"Der Weg gibt Dir alles, was Du brauchst – aber nicht mehr!" Diesen Satz habe ich schon mehrfach zitiert. Und im Moment glaube ich, unser Jakobsweg gibt uns noch viel mehr, als wir brauchen.
 
Zum Beispiel erreicht mich heute morgen eine eMail:
 
Sehr geehrter Herr Schäfer,

mit Interesse habe ich Ihren Aufruf bzgl. Inhalten für einen Jakobsweg-Pilgerführer gelesen.
Wir würden diese tolle Idee gerne unterstützen – mit Fotos, Texten und anderen Informationen.
Erste Hinweise haben Sie ja schon gegeben. Wir werden dies recherchieren und an die ent-
sprechenden Stellen weitergeben. Ich denke, dass wir Ihnen in den nächsten Wochen das
erste Material zur Verfügung stellen können. Bitte halten Sie uns wg. des Pilgerführers auf
dem Laufenden.

Mit freundlichen Grüssen von der Mosel

Wolfgang Wiegratz
Leiter der Tourist-Information
Ferienland Cochem
Endertplatz 1
56812 Cochem
Tel. 02671-60040
Fax 02671-600444

info@ferienland-cochem.de
www.cochem.de

Das ist doch mal eine richtig schöne Überraschung. Ich habe mich wirklich, gerade über diese Rückmeldung, gefreut. Mit allem hätte ich gerechnet, nur nicht mit offiziellen Stellen, die ihre Unterstützung anbieten.

Und während ich noch an einer Antwort herumformulierte (denn so ein Angebot sollte man doch ausgiebig nutzen), erreichte mich die nächste eMail:

Sehr geehrter Herr Schäfer,

mittlerweile wurden Ihre Erlebnisse in Beilstein mir zur Kenntnisnahme und weiteren
Bearbeitung übermittelt.

Ich darf mich bei Ihnen und Ihrer Begleitung für das stillose Verhalten des Beilsteiner
Gastronomiebetriebs in aller Form entschuldigen. Allerdings kann ich Ihnen versichern,
dass solche Beispiele gottlob nicht die Regel sind. Wir werden der Angelegenheit
nachgehen; dabei würde es sehr helfen, wenn Sie uns den Namen des Betriebes
nennen könnten.

Um Sie mit der Mosel wieder ein wenig zu versöhnen, würde ich Ihnen gerne zwei
gute Flaschen Moselwein zukommen lassen. Bitte teilen Sie mir doch hierfür Ihre
Adresse und Ihre bevorzugte  Geschmacksrichtung (trocken, halbtrocken, lieblich)
mit.

Mit freundlichen Grüssen

Wolfgang Wiegratz

Toll, ein kleiner "Urlaubspilger" aus dem Taunus, mit einem unbedeutenden Blog (Ihr müsst mal www.jakobus-info.de oder die Seiten www.sjb-trier.de aufrufen, dort bekommt Ihr wirklich Informationen), schildert seine Erlebnisse in diesem, unserem Lande und mischt dabei die deutsche Servicewüste so richtig auf. Ich schwebe auf "Wolke Sieben". Ich könnte fast versucht sein zu glauben, es würde sich tatsächlich nach unserem Pilgerweg etwas verändern. (Naja, ich komme schon wieder herunter von meiner Wolke, keine Angst!)

Natürlich wird sich nichts verändern. Natürlich wird auch der nächste Pilger (vielleicht nicht mehr in Treis, aber im Nachbarort) stundenlang nach einer vernünftigen Unterkunft suchen müssen. Natürlich wird auch der nächste Pilger (vielleicht nicht mehr in Beilstein, aber im Nachbarort) für ein Glas Leitungswasser bezahlen müssen. Vielleicht erreichen wir aber mit den hin und wieder schon kritischen Sätzen eine Sensibilisierung für die Belange der Pilger.

Ihnen, Herr Wiegratz, ein Dankeschön für das angekündigte "Versöhnungsgeschenk" und Ihre Entschuldigung ist natürlich angenommen – auch, wenn sie nicht wirklich nötig war, und von Ihnen im relativ fernen Cochem schon gar nicht. Wo Menschen arbeiten, da "menschelt" es halt auch hin und wieder. Wirklich reibungslos wird es doch nirgends laufen, weder an der Mosel, noch an der Lahn – weder in Beilstein, noch in Weilburg. Aber wenn Sie auch nur erreichen, dass sich die Gastgeber bei der nächsten Jahreshauptversammlung betroffen ansehen und sich fragen: "Wer war das denn?" ist vielleicht schon ein Schritt in die richtige Richtung getan. Wird vielleicht der Bedienung hin und wieder mal gesagt: "Nicht ich zahle Dein Gehalt – das ist der Gast, der da im Gastraum sitzt und seine Rechnung begleicht!"

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Und jetzt soll noch einmal jemand abfällig vom "Urlaubspilger" sprechen. Pustekuchen! Dieser Weg, immer noch gerade mal etwas mehr als 150 km jung, nimmt uns ganz schön in Anspruch. Kein Tag vergeht, an dem Gabi und ich nicht über "unseren" Jakobsweg sprechen. Nicht die Planung, nicht die Organisation, nicht die Arbeit am geplanten Pilgerführer – nein, "unser" Weg ist das Thema. Wir denken und sprechen über Dinge, die 10 Jahre kein Thema für uns waren. Unsere Gedanken gehen in unterschiedliche Richtungen – aber sie drehen sich alle um den Weg.

Ich weiss heute nicht, wie das weitergehen wird. Aber ich weiss, dass dieser Weg schon heute ein grösseres Abenteuer ist, als alles, was ich in meinem bisherigen, nicht gerade langweiligen Leben, erlebt habe.

e Ultreia, e suseia, deus adjuvanos – zum ersten Mal benutzte ich diese Phrase aus dem Codex Calixtinus – Vorwärts, aufwärts, Gott beschützt uns!