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Schlagwort: gabi

Bericht vom Lahn-Camino und Mosel-Camino

 

Lieber Ka-Jo, Liebe Gabi,

Viele Grüße sendet Euch Michael.

Zunächst möchte ich nochmal herzlich bedanken für die freundliche Aufnahme bei Euch und das ich bei Euch Gast sein drufte.

Dank deiner Karte und der Tipps und Ratschläge von dir habe ich meinen Pilgerweg erfolgreich beendet.

Die Etappe nach Villmar war nochmal recht anstrengend. Lange lange und schnurgerade Wegabschnitte mit stetigen Anstiegen machten mich langsam mürbe. Habe mich in der Pension Behr gut erholt mußte aber am nächsten Morgen meine Wanderschuhe ausziehen und mit Sandalen weitergehen ansonsten wäre ich nicht bis Diez gekommen.

Der Weg ist eigentlich ganz gut beschildert man muß nur selten auf die Karte schauen. Hin und wieder ist die Beschilderung jedoch sehr zweideutig und man muß raten welcher Weg der richtige ist z.B. beim Blick auf Kalkofen und an einer Wegkreuzung nach Burg Eltz das hier der Weg hinter dem Baum langgeht und nicht davor wurde mir erst später klar.

Da ich ja nur noch in Sandalen lief fand ich die Etappe nach Obernhof gar nicht so schlimm. Nervig war nur das man sich hoch nach Schaumburg quält und dort alles geschlossen ist.

Ich mußte auch feststellen wie einsam man auf den Lahnhöhenweg ist, fast nie kommt ein jemand entgegen, wodurch ich doch sehr zur Ruhe gekommen konnte.

Auch die Wegbeschreibungen in deinem Buch und die Erläuterungen zu vielen markanten Punkten unterwegs waren sehr aufschlussreich.

In Bad Ems war die Jugendherberge so "ausgebucht" das ich doch noch 2 Nächte dort verbringen konnte. Hatte sogar ein 3-Bettzimmer für mich allein.

So kam ich in Lahnstein an und fand am Johanneskloster auch den Stein mit der Entfernungsangabe nach Santiago es sind jedoch noch 2650 km laut Aufschrift.

Auch der Moselkamino läßt sich gut laufen. Wenn ich diesen Weg dann weitergelaufen bin werde ich dir nochmal berichten. Jetzt ist in Treis-Karden erst mal Schluß.

Noch einmal vielen Dank für alles

bis bald

Michael

 

Schäfer, Karl-Josef: Der Jakobsweg von Wetzlar nach Lahnstein – Ein Pilgerwanderführer für den Lahn-Camino / Schäfer, Karl-Josef und Welter, Wolfgang: Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier – Der Pilgerwanderführer für den Mosel-Camino

Vorwort – Danksagungen

 

Liebe Leser!

 

Auch diesmal wieder hat es mir viel Freude gemacht, diesen Pilger- und Wanderführer für Sie zusammenzustellen. Es ist bereits der 3. Band der Pilgerwanderführer-Reihe und er möchte Sie auf einem uralten Pilger- und Handelsweg, dem sogenannten Ochsenweg, begleiten und Ihnen einen praktischen Ratgeber an die Hand geben.

Bevor ich mich daran gemacht habe, für diesen Pilgerwanderführer auf der Via Jutlandica zu recherchieren, habe ich eigentlich mehr an Fahrräder als an Pilger gedacht. Dabei hat sich dann dieser Teil von Schleswig-Holstein von der dänischen Grenze bis an die Elbe als ein wunderschönes Wanderrevier entpuppt.

Ich freue mich, wenn Sie mir Rückmeldung geben und bitte um Ihre Mithilfe durch Verbesserungsvorschläge, Ergänzungen und Aktualisierungen.

Die gesammelten Leser-Beiträge und Updates können Sie kostenlos im Internet unter www.xschaefer.de abrufen.

Diesmal möchte ich mich bei allen denen bedanken, ohne die ein Pilgerwanderführer nicht entstehen kann.

Da sind zunächst einmal die Leser der zuvor herausgegebenen Bände, die mit ihren Rückmeldung helfen, den Aufbau und die Struktur der Büchlein zu verbessern. Vielen, vielen Dank – ohne Sie wären diese Bücher nicht denkbar. Dann sind es gerade für diesen Band Ute und Fred Hasselbach von der Deutschen Jakobusgesellschaft e.V., Region Norddeutschland, die mir Informationen zum Weg zur Verfügung gestellt haben und unermüdlich sachliche Fehler korrigierten. Für die übrige Korrektur, insbesondere meiner eigenwilligen "SZ-Regeln", schicke ich ein herzliches Dankeschön zu Wolfgang Welter nach Schweich, meinem Co-Autor für den Mosel-Camino und hoffentlich noch vieler weiterer Bände der Pilgerwanderführer-Reihe.

Last but absolutely not least ist da natürlich noch Gabi, die stark unter meinen aussergewöhnlichen Arbeitszeiten leiden und dann mal eben für ein paar Wochen auf mich verzichten muss, weil ich mal wieder auf dem Jakobsweg bin. Auch ihr ein liebes Dankeschön.

Ihnen auf dem Weg von der dänischen Grenze zur Elbe wünsche ich Ultreia und Buen Camino,

Ihr Karl-Josef Schäfer

Zwischenetappe Joinville-Luxemburg-Stadt-Weilburg 06.01.2008

 

Wie gesagt, in unserem preiswerten Hotel de la Poste haben wir fürstlich gegessen und geschlafen.

Aber um 8 war die Nacht vorbei, wir haben gepackt, das Zimmer geräumt, noch einen Kaffee getrunken, ein Croissant gegessen und wollten dann in die Kirche. Heilige Messe um 11 – das war dann doch zu spät.

Also machten wir uns, nachdem wir noch einen Bummel durch das sonntägliche Joinville gemacht hatten, auf den Weg nach Hause. Nicht vergessen haben wir, unseren Fürstenhof gleich für März zu buchen. Zwei Nächte, denn zwischen Joinville und Colombey-les-Deux-Eglises (Landsitz und Sterbeort von Charles de Gaulle) liegen 34 km aber keine Übernachtungsmöglichkeit.

Auf der Rückfahrt gab es noch einen Abstecher nach Luxemburg-Stadt. Gabi war noch nie dort, mein letzter Besuch ist bestimmt schon 20 oder mehr Jahre her. Wir sind bei strahlendem Sonnenschein durch die Altstadt gebummelt, haben im PizzaHut festgestellt, dass das Publikum über 30 ist und ansonsten die Pizza für Zwei genossen.

Was das Ganze mit Pilgern zu tun hatte? "Alles hat seine Zeit …" steht im Kohelet. Es war nicht die richtige Zeit und vielleicht auch nicht so ganz der richtige Ort.

Unser Jakobsweg geht Ostern weiter. In 14 Tagen von Joinville zur Kathedrale nach Vezelay, einem weiteren zentralen Sammelpunkt für die mittelalterlichen Pilger, der auch heute wieder mehr und mehr an Bedeutung gewinnt.

Vieles ist an der „katholischen“ Mosel einfacher:

Denn so wird unser Pilgerwanderführer in einer Cochemer Kirche präsentiert:

Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier.

Der Pilgerwanderführer für den Mosel-Camino

Pilgerweg:

  1. Etappe: Koblenz-Stolzenfels – Alken
  2. Etappe: Alken – Treis-Karden
  3. Etappe: Treis-Karden – Bullay
  4. Etappe: Bullay – Traben-Trarbach
  5. Etappe: Traben-Trarbach – Osann-Monzel
  6. Etappe: Osann-Monzel – Klüsserath
  7. Etappe: Klüsserath – Schweich
  8. Etappe: Schweich – Trier

· Taschenbuch: 220 Seiten

· Verlag: Books on Demand GmbH; Auflage: 1 (Oktober 2007)

· Sprache: Deutsch

· ISBN-10: 3833498889

· ISBN-13: 978-3833498 88

· Preis: 14,95 EUR

In 8 Tagesetappen führen Sie die Autoren auf dem Mosel-Camino von Koblenz-Stolzenfels bis zum Apostelgrab des heiligen Matthias in Trier. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass vor Ihnen schon etliche von Jakobs- und Matthiaspilgern diesen Weg gegangen sind. Er führt Sie entlang der Mosel und auf den benachbarten Eifel- und Hunsrückhöhen durch eines der schönsten Wan­der­ge­bie­te Deutsch­lands mit einer wechselvollen Vergangenheit. Der Pilgerwanderführer be­schreibt die Strecken­führung, gibt spirituelle Anregungen, Tipps für Besichtigungen, verweist auf An­sprechpartner in Kirchengemeinden und Touristen-Informatio-nen und listet erschwing­liche Un­ter­­­kunftsmöglichkeiten auf. Außerdem beinhaltet er eine Viel-zahl weiterer nützlicher Ad­res­sen.

Karl-Josef Schäfer, Jahrgang 1956, arbeitet als Kommunikations-Trainer und Executive-Coach und lebt seit Anfang 2006 in Weilburg/Lahn, nur wenige Schritte vom Lahn-Camino entfernt. Seit langer Zeit be­schäftigt sich Schäfer mit der Geschichte der Jakobswege in Europa und machte sich schließlich im Dezember 2006 selber mit seiner Frau Gabi auf den Weg nach Santiago de Compostela. Da für manche Strecken bisher keine Begleiter vorliegen, entschloss sich Schäfer zunächst, den ersten Pilger­wanderführer für den Lahn-Camino zusammenzustellen. Dieser ist im Mai 2007 erschienen (Der Jakobsweg von Wetzlar nach Lahnstein, ISBN 978-3-8334-9475-8, Euro 9,95).

Wolfgang Welter ist ein ‚Kind‘ der Mosel: 1957 geboren in Cochem und dort aufgewachsen, Lehr­amtsstudium in Koblenz. Sein Referendariat hat er in Zeltingen absolviert. Heute ist er in Trier als Lehrer tätig. Seinen Wohnsitz hat er in Schweich. Zu seinen Hobbys gehört das Wandern. Seine Wandertipps, allesamt für den Bereich Mosel, sind auf vielen Internetseiten veröffentlicht. Für den Eifelverein kümmert er sich um die Pflege und Erhaltung der Markierungen des linksseitigen Moselhöhenweges im Bereich Schweich.

9. Tag Beilstein – Zell 14.02.2007

 
Unser teures Leitungswasser aus Beilstein sorgt für mehr Furore und mehr Beachtung, als wir selber der Sache beigemessen hatten. Da haben wir mit unserem Blog schon ein wenig ins Wespennest gestochen – und wenn wir mit Moselanern über die Sache sprechen, dann ernten wir stets deutliches Kopfschütteln. Und damit die Gastfreundschaft, die wir mittlerweile im krassen Gegensatz zu diesem Ereignis erleben durften, auch anderen zu Gute kommt, nenne ich auch "Ross und Reiter": im Burg-Cafe in Beilstein kostet ein 0,2-Glas Leitungswasser 0,50 Euro (das war mal eine Mark!!!!!). Und damit ist die Sache für uns abgeschlossen, es ist mehr als wiedergutgemacht worden.
 
Trotzdem war aber dieser Tag von Beilstein nach Zell eine Tortur. Gabi hat mich morgens gegen 11 in Beilstein an der Bushaltestelle abgesetzt, der Rucksack war für vier Tage gepackt und hatte das entsprechende Gewicht und laut Wetterbericht sollte es der schlechteste Tag der Woche werden. Lag das nun an Beilstein? Oder an der Mosel? Nee, ich glaube eher an unserer Planung. Denn die 4 Tage bis Samstag passten uns so gerade richtig in den Kram. Aber so richtig eigentlich nur mir. Gabi musste noch von Mittwoch bis Freitag arbeiten – und so bin ich alleine los.
 
Es war morgens noch trocken, zumindest einigermassen. So nahm ich mir vor, die Regenhose und den Poncho erst später herauszukramen – dann, wenn es wirklich nötig ist. So richtig sexy sieht der Poncho ja nun auch nicht aus – und ein wenig Eitelkeit sei auch dem Jakobspilger gestattet. Dumm war nur, dass ich den Poncho dann auch den ganzen Tag dort ließ, wo ich ihn morgens hingepackt hatte: ganz unten im Rucksack. Ein Fehler, aber das wurde mir erst am späten Nachmittag klar.
 
Sind schon zwei Fehler, die ich gemacht habe. Der zweite war (aber das merke ich erst heute beim Schreiben), dass ich keinen Notizblock fürs Tagebuch mitgenommen habe. Mich jetzt, bei strahlendem Sonnenschein, an den grausigen Tag von Beilstein nach Zell zu erinnern, fällt schon ganz schön schwer.
 
Mit meinem schweren Rucksack ging es erstmal hoch zur Karmelitenkirche in Beilstein.Ich wollte mir noch den Stempel für unsere letzte Etappe hierhin abholen. "Kirche zu!" rief mir ein Bauarbeiter schon von weitem zu, "Pater weg, irgendeine Versammlung irgendwo!" Das wars denn mit meinem Stempel – und den Moselhöhenweg habe ich auch nicht mehr gefunden. Auch ein Schild hoch zur Burg Metternich war nirgends zu sehen. Vielleicht sollen die Touris durch die historischen Ort geführt und zum Einkehren gezwungen werden? Aber davon wollte ich ja eigentlich nicht mehr schreiben.
 
Ich habe allen Fremdenverkehrsplanern ein Schnippchen geschlagen und mich auf meinen Orientierungssinn verlassen. Die Burg lag unsichtbar hinter diesem Felsen, auf dem die Kirche gebaut war. Also musste ich drum herum. Also hinunter auf der vom Ort abgewandten Seite und immer um den Felsen herum. Schild? Immer noch keins zu sehen. Aber dafür eine Treppe neben einem Gasthof. "Wenn die nicht privat ist, dann führt sie zumindest nach oben!" Hat geklappt und viele Treppenstufen ein Weinbergterassen weiter konnte ich die Burg Metternich vor mir sehen.
 
Der Burgberg war wohl schon zur römischen Zeit besiedelt, 1910 wurde ein fränkischer Steinsarkopharg (5. – 8. Jhdt.) in der Nähe der Burg gefunden. Die schon existierende Burg wurde 1268 Lehnsbesitz der Herren von Braunshorn. 1638 lehnte das Trierer die Burg Beilstein an die von Metternichs, 1794 kamen die Franzosen. Durch den Wiener Kongress fiel die Burg 1815 an Preussen. Heute ist die Burg im Besitz der Familie Sprenger, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Burg Metternich zu erhalten.
 
An der Burg war alles verriegelt und verrammelt, den Weg hier hinauf hätte ich mir auch sparen können. Ein einsamer Bauarbeiter, der den Motor seines Baufahrzeugs laufen liess und hinter dem Gitter verschwinden wollte, würdigte mich noch nicht einmal einer Antwort, als ich fragte, ob ich mich vielleicht einmal im Burghof umschauen dürfte. Im Vorfeld haben mir viele, die die Mosel kennen, dazu geraten, Beilstein auf keinen Fall zu verpassen – ehrlich gestanden war ich froh, als ich Beilstein hinter mir lassen durfte.
 
Da ich immer noch keinen Einstieg in den Moselhöhenweg entdecken konnte, wandte ich mich an eine im Weinberg arbeitetende Dame. Sie versöhnte mich ein wenig mit dem Ort, denn die ausführliche und sehr, sehr freundlich gegebene Auskunft hätte ich besser beachtet. Das hätte mir reichlich Nässe und einige Kilometer erspart.
 
"Gehen Sie hier die Strasse herunter und folgen dann der Landstrasse so ca. 500 m bis 1 km, dann kommt ein Weg nach RECHTS, der ist als Moselhöhenweg beschildert." Ich dankte und machte mich wieder auf den Weg. Mensch, hätte ich doch auf sie gehört. Aber an dem Wegweiser nach Grenderich, der nach links in einen Waldweg führte, fielen mir die Bekannten ein, die links und rechts stets verwechselten – und schliesslich waren es bis hierhin schon so rund 700 m. Erst viel, viel später, als ich die Karte dann richtig deuten konnte, sollte ich feststellen, dass der von ihr beschriebene Weg noch ein gutes Stück an der Landstrasse entlanggeführt hätte.
 
Ich bin also links im Waldweg verschwunden, immer fleissig nach oben auf die Hunsrück-Höhen und machte beim Überklettern der Kyrill-Schadensreste die Erfahrung einer Ganzkörper-Schlammpackung bei kompletter Kleidung. Nicht ganz so prickelnd – besser nicht nachmachen. Dann wieder eine Landstrasse – aber immer noch kein Moselhöhenweg! Landstrasse also weiter nach oben gekraxelt, so langsam taten mir die Füsse vom Asphaltlaufen weh, und dann gottseidank ein Strassenschild in Richtung Grenderich. Da die andere Richtung Liesenich absolut falsch sein musste, fand ich mich so langsam damit ab, den Rest des Weges auf der Landstrasse verbringen zu müssen.
 
Dann war ich es leid – Autofahrer, gleich ob einheimisch oder auswärts, haben die unangenehme Tendenz, Fussgänger nicht für voll zu nehmen. Ich bin also weiter nach oben geflüchtet und konnte die zwar unangenehmste, weil kälteste und nasseste, aber auch die schönste Strecke auf diesem Weg nach Merl weiterpilgern. Es ist schon schön, auf dem höchsten Grad der Umgebung zu gehen und links und rechts über die Felder und Wälder zu schauen. Vielleicht solltet Ihr auch diesen Umweg machen, dann aber definitiv besseres Wetter dafür aussuchen.
 
Aber auch der längste Grat geht einmal zu Ende, weit und breit keine Bank, aber in einiger Entfernung wieder die Landstrasse. Okay, dann also auf der Strasse weiter. Aber zuvor noch in der Gesellschaft von 3 Haflingern eine kurze Pause eingelegt. Die waren schon sehr an meinen Fitness-Riegeln interessiert – ich sah aber nicht ein, warum ich meine Tagesverpflegung gegen Stroh und Heu eintauschen sollte. Also habe ich mich auf das Geschäft nicht eingelassen.
 
100 m weiter tauchten dann auch meine so sehr vermissten M’s für den Moselhöhenweg wieder auf. Aber irgendwie passte mir die Richtung nicht so ganz und so nahm ich mir an der naheliegenden Schutzhütte die Zeit, die Karte zu studieren. Erstmal der netten Dame im Bedilsteiner Weinberg Abbitte leisten. Sie hat zwar die Entfernung unterschätzt, links und rechts aber nicht veratuscht. Ich hätte unten nur weitergehen müssen und mir ein Schlammbad und so manchen Kilometer erspart.
 
Schutzhütten ist übrigends so ein Thema – besonders wenn diese an einer Strasse liegen, scheinen sie dazu einzuladen, ein grösseres Geschäft dort zu verrichten. Während die Hütten am Weg und in den Weinbergen sehr sauber sind, und sicher auch einmal als Notunterkunft herhalten könnten, sind die Hütten an einer Strasse bisher immer völlig verdreckt und verschissen gewesen. Gut, eine Familie auf Sonntagsausflug im trockenen und warmen Auto scheint auch nicht so unbedingt das Verständnis für einen durchnässten Wanderer oder Pilger aufzubringen, der sich über ein trockenes und sauberes Plätzchen freuen würde. Liebe Autofahrer, habt nicht nur ein Herz für Eure und für andere Kinder – habt auch ein Herz für diejenigen, die zu Fuss unterwegs sind. Fahrt lieber ein wenig schneller weiter zur nächsten Kneipe oder zum nächsten Restaurant. Oder packt Eure Hinterlassenschaften ein, das riecht zwar ein wenig strenger im Auto, bringt Euch aber die Genugtuung, etwas für zukünftige Besucher getan zu haben. (Naja, so ganz glaube ich nicht an einen Erfolg meines Aufrufes – aber man soll die Hoffnung niemals aufgeben.)
 
Diese Gratwanderung, die hat mich geschafft. Es war eigentlich nicht genug Regen für den Regenponcho – und jetzt hatte das "bisschen" Regen mich bis auf die Haut durchnässt. Nun brauchte ich den Poncho auch nicht mehr. Einmal nass kann ich auch nass weiterpilgern – spielt keine Rolle mehr.
 
Nachdem Grenderich passiert war, ging es auf dem sogenannten Judenpfädchen im Senheimer Wald stetig bergab. Wer auf dieser Etappe eine Zugverbindung erreichen möchte, kann unterwegs dem Wegweiser nach Bullay folgen. Die Strecke ist sehr gut beschildert und bereitete keine weiteren Probleme.
 
Unten in Merl, einem Ortsteil von Zell, dem eigentlichen Ziel meines Tages, frischte dann meinen Ärger vom Vormittag wieder auf. Klar, dass die Gassen des Ortes bei Regenwetter im Februar nicht gerade übervölkert sind. Aber ich begegnete immerhin einige Menschen, die ihren Geschäften nachgingen. Auf ein freundliches "Guten Tag" erhielt ich noch nicht einmal eine Antwort. Die Kirche war verschlossen und ausserhalb der Öffnungszeiten machte im Pfarramt (oder wars ein Dekanatsbüro?) niemand auf. "Pakete bei XY in der XY Gasse abgeben" war an der Tür angeschlagen. Aber ich wollte nun einmal ein Bett für die Nacht – und nicht unter freiem Himmel an der Hochwassermosel übernachten.
 
Ganz ehrlich: im Winter ist hier in Merl tote Hose. Es mag ja ein ganz netter Ort im Sommer sein, und ich verspreche, ich komme dann noch einmal wieder. Vielleicht gelingt es mir dann, eine Antwort auf ein freundliches "Guten Tag" zu erhalten. An mindestens 10 Häusern, die ich passierte, war das Schild "Zimmer frei" – aber auf mein Klingeln und Klopfen tat mir niemand auf. Ich weiss, dieser Vergleich ist reichlich abgedroschen, aber so müssen sich Maria und Josef auf der Herbergsuche gefühlt haben. Wo sind die Leute an einem Werktag um 3 Uhr nachmittags eigentlich?
 
Eine Stärkung aus der Bäckerei und ein kurzes, auch deutlich ablehnendes Gespräch mit der Besitzerin: "Ja, es gibt schon viele, die hier in Merl vermieten!" sagte sie mir eher abwehrend. "Aber ich kann keinen finden, haben Sie keinen Tipp für mich?" war meine Antwort. "Ja, dann gehen Sie doch nach Bullay, da finden Sie bestimmt etwas!" Damit war ich bedient. Nass bis auf die Haut und nachdem ich erklärt hatte, dass ich in Richtung Trier unterwegs bin, schickte mich die "nette" Dame in die andere Richtung. Na prima.
 
Der Regen wurde auch nicht besser, und natürlich bin ich nicht nach Bullay, sondern nach Zell – in "meine" Richtung – gelaufen. Drei weitere Versuche, in einem der Weingüter mit "Zimmer-Frei-Schild" unterzukommen, scheiterten auch an den überaus "freundlichen" Gesprächspartnern.
 
Leute, ich verstehe, dass Ihr im Winter nicht für eine Nacht vermieten wollt, Ihr renovieren müsst, die Zimmer nicht fertig habt, die Heizung just am Morgen den Geist aufgegeben hat und was Euch sonst noch alles so einfällt. Aber dann täuscht doch nicht den arglosen Pilger hinterhältig mit Euren "Zimmer-Frei" Schildern in jedem Fenster. Oder regt doch einfach mal bei Eurem Fremdenverkehrsverband an, am Ortsschild gleich ein Schild anzubringen: "Pilger und Wanderer im Januar und Februar nicht erwünscht!" Das wäre wenigstens ehrlich. Damit haben wir doch als Deutsche im letzten Jahrhundert gute Erfahrungen gemacht. Erst zwischen 1933 und 1945, da klappte es wunderbar, da sanktionierte es sogar der Staat. Dann noch einmal nach 45, da stand dann an den Gaststätten das Schild "Off Limits" für unsere amerikanischen Freunde. Und in jüngster Zeit sind es Schilder für unsere türkischen, kosovo-albanischen und russischen Mitbürger. Jetzt nehmt Ihr einfach die Wanderer und Pilger ausserhalb der Saison gleich noch mit dazu.
 
Ich weiss, meine Formulierung oben ist schon ganz schön heftig. Ein Politiker müsste nach so einem Vergleich gleich sein Mandat niederlegen und öffentlich Asche auf sein Haupt streuen. Ich bin kein Politiker, ich bin nur ein kleiner Pilgerer, der keine Zeit hatte, sich im Vorfeld um eine Unterkunft zu bemühen. Und ich war nass, mir war eiskalt, die Füsse und Beine taten weh – kurz, ich hatte die Schnauze voll! Ich bitte jeden um Entschuldigung, der sich um die Gastfreundschaft in unserem Land verdient macht – und es ist wirklich nicht nötig, dass sich irgendjemand für irgendetwas bei mir entschuldigt, weil er/sie sich dafür verantwortlich fühlt, was mir widerfährt. Ich bin nicht blauäugig, ich weiss, es gibt solche und solche. Nur leider treten "solche" immer in Rudeln auf – und sind vielleicht auch noch am Tag vor Weiberfastnacht besonders wetterfühlig.
 
"Licht am Ende des Tunnels" sah ich auch erst in der Innenstadt von Zell. Noch einmal einen Rundumschlag? Sollt Ihr haben: die leeren Geschäfte und unrenovierten Häuser auf beiden Seiten der Strasse sind nicht gerade einladend! Ganz im Gegenteil. Ich dachte bei mir: "Wo bist du denn jetzt hingeraten?"
 
Dann aber das Schloß-Hotel, ein wirkliches Schmuckstück, dem auch das Schietwetter nicht anhaben konnte. Auch die Stadtkirche ein Kleinod. Am Schloß-Hotel habe ich kurz überlegt, ob ich da einfach ein Zimmer nehme. Gut, dass ich es nicht getan habe sondern mein Budget mich noch ein paar Meter weiterführte. Dort sah ich auf der anderen Strassenseite in einem Kneipenfenster das Schild "Ferienwohnung zu vermieten – auch für eine Nacht!" Gut, also schlafe ich heute nacht in einer Ferienwohnung. Ruhe, Wärme, vielleicht sogar eine Badewanne – das kann ich mir nach diesem Tag ruhig gönnen. Also hinein in die Kneipe. Obwohl ich mir vorgenommen hatte, diese Ferienwohnung nun wirklich für die Nacht zu mieten, koste es, was es wolle, ist es dann doch an meiner Sturheit gescheitert. Ich war schon soweit wieder aufgetaut, dass ich die verlangten 40 Euro nicht mehr zahlen wollte. "30 Euro zahle ich freiwillig," aber dieses Angebot wollte der Eigentümer nicht akzeptieren.
 
Aber Kneipen sind halt auch Stätten unerschöpflicher Informationen. Und so saß da auch ein Bäcker auf dem Weg nach Hause ins Bett und der sagte zu mir: "Wart mal, ich versuche mal etwas, hast du ein Handy dabei?" Dann nahm er doch das Kneipentelefon, telefonierte kurz und sagte: "Es liegt zwar etwas ausserhalb, aber du bekommst ein Zimmer für 30 Euro und der Besitzer holt dich hier ab!"
 
Wie oft habe ich schon in diesem Blog den Satz: "Der Weg gibt Dir alles was Du brauchst" zitiert? Auch an diesem Tag war es wieder so.
 
Während ich auf meinen "Abholer" wartete, kamen wir an der Theke ins Gespräch, eine Runde gab die andere. Hauptthema war Jakobsweg und Santiago. Dann kam mein "Abholer", es gab noch mehr Runden, ich zog die nasse Jacke aus und das nächste Bier stand vor mir. So ging es einige Zeit weiter – nicht unangenehm, wirklich nicht.
 
Dann schlussendlich fuhren wir heraus zur Pension Notenau. Das abgelegene Seitental liegt direkt am Weg, von daher sehr praktisch und pilgergünstig gelegen. Und entpuppte sich für mich als wahre Luxusherberge. Doppelzimmer, Fernseher, Platz, Dusche und WC – alles sauber, ordentlich und unheimlich einladend. Mein "Abholer" entpuppte sich als der Eigentümer Herbert Saxler, das Ehepaar Saxler ist noch im Vorstand des Fremdenverkehrsverbandes Zeller Land und kennt die Strecke bis zumindest Enkirch und Starkenburg (nächste Tagesetappe) gut. Besonders die Wegmarkierungen hat es ihnen angetan. Auf jeden Fall erhielt ich mehr Tipps fürs Weiterpilgern, als ich jemals verwerten kann.
 
Es tut mir regelrecht leid, dass die Loblieder auf die Pension Notenau und ihre Besitzer Saxler weniger Platz einnehmen, als meine negativen Erfahrungen in Beilstein und Merl. Aber so ist das leider nun einmal: das Positive ist kaum in der Lage, das Negative auszugleichen.
 Fernseher an, Buch herausgekramt, 2 Seiten gelesen – dann war ich eingeschlafen. Gegen 8 wurde ich wieder wach – noch schnell geduscht, wieder ins Bett, 5 Minuten DSDS geguckt (mehr braucht man auch nicht), wieder eingeschlafen. Gegen 2 den Fernseher ausgeschaltet – wieder eingeschlafen. Und um 7 gings zum erstklassigen Frühstück.
 
Liebe Frau Saxler, lieber Herr Saxler: Sie haben mich gerettet und die Zellerehre gleich mit. Wir kommen bestimmt wieder.
 
Erkenntnisse des Tages:
 
wenn etwas nicht klappt, hat die Vorsehung vielleicht noch ein besonderes Bonbon parat
Regenbekleidung ist bei Regen im Rucksack schlecht aufgehoben
 

8. Tag Treis – Beilstein 27.01.2007

 
So ganz so gut geschlafen haben wir nicht. Zwar fielen uns schon früh die Augen zu, aber Gabi hat sich über mein Schnarchen beschwert (ich schnarche nicht, das muss im Nebenzimmer gewesen sein :-)), und ich bin ungefähr stündlich wach geworden. Um halb sechs habe ich dann aufgegeben und mich darüber geärgert, dass wir das Frühstück erst für 8 Uhr bestellt hatten. Als einzige Gäste im Haus hätten wir vielleicht schon eine Stunde früher frühstücken können.
 
Nach dem mittelmässigen Schnitzel vom Vorabend erwartete uns jetzt ein opulentes Frühstück vom Feinsten. Eine reichhaltige Aufschnittplatte, Marmelade, Honig, Orangensaft, Müsli – alles, was das Herz begehrt. Selbst Gabi, ein Frühstücksmuffel, schlug so richtig zu. Die Brötchen waren aber auch wirklich aus der Kategorie "Spitzenklasse".
 
Bezahlen, Pilgerstempel in den Pass und los gings. Wir waren uns nicht so sicher, wo wir den Einstieg in den Moselhöhenweg auf der Hunsrückseite finden sollten, aber da half uns ein netter Herr auf dem Weg, der sich wirklich gut auskannte. Etwas Befürchtungen hatten wir wegen der verschneiten und vereisten Strasse. Ein paar Mal kamen wir ins Rutschen – und ich dachte mir: "Wenn das so weitergeht, müssen wir hier abbrechen, das ist zu gefährlich!" Aber dann konnten wir am Ende des Ortes nach kurzem Anstieg auf der Landstrasse auf einem Waldweg weitergehen und alles war in Ordnung.
 
Der Moselhöhenweg ist hier gleich am Anfang als "Arbeitsdienstweg Beilstein" beschildert – und obwohl ich mich immer dagegen wehre, in der Zeit des Nationalsozialismus irgendetwas positives zu sehen, muss ich hier doch zugestehen, dass zumindest der Reichsarbeitsdienst auch ein paar sinnvolle Dinge vollbracht hat. Der lange Anstieg auf die Hunsrückhöhen geht sanft, kaum merklich nach oben. Sehr angenehm zu laufen. Später folgt der Weg dann dem Keltenweg und einer alten Römerstrasse, die heute auch von einem archäologischen Wanderweg begleitet wird. So sind am Wegrand immer wieder Hinweise auf keltische Grabhügel oder römische Siedlungsreste zu finden. Sehr interessant, wenn man sich für die deutsche Frühgeschichte in keltischer, oder später römischer, Zeit interessiert. Später beim Abstieg nach Beilstein hat Kyrill wieder ein paar stärkere Spuren hinterlassen. Ein gutes Stück Weg ist durch umgestürzte Bäume unpassierbar. Diese haben wir weit umgangen, drüber- oder drunterdurchklettern war uns zu gefährlich, weil einige Bäume sichtbar unter Spannung standen.
 
Oben an einem Aussichtspunkt, mit Blick auf Beilstein, Burg Metternich und die Karmelitenkirche traf es mich dann wie einen Hammer. Ich konnte einfach nicht mehr, die Beine versagten ihren Dienst. Ob das nun an einem zu hohen Tempo oder zu wenig Pausen lag, weiss ich nicht. Heute, während ich hier schreibe, spüre ich aber die Erkältung in den Knochen, und vielleicht waren es gestern die Vorboten.
 
Die Karmelitenkirche ist sehenswert. Das wohl kostbarste Stück ist die schwarze Madonna, ein spanisches Kunstwerk aus dem 12. Jhdt., das von den Spaniern im 30-jährigen Krieg nach Beilstein gebracht und dort beim Abzug den Bewohnern geschenkt wurde.
 
Unten im Ort haben wir dann in einem Cafe auf den Bus nach Cochem gewartet. Und hier habe ich zum ersten Mal in meinem Leben für ein Glas Leitungswasser bezahlen müssen. Nein, es war nicht das Einzige, was wir verzehrt haben. 3 Pötte Kaffee und eine heisse Schokolade standen auf der Rechnung. Und ein Glas Leitungswasser für 50 Cent. Hammerhart, oder? Ich sehne mich nach Wien, wo ein Glas Wasser zum "Verlängerten" gehört, oder nach USA-Land, wo als erstes das Wasser auf den Tisch kommt. Nach der frustrierenden Unterkunftssuche vom Dienstag war dies noch ein besonderes Beispiel für Gastfreundschaft in diesem, unserem Lande. 
 
Wir waren relativ zeitig wieder zu Hause. Durch den Abbruch in Beilstein war die Tagesetappe auch nur so ca. 10 km lang. Aber wir haben die zwei Tage so richtig genossen. Der Winter (gleich, ob er sich frühlingshaft mit Rosen, oder winterlich mit Eis und Schnee gibt) hat seinen ganz eigenen Reiz. Und dazu zählt auf jeden Fall, dass wir im Wald und in den Ortschaften nicht ständig Touristen begegnen.
 
Die Zwei-Tages-Etappe war so richtig teuer. Über 100 Euro haben wir ausgegeben. Dies gerechnet mal 150 Tage bis Santiago de Compostela: da können wir nur sagen, dass eine Pilgerreise nichts für den Durchschnittsverdiener, sondern nur für die Reichen ist. 15.000 Euro, 7.500 Euro pro Person – dafür können wir auch eine Luxus-Kreuzfahrt oder einen 3-Wochen-Urlaub in der Karabik machen. Irgendetwas müssen wir uns einfallen lassen. Wie soll das erst in Frankreich werden, wenn wir aufgrund von Sprachproblemen nicht mehr verhandeln können? Aber selbst die 2 oder 3 Etappen bis Trier übersteigen unser Budget schon erheblich.
 
"Der Weg gibt Dir alles, was Du brauchst – aber nicht mehr!" Vielleicht ist das so – aber im Moment zweifeln wir ein wenig daran.
 
Erkenntnis des Tages:
 
Trinkwasser ist unser kostbarstes Gut
 

7. Tag Löf – Treis 26.01.2007

 
"Frisch, fromm, fröhlich, frei" gemäss Turnvater Jahns Spruch ging es gegen 10 Uhr in Löf am Bahnhof los. Wunderschönes Winterwetter, diesmal ausnahmsweise auch kalt, aber trocken – das war für Gabi und mich die Hauptsache.
 
Bis Hatzenport auf dem Moselradweg – tatsächlich keine berauschende Sache. Autos im Minutentakt – ob die sich alle an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten? Ich habe da so meine Zweifel.
 
In Hatzenport begann der Anstieg auf die Eifelhöhen in Richtung Burg Eltz. Schon hinter der nächsten Moselbiegung konnten wir Burg Bischofstein vor uns liegen sehen, heute das Schullandheim eines Krefelder Gymnasiums. Aber für uns ging es immer weiter nach oben, der Anstieg endete erst oberhalb von Bischofstein mit einem herrlichen Ausblick auf das Örtchen Burgen (naja, so herrlich war der dann doch wieder nicht – Wohnwagen im Winterquartier und ein paar Häuser).
 
Immer weiter in Richtung Burg Eltz, durch die verschneiten Wälder, erst kurz vor dem Elztal kommt der Moselhöhenweg bei der Antoniuskapelle auf die asphaltierte Strasse Richtung Eltz. Schon ein besonderes Schauspiel, an einem der Aussichtspunkte in Höhe der Trutzeltz-Ruine mit einem wunderschönen Blick auf eine der besterhaltenen Burgen Deutschlands eine Rast einzulegen.
 
Es stellt sich schon die Frage, warum diese Burg gerade hier, in einem engen Tal, errichtet wurde. Die naheliegende Antwort: es lief eine wichtige Handelsstrasse durch das Elztal. Aber die versteckte Burg war in späterer Zeit wohl nicht so einfach zu finden. Nur einmal berichten die Geschichtsbücher von einer kriegerischen Auseinandersetzung. Da wurde Burg Eltz belagert und zu diesem Zwecke die Burg Trutzeltz errichtet (Fotounterschrift fälschlicherweise Vorburg – naja, ich hätte vorher nachlesen sollen :-)). Seit mehr als 800 Jahren ist die Burg jetzt in Familienbesitz – und scheint sich auch ganz gut zu tragen, denn diese Burg zieht die Besucherströme magisch an.
 
Wir durften das bei der Rast erleben, als eine Gruppe gut gekleideter Herrschaften neben uns stand und den Blick auf Burg Eltz genossen. Plötzlich bot uns eine der Damen ein Schokohörnchen zur mitgebrachten Apfelsaftschorle an. "Ich muss immer etwas zum Essen bei mir haben – man hört so oft von Staus auf der Autobahn und von hungernden und frierenden Fahrzeugsinsassen – jetzt brauche ich das Hörnchen nicht mehr, wollen Sie es haben?" Ganz ehrlich, ich checkte ganz schnell in Gedanken unser Aussehen. Sahen wir wirklich so verhungert aus? Nun gut, ich habe mich seit Weihnachten nicht mehr rasiert, die Jeans sind unten ganz schön dreckig. Aber ich hatte frisch geputzte Schuhe an. Also mit Tippelbrüdern waren wir wohl nicht zu verwechseln. Gabi nahm das Hörnchen dankend an, ihr Kommentar: "Das leckerste Schokoladen-Hörnchen, das ich jemals gegessen habe!"
 
Unten am Elzbach entdeckten wir noch etwas ganz besonderes. Die Eiseskälte der vergangenen Nacht liess das Wasser an Ästen und Wurzel gefrieren – und weil der Elzbach schon etwas unruhiger ist, bildeten sich nicht Eiszapfen, sondern Eiskugel, die wie Weihnachtsschuck aussahen.
 
Schon bald erreichten wir Karden und liefen zunächst an dem Hof vorbei, von dem wir wussten, dass hier "Schlafen im Heu" angeboten wird. Auch hier hatte ich am Dienstag angerufen – das Angebot der Übernachtung in der Scheune aber dankend abgelehnt. Von der folgenden Anhöhe hatten wir einen schönen Blick auf Karden und auf St. Kastor, der Stiftskirche. "Wollen wir Geld sparen?" fragte Gabi hier oben, "wir können ja jetzt zurückwandern, nach Hause fahren und dort schlafen. Es ist noch sooo früh!" Mein Kommentar? "Wenn Du den Rucksack trägst!" Der drückte nun schon ganz ordentlich mit seinen rund 9 kg. Diesmal hat sich Gabi eine Antwort gespart.
 
Für die Stiftskirche haben wir uns ein wenig mehr Zeit genommen und dann auch an einem Seitenaltar den Schutzpatron unserer Pilgerschaft auf dem Jakobsweg, den Heiligen Jakobus entdeckt. Der Altar ist datiert aus dem Jahr 1632 – und so passt die Darstellung des Jakobus auch in das 17. Jahrhundert. Mit Pilgerstab, Pilgerhut und einem Kragen mit Jakobsmuscheln. St. Kastor ist bestimmt einen Besuch wert.
 
Schnell ist Treis auf der Hunsrückseite über eine Brücke zu erreichen. In einem Supermarkt kauften wir noch schnell unseren Getränkevorrat für den nächsten Tag. Ich musste schnell wieder heraus, mir war es zu warm geworden. Und auf mein freundliches "Schönen Tag noch!" rief dann die Kassiererin mir laut nach: "Können wir noch etwas für Sie tun?" Was hat die sich wohl gedacht?
 
Um unseren Tagesstempel zu bekommen, sind wir dann noch zum Pfarrhaus gegangen. Geschlossen! Auch auf Klingeln rührte sich da nichts. Da lobe ich mir schon unsere Diaspora im heimischen Weilburg, zumindest ist unser Pfarrhaus nicht nur 2 x im Monat geöffnet, wie hier in Treis.
 
Das Gasthaus Gräf, in dem wir unser Zimmer gebucht hatten, war noch geschlossen und auch auf Klingeln und Klopfen kam keine Antwort. Ein Schild verriet uns, dass die Mittagspause bis 17:30 Uhr dauern sollte – da es aber erst 4 Uhr war, suchten wir ein Kaffee und liessen uns da auf die Stühle fallen. Hier gab es den besten Kuchen, den wir seit langer Zeit gegessen haben. Und ein freundliches Gespräch über Treis und Karden und Karneval und Übernachtungsmöglichkeiten gab es auch noch dazu. Hier hätten wir sitzenbleiben können. Aber dann rief die freundliche Besitzerin bei Gräf an – "Sie macht jetzt auf!" und wir konnten den kurzen Weg in unser Gasthaus herübergehen.
 
Der Abend verging schnell. 2 x Jägerschnitzel mit Pommes, ein ganz passabler offener Roter aus der Gegend – und wir lagen früh im Bett.
 
Erkenntnisse des Tages:
 
1. Geschenkte Schokohörnchen sind Spitze
2. Bei 9 kg Rucksack-Gewicht transportiert man Vorräte am Besten im Magen
3. Die Mosel ist auch im Winter schön 
 
 

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