PRESSEERKLÄRUNG 15. Oktober 2008

Vertreterinnen und Vertreter katholischer Organisationen

aus aller Welt fordern während der Bischofssynode in Rom

die sakramentale Weihe für Frauen

Sakramentale Ämter von Frauen:

eine Realität in der frühen Kirche – unverzichtbar in der Kirche von heute!

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Rom, Italien: Heute um 11 Uhr fordern im Büro der Redaktion von ADISTA, Via Acciaioli 7, 00186 Roma, VerteterInnen katholischer Organisationen aus aller Welt die volle Gleichstellung von Frauen in der römisch-katholischen Kirche, eingeschlossen die Weihe zur Diakonin, Priesterin und Bischöfin. Die Pressekonferenz findet am Fest der Hl. Teresa von Avila statt, einer von nur drei Kirchenlehrerinnen, und ist der Auftakt zu einer Woche von Veranstaltungen und einer unmittelbar darauf folgenden Demonstration auf dem Petersplatz. Diese Veranstaltungen finden in der Zeit statt, in der die 240 Delegierten der Bischofssynode zum Thema „Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche“ tagen. VertreterInnen aus Großbritannien, Deutschland, Japan, den Niederlanden, Portugal und den Vereinigten Staaten nehmen an den Veranstaltungen der Kampagne Teil.

„Ebenso wie die Hl. Teresa von Avila vor mehr als 400 Jahren von den kirchlichen Autoritäten verlangte, begabte Frauen nicht einfach wegen ihres Geschlechtes zurückzuweisen, so fordern wir die Synodendelegierten auf, anzuerkennen, dass die Bibel selbst die volle Gleichberechtigung von Frauen verlangt, und dass jede andere Interpretation falsch und ungerecht ist,“ sagte Angelika Fromm von „Wir sind Kirche“ und „Lila Stola“ Deutschland. „1976 haben selbst die Theologen des Vatikan – und seitdem Theologen in aller Welt – festgestellt, dass es kein in der Hl. Schrift begründetes Argument gegen die sakramentale Weihe von Frauen gibt.“

„Wenn die Kirche Frauen zum Priesteramt zuließe, würde sie nicht nur Jesu wegweisendem Beispiel von Gleichberechtigung folgen, wie es in der Bibel berichtet wird, es hätte dies auch einen starken positiven Einfluss auf die Lösung der komplexen Probleme, vor denen wir heute stehen,“ sagte Aisha Taylor, Geschäftsführerin der „Women’s Ordination Conference“ in den USA: „In einer Welt, die durch Armut auseinander gerissen und von wirtschaftlichen Krisen geschüttelt ist, die ständig von Wellen von Sexismus, Rassismus, Ausgrenzung von Homosexuellen und vielen Formen von Unterdrückung überschwemmt wird, ist es längst fällig, dass der Vatikan alle seine Kräfte bündelt, um zu einer Lösung beizutragen.“

„Ich stimme mit den Aussagen der Synodendelegierten überein, dass es für das Studium der Hl. Schrift wichtig ist, Wissenschaftlichkeit mit Spiritualität zu verbinden; von höchster Wichtigkeit ist es aber, dass die führenden Persönlichkeiten der Kirche an der historisch-kritischen Methode der Bibelwissenschaft festhalten,“ stellte Marleen Wijdeveld von der niederländischen Organisation „Römisch-katholische Priesterinnen“ fest. „Dadurch dass sie die höchsten Standards heutiger theologischer Wissenschaft angewendet haben, konnten TheologInnen in aller Welt den angemessenen Platz von Frauen in der Kirche feststellen – als gleichrangige Partnerinnen im sakramentalen Dienst. Heute heißt das für die r.-k. Kirche, dass Frauen zu Diakoninnen, Priesterinnen und Bischöfinnen geweiht werden sollten.“

„Ich bin von Gott zum Dienst als Priesterin berufen, und der liebende allmächtige Gott, der Frauen und Männer von gleicher Art und Würde geschaffen hat, kann Frauen dazu befähigen, Priesterinnen zu sein,“ sagte Anne Brown von der Organisation „New Wine“ in Großbritannien. „Es gibt keinen Grund, Frauen vom Priesteramt auszuschließen, aber jeden Grund, uns einzubeziehen.“

„Wir werden ermutigt durch die Tatsache, dass Shear Yashuv Cohen aus Israel vor den Bischöfen gesprochen hat, weil dies das erste Mal ist, dass der Vertreter einer anderen Religion auf einer Bischofssynode das Wort ergriffen hat,“ sagte Jennifer Stark, Koordinatorin von „Women’s Ordination Worldwide“. “Die Hierarchie muss ihre interreligiöse und ökumenische Arbeit ausdehnen und dem Beispiel jener christlichen Kirchen und anderen Religionen folgen, die bereits jetzt Frauen volle Gleichberechtigung in allen Diensten gewähren. Dieses Anliegen ist wichtig für das Wohlergehen von Frauen in jeder Hinsicht, und die weltweite r.-k. Kirche sollte dabei eine führende Rolle spielen, nicht immer weiter zurückbleiben.“

Die Päpstliche Bibelkommission stellte 1976 fest, dass es kein Argument aus der Hl. Schrift für ein Verbot der sakramentalen Weihe für Frauen gibt. Die Bibel beschreibt, wie Frauen herausragende Führungspersönlichkeiten in der Gefolgschaft Jesu und im frühen Christentum waren. In allen vier Evangelien war Maria Magdalena die erste Zeugin des für den christlichen Glauben zentralen Ereignisses der Auferstehung Christi. Die Hl. Schrift berichtet auch von Frauen, die kleine Hauskirchen leiteten, wie Lydia, Phöbe, Priscilla und Priska. Und diese benannten Frauen waren nur die „Spitze des Eisbergs“.

Aisha Taylor schloss: „Wir haben die Hoffnung, dass die Synodendelegierten auf die Aussagen katholischer Theologen und der Hl. Schrift selbst hören, die feststellen, dass Frauen in gleicher Weise nach dem Bild Gottes geschaffen sind (Gen. 1, 27) und es bei Jesus keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt (Gal. 3, 28).“

Nach der Pressekonferenz und Demonstration werden um 17:00 Uhr Katholikinnen der internationalen Frauenordinationsbewegung sich vor der Kirche S. Maria in Transpontina (Via della Conciliazione) für ein öffentliches Gebet versammeln und im Anschluss eine von 1.571 katholischen Organisationen und Individuen unterzeichnete Petition an Papst Benedikt XVI. zur Wiedereinsetzung des Frauendiakonats übergeben.

Hintergrund

„Lila Stola“-Bewegung: tritt ein für einen gleichberechtigten Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Funktionen, für eine mündige Kirche ohne Hierarchie, für eine geschlechtergerechte Sprache in Bibelübersetzungen, liturgischen Texten ,kirchlichen Publikationen, für weibliche Gottesbilder gemäß der Bibel und eine frauengerechte Liturgie.

Römisch-katholische Priesterinnen: eine internationale Initiative innerhalb der r.-k. Kirche, die sich einsetzt für eine neue Form priesterlichen Dienstes zusammen mit den Menschen, denen sie dienen. Die Bewegung begann 2002 mit der Weihe von sieben Frauen auf der Donau. Bischöfinnen, die in voller apostolischer Sukzession geweiht sind, nehmen weiterhin die Weihen von anderen in der r.-k. Kirche vor

Women’s Ordination Conference (WOC): 1975 gegründet, ist die älteste und größte Organisation in den USA, die ausschließlich für das Ziel der Frauenweihe in einer geschlechtergerechten Kirche arbeitet. Sie erarbeitet auch neue Sichtweisen der Weihe, die zu mehr Verantwortlichkeit und weniger Trennung zwischen Klerus und Laien führen.

Women’s Ordination Worldwide (WOW): ein ökumenisches Netzwerk, dessen vorrangiges Ziel zur Zeit die Zulassung römisch-katholischer Frauen zu allen Weiheämtern ist. Es bestehen Mitgliedsgruppen in 13 Ländern und darüber hinaus internationale Gruppen.