Pressemitteilung München, 18. Januar 2009

„Nicht nur für die Ökumene beten, sondern konkrete Schritte tun!“

Wir sind Kirche zum Beginn der „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ vom 18. bis 25. Januar 2009

Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche appelliert an die Kirchenleitungen aller in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen zusammengeschlossenen Kirchen, ein klares Bekenntnis zu weiteren konkreten Schritten in der Ökumene abzulegen, so wie sie in der „Charta Oecumenica“ enthalten sind. „Es reicht nicht aus, nur für die Ökumene zu beten. Das Kirchenvolk erwartet konkrete gangbare und absehbare Schritte der Ökumene, gerade auch auf dem Weg zum Zweiten Ökumenischen Kirchentag 2010 in München!“, erklärt die römisch-katholische Reformbewegung zu Beginn der „Gebetswoche für die Einheit der Christen“, die 2009 unter dem Leitwort steht „Damit sie eins werden in deiner Hand“ (Ez 37,17).

Da die theologischen Gründe für die Trennung weitestgehend aus dem Wege geräumt sind und angesichts der viel beklagten Säkularisierung sollten die christlichen Kirchen noch intensiver gemeinsam Zeugnis geben und selber sichtbare Zeichen der eigenen Erneuerung und der Einheit untereinander setzen, fordert Wir sind Kirche. Denn die Versöhnung zwischen den Konfessionen und Religionen ist ein eminent wichtiger Baustein für das weitere Zusammenwachsen Europas und darüber hinaus für die Sicherung des Friedens in der Welt.

In den letzten Jahrzehnten ist in der Ökumene mehr erreicht worden als viele je für möglich gehalten haben. Doch die derzeitigen Ermahnungen, Vertröstungen und Geduldsappelle der Kirchenleitungen enttäuschen und verärgern das Kirchenvolk immer mehr, ja sie stellen das Motto des kommenden Ökumenischen Kirchentags (ÖKT) „Damit ihr Hoffnung habt“ – zumindest für die Ökumene selber – schon jetzt sehr in Frage.

Der zweite ÖKT kann sich nach Ansicht von Wir sind Kirche nicht nur auf das gemeinsame Engagement in der Gesellschaft beschränken, sondern muss auch die konkrete Ökumene gerade mit den Kirchen der Reformation spürbar voranbringen. Der ökumenische Fortschritt sollte sicher nicht nur an der Eucharistie- und Abendmahlsfrage festgemacht werden. Aber die Christinnen und Christen und auch die nichtkirchliche Öffentlichkeit erwarten mehr als theoretische Klärungsversuche unterschiedlicher Verständnisse von Kirche, Amt und Abendmahl.

Äußerst bedauerlich ist es, dass Dr. Johannes Friedrich, Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, im Hinblick auf den ÖKT in München erst vor wenigen Tagen vor Journalisten wieder erklärte, dass die „Zeit für ein gemeinsames Abendmahl noch nicht reif“ sei. Als bayerischer evangelischer Landesbischof ermahnte er sogar die Kirchengemeinden, auch im Umfeld des Laientreffens nicht zu einer gemeinsamen Abendmahlfeier einzuladen. Mit dem römisch-katholischen Münchner Erzbischof Dr. Reinhard Marx sei er sich einig, dass ein gemeinsames Abendmahl „auch im Umfeld“ des ÖKT die Ökumene beschädigen würde. Damit spielte er auf die Gottesdienste mit wechselseitiger Gastfreundschaft bei Eucharistie und Abendmahl am Rande des ersten ÖKT 2003 in der Gethsemanekirche in Berlin an. Als Bischof von Trier hatte Marx damals Prof. DDr. Gotthold Hasenhüttl vom Priesteramt suspendiert und ihm später auch noch die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen.

Bedauerlicherweise erteilte auch der ansonsten ökumenisch engagierte Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, erst vor wenigen Tagen sogar der Hoffnung auf Ausnahmeregelungen für konfessionsverschiedene Familien eine Absage.

Mit sieben Thesen „Wider die Resignation in der Ökumene“ hatte die KirchenVolksBewegung im Frühjahr 2007 – noch vor dem irritierenden Schreiben der Glaubenskongregation vom 10. Juli 2007 – an die Kirchenleitungen appelliert, das bisher in der Ökumene Erreichte nicht aufs Spiel zu setzen. Die zunehmende Abgrenzung der römisch-katholischen Kirche von den Kirchen der Reformation ist ein eklatanter Widerspruch zum Geist und zu den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965).

Angesichts ihres wiederholten aber fragwürdigen Alleinvertretungsanspruchs muss sich die römisch-katholische Kirche heutzutage fragen lassen, wie ernst ihr überhaupt noch Ökumene und der Interreligiöse Dialog mit Juden und Muslimen sind. Erst kürzlich warnte Papst Benedikt XVI. vor Illusionen im interreligiösen Dialog und lehnte einen „Dialog im engen Sinn des Wortes” ab. Die Beziehungen zwischen Vatikan und Judentum sind seit der im Juli 2007 erfolgten Wiederzulassung der alten Form der Karfreitagsfürbitte (Bekehrung der Juden zu Christus) und vor allem durch die mögliche Seligsprechung von Papst Pius XII. in jüngster Zeit wieder sehr belastet.

Links:

„Gebetswoche für die Einheit der Christen 2009“

www.oekumene-ack.de

„Charta Oecumenica“

www.wir-sind-kirche.de/index.php?id=377

Dorothea Sattler: Gespannte Ökumene – Ein Zwischenblick vor dem 2. Ökumenischen Kirchentag HERDER KORRESPONDENZ 62 8/2008 (PDF)

www.wir-sind-kirche.de/files/774_HK_62_2008_08_Ss_398ff.pdf

Sieben Thesen der KirchenVolksBewegung „Wider die Resignation in der Ökumene“

www.wir-sind-kirche.de/index.php?id=128&id_entry=765

Wir sind Kirche zum Thema Ökumene

www.wir-sind-kirche.de/index.php?id=162