Auf dem Weg

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Schlagwort: beilstein

3. Etappe Treis-Karden – Bullay = 26 km

 

Karden – über Moselbrücke nach Treis (-Karden) – Kloster Engelport – Beilstein – Bullay = 26 km

Schwierigkeit mittel

Dauer ca. 7 Stunden (ohne Besichtigungen)

Besichtigungen Kloster Maria Engelport, Karmeliterkirche Beilstein, Burgruine Metternich

Haben Sie den Film ‚Der Schinderhannes’ (1958) mit Curd Jürgens und Maria Schell gesehen? Können Sie sich an die lange, alte Treppe erinnern? Diese Szenen sind in Beilstein gedreht worden, einem romantischen Moselörtchen und Zwischenetappe auf unserem heutigen, recht langen Weg nach Bullay.

Aber zunächst führt uns der Weg zum Kloster Engelport. Wenn Sie eine Übernachtungsmöglichkeit in Karden gefunden haben, geht es für Sie zunächst über die Moselbrücke nach Treis auf die Hunsrück-Seite. Hier folgen Sie auf der Hauptstraße den Hinweisschildern zum Beurenkern. Am Schwimmbad vorbei kommen Sie hinter der Abfahrt zum Steinbruch der Fa. Schnorpfeil in die Nähe der Mündung des Dünnbachs in den Flaumbach. Hier nehmen Sie nicht die Straße zum Kloster Engelport, sondern Sie halten sich auf dem Weg links davon und gehen in zur Wildburgmühle. Rechterhand können Sie auf dem Boden eine Steintafel erkennen, die „Zur Erinnerung an den Lachs/Salm“ aufgestellt wurde, als „1945 … der letzte Lachs im Flaumbach gefangen“ wurde.

Hoch über Ihnen thronen zwei Burgen: Burg Treis stammt wohl aus der zweiten Hälfte des 11. Jh. und wechselte mehrfach den Besitzer. So waren u. a. der Trierer Erzbischof Albero und später die Herren von Winneburg Eigentümer der Burg. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Burg Treis 1689 von französischen Truppen zerstört und danach nicht wieder aufgebaut. Erst seit ca. 1950 werden die Überreste gesichert; die nicht bewirtschaftete Ruine ist frei zugänglich. Auf der gleichen Kammlinie die Wildburg. Wahrscheinlich wurde diese Burg als Flankenschutz für die strategisch günstiger gelegene Burg Treis in der ersten Hälfte des 12. Jhs. vom Pfalzgraf Otto von Rheineck erbaut und gelangte wenig später in den Besitz des Erzbistums Trier. In den folgenden Jahren wechselte die Burg häufig den Besitzer, so wird sie zum Beispiel 1485 Eigentum der Herren von Eltz. 1689 ereilte die Wildburg das gleiche Schicksal wie der Burg Treis: die französischen Truppen zerstörten die Burg. Da der Ort keine strategische Bedeutung mehr besaß, wurde die Burg nicht wieder aufgebaut. Seitdem die Wildburg in den 50er Jahren von einem Privatmann gekauft wurde, wird die verbliebene Bausubstanz gesichert und teilweise wieder aufgebaut. Der Bergfried erhielt ein neues Dach, der Pallas und einige andere Nebengebäude wurde wieder aufgebaut und bewohnbar gemacht. Die Wildburg wird vom Eigentümer bewohnt und kann nicht besichtigt werden.

Etwa 2 km geht es nun auf dem alten Verbindungsweg von Treis nach Kastellaun hinauf, zunächst auf recht holprigem, danach auf geschottertem Weg zur Abzweigung zum Beurenhof. Der steile Anstieg ist nun geschafft, und nach knapp 2 km schickt uns ein Wegweiser hinunter zum Kloster Maria Engelport.

Kloster Maria Engelport

Kloster Maria Engelport, schon im Jahr 1220 gegründet, liegt malerisch im Flaumbachtal, direkt am Mosel-Camino. Kurz nach der Gründung wurde Engelport aber wieder verlassen, bis im Jahr 1262 der Treiser Philipp von Wildenberg es für seine drei Töchter neu aufbauen ließ. Für über 500 Jahre bot Maria Engelport rund 500 adeligen Chorfrauen und ihren Angestellten als Prämonstratenserinnen-Kloster ein Zuhause. 1793 fiel das Kloster den französischen Revolutionsheeren zum Opfer, bis am 04. April 1903 eine Gruppe von 7 Hünfelder Oblaten die Ruinen bezog, um einen neuen Wohnbau und eine Kirche zu errichten.  Das bekannte Gnadenbild stammt aus der Kölner Schule um 1420. Beim Einfall der Franzosen Ende des 18. Jh. rettete die damalige Priorin das Gnadenbild vor der Zerstörung. 1913 konnte es in das völlig neu errichtete Kloster zurück gebracht werden. Nachdem das zweitälteste Oblatenkloster in Deutschland zunächst Missions- und Kolonialschule war, wird es heute als Tagungs- und Exerzitienhaus  mit 45 Einzel- bzw. Doppelzimmer betrieben. Das ruhige Seitental der Mosel macht es zu einem idealen Ort, um Ruhe zu finden und zur Besinnung zu kommen. Das Kloster ist ein beliebter Wallfahrtsort, an dem die Muttergottes und ihre Mutter Anna verehrt werden. Schon sehr früh wallfahrtete man aus den umliegenden Orten nach Engelport. Dabei kam der Verehrung der Heiligen Anna eine besondere Bedeutung zu. Bereits aus dem 17. Jh. sind Berichte von Frauen erhalten, die in Engelport um Nachkommenschaft gebetet haben.  Pilgergruppen, die einen Gottesdienst oder eine Andacht feiern wollen, mögen sich frühzeitig mit dem Kloster in Verbindung setzen (Telefon: 02672 9350; Telefax: 02672 935400; E-mail: engelport@oblaten.de; Homepage: www.oblaten.de)

Vom Kloster Maria Engelport aus führt Sie der Weg weiter in Richtung Beilstein. Folgen Sie der Markierung ‚U8’ nach Westen. Nach ca. 2 km erreichen Sie an der Kreisstraße 36 den Moselhöhenweg mit dem ‚M’. Dies überqueren sie und gelangen nach etwa 3 km Beilstein.

Beilstein

Allgemeines:  Beilstein gehört zur Verbandsgemeinde Cochem-Land, Landkreis Cochem-Zell im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 144.

Ansprechpartner:

Katholisches Pfarramt St. Josef, Klosterstraße 55, 56814 Beilstein, Tel.: 02673-1653;

Heimat- und Verkehrsverein, Bachstraße 47, 56814 Beilstein, Tel.: 02673-900191, E-Mail: beilstein-mosel@web.de

Übernachtung:

Gästehaus Erika, Erika Arnoldi, Kurierweg 9, 56814 Beilstein, Tel: 02673 1449.E.mail: info@gaestehaus-erika-beilstein.de, Ü/F im Doppelzimmer ab 42 Euro

Haus Johanna, Familie Brauer, Alte Wehrstrasse 23, 56814 Beilstein, Tel.: 02673-1483, E-mail: info@pension-haus-johanna.de

Die Filme ‚Der Schinderhannes’ mit Curd Jürgens oder ‚Wenn wir alle Englein wären’ (1936) mit Heinz Rühmann sind natürlich nicht das Herausragende von Beilstein, dem ‚Dornröschen an der Mosel’, wie es vielfach genannt wird. Vielmehr schätzten die Regisseure die schier nicht enden wollende Treppe aus dem Ort hinauf zur Karmeliter-Kirche.

Schon auf das Jahr 800 n. Chr. sind die fränkischen Gräber datiert, die auf eine frühe Besiedlung Beilsteins hindeuten. 1068 wird Beilstein erstmals urkundlich als Lehnsbesitz der Herren von Braunshorn  erwähnt, 1310 erhält es Stadtrechte, 1322 wurde als Mittelpunkt des Otes der Marktplatz angelegt.  Nach dem Aussterben des Geschlechts von Braunshorn geht das Lehen 1360 an die Herren von Winneburg über. Oberhalb des Ortskernes gründet sich 1309 eine bedeutende jüdische Gemeinde; die Herren von Beilstein hatten gegen Bezahlung Schutzbriefe an sie ausgestellt und ihnen die Ansiedlung erlaubt.  Durch den Handel mit Wein, Früchten und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen kamen sie zu erheblichem Wohlstand. Oberhalb der Ruine Metternich ist deren Friedhof noch heute als Sehenswürdigkeit und Gedenkstätte zu besichtigen.

1310 wird die ehem. Pfarrkirche gestiftet. 1488 nimmt Kurtrier den Ort in Besitz. Nachdem Beilstein mit kurzer Unterbrechung durch spanische Besatzung rund 150 Jahre evangelisch war, übertrug das Erzstift Trier den katholischen Reichsgrafen von Metternich 1636 die Herrschaft. Graf Emmerich von Metternich brachte die Karmeliter nach Beilstein, um hier den katholischen Glauben zu stärken. Er schenkte den Karmelitern den Rammelsberg und sie erhielten eine Stiftung von 4000 Talern, um auf dem Berg ein Kloster und eine Kirche zu errichten. Erst 1686 konnten die Patres mit dem Bau des Klosters beginnen, die Grundsteinlegung für die Kirche erfolgte 1691. 1689 wurden die Reichsfeste über dem Ort und die Stadtbefestigung auf dem Höhepunkt der französischen Eroberungskriegszüge gesprengt.

Die barocke Karmeliterkirche in Beilstein, deren Grundsteinlegung 1691 erfolgte, die aber erst 1783 vollendet wurde, ist ein wichtiger Wallfahrtsort für die Umgebung. Als die Spanier  während des Dreißigjährigen Krieges 1620 Beilstein eroberten, brachten sie eine damals schon kostbare, aus dem 12./13. Jh. stammende holzgeschnitzte Figur der Muttergottes mit.  Während der 14jährigen Besetzung entwickelte sich ein durchaus freundschaftlicher Kontakt zur Bevölkerung, und die Spanier überließen beim Abzug die Marien-Skulptur den Beilsteinern. Um der wachsenden Zahl von Wallfahrern zur ‚Schwarzen Madonna’ Raum zu geben, wurde die Marienskulptur in die neu erbaute Klosterkirche überführt. Die Balthasar-König-Orgel in der Karmeliterkirche bezaubert auch heute noch – nach nunmehr über 250 Jahren – die Gottesdienstbesucher durch die hohe Klangqualität in Verbindung mit der guten Akustik der Kirche.

Entlang der Kreisstraße 42 führt unser Mosel-Camino über den Moselhöhenweg aus Beilstein heraus in Richtung Grenderich. Der Weg kürzt zwar stellenweise die Windungen der Kreis- und später der Landstraße 200 ab, führt aber unangenehmerweise immer wieder an der recht stark befahrenen Straße entlang. Erst nach etwa 2 km (Straßenschild an der Leitplanke beachten!) führt der Weg nach rechts in den Wald, dort hinauf zur L 200, die zunächst ein kurzes Stück zu gehen ist und dann überquert werden muss. An der Straßenkreuzung halten wir uns für wenige Meter auf der L 98 (in Richtung Kappel und Grenderich), um an der bald sichtbaren Schutzhütte nach links abzubiegen und von dort hinauf zur ‚Alten Schanze’ zu kommen, dem mit 395 m NN höchsten Punkt der heutigen Etappe. Dort gehen wir 20 m auf der L 98 und orientieren uns dann nach rechts in Richtung Lindenhäuschen (Kapelle!), deren Turm aus den Feldern herauslugt. Von hier aus geht’s weiter bis zum Hinweisschild ‚Zur Dorfschänke’, das ins 1 km entfernt liegende Grenderich einlädt. Unser Weg führt aber ein Stück weit nach rechts, dann gleich wieder nach links, und von dort zu einer Schutzhütte. Nun gelangen wir in den Wald und auf das Judenpfädchen.

Nach ca. 1 Std. sollten Sie auf den Wegweiser achten, der Sie nach rechts in Richtung Bullay führt. Von hier aus geht es dann stets bergab, bis Sie nach ca. 5 km den Moselort Bullay erreichen. Dort finden Sie als Tagespilger den DB-Umweltbahnhof mit Anschluss in Richtung Trier und Koblenz sowie per Moseltalbahn nach Traben-Trarbach. Im Rahmen der Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) durch das Land Rheinland-Pfalz wurde Bullay als Pilotprojekt für den ‚Umweltbahnhof Rheinland-Pfalz’ ausgewählt, gestaltet und erhielt im Jahr 2000 den BDA Architekturpreis Rheinland-Pfalz.

Bullay

Allgemeines:  Bullay gehört zur Verbandsgemeinde Zell (Mosel), Landkreis Cochem-Zell im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 1.530.

Ansprechpartner:

Katholisches Pfarramt St. Maria Magdalena, Kirchstraße 26, 56859 Bullay, Tel.: 06542 900043, E-Mail pfarramt.bullay@t-online.de;

Touristinformation Bullay, Reisebüro Ulfratours, Lindenplatz 2, 56859 Bullay, Tel.: 06542 21141, E-Mail touristinfo@ulfratours.de

Übernachtung:

Gästehaus „Moselinchen“, Graf-Beißel-Straße 6, 56859 Bullay, Tel.: 06542 900664, E-Mail: info@moselinchen.de, Ü/F im Doppelzimmer ab 39,80 Euro;

Gästehaus Wagner, Bahnhofstraße 18, 56859 Bullay, 06542 2586, Ü/F im Doppelzimmer ab 46 Euro: Cafe Görgen, Bahnhofstraße 32, 56859 Bullay, Tel.: 06542 2519. E-Mail info@cafe-baeckerei-goergen.de, Ü/F im Doppelzimmer ab 38 Euro

Bullay hat nichts von seinem Charme und der Romantik als Weinbauort verloren – und trotzdem bietet es eine hervorragende Infrastruktur, die den Langzeitpilger dazu veranlassen könnte, den Ruhetag hier statt in Traben-Trarbach einzulegen. Der Übernachtungspreis liegt sicher etwas höher als in einer Jugendherberge, dafür wird aber auch eine familiäre Atmosphäre geboten.

Die erste urkundliche Erwähnung von Bullay erfolgte im Jahr 1150, als Hofgut der Burg Arras auf der anderen Moselseite. Die Endung -ay deutet auf den keltischen Ursprung des Namens hin (bedeutet Stein) und sicher ist, dass Bullay schon zu römischer Zeit existierte. Als einziges Dorf in der weiten Umgebung erlangte Bullay noch im 12. Jh. den Status einer freien Reichsstadt mit eigenen Gesetzen, eigener Gerichtsbarkeit und eigenem Volksbrauchtum. Bullay war also nicht von Kurtrier abhängig. Im 15. und 16. Jh. wurden in dem Ort Silber, Blei und Eisen abgebaut. Besonders sehenswert ist die Doppelstockbrücke über die Mosel, in dieser Form einzigartig in Deutschland. Oben verläuft die Eisenbahnstrecke Koblenz-Trier bzw. Bullay-Traben-Trarbach, unten die Verbindungsstraße zur B49 bzw. zum gegenüber liegenden Alf. Eigentlich war nur eine Eisenbahnbrücke geplant – reiche Bürger ermöglichten aber dann auch die Straßennutzung.

3. Etappe Treis-Karden – Zell-Merl

 

3.Tag (Variante A)
Karden
→ über Moselbrücke nach Treis (-Karden)                        2 km
→ zum Birkenhof (M)                                                      5 km
→ nach Beilstein (M)                                                       8 km
→ nach (Zell-) Merl (M)                                                 11 km              
                                                              gesamt: ca. 26 km

8. Tag Treis – Beilstein 27.01.2007

 
So ganz so gut geschlafen haben wir nicht. Zwar fielen uns schon früh die Augen zu, aber Gabi hat sich über mein Schnarchen beschwert (ich schnarche nicht, das muss im Nebenzimmer gewesen sein :-)), und ich bin ungefähr stündlich wach geworden. Um halb sechs habe ich dann aufgegeben und mich darüber geärgert, dass wir das Frühstück erst für 8 Uhr bestellt hatten. Als einzige Gäste im Haus hätten wir vielleicht schon eine Stunde früher frühstücken können.
 
Nach dem mittelmässigen Schnitzel vom Vorabend erwartete uns jetzt ein opulentes Frühstück vom Feinsten. Eine reichhaltige Aufschnittplatte, Marmelade, Honig, Orangensaft, Müsli – alles, was das Herz begehrt. Selbst Gabi, ein Frühstücksmuffel, schlug so richtig zu. Die Brötchen waren aber auch wirklich aus der Kategorie "Spitzenklasse".
 
Bezahlen, Pilgerstempel in den Pass und los gings. Wir waren uns nicht so sicher, wo wir den Einstieg in den Moselhöhenweg auf der Hunsrückseite finden sollten, aber da half uns ein netter Herr auf dem Weg, der sich wirklich gut auskannte. Etwas Befürchtungen hatten wir wegen der verschneiten und vereisten Strasse. Ein paar Mal kamen wir ins Rutschen – und ich dachte mir: "Wenn das so weitergeht, müssen wir hier abbrechen, das ist zu gefährlich!" Aber dann konnten wir am Ende des Ortes nach kurzem Anstieg auf der Landstrasse auf einem Waldweg weitergehen und alles war in Ordnung.
 
Der Moselhöhenweg ist hier gleich am Anfang als "Arbeitsdienstweg Beilstein" beschildert – und obwohl ich mich immer dagegen wehre, in der Zeit des Nationalsozialismus irgendetwas positives zu sehen, muss ich hier doch zugestehen, dass zumindest der Reichsarbeitsdienst auch ein paar sinnvolle Dinge vollbracht hat. Der lange Anstieg auf die Hunsrückhöhen geht sanft, kaum merklich nach oben. Sehr angenehm zu laufen. Später folgt der Weg dann dem Keltenweg und einer alten Römerstrasse, die heute auch von einem archäologischen Wanderweg begleitet wird. So sind am Wegrand immer wieder Hinweise auf keltische Grabhügel oder römische Siedlungsreste zu finden. Sehr interessant, wenn man sich für die deutsche Frühgeschichte in keltischer, oder später römischer, Zeit interessiert. Später beim Abstieg nach Beilstein hat Kyrill wieder ein paar stärkere Spuren hinterlassen. Ein gutes Stück Weg ist durch umgestürzte Bäume unpassierbar. Diese haben wir weit umgangen, drüber- oder drunterdurchklettern war uns zu gefährlich, weil einige Bäume sichtbar unter Spannung standen.
 
Oben an einem Aussichtspunkt, mit Blick auf Beilstein, Burg Metternich und die Karmelitenkirche traf es mich dann wie einen Hammer. Ich konnte einfach nicht mehr, die Beine versagten ihren Dienst. Ob das nun an einem zu hohen Tempo oder zu wenig Pausen lag, weiss ich nicht. Heute, während ich hier schreibe, spüre ich aber die Erkältung in den Knochen, und vielleicht waren es gestern die Vorboten.
 
Die Karmelitenkirche ist sehenswert. Das wohl kostbarste Stück ist die schwarze Madonna, ein spanisches Kunstwerk aus dem 12. Jhdt., das von den Spaniern im 30-jährigen Krieg nach Beilstein gebracht und dort beim Abzug den Bewohnern geschenkt wurde.
 
Unten im Ort haben wir dann in einem Cafe auf den Bus nach Cochem gewartet. Und hier habe ich zum ersten Mal in meinem Leben für ein Glas Leitungswasser bezahlen müssen. Nein, es war nicht das Einzige, was wir verzehrt haben. 3 Pötte Kaffee und eine heisse Schokolade standen auf der Rechnung. Und ein Glas Leitungswasser für 50 Cent. Hammerhart, oder? Ich sehne mich nach Wien, wo ein Glas Wasser zum "Verlängerten" gehört, oder nach USA-Land, wo als erstes das Wasser auf den Tisch kommt. Nach der frustrierenden Unterkunftssuche vom Dienstag war dies noch ein besonderes Beispiel für Gastfreundschaft in diesem, unserem Lande. 
 
Wir waren relativ zeitig wieder zu Hause. Durch den Abbruch in Beilstein war die Tagesetappe auch nur so ca. 10 km lang. Aber wir haben die zwei Tage so richtig genossen. Der Winter (gleich, ob er sich frühlingshaft mit Rosen, oder winterlich mit Eis und Schnee gibt) hat seinen ganz eigenen Reiz. Und dazu zählt auf jeden Fall, dass wir im Wald und in den Ortschaften nicht ständig Touristen begegnen.
 
Die Zwei-Tages-Etappe war so richtig teuer. Über 100 Euro haben wir ausgegeben. Dies gerechnet mal 150 Tage bis Santiago de Compostela: da können wir nur sagen, dass eine Pilgerreise nichts für den Durchschnittsverdiener, sondern nur für die Reichen ist. 15.000 Euro, 7.500 Euro pro Person – dafür können wir auch eine Luxus-Kreuzfahrt oder einen 3-Wochen-Urlaub in der Karabik machen. Irgendetwas müssen wir uns einfallen lassen. Wie soll das erst in Frankreich werden, wenn wir aufgrund von Sprachproblemen nicht mehr verhandeln können? Aber selbst die 2 oder 3 Etappen bis Trier übersteigen unser Budget schon erheblich.
 
"Der Weg gibt Dir alles, was Du brauchst – aber nicht mehr!" Vielleicht ist das so – aber im Moment zweifeln wir ein wenig daran.
 
Erkenntnis des Tages:
 
Trinkwasser ist unser kostbarstes Gut
 

Tagebuch einer Pilgerwanderung auf dem Mosel-Camino

 

Im August 2008 entdeckten meine Frau und ich an der Brücke zwischen Karden und Treis erstmalig
eine Jakobsmuschel als Wanderzeichen an der Mosel. Beim Verkehrsverein in Treis erfuhren wir
daraufhin, dass in den Monaten zuvor auf Privatinitiative ein Mosel-Camino abgesteckt worden war.

Als wir für diesen Sommer erneut einen Urlaub an der Mittelmosel planten, holte ich diese
Informationen wieder hervor. – Schnell fand ich heraus, dass es bereits in der 2. Auflage einen
Wanderführer für diesen Pilgerweg gab.

Mit diesem Büchlein von Karl-Josef Schäfer und Wolfgang Welter bereitete ich unsere Reise vor. Im
letzten Monat sind wir dann die Etappen drei und vier (Karden – Bullay – Traben-Trarbach)
abgewandert.

Dabei haben wir einige Informationen und Erfahrungen gesammelt, die nicht im Schäfer/Welter
enthalten sind:

Etappe 3:

1. Karden – Treis:: Für besonders Interessierte ist eine kunsthistorische Führung durch die
Stiftskirche St. Castor möglich. – Das Pfarrbüro befindet sich auf der anderen Moselseite (in Treis)
hinter der Kirche St. Johannes der Täufer.

2. Kloster Maria Engelport: Freundliche Aufnahme (Bewirtung) und Stempelung unserer
Pilgerpässe durch Bruder Otto (Klosterpforte=Klosterladen). Interesse verschiedener Angehöriger
des Oplatenordens (O.M.I.) und Besucher an unserer bisherigen Pilgererfahrung. – Das Patronatsund
Pfarrfest („Missionsfest“) am Wochenende 16./17.8. konnten wir leider nicht besuchen. –
2010 wird das Fest genau am Tag Maria Himmelfahrt (15.8.) stattfinden.
Der direkte Waldweg nach Beilstein (U8) war gesperrt. (Sturmschäden?) Für den steilen Umweg
über den „Bärenkopf“ werden wir durch entsprechende Aussicht belohnt.

3. (Ehemalige Kloster-)Kirche Beilstein: Den Pfarrstempel erhielten wir im Klostercafe (direkt
neben der Kirche, Telefon: 02673/16 74). Von hier Aussicht Mosel abwärts auf Schleusen-
Erweiterungsbau in Buttig-Fankel. – Den besten Kaffee in B. soll es im „Cafe Klapperburg“
geben, Bachstraße 33, Telefon 02673-14 17; berühmt auch für die Kaffeemühlen-Sammlung. –
Verraten hat uns das der Knecht vom Kloster Engelport.

4. Hinter Beilstein: Einen Stempel kann man auch an der Burgruine Metternich am Eingangskiosk
bekommen. – Dort Faltblatt zu Burg und Geschichte erhältlich. – Der jetzige Burgbesitzer ist Hr.
Herzer, den wir im Kiosk antrafen. – Auf dem Burggelände finden von Zeit zu Zeit auch
Ritterspiele statt.

5. Kapelle Lindenhäuschen: Wir haben die Etappe hier geteilt, um über Senheim mit dem ÖPNV
unser Quartier in Cochem zu erreichen.

Dies erwies sich – trotz Karte und Kompass – als schwierig, da die Wege teils zugewachsen, teils
von umgestürzten Bäumen blockiert waren.

In Senheim die Kirche St. Katherina besucht; Tafel mit Geschichte der Kirche im Vorraum. –
Weinmuseum: Telefon: 02673/4381. (Wer hier den Weg fortsetzt und das Judenwäldchen durchquert, muss bis Bullay durchhalten. Ein spätere Etappenteilung mit Abbruch in Grenderich ist nicht empfehlenswert, da dort kein ÖPNV-Anschluss.)

Anmerkung:

Wer die dritte Etappe mit einem Besuch von Cochem verbindet (ÖPNV-Anschluss nach/von
Karden, Beilstein, Senheim und Bullay), sollte sich dort die Kirche St. Martin und das Kloster
Ebernach anschauen.

St. Martin (02671-7417, ältester Teil au 15- Jh.): Festschrift „Oberlinger Orgel“ sowie Faltblatt zu
Geschichte und Ausstattung der Kirche am Schriftenstand. – Derzeit werden in einem Kirchenflügel neue
Fenster installiert. Vorab-Darstellung und Erläuterung auf Tafeln im Eingangsbereich.

Kloster Ebernach mit Klosterkirche Maria Himmelfahrt: In Seitenkapelle 600 Jahre altes Gnadenbild.
Dessen Geschichte und Erläuterung zu der Tarbernakelwand des Künstlers Klaus Balke (Auszug aus
Ebernacher Zeitung , Mai 2001) sowie die Kurzchronik des Klosters auf Tafeln im Kirchenvorraum.

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