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Lahn-Camino (Pilgerbericht vom 06.04.2008)

 

Hallo lieber Kajo und liebe Gabi,

etwas verspätet aber doch wie versprochen melde ich mich um euch von meinen Erlebnissen auf dem Lahncamino zu berichten. Zuerst einmal möchte ich mich noch einmal für eure herzliche Gastfreundschaft bedanken. Diese Herzlichkeit und Menschlichkeit sollte mir in den darauffolgenden Tagen auf dem Camino noch öfters begnegen und gehört im Nachhinein mit zu den schönsten Erfahrungen auf dem Camino.

Gleich am nächsten Tag war es soweit. Schon nach wenigen KM meldeten sich bei mir die ersten Schmerzen an der linken Achillessehne und dem rechten Knie, die sich in den darauffolgenden Tagen noch verstärken sollten und mir ganz schön zu schaffen machten.

In Elkerhausen machte ich einen Stopp bei der Galerie. Ich klingelte und die Dame öffnete mir. Ich konnte dann mit Ihr einen kleinen Rundgang durch die Ausstellung machen, das Museum war noch geschlossen. Sie war zwar freundlich, kam mir aber doch etwas aufmüpfig rüber.Als ich dann aus der Galerie kam, merkte ich an meinen Gelenken das die letzten Kilometer bis Villmar ganz schwer werden. Ich schleppte mich dann noch bis Langhecke. Dort in diesem kleinen Nest angekommen mußte ich mir dann eingestehen, es geht heute nicht weiter, hier ist für dich die Etappe vorbei.Ich humpelte zur Hauptstraße und wollte zuerst per Anhalter fahren. Da aber kein Auto durch das Nest furh, sprach ich dann einfach die Bewohner an ob Sie mir eine Nummer von einem Taxi raussuchen könnten? Der erste sagte er habe dafür keine Zeit?! Der nächste sagte dann :" Ich kann Sie auch nach Villmar fahren!"

Ich traute zuerst meinen Ohren nicht??! Aber ich hatte richtig gehört, dieser nette Mann fuhr mich dann nach Villmar bis vor die Pension Behr. Die Pension kann ich nur weiterempfehlen, sehr nette Leute, saubere Zimmer und ruhige Lage. Ich ließ mir dann abends was von einem Lieferservice zu essen bringen, und somit war der 2. Tag geschafft!

Am nächsten Morgen nachdem ich gefrühstückt hatte und in die Schuhe geschlüpft bin, merkte ich sofort nach wenigen Metern, so kann ich heute unmöglich die Etappte laufen. Meine linke Achillessehne schmerzte höllisch, sodaß ich nur noch humpeln konnnte. Ich humpelte dann so einige Meter durch das Wohngebiet und kam dann an einer Physiotherapeutenpraxis vorbei. Ein Geschenk des Himmels!! Ich also da rein, kurz erläutert um was es geht. Dort bekam ich dann die linke Achillessehne getapt. Dies war eine spürbare Verbesserung, sodass ich den linken Fuß wieder belasten konnte. Spätestens danach, fühlte ich mich nicht mehr als Wanderer, sonder als Pilger und wußte das ich dem Weg vertrauen kann!!

Mit diesen kleinen wie großen "Zufällen" und Geschenken ging es die nächsten Tage weiter. Ob es eine ersehnte Bank war nach einem anstrengenden Anstieg oder das Finden eines passenden "Pilgerstabes" im Wald um besser die Höhen rauf und runter zu kommen, immer wieder machte ich die Erfahrung das der Weg einem alles gibt was man braucht. Man muss das Anliegen einfach beim "Universum" bestellen, und dann darauf vertrauen das er zur rechten Zeit erfüllt wird, ohne ständig daran zu denken!

Ich besuchte auch sehr oft Kirchen und genoß die Stille und Ruhe darin. Im Kloster Arnstein hatte ich die schönste menschliche Begnegung mit einem Patre. Wir hatten ein langes und interessantes Gespräch. Er zeigte mir das Kloster und die Wallfahrtskirche. Dort verbrachte ich dann wieder einige Minuten allein in Stille und Andacht,ein sehr schönes Erlebniss.

Probleme bereitet mir immer wieder der Windbruch von dem letzten Sturm, auf den teils schmalen Lahnhöhenweg. Kurz vor Laurenburg mußte ich sogar umdrehen und auf die Kreisstraße runterlaufen.

Die Pension Klose in Obernhof kann ich persönlich nur bedingt empfehlen, die gute Frau Klose war mir zu unfreundlich und kleinkariert! Nur ein kleines Beispiel: Morgens beim Frühstück fragte ich ganz höflich ob ich noch ein kleines max. 0.2l glas Orangensaft bekommen könnte? Ihre Antwort: " Nein, das ist das Frühstück was alle bekommen!" und verschwand aus der Tür. Kleinkariertheit in Reinkultur!! Ansonsten waren die Unterkünfte alle ok.

In Diez im Gasthof "Zum Kreuzhof" war das Bad und die Toilette zwar auf der Etage, was aber für mich kein Problem war, war alles sauber. Die letzte Etappe von Bad Ems nach Lahnstein, mußte ich morgens wegen Sturm und Schneeregen abrechen. Ansonsten hatte ich richtig Glück mit dem Wetter, auch tage mit richtig sonnigen Abschnitten.

Abschliessend kann ich sagen, das diese 6 Tage mit die anstrengsten und gleichzeitig auch die schönsten in meinem Leben waren. Durch die Natur und die Umgebung, den Begnegungen mit den Menschen und dem völligen konzentriert sein auf sich selbst, bin ich mir selber und dem göttlichen ein großes Stück näher gekommen! Was bleibt sind die schönen Erinnerungen, das freuen über die kleinen Dinge im Leben und die Vorfreude auf den nächsten Camino. Ich habe vor in diesem Sommer an der Mosel entlang zu pilgern. Dazu hätte ich eine Bitte an dich lieber Kajo: Welche aktuelle Auflage gibt er zur Zeit von dem Moselcamino?? Beim nächsten mal möchte ich auf jeden FAll die aktuelleste haben?:-) Besteht die Möglichkeit das Buch über dich zu beziehen? So das soll es von mir gewesen sein, euch alles Gute und vielleicht sieht man sich mal wieder auf einem Camino.

Liebe Grüsse Oliver

Branntweinsbek bei Stolk

 

Ich habe mich doch vor ein paar Tagen darüber aufgeregt, dass die Schleswig-Holsteiner nicht beikommen. Für manche stimmt das immer noch (z.B. für die Presseabteilung vom Schloss Gottorf, die mich einer Antwort auf meine Anfrage für nicht würdig halten), aber beim Bürgermeister Paulsen aus Stolk muss ich Abbitte leisten. Und weil die Antwort so schön, nett und freundlich ist, gebe ich sie hier im Original wieder:

 

Sehr geehrter Herr Schäfer,

vielen Dank für Ihre Anfrage, mit der Sie unseren kleinen Bach für eine hoffentlich große Leserschaft bekannt machen wollen. Bitte entschuldigen Sie, dass Sie erst jetzt eine Antwort erhalten – ich musste mich erst selbst sachkundig machen und einen Tag ohne Termine als Bürgermeister abwarten.

Herausgefunden habe ich leider nichts, was auf eine originelle Geschichte hindeuten könnte. Zwar ist dieser Bach immer eine große Grenze gewesen (heute zwischen zwei Gemeinden und zwei Ämtern, früher in seinem Unterlauf zwischen zwei Landkreisen, ganz früher zwischen herzoglichem und königlich-dänischem Landbesitz); aber ob eine Furt zum Schmuggeln von Branntwein über eine mögliche Zollgrenze hinweg benutzt wurde, ist rein spekulativ.

Unser örtlicher Fachmann für Sprachgeschichte geht vielmehr davon aus, dass es beim Aufschreiben eines mündlich überlieferten, daher lautlich veränderten und in der breiten Bevölkerung nicht mehr begründbaren Namens zu einer Fehldeutung gekommen ist. Er deutet den Namen als ursprünglich „bravibek“ von altdänisch „bra“=Abhang, Kante und „vi“ als Kurzform zu „vihi“=Wiese sowie dem bekannten „bek“=Bach.

Demnach wäre die Branntweinsbek der Bach, der durch Wiesenland mit deutlich sichtbaren Abhängen führt – und genau das ist bis auf den heutigen Tag typisch für diesen Wasserlauf zwischen den beiden Brücken zum östlichen und westlichen Elmholz.

Auch wenn Sie diese Erklärung für Ihren Wanderführer nicht gebrauchen können, wünsche ich Ihnen für dieses Werk gutes Gelingen, eine weite Verbreitung und für Ihre künftige Arbeit als Reiseschriftsteller viel Erfolg.

Von der kleinen Branntweinsbek sendet Ihnen schöne Grüße an die große Lahn

Ihr

Heiner Paulsen

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