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Schlagwort: engen

Anhang 2 – Stadtrundgang Cochem

 

(Dauer: ohne ausgiebige Pausen, längere Aufenthalte und Besichtigungen: ca. 1,5 – 2 Stunden)

Ausgangspunkt ist ‚Stammbaum der Stadt Cochem’ am Carlfritz-Nicolay-Platz an der (Vorland-) Brücke. Seit 1982 informiert hier ein vom 1997 verstorbenen Cochemer Grafiker Carlfritz Nicolay entworfenes Keramik- und Naturstein-Mosaik über die Geschichte der Stadt. Den eigentlichen Mittelpunkt bildet das Stadtwappen, um das sich, wie Äste an einem Baum, die Themen gruppieren, die in besonderer Beziehung zu Stadt und Land – und dem Bürger im Besonderen – stehen.

Weiter geht es nach links zum Hotel ‚Alte Thorschenke’ (1625), dann unter dem Enderttor, das nach Verleihung der Stadtrechte 1332, im Zuge der Stadtmauer als Stadtmauer erbaut wurde, hindurch zur Treppe ‚Hinter Kempeln’. Hier führen 102 Stufen hinauf zum Klosterberg, wo schon 862 die Burg Kemplon stand. Zwischen dem Seniorenwohnheim St. Hedwig und der Friedhofsmauer führt der Weg zum 1608 errichteten ehemaligen Kapuzinerkloster. Lange Jahre als Volksschule genutzt, befindet sich hier heute ein städtisches Kulturzentrum.

Nachdem wir einen Blick über die Dächer der Cochemer Oberstadt geworfen haben, steigen wir am Westportal die Treppe hinab zur Obergasse, wo wir insbesondere das aus dem Jahr 1704 stammende Winzerhaus (Hausnummer 24) bewundern.

Unmittelbar links davon sehen wir von unten das Balduintor, ein weiteres teilweise erhaltenes Stadttor, betreten aber links einen engen, eher unscheinbaren Pfad, um ein Stück entlang der Stadtmauer zu genießen. Über die schmale Treppe ‚Am Rähmchen’ gelangen wir zur Oberbachstraße, auf der unser Weg zunächst ein wenig aufwärts führt, an der evangelischen Kirche vorbei links ab in die Märtschelt. Auch hier geht es wieder nach links, diesmal hinauf zum Tummelchen mit seinem Zuckertürmchen. Auch dieses gehörte zur Stadtbefestigung.

Hoch über uns thront die Reichsburg, die wir binnen einer Viertelstunde, nach einiger Anstrengung, erreicht haben.

Nach der Besichtigung geht es wieder zurück; allerdings vor dem ersten Parkplatz gleich links auf einen Pfad, der sich entlang des Burgberges windet. Bald schon erreichen wir die Pestkapelle St. Rochus (Neubau von 1680). Unter diesem Namen kennt sie aber kaum jemand hier, wird sie doch überall Peterskapelle genannt.

Das Martinstor, der Cochemer sagt ‚Mäuschesportz’, ist ein weiterer Restteil der ehemaligen Stadtmauer und führt in den ‚Burgfrieden’ und weiter zur Herrenstraße. Zu bestaunen ist besonders das originell gestaltete Fachwerkhaus Nr. 24 (‚Schiefes Haus’).

Wir gehen wieder ein kleines Stück zurück und nehmen den ersten Weg zur Moselpromenade. Zwischen parkenden Autos und einer Vielzahl gastronomischer Betriebe versuchen wir dennoch, den Reiz der alten Fachwerkbauten auf uns wirken zu lassen. Unter der Hausnummer Nr. 12 finden wir ein besonders stattliches Bürgerhaus aus dem Jahr 1654 (Haus Molls). Wir machen uns dessen Torbogen zunutze und kommen über die Unterbachstraße auf den Marktplatz, in dessen Zentrum der St.-Martins-Brunnen steht. Martin (in Cochem ‚Mertes’ – das erste e wird lang gesprochen – genannt) ist der Schutzpatron der Stadt. Ohne andere Wohn- und Geschäftshäuser abwerten zu wollen: Prunkstück ist freilich das Rathaus aus dem Jahr 1739. Unter dem Turm der Pfarrkirche St. Martin gelangen wir über die Bernstraße wieder zurück zum Carlfritz-Nicolay-Platz.

7. Tag Löf – Treis 26.01.2007

 
"Frisch, fromm, fröhlich, frei" gemäss Turnvater Jahns Spruch ging es gegen 10 Uhr in Löf am Bahnhof los. Wunderschönes Winterwetter, diesmal ausnahmsweise auch kalt, aber trocken – das war für Gabi und mich die Hauptsache.
 
Bis Hatzenport auf dem Moselradweg – tatsächlich keine berauschende Sache. Autos im Minutentakt – ob die sich alle an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten? Ich habe da so meine Zweifel.
 
In Hatzenport begann der Anstieg auf die Eifelhöhen in Richtung Burg Eltz. Schon hinter der nächsten Moselbiegung konnten wir Burg Bischofstein vor uns liegen sehen, heute das Schullandheim eines Krefelder Gymnasiums. Aber für uns ging es immer weiter nach oben, der Anstieg endete erst oberhalb von Bischofstein mit einem herrlichen Ausblick auf das Örtchen Burgen (naja, so herrlich war der dann doch wieder nicht – Wohnwagen im Winterquartier und ein paar Häuser).
 
Immer weiter in Richtung Burg Eltz, durch die verschneiten Wälder, erst kurz vor dem Elztal kommt der Moselhöhenweg bei der Antoniuskapelle auf die asphaltierte Strasse Richtung Eltz. Schon ein besonderes Schauspiel, an einem der Aussichtspunkte in Höhe der Trutzeltz-Ruine mit einem wunderschönen Blick auf eine der besterhaltenen Burgen Deutschlands eine Rast einzulegen.
 
Es stellt sich schon die Frage, warum diese Burg gerade hier, in einem engen Tal, errichtet wurde. Die naheliegende Antwort: es lief eine wichtige Handelsstrasse durch das Elztal. Aber die versteckte Burg war in späterer Zeit wohl nicht so einfach zu finden. Nur einmal berichten die Geschichtsbücher von einer kriegerischen Auseinandersetzung. Da wurde Burg Eltz belagert und zu diesem Zwecke die Burg Trutzeltz errichtet (Fotounterschrift fälschlicherweise Vorburg – naja, ich hätte vorher nachlesen sollen :-)). Seit mehr als 800 Jahren ist die Burg jetzt in Familienbesitz – und scheint sich auch ganz gut zu tragen, denn diese Burg zieht die Besucherströme magisch an.
 
Wir durften das bei der Rast erleben, als eine Gruppe gut gekleideter Herrschaften neben uns stand und den Blick auf Burg Eltz genossen. Plötzlich bot uns eine der Damen ein Schokohörnchen zur mitgebrachten Apfelsaftschorle an. "Ich muss immer etwas zum Essen bei mir haben – man hört so oft von Staus auf der Autobahn und von hungernden und frierenden Fahrzeugsinsassen – jetzt brauche ich das Hörnchen nicht mehr, wollen Sie es haben?" Ganz ehrlich, ich checkte ganz schnell in Gedanken unser Aussehen. Sahen wir wirklich so verhungert aus? Nun gut, ich habe mich seit Weihnachten nicht mehr rasiert, die Jeans sind unten ganz schön dreckig. Aber ich hatte frisch geputzte Schuhe an. Also mit Tippelbrüdern waren wir wohl nicht zu verwechseln. Gabi nahm das Hörnchen dankend an, ihr Kommentar: "Das leckerste Schokoladen-Hörnchen, das ich jemals gegessen habe!"
 
Unten am Elzbach entdeckten wir noch etwas ganz besonderes. Die Eiseskälte der vergangenen Nacht liess das Wasser an Ästen und Wurzel gefrieren – und weil der Elzbach schon etwas unruhiger ist, bildeten sich nicht Eiszapfen, sondern Eiskugel, die wie Weihnachtsschuck aussahen.
 
Schon bald erreichten wir Karden und liefen zunächst an dem Hof vorbei, von dem wir wussten, dass hier "Schlafen im Heu" angeboten wird. Auch hier hatte ich am Dienstag angerufen – das Angebot der Übernachtung in der Scheune aber dankend abgelehnt. Von der folgenden Anhöhe hatten wir einen schönen Blick auf Karden und auf St. Kastor, der Stiftskirche. "Wollen wir Geld sparen?" fragte Gabi hier oben, "wir können ja jetzt zurückwandern, nach Hause fahren und dort schlafen. Es ist noch sooo früh!" Mein Kommentar? "Wenn Du den Rucksack trägst!" Der drückte nun schon ganz ordentlich mit seinen rund 9 kg. Diesmal hat sich Gabi eine Antwort gespart.
 
Für die Stiftskirche haben wir uns ein wenig mehr Zeit genommen und dann auch an einem Seitenaltar den Schutzpatron unserer Pilgerschaft auf dem Jakobsweg, den Heiligen Jakobus entdeckt. Der Altar ist datiert aus dem Jahr 1632 – und so passt die Darstellung des Jakobus auch in das 17. Jahrhundert. Mit Pilgerstab, Pilgerhut und einem Kragen mit Jakobsmuscheln. St. Kastor ist bestimmt einen Besuch wert.
 
Schnell ist Treis auf der Hunsrückseite über eine Brücke zu erreichen. In einem Supermarkt kauften wir noch schnell unseren Getränkevorrat für den nächsten Tag. Ich musste schnell wieder heraus, mir war es zu warm geworden. Und auf mein freundliches "Schönen Tag noch!" rief dann die Kassiererin mir laut nach: "Können wir noch etwas für Sie tun?" Was hat die sich wohl gedacht?
 
Um unseren Tagesstempel zu bekommen, sind wir dann noch zum Pfarrhaus gegangen. Geschlossen! Auch auf Klingeln rührte sich da nichts. Da lobe ich mir schon unsere Diaspora im heimischen Weilburg, zumindest ist unser Pfarrhaus nicht nur 2 x im Monat geöffnet, wie hier in Treis.
 
Das Gasthaus Gräf, in dem wir unser Zimmer gebucht hatten, war noch geschlossen und auch auf Klingeln und Klopfen kam keine Antwort. Ein Schild verriet uns, dass die Mittagspause bis 17:30 Uhr dauern sollte – da es aber erst 4 Uhr war, suchten wir ein Kaffee und liessen uns da auf die Stühle fallen. Hier gab es den besten Kuchen, den wir seit langer Zeit gegessen haben. Und ein freundliches Gespräch über Treis und Karden und Karneval und Übernachtungsmöglichkeiten gab es auch noch dazu. Hier hätten wir sitzenbleiben können. Aber dann rief die freundliche Besitzerin bei Gräf an – "Sie macht jetzt auf!" und wir konnten den kurzen Weg in unser Gasthaus herübergehen.
 
Der Abend verging schnell. 2 x Jägerschnitzel mit Pommes, ein ganz passabler offener Roter aus der Gegend – und wir lagen früh im Bett.
 
Erkenntnisse des Tages:
 
1. Geschenkte Schokohörnchen sind Spitze
2. Bei 9 kg Rucksack-Gewicht transportiert man Vorräte am Besten im Magen
3. Die Mosel ist auch im Winter schön 
 
 

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