Geschichte - Kultur - Spiritualität

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Neues vom Jakobsweg – gefunden am 07. Oktober 2009

 

„Ich bekomme so viel zurück“
Südkurier – Konstanz,Baden-Württemberg,Germany
Pilgern auf dem Jakobsweg, Tanzen für Menschen mit und ohne Behinderungen. Sie wurde in Konstanz, Bonn, Halle-Dessau, Erfurt, Magdeburg und

 

wanderurlaub.de » Wanderurlaub in Xanten am Niederrhein
von deguto.gw
Wandern am Niederrhein – rund um Xanten. Die Römer-, Dom- und Nibelungenstadt Xanten liegt am berühmten Jakobsweg, der in Santiago de Compostela en.

Eindrücke und Bilder vom Jakobsweg
Nordwest-Zeitung
Der erste Vortrag unter dem Titel „Unterwegs auf dem Jakobsweg: Auf der Via de la Plata von Sevilla nach Santiago de Compostela” findet am Montag, 12.

 

Körper lahm – doch der Kopf fliegt
Südkurier
Das Thema des Abends: Der Jakobsweg – 2 450 Kilometer allein und im Rollstuhl. Der Referent: Felix Bernhard, 35 Jahre jung und mit Handycap.

 

In Kontakt mit der Natur und mit sich selbst
Fränkische Nachrichten
Der neue Jakobsweg Rothenburg-Speyer, der auch durch Adelsheim führt, fand bereits zur Eröffnung großen Anklang. Selbst aus Frankreich und Polen kamen

 

Fahrradpilger auf dem Jakobsweg
Augsburger Allgemeine
Unterallgäu (mar) – Auf der westlichen Route des Jakobusweges von Kirchheim nach Legau pilgerten Männer und Frauen auf dem Fahrrad durchs Unterallgäu.

 

Auf der Spur der Muschel pilgern
Märkische Oderzeitung
Einer der bekanntesten Strecken ist der Jakobsweg. Um auf ihm zu wandeln, müssen Interessierte aber nicht bis nach Spanien fahren.

 

Spannung steigt.. – Auf nach Santiago 🙂
von xxSensi02xx
So , fest steht : Mein Leben hat sich nach dem Jakobsweg schon arg verändert und wird sich auch.

 

wanderurlaub.de » Wanderurlaub – wandern auf dem Jakobsweg
von deguto.gw
Als Jakobsweg (span. Camino de Santiago) wird der Pilgerweg zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela in Spanien bezeichnet. Ein Wanderw.

 

Fahrradpilger auf dem Jakobsweg Lokalnachrichten Mindelheimer Zeitung
Unterallgäu (mar) – Auf der westlichen Route des Jakobusweges von Kirchheim nach Legau pilgerten Männer und Frauen auf dem Fahrrad durchs Unterallgäu.

Neues vom Jakobsweg – gefunden am 29. April 2009

 

Neues vom Jakobsweg – gefunden am 26. März 2009

 

Anhang 5 – Die großen romanischen Kirchen in Köln

 

Alle Fotos in diesem Anhang sind der Wikipedia entnommen und sind unter GNU-FDL 1.2 oder später lizenziert. Die Lizenz schreibt vor, dass der vollständige Lizenztext mit abgedruckt wird. Sie finden den Text am Ende des Dokumentes in englischer Sprache.

Mit den 12 großen romanischen Kirchen, nur wenige Schritte voneinander entfernt, die teilweise zu den bedeutendsten Bauten in Europa zählen, hat Köln eine einzigartige spirituelle und kunsthistorische Stellung in der Welt. Leicht kann der Besucher ein verlängertes Wochenende nur mit der Besichtigung dieser imponierenden Kirchenbauten verbringen. Mir ist es nur möglich, einen kleinen Überblick zu geben. Gerade dem bau- und kunsthistorisch interessierten Jakobspilger werden die Informationen nicht genügen. Wenn Ihre Neugierde geweckt ist, nehmen Sie am Besten an einer Kirchenführung teil, die regelmäßig von der Touristen-Information, vom Erzbistum oder den Gemeinden, oder vom Förderverein Romanischen Kirchen in Köln (Internet www.romanische-kirchen-koeln.de) organisiert werden.

Folgende 12 Kirchen zählen dazu, wobei noch weitere 17 romanische Kirchbauten gefördert werden:

· St. Severin, Severinskirchplatz, geöffnet montags bis samstags von 9 bis 18 Uhr, sonntags von 9 bis 12 Uhr und 15 – 17:30 Uhr
Geschichte: Severin war der dritte bekannte Bischof von Köln. Er soll mit St. Martin von Tours befreundet gewesen sein und in dessen Todesstunde die himmlischen Chöre vernommen haben. 376 soll Severin ein Kloster zu Ehren der Märtyrer Cornelius und Cyprianus geweiht haben, aus dem das spätere Severinsstift hervorgegangen ist. Die St. Severin Kirche liegt an der römischen Straße in Richtung Bonn. Hier entstand außerhalb der römischen Stadtmauern ein Gräberfeld und schließlich im 4. Jh. eine cella memoriae, ein kleiner Saalbau zum Totengedenken. Dieser rechteckige Bau wurde im 6. und 8. Jh. christlich erweitert. Um 900 wird der Neubau einer romanischen Basilika fertiggestellt. Von der 1043 geweihten Krypta ist noch der westliche Teil erhalten. Der Bau der Kirche wurde erst um 1300 abgeschlossen. Für einen spätgotischen Neubau musste der romanische Westturm weichen und ist heute im spätgotischen Stil mit Knickhelm. Das Netzgewölbe des Mittelschiffs stammt aus der Zeit um 1500. Ein achteckiges Labyrinth aus der Mitte des 12. Jh., Teil des ursprünglichen Fußbodens im Mittelschiff und das einzige bekannte in deutschen Kirchen, befindet sich heute im Erzbischöflichen Diözesanmuseum.
Ausstattung:  Nahe dem Westturm finden Sie im südlichen Seitenschiff ein noch erhaltenes, romanisches Fenster und das Pestkreuz im südlichen Querschiff stammt aus dem 14. Jh. In der Marienkapelle befindet sich eine Schmerzhafte Mutter (Pietà) aus dem 15. Jh. Im Chor befinden sich das Chorgestühl aus dem Ende des 13. Jh., ein Reliquienschrank datiert im 14. Jh. und der Tabernakel aus dem 17. Jh. In den Jahren um 1500 schuf der Meister von St. Severin  die Severinslegende in 20 Tafeln, die Sie im westlichen Chorjoch sehen. Vom selben Meister stammen auch zwei Altarflügel mit der heiligen Agatha, mit Cornelius, Stephan und Helena.
Der kunstvolle und kostbare Severinsschrein stammt aus dem Jahr 1819 – der ursprüngliche Schrein aus dem 11 Jh. wurde für die französischen Besatzer Ende des 18. Jh. eingeschmolzen. Bei einer Öffnung des Schreines im Jahr 1999 wurden auch das Holz des inneren Sarges und der Inhalt untersucht. Siegel an der Außenseite deuten auf frühere Sargöffnungen und bestätigten die Berichte, dass die Gebeine zwischen 924 und 953 umgebettet wurden – das Holz des Sarges stammt aus der Zeit zwischen 939 und 949. Ausgekleidet ist der Sarg mit byzantinischen Stoffen. Die Gebeine stammen von einem Mann im Alter von 55 Jahren, der um 400 herum gelebt haben muss. Es kann sich also durchaus um den heiligen Severin handeln.

· St. Maria im Kapitol, Kasinostraße 6, geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr
Geschichte: Ursprünglich Stand an dieser Stelle der römische Haupttempel (Kapitol) aus dem 1. Jh. nach Christus. Davon wird im Laufe der Zeit nicht viel geblieben sein, immerhin galt es als gutes Werk, einen heidnischen Tempel zu zerstören. Ganz konnte man den Bau aber wohl nicht zerstören, denn noch heute ist römisches Mauerwerk im Kreuzgang zu sehen. Die Franken nutzten das Gelände für ihre Pfalz und nachdem Pippin der Mittlere, der Urgroßvater Karls des Großen, starb, zog sich seine Witwe Plektrudis hierhin ins Exil zurück und wurde in einer Kapelle (gebaut 690) in der Mitte der Anlage bestattet. Im 10. Jh. entstand aus dem angefügten Stift ein Benediktinerinnen-Kloster und unter dessen Äbtissin Ida wird Mitte des 11. Jh. die heutige Kirche erbaut. Längsschiff und Kreuzaltar weihte Papst Leo IX. 1049, die Schlussweihe erfolgte 1065. Eine Besonderheit ist der Kleeblattchor der Kirche, der genau dem Grundriss der Geburtskirche in Bethlehem entspricht. Woher mögen wohl die Pläne gekommen sein? Die Türme des Mittelalters existieren nicht mehr, es wurde der Turm einer nahe gelegenen Kirche mit genutzt. Die Abmessungen der Krypta von St. Maria im Kapitol stehen denjenigen im Dom zu Speyer kaum nach.
Ausstattung: St. Maria im Kapitol hatte und hat in Köln eine besondere Bedeutung. Nicht nur, dass hier die Sturm- und Feuerglocken geläutet wurden, sie war auch nach dem Dom die Kölner Hauptkirche. Hier begannen Prozessionen in Richtung Dom und der Erzbischof hielt seine erste Weihnachtspredigt stets hier.
Nur einige der kostbaren Ausstattungsstücke seien hier genannt. Die ältesten erhaltenen Teile sind die ausgestellten Holztüren aus der Zeit um 1060. Sie gehörten einmal zum Nordtor. Aus der Zeit zwischen 1150 und 1250 stammt die Madonna aus Kalkstein, die wohl ursprünglich an der Außenwand in großer Höhe angebracht war. Die sogen. ‚`Limburger Madonna‘ im Mittelschiff mit einer Höhe von 1,80 m ist ein ganz besonderes Kleinod aus der Zeit um 1300. Der Lettner im Stil der Renaissance aus dem Jahr 1523 hat eine begehbare Empore, darauf ist auch die Orgel aufgestellt. Zu erwähnen sind noch ein Flügelaltar, der Hans von Aachen (1522-1615) zugeschrieben wird und ein Tafelbild aus der Schule von Hans Baldung, einem Zeitgenossen Albrecht Dürers.
Es gibt einige Jakobusdarstellungen in St. Maria im Kapitol. Die Schönste befindet sich im nördlichen Seitenschiff. Dort finden Sie das Ursula-Fenster aus dem 16. Jh. In der linken Fensterbahn erkennen Sie den heiligen Jakobus d.Ä. am Pilgerstab und der Jakobsmuschel.
Zwei Teile sollen aber noch besondere Erwähnung finden. In der Ostkonche des Chorraumes steht eine etwa 90 cm hohe barmherzige Madonna vom Ende des 12. Jh. Die Figur war wohl mal Teil eines Reliefs und wurde erst im 19. Jh. rund gearbeitet. Ein Kölner Meister hat sie aus Kalksandstein gearbeitet, oder besser gesagt geschaffen. Die gertenschlanke Maria schmiegt ihre Wange zärtlich an ihr Kind. Eleganz und mütterliche Liebe fallen mir als Beschreibung dafür ein. Sie wird auch ‚Madonna des heiligen Hermann Josef‘ genannt. Der nämlich brachte ihr einen Apfel, nachdem eines seiner Gebete erhört worden war. Noch heute findet sich täglich vor dieser eleganten Madonna mit ihrem Kind ein frischer Apfel. Ebenfalls in der Ostkonche hängt eines der eindrucksvollsten Kunstwerken der Gotik: ein Crucifixus dolorosus (Leidenskreuz) aus dem frühen 14. Jh. Das Gabelkreuz mit dem eindrucksvoll gearbeiteten Korpus, mit einer Bemalung aus dem 15. Jh., das die Darstellung noch einmal ausdrücklich unterstreicht, stellt anschaulich das Leiden und Sterben von Christus dar. Dies machte das Kreuz zum Ziel besonderer Verehrung und durch dieses Kreuz wurde St. Maria im Kapitol zu einem Wallfahrtsort. Der sterbende Christus hängt kraftlos am Kreuz. Ausgemergelt erscheint sein Körper, man kann jede einzelne Rippe zählen. Der Bauch und die Wangen sind stark eingefallen. Der ganze Körper ist mit Wunden übersät. Das Gesicht ist schmerzverzerrt, die Augen geschlossen, der Mund drückt den Schmerz leicht geöffnet noch einmal verstärkt aus. Aus der Seitenwunde ergießt sich ein Blutstrom. Ein wirkliches Kreuz der Leiden in plastischer und künstlerischer Darstellung.

· St. Georg, Waidmarkt/Ecke Georgstraße, geöffnet täglich von 8 bis 18 Uhr
Geschichte: Erzbischof Anno hat 1056 das Chorherrenstift St. Georg im Süden, außerhalb der römischen Stadtmauern, gegründet. Ursprünglich stand an dieser Stelle das Gebäude eines römischen Straßenpostens, der wohl im 7. Jh. in eine christliche Kirche umgewandelt wurde. Spätestens im 11. Jh. war die Kirche aber völlig verfallen. 1067 wurde mit dem Bau der St. Georg Kirche begonnen, die aber erst 1074 geweiht werden konnte. Es handelte sich um eine dreischiffige Säulenbasilika, flachgedecktem Dach und mit einer Krypta unter dem Ostchor. Übrigens ist es die einzige Säulenbasilika in Köln. Im 12. Jh. erfolgten grosse Umbauten. Im 16. Jh. wurde durch den Bau der Nordvorhalle die ehemalige St. Jakobkirche mit der Stiftskirche verbunden. St. Jakob ist dem Städtebau des beginnenden 20. Jh. zum Opfer gefallen. Der heutige Vierungsaltar (ursprünglich Kreuzaltar) steht auf dem Sockel des Vorgängerbaus an der gleichen Stelle.
Ausstattung: Im Chor hängt die Kopie des wohl noch aus der ursprünglichen Kirche stammenden Kruzifix. 1921 fand man den Torso ohne Arme und Füße in der Krypta. Das Original wird im Schnütgen-Museum aufbewahrt. Besonders eindringlich ist die Darstellung des kantigen Gesichts. Im Westchor können Sie auch eine weitere Darstellung von Jakobs d. Ä. als Glasfenster aus dem Jahr 1930 von Jan Thorn Prikker sehen. Die meisten Fenster in St. Georg stammen von dem niederländischen Künstler und sind i.d.R. gegenständlich geschaffen. Nur hier im Westchor gibt es die figürlichen Darstellungen. Prikker wurde in seiner Sakralkunst vom Jugendstil und später vom Bauhaus beeinflusst. Teile des Jugendstils mit Im südlichen Querhaus befindet sich ein herrliches Triptychon aus der Zeit um 1550 mit der Beweinung Christi auf der Mitteltafel. Auf dem rechten Außenflügel sind außen die Kirchenpatrone St. Georg und St. Caesarius dargestellt. Im Westchor entdecken Sie ein Pestkreuz aus der Zeit um 1380, ähnlich dem in St. Maria im Kapitol und in St. Severin.

· St. Ursula, Ursulaplatz 30, gröffnet montags bis samstags von 9 bis 12 Uhr und 15 bis 17 Uhr, sonntags 15 bis 17 Uhr
Geschichte: Die Legende der heiligen Ursula erzählen wir Ihnen in der dritten Tagesteppaen vom Kölner Dom nach Wesseling. Auf einem römischen Gräberfeld entstand im 4. Jh. ein Gebäude zu Ehren der heiligen Ursula und ihren Gefährtinnen. Im 6. Jh. wurde dieser Saalbau in eine Kirche umgebaut. Auch im 9. Jh. wird die Kirche wieder umgebaut, wohl für das 866 erwähnte Kanonikerstift. 922 wird die Kirche schliesslich Teil eines Damenstiftes. Die Verehrung der Ursula hat in dieser Zeit einen ersten Höhepunkt erreicht und Anfang des 12. Jh. wird die heutige Emporenbasilika gebaut. Die Altarweihe ist im Jahr 1135 belegt. Nötig wurde die neue Kirche durch verschiedene, bei mittelalterlichen Ausgrabungen gefundenen Gebeinen, die zu Reliquien erhoben wurden. Aus den ursprünglich 11 Gefährtinnen wurden im Laufe der Zeit durch immer neue Funde 11.000 Märtyrerinnen. Gegen Ende des 13. h. wird der heutige gotische Chor gebaut. Im frühen 16. Jh. wurde St. Ursula barock umgestaltet und erhielt auch die barocke Haube des Turmes. Mitte des 17. Jh. wurde die ‚Goldene Kammer‘ für die Aufbewahrung der zahlreichen Reliquien errichtet. Die Besichtigung ist nach Abspache mit dem Pfarramt -Telefon 0221-133400- möglich. Im 19. Jh. wurde die Kirche grundlegend restauriert und dabei der romanische Zustand weitgehend wiederhergestellt.
Ausstattung: Beginnen wir im Chorraum der Kirche, einem der Höhepunkte der Ausstattung. Als Teil des Hochaltares, der im Barock umbaut und im 19. Jh. wiederentdeckt wurde, steht auf der linken Seite der Ursulaschrein. Er stammt, unter Verwendung einiger romanischer Teile des ursprünglichen Schreines, aus dem 19. Jh. Der alte Schrein war wohl nicht mehr zu restaurieren. Rechts vom Altarkreuz befindet sich der Schrein des heiligen Ätherius. 1156 wurden seine Gebeine gefunden und er wird als der Gatte der heiligen Ursula verehrt. Der romanische Schrein stammt aus der Zeit um 1170 und das Dach ist besonders reich verziert. Die Seitenflächen weisen 12 Arkaden auf. Vermutlich haben dort einmal Figuren der 12 Apostel gestanden. Leider sind sie im Laufe der Jahrhunderte verlorengegangen und durch Holztäfelchen ersetzt worden. Auch die vordere und hintere Giebelwand war mit Figuren besetzt. In den Glasmalereien der Chorfenster können Sie den heiligen Jakobus d.Ä. entdecken. Im Altarraum befinden sich auch die 24 Tafeln mit der wohl ausführlichsten Darstellung der Ursula-Legende. Sie sind mit 1456 datiert und stammen aus der Werkstatt des 1451 wohl an der Pest gestorbenen Stephan Lochner. Vielleicht haben Sie von dem genialen Künstler in der Zeitung gelesen. Unter seiner ‚Adresse‘ im Kölner Dom erhält er laufend Werbepost. Eine goldene Kreditkarte wurde ihm angeboten, oder ein Abonnement für die Neue Zürcher Zeitung. Im Jahr 2007 fragte die Deutsche Post freundlich bei ihm an, ob er nicht am Briefmarkensammeln interessiert sei. Dann aber überwies das Unternehmen, durch den Generalvikar von dem ‚tragischen Ableben‘ des Adressaten informiert, als Spende 1.111,11 Euro für neue Glasfenster im Dom (www.rp-online.de, 13.04.2007). Im vorderen Bereich des Chores, auf der rechten Seite, befindet sich die sogen. Clematius-Inschrift aus dem 4. Jh. Der in Stein eingemeisselte Text erzählt die Märtyrergeschichte, aus der die Ursula-Legende hervorgegangen ist und ist der früheste schriftliche Beleg für das Christentum in Köln. Die beiden Skulpturen von Maria und Johannes am grossen Boden vor dem Altarraum sind um 1500 entstanden.
Eine Legende erzählt von der Auffindung des Ursula-Grabes. Am Festtag der heiligen Ursula und ihrer Gefährtinnen feiert Erzbischof Kunibert eine heilige Messe in der Kirche. Es kam eine Taube, die sich auf seinen Kopf setzte und sich dann im Seitenschiff auf einer Grabstelle im Boden niederließ. Einer der Messdiener öffnete das Grab und zeigte dem Erzbischof einen Schädel. Später wurden die gefundenen Gebeine als die der heiligen Ursula verehrt. Dort, wo man das Grab der heiligen Ursula gefunden hatte, steht im nördlichen Querschiff das Ursula-Grabmal aus dem Barock, datiert 1659.  Es ist aus schwarzem Marmor, die Ursula-Figur aus Alabaster. Es umschließt einen Sarkopharg aus dem frühen 15. Jh.
Im Hauptschiff finden sich in den Seitenemporen sogen. Reliquiendoppelbüsten. Doppelbüsten deshalb, weil sie sich von beiden Seiten betrachten lassen und freri aufgestellt wurden. In den Holzskulpturen, die um 1500 geschaffen wurden, befinden sich Sichtöffnungen, die den Blick auf die Reliquien ermöglichten. Es handelt sich insgesamt um sechs weibliche und eine männliche Darstellung. Auf der linken Seite des Mittelschiffs befindet sich noch ein beeindruckendes Steinrelief der Grablegung aus dem 16. Jh. und der romanische Sarkophag der Viventia aus der ursprünglichen Ausstattung der Ursulakirche. Auch hier gibt es wieder eine schöne Legende. In der Clematius-Inschrift wurde bei Höllenqualen verboten, in der Kirche jemanden anders zu bestatten, als die heiligen Gefährtinnen der Ursula. Als nun die als Kind gestorbene Tochter von Pippin dem Älteren starb, wurde sie zweimal im Boden der Kirche bestattet und auf wundersame Weise wieder herausgeworfen. Schliesslich wurde zu Beginn des 12. Jh. der steinerne Sarkopharg aufgestellt und damit das Verbot geschickt umgangen. Die Steinfiguren auf der anderen Seite der Madonna und des Christus Salvator stammen aus dem Ende des 15. Jh. Im Marienschiff, also auf der rechten Seite, befindet sich auch eine überlebensgroße Schutzmantelursula, leicht an ihrem Attribut, dem Pfeil, zu erkennen. Vielleicht stehen die Figuren unter ihrem Mantel für die Gefährtinnen. Die Darstellung stammt aus der 2. Hälfte des 15. Jh. und ist aus Stein gearbeitet. Und schliesslich die Mosaiken, neuromanisch, die auf goldenem Grund Maria, Salomon, David, Isaias, Jeremias und Ezechiel darstellen.
Die in der Westempore zu sehenden Chorbänke stammen aus der Romanik um 1135 und gehörten zum Damenchor. In der Schatzkammer sind noch der Apostelzyklus erwähnswert, natrülich auch mit der Darstellung des Apostel Jakobus d.Ä. Es sind nur noch 10 Tafeln erhalten, Petrus und Paulus fehlen. Zwei Seidengewebe mit Darstellung von einer Löwenjagen aus dem 9. Jh. könnten aus dem Hippolytusschrein stammen, der 922 nach St. Ursula gebracht wurde. Von der Schatzkammer gelangen Sie auch in die ‚Goldene Kammer‘ in der viele Reliquienbüsten vom 13. bis ins 18 Jh. ausgestellt wurden. Bis in die Decke hinein sind die Wände mit einem Muster aus Knochen bedeckt.

· St. Cäcilien, Schnütgens-Museum, Cäcilienstr. 29, geöffnet dienstag bis freitags von 10 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr
Geschichte: Im ausgehenden Mittelalter vermutete man hinter der betont schlichten Stiftskirche St. Cäcilien die aktuelle Nutzung des ‚Alten Domes‘, dem Vorgängerbau des Kölner Domes, für den eine neue Verwendung gesucht wurde. Ausgrabungen haben aber eine rechteckige Vorgängerstiftskirche aus der Ottonenzeit im späten 9. Jh. zu Tage gebracht. Erzbischof Bruno vermachte dem Stift 50 Pfund Silber zur Vollendung des Kirchenbaus. Aber im 12. Jh. musste die ottonische Kirche einem romanischen Bau weichen. Vielleicht war der Reliquienkult im alten Köln der Auslöser dafür, denn hier im Stift verwahrte man die von Bruno übergebenen Reliquien seines Vorgängers aus dem 7. Jh., dem heiligen Evergismus. Gegenüber dem Chor unter der Westempore, ist eine, heute rekonstruierte, Krypta angelegt worden.
Ausstattung: In der heute turmlose Kirche ist seit 1956 das Schnütgen-Museum untergebracht mit der umfangreichsten Sakralsammlung nach dem Diözesanmuseum. Trotzdem hat sich der krichliche, stille, andächtige Eindruck erhalten. Von der alten Ausstattung ist wenig erhalten. Über dem Nordportal hängt die Kopie eines Steinreliefs, auf dem die Heilige Caecilia im Boden zu versinken scheint. Es liegt daran, dass das Relief ursprünglich für einen 8 cm grösseren Rahmen gearbeitet war und ‚zurechtgebogen‘ werden musste. Das Original aus dem 12. Jh. ist im Museum ausgestellt und hat wunderbar erhaltene Köpfe und Gesichter.
Zu den Schätzen des Schnütgen-Museums zählen viele Ausstattungsstücke der romanischen Kirchen von Köln, darunter der Kruzifixus aus St. Georg. Viele Ursulabüsten sind ausgestellt, der Jakobspilger findet eine Fülle an Darstellungen des heiligen Jakobus d.Ä. aus der Zeit des 13. – 18. Jh. Auch wenn Sie weniger Zeit mitbringen, sollten doch neben dem Dom St. Cäcilien nicht verpassen.

· St. Aposteln, Apostelnkloster 10, geöffnet täglich ausser dienstags von 10 bis 12 Uhr und 15 – 17 Uhr
Geschichte: Die ursprüngliche Kapelle wurde außerhalb der römischen Stadtmauern an der Straße nach Aachen gebaut. Erzbischof Pilgrim gründete ein Chorherrenstift . Das Stift erhielt eine dreischiffige Basilika, die jedoch nach einem Brand im Jahr 1198 wieder aufgebaut werden musste. Es entstand die heutige St. Aposteln Kirche mit dem charakteristischen Kleeblattchor. Die Kirche ist auf 12 Pfeilern gegründet, dies entspricht der Zahl der Apostel. Eine Krypta wurde während des 30-jährigen Krieges zugeschüttet und erst nach dem 2. Weltkrieg wieder entdeckt. Der Altarraum zeigt nach Westen und nicht, wie bei anderen Kirchen, in den Osten. Damit die Kirche dem Vorbild des Petersdomes in Rom. Noch erhalten von der Kirche sind die Mauerkerne. Die Schale musste mehrfach erneuert werden. Der Westturm überragt mit seinen 67 m die Türme der anderen romanischen Kirchen.
Ausstattung: Wie die Kirche im Ursprungszustand ausgemalt war, weiß man heute nicht mehr. Die bekannte Ausmalung des 19. Jh. wurde nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg nicht wiederhergestellt. Die Ausmalung der Gewölbe durch einen zeitgenössischen Künstler, die vor einiger Zeit begonnen wurde, ist durchaus umstritten.  Herausragende, sakrale Kunstwerke sind die gotischen Darstellungen der 12 Apostel als Kirchenpatrone in der Ostkonche. Sie sind um 1330 aus Lindenholz gefertigt. Den Jakobspilger interessiert hauptsächlich die Darstellung des heiligen Jakobus d.Ä., es ist die dritte Statue von rechts. Leicht ist er an dem Pilgerstab zu erkennen. Wahrscheinlich gehörten die Skulpturen zu einem Flügelaltar. Eine weitere Jakobusdarstellung findet sich in dem Tafelbild zur Aussendung der Apostel aus dem Jahr 1510. Die Skulpturen der 14 Nothelfer stammen aus dem 16. – 18. Jh. und wurden im 18. Jh. gesammelt und in einer eigenen Nothelfer-Kapelle aufgestellt. Das romanische Taufbecken stammt aus der Zeit um 1200 und 1950 mit einem neuen Deckel ausgestattet. Der ‚Schmerzensmann‘ entstand um 1450, die Madonna mit Kind um 1470 herum.

· Groß St. Martin, Groß St. Martin 9, geöffnet dienstags bis freitags von 10 – 12 und 15 – 17 Uhr, samstags von 10 – 12:30 Uhr und 13:30 – 17 Uhr, sonntags von 14 bis 16 Uhr
Geschichte: Es gibt einen sehr ausführlichen, detaillierten Beleg, dass die Benediktinerabtei, zu der Groß St. Martin gehörte, schon im 7. Jh. gegründet wurde. Im Jahr 1900 wurde diese Chronik als Fälschung eines Bednediktinermönches aus dem Jahr 1730 entlarvt. Sicher wissen die Historiker nur, dass die Kirche Groß St. Martin auf den Überresten einer römischen Sportanlage mit Schwimmbecken oder einem Lagerbecken für Rheinfische und -muscheln gebaut wurde. Gesichert ist die Gründung eines Chorherrenstiftes zwischen 953 und 965 unter Erzbischof Brun zu Ehren des heiligen Martins von Tour. Mauerreste scheinen noch zu einer ersten Kirche dieses Stiftes zu gehören. Nach einem Brand wurde 1172 ein romanischer Neubau geweiht. Der typische Kleeblattchor ist als einziges Bauteil bis heute erhalten. Alle anderen Mauern und der Vierungsturm wurden mehrfach umgebaut und umgestaltet.
Ausstattung: Von der ursprünglichen Ausstattung ist heute nichts mehr erhalten. Im Frühbarock des 17. Jhs. gab es bereits eine Neuausstattung, der wahrscheinlich die vielen urkundlich erwähnten Altäre zum Opfer fielen. Im frühen 18. Jh. wurde dann die Kirche endgültig barockisiert und gegen Ende dann nochmals mit klassizistischen Elementen ausgeschmückt. Aus kunsthistorischer Sicht scheint die Ausschmückung durchaus gelungen. Die in Groß St. Martin vorhandenen Kunstschätze sind bis auf wenige Ausnahmen Neuerwerbungen in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Der Taufstein aus Kalkstein ist ein besonders schön gearbeitetes Stück und stammt aus dem 13. Jh. Das Triptychon mit der Darstellung der Heiligen Drei Könige ist wohl am Niederrhein im Jahr 1530 entstanden. Auch hier findet sich wieder ein ‚Schmerzensmann‘, die lebensgroße Skulptur stammt aus dem 16. Jh. Der zweite Patron der Kirche, der heilige Eliphius, ist im 12. oder 13. Jh. entstanden. Sie zeigt die Legende des Heiligen, der nach seiner Enthauptung mit dem Kopf in der Hand sein eigenes Grab ausgesucht haben soll. Die Kreuzigungs- und Grablegungsgruppe stammen wohl aus der Kölner Werkstatt des Tilman van der Burch im ausgehenden 15. Jh. Besonders die Darstellung des Gekreuzigten zeigt eine aussergewöhnliche anatomische Genauigkeit.

· St. Pantaleon, Am Pantaleonsberg 6, geöffnet montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 16 Uhr, sonntags von 12 – 18 Uhr
Geschichte: Fast schon orientalisch könnten die beiden schlanken Türme von St. Pantaleon sein. Sie erinnern ein wenig an Minarette. Und die Beziehungen in den Orient bietet nicht nur der Namenspatron Pantaleon, der als Arzt in Byzanz, dem heutigen Istanbul, lebte und dort den Märtyrertod mit seinen auf den Kopf genagelten Händen starb. Gegen Kopfschmerzen rufen die Gläubigen ihn seit Jahrhunderten an. Und zu den 14 Nothelfern gehört der Schutzpatron der Ärzte und Hebammen auch. Aber nun zur ältesten der Kölner Kirchen, die auf Überresten einer römischen Villa aus dem 3. Jh. erbaut wurde und auf eine bescheidene Kirche mit Armenhospital aus dem 9. Jh. zurückgeht. Dieses Kirchlein war schon dem heiligen Pantaleon geweiht. Und als im 10. Jh. Erzbischof Bruno hier eine Benediktinerabtei gründet und die Pantaleon-Reliquien stiftet, beginnt 966 nach seinem Tod der Neubau von Kloster und Kirche. 300 Pfund Silber hat er für den Neubau testamentarisch hinterlassen. Schon kurz nach der Chorweihe 980 beginnen die Bauarbeiten erneut. Kaiser Theophanu, Gemahlin Otto II., brachte neben weiteren Reliquien auch die Verehrung des heiligen Nikolaus aus ihrer Heimat Byzanz mit. Erzbischof Bruno und Theophanu sind in St. Pantaleon bestattet worden. Das Westwerk der damaligen Kirche ist noch zum großen Teil erhalten. Um 1160 wird aus einer einschiffigen Saalkirche dann die dreischiffige Basilika. Im späten Mittelalter erhielten andere Klöster, Stifte und Kirchen die grossen Schenkungen – und so stammt der spätgotische Lettner erst aus dem Beginn des 16. Jh. Im 17. und 18. Jh. wurde St. Pantaleon barockisiert. Nach den großen Zerstörungen im 2. Weltkrieg wurde der romanische Bauzustand möglichst wiederhergestellt. Durch Auslagerung z.B. der Schreine und Schutz der wertvolleren Bauteile wie Hochaltar und Lettner hat man es verstanden, in St. Pantaleon die reichhaltigste Ausstattung zu erhalten.
Ausstattung: Das schönste und wohl auch wertvollste Ausstattungsstück ist der sofort ins Auge fallende Lettner, der 1502/1503 aufgestellt wurde. Mehrfach hat er seinen Standort gewechselt und dabei seinen nach Osten zeigenden Schmuck verloren. Um so eindrucksvoller ist die Gestaltung der Vorderseite. Zwei große Namen werden als möglich Künstler ins Gespräch gebracht: Meister Tilman aus Köln und Tilman Riemenschneider. Auf dem Lettner ist auch die barocke Orgel aufgestellt, das Orgelwerk stammt aus dem Jahr 1963. Der barocke Hochaltar wurde 1749 geweiht. Hier begegnet uns der heilige Quirinus von Neuss wieder, der gemeinsam mit St. Mauritius den heiligen Pantaleon flankiert. Die Glasfenster hinter dem Altar sind die ältesten erhaltenen der Kirche und stammen von 1622. Neben der Kreuzigungsszene in der Mitte zeigt das nördliche Fenster wieder St. Pantaleon mit den Heiligen Mauritius und Quirinus und das südliche den heiligen Benedikt mit zwei heiligen Bischöfen, wohl Bruno auf der linken und Engelbert von Berg auf der rechten Seite. Im Seitenschiff hinter dem Lettner sind auch Wandmalereifragmente wohl aus der Vorgängerkirche zu sehen. Auf der linken Seite vom Altar ist es eine gegenständliche Malerei, die von den Fachleuten in die ottonische Zeit datiert wird, die Verkündigungsszene auf der rechten Seite stammt aus der Krypta und ist wohl um 1230 entstanden.
Die Kanzel ist 1749 errichtet worden, die Vorgängerkanzel aus der ersten Hälfte des 17. Jh. zeigt die engen Verflechtungen innerhalb des Erzbistums. Diese können Sie nämlich auf Ihrem Pilgerweg in St. Bartholomäus in Andernach-Namedy besichtigen (7. Tagesetappe).
Im Westwerk, unter der Empore, sind auch noch einige erhaltene Stücke aus der Vorgängerkirche ausgestellt. Eine romanische Chorschranke, die Fragmente vom ursprünglichen Figurenschmuck der Westfassade und als besonderer Höhepunkt Teile einer Kalksteinplatte mit Einlegearbeiten, also ein Mosaik. Ursprünglich scheint die erheblich grössere Platte als kostbarer Steinteppich vor dem Altar gelegen zu haben. Sie sind in das 9. Jh. datiert – es handelt sich also um die ältesten Ausstattungsstücke. Schliesslich finden sich am nördlichen Turmaufgang die Versuche eines angehenden Künstlers. Die Skizzen sind wohl zu Übungszwecken entstanden und danach übertüncht worden. Bisher hat man sie in die Romanik des 11. und 12. Jhs. datiert, neuere Forschung könnten die Entstehung aber auch in ottonischer Zeit liegen.

· St. Andreas, Andreaskloster 3, geöffnet montags bis freitags von 7 bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 8 bis 19 Uhr
Geschichte:  Wo sich heute St. Andreas befindet, war in der Nähe des römischen Nordtores eine grössere vorstädtische Ansiedlung. Und vielleicht stand hier auch die frühmittelalterliche Kapelle St. Matthäus in Fossa (im Graben). Gesichert ist eine frühromanische Vorgängerkirche aus dem 10. Jh., die Erzbischof Bruno für das von ihm gegründete St. Andreas Chorherrenstift bauen ließ. Von dieser Kirche kann man Teile der mächtigen Fundamente in der Krypta sehen.
Die heutige Kirche stammt aus der Spätromanik des 12. Jh. Die Pfeilerbasilika hatte drei Schiffe, einen Vierungsturm und einen Langchor. Anfang des 15. Jh. wurde die Krypta zugeschüttet und die Kirche gotisch erweitert. Erst mit dem Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg wird die Krypta wieder freigelegt und eine Grabkapelle für den heiligen Albertus Magnus geschaffen. Die Kapellen in den Seitenschiffen mit den herrlichen Wandmalereien stammen aus dem gotischen Umbau Anfang des 15. Jh. Auch der gotische Chor hebt sich deutlich von der romanischen Kirche ab. Dennoch erscheint St. Andreas nicht unharmonisch.
Ausstattung: St. Andreas ist seit 1802 eine der bedeutenden Wallfahrtskirchen in Köln. Im Zuge der Säkularisation wurde das Dominikanerkloster in Köln aufgehoben, die Kirche war zum Abriss bestimmt. Daraufhin wurden die Gebeine des heiligen Albertus Magnus (gest. 1280) in die St.-Andreas-Kirche überführt. Aber dazu später mehr.
In der Eingangshalle begegnet uns wieder die Ursula-Legende. Der ‚Blutbrunnen‘ aus dem Anfang des 16. Jh. soll das Blut der 11000 Gefährtinnen der heiligen Ursula aufgenommen haben. Die Größe macht das Reliquiengefäß zu einer Besonderheit – selbst im reliquiensüchtigen späten Mittelalter.
Im Südschiff (also rechter Hand) begegnet Ihnen zunächst das Triptychon der Rosenkranzmadonna aus der Zeit um 1500/1510. Gemalt wurde dieses Altarbild vom Meister von St. Severin im Auftrag der im Jahr 1472 gegründeten ersten Bruderschaft.
Im südlichen Querschiff steht der Machabäerschrein aus dem beginnenden 16. Jh. Die Legende der Machabäerbrüder und deren grausames Martyrium ist auf diesem kostbaren Schrein in einmaliger Ausführlichkeit wiedergegeben. Die sieben Brüder und ihre Mutter Salomone haben in alttestamentlicher Zeit ca. 200 v. Chr. den Tod erlitten.
Bei dem großartigen Chorgestühl handelt es sich wohl um eines der wertvollsten Arbeiten des Mittelalters in Köln. Es stammt aus der Zeit um 1430. Leider sind einige Beschädigungen nur notdürftig geflickt worden und der Baldachin ist gänzlich untergegangen. Aber auch so kann man das Chorgestühl mit seinen reichhaltigen figürlichen Schnitzereien lange betrachten und satändig etwas Neues entdecken.
In der nordöstlichen Kapelle ist eine hölzerne Pieta (leidende Mutter Gottes) aus der 2. Hälfte des 14 Jh. aufgestellt. Diese stammt aus dem aufgegebenen Dominikanerkloster und hat hier einen würdigen Platz gefunden.
Überall in der Kirche entdecken Sie zum Teil sehr alte, d.h. bis in die Gotik datierte, Wandmalereien. Leider sind sie nur noch teilweise oder nach mehrfacher Restaurierung nur noch fragmentarisch erhalten.
In der Krypta befindet sich der römische Steinsarkopharg aus dem 3. Jh. mit den Gebeinen des Albertus Magnus (1200-1280). Der Universalgelehrte des Mittelalters studierte die freien Künste und wohl auch Medizin, später dann Theologie. Sein Noviziat als Dominikaner absolvierte er in Köln, wohin er auch später immer wieder zurückkam. Ab 1248 leitete er die Ordenshochschule in Köln, die in dieser Zeit Studenten aus ganz Europa anzog. Als Provinzial der deutschen Ordensprovinz visitierte er regelmässig die insgesamt 40 Klöster. 1260 wurde Albertus Magnus vom Papst zum Bischof von Regensburg ernannt und war damit gleichzeitig Reichsfürst. Das ungeliebte Amt konnte er aber schon zwei Jahre später wieder aufgeben und zog in den Jahren 1263 und 1264 als Kreuzzugsprediger durch Deutschland und Böhmen. Nach Wiederaufnahme seiner Lehrtätigkeit kam er 1269 wieder nach Köln zurück, wo er am 15. November 1280 starb.
Albertus Magnus, der in Paris auch Lehrer von Thomas von Aquin war, hat 70 Bücher hinterlassen. Seine ausführliche Darstellung der europäischen Flora und Fauna gehörte zu den wichtigsten Schriften des Mittelalters. Das gilt auch für seine geografischen Beschreibungen.
Albertus Magnus war fasziniert von den Schriften des antiken griechischen Philosophen Aristoteles. Für Aristoteles existierte ein göttliches Wesen, weil für ihn alles, bis auf die Zeit und die Veränderung, vergänglich ist. Das schließt der geniale Philosoph aus der einzigen angenommenen unvergänglichen Veränderung, nämlich der Kreisbewegung der Fixsterne. Wenn diese Kreisbewegung ewig andauert, dann muss es jemanden geben, der ‚bewegt‘ und selbst ‚unbewegt‘ ist. Der unbewegte Beweger ist nach Aristoteles ‚Gott‘. Gott bewegt die gesamte Schöpfung. Und da er denken kann, muss er auch lebendig sein. Nicht, dass Albertus Magnus die Schriften des Aristoteles unkritisch übernommen hätte: Im Gegensatz zu vielen späteren Philosophen (darunter auch Martin Luther) hat er in seinen eigenen Werken Kritik geübt und viele Anmerkungen zu seinem Vorgänger gemacht.  Er setzte sich sehr dafür ein, dass die aristotelischen Schriften, die zuvor als ‚heidnisch‘ abgelehnt wurden, in den Kanon der Kirche aufgenommen wurde. Damit begründete Albertus Magnus letztendlich die modernen Naturwissenschaften.
Wenn Sie sich mehr für den erst 1931 heilig gesprochenen Kirchenlehrer interessieren: Das Albertus-Magnus-Institut in Bonn (www.albertus-magnus-institut.de) arbeitet seit 1931 an einer kritischen Ausgabe seines Gesamtwerkes in 41 Bände, jeder mit zahlreichen Teilbänden. 
Für St. Andreas hat der Dominikanerkonvent einen detaillierten Kirchenführer herausgegeben, der am Schriftenstand erhältlich ist.

· St. Maria Lyskirchen, An Lyskirchen 8, geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr
Geschichte: Obwohl St. Maria Lyskirchen die kleinste unter den großen romanischen Kirchen ist, hat sie doch eine große Besonderheit gegenüber den anderen Stiftungen in der Stadt. Es war niemals eine Stiftskirche, sondern wohl die Stiftung eines vornehmen Kölner Bürgers. Aus Lisolf oder Lysolfus, es sind mehrere Schreibweisen überliefert, wurde im Laufe der Zeit Lyskirchen. Einen längeren Besuch ist die Kirche wegen ihrer weitgehend erhaltenen Gewölbemalereien aus dem 13. Jh. wert. Sie liegt an Ihrem Weg aus der Stadt heraus und Sie sollten ein wenig Zeit einplanen. Im Pilgerwanderführer "Ein Jakobsweg von Neuss über Köln nach Koblenz-Stolzenfels" wird die Baugeschichte kurz erwähnt – und auch die Legende der Zelle des heiligen Maternus, die in der Krypta gewesen sein soll, wird erzählt.
Dass es Vorgängerbauten gegeben hat, ist unstrittig. 948 wird in den Urkunden von einem ‚Kirchlein‘ berichtet. Alte Fundamente ziehen sich quer durch die Emporenbasilika.Wie weit Vorgängerbauten zurückdatiert werden können, kann man heute nicht mehr sagen. In einer Ecke sind römische Baumaterialien verwendet worden. Auf jeden Fall gab der Grundriss der Kapelle die Bauform für die neue romanische Kirche aus der ersten Hälfte des 13. Jh. vor. Noch heute kann man von außen erkennen, dass es nicht so einfach gewesen sein kann, den Grund und Boden zu erwerben. Vorne gab die Straße die Begrenzung vor, das nördliche Seitenschiff hatte mehr Platz zur Ausdehnung. Insgesamt wirkt der Grundriss unregelmäßig, ja sogar verzogen. Durch Um- und Anbauten im Laufe der Jahrhunderte, besonders im 16. und 17. Jh., erhielt St. Maria Lyskirchen ihr heutiges Gesicht.
Ausstattung: Der Taufstein im südlichen Seitenschiff ist wohl das letzte Stück der ursprünglichen Ausstattung. Gearbeitet gegen Ende des 13. Jh. aus schwarzem und hellem Marmor. Gegenüber steht die 2 m hohe sogen. Schiffermadonna, die angeblich aus dem Kloster Walberberg im 19. Jh. nach Lyskirchen kam. Gearbeitet wurde die Madonna aus Holz um 1410/1420. Ursprünglich stand sie im Freien und blickte auf die Schiffe auf dem Rhein herunter. Zum Schutz vor Witterungs- und Umwelteinflüssen hat man sie jedoch in die Kirche umgesetzt. Wenn Sie sich in der Mitte umdrehen, erkennen Sie die wohl älteste Wandmalerei der Kirche. Es handelt sich um die Anbetung der Heiligen Drei Könige. Dieses Bild aus den Jahren um 1220/1230 ist das letzte erhaltene an den Wänden, aus der wohl ursprünglich gänzlich ausgemalten Kirche. Immerhin konnten die Menschen des Mittelalters nur selten lesen und schreiben, Bilder ersetzten also die Schrift.
Im nördlichen Seitenschiff sind einzelne Scheiben der ehemals prächtigen Glasfenster erhalten. Die aus den Jahren 1520/1530 stammenden Fenster zeugen von einer hohen Qualität der künstlerischen Darstellung. Achten Sie nur einmal auf die Gesichter und auf die Kleidung.
Erwähnenswert, bevor Sie den Blick nach oben richten, sind noch das Triptychon in der nördlichen Chorkapelle. Es ist eine Kopie aus dem Beginn des 19. Jh. – das Original hat die Pfarrgemeinde 1812 verkauft. Der Altar steht heute im Frankfurter Städel. Die ursprüngliche Arbeit stammt von Joos van Kleve, der wohl ab 1511 die Bilder geschaffen hat. Und am Hochaltar steht eine Madonna aus der Zeit um 1350 mit einer alten, farbigen Bemalung.
Die herrlichen Malereien im Mittelschiff und den beiden Chorkapellen stammen aus dem 13. Jh. Trotz der Zerstörungen des 2. Weltkrieges sind sie erhalten geblieben. In der nördlichen Chorkapelle, dort wo auch das Triptychon steht, wird die Legende der heiligen Katharina erzählt, die Anfang des 4. Jh. den Märtyrertod erlitten haben soll. Diese Malereien sind 1879 entdeckt worden und man hat in dem Versuch, sie zu restaurieren, viel übermalt und reichlich Goldbronze verwendet. In diesem Zustand sind sie hier noch heute. Die Beschädigungen stammen aus neuerer Zeit. Gegenüber in der südlichen Kapelle hat man die Übermalungen 1934 wieder entfernt. Hier zeigen die Bilder Szenen aus der Nikolaus-Legende, die besonders im Rheinland sehr oft zu finden sind.

· St. Gereon, Gereonskloster, geöffnet montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr, sonntags von 12:30 bis 18 Uhr
Geschichte: Erfahrungen sind immer subjektiv und Neutralität gehört beim Zusammenstellen meiner Pilgerwanderführer nicht zu meinen Zielen. Deshalb darf ich wohl schreiben, dass St. Gereon für mich die faszinierendste der romanischen Kirchen in Europa ist. Vielleicht liegt es daran, dass diese Kirche eigentlich gar kein romanischer, sondern ein spätantiker, Bau ist.
Was wissen und was vermuten die Historiker? Es gab an dieser Stelle ein viel genutztes römisches Gräberfeld, auf dem eine prächtige ‚cella memoriae‘ gestanden hat. Dieses Totengedenkhaus wurde sogar teilweise beheizt. Nur eine mächtige und reiche Familie konnte sich so etwas leisten – aber die ließen sich kaum in der Provinz bestatten, ja, selbst für Trier, wo der Hof häufig residierte, wäre es ungewöhnlich gewesen. Wohl im 4. Jh. wurde der ovale Bau mit acht Nischen gebaut. Die Legende berichtet, dass Kaiserin Helena diesen Bau für den heiligen Gereon, einem Offizier der Thebäischen Legion (vgl. Ein Jakobsweg von Neuss über Köln nach Koblenz-Stolzenfels – Bonn), errichten ließ. Die Datierung beruht allein auf einem eingemauerten Isis-Altarstein, in dem eine in Trier nach 345 geprägte Münze gefunden wurde.  Damit scheidet Helena (gest. 330) als Bauherrin allerdings aus. Die Nutzung ist unklar, jedoch wird im Zusammenhang mit der Thebäischen Legion im 5. Jh. von einer Kirche ‚Zu den Goldenen Heiligen‘ berichtet. Dies bezieht sich auf die goldenen Mosaike, die in dem Ovalbau gefunden wurden.

Das schon 839 erstmals belegte St. Gereonstift entwickelt sich zur ranghöchsten Kirche im Erzbistum Köln. Aber der Zahn der Zeit hat auch vor St. Gereon nicht halt gemacht. Im 11. Jh. war die Kirche baufällig, umfangreiche Baumaßnahmen folgen. Nachdem dann 1121 die angeblichen Gebeine des heiligen Gereon gefunden wurden, wurde An- und Umbauten intensiviert. Zwischen 1210 und 1227 wird der Ovalbau zu einem Dekagon (Zehneck) umgebaut und eine nach der Hagia Sophia in Konstantinopel (Istanbul) und dem Dom zu Florenz grösste Kuppel des Mittelalters gebaut. Eine barocke Umgestaltung wurde im 19. Jh. wieder rückgängig gemacht.
Heute stellt sich St. Gereon als einzigartige Verbindung von spätantiken, romanischen und gotischen Bauelementen dar.
Ausstattung: Die wertvolle Ausstattung geht in dem prachtvollen und aussergewöhnlichen Bauwerk ein wenig unter. In der Vorhalle ist der linke Löwe war wohl nicht an seiner ursprünglichen Stelle, aber sicherlich aus romanischer Zeit im 12. Jh. Längst nicht so fein gearbeitet ist der rechte Löwe, der später geschaffen wurde. Schon damals galt der Satz: "Früher war alles besser!" Die Grablegung Christi aus Sandstein mit lebensgroßen, vollplastischen Figuren ist vom Beginn des 16. Jh.
In der Taufkapelle sind einige schöne Wandbilder aus dem Übergang von der Romanik zur Gotik zu erkennen. Nachdem die Bilder mehrfach übermalt wurden, konnten sie im 20. Jh. wieder freigelegt werden. Ins Auge fällt sofort die Darstellung des heiligen Konstantin aus der Zeit um 1240. Der Flügelaltar mit der Kreuzigungsszene ist vor 1515 entstanden. Links und rechts sind der heilige Georg und der heilige Christopheruas dargestellt. Unter dem Kreuz erkennen Sie Maria, Johannes und die heilige Margaretha. Der vierte Heilige lässt sich nicht eindeutig zuordnen. Vielleicht ist es ja ungewöhnlicherweise Jakobus d.Ä., der hier mit dem Schwert als Attribut seines Märtyrertodes dargestellt wurde.
Gegenüber, in einer der nördlichen Nischen des Zehnecks, steht eine Alabasterfigur der heiligen Helena, der Mutter des römischen Kaisers Konstantin. Helena ist im hohen Alter von 76 Jahren von Trier nach Jerusalem gepilgert und hat dort der Legende nach das Wahre Kreuz und das Grab Christi gefunden. Wie oben erwähnt soll sie auch in Köln gewesen sein.
Im Chor befindet sich auf der rechten, südlichen Seite die Sakristei, heute als Schatzkammer gestaltet. Dort befindet sich noch ein Fenster, dessen unterer Teil aus der ersten Hälfte des 14. Jh. stammt und u.a. die Anbetung durch die Heiligen Drei Könige zeigt. Die Sakristeitür mit den Reliefs des leidenden Christus und seiner Mutter stammen aus der Zeit um 1540.
Der prunkvolle Josephsteppich an der Nordwand stammt aus der Mitte des 18. Jh. und erzählt die alttestamentarische Geschichte von Joseph und Jacob. Das kunstvolle Sakramentshaus entstammt der Renaissance, datiert 1608.
Über dem Zugang zur Grabkapelle hat sich eine Kreuzigungsdarstellung aus dem 13. Jh. erhalten. Der Märtyrerbrunnen (in den der hingerichtete Gereon geworfen sein soll) nahm man im westlichen Teil der Krypta an und errichtete um 1190 ein neues Gewölbe über dem Grab. Dass Samsonmosaik stammt aus dem Chorraum und ist hier im 19. Jh. neu verlegt worden.  Die Fragmente stammen aus der Zeit um 1070.

· St. Kunibert, Kunibertkloster 6, geöffnet täglich von 10 – 13 und 15 – 18 Uhr, sonntags von 15 – 18 Uhr
Geschichte: Bei einer fast 800 Jahre alten Kirche von der ‚jüngsten‘ zu sprechen, erscheint etwas seltsam. Der Baubeginn liegt immerhin vor 1210, der Chor wurde 1226 fertiggestellt und geweiht wurde St. Kunibert 1247 als Stiftskirche. Der um 600 herum an der Mosel geborene heilige Kunibert gilt als Missionar der Friesen und Sachsen, war aber recht erfolglos. Gegen seinen Willen wurde er der siebte (oder neunte) Bischof von Köln und gründete eine St. Clemens-Kirche. An Stelle dieser ersten Kirche, in der der Heilige und 690 die zwei Ewalde (angelsächsische Priester, die bei der Sachsenmission ums Leben kamen) bestattet wurden,  ist dann St. Kunibert gebaut worden. Heute ist es eine der ausgewogendsten romanischen Kirchen in Deutschland, vielleicht liegt das an der späten Bauzeit.
Ausstattung: St. Kunibert war schon von alters her mit zahlreichen wertvollen Reliquien ausgestattet. In der neu entstandenen Schatzkammer auf der linken Seite des Querhauses fallen sie heute sofort wieder ins Auge. Auch werden in der Schatzkammer die kostenbaren Seidenstoffe des 10. Jh. aus dem Kinibertschrein und dem Schrein des zwei Ewalde aufbewahrt.
Gegenüber sind Fragmente eines Schnitzaltares aus der Werkstatt des Meister Tilman ausgestellt. Die Reliefs aus Eiche sind um 1500 entstanden.
An den Vierungspfeilern, kurz vor dem Chor, sind die Skulpturen einer Verkündigungsgruppe angebracht. Sie stammen aus dem Jahr 1439. Der Stifter dieser Gruppe ist als kleine Figur unter dem Lesepult von Maria dargestellt. Das Triptychon rechts davon wird auch ‚Meinerzhagen-Altar‘ genannt, ist in Öl auf Holz gemalt und stammt aus der Mitte des 16. Jh.
In der Taufkapelle steht das Taufbecken aus den Jahren um 1260. Bemerkenswert ist das sehr qualitätsvolle Wandbild, das auch in diese Zeit datiert wird. Die Darstellung des Gekreuzigten ist sehr zart, fast schon zerbrechlich wirkend. Weder Maria noch Johannes blicken zum Kreuz auf, sondern nach unten auf den Boden.
Daneben sehen Sie das Sakramentshaus, eines der Prunkstücke der Kirche. Es verbindet plastische mit gemalten Elementen und stammt aus dem 15. Jh. Der reichahltige figürliche Schmuck mit Darstellungen von Heiligen lässt Sie ständig etwas Neues entdecken.
Gegenüber befindet sich der Reliquienschrank aus dem Beginn des 13. Jh. Darunter befanden sich z.B. ein Stück vom Kreuz, der Bart des heiligen Antonius (dem Einsiedler) und ein Arm des heiligen Nikolaus. Und auf diese Reliquien nehmen die Wandbilder in der Nische oberhalb des Schrankes Bezug.
Im Chorraum fallen die Glasfenster aus spätromanischer Zeit um 1220/1230 auf. Sie gelten als die bedeutendsten Zeugnisse der romanischen Glasmalerei in Deutschland. Eine genaue Beschreibung der Fenster finden Sie am Schriftenstand in der Kirche. Das Triptychon des Hochaltares ist erst seit 1998 wieder in St. Kunibert, nachdem es während der Säkularisation zu Beginn des 19. Jh. verkauft wurde.
Die eingelassene Platte im Chor weist auf die Krypta und den ‚Kunibertpütz‘ hin. ‚Pütz‘ steht im rheinischen für Brunnen. Mit diesem Brunnen, der viel älter als der erste Kirchenbau an dieser Stelle ist, sind die Legenden der zwei Ewalde verbunden. Die Leichen der Priester sollen hier an Land gespült worden sein. Auch der heilige Clemens, Patron der ersten Kirche an dieser Stelle, soll mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen worden sein. Und wenn die Kinder in Neuss, dem Startpunkt unseres Rhein-Caminos, nicht vom Klapperstorch gebracht, sondern aus dem Quirinusbrunnen kommen, so ist es in Köln der Kunibertpütz, auf dessen Grund die Kinder spielen. Noch im 19. Jh. tranken Frauen aus dem Brunnen, damit sich ihr Kinderwunsch erfüllte.

5. Etappe Bonn-Venusberg – Bad Honnef = ca. 23,5 km

 

Die blauen Linien bezeichnen die im Text genannten Weg-Abkürzungen, der rote Punkt zeigt die Lage der Jugendherberge.

 

Bonn-Venusberg – Dottendorfer Jugendkreuz (ca. 1,5 km) – Bad Godesberg/Ruine Godesburg (ca. 5 km) – Gut Marienforst (ca. 9 km) – Ließem (ca. 14 km) – Rolandsbogen (ca. 19 km) – Rolandseck-Fähre (ca. 21 km) – Bad Honnef (ca. 23,5 km)

Schwierigkeitsgrad: mittel, Steigung insgesamt ca. 350 m

Besichtigungen: Godesburg, Abstecher Roddersberg (Tuffabbau), Abstecher Rolandsbogen, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Bad Honnef

Zeitbedarf: ca.  5 Stunden ohne Besichtigungen, Pausen und Rheinfähre

Tagesimpuls: Gelobt seist du, mein Herr, mit all deinen Geschöpfen, vor allem mit der edlen Schwester Sonne. Sie bringt uns den Tag und das Licht, von dir, du Höchster, ein Gleichnis.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Mond und die Sterne. Du hast sie am Himmel gebildet, klar und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und die Luft, durch bewölkten und heiteren Himmel und jegliches Unwetter. So erhältst du deine Geschöpfe am Leben.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser, so nützlich und demütig, so köstlich und rein.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, die Mutter Erde; sie trägt und erhält uns, bringt vielerlei Früchte hervor und Kräuter und bunte Blumen.

Gelobt seist du, mein Herr, durch alle, die vergeben in deiner Liebe, die Krankheit und Trübsal ertragen. Selig, die dulden in Frieden: sie werden von dir, o Höchster, gekrönt.

(Der Sonnengesang des Hl. Franziskus)

Sage: Roland und Hildegunde

In alter Zeit war es nicht immer selbstverständlich, dass sich einander Versprochene auch wirklich lieben und schätzen lernten. Denn oft genug wurden Ehen aus politischen Gründen gestiftet. Doch Hildegunde, die wunderschöne Tochter des Grafen der Drachenburg, und Roland, der ansehnliche Neffe und Paladin des großen Karl, liebten sich gar sehr. Als treuer Gefolgsmann seines Onkels zog Roland eines Tages mit dem fränkischen Heer gegen die Mauren in Spanien, wollte Karl der Große doch den Jakobsweg gegen die wilden Mauren beschützen. Seine Hildegunde musste Roland am Rhein zurücklassen. Leider erhielt Hildegunde bald schon die traurige Nachricht von Rolands Tod. Tagelang weinte sie bittere Tränen – dann verschloss sie sich gegenüber dem Weltlichen und wurde Nonne im nahe gelegenen Kloster auf der Insel Nonnenwerth. Aber Roland war nicht tot. Als er nach langen Monaten wieder zurück in seine Heimat an den Rhein kam und auf der Drachenburg endlich seine geliebte Hildegunde vor den Altar führen wollte, musste er von ihrem Klosterleben erfahren. Für Roland war Hildegunde verloren. Um ihr aber stets nahe zu sein, ließ er auf dem Felsen oberhalb von Nonnenwerth die Burg Rolandseck erbauen. Noch heute zeugt der Rolandsbogen, der letzte Rest seiner stolzen Burg, von dieser unglücklichen Liebe.

Die heutige Etappe Ihres Jakobsweges entlang des Rheins beginnt an der Casselsruhe. Der seltsame Name stammt vom Poppelsdorfer Bürgermeister Cassel, der 30 Jahre lang bis 1863 sein Amt inne hatte. Die dankbaren Bürger an seinem Lieblingsplatz stifteten eine Bank, und der Name hat sich bis heute erhalten. Hier oben entdecken Sie sicher auch eine Jakobsmuschel als Wegemarkierung – es handelt sich um den Jakobsweg von Köln und Bonn nach Trier über die Eifel, beschrieben von Annette Heusch-Altenstein und anderen im Band 2 der Pilgerwanderführer-Reihe des Landschaftsverbandes Rheinland (ISBN 978-3761616000, 255 Seiten, 12,95 Euro). Sie folgen dem ‚R‘ des linksrheinischen Rheinhöhen­weges hinein in den Wald.

An der Mauer des Universitätsklinikums vorbei kommen Sie auf dem Rhein-Camino zum nahe gelegenen Dottendorfer Jugendkreuz. Hier bietet sich eine schöne Aussicht auf das Rheintal mit Bonn und dem Siebengebirge. Folgen Sie dort weiter dem ‚R‘ des Rheinhöhenweges, das Sie den ganzen Tag begleiten wird.

Es geht am Annaberger Hof vorbei in den Wald und nach etwa 450 m biegt der Rheinhöhenweg nach links in Richtung Bad Godesberg und Godesburg ab.

An dieser Stelle können Sie die Bad Godesberger Schleife des Rheinhöhenweges abkürzen, in dem Sie sich nach rechts wenden. Sie gehen die etwa 200 m bis zum nächsten Waldweg, biegen dort nach links und dann gleich nach etwa 70 m nach rechts ab. Nach 500 m erreichen Sie die Schmale Allee, gehen dort nach rechts und wieder gleich in den nächsten Waldweg auf der linken Seite. Nach ca. 150 m führt der Weg nach rechts, etwa 400 m weiter biegen Sie nach links ab. Vorher können Sie noch in den Wald­weg nach rechts einbiegen. Dieser Weg bringt Sie mit dem kleinen Abstecher zum Ringwall Venne, der Befestigung einer frühmittelalterlichen Fluchtburg des Klosters Marienforst. Nach den gefundenen Gegen­ständen im inneren Bereich stammt der Ringwall wohl aus dem 10. – 12. Jh. Zurück auf dem Weg geht es nach 200 rechts, nach 100 m wieder rechts, und noch einmal 100 m nach links. Dann gelangen Sie zum Gut Marienforst. An der Straße wenden Sie sich noch einmal nach links, um dann gleich den ersten Feldweg rechts hinaufzugehen. Hier haben Sie den Rheinhöhenweg und die vertraute ‚R‘ Markierung wieder.

Wenn Sie dem Rheinhöhenweg auf Ihrem Pilgerweg nach links folgen, umgehen Sie den Bad Godesber­ger Ortsteil Schweinheim und gelangen am Ortsrand entlang zur Godesburg.

Außergewöhnlich gut ist die Geschichte der Godesburg bekannt. Erbaut wurde sie auf Veranlassung des Kölner Erzbischofs Dietrich I. von Hengebach, der am 15.10.1210 den Grundstein legte. 1244 wurden die ersten vier Geschosse des Bergfrieds errichtet, Walram von Jülich (Erzbischof von 1332 bis 1349) ließ ihn auf 32 m erhöhen und die Vorburg errichten. Wahrscheinlich handelte es sich ursprünglich um eine Fliehburg, d.h., sie war nicht ständig bewohnt, sondern diente der Bevölkerung als Rückzugsmöglichkeit bei kriegerischen Auseinandersetzungen. Schon im 16. Jh. fand man einen eingemauerten römischen Altarstein, der darauf schließen lässt, dass der Felsen schon von den Römern genutzt wurde.

Der an rheinischer und besonders kurkölnischer Geschichte interessierte Pilger wird entlang des Rheins immer wieder auf den Truchsessischen Krieg, auch Kölner Krieg genannt, stoßen. Er begann 1583. Zwei Jahre später wurde Neuss, der Ausgangspunkt unseres Rhein-Caminos, belagert und zerstört. Gleiches widerfuhr vielen Dörfern und Burgen an Ihrem Weg. Schließlich entschied sich im Kölnischen Krieg, dass das Rheinland katholisch wurde (und auch heute noch ist).

Was war geschehen?  Der Kölner Erzbischof und Kurfürst Gebhard Truchsess von Waldburg wollte die protestantische Gräfin und Gerresheimer Stiftsdame Agnes von Mansfeld heiraten und Kurköln in ein weltliches, erbliches Herzogtum umwandeln. Dies gefiel weder dem katholischen Kaiserhaus, noch dem Papst. Daraufhin setzte ihn das Kölner Domkapitel am 02.02.1583 ab; im April wurde er von Papst Gregor XIII. exkommuniziert. Es begannen heftige kriegerische Auseinandersetzungen im Rheinland, zwischen den Anhängern Gebhards und den mit ihm verbündeten kurpfälzischen Truppen, besonders den bayrischen und spanischen Söldnerheeren. Diese hatte das Kölner Domkapitel zu Hilfe gerufen, nachdem es im Mai Ernst von Bayern zum Erzbischof gewählt hatte.

Städte und Burgen wurden belagert und teilweise völlig zerstört, schließlich verschanzten sich Gebhards Truppen in der Godesburg. Die Belagerer konnten Tunnel unter die Mauern graben und mit einer Sprengung eine tiefe Bresche reißen. Trotz andauerndem, heftigem Widerstand gelang es schließlich katholischen Landsknechten durch einen Abortschacht in die Burg zu gelangen und die Burg zu besetzen.

Gebhard Truchsess von Waldburg floh zunächst in eine seiner Residenzen in Westfalen, später dann nach Holland. Mit niederländischen Truppen konnte er zwar 1587 noch einmal Bonn erobern, zog sich aber dann zurück und starb 1601 in Straßburg. Der Kölner Bischofsstuhl und die Kurfürstenwürde blieb von da an für lange Zeit in den Händen der bayerischen Wittelsbacher.

Die Godesburg wurde in den vergangenen Jahren als Hotel genutzt, heute sind die ehemaligen Zimmer dauerhaft vermietet. Das Restaurant hat einen gehobenen Standard.

Bad Godesberg

Allgemeines: Bad Godesberg ist seit dem 01. August 1969 Stadtbezirk von Bonn. Die Einwohnerzahl belief sich am 30.06.2007 auf 70870.

Anlaufstellen: Kath. Pfarrgemeinde St. Marien und Augustinus, Burgstr. 45, 53177 Bonn-Bad Godesberg, Tel.: 0228 363179; Gemeinsames Ev. Gemeindeamt, Kronprinzenstraße 31, 53177 Bonn-Bad Godesberg, Tel.: 0228-93583-21, E-Mail  diesterhoeft(at)evgemeindeamt.de; Islamische Gemeinde, An der Esche 24, 53111 Bonn, Tel.: 0228-650290, E-Mail: info(at)ditib-bonn.com; Bonn-Information, Windeckstraße 1/am Münsterplatz, 53111 Bonn, Tel.: 02 28-775000, E-Mail: mailto:bonninformation[at]bonn.de

Übernachtung: Haus Venusberg, Haager Weg 28 – 30, 53127 Bonn – Venusberg, Tel.: 0228-28991-0, E-Mail: info(at)haus-venusberg.de, ÜF im Mehr- oder Doppelbettzimmer 25 Euro pro Person (nur mit Pilgerausweis); Jugendherberge Bonn, Haager Weg 42, 53127 Bonn-Venusberg, Tel.: 0228-289970, E-Mail: bonn[at]jugendherberge.de, ÜF im Mehrbettzimmer ab 23 Euro pro Person; Gästehaus Scholz, Annettenstr. 16, 53175 Bonn-Bad Godesberg, Tel.: 0228-379363, E-Mail: info[at]gaestehaus-scholz. com, ÜF im DZ 50 Euro

Von der Godesburg geht es ein kleines Stückchen durch Bad Godesberg, um dann am Godesberger Bach zum Gut Mariendorf zu gelangen. Überqueren Sie die Burgstraße und biegen Sie nach rechts in die Stra­ße Am Kurpark ein. Diese geht in die Brunnenallee über, der Sie einfach folgen, bis Sie links in die Straße Am Draitschbusch abbiegen können. Rechter Hand liegt nun ein Spazier- und Wanderweg, dem Sie bis zum Gut Marienforst folgen können.

Das frühere Brigittenkloster Marienforst wurde 1228 erstmalig urkundlich erwähnt, ist aber 1802 säku­larisiert worden und kam dadurch in Privatbesitz. Auf der Orgel der ehemaligen Klosterkirche soll schon Ludwig van Beethoven gespielt haben. Neben einer Landwirtschaft sind heute in den ehemaligen Kloster­gebäuden auch Büros untergebracht.

Gegenüber dem Gutgebäude, das leider nur von außen besichtigt werden kann, führt ein Feldweg wieder hinauf auf die Höhen in Richtung Heiderhof, Ließem und Niederbachem. Heiderhof war bis zum Umzug der Bundesregierung nach Berlin überwiegend von Bundesangestellten bewohnt, auch einige namhafte Politiker wie die ehemaligen Außenminister Gerhard Schröder und Hans-Dietrich Genscher, aber auch Herbert Wehner hatten hier ihren Zweitwohnsitz. Ließem und Niederbachem sind Ortsteile der Gemeinde Wachtberg. Niederbachem war spätestens durch die Kelten dauerhaft besiedelt.

Nachdem Sie den Ort Niederbachem durchquert haben, gelangen Sie zum Rand des Rodderbergs, einem erloschenen Vulkan. Der letzte Ausbruch wird wohl vor 250000 – 300000 Jahren gewesen sein. Das Gestein wird auf 800000 Jahre datiert. Im Krater vor Ihnen liegt der Broichhof, heute ein großes Pferdegestüt.

Der Broichhof war zunächst eine Motte (meist ein Holzturm mit umgebendem Wassergraben) und dann eine Wasserburg auf dem sumpfigen Kratergrund. Wie auch die Fluchtburg Venne wurde die Burg noch im Mittelalter aufgegeben, jedoch um 1635 vom Stift St. Gereon in Köln wieder aufgebaut. Das Herren­haus aus Rodderberger Lava stammt aus dem Beginn des 19. Jh.

Zur sehenswerten Tuffsteingrube und später zum Rolandsbogen führt Sie der Rheinhöhenweg vor dem Gutshof in einer Spitzkehre nach links. Wenn Sie sich nach rechts wenden, können Sie den Weg um den Krater herum abkürzen und gelangen, vorbei an der Broichhofkapelle aus der Mitte des 19. Jh., schon nach 1 km wieder zum Jakobsweg und weiter zum Abstieg nach Rolandseck.

Der Abkürzung zu folgen ist nicht weiter schwierig. Statt die Spitzkehre vor dem Broichhof nach links zu nehmen, wenden Sie sich nach rechts und gehen auf öffentlichen Wegen über das weitläufige Gelände des Gestüts. An der Weggabelung geht es halb rechts, am asphaltierten Weg ein kleines Stück nach links und dann geradeaus wieder in den Wald hinein. Wenig später stoßen Sie wieder auf den Rheinhöhenweg.

Wenn Sie auf dem Kraterrand nach links gehen, gelangen Sie nach ca. 500 m zur ehemaligen Tuffstein­grube Rodderberg (seit 1927 Naturschutzgebiet), dessen südöstlicher Bereich bereits zu Rheinland-Pfalz gehört. Die kleine Anhöhe ist der höchste Punkt des Rodderberges und bietet eine fantasti­sche Aussicht auf das Siebengebirge. Sie gehen jetzt abwärts und an der nächsten Verzweigung führt ein Weg nach links zur Tuffsteingrube.

Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich bei Tuffstein um die von einem Vulkan ausgeworfene Asche, die sich im Laufe der Zeit immer stärker zu einem luftigen Gestein verdichtet. Da es leicht zu bearbeiten ist und eine sehr gut dämmende Eigenschaft hat, fand es schon zu römischen Zeiten Verwendung als Bau­material. Sie können gut die durch Vulkanausbrüche entstandenen Ascheschichten erkennen. Die Tuff­grube steht heute unter Naturschutz.

Zurück auf dem Weg sind es noch etwa 1,5 km bis zum Rolandsbogen. Aber vorher sollten Sie noch eine Rast am Heinrichsblick einlegen, der Ihnen einen traumhaften Blick auf den Drachenfels und das Sieben­gebirge bietet.

Den kleinen Abstecher vom Weg zur Rolandsburg (nur ca. 250 m) sollten Sie auf keinen Fall versäumen. Was der Volksmund erzählt, haben wir schon als Sage zu Beginn der Etappe wiedergegeben. Und tat­sächlich, obwohl die Urkunden den Kölner Erzbischof Friedrich I. (1100-1131) als Erbauer nennen, so ist doch nachgewiesen, dass sich hier oben schon eine römische Siedlung und spätestens ab 1040 ein ‚fester Platz’ befunden hat. Nach 1131 aber war die Burg lange unbewohnbar und erst 1326 wieder in einen passablen Zustand versetzt. Sie diente in der Folgezeit verschiedenen Erzbischöfen als Sitz, aus dem Jahre 1468 wissen wir, dass sie als Gefängnis genutzt wurde.

Im Burgundischen Krieg des Kölner Kurfürsten gegen Ruprecht von der Pfalz und Karl dem Kühnen (dem der geschichtsinteressierte Pilger auch schon in Neuss begegnet ist und der noch mehrfach am Jakobs­weg durch das französische Lothringen und Burgund Geschichte geschrieben hat) ist Burg Rolandseck 1475 zur Ruine geworden. Anfang des 17. Jh. benötigte das Kloster Nonnenwerth verstärkten Schutz gegen das Rheinhochwasser, und die Burg wurde als Steinbruch genutzt. Schließlich wird Rolandseck 1670 in einer poetischen Beschreibung der Erzdiözese Köln als zusammengefallen genannt.

Der Rolandsbogen wurde zu einem Begriff der Rheinromantik des 19. Jh. Im Winter 1839 stürzte er ein. Als der Dichter Ferdinand Freiligrath dies sah, rief er um Spenden für den Wiederaufbau auf. Dafür er­hielt er 1914 unterhalb des Bogens ein Denkmal. Im Sommer bietet die Terrasse des Restaurants mit Preisen, die nicht ganz in ein Pilgerbudget passen, ein einzigartiges Ambiente und einen traumhaften Blick in das Rheintal. Alexander von Humboldt nannte ihn „einen der schönsten Blicke der Welt“.

Zurück auf dem Rheinhöhenweg führt dieser bald wieder in den Wald, umgeht den Wilhelmsberg und bringt Sie schließlich auf dem Rheinhöhen-Verbindungsweg mit der Markierung ‚RV‘ hinunter nach (Remagen-) Ro­landseck. Ungefähr auf halber Höhe kommen Sie am vom amerika­nischen Architekten Richard Meier entworfenen Neubau des Hans-Arp-Museums vorbei. Wenn Sie das Museum mit Exponaten des deutsch-französsichen Dada­isten Arp (1886-1966) und seiner Frau Sophie Taeuber-Arp sowie andere ausge­wähl­te (Wechsel-) Ausstellungsstücke der rheinland-pfälzischen Sammlung und anderer zeitgenös­sischer Künst­ler besichtigen wollen, müssen Sie allerdings im Ort vom Weg die wenigen Schritte zum Bahnhof gehen. Von dort geht es dann durch einen breiten Tunnel wieder hinauf.

Nach langem Streit zwischen der privaten Hans-Arp-Stiftung und dem Land Rheinland-Pfalz hat man sich im Juli 2008 im Interesse der Kunst darauf geeinigt, dass Betrieb und Unterhalt des Museums Bahnhof Rolandseck zukünftig in der Verantwortung des Landes liegen. Dafür stehen ihm aber auch nicht mehr die Leihgaben des Arp-Vereins zur Verfügung, um das prestigeträchtige, 33 Millionen Euro teure Haus zu bestücken.

Der Eingang des ‚einzigen Museums mit Gleisanschluss‘  ist im  klassizistischen Bahnhofsgebäude. Es gilt heute als bedeutendes Kulturdenkmal der rheinischen Kunstgeschichte. Schon seit der Eröffnung 1856 haben berühmte Künstler (unter ihnen auch Heinrich Heine) und gekrönte Häupter (Kaiser Wilhelm II. und Königin Viktoria) den Bahnhof genutzt. Das Bistro Interieur No. 253, gestaltet von dem Künstler An­ton Henning, lädt zu einer nicht ganz billigen Verschnaufpause ein. Dafür ist es aber auch ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Der zeitgenössische Künstler hat es verstanden, in dem klassizistischen Ge­­­­­­-bäu­de mit hohen Stuckdecken und riesigen Kronleuchtern eine Lounge-Atmosphäre zum Wohlfühlen zu schaffen.

Im Ort wird die B9 (Bonner Straße) überquert, und wenn Sie sich dann nach links wenden, sind es nur ein paar Schritte zum Fähranlegen Rolandseck – Bad Honnef. Die Fähre ist i.d.R. von 6:30 Uhr (sonntags 8:00 Uhr) bis 21:00 Uhr in Betrieb, die Überfahrt kostet 0,60 Euro. Schwieriger ist es bei Hochwasser, wenn die Fähre ihren Betrieb eingestellt hat (Informationen unter www.faehre-honnef.de). Der Zug über Bonn benötigt etwas mehr als eine Stunde.

Bad Honnef

Allgemeines: Bad Honnef liegt im Rhein-Sieg-Kreis im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Die Einwohne­r­zahl belief sich am 31.12.2007 auf 24965.

Anlaufstellen: Kath. Pfarrgemeinde St. Johann Baptist, Bergstr. 1, 53604 Bad Honnef, Tel.: 02224-931563, E-Mail st.johann-baptist(at)honneftal.de; Evangelische Kirchengemeinde Bad Honnef, Luisenstr. 15, 53604 Bad Honnef, Tel.: 02224-27 59, E-Mail: info(at)ev-kirche-bad-honnef.de; Stadt-Information Bad Honnef, Rathausplatz 2-4, 53604 Bad Honnef, Tel.: 02224-9882746, E-Mail info(at)stadtinfo-badhonnef.de

Übernachtung: Jugendherberge Bad Honnef, Selhofer Str. 106, 53604 Bad Honnef, Tel.: 02224-71300, E-Mail: bad-honnef(at)jugendherberge.de; Privatzimmer Willi Wysk, Talstraße 14, 53604 Bad Honnef, Tel.: 02224-80796, ÜF im DZ ab 38 Euro

Der bekannteste Stadtteil von Bad Honnef ist wohl Rhöndorf, wo Konrad Adenauer bis zu seinem Tod im Jahr 1967 seinen Wohnsitz hatte und wo er auf dem Waldfriedhof seine letzte Ruhestätte fand. Das Wohnhaus des früheren Bundeskanzlers kann heute samt Rosengarten besichtigt werden, alle 30 Minuten fährt die Bahn in nur 2 Minuten nach Rhöndorf. Aber Bad Honnef hat neben Rhöndorf (und der höchsten Kaufkraft in Nordrhein-Westfalen) noch viel mehr zu bieten.

Reitersdorf, heute ein Teil der Kernstadt, wird z. B. schon 866 als ‚villa rateresthorp‘ erstmalig erwähnt. Hier stand gesichert schon um 1270 eine befestigte Anlage, die nach der Schlacht von Worringen 1288 von den Jülicher Grafen ausgeweitet wurde. Die freigelegte Burgruine finden Sie im weitläufigen Park Reitersdorf.

Die Löwenburg oberhalb von Bad Honnef wurde gegen die kurkölnische Drachenburg und Wolkenburg als Grenzfeste durch den Grafen von Sayn in der 2. Hälfte des 12. Jh. errichtet. Durch Erbfolge gelangte sie an die Grafen von Sponheim-Heinsberg, die Honnef zum Hauptort ihrer Herrschaft machten. Durch Heirat gelangte die Löwenburg 1484 an den Grafen Johann von Nassau-Saarbrücken. Schließlich ging die Herr­schaft 1484 an die Herzöge von Jülich und Berg. Kriegerische Auseinandersetzungen im 16. und 17. Jh. ließen die Burg zu einer Ruine werden – heute sind nur noch die Zisterne im Burghof und zwei Seiten­mauern des Bergfrieds erhalten.

Die Pfarrkirche St. Johann Baptist hat ihre Ursprünge in karolingischer Zeit, im 11. Jh. wurde dieser Bau durch eine dreischiffige, romanische Basilika ersetzt. Von dieser Kirche ist heute noch der Turm erhalten. Wie so häufig, erhielt auch dieser eine neugotische Haube aus dem Jahre 1860. Die Hallenkirche im gotischen Stil ist gegen Ende des 15. Jh. entstanden und noch heute erhalten. Erst zu Beginn des 20. Jh. wurde das weiträumige Querschiff angebaut. Die wertvolle Ausstattung stammt ebenfalls aus der Spät­gotik: das geschmückte Sakramentshaus, die Darstellung der Grablegung Christi und die Statue der Madonna mit Kind.

Von der besonders glanzvollen Zeit um die Jahrhundert-Wende vom 19. zum 20. Jh. zeugt noch die Villa Haarhaus, 1902 zum Kurhaus umgebaut und heute zum Kongresspark Bad Honnef gehörend.

Update Mosel-Camino

Der bekannteste rheinische Ritter, der nachweislich als Pilger in Santiago de Compostela war, ist Arnold von Harff, der 1499 seine Reiseerfahrungen in einem Büchlein festhielt.

Als verhinderter Jakobspilger wird der berühmte Scholastiker Nikolaus von Kues (1401 bis 1464) in dem Roman "Das Tor zur Freude" (2. Auflage Bonn 1946) von Johannes Kirchweng geschildert.

In dem nach Nikolaus benannten Cusanus-Stift an der Mosel stößt der Besucher auf ein großformatiges Tafelbild, das unter anderem einen Jakobuspilger in der typischen Tracht mit Pelerine (Pilgerumhang), Pilgerhut und Jakobsmuschel zeigt.

aus Jakobuswege im Rheinland, LVR

Etappen auf dem Rhein-Camino Teil I von Neuss nach Stolzenfels

 

Ein Jakobsweg von Neuss über Köln nach Koblenz-Stolzenfels – Der Pilger-Wanderführer für den Rhein-Camino Teil I

 

1. Tag    Neuss – Römerlager – Grimlinghausen – Römerturm – Uedesheim – St. Peter – Feste Zons – Dormagen – Worringen

2. Tag    Worringen – Köln Dom

3. Tag    Köln Dom – Wesseling

4. Tag    Wesseling – Graurheindorf – Bonn

5. Tag    Bonn – Venusberg – Bad Godesberg – Rolandseck

6. Tag    Rolandseck – Sinzig

7. Tag    Sinzig – Andernach

8. Tag    Andernach – Stolzenfels

Erste Rückläufer zu meiner Anfrage „Rhein-Camino“

 

Anfrage und Information:

Guten Tag,

mit Aufmerksamkeit habe ich Ihren Text über den Rhein-Camino gelesen. 
Selber möchte ich in Etappen diesen Wegverlauf mit späterem Anschluß 
an Esslingen-Konstanz gehen.

Nach Internet-Recherche habe ich ein Teilstück gefunden, das wohl im 
April 08 in Sulzheim/Vendersheim eröffnet werden soll. Es führt den 
Jakobsweg von Worms-Hernsheim über Dittelsheim-Heßloch nach Bingen 
weiter. Inder Mitte des Abschnittes liegt Vendersheim.

www.allgemeine-zeitung.de/region/objekt.php3?artikel_id=3110871

Von Worms weiter nach Speyer soll der Jakobsweg eigentlich identisch 
mit dem Kurpfalzradweg – Von Dom zu Dom sein. Dieser ist aber wohl in 
einen anderen Radweg eingegliedert, ich habe dazu im Moment keine 
aktuellen Informationen gefunden.

Ich wäre Ihnen dankbar wenn sie mir das Erscheinungsdatum des Rhein-
Caminos mitteilen würden oder, natürlich gerne auch gegen Entgeld, 
Informationen über den Streckenverlauf von Köln bzw. Bonn nach 
Bingen. Ist die Beschilderung schon begonnen?

Mit freundlichen und segensreichen Grüßen

 

Meine Antwort:

Hallo, schönen guten Tag, vielen Dank für Ihre E-Mail.

Der Rhein-Camino ist bisher noch in den Planungen; da ich zunächst noch ein anderes Projekt zu Ende führen will (Via Jutlandica in Schleswig-Holstein) wird bis zum Erscheinen noch viel Wasser den Rhein hinunterfliessen (heisst, ich fange so März/April an – Erscheinungsdatum wird dann im Spätsommer/Herbst liegen).

Wie Sie dem Verteiler oben entnehmen, habe ich Ihre E-Mail u.a. an Herrn Prof. Kanz weitergeleitet – in der Jakobsgesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland ist er Sprecher der Gruppe Mittelrhein und deshalb der kompetente Ansprechpartner für das Stück zwischen Köln/Bonn und Bingen. Herr Steffen als Vizepräsident der Gesellschaft wird Sie dann sicher den restlichen Weg bis zur Landesgrenze führen.

Ultreia, Ihr Karl-Josef Schäfer

Und hier die Antwort der Region Mittelrhein in der Jakobusgesellschaft:

es freut mich sehr, dass Sie den Rheincamino aktivieren wollen, dessen Pilgerwanderführer allerdings erst in Planung ist. Die St. Jakobusgesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland hat vor, die Rheinachse als bedeutsamen Jakobs-Nord-Südweg in Deutschland (Von Flensburg an , Lüneburger Heide, Köln – Mainz – Worms, Speyer, Anschluss Elsass, dessen Jakobsweg schon markiert ist) vorzubereiten. Der Rheincamino von Herrn Schäfer wird dazu eine großartige Hilfe sein. Wenn Sie allerdings in nächster Zeit den Rhein-Camino gehen wollen, so bin ich für das Gebiet des Mittelrheins zuständig. Was in dieser Hinsicht schon fertig ist, ist der Jakobsweg Lahnstein – Kaub (markiert), den Sie von der Hospitalkapelle in Lahnstein aus vorfinden können. Die bisherigen Anschlussstücke dazu sind noch in Überlegung. Für Sie wäre es sinnvoll, von Köln aus den Rheinuferweg nach Bonn zu gehen, dann auf den linken Rheinhöhenweg zu wechseln, der bis Koblenz führt. Von Koblenz aus den linken Rheinuferweg Deutsches Eck- Koblenz-Stolzenfels, dann übersetzen zur Johanniskirche Lahnstein. Von dort zur Hospitalkapelle Oberlahnstein, dann – wie schon erwähnt Rheincamino Lahnstein – Kaub. Von dort aus einen der drei Wanderwege Kaub – Rüdesheim. Von Rüdesheim nach Bingen übersetzen, dann den abkürzenden schon markierten und demnächst gänzlich feierlich einzuweihenden Rheinhessen-Camino Bingen – Worms zu nehmen. Von Worms aus ist Vizepräsident Steffen zuständig. Wie die endgültige Linienführung des Rheincamino aussehen wird, wird noch überlegt, Jedenfalls läuft der künftige Rheincamino natürlich nicht an den Rheinmetropolen vorbei (z.B. Mainz)

Für weitere Fragen, die ich Ihnen beantworten kann, stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.

Ultreya! Heinrich Kanz.,

6. Tag Stolzenfels – Löf 22.01.2007

Kurzversion für Schnellleser: wunderschöner Tag, dank Wolfgang Welter eine wunderschöne Strecke, problemlos gelaufen, Erkenntnis des Tages: Bahnhöfe sind langweilig und zugig.
Und jetzt die ausführliche Version:
Ich hatte lange überlegt, wie und wo es weitergehen soll. Die Alternativen sind Legion. Zunächst einmal überlegten wir, ob es vielleicht sinnvoll ist, am Rhein entlang über Mainz und Speyer und dann weiter über Straßburg nach Frankreich zu kommen. Die Beschreibungen des Rheinsteigs unter www.rheinsteig.de sind so ziemlich die beste Wanderbeschreibung, die es im Internet zu finden gibt. Hier werden die Möglichkeiten des WWW so richtig ausgenutzt. Und der Aufbau der Seiten macht richtig Lust, auch einmal diesen anspruchsvollen Fernwanderweg von Bonn bis nach Wiesbaden zu gehen. Ausserdem liegen an dieser Strecke einige Kirchen und andere Spuren, die von Jakobspilgern hinterlassen wurden.
Wir haben uns dann aber doch für Trier entschieden, eine Pilgerstrecke, die uns erstens zum Apostelgrab führt und zweitens ganz pragmatisch innerhalb des bekannten Deutschlands nach Westen bringt und somit näher an den Küstenweg in Frankreich und Spanien.
Hier stellt sich nur das Problem, über den Rhein zu kommen. Von Mai bis September kein grosses Thema, die Fähre Oberlahnstein nach Stolzenfels ist in Betrieb. Im Winter jedoch eine Übersetzmöglichkeit für 2 Personen zu finden, stellte sich als unüberwindliches Hindernis heraus. Ulli, der Pilger aus Limburg, hat es geschafft, den Fährbetreiber zu einer solchen Fahrt zu überreden. Wir waren nicht so glücklich und erhielten auf unsere Anrufe und eMails keine Antwort.
So hätten wir erst zurückgehen, und die erste Rheinbrücke in Koblenz nehmen müssen, oder ein/zwei weitere Tagesetappen in Kauf nehmen und auf dem Rheinsteig zur Festung Ehrenbreitstein und dann weiter an die Mosel laufen können.
Wofür wir uns entschieden haben? Ich bin dann doch sehr pragmatisch: wir sind nach Lahnstein gefahren, haben uns den verpassten Freitags-Stempel im katholischen Pfarrhaus geholt (der Pfarrer dort ist auch Jakobspilger und kann mit Tipps zur Übernachtung auf dem Weg aufwarten) und sind dann mit dem Auto über die Brücke nach Stolzenfels gefahren. Auf die 50m über den Rhein kommt es denn auch nicht an.
Bei der Planung des Weges hat uns Wolfgang Welter sehr geholfen (eMail Adresse unter „Menschen am Weg“), der erstens die Mosel wie seine Westentasche zu kennen scheint und zweitens die notwendigen 1:25.000 Wanderkarten in der Schublade liegen hat. Die haben wir nämlich immer noch nicht.
Um viertel vor Zehn ging es in Stolzenfels los. Ein recht kühler Tag, der Wetterbericht sagte 13% Regenwahrscheinlichkeit voraus  – eine gute Chance also, nicht nass zu werden. Es sollte über Waldesch, Nassheck und Alken auf die andere Moselseite nach Löf gehen.
Der lange, stellenweise recht steile Anstieg auf die Hunsrückhöhen hat es durchaus in sich. Gleich zu Beginn bietet sich die Besichtigung des neugotischen Schlosses an. Ursprünglich ist Stolzenfels als Zollstätte im 13. Jahrhundert errichtet worden, davon zeugt aber heute nur mehr der Bergfried. An- und Umbauten, Verfall und schliesslich die Restaurierung, an der Namen wie Schinkel und Lenne beteiligt waren, machen sie heute zu einem typischen Produkt des 19. Jahrhunderts. Ich kann mir vorstellen, dass die Amis dieses romantische Kleinod lieben und im Sommer den Burghof bevölkern. Auch die Klause hinter dem Schloss gelegen ist im 19. Jhdt. erbaut.
Auf dem Pastorenpfad geht es dann oben weiter Richtung Waldesch. Pastorenpfad deshalb, weil sich schon im 18. Jhdt. die Pfarreien Waldesch und Stolzenfels einen Pfarrer geteilt haben und dieser am Sonntagmorgen den Weg zwischen den beiden Kirchen zurücklegen musste. Hochachtung vor der körperlichen Fitness.
Kurz vor Waldesch wird der Weg eine kurze Zeit über die alte römische Strasse von Koblenz nach Trier geführt. An dieser Strasse liegt ein Merkurtempel. Viel ist davon nicht erhalten, trotzdem ist es aber interessant, hier eine kleine Rast einzulegen. Erstens ist hier die schlimmste Steigung des Tages geschafft, zweitens steht hier oben eine Schutzhütte, in der ein Pilger wenigstens trocken und windgeschützt seine Vorräte auspacken kann.
Im Wald Richtung Waldesch haben wir dann den Weg verloren, Kyrill hat auch hier seine Spuren hinterlassen. Die Frage: „Wo soll’s denn hingehen?“ eines Waldarbeiters beantwortete Gabi vielleicht ein wenig zu schnell mit dem Satz: “ Nach Spanien!“ Worauf wir von einem dabeistehenden Spaziergänger ein Kopfschütteln ernteten. Als ich dann korrigierte: „Heute geht es nach Löf!“ half das auch nicht mehr viel. „Was wollt Ihr denn in Löf? Da ist es jetzt im Winter doch nur langweilig!“ Und weiter gingen die Fragen: „Wo kommt Ihr her? Wo ist Euer Tagesgepäck?“ Alles brav beantwortet, aber verstanden hat uns der Spaziergänger nicht. Weiter kopfschüttelnd verschwand er im Wald. Wobei der Waldarbeiter jedoch unsere Muschel am kleinen Rucksack sah und gleich wusste, wen er vor sich hatte. „Mein Kollege dort drüben war auch in Santiago!“ und gleich weiter „Geht nicht durch den Ort, das ist viel zu weit auf den aspahltierten Strassen, dort oben, die hohen Bäume ist der Brüder-Tönnes-Hügel, haltet Euch in die Richtung.“ Er wünschte uns noch einen guten Weg und wir stiefelten weiter.
Wir sind tatsächlich dann Richtung Brüder-Tönnes-Hügel weitergegangen und erst an der A61 auf den Moselhöhenweg gestossen. Bei dem Brüder-Tönnes-Hügel handelt es sich um ein Fürstengrab aus der Hallstattzeit (ca. 1000 – 500 vor Christus), heute ist er gesperrt, weil die zum Teil 200 Jahre alte Buchen umfallen könnten. Ausser, das er angeblich zu den Hunsrück-Wahrzeichen zählt, ist nichts besonders interessantes zu entdecken.
Schon bald danach tauchen die ersten Wanderzeichen mit MV (Moselhöhenverbindungsweg) auf. Nicht weiter irritieren lassen, auch wenn die Wanderzeichen nicht so ganz eindeutig sind. Über einen Parkplatz, besetzt von Dauer-Wohnmobilistinnen, die dem ältesten Gewerbe der Wedlt nachgehen, geht es nach einem kleinen Stück über die Hunsrückhöhenstrasse Richtung Naßheck. Dort ist schon bald die Autobahnbrücke zu sehen, über die Brücke führt der Weg ein kleines Stück an der Autobahn entlang bis zur Raststätte. Und dort geht es dann auch schon wieder in den Wald hinein, jetzt sehr schön und eindeutig mit dem weissen M oder den kleinen grünen Tafeln für den Moselhöhenweg gekennzeichnet.
Es kommt noch einmal mitten im Wald ein kurzes, aber dafür um so steileres Wegstück, danach geht es aber immer weiter bergab nach Alken.
Am Bleidenberg haben wir den Moselhöhenweg noch einmal verlassen. Wir wollten noch einen Abstecher zur Wallfahrtskirche machen (ein schöner, schlichter, gotischer Bau), leider war diese verschlossen. Ein traumhafter Blick auf Burg Thurant aus dem Ende des 12. Jahrhunderts und das Moseltal haben uns entschädigt. Das gute Wetter haben wir genutzt, und sind die kürzeste Strecke (800 m) durch die Weinberge nach Alken abgestiegen. Im 16. Jhdt. wurde an diesem Weg durch die Stiftung reicher Alkener Bürger ein Fussfall (Kreuzweg) mit 7 Stationen hoch zur Wallfahrtskirche errichtet. Nach dem Verfall ist der Fussfall in den letzten Jahren wieder hergerichtet worden – für denjenigen, der ihn aufsteigt sicher eine „Tour der Leiden“, für uns mit ein wenig Vorsicht bergab aber ein richtiges Erlebnis.
Leider war die Kraft nicht mehr da, um St. Michaelis, wohl die älteste Kirche im Moseltal, zu besichtigen. Es soll zwischen hier und der Wallfahrtskirche auf dem Bleidenberg eine Erscheinung des Erzengels Michael gegeben haben – daher der Name der Kirche. Sie ist schon 1015 erstmalig erwähnt. Aus dem Jahr 1622 stammt das Keinod, der St. Michaelsaltar.
Wir haben den Fehler gemacht, und sind in Alken nicht eingekehrt. Ich dachte, das könnten wir auch noch in Löf tun. Eine falsche Entscheidung, denn in Löf ist im Winter wirklich der Hund begraben. Die zwei oder drei Kilometer an der Mosel entlang gaben uns einen ersten Eindruck von der nächsten Etappe, die wir von Löf nach Cochem auf dem Moselradweg pilgern wollen. In Löf selbst haben wir uns noch ein wenig Zeit für die Pfarrkirche St. Luzia genommen. Der Glockenturm, romanisch mit gotischem Helm, ist der älteste Teil und stammt aus dem Jahr 1310. Das Kirchenschiff ist grösstenteils neuromanisch aus dem 19. Jhdt. Wir hätten uns den Rundgang dort sparen sollen, denn fast am Bahnhof angekommen fuhr der Zug Richtung Koblenz ab.
Eine Stunde mussten wir auf den nächsten Zug warten. Verdammt lange Zeit. Gabi vertrieb sich die Zeit mit Automaten-Lotto. Noch nie gehört? Ganz einfach: Am Fahrkartenautomaten einfach eine wahllose Zahlenkombination eingeben, je höher der Fahrpreis, umso besser. Wäre Euch zu albern? Richtig, albern ist das richtige Wort. Daran erkennt man, wozu das Warten an Bahnhöfen im Winter führen kann. Ich denke mir, dass eine Verbindung von Müdigkeit, langsam hochkriechende Kälte und die Atmosphäre eines einsamen Bahnhofes jeden Menschen zum Automaten-Lotto-Süchtigen machen kann 🙂
Das war unsere letzte Eintagestour. Der kleine Rucksack hat ausgedient, jetzt muss schon ein wenig mehr mit. Die nächsten 2 Tage werden uns nach Cochem und Alf führen (wenn Wolfgang Welter nicht noch einen besseren Vorschlag macht – seine Tipps habe ich nämlich, zu meiner Schande gestehend, noch nicht gelesen). Unsere weissen Riesen konnten heute schon nicht mehr mit (der Kaiser hat sich am Wochenende einen Lauf vertreten) – und würden ab hier nur Unterkunftsprobleme bereiten.
Wir danken Herrn Welter recht herzlichen für seine Tipps, ohne die hätten wir den wunderschönen Tag so nicht erlebt.
Erkenntnisse des Tages:
Bahnhöfe sind doof und machen albern

Malewitsch-Ausstellung in Amsterdam: Stedelijk Museum zeigt russische Avantgarde

Kazimir Malevich, Aviator in Victory over the Sun, 1913_ Collection Stedelijk Museum Khardzhiev-Chaga (415x640)

Kazimir Malevich, Aviator in Victory over the Sun, 1913_ Collection Stedelijk Museum Khardzhiev-Chaga (415×640)

Das Stedelijk Museum Amsterdam präsentiert vom 19. Oktober bis zum 2. Februar 2014 unter dem Titel „Kasimir Malewitsch und die russische Avantgarde“ die größte Malewitsch-Retrospektive in 20 Jahren. Nie zuvor waren derart zahlreiche Arbeiten von Kasimir Malewitsch (1878-1935) auf Papier öffentlich zu sehen. Das Stedelijk Museum Amsterdam beherbergt die größte Malewitsch-Sammlung außerhalb Russlands; sie wurde zuletzt 1989 in einer Ausstellung des Stedelijk Museums gezeigt.

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