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Aus der Not …

 

… eine Tugend machen!

Am Mittwoch, 01. Oktober 2008, habe ich mich morgens für drei Monate von meinen Freunden und der Familie verabschiedet. Am Freitag, 03. Oktober 2008, war ich nach drei Pilgertagen und 75 km wieder zu Hause angekommen.

Klar, Langeweile wird in den nächsten drei Monaten und danach nicht aufkommen. Ein Verzeichnis der Pilgerunterkünfte an den bisher beschriebenen Wegen und die nächsten zwei Bände für den Rhein-Camino werde ich nun hoffentlich rechtzeitig zur nächsten Pilgersaison im Frühjahr 2009 fertigstellen können.

Aber der Frust über die misslungene Pilgerreise sitzt tief. Monatelange Überlegungen, Planungen, Organisation, Gespräche mit Freunden, Bekannten und Familie waren zwar nicht umsonst, aber haben sich als unnötig herausgestellt.

Und warum dann nicht aus der Not eine Tugend machen? Warum nicht dennoch nach Rom? Nicht mit einem schweren Rucksack oder einem Tagesrucksack, in dem gerade das Allernötigste mitgeschleppt wird, sondern mit dem Auto auf die rund 2.000 km lange Strecke gehen?

Es gibt in Deutschland drei Hauptzubringer zur Via Francigena, dem uralten Pilgerweg von Canterbury nach Rom. Der Abt von Stade ist quer durch Deutschland und hat die Alpen am Brenner überquert. Über  Augsburg und München führte der Weg – und in Augsburg zweigt auch der zweite Zubringerweg in Richtung Schweiz ab.

Und es gibt noch einen dritten Pilgerweg, einen dritten Frankenweg. Dieser ist von Willibrord, dem Missionar der Friesen, dem zweiten Schutzpatron Luxemburgs, dem ersten Erzbischof von Utrecht überliefert. Er fuhr mit dem Schiff maas- udn rheinaufwärts, ging dann von Basel durch die heutige Schweiz zum damals wichtigsten Alpenübergang, dem Lukmanier, durchquerte den heutigen Tessin, passierte Bergamo bei Mailand, Pisa und erreichte schliesslich nach langer, mühsamer Fahrt die ewige Stadt Rom.

Zweimal war der heilige Willibrord in Rom. Einmal im Jahre 692, als er beim Papst um Erlaubnis für die Mission erbat und danach noch einmal im November 695, als er vom Papst das Pallium in Empfang nahm. Ein Pallium war und ist das Zeichen der Erzbischöfe, der Metropoliten, in der römischen Kirche. Willibrord wurde damit Erzbischof von Utrecht. Schon kurz nach seinem Tod in Echternach im Jahr 739 pilgerten die Gläubigen zu seinem Grab und verehrten ihn als Wundertäter.

Zurück zum Pilgerweg! In vielen Gesprächen in den letzten Jahren habe ich erfahren müssen, dass viele Menschen einen Pilgerweg nicht gehen können. Vielleicht, weil sie die Zeit nicht haben, sich um kranke oder junge Familienmitglieder kümmern, vielleicht, weil sie beruflich zu stark eingespannt sind, vielleicht aber auch, weil sie selbst oder ihr Partner körperlich nicht in der Lage sind, die Strapazen einer Pilgerreise zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf sich zu nehmen.

Der neue, in der Konzeption der Pilgerwanderführer-Reihe folgende, Pilgerführer entsteht für all diejenigen, die nicht zu Fuß, per Fahrrad oder per Pferd pilgern können. Er wird geschrieben für alle AutofahrerInnen, MotorradfahrInnen und Wohnmobilisten. Die sich auch auf den Weg machen.

omnia via Romam perducunt – alle Wege führen nach Rom.

1 Kommentar

  1. Detlef Kreikamp

    Ja, den würde Ich, gerne schreiben ✍. Aber Ich bin sehr frustriert, über das, was man hier Angeboten bekommt.
    Es ist einfach beschämend – wie mit dem Wort und Satz * Pilger, Pilgerweg, Pilgerreise und so weiter umgegangen wird. Hier bei uns in Deutschland.
    Es ist einfach nicht mehr schön, es ist einfach unglaublich, wie wir hier mit dem Wort und Satz – Pilgerreise in Deutschland -!
    Das kann man so nicht stehen lassen. Hier muss noch eine ganze Menge getan werden und erst recht umgesetzt werden.
    Manche Orte, schreiben ✍sich auf die „Fahne “ – willkommen ihr Pilger. Ja, um das Hotel, Pension, Ferienwohnung und Privatzimmer ( mit ungeheuerlichen Forderungen???). Kaiseresch Karl & Elli auf „Spendenbasis“, dies Wort überhaupt in den Mund zu nehmen. Das ist sehr beschämend. Ab 35,- Euro ( was damit dann alles getan wird – im Ort. Wer davon profitieren kann oder tut. Es ist einfach nicht mehr schön. Das ist kein Pilgern mehr…, dass ist für mich persönlich (wiederlich) – so an die Pilger sich zu Bereichern.
    Pilgern in Deutschland muss erträglich sein, auf Donativo (Spendenbasis).
    Und das wird von Karl & Elli ausgenutzt.
    Dies entspricht nicht dem Zweck der Mittel.
    Wir müssen uns auf die Fahne schreiben ✍!
    Wir möchten auch hier in Deutschland Pilgern können, ohne gleich dafür viel Geld 💰auszugeben.

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