Geschichte - Kultur - Spiritualität

Schlagwort: dunkel

Anhang 3 – Stadtrundgang Trier

 

Die Auswahl für einen Stadtrundgang fällt nicht leicht – in kaum einer anderen Stadt hat die UNESCO so viele Baudenkmäler auf die Liste der Weltkulturgüter gesetzt. Vielleicht haben Sie ja noch ein paar Stunden, bevor Ihr Zug fährt. Oder Sie können noch einen Tag anhängen, um sich für Trier die angemessene Zeit zu nehmen (so haben meine Frau und ich es gemacht, als wir auf unserem Jakobsweg nach Trier gekommen sind).

Ein ‚Muss’ in Trier sind aber, neben der für Pilger so wichtigen Basilika St. Matthias:

· Porta Nigra

· Dreikönigenhaus

· Hauptmarkt

· Dom

· Konstantinbasilika

· Kurfürstliches Palais

· Kaiserthermen

· Amphitheater

Wir schlagen folgenden Rundgang vor, der Sie in aller Kürze zu den genannten Sehenswürdigkeiten bringt (abgesehen vom etwas außerhalb des Zentrums gelegenen Amphitheater).

Beginnen wir unseren Rundgang an der Porta Nigra, einem zentralen Ort im heutigen Trier. Außerdem ist in unmittelbarer Nähe die Tourist-Information untergebracht, wo man sich mit einem Stadtplan und ausführlichen Informationen versorgen kann. Auch können hier Stadtführungen gebucht werden.

Das römische Stadttor aus dem 2. Jh. n. Chr. ist das Wahrzeichen der Stadt Trier. Es war der nördliche Zugang zur Stadt. Der Name ‚Porta Nigra’ ist erst seit dem Mittelalter bekannt und kommt von der Farbe des verwitternden und sich dunkel färbenden Sandsteins. Eine endgültige Fertigstellung hat das Tor nie erlebt. Zwar konnte man es durch Falltore verschließen, die aber eigentlich vorgesehenen beweglichen Torflügel wurden niemals eingebaut. Die Bohrungen für die Torangeln wurden angebracht, in die Drehachsen ragen aber noch immer unfertig behauene Quader. Auch die Fassade zur Landseite verstärkt diesen Eindruck noch. Die Halbsäulen dort wurden roh belassen.

Nach seinem Tod im Jahr 1035 wurde der Einsiedler Simeon im Erdgeschoss bestattet. Ihm zu Ehren nutzte man das Tor als Doppelkirche und baute das Simeonstift. Über eine Freitreppe gelangte man direkt in das heutige erste Geschoss des Gebäudes.

Im Zuge der Säkularisation wurden Kirche und Stift 1802 aufgehoben, und bei einem Besuch im Jahr 1804 befahl Napoleon den Rückbau der kirchlichen Anbauten. 

Von der Porta Nigra gehen Sie jetzt in die nach dem Einsiedler benannte Simeonstraße und kommen somit in die Fußgängerzone. Dabei passieren Sie links ein Meisterwerk der Architektur – das Dreikönigenhaus.

Aus einem romanischen Wohnturm des Jahres 1230 entstand hier ein frühgotisches Wohnhaus. Der Eingang war im ersten Stock gelegen und über eine Zugtreppe erreichbar. So konnte bei Gefahr der Turm gesichert werden. Der Name stammt von einem im Haus befindlichen Gemälde der Darstellung des Herrn (Epiphanie), die in unseren Breiten meist mit der Anbetung durch die Heiligen Drei Könige verbunden wird. Zwar ist das Gemälde verschollen, der Name hat sich aber bis heute erhalten.

Nach wenigen Metern erreichen Sie den mittelalterlichen Hauptmarkt, und damit den zentralen und einen der größten Plätze. Mit dem Marktkreuz als Hoheitssymbol wurde der Markt im Jahr 958 durch Erzbischof Heinrich I. ausgestattet. Das Original befindet sich im Städtischen Museum Simeonstift (gleich neben der ‚Porta’. Hier sehen Sie eine Kopie auf der Spitze des mittelalterlichen Prangers. Die Umbauung des Platzes mit Gebäuden der Renaissance, des Barocks und des Klassizismus’ ist auch nach den schweren Bombardierungen des 2. Weltkrieges noch zu 2/3 erhalten. Das Domhotel wurde im deutschen Neo-Renaissancestil erbaut. Die berühmte Steipe, das früher Repräsentationshaus des Stadtrats, stammt aus dem Jahr 1430. Als Jakobspilger werden Sie sich freuen, hier eine Steinfigur des Heiligen Jakobus d. Ä. zu entdecken. Am Roten Haus, gleich dahinter, findet sich der sagenhafte Spruch der Gründung Triers: ganze 1300 Jahre vor Rom!: „Ante Romam Treveris stetit annis mille trecentis“ („Vor Rom stand Trier eintausend und dreihundert Jahre“).

Die Kirche St. Gangolf können Sie nur durch das vor Ihnen liegende barocke Tor betreten – sie ist komplett umbaut.

Wenn Sie jetzt nach links in die Sternstraße abbiegen, stehen Sie vor dem ältesten deutschen Gotteshaus: dem Trierer Dom St. Peter.

Nachdem sich Konstantin I. zum Christentum bekannte, ließ er auf den Resten eines römischen Wohnhauses eine Basilika errichten, die von Bischof Maximin in der Mitte des 4. Jh.s zu einer großen Kirchenanlage mit vier Basiliken, Baptisterium und Nebengebäuden erweitert wurde. Der Kern des heutigen Domes, der sog. Quadratbau, stammt aus dieser Zeit um 340.

Im vierten Jh., in der Völkerwanderung, und dann noch einmal 882 durch die Normannen wurde die Anlage zerstört. Quadratbau und die nördliche Basilika wurden wieder aufgebaut. Erweiterungen und Neugestaltung wurden unter Bischof Egbert (977-993) durchgeführt, die Westfassade zählt zu den typischen Salierbauten. Der Westchor wurde 1196 geweiht, die Osttürme im 14. Jh. erhöht und schließlich im 18. Jh. die Heiltumskammer angebaut. Nach einem verheerenden Dombrand 1717 erfolgte eine barocke Umgestaltung, die jedoch – Gott sei Dank – Anfang des 19. Jhs. wieder rückgängig gemacht wurde.

Im Dom befinden sich zahlreiche Grabmäler ehemaliger Bischöfe von Trier, davon seien nur Balduin von Luxemburg, Richard von Greiffenclau zu Vollrads und Theoderich von Wied genannt. Der Andreas-Tragaltar des bereits genannten Bischof Egberts gehört zu den kostbarsten Kunstwerken. Es handelt sich um eine der bedeutendsten ottonischen Goldschmiedearbeiten.

Der bekannteste Domschatz ist jedoch der ‚Heilige Rock’. In einem Holzschrein, hinter Panzerglas in einem speziellen Anbau wird der Heilige Rock, ähnlich wie das Turiner Grabtuch, nur selten den Gläubigen präsentiert, zuletzt im Jahr 2005. Es soll sich um Fragmente der Tunika Jesu Christi handeln. Nach der Überlieferung wurde ein 30 x 30 cm großes Stück des Leibrocks durch Helena nach Trier gebracht und in das Gewebe genäht. Die Echtheit wurde nie überprüft – ich persönlich halte es auch nicht für wichtig. Heute ist er eher ein Symbol für die unbekannten Begegnungen Jesu mit den Menschen, die niemand beschrieben hat. Der Weg ist das Ziel für die 700.000 Pilger, die im Jahr 1996 zum Heiligen Rock gepilgert sind. Die nächste Wallfahrt ist für 2012 geplant.

Erwähnt werden muss natürlich der Domstein, eine ca. 4 m lange Granitsäule, die links vor dem Haupteingang liegt und von den Trierer Kindern (aber nicht nur von denen) gerne zum Rutschen benutzt. Um ihn ranken sich allerlei Sagen. Am bekanntesten ist vielleicht die, nach der der Teufel mit einer List zur Mithilfe beim Bau des Doms bewogen worden sein. Als der Dom fertig war, merkte er, dass er reingelegt worden war und schleuderte vor Wut diesen Stein gegen die Mauern.

Tatsächlich wurden die alten Granitsäulen (aus dem Odenwald) des Domes während der Völkerwanderung zerstört und mussten im 6. Jh. durch Kalksteinsäulen ersetzt werden. Eine der ausgewechselten Säulen blieb vor dem Südwestportal liegen und wurde später nicht mehr weggeräumt.

Hier bietet sich auch die Gelegenheit, mit dem etwas gewöhnungsbedürftigen Trierer Platt vertraut zu werden.

Julius Friedrich Bernards (1842-1878) widmete dem Domstein die folgenden Zeilen:

Original

Om Duhmstaan sei mer romgerötscht.

Et waor net emmer ginstig.

De Box zerröß, de Kaap verlor,

de Kopp zerschonn, blutrinstig.

Kaom eich dann haam, dao wosst eich gleich

Eich braucht kaan Red’ze haalen.

Eich braucht blus guden Dag ze saon,

det anneret soot mein Ahlen …

Roff de Trepp

Schlich eich mich off den Ziewen.

Doch mein Klepp

Die sien net ausgebliewen.

Hochdeutsche Übersetzung

Auf dem Domstein sind wir herumgerutscht.

Es war nicht immer günstig.

Die Hose zerrissen, die Kappe verloren,

der Kopf zerschunden, blutrünstig.

Kam ich dann heim, da wusste ich gleich,

ich brauche keine Rede zu halten.

Ich brauche bloß guten Tag zu sagen,

das andere sagt mein Vater …

Rauf die Treppe

schlich ich mich auf den Zehenspitzen.

Doch meine Prügel,

die sind nicht ausgeblieben.

Vor dem Dom stehend, geht es weiter nach rechts, vorbei zur gotischen Liebfrauenkirche, der Pfarrkirche dieses Innenstadtbereichs von Trier. Die Pfarrei Trier Liebfrauen ist im Jahre 2000 aus der Fusion der Pfarreien Liebfrauen, St. Agritius, St. Antonius, St. Gangolf, St. Paulus und der Dompfarrei hervorgegangen.

Sie gilt zusammen mit der Elisabethkirche Marburg als die älteste gotische Kirche in Deutschland. Seit 1951 ist sie eine Basilica minor, und sie gehört auch zum Weltkulturerbe; dennoch verläuft sich nur ein Bruchteil der ‚Dom-Touristen’ verläuft sich in dieses Gotteshaus mit seinen hohen Fenstern, so dass Sie hier viel eher eine Atmosphäre vorfinden, die zu Besinnung und Gebet einlädt. Vielleicht finden Sie ja auch den Punkt, von dem man aus alle Apostelbilder auf den zwölf Säulen erkennen kann.

Hinweis: gegenüber von Dom und Liebfrauenkirche befindet sich die Dom-Information und das Pilgerbüro der St. Jakobusbruderschaft Trier (sjb-trier).

Nachdem Sie der Liebfrauenstraße bis zu ihrem Ende gefolgt sind, sehen Sie jetzt einige Schritte weiter das imposante Bauwerk der Konstantinbasilika, der römischen Palastaula, die Konstantin als Thronsaal diente. Die Porta Nigra würde zweimal in dieses Bauwerk passen.

Anfang des 4. Jhs. wurde die Aula erbaut und sollte durch die einmalige Größe und prachtvolle Ausstattung die Macht Roms demonstrieren. Das Innere war mit Marmor verkleidet, in den Nischen standen Marmorstatuen, die Wände und der Fußboden waren beheizt.

Ausgrabungen zeigen, dass die Palastaula auf älteren Gebäuden errichtet wurde und Teil des spätantiken Palastbezirkes war. Reste der Anbauten können in der Nähe besichtigt werden. Im Bereich der Fenster sind Teile des antiken Putzes und des Stucks erhalten geblieben. So sah die Palastaula ursprünglich einmal aus.

Nachdem im 12./13. Jh. der Trierer Erzbischof durch Schenkung in den Besitz der Konstantinbasilika kam, errichtete Lothar von Metternich Anfang des 17. Jh. das Kurfürstliche Palais und integrierte Teile der Palstaula in das Palais. König Friedrich Wilhelm IV. ließ nach Plänen von Carl Schnitzler den ursprünglichen Zustand wieder herstellen.

Seit 1856 wird die Konstantinbasilika von der evangelischen Kirche „auf ewige Zeiten" genutzt, befindet sich aber seit Gründung des Landes Rheinland-Pfalz in dessen Besitz.

Gegenüber dem Kircheneingang steigen Sie bitte die Treppen hinauf und finden sich dann im wunderschönen Palastgarten des Kurfürstlichen Palais von 1794 wieder. Hier konzentrierte sich die kurtrierische Macht. Die Residenz im Stil des Rokoko kann nicht nur von außen besichtigt werden. Seit 1980 Sitz der Bezirksregierung Trier bzw. ihrer Nachfolgebehörde ADD (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion des Landes Rheinland-Pfalz), werden seit Sommer 2007 Besichtigungstage angeboten, abhängig davon, ob offizielle Veranstaltungen stattfinden (Informationen: Tel.: 0651 9494-0)

Nach einem kurzen Spaziergang durch die, zu jeder Jahreszeit herrliche Parklandschaft des Palastgartens erreichen Sie die wichtigste der drei Thermen der Stadt: die Kaiserthermen, eine großflächige Badeanlage, die drittgrößte des römischen Imperiums überhaupt. Um und nach 300 n. Chr. wurde dieser monumentale Repräsentationsbau errichtet.

Neben sportlichen und gesundheitlichen Aufgaben hatten die Thermen besonders auch kommunikative und soziale Bedeutung inne.

Offensichtlich ist der Badebetrieb aber niemals konsequent aufgenommen worden, die gewaltige Grundfläche von 260 x 145 m lässt mehr auf eine repräsentative Funktion schließen.

In diesem Zusammenhang ein kleiner Exkurs in die Geschichte: Als ‚Augusta Treverorum’ wurde das heutige Trier im Jahr 16 v. Chr. von den Römern unter Kaiser Augustus gegründet. Der Name leitet sich von einem Stammesheiligtum des hier lebenden keltischen Stamms der Treverer ab. Im Jahre 293 ernannte Kaiser Diokletian die zu dem Zeitpunkt Treviris genannte Stadt zur römischen Kaiserresidenz und Hauptstadt des weströmischen Reiches. Der in Serbien geborene römische Caesar Konstantin verbrachte einen Teil seiner Amtszeit, die sich von 306 bis 337 erstreckte, in der Kaiserresidenzstadt Trier. Als Imperator Caesar Flavius Valerius Constantinus herrschte er vor rund 1700 Jahren von dieser Stadt aus über Westrom. Erst nachdem Konstantin Alleinherrscher über das römische Imperium und Kaiser des gesamten Reiches wurde, verlegte er seine Residenz 316 in das später nach ihm benannte Konstantinopel, das heutige Istanbul.

Danach verlor Trier von seiner Bedeutung und der Rohbau der Thermen blieb ungenutzt. Erst um 360 n. Chr. wurde die Anlage in eine Kaserne für bis zu 1000 Mann der berittenen kaiserlichen Leibgarde umgebaut.

Das Amphitheater, in Deutschland steht noch ein weiteres im niederrheinischen Xanten, bot nach seiner Fertigstellung um das Jahr 100 rund 20000 Menschen Platz. Es war in die Stadtmauer integriert und bot dem Volk genau das, was man mit ‚Brot und Spiele’ bezeichnet: Es gab Tierhetzen und Gladiatorenkämpfe, hier fanden Hinrichtungen statt, wichtige Ankündigungen wurden ausgerufen.

Um zum Amphitheater zu gelangen, benötigt man von den Kaiserthermen aus etwa eine Viertelstunde.

Weitere bedeutende Gebäude, die es sich lohnt zu besuchen, sind im Innenstadtbereich

· Karl-Marx-Haus in der Brückenstraße (!) 10: Geburtshaus von Karl-Marx, heute Museum

· Jesuitenkirche in der Jesuitenstraße: Ruhestätte von Friedrich Spee

· Viehmarktthermen auf dem Viehmarkt: von einem Glasbau geschütztes Thermen-Museum

Außerhalb der Stadtmauern:

· Römerbrücke (Moselbrücke auf dem Weg nach St. Matthias)

· Barbara-Thermen an der Ecke Südallee/Friedrich-Wilhelm-Straße

· St. Matthias (!!!)

· St. Paulin (spätbarocke Kirche, deren Innenausstattung Balthasar Neumann entworfen hat)

· St. Maximin (ehem. Benediktinerabtei; heute Sporthalle und Konzertsaal)

Alle drei Kirchen sind auf römischen Gräberfeldern errichtet worden.

Von den drei großen Museen ist wohl das Rheinische Landesmuseum das bedeutendste, besitzt es doch nicht erst durch die Konstantin-Ausstellung 2007 internationalen Rang. Der Schwerpunkt liegt bei den römischen Funden (Neumagener Weinschiff!).

Das lichtdurchflutete Bischöfliche Dom- und Diözesanmuseum zeigt einerseits archäologische Funde des frühchristlichen Trier (konstantinische Deckenmalerei), andererseits christliche Kunst aus dem gesamten Bistum.

Das Städtische Museum Simeonstift beherbergt v. a. kulturgeschichtliche Sammlungen der Stadt. Besonders augenfällig ist das Stadtmodell, das Trier um das Jahr 1800 zeigt.

7. Etappe Klüsserath – Schweich = ca. 19 km

Klüsserath – Kahlbach – Zitronenkrämerkreuz – Landwehrkreuz – Schweich = ca. 19 km
Schwierigkeit mittel
Zeit ca. 5 Stunden ohne Pausen und Besichtigungen
Besichtigungen: Schweich

Tagesmotto: “Wecke meine ermüdeten Kräfte aus ihrem Schlaf! Lass mich nicht, meine Verluste zählend, hinter dem Zug zurückbleiben! Lass bei jedem Schritt die Straße unter mir singen von ihrem Ziel, deinem Hause! Denn die Nacht ist dunkel, und dein Pilger ist blind. Halte du meine Hand.“ Rabindranath Tagore

Heute lassen wir es auf der Etappe von Klüsserath ins junge Schweich etwas ruhiger angehen und nehmen uns etwas mehr Zeit als sonst, um all die Schönheiten und Besonderheiten der Natur links und rechts des Weges zu bestaunen. Die Wegmarkierung ist dabei stets das ‚M’, Sie folgen also bis nach Schweich dem Moselhöhenweg.

Bitte überqueren Sie zunächst die Brücke, die am westlichen Ende von Klüsserath über die Salm führt. Sogleich biegen Sie nach rechts ab. Bald schon führt ein Kreuzweg nach links in die Weinberge hinauf. Die Mosaiken der Kreuzwegstationen stammen wohl aus der Mitte des 20. Jhs.; die oben liegende Marien-Kapelle dient auch dem Gedächtnis der Gefallenen der beiden Weltkriege. Das große Mosaik zeigt einen Winzer, der mit der Kiepe auf dem Rücken zur Gottesmutter fleht.

Nun folgt ein Weg hoch über den Weinbergen der ‚Thörnicher Ritsch’ zum gleichnamigen Aussichtspunkt. Der Name Ritsch leitet sich von dem brüchigen Grauschiefer der Lage ab, immer wieder rutschen Felsen ins Tal. Durch die brüchigen Felsen kann in der Ritsch auch keine Flurbereinigung mit Wegebau durchgeführt werden, in dem steilen Gelände würden die Wege abrutschen. Seit 2006 kann man auch über einen Klettersteig vom Parkplatz an der Bundesstraße aus hier hoch kommen. Kaum nachvollziehbar, dass früher die Weintrauben auch von Eseln auf den ‚Wangerstpedchen’ (Weinbergspfade) ins Tal befördert wurden.

Bald schon geht es gleichmäßig auf geteerten Weinbergswegen bergab ins Kahlbachtal. Am Ende des Weinbergsweges halten Sie sich nach links auf der Straße, um nach etwa 300m den Bach zu überqueren. Achtung: bitte nehmen Sie nicht die Zufahrt zum Golfplatz, die sich wenige Meter zuvor befindet! Weiter geht es durch den Wald, dann wieder hoch und runter durch die Weinberge. Sie queren nach ca. 2 km das Kaulenbachtal und erreichen bald das Zitronenkrämerkreuz. Unter den vielen Beweisen der Volksfrömmigkeit, denen Sie bisher auf dem Mosel-Camino begegnet sind, hebt sich dieses Wegkreuz aus dem 18. Jh. ganz besonders ab.

Seit mehr als 200 Jahren steht dieses Gedenkkreuz am Rande einer alten Handelsstraße, dem heutigen Moselhöhenweg, auf der Gemarkung der über 1000 Jahre alten Gemeinde Schleich.

An dieser Stelle soll im Jahre 1687 ein Händler – ein Zitronenkrämer – von seinem Diener ermordet worden sein. Wie die Inschrift besagt, ist das Kreuz errichtet worden von den „Kinder des allhier verstorbenen PI Carove seligen Angedenkens.“ Das Wappen auf der Säule zeigt einen Karren mit rückwärts blickenden Vögeln. Ambros Carove, Sohn eines Thomas, kam zwischen 1651 und 1655 von Lenno (Lenni) am Comersee, Italien, nach Trier. Ambros’ Alter ist nicht bekannt; er oder sein gleichnamiger Sohn wurde 1676 als Zitronenkrämer ins Trierer Krämeramtsbuch eingetragen. Vater oder Sohn muss es gewesen sein, der 1687 auf dem Moselhöhenweg eines gewaltsamen Todes starb. Von Ambros Caroves Sohn Ambrosius nimmt man an, dass er der Erbauer des ‚Hotel Venedig’ (1656 – 1658) in Trier war. Deswegen findet man am Haus ‚Venedig’ in Trier, Ecke Johannis-/Brückenstraße, ein ähnliches, das Carov’sche Wappen – zusätzlich gekrönt von der Statue eines triumphierenden Johannes.

Nach 200 m biegen Sie nach rechts ab (nicht den MV nach Mehring nehmen!) und gehen durch den Mehringer Wald und dann geradeaus über die Wiese unter den gewaltigen Hochspannungsleitungen hindurch zum Landwehrkreuz, das auf fast 410 m NN gelegen ist. Achten Sie hier auf die Markierung: aufgrund von kürzlich durchgeführten Landschaftspflegemaßnahmen ist der Weg über die Wiese nur recht schwierig auszumachen. Der etwas renovierungsbedürftige Rastplatz an diesem alten Wegkreuz aus Buntsandstein bietet sich dennoch für eine kurze Pause an. Vielleicht bietet sich hier auch Gelegenheit, der Mahnung „Gedenke, oh Christ, dass Jesus Christus für dich gestorben ist“, zu folgen. Meistens ist man hier oben von Schafen umgeben – ein besonderer Reiz, sich durch die Herde den weiteren Weg am Mehringer Berg vorbei zu bahnen. Es dauert nicht mehr lange, bis Sie in einen Wald gelangen und sich gleich danach nach rechts halten (auf dem vermeintlichen Hauptweg geht es hinunter nach Longen). Bis zu den Weinbergen geht es durch den Wald beständig nach unten. Sie bleiben oberhalb der Weinberge in etwa auf gleicher Höhe; erst ab der Grillhütte Rupperath geht es wieder bergab. Unter der Autobahn führt der Weg ins Zentrum von Schweich, den Platz an der Pfarrkirche St. Martin.

Schweich

Allgemeines:  Schweich gehört zum Landkreis Trier-Saarburg im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 6560. 

Ansprechpartner: Katholisches Pfarramt St. Martin, Klosterstraße 1a, 54338 Schweich, Tel.: 06502 2327; Tourist-Information Roemische Weinstraße, Brückenstraße 46, 54338 Schweich, Tel. 06502 9338-0, E-mail: schweich@t-online.de

Übernachtung: Ferienweingut Wallerath, Bahnhofstraße 25, 54338 Schweich, Tel: 06502 5554, E-Mail twallerath@web.de, Doppelzimmer/Frühstück ab 42,- Euro; Hotel-Garni Wagner, Langgartenstraße 25, 54338 Schweich, Tel: 06502 92090, E-Mail pension-wagner-schweich@t-online.de, Doppelzimmer/Frühstück ab 24,- Euro; Weingut-Pension Schiff, Schaumbach, 54338 Schweich, Tel: 06502 2787, E-Mail weingut-pension-schiff@web.de, Doppelzimmer/Frühstück ab 48,- Euro

Im Eingangssatz haben wir etwas vom ‚jungen’ Schweich geschrieben. In gewisser Weise ist das auch richtig, denn Schweich an der ‚Roemischen Weinstraße’ bekam die Stadtrechte erst 1984 verliehen. Ausgrabungen einer römischen Villa und archäologische Funde von Mosaikfußboden, Gräberfeld, Münzen, Scherben und Ziegeln zeigen aber, dass hier schon die Römer gesiedelt haben. Der Niederprümer Hof verdankt seine Existenz der fränkischen Königstochter Bertrada, der Mutter Karls des Großen. Diese schenkte den Ort dem Kloster Prüm in der Eifel und sorgte damit für die erste urkundliche Erwähnung im Jahr 721. Heute dient der Niederprümer Hof als Kulturzentrum von Schweich.

Ein kleiner Stadtrundgang führt uns ins Schweich an vielem Sehenswertem vorbei. Eines der beiden Wahrzeichen der Stadt ist der ehemalige Fährturm. Erbaut wurde der massive, fünfeckige Bruchsteinbau gegen Ende des 18. Jhs. Die Spitze ist moselaufwärts gerichtet und diente in kalten Wintern als Eisbrecher. Ursprünglich war das Fährseil zwischen diesem und dem 1902 für den Bau der Moseltalbahn abgerissenen Pendant auf der anderen Moselseite gespannt, mit dem Bau der Brücke wurde aber der Fährbetrieb im Jahr 1906 eingestellt.

Das andere Wahrzeichen ist die Pfarrkirche, deren Turm schon von weitem zu erkennen ist. Ursprünglich befand sich die erste Pfarrkirche aus dem Jahr 1570 an einem anderen Standort. Dann wurde jedoch am heutigen Standort eine Vorgängerkirche 1821 und 1822 erbaut und schließlich, nach einem Brand, zwischen 1894 – 1897 die heutige katholische, neugotische Pfarrkirche St. Martin. Nur der klassizistische Westturm wurde vom Vorgängerbau übernommen. Alle drei Altäre werden von Reliefdarstellungen und Figurenschmuck geprägt. Der Hochaltar zeigt heilsgeschichtliche und biblische Szenen. Die beiden Seitenaltäre sind der Heiligen Maria und dem Heiligen Josef geweiht. Sehenswert sind noch die Fenster im Chor mit Darstellungen von kirchlichen Festen und die Glasfenster in den Querarmen. Taufstein und Kanzel runden das Bild schließlich ab. Aus der ehemaligen, heute säkularisierten Abtei St. Maximin in Trier stammen die beiden unvollständigen Steinfiguren des Heiligen Andreas und Heiligen Johannes an der Außenseite des Chores.

Der schon erwähnte Niederprümer Hof wurde Anfang des 18. Jhs. erbaut und diente unter anderem als Weingut des aldligen Damenstiftes Niederprüm. Heute ist das Gebäude ein Kulturzentrum, in dem auch eine ständige Ausstellung über den Moseldichter Stefan Andres und das Pater-Haw-Museum untergebracht sind.

Schon Ende des 17. Jh. gab es in Schweich eine jüdische Gemeinde, die im Jahr 1820 sogar eine Schule und eine Synagoge besaß. 1862 wurde eine neue Synagoge errichtet, im Innenraum ein großer Saal mit im Westen vorgelagertem Raum. Von hier aus führt die Treppe zur Frauenempore. Das Rundfenster über dem ehemaligen Thoraschrein lässt das Licht der aufgehenden Sonne einfallen. 1989 wurde die Synagoge wieder hergerichtet und ist heute Kulurzentrum, in dem Ausstellungen, Lesungen und Konzerte stattfinden.

Die knapp 2 km außerhalb gelegene Molitorsmühle am Föhrenbach stammt aus dem Jahr 1824 und ist vollständig erhalten. Erbaut wurde sie als Loh-, Öl- und Schleifmühle. Die Mühle wird während der Besichtigungszeiten samstags, sonn- und feiertags von 14 – 17 Uhr auch in Betrieb genommen. Für Gruppen gibt es auch Extra-Termine (Weitere Informationen: Tel.: 06502 1336 oder 06502 2253 oder 06502 4310; E-Mail: info@molitorsmuehle.de, Internet: http://www.molitorsmuehle.de/)

Erwähnenswert sind noch die Wegkapelle in der Hofgartenstraße, sie befindet sich im Chorbereich der alten Pfarrkirche, sowie der prächtige Kreuzigungsbildstock an der Westwand der alten Schule aus dem Jahr 1709.

Zwei Namen sind mit Schweich und der Bahnhofstraße unweigerlich verknüpft: zum einen steht hier das Haus (Nr. 1), in dem am 26.5.1871 der Gründer des nach ihm benannten sozial-caritativen Werkes des Johannesbundes Johannes Maria Haw geboren wurde. Im Johannesbund (heute in Leutesdorf am Rhein ansässig) arbeiten verschiedene Gruppen und Gemeinschaften zusammen: die Johannesschwestern von Maria Königin sowie die Missionare vom heiligen Johannes dem Täufer. Außerdem gehören mehrere Einrichtungen zum Johannesbund, die v. a. Resozialisierungs-, Bildungs- und Pflegeaufgaben wahrnehmen. (weitere Informationen: http://www.johannesbund.de)

Zum anderen verbrachte wenige Meter weiter (Haus Nr. 5) der am 26. Juni 1906 in Trittenheim-Dhrönchen (Breitwies) geborene Schriftsteller Stefan Andres seine Jugend. In Köln, Jena und Berlin studierte Andres Theologie und Germanistik. 1937 verließ er mit seiner Familie Hitler-Deutschland, kehrte 1950 zurück, bevor er 1961 endgültig nach Italien übersiedelte. Andres verband in seinen Romanen und Erzählungen antike Sinnenhaftigkeit mit christlicher Mystik. Sein bekanntestes, im übrigen autobiographisches Werk ist wohl ‚Der Knabe im Brunnen’, aus dem Jahr 1953 (Lesetipp: Andres, Stefan: Der Knabe im Brunnen; Roman; 336 Seiten; ISBN 978-3-423-13459-0; Euro 12,50; dtv):

„Für den kleinen Steff, jüngstes von sechs Kindern des Müllers Stefan Ainert, ist die dörfliche Welt seiner Heimat erfüllt mit Wundern. Er schaut in den Brunnen – und sein Spiegelbild verwandelt sich in einen armen Jungen, der dem Wassermann die Gänse hüten muß. Engel und Teufel geistern durch seine Phantasie und beleben die herbe Schönheit des Mosellandes. Voller Humor schildert Stefan Andres die kauzigen und originellen Gestalten des Dorfes und zeichnet ein unvergeßliches Porträt der Eltern. Es ist in leicht verschlüsselter Form seine eigene Kindheit, eine Kindheit voller Spannungen zwischen der neugierigen Lust auf das Leben und den Hemmungen durch die engen religiösen und konventionellen Grenzen.“ (dtv)

Andres fand auf dem deutschen Friedhof im Vatikan Campo Santo Teutonico seine letzte Ruhestätte. Seine 2003 verstorbene Frau Dorothee ist ebenfalls dort beerdigt

Heute hat sich die in Schweich im Niederprümer Hof ansässige Stefan-Andres-Gesellschaft zur Aufgabe gemacht, das geistige Werk des Dichters zu verwalten: eine ständige Ausstellung im Niederprümer Hof, eine Bibliothek, die Verleihung des Stefan-Andres-Preises, die Herausgabe der ‚Mitteilungen der Stefan-Andres-Gesellschaft’ und andere Initiativen. (weitere Informationen: http://www.stefan-andres-gesellschaft.de/).

Im Herzen der Stadt, an der Ecke Bernhard-Becker-Straße/Stefan-Andres-Straße stellt der von Johannes Scherl phantasievoll gestaltete Stefan-Andres-Brunnen in plastischer Form Stationen des Lebens von Andres dar. (Beschreibung: http://rs-schweich.bildung-rp.de/Unsere-Schule/StefanAndres/A-Brunn.htm)

© 2022 Auf dem Weg

Theme von Anders NorénHoch ↑