„Gott, Du hast Deinen Knecht Abraham auf allen Wegen unversehrt behütet. Du hast die Söhne Israels auf trockenem Pfad mitten durch das Meer geführt. Durch den Stern hast Du den Weisen aus dem Morgenland den Weg zu Christus gezeigt.

 

Geleite auch diese hier versammelten Gläubigen auf ihrer Pilgerfahrt zum heiligen Jacobus. Laß sie Deine Gegenwart erfahren, mehre ihren Glauben, stärke ihre Hoffnung und erneuere ihre Liebe. Schütze Sie vor allen Gefahren und bewahre sie vor jedem Unfall. Führe sie glücklich ans Ziel ihrer Fahrt und laß sie wieder unversehrt nach Hause zurückkehren. Gewähre ihnen schließlich, daß sie sicher das Ziel ihrer irdischen Pilgerfahrt erreichen und das ewige Heil erlangen. Darum bitten wir Dich durch Christus unsern Herrn.“
Gestern hat uns Pfarrer Hans Mayer in unserer Pfarrkirche den Pilgersegen gegeben. Erstaunlicherweise war die Kirche recht gut besetzt – das lag aber wohl weniger an unserem Pilgersegen, sondern mehr daran, dass es sich um ein Seelenamt für 2 verstorbene Gemeindemitglieder handelte. Es war für uns schon ein sehr seltsames Gefühl, während der Messe von Herrn Mayer nach vorne an den Altar gebeten zu werden und vor der ganzen Gemeinde den Pilgersegen zu erhalten.
Nach dem Gottesdienst kamen Gemeindemitglieder auf uns zu, berichteten von ihren Erfahrungen auf Teilstücken des Camino in Frankreich und wünschten uns alles Gute. Wir sind nicht alleine, auch, wenn uns auf dem Weg jetzt im Winter kaum eine Menschenseele begegnet.
Auch die Pilgerpässe sind angekommen. Komplett in Spanisch (natürlich) und stellen damit für Gabi eine besondere Herausforderung dar. Wir haben nämlich ausgemacht, dass ich mich um die Auffrischung meiner französischen Schulkenntnisse kümmere und Gabi, die einmal besser Spanisch als Englisch gesprochen hat, sich an diese Sprache heranmacht. Wir denken, dass es von Vorteil sein wird, wenn jeweils wenigstens einer von uns neben Englisch auch noch die Landessprache beherrscht.
Wir fühlen uns als Pilger, nicht mehr als Wanderer. Besonders seit gestern. Was zwischen Weihnachten und Neujahr als Wanderung begonnen hat, wird jetzt zu einer anhaltenden Pilgerfahrt werden. Die Organisation des Weges tritt immer mehr in den Hintergrund, die Beschäftigung mit dem Weg und mit dem Ziel gewinnt an Raum. Und es war falsch zu denken, dass dieser Pilgerweg auf die Tagesetappen beschränkt sein wird. Wir beschäftigen uns mehr und mehr mit uns selbst, mit unserer 10-jährigen Beziehung und mit Gott. Wir sprechen intensiv über Dinge, für die 10 Jahre lang kaum Zeit vorhanden war. Und wir beginnen zu erahnen, was uns auf dem Weg noch erwarten kann.
„Ich taufte Euch mit Wasser, er aber wird Euch taufen mit heiligem Geist“ Zufall oder Notwendigkeit – um mit Monod zu fragen – dass gestern das Fest der Taufe von Jesus Christus gefeiert wurde? Der Beginn des öffentlichen Lebens von Jesu Christi. Hat das etwas mit mir, mit uns, zu tun?