Übernachten auf dem Jakobsweg im Winter:
 
Unsere Planung steht – am Freitag geht es von Löf nach Treis-Karden und am Samstag weiter nach Zell-Merl. Die Idee mit dem Moselradweg nach Cochem haben wir ad acta gelegt. Einen ganzen Tag, ca. 28 km, auf Asphalt, das ist so eine Sache. Wir übernachten also in Treis, um am nächsten Tag ausgeruht die weietere Strecke nach Merl zurückzulegen.
 
Übernachten ist überhaupt so ein Thema. Ich war gestern morgen schon sehr frustriert. Es hat fast 3 Stunden gedauert, bis ich eine bezahlbare Unterkunft für uns gefunden hatte. Ich hatte schon geplant, den Wagen in Cochem abzustellen, dann mit dem Zug nach Löf, mit dem Zug oder Bus von Karden wieder nach Cochem und dann von Merl wieder nach Cochem. Alles, was unter 70 Euro (für 2 Personen) liegt, hat entweder geschlossen, oder renoviert, oder hat geschlossen und renoviert. Oder es fällt ihnen was anderes ein. In meiner Not habe ich das Pfarrbüro angerufen (dem Herrgott sei Dank für die Telefonflatrate), die haben mir zumindest bestätigt, dass die Fremdenverkehrsinformation eigentlich präsent sein müsste und hatten auch drei Adressen für uns. Fehlanzeige. Die endlich erreichte Information hat mir dann 3 Adressen gegeben: bei der ersten ging niemand ans Telefon, bei der zweiten bin ich kurz abgewatscht (würde der Bayer sagen) worden, wie ich mich denn erdreisten könne, am Montag im Winter anzurufen und bei der Dritten (Gasthaus Gräf) musste ich erst mal mit den beiden Kindern parlieren (piepsig: Hallo – ich: Hallo, gibst Du mir bitte die Mama – piepsig: Hallo – ich: Hallo, gibst Du mir bitte die Mama – piepsig: Hallo – ich: … – piepsig: dann gebe ich Dir jetzt mal lieber die Mama), bevor ich die Chefin an die Strippe bekam. Und das Zimmer mit Etagendusche kam auch erst ins Gespräch, als ich dreimal sagte, dass mir 50 Euro zuviel sind. Wenn wir das bis zur spanischen Grenze bezahlen sollen, dort, wo es dann richtige Pilgerherbergen gibt, müssen wir einen Pilgerkredit aufnehmen 🙂 Die Hotels sind durchweg der Meinung, der Januar-Gast muss gefälligst die Strom- und Heizungsrechnung für 3 Monate zahlen. 50 Euro pro Person sind nicht die Ausnahme, sondern eher die untere Regelpreisgrenze. Da ist die Mosel hervorragend touristisch erschlossen – nur die Pilger mit einem bescheidenen Budget sind völlig vergessen.
 
Das ist der Nachteil, wenn im Winter abseits der Hauptpilgerströme gepilgert wird. Vielleicht wäre es am Rhein Richtung Mainz und Speyer oder in der Eifel zwischen Köln und Trier anders. Wir werden es nicht mehr ausprobieren, wir sind schon auf dem Weg. Mal sehen, wie die nächsten Übernachtungsplanungen verlaufen werden.
 
Auf jeden Fall werden wir hier in Weilburg für die Pilger auf dem Lahn-Camino eine Übernachtungsmöglichkeit schaffen – und vielleicht ist ja auch unsere Heimatgemeinde bereit, das Pfarrheim für Pilger zur Verfügung zu stellen.