„Ja, sagen Sie Ja zu sich, zu Ihrer Absonderung, Ihren Gefühlen, Ihrem Schicksal! Es gibt keinen anderen Weg. Wohin er führt, weiß ich nicht, aber er führt ins Leben, in die Wirklichkeit, ins Brennende, ins Notwendige.“ Hermann Hesse
Dieser Blog ist zur Zeit nicht viel mehr, als eine Wanderbeschreibung von DAW’s (Dümmste anzunehmende Wanderer). Ein wenig auch deshalb, weil wir wirklich nichts über den Lahn-Camino finden konnten und vielleicht mit unserer Beschreibung andere Wanderer auf die Schönheit unserer direkten Umgebung aufmerksam machen möchten. Wir wollen sagen: „Gehen Sie los, starten Sie ganz einfach wie wir vor der Haustür, und laufen Sie.“ Alles andere kommt dann schon.
Aber hauptsächlich endet dieses Pilgertagebuch zur Zeit als Wanderbeschreibung, weil wir uns noch auf den Vorbereitungsetappen befinden. Vor einer Woche wussten wir noch gar nicht, ob wir überhaupt wandern können. Und dann noch im Winter! Heute wissen wir schon ein wenig mehr über uns. Unsere Ausrüstung wird professioneller, der Rucksack voller. Wir hören stärker auf unseren Körper, wissen, wenn es anfängt, wehzutun, dass wir immer noch gute fünf Kilometer laufen können. Das gibt Sicherheit für die nächsten Etappen.
Aber immer noch halte ich mir das Hintertürchen offen, diesen Blog einfach zu löschen, um da weiterzumachen, wo ich irgendwann im vergangenen Jahr angefangen habe. Niemand braucht davon zu wissen, dass ich mich auf den Weg gemacht habe, dass ich erneut angefangen habe, nach etwas zu suchen. Und in unserer schnelllebigen Zeit ist eine von vielen Internetseiten bei den wenigen Besuchern, die durch Zufall hier landen, schnell vergessen.
Aber seit gestern, seit dem Abstecher in den Limburger Dom, ist diese Möglichkeit des Abbrechens schon deutlich geringer geworden. Wie gestern geschrieben: ich habe jetzt den Eindruck, ein Pilger zu sein und nicht mehr ein Wanderer. Es ist schon seltsam, dass bei Gabi, die schon ein gutes Stückchen weiter von der Kirche entfernt ist als ich, ein ähnliches Gefühl aufgekommen ist.
Mal wieder beginnt für mich ein neuer Lebensabschnitt. Hei, ich bin 50 Jahre alt, ich gehöre noch nicht zum alten Eisen. Ich bin erfolgreicher Management-Trainer, habe aber die letzten vier Jahre etwas völlig anderes gemacht. Ich wollte es noch einmal wissen. Jetzt bin ich zurück – aber bevor ich wieder GANZ zurückomme, will ich es noch einmal wissen. Ich will noch einmal wissen, welche Erfahrungen ich auf einem solchen Weg machen werde, welche Gedanken mir kommen, welche Menschen mir begegnen werden. Mit Hermann Hesse heisst das: „Es gibt für mich keinen anderen Weg!“
Und ich weiss, dass ich bei mir ankommen werde.