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Wochenendtipp: Geschichte Chinas zum Anfassen in Weilburg

 

Weilburg, die ehemalige nassauische Residenzstadt an der Lahn, hat nicht nur eine der schönsten Schlossanlagen Hessens zu bieten, sondern auch die größte permanente Tonkrieger-Ausstellung außerhalb Chinas.

Terrakotta-Armee lädt zum Besuch

In Weilburg an der Lahn, zwischen Limburg und Wetzlar gelegen, lebt chinesische Geschichte wieder auf. Inzwischen sind es 342 lebensgroße Terrakotta-Krieger, 24 Pferde, 6 Streitwagen und zwei bronzene Kaiser-Gespanne, die den Besucher in der größten ständigen Ausstellung außerhalb von China erwarten.

Die Terrakotta-Armee des ersten chinesischen Kaisers

Der erste Kaiser von China, Quin Shi Huangdi, ließ im Jahr 221 v. Chr., unmittelbar nach seiner Krönung, mit den Arbeiten zu seinem gigantischen Grabmal beginnen. Vermutlich waren mehr als 700000 Arbeiter insgesamt 37 Jahre damit beschäftigt, die mächtige Grabanlage auf einer Fläche von 225 km² zu vollenden. Bewacht wurde sie von einer mehr als 7000 Mann starken Terrakotta-Armee. Keiner dieser Krieger gleicht dem anderen. Jeder ist einzigartig. Und bis heute ist den Wissenschaftlern ein Rätsel, wie die lebensgroßen Terrakotta-Figuren vor fast 2200 Jahren hergestellt werden konnten.

Geheimnis des Grabhügels

Noch verbirgt der ungeöffnete Grabhügel seine Geheimnisse. Zunächst sind die Archäologen damit beschäftigt, die unzähligen Terrakotta-Soldaten, die Gespanne und all die anderen archäologischen Kostbarkeiten auszugraben, zu sichern und zu restaurieren. Bis dahin haben wir nur die Aufzeichnungen eines chinesischen Historikers aus der Zeit um 100 v. Chr. Er schreibt, dass tausende von Perlen und Edelsteinen an der Decke den Sternenhimmel darstellen und auf dem Boden ein Panorama Chinas mit Flüssen dargestellt ist, in dem ständig Quecksilber fließt. Wir dürfen also gespannt sein.

Das 8. Weltwunder in Weilburg

 Beim Betreten der Ausstellungshalle steht der Besucher zunächst vor der Nachbildung eines Teils der chinesischen Mauer und nachdem die Treppen zur Empore überwunden sind, fällt der Blick über die Reihen der Grabwächter. Weilburg beherbergt seit drei Jahren die Ausstellung mit den Duplikaten von mehr als 300 dieser Terrakotta-Krieger. Und ist damit die größte ständige Ausstellung außerhalb von China, dessen Regierung die Originale des 8. Weltwunders nicht außer Landes gibt. Neu hinzu gekommen im April 2009 sind 42 Tonkrieger, die jetzt auch farbig gestaltet sind. Erst die Untersuchungen von deutschen und chinesischen Experten erlaubten es vor ein paar Jahren, die Originalfarbe zu erhalten und gaben damit die Möglichkeit zu einer exakten Rekonstruktion.

Ihr Wochenendausflug

An Samstagen und Sonntagen ist die Ausstellung von 10:30 Uhr bis 16:30 Uhr geöffnet, der Eintritt mit Führung beträgt für Erwachsene 7,50 Euro, für Schüler 5,50 Euro. Die Familienkarte kostet 22 Euro, Kinder bis 6 Jahre haben freien Eintritt. Weilburg ist von Frankfurt kommend leicht über die Bundesstraße 456 zu erreichen, von Limburg oder Wetzlar nehmen Sie die Bundesstraße 49. In Weilburg ist die Tonkrieger-Ausstellung ausgeschildert.

Fotos © Tonkrieger-Ausstellungs GmbH

Ich lass nicht locker …

 

… denn so sehr ich den Lahnsteig auch schätze: Die dafür geplante Infrastruktur gerät zur Provinzposse. Zur Erläuterung sei gesagt, dass bei einem Ortstermin an der B 456 mit Herrn Bürgermeister Hans-Peter Schick und der SPD-Fraktion im Weilburger Stadtparlament die Herrschaften auf die Idee kamen, eine Fußgängerüber- oder -unterführung der Bundesstraße zwischen Weilburg und Weilmünster ins Gespräch zu bringen.

Hier mein Leserbrief vom 26. August 2008:

 

Der geplante Lahnsteig

Uralter Jakobsweg macht’s vor

Der geplante Wanderweg "Lahnsteig" über 280 Kilometer vom Rothaargebirge bis zur Lahnmündung führt 62 Kilometer durch den Kreis Limburg-Weilburg, davon 22 Kilometer durch das Gebiet der Stadt Weilburg. Die Stadt rechnet mit Investitionen von 35 000 Euro.

Aus dem Stadtsäckel fließen 1.590 Euro in jeden der 22 km Qualitätswanderweg Lahnsteig. Und 256 Euro wird der Unterhalt und das Marketing eines jeden Lahnsteig-Kilometers den Steuerzahler in Weilburg dann zukünftig kosten. Und jetzt, fast wie ein Posse, muss noch die B456 über- oder unterquert werden. Was man mit diesem Geld alles machen könnte …

Gut, zugegeben, eine Investition in die Zukunft. Immerhin spricht ganz Europa vom vorbildlichen Rheinsteig. Aber wir sollten uns einmal klarmachen, wo der Rheinsteig mit seinen 125000 Wanderern jährlich liegt und mit welchen Attraktionen er aufzuwarten hat. Da ist das Weltkulturerbe Mittelrheintal noch nicht einmal die größte Sehenswürdigkeit.

Einen Bruchteil der Investitionen wünsche ich mir für den Lahn-Camino, den uralten Jakobsweg von Wetzlar nach Lahnstein. Der auf vorhandenen Wanderwegen durch Weilburg läuft und deshalb keinen zusätzlichen Unterhaltungsaufwand kostet. Marketing dafür findet sehr erfolgreich auf privater Ebene statt. Und da der Pilgerweg seit Jahren vom Tiergarten an der Strasse entlang bis zur Kreuzung B 456 läuft, braucht es für ihn auch keine Investitionen in Millionenhöhe. Aber eine neue Wegführung für diesen lebensgefährlichen Streckenabschnitt, oder eine Hinweistafel oder eine Jakobsstele in der Stadt, das wäre schon wünschenswert.

Ein ganz kleiner Teil der Aufmerksamkeit von Bürgermeister, Magistrat, Geschäftsleuten und Bürgern Weilburgs – und einen Bruchteil der Investitonen – könnte der Lahn-Camino gebrauchen. Und zahlt diese Aufmerksamkeit dann auch in Form von Tourismusumsatz und Tourismusarbeitsplätzen an uns alle zurück.

Karl-Josef Schäfer, Weilburg

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