Weilburger wandert der Jakobsmuschel nach
Karl-Josef Schäfer schreibt Wanderführer für Pilger

Von Carmen Schmidt (0 64 71) 93 80 27
c.schmidt@mittelhessen.de

 

Ist in den vergangenen Monaten auf dem Jakobsweg
entlang der Lahn und der Mosel unterwegs gewesen
und hat zwei Pilgerwanderführer geschrieben:
Karl-Josef Schäfer aus Weilburg. (Foto: Privat)

 

Weilburg. Der Weilburger Karl-Josef Schäfer hat vor einem Jahr mit dem Pilgern begonnen – und zwar vor seiner Haustür. In mehreren Etappen will er es im nächsten Jahr auf dem Jakobsweg bis an sein Ziel schaffen: Santiago de Compostela in Spanien (siehe Kasten). Weil es für den Jakobsweg an der Lahn keinen Pilgerwanderführer gab, hat Karl-Josef Schäfer kurzerhand einen geschrieben. Mittlerweile ist ein zweiter Pilgerwanderführer erschienen.

Die Wanderschuhe stehen bereit. Der Rucksack, an dem eine Jakobsmuschel befestigt ist, ebenfalls. Die Muschel ist das Symbol für den Jakobsweg, sie wird Karl-Josef Schäfer auch bei dieser Wanderung begleiten. Noch an diesem Tag soll es losgehen. Dreieinhalb Stunden Fahrt sind es bis Pont-à-Mousson bei Nancy in Frankreich. Dort will der 51-Jährige seine Pilgerwanderung fortsetzen.

Angefangen hat alles mit dem Weihnachtsfest vor einem Jahr. Damals lag der Bestseller „Ich bin dann mal weg“ des Komikers Hape Kerkeling unter dem Weihnachtsbaum. Karl-Josef Schäfer brauchte einen Tag, um das Buch zu lesen. Und machte sich wenige Tage später gemeinsam mit seiner Frau auf den Weg. In den folgenden Monaten unternahm er immer wieder Pilgerwanderungen, zunächst entlang der Lahn. Über den Jakobsweg in seiner Heimat hat er einen Pilgerwanderführer geschrieben: „Der Jakobsweg von Wetzlar nach Lahnstein“, heißt das Buch, das
eine Beschreibung für die sechs Etappen der 142 Kilometer langen Wanderstrecke liefert.

Vieles beim Pilgern erlebt

Als Karl-Josef Schäfer dann im vergangenen Sommer entlang der Mosel unterwegs war, musste er erst nachforschen, um dort auf die Spur des Jakobswegs zu gelangen. Der Lehrer Wolfgang Welter
aus Schweich an der Mosel, der ehrenamtlich die Wanderwege entlang der Mosel beschildert,
gab ihm Tipps. Gemeinsam haben die beiden nun einen weiteren Pilgerwanderführer herausgegeben mit dem Titel „Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier“. Historische Sehenswürdigkeiten, Tipps zu Unterkünften, zur Anreise und zur Ausrüstung finden sich unter anderem in dem 220 Seiten umfassenden Buch.

Seit er das Pilgern entdeckt habe, sei er ruhiger geworden, sagt Karl-Josef Schäfer. Beim Pilgern ginge es nicht um den sportlichen Ehrgeiz. „Wer pilgert, ist meist alleine unterwegs. Da beschäftigt man sich mit sich selbst, kommt zur Ruhe.“ Beim Pilgern komme man mit anderen Menschen ins Gespräch, erlebe spontane Hilfsbereitschaft. Oder stoße auf Sehenswürdigkeiten, die man sonst vielleicht nicht gesehen hätte. „Die Kathedrale in Metz mit ihren Chagall-Fenstern hat mich beeindruckt“, sagt Schäfer, der bereits einen dritten Pilgerwanderführer plant.

Ein Weihnachtsgeschenk hat bei Karl-Josef Schäfer die Leidenschaft für das Pilgern geweckt.
Seine Frau Gabi Strommen will künftig vorsichtig sein bei der Entscheidung, welches Buch sie ihrem Mann unter den Weihnachtsbaum legt. „Jedenfalls nicht ‘In 80 Tagen um die Welt‘“, sagt sie.

Der Jakobsweg

Der Jakobsweg (Camino de Santiago) ist ein Pilgerweg, dessen Ziel das Grab des Apostels
Jakobus im spanischen Santiago de Compostela ist. Der Jakobsweg ist ein Wegegeflecht,
das sich über ganz Europa erstreckt. Das Zeichen des Jakobsweges ist die Jakobsmuschel.
Der Hauptweg ist der sogenannte Camino Francés, der in Nordspanien von den Pyrenäen zum Jakobsgrab reicht. Literatur: Karl-Josef Schäfer und Wolfgang Welter: „Ein Jakobsweg von Koblenz-
Stolzenfels nach Trier. Der Pilgerwanderführer für den Mosel-Camino“, Verlag Books on Demand, ISBN: 978-3833498886, 14,95 Euro. (red)