Diese spezielle Zwischenetappe, unseren Besuch in Verdun zu beschreiben – davor fürchte ich mich ein wenig und ich schiebe es, wie Ihr merkt, immer weiter hinaus. Wie kann man auch das Grauen beschreiben? Schließlich bin ich kein Remarque, der seinen gleichnamigen Roman mit dem Wehrmachtsbericht enden lässt: „Im Westen nichts Neues!“

Das in Verdun, durch Zufall waren wir am Fort Vaux, waren für mich Gefühle pur. Ich konnte die Gruppenführer, Unteroffiziere und Offiziere immer wieder auf deutsch und auf französisch schreien hören: „Auf, auf, vorwärts!“ Und dann sprangen die Mannschaften auf und rannten ins Maschinengewehrfeuer. Humaner Krieg ist eigentlich ein Widerspruch in sich und die Schrecken sind sicherlich heute grösser als 1914/18, aber eine Steigerung der Grausamkeiten von Verdun gibt es einfach nicht – dagegen ist der Irak-Krieg wirklich eine „saubere“ Angelegenheit. Und wenn auch als erstes die Franzosen Giftgas verschossen hatten, so waren es doch die deutschen Gelbkreuz-Granaten, die ein neues Zeitalter der Massenvernichtungswaffen einläuteten. 9 Millionen Tote, die grösste Katastrophe des 20. Jahrhunderts (nicht zuletzt auch durch die grossen politischen Verwerfungen in Europa bedingt) – dafür steht heute neben den vielen anderen Schlachtfeldern auch oder gerade in erster Linie Verdun.

Ansonsten ist Verdun selbst nicht sonderlich interessant. Ein nettes Städtchen mit einem Flüsschen (Maas) und einer dazugehörigen Promenade. Ein Haufen monströser Denkmäler für die gefallenen Soldaten aller Nationen. Dazu natürlich auch die unvermeidbaren Siegesdenkmäler. Auch die oberhalb der Stadt gelegene Kathedrale hat schon bessere Zeiten gesehen. Das Weltfriedenszentrum im alten Bischofspalast  ist noch einen Besuch wert – leider war es geschlossen, als wir dort waren.

Eigentlich wollten wir nachmittags noch bei Wolfgang Kaffee trinken – das hat uns die moderne Technik verdorben. Noch vor 20 Jahren wär doch niemand auf die Idee gekommen, nur mit einer Plastikkarte in Luxemburg fast 100 Euro auszugeben. Heute ist das selbstverständlich und unsere Bargeldvorräte tendierten gegen Null. Auf jeden Fall funktionierten unsere Karten in der luxemburgischen Tankstelle nicht. Und so bin ich bis Saarburg gefahren, um von meinem DB-Sparbuch Geld abzuheben. Soweit zum Thema preiswertes Tanken in Luxemburg. Tja, das Mitbringsel für Wolfgang haben wir zwischenzeitlich selber gegessen – aber wir holen das im November nach, Wolfgang! Wenn Du uns dann noch einmal enlädst.