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Schlagwort: der welt

Neues vom Jakobsweg – gefunden am 23. Februar 2009

 

Wir sind Kirche: „Nicht den Kurs des Zweiten Vatikanischen Konzils verlassen!“

 

Vor genau 50 Jahren, am 25. Januar 1959 hat Papst Johannes XXIII. das Konzil zum ersten Mal angekündigt

50 Jahre nach der ersten Ankündigung am 25. Januar 1959 durch Papst Johannes XXIII. appelliert die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche, nicht den Kurs des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) zu verlassen: den Kurs des innerkirchlichen Dialogs, den Kurs der Gemeinschaft des Gottesvolkes, den Kurs der Ökumene und des interreligiösen Dialogs.

Drei Monate nach seiner Wahl am 28. Oktober 1958 kündigte Papst Johannes XXIII. in der „Basilica San Paolo fuori le mura“ in Rom zur Überraschung von Bischöfen und Kardinälen zum ersten Mal das große Pastoralkonzil des 20. Jahrhunderts an. Am Gedenktag der Bekehrung des Apostels Paulus, stellte der als Übergangspapst gedachte Angelo Giuseppe Roncalli die Weichen für die römisch-katholische Kirche neu. Er tat dies, weil er überzeugt war, dass die Kir­che einer grundlegenden Reform bedurfte, um in der Welt die gute Nachricht des Evangeliums überzeugend und glaubwürdig verkündigen zu können. Im Text der of­fiziellen Einberufung des Konzils vom 25. Dezember 1961 hieß es dann: „Seit Beginn unseres Pontifikats hielten wir es für eine schwere Pflicht …, die Kirche für die Lösung der gegenwärtigen Probleme geeigneter zu ma­chen“ und eine „Erneuerung der Gesamtkirche“ in die Wege zu leiten.

Dieses Konzil hat nicht nur für die Struktur der Kirche Neues gebracht, in dem das Volk Gottes aufgewertet wurde und die „Hirten" ihren Dienst zum Wohl der Gemeinschaft der Glaubenden zu tun haben. Das Konzil bekannte sich auch zu Religionsfreiheit, Ökumene und vor allem zum Dialog als Wesen und Prinzip unserer Glaubensgemeinschaft. (VERWEIS AUF KONZILSDOKUMENTE siehe unter HINTERGRUND). Das Schlüsselwort Jo­hannes‘ XXIII. dazu hieß „Aggiornamento“. Das Wort bedeutet kei­neswegs Anpassung, wie es gelegentlich fälschlicherweise übersetzt wird, son­dern das Bemü­hen, die Kirche so auf die „Höhe des Ta­ges“ zu bringen, damit die Bot­schaft des Evangeliums die Menschen unserer Zeit erreicht.

Wir sind Kirche erinnert mit großer Freude an den Tag der Konzilsankündigung und ruft dazu auf, das Konzil weiter zu entfalten. Allen rückschrittlichen Tendenzen zum Trotz, die dem Geist des Konzils zuwider laufen, gilt es heute erst recht, den Ausdruck unseres Glaubens in unsere Zeit hinein zu entwickeln. Denn, so der Theologe Hans Küng im zweiten Band seiner Biographie: „Nicht das Konzil sondern der Verrat am Konzil hat die Kirche in die Krise geführt.“

Die römischen Verlautbarungen der vergangenen Jahre zeigen leider immer deutlicher den Rückzug auf überholte Lehrformeln und sogar Versuche, die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils im Sinne der vorkonziliaren Theologie zu interpretieren oder gar schrittweise rückgängig zu machen. Die rückwärtsgewandte Ausrichtung des jetzigen Pontifikats wird besonders deutlich an der Ausweitung des vorkonziliaren Tridentinischen Ritus und der möglicherweise in Kürze erfolgenden Aufhebung der Exkommunikation der vier das Konzil ablehnenden von Erzbischof Marcel Lefebvre 1988 in Econe (Schweiz) illegal geweihten Bischöfe der „Priesterbruderschaft Sankt Pius X.“ durch Papst Benedikt XVI.

Einen fundierten Überblick über das Reformkonzil und die Entwicklung der römisch-katholischen Kirche bis heute gab der Münchner Jesuit Dr. Wolfgang Seibel, Zeitzeuge des Konzils und langjähriger Herausgeber der Jesuitenzeitschrift „Stimmen der Zeit“, auf der Bundesversammlung der deutschen KirchenVolksBewegung Anfang November 2008 in Würzburg. Sein Fazit: Es wäre die schlimmste Reaktion auf den gegenwärtigen Kurs der Kirchenspitze, in Resignation zu verfallen. Das würde nur den Gegnern der konziliaren Erneuerung in die Hände arbeiten. Es gilt vielmehr, alles zu tun, damit die Initiativen des Konzils nicht versanden, sondern das Leben in der Kirche prägen. In der ganzen Geschichte der Kirche seien alle neuen Ideen, alle zukunftsweisenden Initiativen, alle Reformansätze immer von unten gekommen. Nichts hindere daran, dort, wo die Kirche wirklich lebt, nämlich an der Basis, in den Gemeinden, sich nach den Vorgaben des Zweiten Vatikanums zu richten und das Leben nach seinen zukunftsweisenden Impulsen zu gestalten. Hoffnung und Tatkraft ist angesagt, so Seibel.

HINTERGRUND:
Die aus dem 1995 in Österreich gestarteten Kirchenvolks-Begehren hervorgegangene KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche fühlt sich dem von Papst Johannes XXIII. einberufenen Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) in besonderer Weise verbunden und verpflichtet. Die Ziele des 1995 allein im deutschsprachigen Raum von 2,5 Millionen Menschen unterschriebenen KirchenVolksBegehrens sind mittlerweile weltweit zum Reformkanon geworden für eine heutige, den Menschen zugewandte katholische Kirche im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils und der darauf aufbauenden theologischen Forschung und pastoralen Praxis.

VERWEIS AUF KONZILSDOKUMENTE:

Das Zweite Vatikanische Konzil versteht Kirche als Volk Gottes, das unterwegs ist zum „Reich des Vaters“ (Kirche/Welt 1) und das gekennzeichnet ist von der „wahren Gleichheit in der allen Gläubigen gemeinsamen Würde und Tätigkeit zum Aufbau des Leibes Christi“ (Kirche 32). Die Bischöfe bilden zusammen mit dem Bischof von Rom eine Kollegium, das „die Vielfalt und Universalität des Volkes Gottes repräsentiert“ (Kirche 22). Die Kirche will „viel zu einer humaneren Gestaltung der Menschenfamilie und ihrer Geschichte beitragen“ und möchte dieses Werk „in Armut und Verfolgung“ vollbringen (Kirche 8.9). Das Konzil bekannte sich zu Religions­‑ und Gewissenfreiheit. Es nannte die Spaltung der Einheit im Glauben „ein Ärgernis für die Welt und ein Schaden für die heilige Sache der Verkündigung des Evangeliums“ (Ökumenismus 1) und forderte einen Dialog „auf der Ebene der Gleichheit“ (Ökumenismus 9).

LESETIPP:

P. Wolfgang Seibel SJ: Der Anfang vom Anfang – oder das Ende vom neuen Lied?

Das Zweite Vatikanische Konzil und die weitere Entwicklung

Vortrag auf der 24. öffentlichen Bundesversammlung der KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche am 8. November 2008 in Würzburg. Dieser Vortrag wurde auch ins Italienische übersetzt. Autorisierte Kurzfassungen gibt es auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch und Spanisch.

Vortrag als Broschüre bestellen oder zum Downloaden als PDF

http://www.wir-sind-kirche.de/index.php?id=218

WEITERE INFORMATIONEN:
Wir sind Kirche zum Thema: 50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil

http://www.wir-sind-kirche.de/index.php?id=527

Wir sind Kirche zur „Gebetswoche für die Einheit der Christen 2009“

 

Pressemitteilung München, 18. Januar 2009

„Nicht nur für die Ökumene beten, sondern konkrete Schritte tun!“

Wir sind Kirche zum Beginn der „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ vom 18. bis 25. Januar 2009

Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche appelliert an die Kirchenleitungen aller in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen zusammengeschlossenen Kirchen, ein klares Bekenntnis zu weiteren konkreten Schritten in der Ökumene abzulegen, so wie sie in der „Charta Oecumenica“ enthalten sind. „Es reicht nicht aus, nur für die Ökumene zu beten. Das Kirchenvolk erwartet konkrete gangbare und absehbare Schritte der Ökumene, gerade auch auf dem Weg zum Zweiten Ökumenischen Kirchentag 2010 in München!“, erklärt die römisch-katholische Reformbewegung zu Beginn der „Gebetswoche für die Einheit der Christen“, die 2009 unter dem Leitwort steht „Damit sie eins werden in deiner Hand“ (Ez 37,17).

Da die theologischen Gründe für die Trennung weitestgehend aus dem Wege geräumt sind und angesichts der viel beklagten Säkularisierung sollten die christlichen Kirchen noch intensiver gemeinsam Zeugnis geben und selber sichtbare Zeichen der eigenen Erneuerung und der Einheit untereinander setzen, fordert Wir sind Kirche. Denn die Versöhnung zwischen den Konfessionen und Religionen ist ein eminent wichtiger Baustein für das weitere Zusammenwachsen Europas und darüber hinaus für die Sicherung des Friedens in der Welt.

In den letzten Jahrzehnten ist in der Ökumene mehr erreicht worden als viele je für möglich gehalten haben. Doch die derzeitigen Ermahnungen, Vertröstungen und Geduldsappelle der Kirchenleitungen enttäuschen und verärgern das Kirchenvolk immer mehr, ja sie stellen das Motto des kommenden Ökumenischen Kirchentags (ÖKT) „Damit ihr Hoffnung habt“ – zumindest für die Ökumene selber – schon jetzt sehr in Frage.

Der zweite ÖKT kann sich nach Ansicht von Wir sind Kirche nicht nur auf das gemeinsame Engagement in der Gesellschaft beschränken, sondern muss auch die konkrete Ökumene gerade mit den Kirchen der Reformation spürbar voranbringen. Der ökumenische Fortschritt sollte sicher nicht nur an der Eucharistie- und Abendmahlsfrage festgemacht werden. Aber die Christinnen und Christen und auch die nichtkirchliche Öffentlichkeit erwarten mehr als theoretische Klärungsversuche unterschiedlicher Verständnisse von Kirche, Amt und Abendmahl.

Äußerst bedauerlich ist es, dass Dr. Johannes Friedrich, Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, im Hinblick auf den ÖKT in München erst vor wenigen Tagen vor Journalisten wieder erklärte, dass die „Zeit für ein gemeinsames Abendmahl noch nicht reif“ sei. Als bayerischer evangelischer Landesbischof ermahnte er sogar die Kirchengemeinden, auch im Umfeld des Laientreffens nicht zu einer gemeinsamen Abendmahlfeier einzuladen. Mit dem römisch-katholischen Münchner Erzbischof Dr. Reinhard Marx sei er sich einig, dass ein gemeinsames Abendmahl „auch im Umfeld“ des ÖKT die Ökumene beschädigen würde. Damit spielte er auf die Gottesdienste mit wechselseitiger Gastfreundschaft bei Eucharistie und Abendmahl am Rande des ersten ÖKT 2003 in der Gethsemanekirche in Berlin an. Als Bischof von Trier hatte Marx damals Prof. DDr. Gotthold Hasenhüttl vom Priesteramt suspendiert und ihm später auch noch die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen.

Bedauerlicherweise erteilte auch der ansonsten ökumenisch engagierte Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, erst vor wenigen Tagen sogar der Hoffnung auf Ausnahmeregelungen für konfessionsverschiedene Familien eine Absage.

Mit sieben Thesen „Wider die Resignation in der Ökumene“ hatte die KirchenVolksBewegung im Frühjahr 2007 – noch vor dem irritierenden Schreiben der Glaubenskongregation vom 10. Juli 2007 – an die Kirchenleitungen appelliert, das bisher in der Ökumene Erreichte nicht aufs Spiel zu setzen. Die zunehmende Abgrenzung der römisch-katholischen Kirche von den Kirchen der Reformation ist ein eklatanter Widerspruch zum Geist und zu den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965).

Angesichts ihres wiederholten aber fragwürdigen Alleinvertretungsanspruchs muss sich die römisch-katholische Kirche heutzutage fragen lassen, wie ernst ihr überhaupt noch Ökumene und der Interreligiöse Dialog mit Juden und Muslimen sind. Erst kürzlich warnte Papst Benedikt XVI. vor Illusionen im interreligiösen Dialog und lehnte einen „Dialog im engen Sinn des Wortes” ab. Die Beziehungen zwischen Vatikan und Judentum sind seit der im Juli 2007 erfolgten Wiederzulassung der alten Form der Karfreitagsfürbitte (Bekehrung der Juden zu Christus) und vor allem durch die mögliche Seligsprechung von Papst Pius XII. in jüngster Zeit wieder sehr belastet.

Links:

„Gebetswoche für die Einheit der Christen 2009“

www.oekumene-ack.de

„Charta Oecumenica“

www.wir-sind-kirche.de/index.php?id=377

Dorothea Sattler: Gespannte Ökumene – Ein Zwischenblick vor dem 2. Ökumenischen Kirchentag HERDER KORRESPONDENZ 62 8/2008 (PDF)

www.wir-sind-kirche.de/files/774_HK_62_2008_08_Ss_398ff.pdf

Sieben Thesen der KirchenVolksBewegung „Wider die Resignation in der Ökumene“

www.wir-sind-kirche.de/index.php?id=128&id_entry=765

Wir sind Kirche zum Thema Ökumene

www.wir-sind-kirche.de/index.php?id=162

Wir sind Kirche: Pfingstmontag als Fest der Einheit der Christenheit feiern!

 

Pressemitteilung München, 8. Mai 2008

Die KirchenVolksbewegung Wir sind Kirche ruft die Kirchengemeinden und alle Christinnen und Christen in Deutschland auf, Pfingstmontag (12. Mai 2008) als Fest der Einheit der Christenheit zu feiern und das ökumenische Miteinander weiter zu intensivieren. In den letzten Jahrzehnten ist in der Ökumene mehr erreicht worden, als viele je für möglich gehalten haben. Aber das Bemühen um weitere sichtbare Zeichen der Einheit aller christlichen Kirchen muss weiter gehen!

Die katholische Reformbewegung bedauert es sehr, dass das vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) angeregte und von der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) unterstützte Anliegen, den Pfingstmontag als Fest der Einheit der Christenheit zu begehen, im Jahre 2004 von der Deutschen Bischofskonferenz abgelehnt wurde. Die damalige Begründung der Bischofskonferenz, die "Eucharistiefeier an Sonn- und Feiertagen könne nicht durch andere Gottesdienste ersetzt werden" ist gerade für den Pfingstmontag nicht überzeugend, da dieser Feiertag weltkirchlich nicht relevant und beispielsweise in Italien kein gebotener Feiertag ist.

Gerade in einem säkularen Europa sollten die christlichen Kirchen gemeinsam Zeugnis geben und selber sichtbare Zeichen der eigenen Erneuerung und der Einheit untereinander setzen. Denn die Versöhnung zwischen den Konfessionen und Religionen ist ein eminent wichtiger Baustein für das weitere Zusammenwachsen Europas und darüber hinaus für die Sicherung des Friedens in der Welt.

Mit sieben Thesen „Wider die Resignation in der Ökumene“ hatte die KirchenVolksBewegung bereits vor dem Evangelischen Kirchentag im Juni 2007 in Köln an die Kirchenleitungen appelliert, das bisher in der Ökumene Erreichte nicht aufs Spiel zu setzen und sich weiterhin um die Einheit aller christlichen Kirchen zu bemühen.

Nach den weitreichenden Irritationen, die das Schreiben der Glaubenskongregation vom 10. Juli 2007 „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ ausgelöst hat, hatte sich die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche mit einem Offenen Brief an die Kirchen der Reformation im Namen der – wie wir annehmen – großen Mehrheit der katholischen Christinnen und Christen für dieses provozierende Verhalten der römisch-katholischen Kirchenleitung in aller Form entschuldigt.

Nach der letzten Ökumenischen Versammlung im September 2007 in Sibiu/Hermannstadt und im Hinblick auf den Zweiten Ökumenischen Kirchentag – der auf den Tag genau am 12. Mai 2010 (also zwei Jahre nach dem diesjährigen Pfingstmontag) in München beginnen wird – ist es dringend notwendig, ein klares Bekenntnis zu weiteren Schritten in der Ökumene abzulegen. Die unter dem jetzigen Papst wiederholte Abgrenzung von den Kirchen der Reformation ist ein eklatanter Widerspruch zum Geist und zu den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965).

Ziel aller ökumenischen Arbeit muss es sein, dass Christinnen und Christen unterschiedlicher Traditionen jedoch ein und desselben Glaubens aufhören, einander die Rechtgläubigkeit zu bestreiten. Vielmehr sollten sie einander positiv anerkennen. Bereits Paulus hat die Gemeinde von Korinth davor gewarnt, ihre Zugehörigkeit zu ihm oder Kephas (Petrus) oder Apollos zum eigentlichen Unterscheidungsmerkmal des Glaubens zu machen (1 Kor 1,12f und 3,5-17).

Theologische Hintergrundinformation auf der Webseite von Wir sind Kirche:
http://www.wir-sind-kirche.de/index.php?id=393&id_entry=866

Via Jutlandica: 5. Etappe Kropp – Rendsburg = ca. 21 km

 

>5. Tag Kropp – Fockbek (13,5 km) – Rendsburg (8 km) = ca. 21 km

Schwierigkeit: leicht

Zeitbedarf ca. 5,5 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen

Besichtigungen Rendsburg

Impuls für den Tag: Ist Christus nicht auferweckt worden, so ist euer ganzer Glaube vergeblich. Eure Schuld ist dann nicht von euch genommen. Wenn wir nur für das jetzige Leben auf Christus hoffen, sind wir bedauernswerter als ir­gend­jemand sonst auf der Welt. Nun aber ist Christus vom Tod auferweckt worden, und als der erste Auferweckte gibt er uns die Gewähr dafür, dass auch die übrigen Toten auferweckt werden. (1 Kor 15,17; 19f.)

Sage:

Der Sand aus den Holzschuhen

Einmal ist ein Riese von Süden her über die Eider gekommen und von Nübbel über Fockbek nach Lohe gegangen. Als er nach Fockbek kommt, hat er seine Holzschuhe schon bis oben hin voll Sand gehabt. Er musste den Sand ausschüt­ten, und das gab eine ganze Menge. Davon heißt der Berg bei Fockbek noch heute der Schütterberg. (In: Meyer, Gus­tav Friedrich: Schleswig-Holsteiner Sagen. Jena 1929)

Von Kropp aus führt der Jakobsweg der heutigen Etappe auf dem historischen Ochsenweg durch den Kropperbusch, das Gehege Lohe und über Fockbek nach Rendsburg. Den Schütterberg bei Fockbek konnte ich aber weder bei der Be­gehung noch bei den Recherchen im Kartenmaterial entdecken. Vielleicht hilft mir dafür ein Einheimischer weiter? Die Fockbeker sind auch der Beweis, dass ‚Schilda’ überall ist – aber dazu kommen wir später.

Zunächst führt Sie der Weg wieder aus Kropp heraus, über die B 77 in Richtung Flugplatz, dann aber nach wenigen Schritten nach rechts. Die Markierungen sind eindeutig, der Jakobsweg kaum zu verfehlen.

Nach noch nicht einmal einen Kilometer durch den Wald überqueren Sie die L 40 und erreichen dann bald den Kropperbusch und ein gutes Stück originalen Ochsenweg. Der Volksmund will wissen, dass im Kropperbusch allerhand dunkles Gesinde und Wegelagerer ihr Unwesen getrieben haben. Tatsächlich aber wird seit Beginn der Aufzeichnungen nur einmal von einem Überfall auf Reisende berichtet. Die Warnung „Du büst an Kropperbusch noch ni vörbi!“ ist deshalb wohl eher an die Kutscher der Fuhrwerke gerichtet gewesen. Der folgende Abschnitt des Ochsenweges ist besonders sandig und wird so manchem Gespann und Fuhrwerk böse mitgespielt haben. Gegen gutes Geld haben die Wirte der Krüge am Weg die Fuhrwerke wieder aus dem Sand gezogen. Ein einträgliches und gutes Geschäft, haben sich doch hier am Ochsenweg zwischen Kropp und Lohe vier Krüge niedergelassen.

Es ist schon etwas besonderes, auf diesem Stück des uralten Handels- und Heerweges zu pilgern. Schnurgerade führt der Ochsenweg durch den Wald. Die Nutzung durch Spaziergänger, Wanderer, Reiter, landwirtschaftliche Gerätschaften und Kraftfahrzeuge erhält den Weg, indem sie den Bewuchs niedrig halten. Immer wieder sind Hinweistafeln mit Infor­ma­tionen über den Ochsenweg aufgestellt. Auch das Abnahmehaus von 1688 oder die Königliche Schäferei sind auf den Info-Tafeln beschrieben.

Nach rund 6 km erreichen Sie Sorgbrück und den Sorgekrug, hier gehen Sie bitte nicht geradeaus durch die Unterfüh­rung, sondern biegen nach links ab und überqueren dann die Straße. Schon nach einem kurzen Stückchen biegt der Weg nach rechts in ein Gewerbegebiet und dann wieder in den Wald ein.

Durch den Wald und vorbei an Binnendünen passieren Sie, kurz bevor es aus dem Wald herausgeht, Wallensteins Schanzen. Links von Ihnen, sehr nahe am Weg, erkennen Sie deutlich die Schanzwerke. In einer Karte von 1804 ist diese Kanonenstellung eingezeichnet – deshalb ist es durchaus möglich, dass die Schanzen 1627 gebaut wurden. Da nämlich hatte der große Feldherr Wallenstein Quartier in Rendsburg bezogen und seine Truppen weitläufig in der Um­gebung verteilt. Die Schanze könnte zum Schutz des Ochsenweges gedient haben.

In das jetzt noch rund 4 km entfernte Fockbek geht es überwiegend auf Wirtschaftswegen.

Fockbek

Allgemeines: Fockbek liegt im Landkreis Rendsburg-Eckernförde und hatte am 31.12.2012 eine Einwoh­nerzahl von 6305.

Ansprechpartner: Evangelische Kirchengemeinde Fockbek, Friedhofsweg 7a, 24787 Fockbek, Telefon 04331-63342, E-Mail ev-kirche-fockbek add gmx.de; Gemeinde Fockbek, Rendsburger Straße 42, 24787 Fockbek, Telefon 04331-66770, E-Mail info add fockbek.de

Schon 1196 wird Fockbek als Fokabikre in einer Urkunde des Dänenkönigs Knut IV. urkundlich erwähnt. Der Ort liegt unmittelbar am Ochsenweg und hatte deshalb eine besondere Bedeutung. Wahrscheinlich ist er aber eine der ältesten Ansiedlungen im nördlichen Eidergebiet; die ältesten Beweise menschlicher Anwesenheit stammen aus der mittleren Steinzeit, also 8000 – 3000 v. Chr.

Auf einen Streit mit der nahe gelegenen Stadt Rendsburg geht die Geschichte vom ‚Aal versupen’ zurück. Vermutlich wurde die weit über die schleswig-holsteinischen Grenzen bekannte bösartige Geschichte von den Rendsburgern in die Welt gesetzt, um die Dummheit der Fockbeker zu beweisen. Ich glaube eher, dass ‚Schilda’ überall und auch heute noch präsent ist:

Die Fockbeker wollten Heringe züchten und kauften zu diesem Zweck in Rendsburg auf dem Fischmarkt einige Fässer mit Salzheringen. Diese schütteten sie in den Fockbeker See und harrten der Dinge, die dort kommen mögen. Im nächsten Jahr wurde das Wasser abgelassen – aber siehe da, statt der erhoff­ten Fülle an Heringen fand sich im Schlick nur ein dicker, fetter Aal. Es war nahe liegend, dass die Fock­beker glaubten, dieser Aal hätte all die Salzheringe aufgefressen.  Die versammelten Dorfbewohner be­rieten lange über eine möglichst grausame Strafe und entschieden schließlich, den Aal zu ertränken (ver­supen). Als der See wieder gefüllt war, wurde der Aal mit dem Kahn zur tiefsten Stelle gebracht und dort über Bord geworfen. Als dieser sich im Wasser wand, riefen die Fockbeker laut: „Seht, wie er sich quält!“ und „He versupt! He versupt!“ (Er ertrinkt, er ertrinkt!). Um sich schließlich noch die Stelle zu merken, an der der Aal ertränkt wurde, kerbten sie eine Markierung in die Bootswand.

Ganz so mag es sich heutzutage nicht mehr ereignen, aber im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler findet man alljährlich eine Vielzahl von Berichten aus ganz Deutschland, die die Verschwendung öffentlicher Gelder in ähnlicher Weise be­legen …

Der Jakobsweg führt direkt durch den Ort und dabei auch am Aalversuper-Brunnen vorbei. Ein Stückchen geht es um den See herum, bevor Sie auf wenig befahrenen Straßen weiter in Richtung Rendsburg nach Klint kommen.

Vor dem Friedhof biegt die Via Jutlandica nach rechts ab und führt dann geradeaus weiter nach Klint. Am Reiterhof in Klint vorbei, bringt Sie der Jakobsweg die Eider hinauf nach Rendsburg.

Es geht noch unter der B 77 hindurch und dann wechseln Sie bitte auf die linke Uferseite der Eider und folgen dem Uferweg bis in die Stadt hinein. Vorbei am Schwimmzentrum und Mobilhome-Hafen biegt der Weg vor einer Schule nach rechts ab und führt dann immer am Stadtsee entlang, bis dieser auf einer Brücke überquert wird. Kurz danach weist ein Wegpfeiler den weiteren Weg: noch 3152 km nach Santia­go de Compostela!

Rendsburg

Allgemeines: Rendsburg ist Sitz der Kreisverwaltung des Landkreises Rendsburg-Eckernförde. Am 31. De­zember 2012 war die Einwohnerzahl 27.446.

Ansprechpartner: Evangelisches Kirchenbüro St. Marien, An der Marienkirche 21, 24768 Rendsburg, Telefon 04331-29494; Katholisches Pfarrbüro St. Michael, Am Margarethenhof 39, 24768 Rendsburg, Telefon 04331-71220, E-Mail Pfarramt add st-michael-rendsburg.de; Touristinformation Nord-Ostsee-Kanal, Schiffsbrücken-Galerie, 24768 Rendsburg, Telefon 04331-21120, E-Mail info add tinok.de

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Auch die Geschichte von Rendsburg hat mit einer ganz besonderen Sage begonnen. In der dänischen und englischen Sage ist Offa bis zum 30. Lebensjahr stumm. Als der damalige Sachsenkönig einen un­rechtmäßigen Anspruch auf den Thron seines Vaters, des Angelnkönigs Wermund, erhebt, gewinnt Offa die Sprache wieder und besiegt im Zweikampf den Sohn des Herausforderers auf einer Eiderinsel. Damit hat Offa die Unabhängigkeit der Dänen gesichert und die Grenze zu den Sueben an der Eider festgelegt. Dies wird sich im 5. Jh. zugetragen haben.

Die Eiderinsel hatte aber dann auch später eine besondere Bedeutung. So trafen sich Franken und Dänen dort im Jahr 811 und verständigen sich über die Eidergrenze. Um 1100 wird schließlich die erste Festung angelegt und 1150 die Ortschaft gegründet, die als Reinoldesburch im Jahr 1199 erstmalig urkundlich erwähnt wird. Bis in das 15. Jh. hinein wird Rendsburg immer wieder von Feuersbrünsten heimgesucht, die umfangreiche Neubauten notwendig machten. So wird die Marienkirche nach dem großen Stadtbrand von 1286 errichtet.

Das Rathaus am Altstädter Markt wurde 1566 fertig gestellt, das Rendsburger Schloss Ende des 16. Jh. ausgebaut. 1718 wird die Schlossanlage wieder abgebrochen. Mit dem Bau der ersten großen Festungs­anlage wird 1669-1673 begonnen. Die Anlage wurde im Laufe der Zeit immer wieder erweitert und aus­gebaut. Erst als die Dänen 1852 wieder die Landeshoheit über Rendsburg erlangen, werden die Fes­tungs­anlagen geschliffen.

Vorher jedoch spielt Rendsburg eine besondere Rolle in den Unabhängigkeitsbestrebungen der Schles­wig-Holsteiner.

So verbüßt z. B. Uwe Jens Lornsen 1831 den größten Teil der Haftstrafe, zu der ihn das Oberkriminal­ge­richt Gottorf verurteilt hatte, in der Festung Rendsburg. Lornsen galt seit der Veröffentlichung seines Trak­tates: ‚Ueber das Verfassungswerk in Schleswigholstein’ als Freiheitskämpfer und Verfechter eines von Dänemark unabhängigen Schleswig-Holsteins. König Frederik VI. ließ den Landvogt von Sylt wenige Tage nach seinem Amtsantritt verhaften und zu eben diesem Jahr Festungshaft verurteilen. Das Lornsen-Denkmal am Rendsburger Paradeplatz gibt ihm den Ehrentitel „Erster Märtyrer für die Sache Schleswig-Holsteins“. Bei allem Nationalstolz ist dies ein wenig weit hergeholt, Uwe Jens Lornsen fand den Freitod im Genfer See, weil er sich für unheilbar krank hielt.

Am 24. März 1848, nach der Ausrufung der provisorischen schleswig-holsteinischen Regierung in Kiel, fuhr ein Sonderzug mit Soldaten von dort ins dänische Rendsburg. Die in dänische Uniformen gekleideten Aufständischen ließen die Feuerglocke läuten und überrumpelten so die Garnison. Rendsburg wurde zum Zentrum des Bürgerkrieges gegen Dänemark.

Für einen Stadtrundgang vorbei an den vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt bietet sich die ‚blue-line’ an, der blaue Weg durch Rendsburg. Die Markierung beginnt am alten Rathaus am Altstädter Markt und führt auf der 3,2 km langen Strecke vorbei an 30 Kultureinrichtungen und Sehenswürdigkeiten.

aktualisiert und überarbeitet am 11. Mai 2014

Zwischenetappe

 
Zunächst einmal möchte ich mich bei allen Kyrill-Geschädigten entschuldigen. Natürlich hat es in vielen Gegenden Deutschlands nicht nur "ein wenig gestürmt". Und natürlich sind mindestens 11 Menschenleben mindestens 11 Menschenleben zuviel. Ich verstehe die Angehörigen und Freunde, die über den Verlust trauern. Ich verstehe auch die Menschen, die Hab und Gut verloren haben – zum Teil Dinge, die auch eine Versicherung nicht ersetzen kann. Die Schäden durch Kyrill belaufen sich auf über 1 Milliarde Euro. Eine unfassbare Grösse. Aber viel schlimmer ist das persönliche Leid, das dieser Sturm in die Familien gebracht hat.
 
Gemessen an den Problemen, denen wir im 21. Jahrhundert gegenüberstehen, ist dieser Sturm jedoch ein Wimpernschlag gewesen. Ich gehöre zur "Biafra-Generation". Die Hungersnöte in Biafra gehörten mit zu den ersten, die von den Medien aufgegriffen und verbreitet wurden. Heute ist Biafra überall, selbst in der seit 01. Januar noch einmal erweiterten Europäischen Union leben Kinder auf der Strasse. Aber wir brauchen gar nicht so weit zurückzugehen. Denken Sie an den Tsunami, denken Sie an die Erdbeben in vielen Regionen der Welt. Oder denken Sie an die Flutkatastrophe in Indonesien vor wenigen Tagen und Wochen. Und denken Sie an die Millionen von Menschen, die weltweit an der Armutsgrenze leben und verhungern müssen – die haben keine Lobby, für die setzt sich niemand ein – und erst recht nicht die Privatsender, die Tag für Tag im Stil einer "meinungsbildenden" Zeitung die Aufmacher für ihre Nachrichtensendungen suchen. Darüber habe ich mich gestern geärgert – und dann gab es noch einen "Brennpunkt" im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Aber anscheinend fahren wir ja voll auf den Voyeurismus ab. Der Big-Brother-Container hat ein neues Zeitalter eingeläutet – auch, oder gerade in den Nachrichten.
 
Genug zum Sturm, auch dieser Blog wird die Probleme der Welt nicht lösen. Das geht nur, wenn sich jeder von uns ein klein wenig verantwortlich fühlt. Karlheinz Böhm hat mit seiner Wette bei Gottschalk vor Jahren einen kleinen Anfang gemacht. Haben Sie damals die Mark auf sein Spendenkonto überwiesen?
 
——
 
Wir sind also am Rhein! Ganz ehrlich? Eigentlich habe ich nicht daran geglaubt. Zu Fuss von Weilburg, immer an der Lahn entlang, auf den Spuren der Jakobspilger sind wir in Lahnstein angekommen – und zu Hause nehmen wir für die Fahrt ins Fitness-Studio immer noch das Auto. Es muss ja schnell gehen, wir haben ja sooo wenig Zeit. Jetzt entdecken wir die Langsamkeit, jetzt bleiben wir auch schon einmal stehen, um Mitte Januar die wunderschöne, voll aufgeblührte Rose zu fotografieren. Schritt für Schritt entdecken wir uns selbst und das, was um uns herum ist. Wir nehmen uns Zeit für ein Gespräch mit netten Menschen am Weg und wir nehmen uns die Zeit, etwas abseits vom Weg eine besondere Aussicht oder eine Burg oder irgendetwas zu geniessen.
 
Jetzt sind wir in Lahnstein, direkt am Rhein. Hier liefen die Hauptpilgerströme Richtung Süden. Die Hospitalkirche in Oberlahnstein ist ein heute noch existierender Beweis dafür. Für diese Pilger ging es weiter üner Osterspai, Kaub, Mainz und Speyer. Wir haben uns entschieden, zunächst einmal das Apostelgrab des Heiligen Mathias in Trier zu besuchen.
 
Die nächste Etappe am Montag wird uns vom Rhein an die Mosel führen. Da wir nicht wissen, wie wir jetzt im Winter auf dem schnellsten und kürzesten Weg über den Rhein kommen sollen, werden wir am Montag unsere Etappe in Stolzenfels starten und dann über die Höhezüge bis nach Alken pilgern. Von dort geht es weiter mit der ersten 2-Tages-Etappe bis nach Cochem und am zweiten Tag bis nach Alf. Ob wir dem landschaftlich schönen Moselhöhenweg, oder dem Radweg folgen, wissen wir heute noch nicht und werden das wohl auch vom Wetter abhängig machen.
 
Auch wenn wir uns jetzt noch nicht als erfahrene Pilger bezeichnen können, so wissen wir doch viel mehr, als noch am 28. Dezember, dem Tag, an dem wir den ersten Schritt getan haben. Wir kennen unsere körperlichen Grenzen und wissen, was wir uns zumuten können. Und sicher werden wir diese Grenzen noch erweitern können. Immer ein bisschen mehr. Nur nicht in der Hektik unserer modernen Zeit – sondern in der Langsamkeit. Das ist der grösste Gewinn unseres Pilgerweges bis heute.
 
Wenn Ihr oder wenn Sie eine, zwei oder drei Etappen mitpilgern wollen, hier noch einmal unsere Einladung. Nicht mehr ganz so unfit, nicht mehr ganz so unerfahren, schon etwas professioneller ausgestattet. Machen Sie sich einfach auf den Weg – auch wir wissen nicht, was er uns bringt. Wir kennen nur das Ziel: Santiago de Compostela. 

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