Weilburger Tageblatt, 24.09.2004

Totenkirche im Westerwald 24.09.2004

Merenberg. (mhz). Die aus dem 13. Jahrhundert stammende „Appenkirche“ bei Merenberg hat offenbar etwas Faszinierendes an sich, denn eine Reihe von Teilnehmern an unserem Bilderrätsel haben ihren Einsendungen Informationen aus verschiedenen Quellen beigefügt.

 

Die „St.-Jakobs-Kirche“ bei Merenberg – im Volksmund „Appenkirche“ genannt – sieht eher wie eine Scheune als ein Gotteshaus aus. (Fotos: Archiv/Horz)

Bis in die Neuzeit hat die aus Basaltsteinen gebaute St. Jakobs-Kirche auf Grund der dürftigen Quellenlage immer noch Rätsel aufgegeben.

Inge Lemper aus Merenberg schrieb uns: „Da ich in Merenberg aufgewachsen bin, ist mir dieses Gebäude von Kindheit an bekannt. Als Mitglied des evangelischen Frauenchores nehme ich seit 30 Jahren an Trauerfeiern in der Appenkirche teil“.

Angela Wolf aus Winkels hat in den Informationen über dieses Kirche am Pilgerweg zum Grab des Jakobus in Santiago de Compostela in Spanien geblättert.

Den Werdegang der St. Jakobs-Kirche hat Klaus Gelbhaar (Weilburg) vor 20 Jahren in der Zeitungsbeilage „Heimat an Lahn und Dill“ beschrieben.

Auch in der Beilage zu „Unser Weg“ in den Nachrichten aus dem Dekanat Weilburg wurde das unter Denkmalschutz stehende Gebäude vorgestellt.

Klaus Gelbhaar versuchte aufzuklären, woher der Name „Appenkirche“ gekommen sein könnte. In ihrer Entfernung zum Dorf liege wohl die Begründung. Das ehemalige Dorf habe unterhalb der Kirche, also „ab der Kirche“ gelegen, woraus der Volksmund „Appenkirche“ gemacht habe.

Es spreche auch viel für eine andere Deutung: Die Kirche war eine „apen Kirche“, in der man Zuflucht vor Räubern und Banden suchen konnte. Die Kirche, so Gelbhaar, wurde einst als Raststätte für Pilger gebaut, die auf dem Jakobsweg zum bedeutenden Wallfahrtsort Santiago de Compostela, der Ruhestsätte des Jakobus, sicher übernachten konnten.

Sie diente in Notzeiten auch als Zufluchts- und Verteidigungsbau, schriebt uns Birgit Berke aus Merenberg.

Es ist davon auszugehen, dass am Standort der heute nur noch als Friedhofskapelle benutzten Bauwerks 500 Mater westlich von Merenberg in Richtung „Vöhler Weiher“ ein Dorf gestanden hat.

Pfarrer Ralf Arndt Blecker ließ uns ein Informationsblatt zugehen, dem wir entnehmen, dass die Siedlung, zu der die Jakobskirche gehört, zu Beginn des 17. Jahrhunderts aus der schriftlichen Überlieferung verschwunden ist.

So sei davon auszugehen, dass seit dieser Zeit nur noch die Kirche mit dem Friedhof erhalten geblieben ist.

Bis heute dient der Friedhof den Merenbergern als Begräbnisstätte.

Ende WT-Artikel

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Weitere Recherche: In den Urkunden scheint scharf zwischen Appenkirche(n) und der St. Jakobs-Kirche unterschieden zu werden. Dies deutet auf die Ortschaft Appenkirchen mit der St. Jakobskirche hin. Hinweise auf eine „Raststätte für Jakobspilger“ ergeben sich in den mir zugänglichen Quellen nicht. Dies wäre m.E. auch unwahrscheinlich – so liegt die Appenkirche doch um einiges von der Lahn weg, grössere Ortschaften die einen Zubringer zur Lahn benötigen könnten, sind in nördlicher Richtung nicht vorhanden gewesen. Von Pilgern im Hochwesterwald ist zu vermuten, dass diese auf direktem Wege zum Rhein gepilgert sind. Kurz: Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela wird es wohl kaum in so grosser Zahl gegeben haben, dass ein Sammelpunkt oder eine Pilgerunterkunft an dieser Stelle nötig gewesen wäre. Hinzu kommt, dass ein wirklicher Aufschwung der Pilgerzahlen für SdC erst ab dem 14. Jhdt. festzustellen ist. Juli 2007, Karl-Josef Schäfer