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Pilgern an der Mosel

 

RZ-Online Artikelarchiv vom 30.09.2009

Pilgern an der Mosel
Vortrag im Stadthaus – Meditation inklusive

TRABEN-TRARBACH. "Jakobswege in Deutschland – Traben-Trarbach und der wa(h)re Jakob" heißt der Vortrag, der am Dienstag, 20. Oktober, 19 Uhr, im Stadthaus "Alter Bahnhof" in Traben-Trarbach zu hören ist. Karl-Josef Schäfer, Autor der Pilgerwanderführer-Reihe auf deutschen Jakobswegen, lädt die Besucher für 90 Minuten ein, ihn ein Stück auf dem Mosel-Camino von Stolzenfels bis Trier zu begleiten.

Hin und wieder hält er während der Veranstaltung gemeinsam mit seinen Zuhörern auch für eine Meditation inne. Eintrittskarten kosten 5 Euro. Es gibt sie bei der Tourist-Information, Tel. 06541/839 80.

Buen Camino

 

Kommen – Sehen – Pilgern – Staunen – Weitersagen

Erlebnispilgern

Der Weg zum Pilgern auf dem Rhein Camino lohnt sich ……

Buen Camino  der  Pilgertreff im Kreis Neuss

Pilgern – Wandern, –  Ehepaare, Singles, Suchende – Begegnungen, Partner, Freunde – einfach mitmachen – Bei uns gibt es keine Langeweile – Ständig neue Ideen und Planungen. Wir freuen uns schon darauf, wenn auch Du mit uns gemeinsam pilgerst.

Wer gerne nette Menschen kennen lernen und an Freizeitaktivitäten teilnehmen möchte, ist hier bei uns gut aufgehoben.

Turnusmäßig werden hier Wanderungen, Spaziergänge, Ausflüge, Walking & NW  aber auch kulturelle Aktivitäten angeboten, wo sicherlich für „Jeden“ etwas dabei ist.

Samstag 9. Mai 2009
Treffpunkt  Bonner Bahnhof

Zu unserer 5. Etappe auf dem Rhein Camino laden wir „herzlich“ ein. Die Etappe beginnt am Hauptbahnhof in Bonn um 10 Uhr und führt uns über Bonn Venusberg, Rolandsbogen bis nach Bad Honnef.

Die Dormagener fahren mit dem Zug (RE)  um 09:02 Uhr in Richtung Bonn wo sie um 09:56 Uhr ankommen.
Wie in bekannter Weise kümmert sich jede Person um die „Mitfahrgelegenheit“ (5 er Ticket).

Weitere Informationen erhältst Du unter der Tel. Nr. 02133 / 3518 oder wbpries (at) t-online.de  www.rheincamino.magic.net

24. Tag Pont-a-Mousson – Liverdun 04.01.2008

 

Drei Monate ist es her, seit ich nachmittags bei strahlendem Sonnenschein in Pont-a-Mousson ankam und eine ABC-Tour (Another Bloody Cathedrale) durch die Innenstadt unternahm. Nein, so schlimm war es gar nicht, die Jesuitenkirche St.- Martin und besonders das Kleinod St. Laurent hatten es mir schon damals angetan.

Gabi und ich mussten erstmal von Nancy nach Pont-a-Mousson kommen. Also erstmal mit dem Bus in die Innenstadt zum Bahnhof, dann fast 50 Minuten auf den Zug gewartet – 15 Minuten später, um 10 Uhr, waren wir in Pont-a-Mousson.

Ich hatte, glaub‘  ich, letztes Jahr schon geschrieben, dass Pont-a-Mousson so eine Art französisches Wetzlar ist. Alte Wurzeln -immerhin die erste lothringische Universität und auf dem Berg die Burg der lothringischen Herzöge-, aber heute eher ein industriell geprägter Ort. In Deutschland finden wir auf den Kanaldeckeln den Schriftzug "Buderus" (Wetzlar), in Frankreich heisst es "Pont-a-Mousson". Nur die optischen Werke scheinen zu fehlen.

So ungefähr wusste ich die Richtung, vom Bahnhof aus weg von der Innenstadt. Und im Outdoor-Führer heisst es: "… Sie pilgern zurück zur Kirche von Maidiers, wo der GRP links weiter …". Ha, wenn’s denn mal so einfach gewesen wäre. Maidiers? Kein Problem. Kirche? Kein Problem. GRP? Wo? Outdoor-Führer: "… bewaldete Hänge …" Wir also nach oben und einem Wanderweg gefolgt. Dieser führte aber plötzlich und ohne Vorwarnung wieder zurück, d.h. die Mosel hinunter in Richtung Metz. Das konnte es wohl nicht sein. Also zurück. Also wieder nach unten. Also der nächstbesten Strasse zum "idyllischen Jezainville" (Outdoor-Wanderführer) gefolgt. Lieber Michael Moll, ich weiss wieviel Arbeit in einem Pilgerwanderführer steckt. Aber für manche Beschreibung solltest Du die Strecke noch einmal ablaufen, die Pilger werden es Dir danken.

Und in Jezainville haben wir den Bus zurück zum Bahnhof von Pont-a-Mousson genommen, dort den Zug bis nach Nancy. Warum?

Das war einfach kein Tag zum Pilgern. Trüber Himmel, immer wieder Nieselregen, und ein gefrorener Boden, der für spiegelglatte Bürgersteige und später auch Wanderwege sorgte. Das war nicht unser Tag. Während ich noch munter ausschritt und gegen die Schmerzen im linken Knie ankämpfte, verspannte sich Gabi völlig, ging wie auf Eiern mit kleinen Schritten übervorsichtig auf Bürgersteigen und Waldwegen. Hinzu kam bei ihr ein zu schwerer Tagesrucksack und dann nach nicht einmal 5 km Rücken- und Schulterschmerzen.

Unser Rhythmus passte einfach nicht zusammen. Zwar hätte ich Gabi in Jezainville in den Bus setzen und selbst weiter nach Liverdun pilgern können – aber mittlerweile hatten wir durch das Verlaufen oberhalb von Maidiers und unsere Langsamkeit soviel Zeit verloren, dass ich nicht mehr bei Tageslicht in Liverdun angekommen wäre.

"Also morgen auf ein Neues!" nahmen wir uns vor und suchten in Nancy erstmal das "Flunch". Flunch, ein Tipp von Wolfgang, ist eine französische Restaurantkette, in der es ein Hauptgericht und dann beliebig viele Beilagen  gibt. Ideal, wenn man endlich mal zu einem vernünftigen Preis etwas vernünftiges Essen will.

Das, was vom Nachmittag noch übrig war, haben wir damit verbracht, uns Nancy wirklich intensiv anzusehen. Zwar klappte es mit dem Galle-Museum und den anderen Museen nicht, aber ansonsten haben wir wohl das meiste sehenswerte gesehen. Eine tolle Stadt, nachfolgenden Pilgern sei gesagt, dass der Nancy-Abstecher im Outdoor-Führer vom Stein-Verlag wirklich lohnenswert ist.

Update Lahn-Camino 2. Etappe Weilburg – Villmar

Mann, sind die Kanutouristen nervig. 1 Stunde in Villmar am Bahnhof gewartet – und das war wirklich eine Tortur!

Vier Punkte sind wichtig:

1. Weilburg: Der Jakobsweg führt auf dem Leinpfad direkt an der Lahn aus der Stadt. Hinter der Weilmündung geht es nach links durch den Tunnel und dann scharf nach rechts, über die Strasse und dann sehen Sie etwas oberhalb an einem Baum die nächste Markierung. Der Weg hinauf (da ist kein Mäuerchen, sondern ein Baumstamm als Wegmarkierung) ist zugewachsen, im Wald dann aber wieder gut zu erkennen.

2. Weinbach: Dort der Markierung bis zum Ortsausgang folgen, dann rechts bis zum Waldrand, dann links am Waldrand entlang. Und da kommt dann der Knackpunkt: kurz vor der Kurve geht es an einem Holzmast halb rechts den Berg in den Wald hinauf. Die Markierung ist verblasst und der Weg halbwegs zugewachsen. Also aufpassen!

3. Elkerhausen: Die Markierung in Elkerhausen ist jetzt eindeutig. Wenn Sie unten ankommen, machen Sie einfach eine Spitzkehre (also auf der anderen Seite der Leitplanke zurückgehen). Etwas weiter geht es dann rechts, Hauptstrasse links und später nach rechts Richtung Kleinweinbach.

4. Langhecke: In Langhecke die Strasse überqueren und gegenüber dem Hotel die Strasse wieder nach oben in den Wald. Dort fehlen Markierungen – halten Sie sich an der Weggabelung auf jeden Fall links, dann stossen Sie nach rund 1.000 m wieder auf ein "L" für den Lahnhöhenweg.

Apropos Markierungen: der Taunusklub ist sehr rührig, heute morgen trafen wir einen Ehrenamtlichen, der sich mit seiner Frau auf Weilburg zuarbeitete. Vielfach sind die Markierungen aber halt nette Souvenirs für gedankenlose Spaziergänger. Wenn Sie jemanden erwischen, sagen Sie ihm/ihr ruhig, was wir über ihn/sie denken.

3. Tag Diez – Obernhof 10.01.2007

 
An alle Golfspieler: wenn Ihr tatsächlich glaubt, dass Golfspielen demütig macht, dann müsst Ihr mal wandern gehen. Dann müsst Ihr Euch mal 26 km vornehmen und dann rund 30 km, die letzten 5 km bei völliger Dunkelheit auf einer Serpentinenstrasse, abspulen. Dann wisst Ihr, was Demut bedeutet.
 
Diese 26 km zwischen Diez und Obernhof war bisher die landschaftlich reizvollste, aber auch die körperlich anstrengenste Etappe auf unserem Jakobsweg. Wir dachten immer, dass das Lahntal hier bei uns in Weilburg schön ist – nein, Richtung Rhein wird es immer reizvoller und schöner. "Warum denn in die Ferne schweifen, sieh, das Gute liegt so nah!" Deutschland hat so wunderschöne Ecken, die es zu entdecken gilt. Allein dafür lohnt es sich schon, dem ausgeschilderten Lahn-Camino zu folgen und nicht den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Diese Etappe war die Etappe der Schlösser und Burgen. Und der Schmerzen!
 
Der Reihe nach: um kurz nach acht sind wir aufgebrochen. Gabi, Lisa Marie (die manchmal doch kein typischer Teenager von 14 Jahren ist), die Hunde und ich. Mit dem Auto nach Diez, am Bahnhof geparkt und dann ging es so gegen 9 Uhr los. Wieder der schönste Tag der Woche, frühlingshafte Temperaturen mitten im Januar. Dieser Tag gab uns einen Vorgeschmack auf die positiven Seiten des Klimawandels.
 
In Diez waren wir einmal kurz unsicher, wie es weitergeht. Der Lahnhöhenweg führt in einen privaten Hof hinein, so scheint es zumindest. Aber hinter dem letzten Haus führt ein schmaler Weg links den Berg hinauf. Beim Hinaufkraxeln ist dann das Foto vom Grafenschloss Diez entstanden, das traumhaft schön im Sonnenlicht hinter uns geblieben ist.
 
Oben auf der Kuppe liegt dann schon die Schaumburg vor dem Pilger. Ein reichliches Stück Weg noch, und gerade hier führt der schmale Weg leider direkt an der Strasse entlang. Aber auch unangenehme Wegstrecken gehen einmal zu Ende und nach kurzer Zeit führt der Pilgerpfad über die Strasse wieder in den Wald zum Abstieg nach Fachingen (dahin, wo das weltberühmte Fachinger herkommt).
 
Auf- und Abstiege haben uns den ganzen Tag begleitet. Kein Vergleich mit unserer ersten Etappe, viel anstrengender, viel steiler. Aber die Ausblicke an den zahlreichen Aussichtspunkten machen so manchen Anstieg wieder wett.
 
Ein Tipp für ähnlich untrainierte Pilger: erspart Euch den Anstieg vom Sportplatz in Laurenburg, sondern nehmt die Strasse durch den Ort. Hinter Laurenburg kommt noch einmal an Anstieg, der es in sich hat und wo Ihr für jeden gesparten Höhenmeter auf der Tour vorher dankbar seid.
 
In Laurenburg sind Hilde und Bahrani zu uns gestossen. Fotos gibt es leider keine, dafür war erst keine Kraft und später kein Licht mehr da. Aber das holen wir nach.
 
Hilde war mit dem Auto direkt nach Laurenburg gefahren um uns die letzten Kilometer bis Obernhof zu begleiten. Eigentlich wollte sie zwei Hunde mitbringen – im Nachhinein waren beide Entscheidungen richtig: nach Laurenburg und nicht nach Diez zu fahren und nur einen Hund ins Auto zu packen.
 
Oben auf der Höhe, wo Hilde wartete, gab es erst einmal Zickenalarm. Feny und Bahrani haben sich tüchtig in die Wolle gekriegt. Bahrani hat Glück gehabt, naja, schliesslich soll sie ja auch noch auf Ausstellungen und in die Zucht – kein einziger Kratzer. Mit unserer Feny war es ein wenig anders. Ein Schlappohr perforiert und abends haben wir dann noch eine Stelle im Nacken gefunden. Bahrani hat gut zugelangt.  Das zeigt aber auch, dass Rudelhaltung zwar gut für die Hunde und für die Halter ist – ein oder eine Fremde jedoch relativ wenig Chancen hat, in dieses Rudel hineinzukommen. Soziale Kontakte, Umgang mit Artgenossen, tendieren da schon mal gegen Null. Denn ganz ehrlich: welcher Hundehalter kann sich bei einer Beisserei schon seelenruhig in einiger Entfernung aufbauen und abwarten, was passiert? Ich dachte einfach: "Bahrani ist für Hilde werthaltiger, solange sie nichts tut …." und Hilde schien die gleiche Meinung über uns zu haben. Später wollte sich Feny noch für die erlittene Schmach revanchieren und zog Gabi einmal kräftig über den Waldboden. Hatte aber keine Chance, Gabi war dann doch zu schwer 🙂
 
In Laurenburg oder vielmehr zum Treffpunkt mit Hilde kamen wir schon rund 2 Stunden später als geplant. Und das anstrengenste Stück lag noch vor uns. Wieder ein Abstieg und dann ein gutes Stück an der Lahn entlang. Wir überquerten die Gleise und standen dann im Hof eines Anwesens. Auf der anderen Seite der Bahngleise konnten wir nach längerer Ratlosigkeit unseren Weg sehen. Für zukünftige Pilger: nicht der Wegmarkierung über die Gleise folgen, sondern geradeaus weiter durch das Dickicht und auf dem Trampelpfad. Hinter dem verlassenen Haus führt der Weg dann wieder steil nach oben.
 
Schmerzende Füsse, schmerzende Muskeln – Gabi, Lisa, die Hunde und ich hatten schon gute 15 km mit ständigem auf und ab hinter uns. Aber dieser Anstieg hat nicht nur uns sondern auch die frische Hilde geschafft. Gabi klammerte sich an die Hoffnung: "Wenn ich besonders schnell gehe, dann schaffen wir es noch vor der Dunkelheit!" Pustekuchen! Und ich habe mich an meine gute, katholische Erziehung erinnert und den schmerzhaften Rosenkranz aus den Tiefen meines Gedächtnisses hervorgekramt. Nein, nicht wirklich um zu Beten, sondern vielmehr, um nicht mehr denken zu müssen. Klar, so manches blasphemische Stossgebet habe ich trotzdem in Richtung Himmel geschickt, aber ich muss sagen, dass die Katholen durchaus wussten, wozu so eine Litanei oder ein Rosenkranz gut sind. Absolute Leere, nur noch ein Fuss vor den anderen. Und wieder: "Ehre sei dem Vater und … – Vater unser im Himmel … – Ave Maria …" Irgendwann habe ich mir dann gedacht: "Wenn Du sowieso schon betest, dann kannst Du das gleich auch mit einem Anliegen verbinden. Der da oben wird das schon richtig einzuordnen wissen." Und so war dann der Rosenkranz für die Schäfers, die Rabensteins, die Strommens, die Kleins, Schulzendorffs, Eceterskis und Kargs – also alle, die zum erweiterten Familienkreis zählen. Ich hoffe, denen haben wenigstens die Ohren geklingelt. Und für die katholischen Leser: dieser Anstieg hat für einen kompletten Rosenkranz gereicht!!!!! Und der dauert …..
 
Oben angekommen war das Schlimmste überstanden. Nur kam jetzt bald die Dämmerung, wir haben den Weg verloren und konnten ihn auch nicht wiederfinden. Die Lichter von Obernhof zeigten uns aber die Richtung und bald kamen wir an eine Strasse, die in Serpentinen in den Ort hinuntergeführt hat. Dieses Asphaltlaufen hat uns dann noch einmal den Rest gegeben. Und im Kopf? Stellt Euch einmal vor, Ihr geht auf Euer Ziel zu (in diesem Fall das Kloster Arnstein im Scheinwerferlicht) und dann kommt eine Kehre und Ihr lauft wieder ins Dunkel hinein. Klar, auch daraus kann man im Kopf etwas machen – aber unsere Nerven, die Füsse und Knie wollten einfach nicht mehr. Lisa musste sich noch schnell eine Zerrung am Fuss holen, aber sonst ist alles gut gegengangen.
 
Der Herrgott hat wieder ein Einsehen gehabt, 10 Minuten, nachdem wir am Bahnhof ankamen, sollte der Zug Richtung Laurenburg abgehen. Hilde stieg in Laurenburg aus (wir waren zu schwach 🙂 um sie vernünftig zu verabschieden und winkten mehr oder weniger müde) und wir kamen auch bald in Diez an.
 
"Der Jakobsweg gibt Dir alles, was Du brauchst – aber nicht mehr!" Wir hatten einen wunderschönen Tag erwischt, milde Temperaturen, kein Regen. Kaum im Auto, wurde aus dem schon heftigen Wind ein Sturm und kurz vor Limburg prasselte der Regen.
 
Erkenntnisse des dritten Tages:
 
1. wir brauchen Wanderkarten im Massstab 1:25.000
2. es geht immer noch ein Stückchen weiter
3. um Demut zu lernen, brauchen wir nicht ins Kloster
4. Der Weg gibt uns alles, was wir wirklich brauchen
 
   

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