Vor der Haustür zu sich selbst finden

Karl-Josef Schäfer schreibt Pilgerwanderführer für den Rhein-Camino – Erster Teil liegt bereits vor – Strecke führt durch den Kreis Neuwied

Der Jakobsweg ist unter Pilgerern sehr bekannt. Darunter wird in erster Linie der Camino Francés verstanden, jene hochmittelalterliche Hauptverkehrsachse Nordspaniens, die von den Pyrenäen zum Jakobsgrab in Santiago de Compostela reicht. Der Jakobsweg verläuft aber auch durch den Kreis Neuwied. Eine neues Buch verdeutlicht die Route.

KREIS NEUWIED. In den vergangenen Jahren ist das Pilgern wieder beliebter geworden – Hape Kerkeling und Co. sei Dank. Immer mehr Menschen entdecken Pilgern als einen Weg, um zu sich selbst zu finden. Doch wer dafür nicht weit reisen will, findet auch in der Region eine Möglichkeit. Denn einer der berühmtesten Pilgerwege liegt direkt vor der Haustür. Das zeigt auch Karl-Josef Schäfer, der den ersten Teil des Rhein-Camino in seinem Pilgerwanderführer "Ein Jakobsweg von Neuss über Köln nach Koblenz-Stolzenfels" beschreibt. Dabei passiert der Pilgerwanderfreund auch Rheinbreitbach, Unkel, Linz und Bad Hönningen.

Karl-Josef Schäfer wanderte Ende 2006 auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Dabei bemerkte er, dass es für die anderen weit aus weniger bekannten Hauptrouten kaum Pilgerwanderführer gibt und so fing er mit dem Schreiben an. Der Führer zum Rhein-Camino ist bereits sein vierter Band. Doch Schäfer beschreibt in dem Führer nicht nur den Weg, sondern berichtet auch über die Geschichte des Pilgerns, die Besonderheiten, gibt Literatur- und Musiktipps sowie Internetseiten und Adressen zum Thema Pilgern.

Da gerade der Pilgerneuling nicht einfach losziehen sollte, hat Schäfer einige Informationen zusammengestellt, was vor und während der Reise alles zu beachten ist. Wer will, kann dann auch den Jakobsweg von Neuss nach Koblenz-Stolzenfels in acht Tagen gehen. Das entspricht circa 25 bis 30 Kilometern pro Tag. Doch dies sind laut Autor nur Vorschläge, denn jeder Pilgerwanderer sollte für sich selbst entscheiden, wie er den Weg gehen will. Machbar seien die Strecken aber sowohl für Pilgererfahrene als auch für Pilgerneulinge.

Für alle, die die vorgegebenen Etappen einhalten möchten, geht es am ersten Tag in Neuss von der Statue von Jakobus dem Älteren, nach dem der Weg benannt ist, nach Köln-Worringen, dann zum Kölner Dom. Am dritten Tag von dort aus nach Wesseling, dann folgen Bonn und Bad Honnef als nächste Etappenziele.

Am sechsten Tag kann der Pilgerwanderer von Bad Honnef nach Bad Hönningen ziehen. Die Strecke ist 26 Kilometer lang und ist ohne Pausen und Besichtigung laut Schäfer in circa sechs Stunden zu schaffen. Dabei geht der Autor von einer Pilgergeschwindigkeit von ungefähr vier Kilometer pro Stunde aus.

Als empfohlene Besichtigungsorte in dieser sechsten Etappe schlägt Schäfer Rheinbreitbach, Unkel, Linz und Bad Hönningen vor. Zu jedem dieser Orte erfährt der Pilger ein wenig Geschichte und welche Sehenswürdigkeiten es dort gibt. Für Rheinbreitbach empfiehlt der Autor zum Beispiel, sich die katholische Pfarrkirche St. Maria Magdalena mit den Holzskulpturen der Mutter Gottes und der Kirchenpatronin Maria Magdalena anzuschauen. In Unkel bieten sich das Freiligrathhaus, das alte Rathaus und die katholische Pfarrkirche St. Pantaleon an. Über Erpel, Kasbach und Ockenfels geht es dann nach Linz, wo der Pilger dazu eingeladen ist, sich die Pfarrkirche St. Martin anzuschauen. Denn dort befinden sich Wandmalereien aus der Zeit um 1230, wo auch in einer nur für den deutschsprachigen Raum typischen Darstellung eine Pilgerkrönung mit Jakobus dem Älteren zu sehen ist. Nach einer längeren Pause und Besichtigung in Linz geht es für den Pilgerwanderer über Dattenberg und Ariendorf zum Etappenziel nach Bad Hönningen.

Die letzten beiden Etappen führen schließlich weiter nach Weißenthurm, von wo aus es am letzten Tag bis nach Koblenz-Stolzenfels geht. Hier endet die Wanderung am Tor der St.-Menas-Kirche. Dort befindet sich eine Stele, auf der eine Jakobsmuschel abgebildet ist, die als Erkennungszeichen der Pilger dient.

Für alle Etappen hat Schäfer zu den Besichtigungsorten auch Informationen zur Geschichte, Bilder und Übernachtungsmöglichkeiten zusammengestellt. Außerdem schickt der Autor die Reisenden mit einem kleinen Spruch als Tagesimpuls und einer Sage zu einem Ort auf der jeweiligen Etappe auf den Weg. Wer nach der Ankunft in Kob-lenz-Stolzenfels weiter pilgern möchte, muss bis zum Frühjahr warten, wenn Karl-Josef Schäfer den zweiten Teil des Rhein-Camino bis nach Straßburg veröffentlicht.

   Wiebke Ebbing

Weitere Informationen über das Buch, das Pilgern und Druckversionen für die Städterundgänge gibt es unter www.xschaefer.de.