Das hat schon ordentlich Zeit gebraucht und braucht immer noch mehr Zeit. Hätte nie geglaubt, dass ein Pilgerwanderführer doch so aufwändig sein kann. Aber auf dem Jakobsweg reden wir ja auch von einer Entschleunigung, über die Wiederentdeckung der Langsamkeit.
Dann versuche ich von den Fremdenverkehrsbüros Fotos für den Pilgerwanderührer zu bekommen – erinnert Ihr Euch? Die Spiegelreflex habe ich irgendwann zu Hause gelassen. Und  die Fremdenverkehrsämter haben i.d.R. professionellere Fotos. Da kann ich eh nicht mithalten. Aber für die bin ich anscheinend das allerkleinste Licht und steh im allerletzten Glied. Wetzlar, Villmar, Bad Ems haben schnell geantwortet. Von den anderen rund 10 grosses Schweigen. Nicht einmal Weilburg rührt sich. Die hatte ich schon vor rund 4 Wochen angeschrieben. Schweigen.
Was geht bei denen eigentlich vor sich? Das ist doch kostenlose Werbung für die Region, oder etwa nicht?
Schloß Braunfels unterstützt dafür sogar mit einer Anzeige – der Graf persönlich hat mir am Samstagabend geschrieben. Die eMail stammt von 18:26 h. Ist halt die freie Wirtschaft – da wird ein ganzes Unternehmen am Leben gehalten, wieviel Arbeitsplätze? Ich weiss es nicht. Und da wird dann auch am Samstagabend gearbeitet.
Nicht, dass in der öffentlichen Verwaltung nicht auch gearbeitet wird. Gestern nachmittag -an einem Sonntag- stand das Auto unseres Bürgermeisters auch hinter dem Rathaus. Aber die Prioritäten werden anders verteilt. „Verwaltung“ bedeutet das nicht auch „Re-Aktion“? Und „Unternehmensführung“ ist das nicht in erster Linie „Aktion“? Unser Bürgermeister hat in den vergangenen Jahren agiert und unglaubliches auf die Beine gestellt. Jetzt allerdings hat er einen Haushalt mit reichlich Schulden am Bein und verfällt in Strukturen aus der Frühzeit der Industrialisierung. „L’etat c’est moi“ hat Ludwig XIV gesagt. Aber die Bündelung von Entscheidungen auf eine Person führt zwangsläufig zum „Reagieren“, die Zeit des „Agierens“ fehlt. Wenn ich also aus dem Rathaus höre, dass es keine Fotos ohne Okay des Bürgermeisters gibt, dann ist mir eigentlich schon klar, warum ich seit 4 Wochen auf eine Antwort aus dem Rathaus warte.