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Schlagwort: am rhein

Anhang 6 – Rundgang durch das historische Koblenz

 

(Entnommen aus: Schäfer Karl-Josef und Welter Wolfgang: Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier – Der Pilgerwanderführer für den Mosel-Camino, BoD, 2007, ISBN: 978-3833498886, 14,95 Euro)

Unser erster Teil des Rhein-Camino endet in Stolzenfels, gegenüber von Lahnstein, wo sich die mittelalterlichen Pilger sammelten, um weiter am Rhein entlang (Mainz, Speyer, Straßburg) oder auch moselaufwärts in Richtung Trier zum Grab des Apostels Matthias zu pilgern.

Vielleicht haben Sie ja ein wenig Zeit, um sich Koblenz anzusehen. Wenn es sich dabei um richtig viel Zeit handelt, dann besorgen Sie sich am besten einen der wirklich guten Stadtführer und/oder besuchen die Festung Ehrenbreitstein auf der anderen Rheinseite. Für ein paar Stunden kann aber unser Stadtrundgang als Anhalt dienen.

Vorab: Für 2011 ist die Bundesgartenschau (BuGa) an Koblenz vergeben worden. Kernbereiche werden u.a. das Deutsche Eck, die gegenüberliegenden Ufer an Rhein und Mosel, die Rheinanlagen, der Schlossbereich, Ehrenbreitstein und der Blumenhof sein. Die entsprechende Agenda sieht für die Stadt in den kommenden Jahren vielfältige Bau-Maßnahmen vor:

· Tieferlegung der Straße zwischen dem Schloss und der Schlossstraße sowie Bau einer ebenerdigen Fußgängerbrücke

· Bau einer Tiefgarage unter dem Schlossvorplatz

· Bau einer Seilbahn über den Rhein vom Schloss zur Festung Ehrenbreitstein

· Bepflanzung der Kernbereiche

· Neugestaltung des Schlossvorplatzes und des Schlossgartens

Es könnte also sein, dass der folgende Rundgang wegen diverser Bauarbeiten nicht ganz so verlaufen kann, wie er hier vorgeschlagen wird.

Folgende Sehenswürdigkeiten begegnen uns u. a. auf unserem Streifzug durch die Koblenzer Kernstadt:

· Münzplatz

· Florinsmarkt

· Liebfrauenkirche

· Jakobuskapelle

· St. Kastor

· Deutsches Eck

· Kurfürstliches Schloss

Beginnen wir unseren Stadtrundgang am Münzplatz, inmitten des römischen ‚apud Confluentes’, also am Zusammenfluss von Rhein und Mosel. Hier ließen sich vor rund 2000 Jahren die Römer nieder. Ob Confluentes eine Handelssiedlung war oder schon unter Tiberius (14 – 37 n. Chr.) ein Kastell zum Schutz gegen die Germanen: so ganz sicher sind sich die Historiker nicht. Die Kastell-Theorie ist umstritten. Wie auch immer, fest steht, dass die Siedlung einen rasanten Aufschwung nahm und sich ständig vergrößerte. Und spätestens im 3. Jh. war Confluentes ein römisches Kastell, um sich gegen die immer häufigeren Angriffe der Germanen zu verteidigen.

Hier am Münzplatz standen die kurtrierischen Münzwerkstätten, Koblenz gehörte von 1018 bis 1794 dem Erzstift Trier und war lange Zeit Residenz des Trierer Erzbischofs. Einziges erhaltenes Gebäude in diesem Ensemble ist das Wohnhaus des kurfürstlichen Münzmeisters – 1761/62 nach Plänen von Johannes Seiz gebaut. Sie finden dieses Haus auf der rechten Seite des Platzes.

An der Westseite des Münzplatzes fällt der Metternicher Hof ins Auge. 1644 kam die Grafenfamilie von Metternich durch Belehnung in den Besitz des Hauses, 1773 wurde hier der spätere österreichische Staatskanzler Clemens Wenzel Lothar von Metternich geboren.

Durch den Torbogen gehen wir jetzt in Richtung Alte Burg. Wenn Sie sich einmal umschauen, dann sehen Sie oben auf der Rückseite des Torbogens eine interessante Seccomalerei von William Straube aus dem Jahr 1911. Sechs große Frauenfiguren symbolisieren Hoffnung und Trauer. Dazu steht geschrieben: „Leben und Zeit. Die Zeit sie mäht so Rosen als Dornen – Aber das treibt immer wieder von vornen.“ Die Verbindungsstraße ‚Im Paradies’ heißt so nach dem kurfürstlichen Garten. Direkt vor Ihnen liegt nun die Alte Burg, in der zweiten Hälfte des 13. Jh. als Zwingburg am Moselufer erbaut. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Burg stets vergrößert. Im 19. Jh. diente sie als Blechwarenfabrik, dann als städtische Gemäldegalerie. Heute schließlich nutzt sie die Stadt Koblenz als Archiv.

Am Moselufer erkennen Sie linker Hand die Balduinbrücke, Mitte des 14. Jh. auf Anweisung von Erzbischof Balduin errichtet. Diese zweitälteste Steinbrücke Deutschlands bewältigte bis zum 19. Jh. als einzige Moselüberquerung den gesamten Verkehr zwischen Köln und Mainz. Damit war sie auch eine der einträglichsten Geldquellen der Stadt.

Abb. 59 – Koblenz Alte Burg

Am Moselufer geht es an einigen sehenswerten Erkern vorbei bis zum ‚Deutschen Kaiser’. Dieser spätgotische Adelsbau wurde 1520 errichtet. Als einziges spätmittelalterliches Gebäude hat es die Kriegswirren unbeschadet überstanden.

Gehen Sie nun ein Stückchen die Kornpfortstraße hoch und biegen dann nach rechts in die Gasse Unterm Stern ein. Der Weg führt Sie zum Florinsmarkt.

An dessen Nordseite befindet sich rechter Hand das Schöffenhaus, von Erzbischof Richard von Greiffenclau 1528-30 im gotischen Stil errichtet. 1528, Gotik? Richtig, eigentlich war der Renaissance-Stil der angesagte Baustil.

Direkt daneben steht das 1425 fertiggestellte Kaufmann- und Tanzhaus. Unten, im Erdgeschoss, waren die Lagerräume und Verkaufsstände der Kaufleute, die erste Etage wurde von den Koblenzer Bürgern für Festveranstaltungen genutzt. Nach Beschädigungen im Pfälzischen Erbfolgekrieg ist der spätgotische Charakter zwar noch erkennbar, aber der Barock überwiegt heute schon.

Achten Sie auch auf den quadratischen Uhrturm mit dem ‚Augenroller’, einer hässlichen Fratze, die auf die Besucher hinab schaut. Im Takt des Pendels der Uhr bewegt er seine Augen hin und her, und zu jeder vollen und halben Stunde streckt er seine Zunge heraus. Die Koblenzer erzählen sich, dass die Fratze an den Raubritter Johann Lutter von Kobern erinnern soll. Er wurde 1536 in einem fünfmonatigen Prozess zum Tode durch Enthauptung verurteilt. Seine letzten Worte sollen gewesen sein: Ihr habt so lange euren Spaß mit mir gehabt, hängt meine Fratze ans Alte Kaufhaus, so lange geht es der Stadt gut. Aber erst 200 Jahre später muss jemand die alten Gerichtsprotokolle gelesen haben, denn erst als die Uhr im 18. Jh. an den Turm angebracht wurde, fand auch der Augenroller darunter einen Platz. Allerdings war der Kopf vor der Zerstörung des Gebäudes im Zweiten Weltkrieg größer. Heute hat hier das Mittelrhein-Museum sein Domizil gefunden.

An das Kaufmann- und Tanzhaus grenzt unmittelbar der Bürresheimer Hof, angelegt 1659/60. Der linke, zweiflügelige Bau kam Anfang des 18. Jh. hinzu, der moselseitige Saalbau in der Mitte 1769. Von 1851 bis zur Reichspogromnacht im Jahr 1938 war die Synagoge der jüdischen Gemeinde hier untergebracht. 

Abb. 60 – Koblenz Altes Kaufhaus mit Augenroller

An der Ostseite des Platzes steht die ehemalige Stiftskirche St. Florin, heute eine evangelische Gemeindekirche. Um 1100 erbaut, wurde die Kirche mehrfach umgebaut und ergänzt, so dass sie heute romanische, gotische und barocke Elemente aufweist. Die kaum restaurierten mittelalterlichen Wandmalereien gehören zu den lebendigsten Zeugnisse ihrer Zeit am Mittelrhein. Bei Ausgrabungen in der Kirche entdeckte man die Fundamente eines römischen Stadtmauerturms und fränkische Estrichreste über römischen Häusern. An der Nordseite der Kirche sehen Sie das älteste Haus von Koblenz, das romanische Kapitelhaus aus der Zeit um 1230. Schräg gegenüber, auf der anderen Straßenseite, befindet sich der Pfarrhof Liebfrauen. Die zwei rückwärtigen Türme der Hofanlage gehören zur frühmittelalterlichen Stadtbefestigung.

Abb. 61 – Koblenz Liebfrauenkirche

Wir gehen nun durch die Mehlgasse zur Liebfrauenkirche, die auf dem höchsten Punkt der Koblenzer Innenstadt steht. Schon im 5. oder 6. Jh. n. Chr. hat hier innerhalb eines römischen Großbaues eine Kirche existiert. Der heutige Bau zeigt überwiegend Elemente der Spätromanik und Spätgotik. Die barocken Zwiebeltürme entstanden 1693. Zur Ausstattung gehören Renaissancegrabplatten, ein Nikolausaltar von 1680 und das gotische Glasfenster im nördlichen Seitenchor.

Auf den Plan gelangen wir, wenn wir direkt neben der ehemaligen Grabkapelle die rechte Treppe hinunter gehen. Dieser Platz hat eine bewegte Geschichte zu erzählen. Er diente den Fleischern bis 1771 als Markt, den Jesuiten um 1594 als Theaterbühne, der Gerichtsbarkeit im 17. Jh. als Turnier- und Gerichtsplatz. An der Nordseite waren Stadtkommandantur und Hauptwache und im 19. Jh. das Rathaus untergebracht.  Der in der Mitte 1805 errichtete Brunnen erinnert an die erste Koblenzer Wasserleitung. An der Kreuzung Löhrstraße/Marktstraße/Altengraben/Plan sehen Sie noch die vier Fachwerkhäuser aus dem Jahr 1608, von den Koblenzern kurz die ‚Vier Türme’ genannt.

Der Kreis um das römische Koblenz schließt sich, wenn wir von hier durch den Entenpfuhl und die Kornpfortstraße in Richtung Mosel gehen. An verschiedenen Stellen ist die römische Stadtmauer zu sehen und in moderne Gebäude integriert. Im Parkhaus neben dem Hotel ‚Zur Kornpforte’ sind zwei römische Stadtmauertürme gefunden worden.

Unterwegs bewundern Sie noch den wunderschönen barocken Erker des Dreikönigenhaus, einem Adelshof aus dem Beginn des 18. Jh. Das Relief zeigt die Heiligen Drei Könige, der Erker des benachbarten Krämerzunfthauses dagegen die heiligen Michael, Maria und Tobias mit dem Fisch sowie einen Engel und Justitia mit Schwert und Waage.  

Am Dreikönigenhaus biegen Sie rechts in die Straße Am Alten Hospital ein und gehen dann durch das Kastorviertel in Richtung Rhein. Zwar wurde das Viertel weitgehend im 2. Weltkrieg zerstört, erhalten ist lediglich die Fassade des Fahnensaals des ehemaligen (von der) Leyenschen Hofes. Den kleinen Umweg machen wir aber wegen der aus dem 14. Jh. stammenden Jakobuskapelle.

1355 wurde die gotische Kapelle als Friedhofskapelle des Deutschen Ordens erbaut. Leider wurde die Kapelle 1944 durch Bomben zerstört, 1965 begann man mit dem Wiederaufbau.

Die Alt-Katholische Gemeinde übernahm die Innenausstattung. Heinrich Voegele-Mönnighoff (1907-1987) entwarf und arbeitete den Altar, die Gitter des Tabernakels und das schmiedeeiserne Ambo. Die kupfernen Türgriffe sind als Jakobsmuscheln ausgebildet. Voegele-Mönnighoff schenkte der Gemeinde u. a. eine Keramikfigur des Heiligen Jakobus d. Ä.; mittlerweile in Bronze gegossen, passt sie sich hervorragend dem gotischen Raum an.

Schräg gegenüber nun steht die bedeutendste Koblenzer Kirche: St. Kastor. Hier wurde deutsche Geschichte geschrieben und Johannes Paul II. hat sie 1991 zur Basilika minor erhoben. Der erhaltene romanische Baubestand macht sie auch baugeschichtlich zu einer ganz besonderen Kirche.

Schon seit dem 1. Jh. wurde diese Stelle für Kulthandlungen genutzt, um 100 wurde ein gallorömischer Tempel angelegt, der hier bis spätestens zum Ende des 7. Jh. stand. Die erste Kastorkirche, benannt nach dem Missionar der Mosel, dem heiligen Kastor, von dem sich auch einige Reli­qu­ien in dieser Kirche befinden, wurde 836 geweiht. In Koblenz befand sich ein fränkischer Königshof, so galt König Ludwig der Fromme als Bauherr dieser Kirche außerhalb der Stadt.

Kirche und Stift St. Kastor waren eng mit der Reichsgeschichte verbunden: 842 wurden hier die Bestimmungen der Reichsteilung ausgehandelt, 860 verhandelten die Karolinger familieninterne Streitigkeiten, 862 wurde die Reichsteilung in Ost- und Westreich beschlossen. Daraus gingen dann das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und Frankreich hervor.

1199 wurde die Kastorkirche im Krieg schwer beschädigt, Reparaturen und der Neubau des Kirchenschiffes wurden notwendig.

1338 fand das letzte bedeutende Treffen im Stift statt. König Ludwig der Bayer und der englische König Eduard III. besiegelten in der Kastorkirche Freundschaft und Bund.

Abb. 62 – Koblenz St. Kastor

Die Wandmalereien in der Kirche stammen aus den Jahren 1840 bis 1860. Zwischen 1890 und 1894 erhielt die gesamte Kirche eine Verblendung aus Tuffstein und somit ihr heutiges Erscheinungsbild.

Die Kastorkirche ist auch heute noch reich mit Kunstschätzen ausgestattet: die gotischen Wandgräber der Trierer Erzbischöfe, die Steinkanzel von 1625 und der Schrein der seligen Rizza, der angeblichen Tochter Ludwigs des Frommen. Im südlichen Kirchenschiff sehen Sie die Brigitten-Madonna, entstanden zwischen 1350 und 1410 in Böhmen, hat sie nach vielen Umzügen schließlich in St. Kastor eine Bleibe gefunden.

Auf dem Vorplatz steht ein Kuriosum. Der französische Präfekt ließ etwas voreilig zur Erinnerung an den glorreichen und siegreichen Russlandfeldzug Napoleons den Brunnen errichten. Wie bekannt, endete der Feldzug in einem Desaster, die Franzosen mussten am Rhein abziehen. Der russische Stadtkommandant zeigt jedoch Humor. Er ließ am 1.1.1814 unter die eingemeißelte Huldigung des Siegers sein ‚gesehen und genehmigt’ setzen.

1110 wurde ein Hospital neben der Kastorkirche gegründet, die erste Einrichtung zur Krankenpflege nördlich der Alpen. 1216 wurde der Deutsche Orden, der sich in der Krankenpflege engagierte, nach Koblenz gerufen und erhielt einen Teil des Geländes der Kastorkirche mit dem dort befindlichen St. Nikolaus-Hospital als Geschenk. Zur Verwaltung der Ordensprovinz Koblenz errichtete der Orden direkt an der Ecke der Moselmündung in den Rhein das Deutschherrenhaus. Seitdem wird die Stelle Deutscher Ordt, bzw. später Deutsches Eck genannt. 

Das heutige Deutsche Eck mit dem Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm I. auf der Landzunge erreichen wir, wenn wir der Danziger Freiheit folgen und dann die Straße überqueren. Das Standbild wurde in den letzten Kriegstagen schwer beschädigt und demontiert. Lediglich der Kopf befindet sich heute im Mittelrhein- Museum. Am 18. Mai 1953 hat der damaligen Bundespräsident Theodor Heuss den Denkmaltorso zum Mahnmal der Deutschen Einheit erklärt. Nach der Wiedervereinigung wurde das Standbild rekonstruiert und 1993 wieder aufgestellt.

Abb. 63 – Koblenz Deutsches Eck

Den Sockel können Sie -kostenlos- besteigen und haben von hier einen guten Panoramablick nicht nur auf das Deutsche Eck und den Zusammenfluss von Rhein und Mosel, sondern auch auf die ehemalige Festung Ehrenbreitstein.

Schon Ende des 10. Jh. stand auf dem Plateau die erste Burg. 1018 schenkte Kaiser Heinrich II. sie dem Erzstift Trier. Zunächst Grenzburg, gewann sie aber rasch an Bedeutung, als sich Kurtrier in den Westerwald ausdehnte. Anfang des 16. Jh. hat der bereits erwähnte Erzbischof Richard von Greiffenclau die ersten Geschützbastionen bauen lassen, und die erste Kanone, Vogel Greif, wurde 1524 in Frankfurt in Auftrag gegeben. Bis ins 18. Jh. hinein wurde die Festung immer wieder erweitert und verstärkt, sie galt als uneinnehmbar. 1794 nahmen die französischen Revolutionstruppen die Stadt ein, konnten aber die Festung erst fünf Jahre später nach einjähriger Dauerbelagerung besetzen. Damit die Festung nicht dem Feind in die Hände fallen konnte, wurde sie 1801 von den Franzosen gesprengt und lag bis 1815 in Trümmern. In diesem Jahr kam aus dem preußischen Hauptstadt Berlin die Order, die Stadt Koblenz und die Festung Ehrenbreitstein neu zu befestigen. 50 Jahre später war sie aber schon wieder veraltet und wurde nach dem Ende des 1. Weltkrieges noch nicht einmal mehr geschliffen. Im 2. Weltkrieg boten die Kasematten und Felsentunnel den Koblenzer Bürgern noch einmal Schutz vor den alliierten Bombenangriffen.

Abb. 64 – Koblenz Festung Ehrenbreitstein

Heute wird die Festung als Landesmuseum, als Jugendherberge, von zwei Restaurants  und vom Landesamt für Denkmalschutz genutzt; die andere Seite ist mit einer kleinen Personenfähre erreichbar. Von dort geht es per pedes nach oben oder auch in der Saison mit dem Sessellift.

Abb. 65 – Koblenz Historienbrunnen

Nun geht es wieder zurück; Sie überqueren noch einmal die Danziger Freiheit und kommen durch das Tor in der Stadtmauer in den Blumenhof. Von der stattlichen Dreiflügelanlage ist nur noch das Komturhaus erhalten, seit 1992 ist hier das Ludwig-Museum mit zeitgenössischer französischer Kunst und wechselnden Gastausstellungen untergebracht.

Weiter geht es zum Konrad-Adenauer-Ufer und vorbei an der ehemaligen Mädchenschule von St. Kastor, bis Sie rechts in die Rheinstraße einbiegen. Gehen Sie doch auf dem Görresplatz doch einmal um den Brunnen mit der Historiensäule herum. Dieses im Jahr 2000 von Prof. Dr. Jürgen Weber geschaffene Kunstwerk stellt in verschiedenen Schichten Szenen aus der wechselvollen Stadtgeschichte dar. Eine Tafel mit Beschreibung erleichtert das Verständnis der 2000jährigen Stadtgeschichte.

Durch die Firmungsstraße gelangen Sie zum Jesuitenplatz, vorbei an einigen schön erhaltenen Barockhäusern. Hier steht auch das ehemalige Jesuitenkolleg, das später als Gymnasium diente, und seit 1895 als Rathaus genutzt wird. Im Treppenhaus (Rathausgebäude I), können Sie die 1701 von Carl Maria Pozzi geschaffenen Stuckdecken bewundern. Von der Jesuitenkirche an der Ostseite existiert leider nur noch die frühbarocke Fassade. Dahinter errichtete man nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg einen modernen Kirchenbau. Durch den Torbogen neben der Kirche geht es weiter, den ehemaligen Klosterhof können wir durch das reich verzierte barocke Westportal erblicken.

Rechts steht der Schängelbrunnen von Carl Burger aus dem Jahr 1940. Schängel sind die in Koblenz geborenen Lausejungen. Das Wort stammt aus der 20-jährigen Zugehörigkeit (17941814) der Stadt Koblenz zu Frankreich. Gemeint waren damit ursprünglich die von den Franzosen abstammenden Kinder deutscher Mütter. Der gängigste Name war damals Hans oder Johann, was dem französischen Jean entspricht. Die Koblenzer hatten aber Schwierigkeiten, Jean französisch auszusprechen, und in der Mundart der Koblenzer wurde daraus Schang. Über die Zeit entwickelte sich hieraus schließlich Schängel (= Hänschen). Anfangs galt dies als Schimpfwort, etwa vergleichbar dem deutschen Bankert (Synonym für ein uneheliches Kind). Heute jedoch wird Schängel als Ehrenname verstanden, und jeder in Koblenz Geborene darf für sich in Anspruch nehmen, ein Schängel zu sein. Häufig wird sogar liebevoll eine zweite Verkleinerungsendung zum Schängelche angehängt.

Abb. 66 – Koblenz Schängel-Kanaldeckel

Sie folgen der Gymnasialstraße und biegen links in die Schanzenpforte ein. Die mittelalterliche Stadtmauer wurde hier stellenweise in die Wohnhäuser integriert und wurde dadurch erhalten.

Am Ende der Schanzenpforte halten Sie sich rechts und erreichen die Clemensstadt (Neustadt), benannt nach dem letzten Trierer Kurfürsten Clemens Wenzeslaus. Im 18. Jh. sollten am Rheinufer ein prunkvolles Schloss und ein neuer, repräsentativer Stadtteil entstehen. Gleich zu Ihrer Rechten befindet sich das erste neu entstandene Wohnhaus aus dem Jahr 1786, besonders die prunkvolle Fassadengestaltung fällt auf.

Abb. 67 – Koblenz Stadttheater

Jenseits der Clemensstraße liegt das frühklassizistische Comödien- und Ballhaus, das heutige Stadttheater, heute eine dreispartige Einrichtung, in der Schauspiel, Musiktheater und Ballett gleichrangig nebeneinander stehen. Es hat seine Heimat im einzigen erhaltenen klassizistischen Theaterbau am Mittelrhein; ein Ringtheater mit Illusionsmalerei und einem Zuschauerraum auf ringförmigem Grundriss, der auf die einstige kurfürstliche Loge ausgerichtet ist. Von Anfang an war es für das Volk und nicht für den Hofstaat bestimmt Wer seine Kenntnisse der lateinischen Ziffern nicht ganz verloren hat, erfährt hoch über dem Theatereingang, dass das Gebäude 1787 errichtet wurde, und zwar „für die Musen, die guten Sitten und das öffentliche Vergnügen“. Hoch über der Bühne lehrt uns die in Latein gehaltene Inschrift: „Ridendo corrigo mores“ (durch Lachen verbessere ich die Sitten). Vermutlich als Konzept fürs Theater gedacht, dennoch auch eine Weisheit, auf die man sich im Alltag vielleicht häufiger besinnen sollte …

Am Theater geht es die Stresemannstraße hinunter zum Rhein, vorbei an den ehemaligen Gebäuden des Oberpräsidiums der preußischen Rheinprovinz im rheinischen Barock mit Jugendstileinflüssen. Das Regierungsgebäude von 1906 am Konrad-Adenauer-Ufer ist ein riesiger neo-romanischer Bau. Hier befindet sich heute das Präsidium des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung.

Abb. 68 – Koblenz Schloss

Auf der Uferpromenade geht es jetzt stromaufwärts durch die Kaiserin-Augusta-Anlagen, gestaltet nach einem Entwurf von Peter Joseph Lenné. Vorbei am Joseph-Görres-Denkmal, das an einen der führenden Köpfe der revolutionären rheinischen Jugend zu Beginn des 19. Jh. erinnert, erreichen Sie die Pfaffendorfer Brücke und das 1925 erbaute Weindorf. Auf dem Fußgängerweg durch die Unterführung gelangen Sie schlussendlich zum Kurfürstlichen Schloss.

Das im reinen Klassizismus errichtete Gebäude mit den Zirkelbauten und dem Mittelbau, der durch die wuchtigen Säulen auffällt, wurde 1786 eingeweiht. Schon acht Jahre später musste Clemens Wenzeslaus vor den anrückenden französischen Truppen nach Augsburg fliehen. Dorthin nahm er auch die prächtige Innenausstattung mit. Leider ist das Kurfürstliche Schloss, heute sind hier verschiedene Behörden untergebracht, nicht zu besichtigen.

Zurück zum Ausgangspunkt des Rundgangs gelangen Sie nun durch die nahe gelegene City.

Neues vom Jakobsweg – gefunden am 12. Februar 2009

 

Lesertipps, Anregungen und Korrekturen zum Lahn-Camino …

 

… von Willi Eisenbarth, ehemaliger Stadtarchivar in Lahnstein:

 

  • zu Beginn sollte Marburg als Wallfahrtsort mit der Elisabethkirche und dem Jakobusspital erwähnt werden (ist schon in Arbeit, Herr Eisenbarth, die Neuauflage des Lahn-Camino wird in Marburg beginnen).
  • Limburg: Wilhelmitenkloster mit der Kirche St. Jakobus und Anna, außerdem ein Heilig-Geist-Spital (alles wichtig für den Jakobus-Pilger)
  • Nassau: Heilig-Geist-Spital
  • Lahnstein:
    Seite 97 – Anlaufstellen: Hospitalkapelle St. Jakobus, Hochstraße. Pilgerstempel gegenüber im Alten Rathaus (Stadtarchiv) erhältlich. Pilgerstempel auch beim Pfarramt St. Martin.
    Burgus nicht im Gymnasium! Ehemaliger Burgus in der Pater Domian Anlage südlich der Johanniskirche (Informationstafel)
    Allerheiligenbergkirche erbaut 1895 – 1901 – ehemals Kreuzberg = hier stand ein steinernes Kreuz
    1671 wurde die alte Kapelle erbaut (heute Hauskapelle des 1919 erbauten Klosters der Hünfelder.)
    Seite 99 – Ablassbrief: Nicht vom Papst ausgestellt, sondern von mehreren Bischöfen in der Papstresidenz Avignon
    Ablassbrief galt für Burgkapelle auf Lahneck, für die Martinuskirche und die Hospitalkapelle (Original befindet sich im Stadtarchiv Lahnstein).
    Seite 99 – Lahneck: Zollburg war das Martinsschloß am Rhein.
    Fürstentreffen auf Lahneck war 13465:
    1338 (Goldene Bulle) und 1400 (Wenzel) wird Lahneck nicht erwähnt. Zusammenkünfte waren im großen Saal des Lahnsteiner Martinsschlosses.
    Seite 100 – Tempelritter: "belagerte der Mainzer seine eigene Burg"
    die mehrere, umgebende Türme stehen noch alle.
  • Fürstbischöfe werden im Mainzer Land Erzbischöfe, später Kurfürsten genannt
  • Seite 102 – Hospitalkapelle (für Pilger der wichtigste Punkt in ganz Lahnstein). Lage: Hochstraße auf dem Alten Marktplatz gegenüber dem Alten Rathaus – unweit dem Bahnhof Oberlahnstein und der Rheinfähre nach Koblenz-Stolzenfels
  • Ein weiteres Spital mit der Heilig-Geist-Kapelle (um 1300) befindet sich auf dem Martinsberg unweit der Burg Lahneck.
  • Hospitalkapelle St. Jakobus in Lahnstein: Erbaut um 1330 (Älterer Vorgängerbau ergraben). Renoviert 1981-1984. Der "Förderkreis Hospitalkapelle St. Jakobus", gegründet 1981, betreut die Kapelle (Gottesdienst am Jakobstag, Pilgerstempel usw.)

6. Tag Stolzenfels – Löf 22.01.2007

Kurzversion für Schnellleser: wunderschöner Tag, dank Wolfgang Welter eine wunderschöne Strecke, problemlos gelaufen, Erkenntnis des Tages: Bahnhöfe sind langweilig und zugig.
Und jetzt die ausführliche Version:
Ich hatte lange überlegt, wie und wo es weitergehen soll. Die Alternativen sind Legion. Zunächst einmal überlegten wir, ob es vielleicht sinnvoll ist, am Rhein entlang über Mainz und Speyer und dann weiter über Straßburg nach Frankreich zu kommen. Die Beschreibungen des Rheinsteigs unter www.rheinsteig.de sind so ziemlich die beste Wanderbeschreibung, die es im Internet zu finden gibt. Hier werden die Möglichkeiten des WWW so richtig ausgenutzt. Und der Aufbau der Seiten macht richtig Lust, auch einmal diesen anspruchsvollen Fernwanderweg von Bonn bis nach Wiesbaden zu gehen. Ausserdem liegen an dieser Strecke einige Kirchen und andere Spuren, die von Jakobspilgern hinterlassen wurden.
Wir haben uns dann aber doch für Trier entschieden, eine Pilgerstrecke, die uns erstens zum Apostelgrab führt und zweitens ganz pragmatisch innerhalb des bekannten Deutschlands nach Westen bringt und somit näher an den Küstenweg in Frankreich und Spanien.
Hier stellt sich nur das Problem, über den Rhein zu kommen. Von Mai bis September kein grosses Thema, die Fähre Oberlahnstein nach Stolzenfels ist in Betrieb. Im Winter jedoch eine Übersetzmöglichkeit für 2 Personen zu finden, stellte sich als unüberwindliches Hindernis heraus. Ulli, der Pilger aus Limburg, hat es geschafft, den Fährbetreiber zu einer solchen Fahrt zu überreden. Wir waren nicht so glücklich und erhielten auf unsere Anrufe und eMails keine Antwort.
So hätten wir erst zurückgehen, und die erste Rheinbrücke in Koblenz nehmen müssen, oder ein/zwei weitere Tagesetappen in Kauf nehmen und auf dem Rheinsteig zur Festung Ehrenbreitstein und dann weiter an die Mosel laufen können.
Wofür wir uns entschieden haben? Ich bin dann doch sehr pragmatisch: wir sind nach Lahnstein gefahren, haben uns den verpassten Freitags-Stempel im katholischen Pfarrhaus geholt (der Pfarrer dort ist auch Jakobspilger und kann mit Tipps zur Übernachtung auf dem Weg aufwarten) und sind dann mit dem Auto über die Brücke nach Stolzenfels gefahren. Auf die 50m über den Rhein kommt es denn auch nicht an.
Bei der Planung des Weges hat uns Wolfgang Welter sehr geholfen (eMail Adresse unter „Menschen am Weg“), der erstens die Mosel wie seine Westentasche zu kennen scheint und zweitens die notwendigen 1:25.000 Wanderkarten in der Schublade liegen hat. Die haben wir nämlich immer noch nicht.
Um viertel vor Zehn ging es in Stolzenfels los. Ein recht kühler Tag, der Wetterbericht sagte 13% Regenwahrscheinlichkeit voraus  – eine gute Chance also, nicht nass zu werden. Es sollte über Waldesch, Nassheck und Alken auf die andere Moselseite nach Löf gehen.
Der lange, stellenweise recht steile Anstieg auf die Hunsrückhöhen hat es durchaus in sich. Gleich zu Beginn bietet sich die Besichtigung des neugotischen Schlosses an. Ursprünglich ist Stolzenfels als Zollstätte im 13. Jahrhundert errichtet worden, davon zeugt aber heute nur mehr der Bergfried. An- und Umbauten, Verfall und schliesslich die Restaurierung, an der Namen wie Schinkel und Lenne beteiligt waren, machen sie heute zu einem typischen Produkt des 19. Jahrhunderts. Ich kann mir vorstellen, dass die Amis dieses romantische Kleinod lieben und im Sommer den Burghof bevölkern. Auch die Klause hinter dem Schloss gelegen ist im 19. Jhdt. erbaut.
Auf dem Pastorenpfad geht es dann oben weiter Richtung Waldesch. Pastorenpfad deshalb, weil sich schon im 18. Jhdt. die Pfarreien Waldesch und Stolzenfels einen Pfarrer geteilt haben und dieser am Sonntagmorgen den Weg zwischen den beiden Kirchen zurücklegen musste. Hochachtung vor der körperlichen Fitness.
Kurz vor Waldesch wird der Weg eine kurze Zeit über die alte römische Strasse von Koblenz nach Trier geführt. An dieser Strasse liegt ein Merkurtempel. Viel ist davon nicht erhalten, trotzdem ist es aber interessant, hier eine kleine Rast einzulegen. Erstens ist hier die schlimmste Steigung des Tages geschafft, zweitens steht hier oben eine Schutzhütte, in der ein Pilger wenigstens trocken und windgeschützt seine Vorräte auspacken kann.
Im Wald Richtung Waldesch haben wir dann den Weg verloren, Kyrill hat auch hier seine Spuren hinterlassen. Die Frage: „Wo soll’s denn hingehen?“ eines Waldarbeiters beantwortete Gabi vielleicht ein wenig zu schnell mit dem Satz: “ Nach Spanien!“ Worauf wir von einem dabeistehenden Spaziergänger ein Kopfschütteln ernteten. Als ich dann korrigierte: „Heute geht es nach Löf!“ half das auch nicht mehr viel. „Was wollt Ihr denn in Löf? Da ist es jetzt im Winter doch nur langweilig!“ Und weiter gingen die Fragen: „Wo kommt Ihr her? Wo ist Euer Tagesgepäck?“ Alles brav beantwortet, aber verstanden hat uns der Spaziergänger nicht. Weiter kopfschüttelnd verschwand er im Wald. Wobei der Waldarbeiter jedoch unsere Muschel am kleinen Rucksack sah und gleich wusste, wen er vor sich hatte. „Mein Kollege dort drüben war auch in Santiago!“ und gleich weiter „Geht nicht durch den Ort, das ist viel zu weit auf den aspahltierten Strassen, dort oben, die hohen Bäume ist der Brüder-Tönnes-Hügel, haltet Euch in die Richtung.“ Er wünschte uns noch einen guten Weg und wir stiefelten weiter.
Wir sind tatsächlich dann Richtung Brüder-Tönnes-Hügel weitergegangen und erst an der A61 auf den Moselhöhenweg gestossen. Bei dem Brüder-Tönnes-Hügel handelt es sich um ein Fürstengrab aus der Hallstattzeit (ca. 1000 – 500 vor Christus), heute ist er gesperrt, weil die zum Teil 200 Jahre alte Buchen umfallen könnten. Ausser, das er angeblich zu den Hunsrück-Wahrzeichen zählt, ist nichts besonders interessantes zu entdecken.
Schon bald danach tauchen die ersten Wanderzeichen mit MV (Moselhöhenverbindungsweg) auf. Nicht weiter irritieren lassen, auch wenn die Wanderzeichen nicht so ganz eindeutig sind. Über einen Parkplatz, besetzt von Dauer-Wohnmobilistinnen, die dem ältesten Gewerbe der Wedlt nachgehen, geht es nach einem kleinen Stück über die Hunsrückhöhenstrasse Richtung Naßheck. Dort ist schon bald die Autobahnbrücke zu sehen, über die Brücke führt der Weg ein kleines Stück an der Autobahn entlang bis zur Raststätte. Und dort geht es dann auch schon wieder in den Wald hinein, jetzt sehr schön und eindeutig mit dem weissen M oder den kleinen grünen Tafeln für den Moselhöhenweg gekennzeichnet.
Es kommt noch einmal mitten im Wald ein kurzes, aber dafür um so steileres Wegstück, danach geht es aber immer weiter bergab nach Alken.
Am Bleidenberg haben wir den Moselhöhenweg noch einmal verlassen. Wir wollten noch einen Abstecher zur Wallfahrtskirche machen (ein schöner, schlichter, gotischer Bau), leider war diese verschlossen. Ein traumhafter Blick auf Burg Thurant aus dem Ende des 12. Jahrhunderts und das Moseltal haben uns entschädigt. Das gute Wetter haben wir genutzt, und sind die kürzeste Strecke (800 m) durch die Weinberge nach Alken abgestiegen. Im 16. Jhdt. wurde an diesem Weg durch die Stiftung reicher Alkener Bürger ein Fussfall (Kreuzweg) mit 7 Stationen hoch zur Wallfahrtskirche errichtet. Nach dem Verfall ist der Fussfall in den letzten Jahren wieder hergerichtet worden – für denjenigen, der ihn aufsteigt sicher eine „Tour der Leiden“, für uns mit ein wenig Vorsicht bergab aber ein richtiges Erlebnis.
Leider war die Kraft nicht mehr da, um St. Michaelis, wohl die älteste Kirche im Moseltal, zu besichtigen. Es soll zwischen hier und der Wallfahrtskirche auf dem Bleidenberg eine Erscheinung des Erzengels Michael gegeben haben – daher der Name der Kirche. Sie ist schon 1015 erstmalig erwähnt. Aus dem Jahr 1622 stammt das Keinod, der St. Michaelsaltar.
Wir haben den Fehler gemacht, und sind in Alken nicht eingekehrt. Ich dachte, das könnten wir auch noch in Löf tun. Eine falsche Entscheidung, denn in Löf ist im Winter wirklich der Hund begraben. Die zwei oder drei Kilometer an der Mosel entlang gaben uns einen ersten Eindruck von der nächsten Etappe, die wir von Löf nach Cochem auf dem Moselradweg pilgern wollen. In Löf selbst haben wir uns noch ein wenig Zeit für die Pfarrkirche St. Luzia genommen. Der Glockenturm, romanisch mit gotischem Helm, ist der älteste Teil und stammt aus dem Jahr 1310. Das Kirchenschiff ist grösstenteils neuromanisch aus dem 19. Jhdt. Wir hätten uns den Rundgang dort sparen sollen, denn fast am Bahnhof angekommen fuhr der Zug Richtung Koblenz ab.
Eine Stunde mussten wir auf den nächsten Zug warten. Verdammt lange Zeit. Gabi vertrieb sich die Zeit mit Automaten-Lotto. Noch nie gehört? Ganz einfach: Am Fahrkartenautomaten einfach eine wahllose Zahlenkombination eingeben, je höher der Fahrpreis, umso besser. Wäre Euch zu albern? Richtig, albern ist das richtige Wort. Daran erkennt man, wozu das Warten an Bahnhöfen im Winter führen kann. Ich denke mir, dass eine Verbindung von Müdigkeit, langsam hochkriechende Kälte und die Atmosphäre eines einsamen Bahnhofes jeden Menschen zum Automaten-Lotto-Süchtigen machen kann 🙂
Das war unsere letzte Eintagestour. Der kleine Rucksack hat ausgedient, jetzt muss schon ein wenig mehr mit. Die nächsten 2 Tage werden uns nach Cochem und Alf führen (wenn Wolfgang Welter nicht noch einen besseren Vorschlag macht – seine Tipps habe ich nämlich, zu meiner Schande gestehend, noch nicht gelesen). Unsere weissen Riesen konnten heute schon nicht mehr mit (der Kaiser hat sich am Wochenende einen Lauf vertreten) – und würden ab hier nur Unterkunftsprobleme bereiten.
Wir danken Herrn Welter recht herzlichen für seine Tipps, ohne die hätten wir den wunderschönen Tag so nicht erlebt.
Erkenntnisse des Tages:
Bahnhöfe sind doof und machen albern

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