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Jakobsstele am Lahn-Camino in Weilburg

 

Guten Tag, Weilburg! Am König-Konrad-Platz, nicht weit vom Denkmal für den ersten deutschen König entfernt, wurde in dieser Woche eine Jakobsstele aufgestellt. Es handelt sich um eine Basaltsäule mit einer Jakobsmuschel aus dem spanischen Santiago de Compostela, dem Ort, an dem sich nach der Überlieferung des Grab des Apostels Jakobus d.Ä. befindet. Seit über 1 000 Jahren machen sich Gläubige und Nichtgläubige auf den Weg, um den heiligen Jakobus um Fürsprache zu bitten.

Die private Initiative wurde von Bürgermeister Hans-Peter Schick gerne aufgegriffen und unterstützt. Er hat bei einem Besuch am Jakobsgrab in Santiago de Compostela im Jahr 2009 die schöne Jakobsmuschel mitgebracht. Die Aufstellung der Basaltsäule mit der Jakobsmuschel hat der städtische Bauhof übernommen.

Längst schon ist die Jakobsmuschel, das Symbol für die Pilgerreise zum Jakobusgrab, nicht mehr nur für Jakobspilger ein Erkennungszeichen. Sie ist auch auf anderen heimischen Pilgerpfaden zu finden. Auf dem Elisabethpfad oder dem Bonifatiusweb zum Beispiel.

Im Mittelalter lebten schätzungsweise 40 Millionen Menschen in ganz Europa. Davon waren, so vermuten wir heute, stets 30 – 40 Prozent auf einer Pilgerreise. Gläubige, Nichtgläubige, Abenteurer, Kreuzfahrer, die ebenfalls zu den Pilgern gerechnet wurden, machten sich auf den Weg. Viele von ihnen pilgerten nach Santiago de Compostela. Aus Villmar wissen wir, dass eine Pilgergruppe 1491 auf dem Rückweg Station in Trier machte.

Schon früh werden die Pilger auch in Weilburg Station gemacht haben. Die frommen Pilger suchten sich Wege entlang der Flussläufe und auf sogenannten Altstraßen, die zum Teil schon in keltischer Zeit bestanden und die Möglichkeit boten, Unterkunft, Verpflegung und vielleicht sogar Versorgung im Krankheitsfall zu erhalten. Schon im Jahr 912 wurde in Weilburg, nahe dem Schloss, ein Benediktiner-Chorherrenstift mit einer kleinen St. Walpurgis Stiftskirche gegründet. Hier fanden die Pilger eine Möglichkeit der Versorgung. Die Wallfahrtsstätte Pfannstiel in der Gemarkung Drommershausen ist seit 1364 nachgewiesen. Es war der Gottesmutter Maria geweiht, die hier besonders verehrt wurde.

Auch wenn wir heute keine Almosenbriefe wie in Andernach am Rhein oder anderen Orten mehr vorliegen haben, so ist doch anzunehmen, dass das heutige Weilburg schon seit dem frühen Mittelalter Anziehungspunkt für Pilger aus der näheren und weiteren Umgebung war. Sie waren auf dem gefährlichen Weg nach Dietkirchen, nach Koblenz, nach Trier und auch ins rund 2 700 Kilometer entfernte Santiago de Compostela.

Am Landtor, dem prächtigen Eingang in das alte Weilburg, begrüßt nun die Jakobsstele den modernen Pilger auf den Spuren der Menschen, die seit mehr als 1 000 Jahren auf dem Weg sind. Zum heiligen Jakobus, zu Gott und zu sich selbst.

Pilgerstempel für Pilger auf dem Lahn-Camino sind in der Touristen-Information in der Mauerstraße und frei zugänglich auch am Erbstollen 2 (neben dem Bauhof) zu erhalten.

Neues vom Jakobsweg – gefunden am 07. Oktober 2009

 

„Ich bekomme so viel zurück“
Südkurier – Konstanz,Baden-Württemberg,Germany
Pilgern auf dem Jakobsweg, Tanzen für Menschen mit und ohne Behinderungen. Sie wurde in Konstanz, Bonn, Halle-Dessau, Erfurt, Magdeburg und

 

wanderurlaub.de » Wanderurlaub in Xanten am Niederrhein
von deguto.gw
Wandern am Niederrhein – rund um Xanten. Die Römer-, Dom- und Nibelungenstadt Xanten liegt am berühmten Jakobsweg, der in Santiago de Compostela en.

Eindrücke und Bilder vom Jakobsweg
Nordwest-Zeitung
Der erste Vortrag unter dem Titel „Unterwegs auf dem Jakobsweg: Auf der Via de la Plata von Sevilla nach Santiago de Compostela” findet am Montag, 12.

 

Körper lahm – doch der Kopf fliegt
Südkurier
Das Thema des Abends: Der Jakobsweg – 2 450 Kilometer allein und im Rollstuhl. Der Referent: Felix Bernhard, 35 Jahre jung und mit Handycap.

 

In Kontakt mit der Natur und mit sich selbst
Fränkische Nachrichten
Der neue Jakobsweg Rothenburg-Speyer, der auch durch Adelsheim führt, fand bereits zur Eröffnung großen Anklang. Selbst aus Frankreich und Polen kamen

 

Fahrradpilger auf dem Jakobsweg
Augsburger Allgemeine
Unterallgäu (mar) – Auf der westlichen Route des Jakobusweges von Kirchheim nach Legau pilgerten Männer und Frauen auf dem Fahrrad durchs Unterallgäu.

 

Auf der Spur der Muschel pilgern
Märkische Oderzeitung
Einer der bekanntesten Strecken ist der Jakobsweg. Um auf ihm zu wandeln, müssen Interessierte aber nicht bis nach Spanien fahren.

 

Spannung steigt.. – Auf nach Santiago 🙂
von xxSensi02xx
So , fest steht : Mein Leben hat sich nach dem Jakobsweg schon arg verändert und wird sich auch.

 

wanderurlaub.de » Wanderurlaub – wandern auf dem Jakobsweg
von deguto.gw
Als Jakobsweg (span. Camino de Santiago) wird der Pilgerweg zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela in Spanien bezeichnet. Ein Wanderw.

 

Fahrradpilger auf dem Jakobsweg Lokalnachrichten Mindelheimer Zeitung
Unterallgäu (mar) – Auf der westlichen Route des Jakobusweges von Kirchheim nach Legau pilgerten Männer und Frauen auf dem Fahrrad durchs Unterallgäu.

Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels über Lahnstein und Mainz nach Worms – Der Pilgerwanderführer für den Rhein-Camino (Teil 2)

 

Gerade einmal vier Wochen ist es her, da kam der erste Teil des Pilgerwanderführers "Ein Jakobsweg von Neuss über Köln nach Koblenz-Stolzenfels – Der Pilgerwanderführer für den Rhein-Camino (Teil 1)" in die Buchhandlungen. Und jetzt ist schon die 2. Auflage verfügbar. Keine Angst, gravierend sind die Aktualisierungen nicht. Wenn Sie die erste Auflage vorliegen haben, dann können Sie diese ruhig zur Planung Ihres Pilgerweges verwenden.

Aber da der Rhein-Camino auf ein so grosses Interesse gestossen ist, fange ichh schon gleich mit dem 2. Teil für Sie an.

Eine Vorbemerkung gestatten Sie mir bitte:

Diee Pilgerwanderführer-Reihe versteht sich nicht als klassischer Wanderführer. Mein Ziel ist es, den Weg zu beschreiben und nicht eine Wegbeschreibung zu erstellen. Gerade entlang des Rheines, der uralten Pilgerstrecke der Rom- und Jakobspilger, gibt es genügend Möglichkeiten, den exakten Streckenverlauf online oder offline zu ermitteln. Deshalb finden Sie in den Pilgerwanderführern keine einzige Übersichtskarte (diese würden den Preis (unnötigerweise) nach oben treiben. Sie finden auch keine Höhenprofile. Diese stehen auf dieser Internetseite im "Öffentlichen Ordner" zum Download bereit. In diesem Ordner finden Sie auch eine Art Übersichtskarte und die Overlays (Streckenführung) für die Top50-Reihe (Wander-Software) des Landesvermessungsamtes Rheinland-Pfalz/Saarland. Und schließlich sollten sich sich auch nicht ohne eine gute Wanderkarte (Empfehlungen im Pilgerwanderführer unter "Karten") auf den Weg machen.

Die Pilgerwanderführer sind Praktiker, die Ihnen neben Informationen über das Pilgern im Allgemeinen und das Pilgern zum Grab des heiligen Jakobus d.Ä. im Besonderen, eine Zusammenfassung der Tagesetappe, die Länge, die Dauer, die Sehenswürdigkeiten am Wegesrand erklären. Sie erhalten auch einen spirituellen Tagesimpuls, Sie können eine Legende oder Sage aus der Gegend lesen (manchmal helfen die beim Einschlafen) und neben den historischen Grundlagen erzähle ich auch die eine oder andere Anekdote. Wichtige Adressen und Übernachtungstipps runden den Pilgerwanderführer ab.

Kurz: Die Pilgerwanderführer-Reihe ist für die Etappenpilger geschrieben. Diejenigen, die nicht auf das Gramm achten müssen, weil ihr Rucksack nicht ganz so voll wie beim Langzeitpilger ist. Es ist für diejenigen gedacht, die sich am Abend vorher auf die kulturellen und historischen Sehenswürdigkeiten des kommenden Tages vorbereiten.

Ich wünsche Ihnen einen guten Weg, Ultreya, Ihr Karl-Josef Schäfer

Omnes viae Romam perducunt

 

Die "Lateiner" unter Ihnen wissen noch, was es bedeutet? Klar "Alle Wege führen nach Rom".

Die Via Francigena, der "Weg der Franken", aber auch die großen Zubringerwege in Deutschland, führen alle in eine Richtung: in die Ewige Stadt Rom.

Google liefert heute, am 23. September 2008, 7.270 Suchergebnisse für "rompilger". Für den Begriff "via francigena" sind es schon 297.000. Und die Zahlen steigen jeden Tag.

Klar, denn bis ins 12. und 13. Jh. waren Rom und Jerusalem die Hauptpilgerziele der Menschen aus dem heutigen Deutschland. Dann erst wurde der Jakobsweg zum Grab des heiligen Apostel Jakobus d.Ä. von den Pilgern geradezu überlaufen.

‚omnes viae Romam perducunt‘ – alle Wege führen nach Rom!

Dem Neusser Camino auf der Spur – NGZ-Online, 16.08.2008

Rhein-Kreis Neuss

Dem Neusser Camino auf der Spur

VON JENS KRÜGER

Karl-Josef Schäfer hat selbst 20 Jahre in Neuss gelebt. Seit er Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ gelesen hat, zieht es ihn auf die Pilgerpfade. fotos: l. strommen

 

 

rhein-kreis neuss Wo sich heute der nackte Asphalt der B9 wie ein Bindfaden von Neuss über Köln und Andernach nach Koblenz zieht, wo motorisierte Blechkolonnen binnen weniger Stunden das Rheinland durchqueren, schlängelten sich im Mittelalter Keltenwege und Römerstraßen. Es war ein beschwerlicher Weg auf jenen Trampelpfaden, die immerhin begehbarer waren, als die versumpften Flusstäler entlang des Rheins. Und doch nahmen schon vor hunderten Jahren Gestalten den Weg auf sich, nicht Wegelagerer oder Banditen, sondern Gläubige auf dem Weg ins nordspanische Santiago de Compostela.

Geht es nach Karl-Josef Schäfer, Profi-Pilger, Jahrgang 1956, ist die Strecke, die am Quirinusmünster beginnt, das Teilstück eines Jakobsweges, der zum Grab des Heiligen Jakobus führt. Nun hat Schäfer, der 20 Jahre in Neuss lebte, und dessen Familie noch immer in der Quirinusstadt und in Meerbusch wohnt, ein Buch über den „Rhein-Camino“ geschrieben. Schäfer beschäftigt sich schon lange mit den Jakobswegen. Feuer gefangen hat er aber erst nach der Lektüre eines Buches, dessen Autor bevorzugt als dicklicher, Dornkaat trinkender Reporter des „Grevenbroischer Tagblatt“ in Erscheinung tritt.

„Meine Frau hat mir ,Ich bin dann mal weg’ von Hape Kerkeling zu Weihnachten geschenkt, ich habe es in einer Nacht verschlungen, danach hat sie es gelesen“, erzählt Schäfer. Der Rest, könnte man sagen, ist Geschichte. Schon am nächsten Morgen ist das Ehepaar aufgebrochen, mit den Hunden, untrainiert entlang der Lahn, 25 Kilometer über hügeliges Gelände von Weilburg nach Villmar. Mit der Bahn sind sie zurück zu ihrem Heimatort gefahren.

„Als wir am Bahnhof standen haben wir nicht mehr gewusst, wie wir nach Hause kommen sollten“, sagt Schäfer. So kaputt seien sie gewesen. Das ist nun zwei Jahre her.

Inzwischen wirkt Schäfer, als würde er die Strecke vor dem Frühstück zurücklegen. Hunderte Kilometer hat er inzwischen per pedes zurückgelegt, zum vergangenen Osterfest den „Rhein-Camino“ in Angriff genommen. Vom Haus des Vaters in Neuss ist Schäfer mit Frau und Tochter zur ersten Etappe nach Worringen bei Schnee und Regen gestartet. Schäfer bricht am liebsten während der kalten Jahreszeit auf.

„Im Moment ist viel los auf den Jakobswegen“, sagt der Weilburger, der auf seinem einwöchigen Weg in Pilgerherbergen, Privatunterkünften oder Jugendherbergen übernachtet hat. Schlafplätze zu finden ist allerdings nicht immer einfach.

Info

Buchtipp

Buchtipp

„Ein Jakobsweg von Neuss über Köln nach Koblenz-Stolzenfels – Der Pilgerwanderführer für den Rhein-Camino“ erscheint im September und kann unter rhein-camino@xschaefer.de vorbestellt werden kann. Das Buch erscheint bei BoD, Norderstedt, ISBN 978 383 706 0102.

„Das Netz ist dünn“, sagt Schäfer. Und in seinem Buch werden nur Unterkünfte vermerkt die maximal 50 Euro für zwei Personen kosten – inklusive Frühstück. Er hat auch Fotos auf seiner Homepage (www.xschaefer.de) gestellt. Winterliche Felder sind darauf zu sehen, kahle Bäume und spartanische Jugendherbergsbetten. Nach Sonntagsspaziergang sehen die Bilder nicht aus. Doch das war es in den vergangenen Zeiten schließlich nicht anders. Doch warum ist er sich so sicher, dass auch Neuss ein Fixpunkt für die Pilger war?

Auch Zons ist eine Etappe des siebentägigen Rhein-Caminos.

Der Expertenrat der Jakobusgesellschaft habe herausgefunden, dass die Pilger schon früh Hauptachsen an Rhein, Mosel und Lahn genutzt hätten. Es gibt Belege dafür: Urkunden, Rechnungen. Alleine auf der Strecke des Rhein-Camino von Neuss nach Koblenz gebe es mehr romanische Kirchen, als am gesamten spanischen Jakobsweg. „Und nicht jeder Gläubige ist nach Santiago de Compostela gegangen“, sagt Schäfer. Es gab auch Menschen, die aus dem Umkreis zum Quirinusmünster gegangen sind. Bei einer Bevölkerung von 4000 Einwohnern in Neuss waren oftmals 6000 Pilger zusätzlich in der Stadt.

„Die sind dann auf der Empore des Münster untergebracht worden“, sagt der Pilger. Ihn selbst zieht es in die Ferne. Im Oktober will er nach Rom aufbrechen, drei Monate hat er für die Reise angesetzt; später sollen die Etappenziele Istanbul und Jerusalem folgen. Dann ist er nicht nur Karl-Josef Schäfer, sondern auch ein Wanderer auf den Wegen des Herren. Ein Wanderer? Ein Pilger! „Der Wanderer kommt am Ziel an und bestellt ein Bier“, sagt Schäfer, „der Pilger geht in die Kirche und fährt runter.“

 

 

Schäfer, Karl-Josef: Ein Jakobsweg von Neuss über Köln nach Koblenz-Stzolzenfels – Der Pilgerwanderführer für den Rhein-Camino

Wege der Jakobspilger in Deutschland – Mittelalterliche Pilger unterwegs!

 

  • Einleitung
  • Mythos Jakobswege
  • St.-Jakobus d.Ä. – Apostel und Maurentöter?
  • Santiago de Compostela – warum wurde das Grab zum Hauptpilgerziel?
  • Mittelalterliche Pilger unterwegs!
  • Der "wahre Jakob"!
  • Heilige Jahre
  • Deutschland und seine Jakobswege
  • Stolzenfels im Jakobswege-Netz
  • Warum das 21. Jh. sich nicht so sehr vom hohen Mittelalter unterscheidet!

     

    Was trieb nun den mittelalterlichen Pilger auf den Weg nach Santiago de Compostela?

    Verabschieden Sie sich von dem Gedanken, dass die Pilger des Mittelalters immer fromme Gesellen und Gesellinnen waren, die munter ausschreitend, ein Kirchenlied auf den Lippen, die bis zu 4.000 km lange Pilgerfahrt unternahmen.

    Fangen wir mal oben an, bei den Adligen. Wobei ich natürlich sagen muss, dass Ausnahmen immer die Regel bestätigen. Also bei den Adligen dominierte die Abenteuerlust. Nicht selten legte man auf dem Weg nach Santiago de Compostela einen kurzen Stopover an der Sarazenenfront ein, um sich ein wenig an der Reconquista, der Rückeroberung Spaniens zu beteiligen. Heute würde man salopp sagen: "Araber kloppen!" Das ging oft genug schief, und der Ritter von SoUndSo kam nicht wieder nach Hause. Aber dafür gab es immerhin zumindest zeitweilig einen Ablass vom Papst.

    Von anderen Adeligen wissen wir Genaueres. Zum Beispiel vom böhmischen Diplomaten, Herrn Leo von Rozmital, einem Verwandten des böhmischen Königs, der sehr genau seine "Ritter-, Hof- und Pilgerreise durch das Abendland" beschrieben hat. Bei ihm und auch bei anderen Adligen seiner Zeit spielt der Bericht über den Besuch des Apostelgrabes denn auch nur eine untergeordnete Rolle. Sie waren mehr darauf bedacht, in den Orten, in denen sie verweilten, ihren Namen und/oder ihr Wappen zu hinterlassen. Zum Beispiel in Neuss, wo von Rozmital im Jahre 1465 vorbeikam.

    Heute geschieht das übrigens anders herum: der neuzeitliche Pilger frönt der Stempelsammelleidenschaft. Stempel im Pilgerpass sind soetwas wie die Stocknägel der 50er und 60er Jahre. Und natürlich für die letzten 100, bzw. 200 km vor Santiago de Compostela unabdingbar. Denn nur durch zwei Stempel am Tag kann der Pilger im Pilgerbüro belegen, dass er gepilgert ist und erhält auch nur dann die begehrte Urkunde.

    Zurück zu den Adligen, die sich direkt nach Santiago aufmachten, denn diese haben auch häufig den weniger beschwerlichen Seeweg gewählt. Die Schiffe landeten dann in La Rochelle, Bordeaux oder A Coruna und von dort ging es zu Fuß oder zu Pferd weiter nach Santiago de Compostela.

    Ein weiterer Beweggrund war die Neugierde. Reisen war "In" und wie in der heutigen Zeit reisten alle Gesellschaftsschichten. Die grossen Reisen nach Konstantinopel, nach Rom, nach Jerusalem, nach Santiago de Compostela, in die arabische Welt liebten die Menschen des Hoch- und Spätmittelalters über alles. Das ging sogar so weit, dass sich geistliche Pilger, wie Priester, Mönche und Nonnen, in einen Interessenkonflikt zwischen spiritueller Pflicht und individueller Neigung gestürzt sahen. (Ganz-Blätter, 1991, S. 239f.)

    Ab etwa 1500 kam noch ein weiterer Aspekt hinzu: da wurde die Pilgerfahrt zur Ausrede, um sich an ausländischen Höfen aufzuhalten, um fremde Sitten kennenzulernen,  um zu Handeln oder um an Ritterturnieren teilzunehmen.

    Aber bei allen weltlichen Motiven, die gerade bei den Priveligierten eine Rolle gespielt haben mochten, so stand und steht auch heute noch die Buß- und Betfahrt im Vordergrund. Diejenigen, die zum Beispiel schon von einer schweren Krankheit genesen waren oder aus grosser Not errettet wurden, brachen auf, um dem Heiligen für die Heilung oder Errettung zu danken. Diese Bittfahrten wurden häufig auch auf Grund von Gelübden durchgeführt. Die Furcht vor dem Fegefeuer liess die Gläubigen nach einem immer zuverlässigeren Schutz vor der Verdammnis suchen. Die Kirche konnte auch Pilgerfahrten anordnen, zum Beispiel als Buße für eine schwere Sünde. Aber das Mittelalter wäre nicht das Mittelalter, wenn nicht gerade für diese Bußwallfahrten ein Schlupfloch existiert hätte. So konnte die Wallfahrt auch delegiert werden, d.h. ein Stellvertreter machte sich auf den Weg nach Santiago de Compostela. Und das gibt es auch heute wieder. Suchen Sie einfach einmal im Internet nach Stellvertreter-Wallfahrt. Selbst als Sühne für schwere Verbrechen konnte die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela auferlegt werden. Im Jahr 1306 gab es einen Pilger aus Gent, der sich auf den Weg machen musste. Hauptsächlich im niederländischen Raum ergriffen die Gerichte diese Maßnahmen.

    Wie gesagt, die weltlichen haben die spirituellen Gründe der Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela nicht ersetzt. Grundsätzlich war das Hauptmotiv für eine Reise die Erlangung des Ablasses und damit die Sündenvergebung.

    Was erwartete nun den einfachen Pilger auf seinem Weg? Ach so, richtig machohaft spreche ich nur in der männlichen Form, verzeihen Sie bitte, meine Damen. Selbstverständlich waren auch Frauen unterwegs. Und Paare sowieso. Also bitte: wenn ich von DEM Pilger spreche, meine ich immer auch DIE Pilgerin.

    Stellen Sie sich vor, Sie lebten als Tochter aus adligem Haus im Benediktinerinnenkloster Brunnenburg oder sind von Ihren Eltern ins Prämonstratenserkloster Arnstein gesteckt worden, um dort von den Mönchen Zucht, Ordnung und Gebet zu erlernen. Man konnte halt mit Ihnen zu Hause nicht viel anfangen – und Pflichtteile der Erbschaft kommen erst viel später ins Gesetzbuch. Immerhin noch besser im Kloster an der Lahn, als auf ewiger Wanderschaft. Stellen Sie sich weiter vor, wir schreiben so etwa das Jahr 1400. Es ist Winter – und es ist verdammt kalt in diesem Jahr.

    Die Sitten werden schon streng gewesen sein, auch von die Sagen heute noch von Kindergebeinen im Gewölbekeller der Brunnenburg und von einem langen unterirdischen Gang zwischen der Brunnenburg und Kloster Arnstein berichten.

    Und in diesem kältesten Winter seit Menschengedenken, in dem die grossen Kamine in den beiden Klöstern vergeblich versuchen, die feuchten Mauern ein wenig aufzuheizen, suchen Sie zumindest nachts ein wenig Körperwärme beim anderen Geschlecht. Aber schon im Morgengrauen, noch vor der Laudes, dem Morgengebet, rennen Sie den Weg zurück in Ihr Kloster, in Ihre kalte und klamme Zelle.

    Diese Nacht blieb nicht so ganz ohne Folgen und als diese Folgen nicht mehr zu verheimlichen waren, beichten Sie Ihren Fehltritt Ihrem Beichtvater. Der erteilt Ihnen die Absolution unter der Bedingung, dass Sie am Grab des Heiligen Apostel Matthias in Trier und am Grab des Heiligen Apostel Jakobus d.Ä. Gott um Vergebung Ihrer Sünden bitten.

  • Im nächsten Frühjahr machen Sie sich also auf die beschwerliche Reise nach Santiago de Compostela. Bevor Sie aufbrechen, hat Ihnen die Äbtissin bzw. der Abt ein kleines, handgeschriebenes Büchlein mit auf den Weg gegeben. Dieses Büchlein wird schon seit einigen Jahrzehnten innerhalb des Ordens immer wieder abgeschrieben und den Jakobspilgern mitgegeben. Es enthält neben einer Anzahl Texte zur geistlichen Erbauung auch eine Wegbeschreibung und eine mehr oder weniger vollständige Liste der Klöster am Pilgerweg. Bestimmt ist dieses Heftchen nicht so umfangreich wie der Liber Sancti Jacobi, dafür aber immer aktuell gehalten und ein unentbehrliches Hilfsmittel.

    Immer auf den Höhen, denn das Lahntal (und später Moseltal) ist sumpfig und stellenweise überhaupt nicht passierbar, legen Sie am Tag zwischen 20 und 40 km zurück. Wenn Sie keine Unterkunft in einem Kloster finden können, versuchen Sie, Obdach und eine Mahlzeit in einer der Ortschaften oder Burgen am Weg zu erhalten. Gelegentlich übernachten Sie auch unter freiem Himmel und essen das harte Brot, das Sie vom Schultheiss der letzten Ortschaft als Wegzehrung erhielten. Dies ist aber wegen der wilden Tiere in den dichten Wäldern nicht ohne Gefahren.

    Ihr Pilgerbrief stellt Sie unter den besonderen Schutz des Gesetzes. Harte Strafen erwarten denjenigen, der sich an dem Hab und Gut oder an dem Pilger selbst vergreift. Klöster, Kirchen, Rittergüter, Burgen, ja, jedermann ist aufgerufen, dem Pilger Obdach und Essen zur Verfügung zu stellen. In Trier und an vielen anderen Orten haben Sie als Pilger nicht nur Pilgerherbergen zu erwarten, sondern auch Pilgerhospitäler für den Fall, dass Sie wegen Krankheit nicht weitergehen können.

    Um die Mildtätigkeit gerade der armen Bevölkerung auf eine nicht allzu harte Probe zu stellen, sind Sie als Pilger gehalten, nicht mehr als 3 Nächte an einem Ort zu bleiben – es sei denn, Sie sind schwer erkrankt.

    So gelangen Sie schon nach zwei Tagen nach Lahnstein, zur Burg Lahneck und an den Rhein. Der Burggraf Friedrich Schilling von Lahnstein gewährt Ihnen Unterkunft, lädt Sie zum Abendmahl und gibt Ihnen reichlich Proviant mit auf die weitere Reise. Dann trägt er Ihnen auf, für ihn und seine Familie an den Apostelgräbern zu beten.

    Für ein "Vergelt’s Gott" setzt Sie der Fährmann über den Rhein und Sie erklimmen die Hunsrück-Höhen – vorbei an Burg Stolzenfels. Wir können uns heute nur noch schwer vorstellen, wie die Burg in damaliger Zeit aussah. Als Zollburg von Kurtrier wird sie aber lange nicht so heimelig gewesen sein, wie sie sich nach dem Umbau zum Romantik-Juwel darstellt.

    Auf den Hunsrück-Höhen treffen Sie schliesslich auf die alte Römerstraße von Koblenz nach Trier, der Sie bis zur Abtei St. Mattheis folgen. Unterwegs steigen Sie immer wieder in die Moselortschaften hinab, um sich mit Verpflegung zu versorgen und gelegentlich ein Dach über dem Kopf zu finden.

    Wege der Jakobspilger in Deutschland – Santiago de Compostela – warum wurde das Grab zum Hauptpilgerziel?

     

  • Einleitung
  • Mythos Jakobswege
  • St.-Jakobus d.Ä. – Apostel und Maurentöter?
  • Santiago de Compostela – warum wurde das Grab zum Hauptpilgerziel?
  • Mittelalterliche Pilger unterwegs!
  • Der "wahre Jakob"!
  • Heilige Jahre
  • Deutschland und seine Jakobswege
  • Stolzenfels im Jakobswege-Netz
  • Warum das 21. Jh. sich nicht so sehr vom hohen Mittelalter unterscheidet!

     

    Überall können wir bei dem bisher gesagten zwischen den Zeilen die machtpolitischen und wirtschaftlichen Interessen lesen, die mit dem Apostelgrab gerade am Ende der damalig bekannten Welt verbunden waren (und heute noch sind). Die ersten Pilger aus Aquitanien und dem Bodenseeraum sind bereits im 10 Jh. (wohl um 930 herum) belegt. Und dann geht es Schlag auf Schlag. Bei den Spaniern kann man es noch verstehen, immerhin handelt es sich um ihren Nationalheiligen. Dann aber folgten die Franzosen und die Deutschen – Pilger sind aus Osteuropa, aus Skandinavien, ja selbst aus Island belegt. Nach den Engländern wurde ein Pilgerweg, der Camino Ingles von Ferrol bzw. La Coruna, benannt.

    Warum das alles? Warum entwickelt sich hier, neben Jerusalem und Rom, ein drittes Hauptpilgerziel für die Christenheit?

    Zunächst einmal brauchte die Reconquista, die Rückeroberung der iberischen Halbinsel von den Arabern, und das neue Königreich Asturien eine Identifikationsgestalt. Diese war mit dem Apostel, Märtyrer und Maurentöter Jakobus d.Ä. schnell gefunden. Jakobus legitimierte Asturien als Nachfolgereich der im Maurensturm untergegangenen Westgoten und die Königsfamilie als Nachfolger Theoderichs des Großen.

    Aber erst 1075 erscheint ein erster ausführlicher Bericht über die Grabauffindung, die „Concordia de Antealtares“. Die Zusammenfassung der wichtigsten Legenden erfolgt im 12. Jh. durch den Liber Sancti Jacobi und durch die Legenda Aurea im 13. Jh. Der Liber Sancti Jacobi wird auch Codex Calixtinus genannt und enthält u.a. den ersten bekannten Pilgerwanderführer. (Nicht, dass ich mich in der Nachfolge des Papstes Calixt II. sehe, der wars auch gar nicht, der ihn geschrieben hat. Tatsächlich wird es wohl ein französischer Gelehrter, Aimeric Picaud, gewesen sein.)

    Im Codex Calixtus ist auch der sogen. Pseudo-Turpin enthalten, ein Buch, in dem geschildert wird, wie Karl der Große auf Geheiß des Apostels den Weg zum Grab von den Mauren befreit.

    Und schon sind wir mitten drin im schönsten Machtgerangel. Die Verbindung des in Deutschland und Frankreich verehrten Karl mit dem Nationalheiligen Spaniens weckt nicht nur das Interesse des deutschen und französischen Volkes, sie bietet auch die ideale Gelegenheit für Friedrich I. Barbarossa und Ludwig VII. von Frankreich die eigene politische Vormachtstellung in Europa zu begründen und anzumelden.

    Gleichzeitig nutzen Asturien und die anderen christlichen Königreiche Spaniens die Gelegenheit, die entvölkerten Landschaften neu zu besiedeln – besonders entlang des sich langsam entwickelnden Weges vom Kloster Roncesvalles in den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela. Besonders in Frankreich werden Bauern, Kaufleute und Handwerker mit Freiheitsrechten, Privilegien und Steuerbefreiungen angeworben und entlang des Pilgerweges angesiedelt. Noch heute heisst deshalb dieser Hauptjakobsweg "Camino Frances".

    Geschickt nutzte auch die Kirche das Interesse am angeblichen Apostelgrab. Die Klosterreform von Cluny (wussten Sie eigentlich, dass Cluny uns den Allerseelentag beschert hat?), aber ganz besonders neue theologische Entwicklungen in der christlichen Heils- und Erlösungslehre wurden noch vor Rom in Santiago de Compostela aufgegriffen und verbreitet.

    So wurde in einfachen, allen verständlichen Worten die Fürsprache des Apostels bei einem versöhnenden Christus vermittelt. Diese Botschaft fiel gerade bei der ärmlichen, ja wirklich im Elend lebenden Bevölkerung Europas auf fruchtbaren Boden. Viele machten sich auf, liessen den Schmutz und Unrat der mittelalterlichen Städte, den Hunger und das Elend hinter sich, um am Grab in Santiago de Compostela den heiligen Jakobus um Beistand bei Christus zu bitten.

    Später integrierte das Domkapital auch ein Ablasswesen und Heilige Jahre nach dem Vorbild Roms in die Pastoral.

    Bereits um 1075 wurde  mit dem Bau der romanischen Kathedrale begonnen, 1120 wurde sie zum Sitz eines Erzbischofs.

    In der frühen Neuzeit verfiel der Pilgergedanke mehr und mehr, die Reformation und Luthers persönliche Einstellung zum Thema Pilgern tat ein übriges: die Zahl der Pilger nahm dramatisch ab. Einige heftige Kriege zwischen Frankreich udn Spanien haben auch eine nicht zu geringe Rolle gespielt. Aber ab Mitte des 17. Jh. geht es wieder aufwärts, ein umfangreiches Bauprogramm wird begonnen und 1769 mit der Vollendung einer neuen Nordfassade abgeschlossen.

    Die Säkularisierungswelle nach den napoleonischen Kriegen zerstört nicht nur Cluny und andere kirchliche Schätze, sondern auch fast die gesamte karitative Infrastruktur des Camino Frances. Aber der Pilgerstrom wurde zwar reduziert, hört jedoch niemals ganz auf. 1879 wurden die verschollen geglaubten Gebeine des Apostels wiedergefunden, Papst Leo XIII. bestätigt 1884 die Echtheit  und löst damit eine neue Pilgerwelle aus. 1937 erklärte Franco das Fest des Heiligen Jakobus zum Nationalfeiertag. 1950 gründet sich in Paris eine wissenschaftliche Jakobusgesellschaft.

    Seit 1970 gibt es einen neuen Aufschwung. In dem Jahr haben 68 Pilger die Compostela erhalten. 1980 sind es 209 PilgerInnen, 1990 4.918, im Jahr 2000 55.004 und schliesslich 2007, im Jahre 6 nach HP  (Hape Kerkeling ist 2001 den Camino Frances gegangen) immerhin 114.026 Pilger.

    Auf dem Jakobsweg befinden Sie sich in berühmter und frommer Gesellschaft: Johannes Paul II., Otto von Habsburg, Cees Noteboom, Paulo Coelho, Shirley McLaine, Verona Pooth, Frank Elstner oder Jenna Bush, die amerikanische Präsidententochter.

    Den eigenen Machtanspruch manifestieren, Spanien eine neue Identifikationsfigur geben, verödete Landstriche neu besiedeln, und schliesslich sogar die europäische Vormachtstellung eines Friedrich I. Barbarossa oder Ludwig VII. begründen – all das setzt Energien bei den Herrschenden des Mittelalters frei, um Santiago de Compostela zu einem der wichtigsten Orte der Christenheit zu machen.

  • Wege der Jakobspilger, 08.04.2008

     

    Karl-Josef Schäfer

    Wege der Jakobspilger in Deutschland …

    … Weilburg und der wahre Jakob!

    Ein launiger Vortrag mit ernstem Hintergrund

    Aus dem Inhalt:

    St.-Jakobus d.Ä. – Apostel und Maurentöter?
    Santiago de Compostela – warum wurde das Grab zum Hauptpilgerziel?
    Mittelalterliche Pilger unterwegs!
    Der "wahre Jakob"!
    Heilige Jahre
    Deutschland und seine Jakobswege
    Weilburg im Jakobswege-Netz
    Warum das 21. Jh. sich nicht so sehr vom hohen Mittelalter unterscheidet!

    Dienstag, 08.04.2008, ca. 19:30 Uhr
    Ort: Residenz-Buchhandlung, Weilburg

    Wege der Jakobspilger in Deutschland – Mythos Jakobswege

     

  • Einleitung
  • Mythos Jakobswege
  • St.-Jakobus d.Ä. – Apostel und Maurentöter?
  • Santiago de Compostela – warum wurde das Grab zum Hauptpilgerziel?
  • Mittelalterliche Pilger unterwegs!
  • Der "wahre Jakob"!
  • Heilige Jahre
  • Deutschland und seine Jakobswege
  • Stolzenfels im Jakobswege-Netz
  • Warum das 21. Jh. sich nicht so sehr vom hohen Mittelalter unterscheidet!

     

    Mit ein paar Mythen über die Jakobswege und den Jakobskult wollen wir heute einmal aufräumen.

    Zunächst einmal der Weg selbst. DEN Jakobsweg gibt es einfach nicht. Zwar wurde der Hauptweg, der sogenannte Camino Frances als Hauptverkehrsachse von den Pyrenäen bis zum Jakobusgrab, 1993 zum UNESCO-Welterbe ernannt und 1998 erhielten die vier französischen Zubringerwege auch diesen Titel, aber grundsätzlich beginnt jeder Jakobsweg vor der Haustür des Jakobspilgers. Bei dieser Vielzahl der Jakobswege nun die historisch relevanten herauszufinden – das überlassen wir lieber den Spezialisten.

    Dann die Bedeutung des Weges in neuerer Zeit, sagen wir einmal ab 1989 – ab diesem Jahr liegen veröffentlichte Statistiken vor. 2 Millionen verkaufte Exemplare von Hape Kerkeling’s "Ich bin dann mal weg …" legen eine besondere Bedeutung des Weges nahe. Tatsächlich sind von 1989 bis 2007 lediglich 60.949 pilgernde Deutsche in Santiago de Compostela angekommen. Das sind bei einer Einwohnerzahl von 82.438.000 nur 0,08% der deutschen Bevölkerung. Um die Zahl noch weiter zu relativieren: Im Jahr 2004 haben 48,1 Millionen Deutsche Urlaub gemacht. Davon waren nur in diesem Jahr 13,6% in Spanien – 6.541.500 Touristen. Und davon waren 6.816 Jakobspilger. Eine verschwindend geringe Zahl, nicht wahr?

    Und wenn wir über die grossen Pilgerziele des Mittelalters, nämlich Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela sprechen, dann müssen wir uns auch klar machen, dass es auch damals nicht unbedingt ein ständiges Kommen und Gehen gab. Im Jahre 1430 hatte die grösste Stadt des Heiligen Römischen Reiches, Köln, eine Einwohnerzahl von 40.000. Wieviele davon mögen zum Grab des Heiligen Jakobus gepilgert sein? Zum Vergleich: täglich werden am Frankfurter Flughafen mehr als 148.000 Passagiere abgefertigt.

  • Und einen Mythos hätten wir dann fast noch vergessen: den Mythos rund um das Grab des heiligen Jakobus d.Ä. In Jerusalem wurde der Apostel hingerichtet und gelangte dann angeblich auf wundersamen Wegen in den nordwestlichen Zipfel Spaniens, nahe Finisterre, dem Ende der damals bekannten Welt.

    Und damit haben wir den Anschluss an das nächste Kapitel: Wer war denn dieser Jakobus eigentlich und wie, um Himmels willen, gelangte er in den Legende nach Spanien?

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