Auf dem Weg

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Schlagwort: wald

Rückmeldung zum Mosel-Camino vom 08.08.2008

 

Hallo Herr Schäfer,

ja ich bin nach Ihrem Buch gelaufen ab dem 24.07. Es war tierisch heiß, das haben wir natürlich gespürt, als wir die Weinberge hochgetrabt kamen… Der Abstieg in der milden Abendsonne war o.k., wunderbar die Aussicht, die wir sehr genossen haben. Die Wege entlang des Moselhöhenweges waren wunderschön. Die Erklärungen des Buches sehr informativ, manchmal zu ausführlich vielleicht. Es wäre besser gewesen, Sie hätten den Streckenverlauf von den Sehenswürdigkeiten unterwegs getrennt, so war es manchmal etwas verwirrend! Unsicher sind wir im Wald nach dem Besuch der Burg Eltz geworden, an einer Weggabelung fehlte eine Muschel. 

Ansonsten sehr informativ und interessant Ihr Buch, ein gelungenes Werk!

Einen guten Weg weiterhin,

Friederike

 

Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier – Der Pilgerwanderführer für den Mosel-Camino, 2. Etappe Alken – Treis-Karden

Update Lahn-Camino – Zu den E-Mails vom 21. + 22.06.2008

 

Und hier die genauere Beschreibung der beiden Problemfälle Weilburg-Hirschhausen und Laurenburg.

1. Etappe Wetzlar – Weilburg-Hirschhausen – Weilburg

Durch Hirschhausen, dann am Tierpark vorbei. Am Ende des Tierpark-Parkplatzes auf der linken Straßenseite bleiben. Achtung: Die Strasse ist am späten Nachmittag stark befahren und die Autofahrer nehmen nicht wirklich Rücksicht auf Pilger und Wanderer.

Bleiben Sie am Straßenrand -oder soweit es geht auf dem Grünstreifen- bis Sie fast oben an der Kreuzung angekommen sind (es handelt sich übrigens um die B456 von Weilburg nach Bad Homburg bzw. Frankfurt). Kurz vor der Bundesstrasse führt der Lahn-Camino nach rechts in den Wald hinein und biegt wenig später nach links ab.

4. Etappe Diez – Laurenburg – Obernhof

Wenn Sie die Etappe in Laurenburg abbrechen wollen, können Sie vom Rupbachtal der Straße (L 322) zum Ort bzw. Bahnhof folgen. Vor dem  Rupbachtal haben Sie einen steilen Abstieg auf einem schmalen Pfad. An der Straße angekommen, wenden Sie sich nach rechts, überqueren den Rupbach und können dann gleich das Schild zum Sportplatz Laurenburg erkennen. Statt dann hinter dem Haus auf der linken Seite weiter dem Lahn-Camino zu folgen, gehen Sie an der Straße entlang ca. 2,2 km bis zum Bahnhof bzw. zum Ort Laurenburg.

Die zweite Möglichkeit ist, dem Lahn-Camino hier noch einmal zu folgen (hinter dem Haus auf der linken Seite beginnt der Anstieg), und dann, vorbei an den zwei oder drei Häusern, auf dem geschotterten Weg zu bleiben, statt dem Abstieg geradeaus zu folgen. Auf diesem Weg gelangen Sie direkt zum Bahnhof.

 

Ich hoffe, so wird es etwas klarer. Ultreia!

Update Lahn-Camino 3. Etappe Villmar – Diez

Noch zwei Nachträge für diese Etappe:

1. Die Blücherschanzen bei Runkel stammen von 1796, die Schanzen sind noch sehr gut im Wald zu erkennen. Ein Gedenkstein links vom Weg zeigt Ihnen die Stelle.

2. Zwischen Limburg und Diez lassen Sie sich nicht durch die Wegmarkierung irritieren. Der Lahnhöhenweg der rechten Lahnseite verläuft hier ein Stück auf der linken Seite und ist entsprechend mit dem weissen ‚L‘ auf schwarzem Grund gekennzeichnet. An der nächsten Brücke biegt der Weg dann ab – Sie gehen einfach weiter geradeaus unter der Brücke entlang in Richtung Diez.

Update Lahn-Camino 3. Etappe Villmar – Diez

Es gibt Tage in diesem Jahr, da scheint es, als ob wir doch noch einen Sommer hätten. Heute zumindest war es sonnig und warm – aber nicht zu warm, also haben wir uns auf den Weg gemacht.

Hier die Updates:

  1. Wenn Sie in Villmar übernachtet haben oder vom Bahnhof kommen, gehen Sie bitte wieder bis nach oben zur Ecke Mattheisstrasse – Am Galgenberg. (Mattheis? Ja, genau, der Apostel aus Trier, bzw. nach der Abtei ebenda!) Dann rechts und eigentlich immer geradeaus. Die Markierung ist jetzt eindeutig, führt auf Wirtschaftswege und dann sehen Sie auf der rechten Seite eine Metallstange mit der Camino-Markierung nach rechts. Zwar führt der Weg Sie jetzt wieder bis zum König-Konrad-Denkmal hinunter – der Weg ist aber um einiges angenehmer als die Strecke entlang der vielbefahrenen Strasse.
  2. Auf diesem Weg passieren Sie noch das Friedenskreuz aus Lahnmarmor mit einem Intarsien-Korpus auch aus Marmor. Ein interessanter Stop am Weg.
  3. Sie kommen in Höhe des Parkplatzes aus dem Wald heraus überqueren die Strasse und stehen dann nach wenigen Schritten am König-Konrad-Denkmal.
  4. Zurück am Parkplatz überqueren Sie nochmals die vielbefahrene Strasse und gehen auf dem Seitenstreifen bis zur Kurve. Hier geradeaus weiter den asphaltierten Wirtschaftsweg. Sie erkennen hier schon die Markierung: „150 m rechts“. Achten Sie auf die nächste Markierung – dort geht es durch die Hecke. Noch ein paar Schritte weiter können Sie die Hecke allerdings umgehen (viel bequemer – der Trampelpfad durch die Hecke war heute regelrecht zugewuchert).
  5. Von hier aus immer am Waldrand entlang. Später kommen Sie an eine T-Kreuzung, auch hier wieder rechts am Waldrand entlang. Keine Angst, irgendwann tauchen die Markierungen wieder auf.
  6. Der Lahn-Camino führt Sie im Bogen um Runkel herum – einige Male auch am Strassenrand. Durchgängig gut markiert, wenn Sie jedoch Burg Schadeck wieder vor sich liegen sehen, gleich vor den Leitplanken, geht es nach links in den Wald hinein.

Buen Camino

Update Lahn-Camino 2. Etappe Weilburg – Villmar

Mann, sind die Kanutouristen nervig. 1 Stunde in Villmar am Bahnhof gewartet – und das war wirklich eine Tortur!

Vier Punkte sind wichtig:

1. Weilburg: Der Jakobsweg führt auf dem Leinpfad direkt an der Lahn aus der Stadt. Hinter der Weilmündung geht es nach links durch den Tunnel und dann scharf nach rechts, über die Strasse und dann sehen Sie etwas oberhalb an einem Baum die nächste Markierung. Der Weg hinauf (da ist kein Mäuerchen, sondern ein Baumstamm als Wegmarkierung) ist zugewachsen, im Wald dann aber wieder gut zu erkennen.

2. Weinbach: Dort der Markierung bis zum Ortsausgang folgen, dann rechts bis zum Waldrand, dann links am Waldrand entlang. Und da kommt dann der Knackpunkt: kurz vor der Kurve geht es an einem Holzmast halb rechts den Berg in den Wald hinauf. Die Markierung ist verblasst und der Weg halbwegs zugewachsen. Also aufpassen!

3. Elkerhausen: Die Markierung in Elkerhausen ist jetzt eindeutig. Wenn Sie unten ankommen, machen Sie einfach eine Spitzkehre (also auf der anderen Seite der Leitplanke zurückgehen). Etwas weiter geht es dann rechts, Hauptstrasse links und später nach rechts Richtung Kleinweinbach.

4. Langhecke: In Langhecke die Strasse überqueren und gegenüber dem Hotel die Strasse wieder nach oben in den Wald. Dort fehlen Markierungen – halten Sie sich an der Weggabelung auf jeden Fall links, dann stossen Sie nach rund 1.000 m wieder auf ein "L" für den Lahnhöhenweg.

Apropos Markierungen: der Taunusklub ist sehr rührig, heute morgen trafen wir einen Ehrenamtlichen, der sich mit seiner Frau auf Weilburg zuarbeitete. Vielfach sind die Markierungen aber halt nette Souvenirs für gedankenlose Spaziergänger. Wenn Sie jemanden erwischen, sagen Sie ihm/ihr ruhig, was wir über ihn/sie denken.

5. Etappe Traben-Trarbach – Osann-Monzel = 24km

 

Traben-Trarbach – Graacher Schanzen – Bernkastel (M) – Moselbrücke – Kues – Lieser – (Osann-) Monzel = ca. 24 km

Schwierigkeit mittel

Zeitbedarf 5 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen

Besichtigungen Graacher Schanzen, Bernkastel, Kues

Weiter geht es heute hinauf zu den Graacher Schanzen, dann hinab nach Bernkastel-Kues und anschließend über Lieser, vorbei an einigen der besten Riesling-Lagen der Mosel, nach Osann-Monzel.

Ausgangspunkt der heutigen Etappe ist Trabach auf der rechten Moselseite. Ab der Brücke folgen Sie der Markierung T8 über den Berncastelerweg in die Weinlage Trabach-Taubenhaus. 1995 wurde für diese Weinlage ein vereinfachtes Flurbereinigungs­verfahren eingeleitet. Auf den 31 Hektar bewirtschaften heute rund 30 Winzer 16 Hektar Weinberge, zwei Drittel davon werden durch die Bewirtschafter­gemeinschaft bearbeitet. Die vier beteiligten Winzer verpflichten sich vertraglich zum kontrolliert umweltschonenden Weinbau. Es werden nur Rieslinge angebaut. Standraum und Erziehung der Reben gewährleisten ein Höchstmaß an Arbeitsökonomie und Qualität. Durch die Entflechtung von Reb- und Brach­flächen können Biotope entwickelt und Lebensräume vernetzt werden. Mit finanzieller Unterstützung durch das Land Rheinland-Pfalz wurde somit die Pflege der Brachflächen gesichert und die Anschaffung einer hydrostatischen Raupe für die Arbeit im Weinberg ermöglicht.

Hinter der großen Infotafel zweigen sie nach links ab, um dann auf recht steilem Weg auf die Hunsrückhöhen zu gelangen. Dass auf den Höhen eine alte Römerstraße (Belginum–Longkamp–Ürzig) verlief, zeigen uns schon die Hohlwegsysteme, die noch gut links und rechts vom Mosel-Camino im Wald zu erkennen sind.

Schließlich kommen Sie zum auf ca. 400 m NN Höhe gelegenen Wanderparkplatz am ‚Knotenpunkt’ mehrerer Wanderwege. Auch der Moselhöhenweg, dem Sie später folgen werden, kommt hier vorbei. Auf keinen Fall sollten Sie hier oben einen Abstecher zu den Graacher Schanzen versäumen. Am Parkplatz finden Sie einen schön angelegten Rastplatz mit einer Informationsschrift zu dieser Befestigungsanlage, die nur einige hundert Meter entfernt liegt.

Graacher Schanzen

Mal wieder bedrohten Franzosen die Gebiete an der Mosel, diesmal gegen Ende des 18. Jhs. die Revolutionstruppen Napoleons. Preußische und österreichische Truppen verschanzten sich auf den Hunsrückhöhen. Kernstück des Schanzwerkes sollte das Plateau der langen Moselschleife zwischen Trarbach und Bernkastel auf 434 m Höhe werden. Hier war die schmalste Stelle und die Verteidigungsanlage sollte Angreifer aus dem Hunsrück abhalten.

Im März 1794 begannen die Schanzarbeiten durch 170 gefronte Bewohner aus der Umgebung unter der Leitung preußischer Offiziere. Aber schon im September 1794 wurden die Arbeiten wieder eingestellt – die preußischen und österreichischen Truppen erkannten ihre klare Unterlegenheit und zogen sich bis nach Mayen in der Eifel zurück.

Nun ließen die Franzosen aber die Arbeit umgehend wieder aufnehmen, denn sie fürchteten ein erneutes Vordringen der Alliierten. Am 1. Januar 1796 wurden schließlich die Schanzarbeiten endgültig eingestellt – ein Waffenstillstand war geschlossen.

Die Laufgräben, Geschützstellungen und Vorwerke sind auch heute noch gut zu erkennen. Dieses Bauwerk ist in der Geschichte etwas ganz Besonderes und Seltenes: von hier aus ist kein einziger Schuss gefallen.

Wieder zurück am Parkplatz Graacher Schanzen führt der Wanderweg T6 gemeinsam mit dem Moselhöhenweg stetig durch die Weinberge nach unten. Sie passieren die Waldschenke ‚Zur Eisernen Weinkarte’, sowie den alten jüdischen Friedhof, um kommen zum Graacher Tor, wo uns schon St. Michael begrüßt. Dies ist das einzig erhaltenen Stadttor der um 1300 errichteten Stadtbefestigung und sicherte den nördlichen Zugang der Stadt.

Heute befindet sich hier das u. a. von der Kolpingfamilie Bernkastel St. Michael 1856 betriebene Heimatmuseum mit seiner stadtgeschichtlichen Ausstellung.

Bernkastel liegt am rechten, Kues am linken Ufer der Mosel. Nehmen Sie sich ein wenig Zeit für einen Stadtrundgang, bevor Sie über die Brücke nach Kues wechseln und den Mosel-Camino fortsetzen.

Die ersten Siedlungen auf dem Gebiet der heutigen Stadt Bernkastel-Kues datieren aus der Zeit der Bandkeramiker, d.h. sie sind rund rund 5000 Jahre alt. Seit fast 2000 Jahren gibt es den Weinbau, die Römer errichteten um 400 ein Kastell an der Stelle, wo heute die Burgruine Landshut steht.

Im 7. Jh. wird erstmals eine Burg urkundlich erwähnt. Stadtrechte erhält Bernkastel im Jahre 1291. In diese Zeit fällt auch der Bau von Burg Landshut oberhalb der Stadt als Sommerresidenz der Trierer Bischöfe. Die Burg wurde häufig belagert, fällt aber 1692 einem unglücklichen Brand zum Opfer. Seitdem wurde die Burg nicht wieder aufgebaut. Heute ist die Burgruine im Sommer bewirtschaftet und bietet einen wunderbaren Blick auf die Stadt und das Moseltal.

Gleiches gilt auch für die Jugendherberge, etwas oberhalb der Burgruine. Hier wurde vom Deutschen Jugendherbergsverband ein um die Jahrhundertwende erbautes Hotel erworben. Wenn die Zimmer auch nicht den Komfort einer modernen Jugendgästehauses besitzen, so ist es doch ein Haus mit Atmosphäre und Charakter.

Wenn Sie durch Bernkastels Gassen schlendern, spüren Sie die Geschichte dieser Stadt. Die Pfarrkirche St. Michael mit ihrem mächtigen, 600 Jahre alten Turm, wurde bereits 1177 das erste Mal urkundlich erwähnt. In der heutigen Form stammt sie im Wesentlichen aus dem Ende des 14. Jh.. Die Barockfassade, 1968 restauriert, steht im starken Gegensatz zum gotischen Turm. Der Turm gehörte zur Stadtbefestigung und war deshalb als Wehrturm ausgelegt.

Die dreischiffige Kirche ist reich ausgestattet und sicherlich einen Besuch wert. Der zentrale Punkt im Chor ist die Kalvarienbergdarstellung aus dem Jahr 1496. Im Anbau finden Sie einen Pestaltar von Hoffmann dem Jüngeren – die Szene zeigt den Marktplatz, auf dem sich die Bürger versammeln, um die Pestopfer zu Grabe zu tragen.

Der Marktplatz von Bernkastel entstand Anfang des 17. Jh. mit dem Bau des St. Michaels-Brunnens (1606) mit seinem filigranen Brunnengitter, des Renaissance-Rathauses (1608) und den anderen erhaltenen, wunderschönen 400 Jahre alten Fachwerkhäusern. Das berühmte ‚Spitzhäuschen’ stammt aus dem Jahr 1416.

Am 01. April 1905 wurde die Landgemeinde Kues der Stadt Bernkastel eingemeindet.

Wenn Sie nun über die Moselbrücke auf die linke Moselseite wechseln, merken Sie, dass dies dem Ort sicher nicht geschadet hat. Prächtige Villen zeugen hier von einer Blüte in den Jahren der Gründerzeit um 1900.

Das Stadtwappen von Bernkastel-Kues zeigt neben zwei Schlüsseln, welche die Himmelsschlüssel von Petrus symbolisieren (Schutzpatron des Bistum Trier) auch einen Bären für Bernkastel und einen Krebs für Kues.    

Den Bernkasteler Bären erklärt eine Sage:

Maximinus, Bischof von Trier, besuchte im Jahre 340 die von Papst Julius nach Rom einberufene Kirchenversammlung. Begleitet von seinem Mitbruder Martinus von Mainz machte er die weite Reise zu Fuß. Als die beiden Männer eines Tages in die Nähe eines Kastells kamen, ging Martinus dort hinein, um die nötigen Speisevorräte für die Weiterreise zu kaufen. Maximus blieb zurück, um den das Gepäck tragenden Esel zu bewachen.

Von der Reise ermattet, fiel Maximinus in einen tiefen Schlaf. Da kam aus dem Walde ein Bär, schleppte den Esel fort und fraß ihn auf. Martinus kehrte zurück und sah, was vorgegangen war. Er weckte seinen Reisegefährten und redete ihn an: “Bruder Maximus, was hast du getan?“ „Ich war müde und schlief ein“, antwortete Maximinus. „Und wo ist denn der Esel?“ fragte Martin weiter. „Ich weiß es nicht“, war die Antwort.

Martinus aber zeigte ihm den Bären, der den Esel bereits verzehrt hatte. Da rief Maximinus das wilde Tier herbei und fuhr es an: “Warum hast du so böse gehandelt und mir den treuen Esel nicht geschont! Ich befehle dir im Namen Jesu, nun seine Arbeit zu leisten! Folge mir!“ Wie ein zahmes Tier ließ sich der Bär die Last aufladen und folgte den beiden Männern bis nach St. Peter.

Nach Beendigung der Kirchenversammlung, und nachdem sie in Rom ihre Gebete verrichtet und die Reliquien der Märtyrer verehrt hatten, kehrten sie bis zu jenem Ort zurück, welcher nun ‚Urseria villa’, ‚Bärenstadt’ genannt wurde. Den Bären aber entließ Maximinus mit den Worten „Gehe nun, wohin du willst, aber hüte dich, jemandem wieder ein Leid anzutun“. Von der Zeit an verschwanden die Bären aus der Gegend.

Man kann aber nicht in Kues verweilen, ohne einen der größten Deutschen des späten Mittelalters, Nikolaus von Cues, zu erwähnen. Ihm ist das andere Tier im Stadtwappen, der Krebs, zu verdanken: Cusanus’ eigentlicher Name war Cryfftz, nämlich Krebs.

Aber wer war dieser Kaufmanns-Sohn von der Mosel eigentlich?

„Nikolaus Cusanus war die gewaltigste Erscheinung des sterbenden Mittelalters. Weder zu seinen Lebzeiten noch nach ihm hat es einen Denker von den geistigen Ausmaßen und der weltbildgestaltenden Kraft des großen Kardinals mehr hervorgebracht.“ So schreibt der Historiker Willy Andreas in seinem bekannten Buch ‚Deutschland vor der Reformation. Eine Zeitenwende’. In der Tat machte er im Spätmittelalter eine beispiellose Kariere und gilt heute als einer der bedeutendsten Mathematiker und Philosophen seiner Zeit.

Nicolaus Cusanus (1401-1464) wurde in Kues als Sohn des Fischers, Händlers und Schiffsbesitzers Chrypffs (Dialektname für ‚Krebs’) und seiner Frau Katharina geboren.

Schon als Junge besuchte er die bedeutende Fraterherren-Schule von Deventer in Holland, dem Mittelpunkt der geistlichen Reformbewegung »Devotio moderna«, in der Lehrer und Schüler in christlich geprägter, humanistischer Weltoffenheit eine Gemeinschaft bildeten. Nikolaus von Kues verfügte über vielfältige Begabungen, die er während langer Studienzeiten vertiefte. Zunächst studierte er 1416/1417 (im Alter von erst 15 Jahren) Philosophie in Heidelberg, absolvierte dann von 1417 bis 1423 ein Rechts- und Mathematikstudium in Padua, das er als Doktor decretorum abschloss und begann 1425 ein Studium der Philosophie und Theologie an der Universität Köln. Nach seiner Studienzeit stieg er schnell als Priester und Wissenschaftler in die höchsten Ränge des öffentlichen und klerikalen Lebens auf: 1427 wurde er Stiftsdekan in Koblenz, 1435 Probst von Münstermaifeld, 1448 Kardinal und 1450 Fürstbischof von Brixen. 1458 wurde er Generalvikar in Rom.
Nikolaus von Kues bemühte sich sehr um die Reform von Kirche und Reich. So wirkte er ab 1432 bis 1437 als Bevollmächtigter des Trierer Erzbischofs auf dem Basler Konzil, wo er für großes Aufsehen sorgte, als er von der Konzilpartei, einer von Rom unabhängigeren deutschen Kirche, zur päpstlichen Partei umschwenkte, weil er die Einheit der Kirche gefährdet sah. Er beteiligte sich 1439 am Unionskonzil von Florenz sowie an den Verhandlungen zum Wiener Konkordat von 1448, bei denen es Nikolaus von Kues gelang, die Einheit der Kirche zu retten. Zwischen 1450 und 1452 bemühte er sich in ausgedehnten Reisen um eine Reform des Ordenlebens in Deutschland und bereitete als Generalvikar durch ein umfassendes Gutachten (‚Reformatio generalis’) die Reform des römischen Klerus vor. In seiner theologisch-humanistischen Lehre formulierte er Anschauungen von Gott, Welt und Mensch, die neuzeitlichem Denken entsprechen. Er sah die Welt als „Ausfaltung“ (explicatio) des „Wesens“ Gottes, in das alle Dinge „eingefaltet“ sind (complicatio).

Cusanus’ Denken und die von ihm entwickelten Ideen erscheinen uns heute als sehr modern: Die Unendlichkeit des Alls, die Erde in Rotation und nicht Mittelpunkt des Universums, bewohnte Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, die Relativität von Abmessungen und damit das Fehlen einer exakten Messung sind hierfür nur einige Beispiele. In seinen wissenschaftlichen Experimenten nahm er die Ideen vieler Denker der Neuzeit vorweg: Giordano Bruno, Kopernikus, Johannes Keppler, Galileo Galilei, Isaac Newton und Albert Einstein..

Cusanus war somit nicht nur als Kirchenrechtler, sondern auch als Naturwissenschaftler, Mathematiker und Philosoph, besonders auf dem Gebiet der Metaphysik, tätig. Als Philosoph vertrat er die Ansicht der Unerkennbarkeit Gottes und verband als einer der ersten mathematische Verfahren und Begriffe mit der Philosophie. Andererseits begründete er mathematisch-naturwissenschaftliche Zusammenhänge durch die Philosophie. Er lehrte als erster die Unendlichkeit der Welt und markiert damit den Übergang vom mittelalterlichen Denken zur mathematischen Wissenschaft der Neuzeit über. Sein philosophisches Hauptwerk (‚De docta ignorantia’ – ‚Gelehrtes Nichtwissen’), das er am 12. Februar 1440 in seinem Geburtshaus in Kues vollendete, steht wie ein Grenzstein zwischen Mittelalter und Neuzeit. Cusanus’ denken ist ein wichtiger Grundstein für unsere moderne Denkweise und heute Kern unserer abendländischen Kultur und Technik.

Schon 1436 weist Nikolaus von Kues auf die Fehlerhaftigkeit des Julianischen Kalenders hin und macht Vorschläge zur Korrektur. Leider wurde die Korrekturen im Gregorianischen Kalender erst über 100 Jahre später, 1582, durchgeführt.

Als Religionsphilosoph wird Cusanus von Meister Eckhart und dem Neuplatonismus beeinflusst und entwickelt die ‚negative Theologie’ weiter. In aller Kürze sagt die negative Theologie, dass wir über Gott prinzipiell keine positiven Aussagen machen und sein Wesen nicht positiv fassen können. Jede Religion spiegelt einen Teil der göttlichen Wahrheit wider. Cusanus spricht von der "einen Religion in verschiedenen Riten". Damit kann seine negative Theologie (ganz im Gegensatz zur natürlichen Theologie) der Religionskritik Kants (alle metaphysischen Gottesbeweise überschreiten unzulässig die Grenzen menschlicher Vernunft) standhalten, ja, sie ergänzen sich sogar.

Als einer der ersten deutschen Humanisten befasste sich Nikolaus von Kues mit der historisch-philologischen Untersuchung antiker Handschriften. Als Mathematiker beschäftigte er sich besonders mit der Quadratur des Kreises (1450 ‚De circuli quadratura’), wobei er gegenüber Archimedes einen verbesserten Näherungswert angab.

Am bekanntesten ist vielleicht der Grundgedanke seiner Philosophie: die ‚Coincidentia oppositorum’, der ‚Zusammenfall der Gegensätze’, der die bewusste Verneinung von Gegensätzen im Hinblick auf Gott betont.

Aber bei aller Wertschätzung muss wohl auch festgehalten werden, dass die von Cusanus angestrebte Reform der Kirche an Haupt und Gliedern und sein Bestreben, die Einheit zu wahren, letztendlich ohne den gewünschten Erfolg blieb. Das heraufkommende Papsttum der Renaissance wandte sich anderen Vorstellungen zu. Die eigentliche Reform blieb der protestantischen Reformation und der sich anschließenden katholischen Reaktion vorbehalten.

Am 11. August 1464 starb Nikolaus von Kues auf einer Reise in seine deutsche Heimat, wo er sich um seine sechs Jahre zuvor gegründete Stiftung kümmern wollte, in Todi in Umbrien. Begraben wurde er gemäß seinem Wunsch in seiner Kardinalkirche in San Pietro in Vincoli in Rom, sein Herz ruht vor dem Altar des St.-Nikolaus-Hospitals in Kues.

Wenn Sie mehr über das Universalgenie wissen wollen, rufen Sie im Internet die hervorragend aufgebauten Seiten unter http://www.nikolaus-von-kues.de/

Schon gleich nach dem Überqueren der Brücke sehen Sie auf der rechten Seite das St. Nikolaus-Hospital (kurz Cusanus-Stift). Hier errichtete Nikolaus von Kues 1458 in seinem Heimatort mittels einer Stiftung ein Hospital für 33 alleinstehende, über 50 Jahre alte Männer. 6 Adlige, 6 Priester und 21 Bürger durften dort ihren Lebensabend verbringen. Der Stiftungsbrief trägt das Datum vom 2. Dezember 1458. Bereits im März 1457 schrieb der Kardinal aus Brixen in einem Brief an die Schöffen von Bernkastel und Kues: „ …und lassen euch wissen, so wie wir zu Lebzeiten unseres Vaters, des seligen Crifftzhennes von Cusa, vorgehabt haben, zu Ehren des allmächtigen Gottes, unter dem Titel Sankt Nikolaus, des hl. Bischofs, ein Hospital zu errichten“. Die Baukosten betrugen 20000 Goldgulden. Nikolaus von Kues verwendete dazu sein eigenes und das Vermögen seiner beiden Geschwister Johann, Pfarrer von Bernkastel, und Clara, Ehefrau des Bürgermeisters von Trier.

Die weitsichtigen Statuten der Stiftung und die großzügige materielle Ausstattung sorgten dafür, dass das Cusanus-Stift auch nach 500 Jahren noch existiert. Nach heutigen Anforderungen modernisiert, bietet das Altenheim heute Platz für 60 Seniorinnen und Senioren.

Die bedeutende Bibliothek, in der sich heute ca. 3000 Titel befinden, vermachte Nikolaus von Kues dem von ihm gestifteten St.-Nikolaus-Hospital. Der Kern dieser Bibliothek ist auch heute noch die private Handschriftensammlung ihres Stifters. Nach größeren Verlusten im 17. und 18. Jh. (ca. 60 Bände befinden sich in Brüssel und London) sind immerhin noch etwa 300 Handschriften aus dem 9. bis 15. Jh. an der Mosel geblieben. Nikolaus von Kues hat sie auf seinen Reisen erworben, abschreiben lassen oder als Geschenke erhalten. Neben seinen eigenen Werken (z.B. ‚De docta ignorantia’, ‚De coniecturis’, ‚De pace fidei’) sind es v. a. solche aus der Theologie, Jurisprudenz, Philosophie, den Naturwissenschaften und der Mathematik. Viele Randnotizen von Cusanus lassen einen kleinen Einblick in seine ‚Denkfabrik’ zu.

Nikolaus von Kues blieb auch der »Devotio moderna«, die er in seiner Jugend kennengelernt hatte, zeitlebens verbunden. In Deventer, wo er die Fraterherren-Schule besuchte, errichtete er 1461 die Studienstiftung »Bursa Cusana«.
Wem weniger nach Philosophie und Theologie zumute ist, der wird vielleicht den Weg in das benachbarte Weinkulturelle Zentrum mit Mosel-Weinmuseum und Vinothek finden, wo nicht nur über die Geschichte des Weinbaus und die Arbeit der Winzer informiert wird, sondern wo man auch für einen Pauschalpreis in Höhe von 12 Euro nicht nur die Keller besichtigen, sondern eine Vielzahl von Weinen der renommiertesten Weingüter der Mosel verkosten kann. Info: http://www.bernkastel-vinothek.de/html/kontakt.html

Nun aber führt unser Pilgerweg der Weg stromaufwärts in Richtung Lieser. Noch vor dem Hotel ‚Drei Könige’ führt eine kleine Treppe von der Brücke hinunter auf den Radweg. Diesem folgen Sie und schon bald, kurz bevor Sie den Ort verlassen, passieren Sie das gut erhaltene und sehr gepflegte Geburtshaus des Nicolaus von Cues. auf.

Öffnungszeiten:
dienstags – samstags von 10.00 – 12.00 Uhr
und von 14.30 – 17.00 Uhr
sonn- und feiertags von 10.00 – 12.00 Uhr
und nach Vereinbarung,
Eintritt: 1,00 € / Person
Gruppenführungen nach Vereinbarung.
Tel. 0 65 31 / 28 31
Fax: 0 65 31 / 98 92 80

Weitere Informationen unter http://www.bernkastel-kues.de/kultur_kunst/cusanus_geburtshaus/cusanus_geburtshaus.html

Bevor wir jetzt Kues verlassen, noch die Sage vom bösen Maurus aus Kues, der heute noch spuken soll:

Der böse Maurus Maurus war zu seiner Zeit im ganzen Dörflein Cues an der Mosel als ein übler Patron verschrien. Er tollte und polterte unter gräulichem Saufen ganze Nächte hindurch und beunruhigte die ganze Nachbarschaft. Am allerschlimmsten war aber doch sein armes Weib dran. Bei der geringsten Veranlassung misshandelte und schlug er sie, dass oft die Freunde und Verwandten die Streitenden trennen mussten.
Jedes Leid hat aber doch einmal seine Grenzen. Der böse Maurus, so nannte man ihn allgemein, stürzte am heiligen Pfingsttag betrunken in eine Grube und brach sich jämmerlich das Genick. Seine Frau, obwohl er sie bei seinen Lebzeiten grausam misshandelt hatte, bereitete ihm doch ein anständiges Leichenbegräbnis.
Wie staunten aber die Leute, welche seine vergänglichen Überreste zur Grube bestattet hatten, als sie auf der Rückkehr den Maurus in dem Fenster seines ehemaligen Wohnhauses liegen sahen, wie er höhnisch auf die Begleiter, welche ihm den letzten Dienst erwiesen hatten, herabblickte.
Seine Frau schlug andächtig drei Kreuze; bald überzeugte man sich aber, dass der böse Mann auch nach seinem Tode keine Ruhe finden konnte. Es hat ihn zwar seit jener Zeit niemand mehr leibhaftig im Haus gesehen, aber doch gab er sich häufig durch nächtliches Rumoren, besonders an jenen heiligen Tagen, welche er dem Bacchus zur zeit geweiht hatte, kund. Der unruhige Poltergeist ward endlich, damit er die Einwohner und Nachbarn ferner nicht mehr belästige, in den Wald, Cues gegenüber, verbannt. Dort trieb er sich lange herum, neckte die Einwohner von Cues, welche den Wald besuchten, weil sie keine Verbannung veranlasst hatten.
Am Tage, wo er einige Male  wieder in seinem dreieckigen Hute und grauen Rocke gesehen wurde, erschreckte er oft die Leute, welche auf sein Gebiet sich wagten. Oft schob er Steine den Berg hinab nach den Vorübergehenden. Oft schwatzte er wieder mit sich selbst, dann lachte er wieder mit sich selbst und war hochvergnügt, wenn er jemandem einen listigen Streich gespielt hatte.
Viel Vergnügen machte es ihm auch, wenn er nachts die Fährleute durch den Ruf "Hol über" beunruhigte und betört hatte. Vergebens waren die Fährleute im Dunkel der Nacht oft nach dem jenseitigen Ufer gerudert, um den Rufenden überzuholen. Niemand fand sich aber am Ufer; wie lachte dann der alte Schalk über den gelungenen Streich.
Der lästige Maurus ward endlich, um seinen Neckereien ein Ende zu machen, zum zweiten Mal beschworen und nach dem Hinterwald, zwei Stunden von hier, verbannt, wo er sich etwas ruhiger gebärdete. Er erschreckte nur hin und wieder einen Vorübergehenden mehr, ohne jemandem ein besonderes Leid zuzufügen. Bei Heinzerath lässt er sich bisweilen noch hören und sauset dann, als wollte er alle Bäume entwurzeln, durch den Wald dahin.
Doch vergisst er seine Heimat noch nicht ganz; er schleicht noch einige Male nach seiner alten Wohnung und trübt den Frieden.

Nach: Sagensammlung "Rheinlands Wunderhorn" von Fr. Menk, Silbermann/Leipzig 1880

Weitere Informationen über Bernkastel-Kues erhalten Sie bei:

Mosel-Gäste-Zentrum (Tourist-Information)
Gestade 6
54470 Bernkastel-Kues

Telefon 06531 4023 und 06531 4024
Fax 06531 7953
E-mail: info@bernkastel.de
Internet: www.bernkastel.de

Mosel-Camino

Vom Cusanus-Geburtshaus geht es weiter am Nikolaus-Ufer entlang in Richtung Lieser. Es bietet sich an, auf dem Moselradweg am Moselufer zu laufen. Sollte die Mosel jedoch gerade Hochwasser führen, kann man auch auf Parallel-Wege rechts in den Weinbergen ausweichen. Der Moselhöhenweg verläuft zwar wunderschön oben an der Weinbergsgrenze, verlangt aber auch eine zusätzliche Steigung auf der heutigen Tagesetappe.

In Lieser sollten Sie dem romantischen Posthof einen Besuch abstatten. Dieses Ensemble von Gebäuden aus dem 17. und 18. Jh. war bis Mitte des 17. Jh. eine Poststation der Thurn und Taxis-Post an der niederländischen Postroute von Brüssel nach Augsburg, Innsbruck, Wien und Italien, wurde aber 1728-1734 aufgehoben. Heute zeigt sie sich nach jahrelangen Restaurierungsarbeiten wieder in altem Glanz. Die Beschilderung im Ort ist ausgezeichnet.

Wieder auf dem Moselhöhenweg passieren Sie das Schloss Lieser. 1884 -87 erbauten die Puricelli-Schorlemer, die um die Jahrhundertwende den preußischen Landwirtschaftsminister stellten, am malerisches Schloss im Stil der Renaissacnce mit reich ausgestattetetr Hauskapelle. Der Fabrikant Eduard Puricelli ließ den älteren, Freiherr von Schorlemer-Alst den jüngeren Schlossteil erbauen. 1981 wurde das Schloss von der Gemeinde gekauft und unter Denkmalschutz gestellt, 2001 an einen Investor verkauft, der das mittlerweile doch etwas heruntergekommene Bauwerk in absehbarer Zeit zu einem 4*-Hotel ausbauen will. Der wunderschöne Park ist öffentlich zugänglich.

Dass dieses Kleinod aber „vom Bundesminister des Inneren zum Weltkulturerbe ernannt“ wurde, wie es auf der Homepage der Gemeinde (www.lieser-mosel.de) heißt, ist unwahr!

Von hier aus halten Sie sich weiter auf dem Moselhöhenweg neben der Moseluferstraße, die in Richtung Moselbrücke führt (nicht nach rechts Richtung Maring-Noviand!). Bleiben Sie also am Straßenrand in Sichtweite der Mosel und überqueren Sie das hier mündende Eifelflüsschen Lieser. Unmittelbar dahinter geht es weiter über die zur Brücke nach Mülheim führende Straße (nicht über die Moselbrücke!). Direkt dahinter führt Sie der Moselhöhenweg in einen Wald hinein, der nach einigen Serpentinen hoch über die Weinlage ‚Brauneberger Juffer’ mit prächtigen Ausblicken führt.

Auf der gegenüberliegenden Moselseite sehen Sie jetzt Brauneberg (bis 1925:Dusemond) mit der ehemaligen Simultankirche und dem einzigen Zwiebelturm an der Mosel. Simultankirche? Eine Kirche, die von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt wird. Schon 1523 führt der Pfalzgraf Ludwig II. die Reformation ein, es war ein evangelischer Pfarrer in Dusemond. 1627, im 30-jährigen Krieg, wurde vom Trierer Erzbischof ein katholischer Geistlicher eingesetzt, 1649, nach dem Westfälischen Frieden, kam wieder ein lutherischer Pfarrer. Am 21. Dezember 1684 hat der französische Intendant für die gesamte Grafschaft entschieden, dass in Orten mit zwei Kirchen die kleinere Kirche den Katholiken gehören sollte. In Ortschaften mit nur einer Kirche sollten beide Konfessionen diese gemeinsam nutzen. Auch die 1777 neue Kirche wurde wieder zur Simultankirche. Seit 1955 wird die Kirche, entsprechend der Anteile der Baukosten von 1777, aufgeteilt und genutzt: 2/3 ist katholisch, 1/3 evangelisch.

Nach einer Weile erkennt man nun schon bald rechterhand auf einer Hochfläche das Ziel des heutigen Tages, Monzel, zunächst natürlich den Turm der St. Nikolauskirche.

Osann-Monzel

Schon 646 wird Monzel erstmalig als Monticellius urkundlich erwähnt. 1969 haben sich die beiden Gemeinden im Zuge einer Verwaltungsreform das benachbarte Osann und Monzel zusammengeschlossen. Monzel liegt wunderschön ca. 80m oberhalb der Mosel und bietet einen schönen Ausblick ins Flusstal. Ein eher verträumter Ort, fern ab von all der Hektik, wie man sie bisweilen in Bernkastel oder anderen Moselstädtchen erlebt.

Wer doch lieber direkt an die Mosel möchte, kann sich auf den Weg ins benachbarte Kesten machen, das man in einer knappen halben Stunde erreicht.

Allgemeines:  Osann-Monzel gehört zur Verbandsgemeinde Wittlich-Land, im Landkreis Bernkastel-Wittlich und im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 1.651. 

Ansprechpartner in Monzel:

Katholisches Pfarramt St. Peter, Bernkasteler Straße 52, 54518 Osann-Monzel, Telefon: 06535 325. E-Mail: pfarramt.osann@freenet.de

Gemeinde Osann-Monzel, Brunnenstraße 56, 54518 Osann-Monzel, Tel.: 06535 933287. Internet: www.osann-monzel.de

Heimat- und Verkehrsverein Osann-Monzel, Tel. 06535 94290

Übernachtung: 

Kelterhaus, Moselstraße 39, 54518 Osann-Monzel, Tel.: 06535 433. Internet: www.kelterhaus-broesch.homepage.t-online.de, E-Mail: kelterhaus@t-online.de. Ü/F im Doppelzimmer ab 50 Euro

Matthias Reichert, Moselstraße 59 54518 Osann-Monzel, Tel./Fax: 06535 557 Mobil: 0175/9069779. Internet: http://www.beepworld.de/members55/mosel-urlaub/. Doppelzimmer/Frühstück ab 28,- Euro; Ferienweingut Traut, Gartenstraße 31, 54518 Osann-Monzel , Tel.: 06535 1370. Doppelzimmer/Frühstück ab 34,00 Euro; Fritzen Gerd, Brunnenstraße 45, 54518 Osann-Monzel, Tel.: 06535 7000, Doppelzimmer/Frühstück ab 30 Euro

Ansprechpartner in Kesten:

Gemeindebüro: Ortsbürgermeister Valentin Zimmer, Moselstr. 9, 54518 Kesten,
Tel.: 06535 308, Fax: 06535 1297

Verkehrsbüro: Peter Junk, Moselstr. 12, 54518 Kesten, Tel.:06535 523, Fax: 06535 523

Hier noch eine Sage aus Monzel, die wir auf den Internetseiten der Gemeinde Osann-Monzel gefunden haben:

Sankt Donatus

Eine Geschichte aus Monzel

Einst hütete ein Schäfer sein Herd auf einer Weide zwischen Monzel und Noviand.

Auf einmal zogen dunkle Wolken am Himmel auf und ballten sich zu einem grollenden Gewitter zusammen.
Es dauerte nicht lange, da brach das Unwetter los. Schaurig hallte der Donner vom nahen Waldrand wider und feurige Blitze zuckten über das Firmament. Als schließlich dicke Hagelkörner wie aus Kübeln hernieder prasselten, fuhr der Schreck dem armen Schäfer und seinen ängstlichen Schafen in die Glieder. Die Herde stob in alle Himmelsrichtungen auseinander. Unter Bäumen und Büschen suchten die Tiere Schutz und viele rannten blindlings über die Felder bis zum Waldrand.

Dem Schäfer wurde es bang ums Herz, denn er dachte an seine armen Schafe, von denen kein einziges mehr in seiner Nähe war. Als das Unwetter nicht nachließ, sondern der Donner noch schlimmer und schauriger widerhallte, da streckte der Schäfer die gefalteten Hände zum Himmel und rief: „Lieber Donatus, du Schutzpatron der Schäfer, hörst du mich!
Beschütze meine lieben Schafe und gib sie mir gesund und wohlbehalten wieder zurück! Zum Dank will ich dir an diesem Fleck einen Bildstock erbauen!“
Bald legte sich der Sturm, die Hagelkörner wurden weniger und schließlich hatte sich der wolkenverhangene Himmel wieder aufgeklärt. Das Unwetter war ebenso unverhofft verzogen, wie es gekommen war.
Da lief der Schäfer über die Felder und Wiesen und rief mit lauter Stimme seine Schafe herbei. Von allen Seiten kamen sie zusammen. Als nur noch wenige fehlten, steckte er Daumen und Zeigefinger in den Mund und stieß grelle Pfiffe aus.
Daraufhin kamen auch die fehlenden Schafe aus den entferntesten Verstecken herbei, ja zuletzt fehlte nicht ein einziges. Wie glücklich, ja überglücklich war da der Schäfer!
Am nächsten Tag schon in aller Frühe begann der Schäfer schon sein Versprechen einzulösen. Er errichtete eigenhändig einen Bildstock zu Ehren des heiligen Donatus.

 

Zwischenetappe

Wir sind also nicht in Luxemburg – vielmehr im wunderschönen Weilburg und lassen uns die Sonne auf den Kopf scheinen. Das Auto hatte den Geist aufgegeben und der „Neue“ kommt erst in der nächsten Woche. Tja, man muss halt Prioritäten setzen.
Dafür habe ich aber am Karfreitag noch einmal die letzte Etappe des Lahn-Camino absolviert. Bad Ems – Lahnstein. Ganz schön heftig, der Anstieg auf den Malberg in Bad Ems. Und dort dann auch gleich den Weg verloren, die Markierung lässt doch noch etwas zu wünschen übrig. Oder hat es an mir gelegen? Ich weiss nicht, auf jeden Fall konnte ich weder die Markierungen für den Jakobsweg noch die für den Lahnhöhenweg entdecken. Nordic Walker sind auch nicht immer hilfreich, die waren zwar sehr hilfreich, wollten mich aber partout auf die andere Seite der Lahn schicken. „Der Lahnhöhenweg ist auf der anderen Lahnseite!“ Ich antwortete: „Richtig, auf der anderen Seite ist der Lahnhöhenweg rechts – ich suche aber den Lahnhöhenweg links.“ Das Ende vom Lied war, dass mich die beiden netten Damen in die Richtung Lahnstein schickten: „Dort finden Sie die ganzen Wegweiser!“ Naja, ich also los. Fast schnurgerade führte der Weg durch den Wald bis tatsächlich ein Parkplatz auftauchte. Nur die Wanderwegweiser waren für mich nicht zu gebrauchen. Denn getreu dem Motto: es muss auch ohne Karte gehen hatte ich diese zu Hause gelassen und konnte mit den Bezeichnungen F1, M4 etc. pp. nicht viel anfangen. Aber ich wusste zumindest noch, dass der Wanderweg über Frücht führen sollte und da stand ein kleiner Wegweiser an der Strasse zur Stein’schen Gruft in Frücht. Also an der Strasse entlang – es war nicht besonders viel Verkehr. Schon bald in Frücht angekommen, es müssen von dem Parkplatz so ca. 3 km sein. Die Gruft des Freiherrn vom und zum Stein liegt direkt neben der Pfarrkirche aus dem 13. Jhdt.
Am Ortsausgang von Frücht geht es nach links und schon bald durch eine wildromantische Klamm in Richtung Lahnstein – Kurgebiet. Die Hochhäuser am Kurpark von Lahnstein sind weithin sichtbar – und auch, wenn man näherkommt, werden sie nicht schöner, sondern gewinnen ganz im Gegenteil an Hässlichkeit.
Kurz vor dem Kurgebiet kommt der Lahn-Camino an einem weiteren Parkplatz aus dem Wald. Hier trifft der Lahnhöhenweg auf den Rheinsteig und der Fussgängerverkehr wird dichter. Ja, man kann wirklich von „Verkehr“ sprechen. Mir sind die verkniffen blickenden Wanderer aufgefallen.
An den Hochhäuser und Terrassenbauten des Kurgebietes vorbei führt der Weg bis Burg Lahneck.

5. Etappe Obernhof – Bad Ems 18 km

5. Etappe Obernhof – Nassau/Lahn (90 m) – Dausenau – Bad Ems (100 m) 18 km
Schwierigkeitsgrad: leicht
Besichtigungen: Nassau, Dausenau, Bad Ems
Zeitbedarf: ca. 4 Stunden (bei 4 km/Stunde) zzgl. Pausen und Besichtigungen
Tagesmotto: „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe!“ (1 Kor 13, 13)
Lahn-Camino
Ich hoffe, Sie konnten sich in der letzten Nacht wieder gut erholen und haben gut geschlafen. Dennoch ist die heutige Tagesetappe kürzer und bequemer als der gestrige Tag. Wir verlassen den Lahnhöherweg auf der Taunusseite (linke Lahnseite) und wechseln in Nassau auf den Höhenweg der Westerwaldseite, um der Jakobsmuschel in Dausenau einen Besuch abstatten zu können.
Zunächst gehen Sie aus dem Ort wieder in Richtung Kloster Arnstein. Wenn es gestern mit der Besichtigung und mit einem Gebet in der Wallfahrtskirche nicht mehr geklappt hat, bietet sich jetzt die Gelegenheit dazu. Im Kloster befindet sich übrigends heute eine Jugendbildungsstätte – es handelt sich um ein Selbstversorgerhaus, die personelle Ausstattung erlaubt es dem Konvent nicht mehr, einen Komplett-Service anzubieten.
Gegenüber dem Hoftor führt der Lahn-Camino auf einem asphaltierten Fahrweg über oberhalb der Lahn sanft nach unten. Bitte folgen Sie nicht der Beschilderung des Lahnhöhenweges, dieser macht einen weiten Boden in den Taunus hinein in Richtung Singhofen, um dann nach rund 8 km in Nassau wieder auf die Lahn zu treffen. Folgen Sie hier dem liegendem Andreaskreuz des Europäischen Fernwanderweges E1. Auf der anderen Lahnseite können Sie jetzt das über 750 Jahre alte Wasserschloss Langenau erkennen. Wenn Sie aus dem Wald treten, können Sie schon bald den nassauer Kirchturm und wenig später rechter Hand auf dem Felsen die Nassauer Burg erkennen.
Im Ort gibt es viele Wegweiser zur Burg, die hoch über der Lahn liegt.
Nassau
Allgemeines: Nassau, im Bundesland Hessen und im Rhein-Lahn-Kreis. Die Einwohnerzahl belief sich am 30.06.2006 auf 4.899.
Anlaufstellen: Pfarrbüro Kath. Pfarramt St. Bonifatius, Emser Str. 18, Telefon 02604-942212, eMail st.bonifatius.nassau@t-online.de, Evangelische Kirchengemeinde, Bahnhofstr. 14, Telefon 02604-1820, eMail ev.kirchengemeinde.nassau@ekhn-net.de, Tourist-Information Nassauer Land e.V., Günter-Leifheit-Kulturhaus, Oberstrasse 9a, Nassau, Telefon 02604-951991, eMail info@nassau-touristik.de
Übernachtung:  Campingplatz „Auf der Au“, Telefon 02604-4442, www.camping-nassau.de, Privatpension Kreidel, Ackerweg 6,Telefon 02604-5750,Ü/F im Doppelzimmer 17 Euro
Geschichte: Nassau liegt heute an der deutsch-niederländischen Oranier-Ferienstrasse, und das hat seinen besonderen Grund. Im Jahr 915 wurde ein Gutshof erstmals urkundlich erwähnt, der dem Bischof von Worms gehörte. 1348 erhielt der sich entwickelnde Ort von Kaiser Karl IV. Stadtrechte. Die Burg über der Stadt wird erstmals 1093 im Zusammenhang mit Dudo von Laurenburg erwähnt (siehe auch „Laurenburg“), diese Stiftsurkunde des Klosters Maria Laach gilt aber als Fälschung. Gesichert ist der Bestand der Burg um das Jahr 1100. Die Söhne von Dudo nahmen den Burgberg und -turm 1120 in Besitz und begannen die Umgestaltung im Jahr 1124. Nach Streitigkeiten mit dem Bischof von Worms wurden die Laurenburger vom Trierer Erzbischof mit der Burg und dem Land belehnt, sie nannten sich fortan Grafen von Nassau – das Stammhaus der niederländischen und luxemburgischen Herrscherfamilien war geboren. Zwischen 1220 und 1230 wurde der Palas im spätromanischen Stil erbaut, im 14. Jhdt. dann der heute noch erhaltene, 33 m hohe Bergfried. Als gegen Ende des Mittelalters die Burg als Wohnsitz aufgegeben wurde, verfiel sie zusehends. Ein Merian-Stich aus dem 17. Jhdt. zeigt zwar noch einen intakten Palas und Bergfried, aber bei Restaurierungsarbeiten um 1970 waren nur noch Ruinen vorhanden. Den Bergfried können Sie kostenlos besichtigen, im Palasgebäude befindet sich ein Restaurant. Die Internet-Seiten des Restaurants geben die nassauer Familiengeschichte sehr detailliert wieder und lohnen einen Besuch www.burg-nassau.de.
In Nassau wurde 1747 der Staatsmann und Reformer Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein geboren. Er wuchs im Schloss der Familie,dem Stein’schen Hof, in der Innenstadt von Nassau gelegen auf. DerStein’sche Hof befindet sich noch heute im Besitz der Nachkommen, den Grafen von Kanitz. Die berühmte Nassauer Denkschrift nach Forderung der Selbstverwaltung von Provinzen, Kreisen und Gemeinden in Preußen beeinflusst noch heute unsere Verwaltung. Freiherr vom und zum Stein sah sich selbst als Deutscher. Sein Grab ist in der Familiengruft in Frücht,durch das unsere nächste Tagesetappe führt.
Lahn-Camino
Um zum Stein’schen Hof zu gelangen, mussten wir über die Brücke auf die rechte Seite der Lahn. Hier treffen Sie auf den Lahnhöhenweg der Westerwaldseite, bezeichnet mit einem scharzen L. In Richtung Krankenhaus und Schützenhäuser führt Sie der Weg auf die Westerwaldhöhen durch die Stadt in Richtung Dausenau. Nach einigen schönen Aussichtsplätzen kommen Sie beim Schieferturm in den Ort Dausenau hinein.
Beidseitig eines kleinen Nebenbaches der Lahn hat sich der 1234 erstmalig erwähnte Ort gebildet. Der alte Ortkern ist noch von einer weitgehend intakten,mittelalterlichen Ringmauer umgeben. Sehenswert sind die beiden noch erhaltenen Türme der Stadtbefestigung, der Tortum und der Schiefe Turm. Dieser neigte sich im 19. und 20. Jhdt. und musste schliesslich 1950 um ca. 7,50 m abgebrochen werden. Von weiteren 5 Türmen sind nur noch die Stümpfe erhalten. Direkt neben dem Torturm sehen Sie die 1100 Jahre alte Gerichtseiche des Ortes.
Der Grund für unseren Abstecher vom Lahn-Camino ist jedoch die St. Kastor-Kirche. Der romanische Turm wurde im Jahr 1179, die frühgotische Hallenkirche mit drei Schiffen, Staffel und Empore entstand in den 20er Jahren des 14. Jhdts. Die Wandmalereien, 1902 rekonstruiert, stammen aus dem 14.und 16. Jhdt. Sie stellen die Leidensgeschichte Jesu und die Apostel dar. St. Jakobus ist noch nicht als Pilger mit Hut, Stab und Jakobsmuschel dargestellt, sondern noch in seiner ursprünglichen Gestalt, mit Buch (Evangelium) und die linke Hand auf das Schwert gestützt. Im Jahre 44 wurde Jakobus der Ältere im Heiligen Land mit dem Schwedrt hingerichtet. Er soll nach der Missionierung Spaniens dahin zurückgekehrt sein. Der Flügelaltar aus der Zeit um 1500 ist ein besonderes Kleinod. Er zeigt Patrone und Tafelbilder aus dem Marienleben. Im linken Kirchenschiff entdecken Sie eine unscheinbare Vitrine. Sie enthält Gegenstände, die bei Ausgrabungen im Jahr 1991 in der Kirche gefunden wurden. Unter anderem auch Teile einer Jakobsmuschel, die darauf schliessen lassen, dass sich ein Pilger im 14. oder 15. Jhdt. auf den beschwerlichen Weg von Dausenau nach Santiago de Compostela gemacht hat und wohlbehalten mit der Jakobsmuschel zurückkehrte. Diesem unbekannten Pilger war die Muschel so wichtig, dass sie ihm mit ins Grab gegeben wurde. Die Besichtigung der evangelischen St. Kastor-Kirche ist von Ostern bis zum Erntedankfest jeweils sonntags von 14 – 17 Uhr möglich. Ausserhalb dieser Zeiten rufen Sie bitte 02603-6256 an oder senden Sie eine eMail an ugschdausenau@aol.com.
Von Dausenau ist es nicht mehr weit bis zum Ziel unserer heutigen Tagesetappe, Bad Ems. Der Weg führt noch einmal hinauf Richtung Höhenhaus und Concordiaturm, von wo sich ein schöner Blick auf die Stadt bietet. Dann geht der Weg hinunter in die Stadt Bad Ems.
Bad Ems
Allgemeines: Verbandsgemeinde Bad Ems, im Bundesland Hessen und im Rhein-Lahn-Kreis. Die Einwohnerzahl belief sich am 30.06.2006 auf 9.452.
Anlaufstellen: Pfarrbüro Kath. Pfarramt St. Martin, Gartenstr. 4, Telefon 02603-2573, eMail kath.pfarramt.ems@onlinehome.de, Evangelische Kirchengemeinde, Kirchgasse 15-17, Telefon 02603-50126, eMail evkirchebadems@web.de, Tourist-Information, Bahnhofplatz, Telefon 02603-9415-0, eMail info@bad-ems.info
Übernachtung:  Jugendherberge,Alte Kemmenauer Str. 41, Telefon 02603-2680, eMail bad-ems@diejugendherbergen.de, Ü/F ab 17 Euro, Campingplatz Obere Lahnstrasse, Telefon 02603-2679, Pension Haus Rheingau, Fam.Cajan, Bahnhofstr. 4, Telefon 02603-4481, Ü/F im Doppelzimmer Euro 15-20 p.P.
Geschichte: Bad Ems wurde 880 erstmalig urkundlich erwähnt und erhielt im Jahr 1324 die Stadtrechte. Im Stadtbereich befand sich ein römische Kastel, von dem jedoch keine Spuren mehr erhalten sind. Ringsum, in den Wäldern um Bad Ems, finden sich jedoch noch zahlreiche Relikte aus römischer Zeit.
Im 17.und 18. Jhdt. entwickelte sich die Stadt Ems zu einem der berühmtesten deutschen Kur- und Badeorte. Die Blütezeit erlebte Ems im 19.Jhdt. – die Stadt wurde zum Weltbad und zur Sommeresidenz zahlreicher europäischer Monarchen und Künstler, darunter in erster Linie Kaiser Wilhelm I., die Zaren Nikolaus I. und Alexander II., Richard Wagner, Wassili Wereschtschagin, Fjodor Michailowitsch Dostojewski und vielen anderen. Im Mainzer Haus auf der linken Lahnseite tagte 1786 der Emser Kongreß.
Die Emser Depesche ging in die Geschichtsbücher als einer der Auslöser des deutsch-französischen Krieger von 1870/71 und damit auch der Kaiserkrönung Wilhelm I ein. Ganz kurz die Geschichte:
In Spanien wurde die korrupte Königin Isabella II. gestürzt, der Thron war vakant. Einer der aussichtsreichsten Kandidaten auf den spanischen Herschertitel war Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen. Jedoch wurde ihm die Krone erst dann angeboten, als schon drei andere Kandidaten auf Drängen Frankreichs abgelehnt hatten. Und so wollten die Franzosen auch nicht zulassen, dass ein  Hohenzoller auf den spanischen Thron kam. Die drohende Umklammerung durch die Preußen bereitete ihnen schlaflose Nächte. Otto von Bismarck, als preußischer Ministerpräsident, förderte die Thronbesteigung Prinz Leopolds nach Kräften, hatte er doch schon früher die Absetzung des Hauses Boubon mit Napoleon III an der Spitze in Frankreich gefordert. Obwohl Wilhelm I. von Preußen nicht viel von der ganzen Sache wissen wollte und sie als Privatsache Leopolds abtat, stimmte er doch dem Plan zu und die Wahlversammlung der Comtes in Spanien wurde auf den 20.Juli 1870 festgelegt. Dies brachte die französische Regierung, allen voran der neu ernannte Aussenminister Herzog de Gramont (als antipreußisch geltend) in Zugzwang. Obwohl Napoleon III durch die Möglichkeit gehabt hätte, die Sache diplomatisch geschickt von König zu König aus der Welt zu räumen,bevorzugte Herzog de Gramont den Frontalangriff. Er suchte mit antipreußischen Erklärungen die Öffentlichkeit. In scharfem Ton erklärte er den europäischen Hauptstädten und dem Cahmbrfe ligislativ in Paris, dass Frankreich diese Entwicklung nicht hinnehmen und ohne zu Zögern seiner Pflicht nachkommen werde. Dies war eine kaum verhüllte Kriegserklärung. König Wilhelm I. machte aber trotzdem seinen Einfluss geltend und der Prinz Leopold verzichtete am 12.Juli auf die Königskrone. Dies war de Gramont jedoch nicht genug, vielmehr verlangte er nun von Wilhelm I. einen endgültigen Verzicht des Hauses Hohenzollern auf den spanischen Thron und übermittelte dem französischen Botschafter Benedetti seine Forderung.
König Wilhelm I. weilte zur Kur in Ems,als Benedetti am Morgen des 13. Juli versuchte, eine Audienz zu erhalten. Wilhelm I.befand sich auf seinem Morgenspaziergang und der Botschafter suchte ihn auf der Kurpromenade an der Lahn auf. Die erneute Forderung der Franzosen lehnte der preußische König kategorisch ab und gab nach einem weiteren Audienzersuchen Benedettis kund, dass er sein letztes Wort in der Angelegenheit gesprochen hatte.
Am Abend wurde Bismarck von einem engen Mitarbeiter über die Ereignisse informiert, und mit dieser eigentlichen Emser Depesche ist auch Bismarcks Version in die Geschichtsbücher eingegangen. Bismarck redigierte und kürzte den Bericht nämlich gewaltig, so dass der Eindruck entstehen konnte, weitere diplomatische Kontakte seien vom König abgelehnt worden. Bevor Bismarck seine redigierte Fassung an die Presse gab,erkundigte er sich noch nach dem Stand der Rüstung. Noch am 13. Juli wurde die Emser Depesche in einer Sondernummer der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung verbreitet. 5 Tage später, am 19. Juli, erfolgte die von Bismarck erhoffte Kriegserklärung Frankreichs an Preußen.
Weit weniger bedeutend, aber für die Betroffenen nicht weniger schrecklich, war 1876 die Unterzeichnung des Emser Erlasses durch Zar Alexander II im Haus 4 Türme. Dieser Erlass verbot den Gebrauch der ukrainischen Sprache bei Strafe.
Im 19. und 20. Jhdt. wurde die heutige Kurstadt auch durch den Bergbau geprägt. Schon seit der römischen Zeit waren Vorkommen von Blei, Silber, Zink und Kupfer bekannt, die bis ins Mittelalter hinein im Tagebau abgebaut wurden. Im Laufe der Zeit ging der Abbau dann im Untertagebau vor sich. Während der Industrialisierung wurde der Abbau durch die Emser Blei- und Silberwerk AG vorangetrieben. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Förderung nicht wieder aufgenommen.
Sehenswerte Gebäude in Bad Ems: Kurhaus und barockes Badeschloß, die Brunnenhalle, das Kursaalgebäude mit Marmorsaal (heute Sitz der Bad Emser Spielbank), die Malberbahn und die Kurwaldbahn zum Bismarckturm, die neugotische, katholische St. Martinskirche, gebaut 1866 bis 1882, darin eine Sandnerorgel aus dem Jahr 1995, die evangelische Martinskirche aus einer ursprünglich romanischen Basilika, die evangelische Kaiser-Wilhelm-Kirche imneo-romanischen Stil, die russisch-orthodoxe Kirche aus demJahr 1876, der Quellenturm aus dem Jahr 1907, der Limeswsehrturm, das Künstlerhaus Schloß Balmoral, der Bismarckturm, der Concordiaturm (an dem Sie auf demWeg in die Stadt vorbeigekommen sind), das Glockenspiel amalten RFathaus und das Kaiser Wilhelm Denkmal im Kurpark.

Es geht uns besch…

Mensch, geht es uns schlecht. Selbst heute, nach einem Ruhetag, fällt das Laufen immer noch schwer. Hüftabwärts tut alles weh. Dabei sind wir doch gar nicht so untrainiert! Gabi rennt den ganzen Tag durchs Haus und räumt hier und da, ich gehe regelmässig stundenlang mit den Hunden durch den Wald und in die Stadt. Aber der 1. Tag hat selbst den Kaiser geschafft. Der bewegt sich sowieso möglichst wenig, seit vorgestern liegt er nur noch in einer Ecke herum und rührt sich möglichst nicht von der Stelle. Gerade hat er sich sogar im Garten an den Zaun gelegt. Das hat er vorher noch nie getan. Es scheint, als ob unsere täglichen Spaziergänge und Aktivitäten bei weitem nicht mit einer 26 km Wanderung zu vergleichen sind. Nur die Kleine, unsere Feny, ist nach einer Nacht wieder topfit und hat vom Kaiser die Bewachung von Haus und Garten übernommen. Ein eingespieltes Team halt.
Gestern fragte Gabi mich: „Wie definierst Du denn ‚Pilgern‘?“. Ich stutzte einen Moment und gab dann zur Antwort: „Pilgern für mich ist Suchen, Finden und Ankommen!“ Das heisst, das alte Pilgermotto „Der Weg ist das Ziel“ hat für mich, zumindest jetzt, am Beginn, eigentlich keine Bedeutung. Ich will Ankommen, dabei spielt das Ziel nicht DIE Rolle. Statt Santiago de Compostela auf dem Jakobsweg könnte das Ziel auch Rom, Kevelaer, Mariazell oder Canterbury heissen. Am Jakobsweg reizen mich die alten, historischen Pilgerwege, auf denen schon hundertausende Pilger als Suchende unterwegs waren. Auch der europäische Gedanke, durch 4 Länder zu wandern, ist reizvoll. Und Deutschland und Österreich kenne ich ganz gut – in Frankreich war ich ausser im Elsass und in der Bretagne mit dem Auto noch nicht. Schlussendlich ist Spanien für meine eigene Reisekarte ein fast gänzlich weisser Fleck. Das reizt mich am Jakobsweg. Und dazu die Dinge, die ich kennenlernen und sehen werde – Dinge, die bei einer Fahrrad- oder Autowanderung und erst Recht nicht bei einer Flugreise, ins eigene Blickfeld geraten würden. Und last but not least die körperliche und geistige Fitness, die das Wandern automatisch mit sich bringen wird.
Ein Beispiel dazu: Vorgestern mussten wir, um den Bahnhof in Villmar zu erreichen, den Camino verlassen. Wir fragten nach dem Weg und eine nette Dame zeigte uns einen reinen Fussweg hinunter zur Lahn. Nur so konnten wir unterhalb der Villmarer Stadtbefestigung laufen und nur so konnte das Foto davon entstehen.
Der Weg zum Ziel ist aber noch viel, viel mehr, als nur unsere Wanderetappen. Wir beschäftigen uns täglich, stündlich mit unserem Weg. Klar, im Moment nimmt die Planung sehr viel Zeit ein. Die richtige Ausrüstung zum Beispiel. Gabi sucht immer noch ihre Wanderschuhe, die beim letzten Umzug in einer Umzugskiste verschollen sind und jetzt irgendwo in den zwei überfüllten Kellerräumen lagern. An meiner Outdoorjacke ist der Reissverschluss kaputt, ich kann sie nur zuknöpfen. Klar, diese Dinge nehmen im Moment viel Raum ein. (Gabi behandelt gerade ihre Blasen und wundert sich, dass ich nicht eine einzige habe.)
Ein weiteres Beispiel ist die Beschäftigung mit den Jakobswegen und die Suche nach dem „richtigen“ Weg. Auch dafür geht viel Zeit drauf. Ich weiss seit vorgestern, dass ich irgendwann -vielleicht nicht im kommenden Jahr, sondern erst in 2008 oder 2009- in Santiago de Compostela ankommen werde. Und ich plane jetzt schon über Lahnstein hinaus. Die Karte der alten Jakobswege auf Wikipedia gibt den Weg grob vor. Wir werden über Trier die Strecke über Paris und Chartres (weil ich da immer schon einmal hinwollte) wählen. Aber dort ist eine Abkürzung auf dem Weg Köln – Mainz nach Trier eingezeichnet, die ich beim besten Willen im Internet nicht beschrieben finden kann. Nach einigen Stunden (zum Glück habe ich zwischen den Jahren die Zeit) habe ich dann „entschieden“, dass es sich um den Moselhöhenweg handeln muss. Irgendwann während meiner Recherche stiess ich auf einen Klaus, der einer anderen Jakobspilgerin auf eine Frage nach dem „richtigen Weg“ die Antwort gab: „Wenn Du nach Santiago de Compostela willst, ist jeder Weg, den Du gehst, ein Jakobsweg!“ Er hat Recht, unser Weg, der Lahn-Camino und alle weiteren Wege, ist ein Jakobsweg, weil er zum Grab des Heiligen Jakobus führt.
Warum dann aber einen historischen Weg gehen? Weil hunderttausende Pilger den Weg seit rund 1.000 Jahren gegangen sind, alle mit nur einem Ziel. Das ist wie das Gefühl bei einem Katholikentag oder dem Papstbesuch. Ein Gemeinschaftsgefühl, eine Euphorie – Tausende tun das Gleiche zur gleichen Zeit. Oder während einer heiligen Messe. In den letzten Jahren habe ich mich schon ein gutes Stückweit von der katholischen Amtskirche und von der Gemeinde entfernt. Wenn ich einen Gottesdienst besuche oder im Fernsehen beim Zappen hängenbleibe, betrachte ich das Ritual aus einiger Distanz und versuche so manches mal mir vorzustellen, wie ein Moslem, ein Buddhist oder Hinduist eine heilige Messe wahrnimmt. Dann aber löse ich mich von diesem feierlichen Ritual, besinne mich auf die Basis und oft kommen mir Jesu Worte: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen!“ in den Sinn. Und ich denke daran, dass Millionen Menschen in Deutschland, Europa und auf der ganzen Erde genau zu diesem Zeitpunkt das Gleiche tun: sie versammeln sich und feiern die heilige Messe. Darum habe ich keinen Strich auf eine Wanderkarte von Weilburg nach Santiago de Compostela gemacht und versuche nicht, an diesem Strich entlang möglichst schnell am Ziel anzulangen. Deshalb möchte ich mit den Hundertausenden zusammen auf dem Jakobsweg pilgern.
Die nächste Etappe haben wir für nächste Woche festgelegt. Gabi will erst ihre Blasen auskurieren und, wie gesagt, ihre Wanderschuhe finden. Mir geht das jetzt schon zu langsam – aber sicher werden auch Zeiten kommen, in denen ich bremsen werde. Mal sehen, der Weg wird es zeigen.
Die Etappe ist kürzer, und von der Karte her gesehen auch leichter. Von Villmar bis nach Diez, über Runkel und Limburg, sind es nur 23 km. Das schaffen wir locker – und die Hunde auch.

Weilburger Wanderwege – Kirschhofen K2 – Netter Abendspaziergang mit Ausblick

Weilburg-Kirschhofen K2 - Netter Abendspaziergang mit Ausblick

Weilburg-Kirschhofen K2 – Netter Abendspaziergang mit Ausblick

Malerisch liegt der Weilburger Stadtteil Kirschhofen am Bogen, den die Lahn hier macht. Der Ort selbst hat ein paar schöne, alte Fachwerkhäuser und ganz viel Natur und Landschaft zu bieten. „Kyrchschyrben“ heisst der Ort in einer Urkunde aus dem Jahr 1363. Was übrigens nicht bedeutet, dass Kirschhofen nicht viel älter ist. Die Lage an der Lahn könnte durchaus dafür sprechen, dass der Ort schon früher besiedelt war. Interessant ist die Verbindung zum gegenüberliegenden Weilburger Stadtteil Odersbach. Eine Fußgängerbrücke führt über die Lahn und die Gemarkung Scheuernberger Kopf auf der rechten Lahnseite gehört zu Kirschhofen. Heute (30.06.2011) leben 744 Einwohner in Kirschhofen.

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