusbüro, Kirchstr. 1, Telefon 02621-914171, eMail touristinformation@lahnstein.de
Übernachtung:  Campingplatz Burg Lahneck, Telefon 02621-2765, Hotel Zum Roten Ochse, Brunnenstrasse 9, Telefon 02621-4511
Geschichte: Lahnstein entstand 1969 durch die Zusammenlegung der bis dahin eigenständigen Städte Oberlahnstein und Niederlahnstein. Um die Burg Lahneck oberhalb von Oberlahnstein ranken sich viele Legenden. Gesichert ist die Erbauung um 1226 durch den Mainzer Kurfürsten und Erzbischof Siegfried II.von Eppstein als Zollburg. Der fünfeckige Bergfried ist 29 m hoch. Sie können Lahneck von Ostern bis Allerheiligen besichtigen, Führungen finden zu jeder vollen Stunde statt.
In einer Urkunde aus dem Jahr 1332 gewährt Papst Johannes XXII. jedem, der in der St. Ullrichs-Kapelle der Burg an der heiligen Messe teilnahm, einen 40tägigen Ablass.
Als nördlichste Enklave des Mainzer Fürstbischofes war Burg Lahneck häufig Schauplatz der Geschichte. König Adolf von Naussau weilte als Gast 1298 auf Lahneck,kurz bevor er in der Schlacht gegen König Albrecht I. von Österreich fällt. 1338 nimmt derMainzer Fürstbischof von hier aus an der Kurfürsten-Versammlung teil, die Gründung des Kurverein von Rhens führte. Im Jahr 1400 treffen sich die 4 rheinischen Kurfürsten auf Lahneck, um König Wenzel abzusetzen. Am nächsten Tag wird Ruprecht von der Pfalz zum König des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gewählt. Im 30-jährigen Krieg verwüsten schwedische und kaiserliche Truppen die Burg, 1688 schiessen französische Truppen imPfälzischen Erbfolgekrieg die letzten Dächer in Brand. Damit verliert die Burg schliesslich an Bedeutung.
Zu erwähnen bleibt noch der Geistesgruss von Goethe, der gegenüber im Wirthaus an der Lahn eine Mahlzeit einnahm und dichtete:
 Geistesgruß

Hoch auf dem alten Turme steht
Des Helden edler Geist,
Der, wie das Schiff vorübergeht,
Es wohl zu fahren heißt.
Sieh, diese Senne war so stark,
Dies Herz so fest und wild,
Die Knochen voll von Rittermark,
Der Becher angefüllt;
Mein halbes Leben stürmt‘ ich fort,
Verdehnt‘ die Hälft‘ in Ruh‘
Und Du, Du Menschen-Schifflein dort,
Fahr immer, immer zu!
Goethe, 1774  
Zwei der vielen Legenden, die sich um Lahneck ranken, sollen hier noch einmal einen Platz finden:
Im 14. Jhdt. sollte der grosse Reichtum und dieMacht, die sich die Tempelritter imHeiligen Land erworben hatten, gebrochen werden. Der Templerorden wurde per Edikt von Papst Clemens aufgehoben, die Templer selbst wurden geächtet. In Paris wurden 60 Tempelrichter hingerichtet, auch der Mainzer Erzbischof erhielt den Befehl, alle Ritter, denen er habhaft werden konnte, zu vernichten. Schliesslich blieben 12 tapfere Tempelritter übrig, die auf Burg Lahneck Zuflucht suchten. Unerwartet belagerte der Mainzer die Burg und die Templer beschlossen, ihr Leben kämpfend zu beenden. Sie schlugen sich sehr tapfer, konnten sich aber der Übermacht der erzbischöflichen Truppen nicht erwehren und starben einer nach demanderen. Schliesslich blieb ein Templer übrig, dem der Kommandant das Leben schenken wollte, sofern er ihn umGnade bäte. Dieser letzte Ritter liess sein Schwert sinken,  blickte seinem Widersacher lange in die Augen, ergriff ihn und stürzte sich mitihm in den mit spanischen Reitern gespickten Burggraben.
Eine weitere Legende ist das Verdursten der schottischen Touristin Idilia Dubb in einem der Türme der im 19.Jhdt. wieder aufgebauten Burg. Eine Treppe sei hinter ihr eingestürzt, berichtete das Adenauer Kreis- und Wochenblatt am 26. Oktober 1863. Der Schriftsteller Wilhelm Schäfer hat das Geschehen zu einer Novelle, ihre Freundin Genevieve Hill veröffentlichte ihr Tagebuch unter dem Titel „Das verschwundene Mädchen“. Auf den Internetseiten der Burg unter www.burg-lahneck.de ist die letzte Tagebuchseite veröffentlicht. Vom Bergfrfied, der in früherer Zeit von meheren Türmen umgeben war, haben Sie einen grossartigen Ausblick auf das mittlere Rheintal, auf Schloß Stolzenfels und Koblenz.
Schloß Martinsburg in Oberlahnstein wurde ebenfalls durch die Mainzer Fürstbischöfe im Jahr 1298 als Zollburg und Teil der Stadtbefestigung erbaut.  Mehrfach umgebaut enthält das Gebäude auch barocke Elemente. Heute sind Privatwohnungen in dem Schloß untergebracht.
Die mittelalterliche Stadtmauer ist noch an vielen Stelle der Stadt zu erkennen. Zu ihr gehörte auch der Hexenturm von 1324. Er dient heute als Museum. Am Salhofplatz finden Sie die Reste eines fränischen Königshofes, von den Historikern auf 977 datiert. Der Weg sollte Sie noch am Alten Rathaus und an einem sehr gut erhaltenem Fachwerkhaus aus dem 15.Jhdt. vorbeiführen. Heute ist das Stadtarchiv dort untergebracht.
Bevor wir zur Jakobus-Hospitalkapelle, dem heutigen Etappenziel gehen, sollten wir noch über die Brücke ins gegenüberliegende Niederlahnstein wechseln.
An der Lahnmündung in den Rhein begegnen uns die Arnsteiner Patres wieder. Hier steht das Johanniskloster mit der romanischen Pfeilerbasilika aus dem Jahr 1130. Erbaut ist sie auf den Überresten einer älteren Kirche aus dem 10.Jhdt. In dem angrenzenden, von den Arnsteiner Patres geführten privaten  St. Johannes Gymnasium, finden sich die Reste eines römischen Burgus. Die Römer erbauten dieses kleine Kastell im Jahr 362 an der Lahnmündung zur Grenzbefestigung und als Vorposten des Kastell Confluentes (Koblenz).
Vor der Johanniskirche legt im Sommer die Fähre ab, die nach regelmässigem Fahrplan über den Rhein nach Stolzenfels fährt.
Der Nassau-Sporkenburger Hof, ein Märkerhof aus dem 14. Jhdt., beherbergt heute die Städtischen Bühnen Lahnstein.
In dem berühmten Wirtshaus an der Lahn haben neben dem grossen Goethe noch weitere Berühmtheiten Rast eingelegt und gespeist. Es handelt sich um einen dreigeschossigen Fachwerkbau aus dem Jahr 1697, der dazugehörige Zollturm wurde 1348 errichtet. Die rechte Lahnseite gehörte übrigens zum Einflussbereich des Trierer Erzbischofes, während die linke Seite mit der Burg Lahneck von den Mainzern regiert wurden.
Hoch über der Lahn steht auf einem Felsvorsprung die neugotische Allerheiligenbergkapelle aus dem Jahr 1895, das Klostergebäude der Hünfelder Oblaten wurde 1671 errichtet. Die Kapelle wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, derMutter Gottes und allen Heiligen errichtet. Wie sohäufig befand sich an dieser Stelle eine heidnische Kultstätte, auf der die Missionare ein Kreuz errichteten.  1919 übernahmen die Hünfelder Oblaten die Betreuung der Wallfahrtskirche. Heute leben hier 2 Patres und 5 Studenten der Theologischen Hochschule Vallendar.
Nach diesem etwas weiteren Abstecher gehen Sie zurück über die Lahnbrücke nach Oberlahnstein und folgen den Schildern zum Bahnhof.
Ganz in der Nähe des Bahnhofs liegt versteckt die St. Jakobus-Hospitalkapelle, ein gotischer Bau. Hier wurde bei der Renovierung in den Jahren 1985 bis 1989 das 4. Pilgergrab in Deutschland mit Resten einer Jakobsmuschel gefunden. Die Kirchentür ist mit Pilger-und Jakobsmuschelsymbolen verziert. Die Fresken im Inneren zeigen den Patron der Kirche und der Wallfahrt, den Heiligen Jakobus d.Ä. Über dem Portal können Sie ein Tuffsteinrelief entdecken mit der Darstellung des Heiligen Jakob, einem Pilgerschiff im Hintergrund und dem Wallfahrtsziel: der Kathedrale von Santiago de Compostela.
Hier, am historischen Sammelpunkt der Jakobspilger nach Santiago de Compostela, endet unsere sechstägige Pilgerwanderung entlang der Lahn. Ich wünsche Ihnen, dass sich Gott Ihnen durch die Natur und durch die vielen historischen Zeugnisse links und rechts des Weges genähert hat. Ich wünsche Ihnen auch, dass Sie Ruhe und ein wenig Abstand von der Hektik des Alltags finden konnten – gleich, ob Sie den Lahn-Camino in einem Stück, oder in Wochenend-Etappen  zurückgelegt haben. Vielleicht begleiten Sie mich im Ende 2007 erscheinenden Pilgerführer entlang der Mosel zum Apostelgrab des St. Matthias wieder. Ich freue mich darauf.
Im Codex Calixtinus aus dem 12. Jhdt., dem ältesten erhaltenen Pilgerführer für den Jakobsweg, steht:
Ultreia, ultreia et suseia, deus adjuva nos!
Es bedeutet soviel wie: Vorwärts, vorwärts und aufwärts. Gott begleitet uns!