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Schlagwort: Seniorenblatt

Notfallseelsorge – Krisenintervention im Landkreis Limburg-Weilburg

Alois Heun hat jüngst den Landesehrenbrief durch Helmut Jung, Erster Beigeordneter im Landkreis Limburg-Weilburg, erhalten

Alois Heun hat jüngst den Landesehrenbrief durch Helmut Jung, Erster Beigeordneter im Landkreis Limburg-Weilburg, erhalten

(Weilburg, im Mai 2018, KS) Es ist kalt an diesem 22. April 2017. Im gesamten Kreisgebiet Limburg-Weilburg ist der Strom ausgefallen, viele Menschen sitzen in ihren kalten Häusern. Glücklich, wer jetzt noch ein analoges Telefon besitzt. Aber die Telefonleitungen zur Rettungsleitstelle in Limburg sind mit den Anfragen besorgter Bürger überlastet. Da erreicht eine weitere Schreckensnachricht die Mitarbeiter: In Hünfelden-Dauborn brennt die Schule. Feuerwehr-Einsatzkräfte aus dem gesamten Südkreis werden alarmiert und nach Dauborn zur Brandbekämpfung beordert. Sie erwartet ein Schreckensbild. Überall verletzte Schüler und Lehrer. Blutüberströmt laufen sie verwirrt am Einsatzort umher, liegen noch im brennenden Schulgebäude oder auf den Rasenflächen vor der Schule. Überall Schmerzensschreie oder Stöhnen. Eltern und Großeltern rufen nach ihren Kindern und Enkeln. Es ist schwer, einen Überblick zu behalten und die aufgeregten Menschen vom Gefahrenherd wegzuhalten. Der Katastrophenschutz wird alarmiert. Die Sanitäter der Rettungsdienste sollen sich um die vielen Verletzten kümmern und in die umliegenden Krankhäuser transportieren. Neben unzähligen Feuerwehr-Einsatzfahrzeugen fahren Krankenwagen, Rettungs- und Notarztwagen mit Blaulicht und Martinshorn durch den Ort, übernehmen erstversorgte Verletzte und fahren gleich weiter. Das THW wird beauftragt, eine Infrastruktur mit Strom- und Wasserversorgung vor Ort aufzubauen. In ausreichendem Abstand zum Katastrophenort werden Zelte zur Versorgung der Verletzten und zur Betreuung von Leichtverletzten und Angehörigen errichtet.

Mit dabei und unermüdlich unterstützend tätig sind die ehrenamtlichen Helfer der Notfallseelsorge Limburg-Weilburg. Auch sie wurden routinemäßig durch die Limburger Rettungsleitstelle alarmiert und sind mit vor Ort. Sie kümmern sich in erster Linie um Angehörige, die in großer Sorge um Kinder, Enkel, Partner oder Einsatzkräfte sind. Auch Verletzte, die auf den Abtransport warten oder Leichtverletzte, die auf ihre Abholer warten, finden in den Mitarbeitern der Notfallseelsorge einen geduldigen Gesprächspartner. „Zuhören, da sein, uns selber zurücknehmen, auch wenn es schwer fällt, das ist unsere vordringliche und schwierige Aufgabe in einem solchen Szenario,“ sagt Alois Heun, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Notfallseelsorge Limburg-Weilburg. Jüngst wurden er und die Schriftführerin des Vereins, Manuela Schäfer, mit dem Landesehrenbrief ausgezeichnet.

Natürlich, bei dem oben beschriebenen Szenario handelt es sich um die große Katastrophenschutzübung für den Südkreis und die täuschend echt geschminkten Komparsen sind nicht wirklich verwirrt oder traumatisiert, sondern finden sich in die ihnen zugewiesenen Rollen ein. Manche vielleicht ein wenig zu gut. Denn während vor einem Zelt Freiübungen zum Aufwärmen gemacht werden, führen an anderer Stelle die Mitarbeiter der Notfallseelsorge Gespräche mit Betroffenen.

„Anlass zur Gründung der Notfallseelsorge im Jahr 1996 war der tödliche Unfall eines Rettungsassistenten,“ berichtet Alois Heun. „Seine Kollegen waren wie vor den Kopf geschlagen, es wurde nach Wegen gesucht, diesen Schock, diesen Verlust zu verarbeiten. In Wiesbaden war kurz vorher die Notfallseelsorge (heute SIN Wiesbaden) gegründet worden. Und so nutzten die Initiatoren Pfarrer Sponholz und Rettungsassistent Schienbein die dortigen Erfahrungen, um in Zukunft den Gesprächsbedarf in solchen Situationen koordinieren zu können.“ Schnell wird jedoch klar, dass die Einsatzgründe viel umfangreicher und vielfältiger sind, als angedacht. Heute wird die Notfallseelsorge von der Rettungsleitstelle in Limburg immer routinemäßig mit alarmiert, wenn Betroffene, Angehörige oder Einsatzkräfte Gesprächsbedarf haben könnten. Das kann ein Szenario wie bei der großen Katastrophenschutzübung sein, oder eine Situation, in die jede und jeder von uns jeden Tag geraten kann:

·         Bei Verkehrsunfällen zur Betreuung von Betroffenen an der Unfallstelle

·         Bei der Überbringung von Todesnachrichten zur Unterstützung der Polizei

·         Bei Unfällen mit Kindern oder plötzlichem Kindstod

·         Bei Suizidversuchen zur akuten Betreuung und Betreuung der Angehörigen

·         Bei plötzlichem Tod im häuslichen Bereich

·         Bei Haus- und Wohnungsbränden

Im Jahr 2017 waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Notfallseelsorge dafür an 2692 Stunden im Einsatz und legten dabei mit ihren privaten PKW 28.365 Kilometer zurück. In 146 Einsätzen haben 26 ehrenamtliche Mitarbeiter 541 Menschen betreut. Die Bandbreite reicht dabei vom Gespräch mit den Begleitern eines vermissten Paddlers auf der Lahn (der bald wohlbehalten wieder auftauchte) bis hin zu zwei tödlichen Verkehrsunfällen, bei denen Angehörige und Ersthelfer betreut wurden.

Für alle diese vielfältigen Aufgaben stehen 24 Stunden rund um die Uhr, an allen sieben Tagen der Woche immer zwei Notfallseelsorger bereit. Wenn diese zwei Kräfte nicht ausreichen, können weitere Kolleginnen und Kollegen nachalarmiert werden. So ist sicher gestellt, dass die Notfallseelsorge auf jede erdenkliche Situation reagieren kann.

„Auch bei uns gelten die Regeln der Demographie,“ sagt Alois Heun im Gespräch. „Die Notfallseelsorge Limburg-Weilburg wird im Durchschnitt immer älter und wir suchen ständig Menschen mit Lebenserfahrung, die uns aktiv unterstützen können. Mehr als 200 Menschen unterstützen uns durch ihre Mitgliedschaft im Verein mit jährlich 20 Euro, auf die sind wir genau wie auf die Spenden angewiesen. Institutionen und Firmen zahlen übrigens 100 Euro jährlich. Doch das aktive Notfallseelsorger-Team hat unter 30 Mitglieder. Eine regelmäßige Teilnahme an monatlichen Gesprächsabenden (unsere Supervision für die Einsatzkräfte) und der ebenfalls monatlichen Dienstabenden ist Voraussetzungen. Dann lassen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die Malteser eine Grund- und Aufbauschulung durchlaufen. Daran schließt eine Ausbildung in Prävention und Einsatznachsorge (CISM) an. Darauf folgt noch einmal eine externe Ausbildung in Critical Incident Stress Management (CISM). Das ist aufwendig, hat sich bewehrt. Alle Ausbildungen werden zertifiziert.“

Wenn Sie die Arbeit der Notfallseelsorge Limburg-Weilburg unterstützen möchten, dann werden Sie doch Mitglied. Einen Mitgliedsantrag zum Ausdrucken finden Sie unter https://www.notfallseelsorge-limburg-weilburg.de (Aktuelles, Downloads).

Kult(o)ur in Weilburg – Bergbau- und Stadtmuseum

Wechselnde Ausstellungen finden sich im Kleinen Kabinett, hier zum Beispiel Gemälde von Yuriy Ivashkevich (Foto: KS)

Wechselnde Ausstellungen finden sich im Kleinen Kabinett, hier zum Beispiel Gemälde von Yuriy Ivashkevich (Foto: KS)

(Weilburg, im April 2018, KS) Schlosskonzerte, Alte Musik im Schloss, Modell-Baumaschinenmuseum, Schlossmuseum, Villa Rosenhang, Brunnenkonzerte, Modellbaupark, Heimatmuseen in verschiedenen Stadtteilen, eine als Gesamtheit denkmalgeschützte Altstadt, regelmäßige Literaturveranstaltungen von Residenzbuchhandlung und Café Ententeich, Bergbau- und Stadtmuseum – Weilburg hat kulturell vieles zu bieten.

Wann sind Sie eigentlich das letzte Mal im Bergbau- und Stadtmuseum gewesen? Natürlich gehen Sie regelmäßig in das gar nicht so kleine Museum am Schlossplatz – zumindest, wenn Sie zu den mehr als 200 Mitgliedern des Museumsvereins gehören. Alle anderen Weilburger schaffen es nicht ganz so regelmäßig. Ich merke es ja an mir selber. Ich bin mal dagewesen, vor langer Zeit. Ganz interessant dort. Seitdem besuche ich höchstens mal eine Ausstellungseröffnung im Kleinen Kabinett.

Das prächtige Goldene Buch der Stadt Weilburg liegt gleich am Eingang zum Stadtmuseum

Das prächtige Goldene Buch der Stadt Weilburg liegt gleich am Eingang zum Stadtmuseum

Womit wir gleich beim ersten Thema wären, den wechselnden Kunstausstellungen im Kleinen Kabinett, gleich links vom Eingang. Bis Ende April wurde dort zum Beispiel eine Ausstellung mit Werken von Yuriy Ivashkevich gezeigt. Der im Jahr 2017 mit dem Weilburger Kunstpreis ausgezeichnete Künstler stammt aus Kasachstan und lebt heute in Kelkheim. Seine Bilder sind wie Poesie. Er komponiert das Farbenspiel bis es in sich stimmig erscheint. Sie überzeugen mit leuchtender Farbenpracht, technischer Finessen und kontemplativer Gedanken. Zur Zeit feiern Künstler aus der französischen Partnerstadt Privas und aus Weilburg gemeinsam das 50jährige Bestehen der Partnerschaft. Die Ausstellung ist noch bis zum 24. Juni zu sehen.

Holger Redling, seit 2013 Leiter des Bergbau- und Stadtmuseums, begleitet mich durch das altehrwürdige Gebäude. Ursprünglich war hier einmal die nassauisch-weilburgische Regierung untergebracht. „Erst nach und nach konnten Heizung und doppelte Fenster eingebaut werden,“ erzählt der Museumsleiter, „früher gelang es nicht, die Temperatur im Winter auf über 16 Grad zu bekommen.“

Weilburg in der Topographia Germaniae, dem 16bändigen Hauptwerk von Matthäus Merian

Weilburg in der Topographia Germaniae, dem 16bändigen Hauptwerk von Matthäus Merian

Gleich beim Betreten des Stadtmuseums fällt das Goldene Buch der Stadt Weilburg auf. In Leder gebunden macht es einen imposanten Eindruck. Den berühmten Merian-Stich mit einer Lahn, die in die falsche Richtung fließt, kennt wohl jeder Weilburger. Aber wussten Sie auch, dass Weilburg eine Gesamtausgabe der berühmten Merian-Stiche besitzt? Oder, dass Weilburg ein Zentrum früher Luftfahrt gewesen ist? Nicht nur, dass die Überreste eines in Weilburg gestrandeten Zeppelins im Stadtmuseum ausgestellt sind, es finden sich auch die Fahnen der Luftfahrtpioniere Blanchard (Frankfurt – Weilburg, 1785) und Green (London – Weilburg, 1836) ausgestellt in Vitrinen. Die klassizistische Einrichtung der Apotheke zum Engel und viele, viele Exponate zur Geschichte der Nassau-Weilburger, die heute noch als Großherzöge die Geschicke Luxemburgs lenken, finden sich in den hellen Räumen.

Im ehemaligen Keller des Hauses, ergänzt durch die großen Remisen des Marstalles, befindet sich der Tiefe Stollen des Bergbaumuseums. Gestaltung und Exponate geben einen kleinen Einblick in die mühsame Arbeit der Bergleute. Die großen Maschinen funktionieren alle und werden bei Führungen präsentiert. Die Ausstellungsstücke stammen aus stillgelegten Gruben der näheren und weiteren Umgebung. Für Schulklassen ein absoluter Höhepunkt.

Die enge Bindung zwischen Luxemburg und Weilburg zeigt dieses wertvolle Geschenk an die Bürgergarde aus dem Jahr 1906. Es handelt sich um einen Silberhumpen mit allen Münzen, die in der Regierungszeit Herzog Adolph von Nassau geprägt wurden.

Die enge Bindung zwischen Luxemburg und Weilburg zeigt dieses wertvolle Geschenk an die Bürgergarde aus dem Jahr 1906. Es handelt sich um einen Silberhumpen mit allen Münzen, die in der Regierungszeit Herzog Adolph von Nassau geprägt wurden.

Das Bergbau- und Stadtmuseum ist in der Hauptsaison täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Von November bis März öffnet das Museum nur von Montag bis Freitag. Der Besuch kostet für Erwachsene 3,50 Euro, Kinder zahlen 2,50 Euro. Großeltern können mit ihren Enkeln eine Familienkarte für 8 Euro erwerben (2 Erwachsene, 2 verwandte Kinder). Neu ist die Kooperation mit dem Schloss, das Einzelticket kostet dann 7 Euro, für Kinder 4 Euro und die Familienkarte gibt es für 15 Euro.

Museumsleiter Holger Redling steht hier neben einem Dieselmotor, der auch heute noch einen Teil der Weilburger Stromversorgung übernehmen könnte. Er stammt aus der Engelmanns Mühle, leistet 150 PS und verbraucht 25 Liter Rohöl in der Stunde.

Museumsleiter Holger Redling steht hier neben einem Dieselmotor, der auch heute noch einen Teil der Weilburger Stromversorgung übernehmen könnte. Er stammt aus der Engelmanns Mühle, leistet 150 PS und verbraucht 25 Liter Rohöl in der Stunde.

Der Tiefe Stollen unterliegt bergbaurechtlichen Vorschriften. Eine davon besagt, dass es eine funktionierende Notstromversorgung gibt. Hier ein Blick in den modernen Generatorraum.

Der Tiefe Stollen unterliegt bergbaurechtlichen Vorschriften. Eine davon besagt, dass es eine funktionierende Notstromversorgung gibt. Hier ein Blick in den modernen Generatorraum.

Wuchtige und schwere Maschinen gehören zum Bestand des Bergbaumuseums. Hier zum Beispiel eine 6 Tonnen schwere Tongewinnungsmaschine aus dem Untertage-Tonabbau der Grube Birkenfeld bei Langendernbach.

Wuchtige und schwere Maschinen gehören zum Bestand des Bergbaumuseums. Hier zum Beispiel eine 6 Tonnen schwere Tongewinnungsmaschine aus dem Untertage-Tonabbau der Grube Birkenfeld bei Langendernbach.

Blick nach … Frankfurt – MMK 1 Soziale Fassaden

Martin Kippenberger, NO NATI, 1987 DekaBank Kunstsammlung, © Estate of Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Cologne, Foto/Photo: Wolfgang Günzel

Martin Kippenberger, NO NATI, 1987
DekaBank Kunstsammlung, © Estate of Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Cologne, Foto/Photo: Wolfgang Günzel

Ein Dialog der Sammlungen des MMK und der DekaBank vom 30. Mai bis 9. September 2018

(Weilburg, im Mai 2018, KS) Das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main eröffnet am 30. Mai die Ausstellung „Soziale Fassaden“. Bis zum 9. September können Besucherinnen und Besucher erstmals im MMK 1 einen Dialog der Sammlungen des MMK und der DekaBank sehen. Aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der Deka erhält das MMK vier Hauptwerke aus der Sammlung der Bank als Schenkung. Diese umfasst raumgreifende Installationen von Michael Elmgreen & Ingar Dragset, Michael Beutler und Tue Greenfort sowie eine Skulptur von Martin Kippenberger. Die Ausstellung „Soziale Fassaden“ zeigt darüber hinaus auch Arbeiten von Andy Hope 1930, Cerith Wyn Evans, Isa Genzken, Liam Gillick, Sarah Morris, Michael Pfrommer, Jeroen de Rijke/Willem de Rooij, Wilhelm Sasnal, Markus Sixay, Wolfgang Tillmans, Jonas Weichsel, Franz West und Heimo Zobernig.

MMK und Deka verbindet eine langjährige Partnerschaft beim Ausbau der Museumsammlung und als Gründungspartner des MMK 2. Neben ihrem Engagement für das MMK hat die DekaBank in den vergangenen 15 Jahren eine eigene Sammlung zeitgenössischer Kunst aufgebaut, in der sich vielschichtige Anknüpfungspunkte zur Sammlung des MMK finden. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler sind in beiden Sammlungen mit umfangreichen Werkgruppen vertreten. Im Zuge der großzügigen Schenkung gibt es erstmals eine Ausstellung, die beide Sammlungen auf diese Bezüge hin untersucht und in eine direkte Gegenüberstellung führt.

Michael Pfrommer, Ohne Titel, 2015 DekaBank Kunstsammlung, Courtesy of the artist and Philipp Pflug Contemporary, Frankfurt, Foto/Photo: Wolfgang Günzel

Michael Pfrommer, Ohne Titel, 2015
DekaBank Kunstsammlung, Courtesy of the artist and Philipp Pflug Contemporary, Frankfurt, Foto/Photo: Wolfgang Günzel

Der Titel der Ausstellung „Soziale Fassaden“ ist einer Arbeit von Isa Genzken aus der Sammlung der DekaBank entlehnt. Er steht darüber hinaus auch für oft idealisierte gesellschaftspolitische und soziale Konstruktionen, die in den Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler als Trugbilder enthüllt werden. In Zeiten eines tiefgreifenden Wandels, der mit grenzübergreifenden Problemen wie Umweltverschmutzung, neuen zivilisatorischen Herausforderungen durch Urbanisierung und überholten kulturellen Idealbildern einhergeht, stellt die Ausstellung Fragen nach dem künstlerischen Umgang mit diesen Phänomenen. Die präsentierten Arbeiten legen offen, was hinter der Fassade des schier grenzenlosen Fortschrittsgedankens der Globalisierung passiert. So deckt etwa die Künstlerin Sarah Morris in ihrem Film „Beijing“ (2008), der während der perfekt inszenierten Olympischen Spiele entstanden ist, die tiefgreifenden Veränderungen der chinesischen Gesellschaft auf, die sich seit der Öffnung des Landes gen Westen abzeichnen. Dabei entwirft sie ein feinfühliges Porträt eines neokapitalistischen Staates in einer Phase zwischen extremer Selbststilisierung und Kontrollsucht.

Der Eintritt ins MMK 1 kostet 12 Euro, ermäßigt 6 Euro. Geöffnet ist das MMK 1 Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 20 Uhr. Montags ist das MMK geschlossen.

Domstraße 10
60311 Frankfurt am Main
Telefon +49 69 212 30447
Fax +49 69 212 37882
E-Mail: mmk@stadt-frankfurt.de

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

Warum nicht einen Tag in Frankfurt mit dem RMV planen? Die Tageskarte (Hin und Zurück) mit Umstieg in Wetzlar oder Gießen und am Frankfurter HBF kostet 23,80 Euro. Sie sind etwa 2 Stunden unterwegs.

U-Bahnlinie: U4, U5, Haltestelle Dom / Römer
Straßenbahn: 11, 12, Haltestelle Römer / Paulskirche
S-Bahnen (S1–S6): Haltestelle Konstablerwache
Von den Haltstellen Dom / Römer (U-Bahn) oder Römer / Paulskirche (Straßenbahn) sind es nur noch 3 Minuten Fußweg zum MMK.

Mit dem Auto:
A5 > Abfahrt Westkreuz Frankfurt > B648 > Dom / Römer folgen
A3, A66 > Abfahrt Offenbach / Kaiserlei > Dom / Römer folgen

Parkmöglichkeiten:
Parkhaus Dom / Römer, Domstraße 1, 60311 Frankfurt am Main
Parkhaus Konstabler, Töngesgasse 8, 60311 Frankfurt am Main

Mein Odersbach – Spaziergang mit Heinz-Jürgen Deuster

Jürgen Deuster am Fenster des alten Rathauses von Odersbach

Jürgen Deuster am Fenster des alten Rathauses von Odersbach

„Und wenn Du den Artikel schreibst, dann nimm die Überschrift ‚Grüner Kuckuck in rotem Nest!‘“, sagte mir Jürgen Deuster gleich am Anfang unseres Gespräches. „Das war der Titel meines ersten Auftritts in der Karnevalsbütt.“

Damit war schon einmal das politische Statement für unser Gespräch klargemacht. Jürgen Deuster ist der einzige Ortsvorsteher in Weilburg mit einem grünen Parteibuch. Und dass nun gerade im roten Odersbach, in dem die SPD traditionell eine hohe Mehrheit der Stimmen erzielt.

Wir treffen uns im ehemaligen Rathaus, unten im Erdgeschoss ist die Freiwillige Feuerwehr untergebracht. Darüber ein Raum mit einem Schreibtisch und einer Kaffeemaschine. Das Büro des Ortsvorstehers, in dem auch die Sprechstunden stattfinden. „Ich habe hier zurzeit noch nicht einmal ein Telefon zur Verfügung,“ sagt Jürgen Deuster. Das ist ein technisches Hilfsmittel, das er erst einmal bei der Stadt beantragen musste. „Wenn ich telefonieren will oder muss bin ich auf den nicht besonders guten Empfang meines Handys angewiesen. Mit WLan und Internet werde ich vom Campingplatz aus mitversorgt. Aber das ist doch kein Zustand!“ Ja, das Büro versprüht den Charme längst vergangener Zeiten. Gemütlich ist anders. Dabei wünscht sich der Ortsvorsteher für das Büro ein wenig Gemütlichkeit. „Ich wünsche mir einen Platz, wo die Odersbacher einfach mal hingehen können, einen Kaffee trinken, einfach mal reden. Da erfahre ich wie von selbst, was die Odersbacher so umtreibt, höre ihre Geschichten.“ Deuster möchte den Dialog mit den Bürgern, möchte ihre Sorgen und Nöte, ihre Anregungen und Ideen sammeln und dann eines nach dem anderen umsetzen. „Gemeinschaft stärken,“ sagt Deuster, „damit könnte man meine Zeit als Ortsvorsteher überschreiben. So habe ich es mir vorgenommen. Und das geht am besten mit vielen Gesprächen und einem regelmäßigen Austausch.“

Ältestes Haus in Odersbach schmuck hergerichtet

Ältestes Haus in Odersbach schmuck hergerichtet

Ich merke dem Heinz-Jürgen Deuster an, dass ihm die Menschen in Odersbach am Herzen liegen. Erst jüngst hat er das Ortsvorsteheramt vom aus familiären Gründen zurückgetretenen Karl-Peter Wirth übernommen. „Seit 5 Monaten bin ich jetzt in diesem Amt und muss sagen, es macht mir riesig Freude. Früher dachte ich ‚Karl-Peter wird’s schon machen‘ heute stehe ich selber in der Verantwortung. Und kann im Kleinen auch etwas von diesem Gemeinwesen gestalten.“

Zwar ist Ortsvorsteher Deuster kein Odersbacher, ist in Kirschhofen aufgewachsen, aber in fast allen Vereinen Mitglied. Er möchte in den nächsten Jahren die Vereine stärken, diese für einen gemeinsamen Auftritt gewinnen. Und ganz besonders unterstützt er zurzeit die Kirmesburschen, die wieder eine Zeltkirmes in Odersbach etablieren möchten.

Ein weiteres Ziel für den frisch gebackenen Ortsvorsteher ist ein Besuchsdienst mit mehreren Helfern, die auf Anfrage gerne einmal vorbeikommen und einen Plausch halten. „Einmal im Monat könnte ich mir so etwas vorstellen. Das Motto hierfür könnte „Gemeinsam statt Einsam“ sein.“ Es sind schon vier Helfer gefunden. „Trotzdem können sich noch ganz viele Odersbacher bei mir melden, die uns unterstützen wollen.“

Zeit für ein paar Informationen über Odersbach. Es gehört zu den alten Weilburger Stadtteilen. Schon 881 wurde ein Odinesbach in den Aufzeichnungen des Klosters Prüm genannt. Eine Siedlung gab es spätestens seit 1324 und Wein wurde sicher ab 1355 in Odersbach angebaut. Landwirtschaft, der ehemalige Basaltbruch in der Nähe des Kreiskrankenhauses und ab dem 19. Jahrhundert die Roteisensteingrube „Erhaltung“ sicherten das Erwerbsleben der Odersbacher. Heute leben in Odersbach rund 1000 Menschen und der Ort hat die höchsten Übernachtungszahlen ganz Weilburgs. Warum? Unten an der Lahn wird vom Kur- und Verkehrsverein der Campingplatz betrieben, oben auf den Höhen steht die Jugendherberge. Dicht daneben findet sich das Jugendwaldheim. Auch wenn der Metzger vor einiger Zeit geschlossen hat, ist die ortsnahe Versorgung noch durch einen Bäcker gesichert. Und die Pizzeria an der Weilburger Straße wird auch aus Weilburg und anderen Stadtteilen gerne aufgesucht.

Schön hergerichtet der Brunnen vor dem alten Rathaus – im Hintergrund die Gedenktafel für Richard Hoin, einer der Widerstandskämpfer im alten Oberlahnkreis

Schön hergerichtet der Brunnen vor dem alten Rathaus – im Hintergrund die Gedenktafel für Richard Hoin, einer der Widerstandskämpfer im alten Oberlahnkreis

Zwei Männer aus Odersbach verdienen besondere Erwähnung. Zum einen Richard Hoin, in Odersbach geboren und am 14. Oktober 1944 auch dort gestorben. Als Sozialdemokrat, der sich schon mit der preußischen Regierung anlegte und 1901 wegen Majestätsbeleidigung für drei Tage ins Gefängnis kam, war er besonderen Repressalien durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Er baute die SPD im ehemaligen Oberlahnkreis auf. 1933 wurde er arbeitslos und unter ständige Polizeiüberwachung gestellt. Im Zuge des Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Hoin denunziert und in Preungesheim in Haft genommen. Er sollte zwar ins Konzentrationslager gebracht werden – dem entging er jedoch, weil er durch die Misshandlungen während der Haft schwer verletzt war. Im

Oktober starb der Sozialdemokrat an den Haftfolgen. Richard Hoin ist einer von vier Widerstandskämpfern, die auf einer Gedenktafel am DGB-Haus in Limburg genannt werden.

Der 1924 geborene Benno von Heynitz engagiert sich frühzeitig gegen den Nationalsozialismus. Er vertritt Menschenrechte und Demokratie, hört ausländische Radiosender und reicht Kettenbriefe mit regimefeindlichem Inhalt weiter. Er meldet sich freiwillig zum Kriegsdienst, weil ihm dies im Vergleich zum Reichsarbeitsdienst als kleineres Übel vorkam. In der Ukraine wurde er schwer verletzt und hatte die Möglichkeit während der Rekonvaleszenz als Lungenverletzter alleine durch den Grunewald zu streifen. Dort sammelte er Flugblätter der Alliierten auf und verteilte sie weiter. Er nutzte die Informationen zur Argumentation und Agitation gegen das NS-Regime. Nach dem Krieg kehr von Heynitz nach Bautzen zurück und wird Lehrer. Sein Engagement für einen demokratischen Wiederaufbau führt zur Kritik an Menschenrechtsverletzungen in der sowjetischen Besatzungszone und an der Zwangsvereinigung von SPD und KPD. Von Heynitz beteiligt sich am Aufbau eines Widerstandsnetzes, wird 1947 verhaftet und zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt. Unter anderem war er in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg a.d. Havel und im Gelben Elend, der Haftanstalt in Bautzen inhaftiert. Nach seiner vorzeitigen Freilassung 1956 konnte er in die Bundesrepublik ausreisen.

Wie viele Weilburger Stadtteile hat auch Odersbach eine Eisenerz-Geschichte und erinnert mit dieser Lore daran

Wie viele Weilburger Stadtteile hat auch Odersbach eine Eisenerz-Geschichte und erinnert mit dieser Lore daran

Wegen der menschenverachtenden Zustände in den Zuchthäusern der DDR, zur Vertretung der Rechte und Interessen der ehemaligen politischen Häftlinge und zur Aufarbeitung des erlittenen Unrechts gründet von Heynitz 1990 das Bautzen-Komitee. Bis zu seinem Tod setzt sich Benno von Heynitz für die Suche nach Massengräbern, der Gedenkkapelle und die Errichtung einer Gedenkstätte in Bautzen ein.

Zurück zum Gespräch mit Jürgen Deuster, der plötzlich die Fotokopie eines Spiegel-Artikels aus dem Jahr 1958 aus der Tasche zieht. „Grüne Themen,“ so sagt er, „waren damals schon so aktuell wie heute. Hier, in dem Raum, in dem wir jetzt sitzen, war das Büro des Bürgermeisters Karl Hoin. Wie damals sitzen wir immer noch über der Freiwilligen Feuerwehr. Und hier begann Bürgermeister Karl Hoin die Odersbacher Volksbefragung gegen die atomare Aufrüstung und Stationierung von Atomwaffen im Odersbacher Wald zu organisieren. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten stimmten 629 wahlberechtigte Odersbacher gegen das atomare Wettrüsten. Bürgermeister Karl Hoin sagte damals dazu, dass man niemanden unter Druck setzen brauchte. Selbst die Bauern hätten fast alle ihre Unterschrift gegeben. Schließlich würden diese ständig auf das Wetter schimpfen und sagen, wenn die mit dem Atomkram endlich aufhören, wird das Wetter auch wieder besser.“ (Der Originalartikel findet sich unter https://www.odersbach.de/zu-gast-in-odersbach/geschichte-von-odersbach/)

Kurze Zeit später sitzen wir im Auto und fahren hoch zum Parkplatz an der Runkeler Straße, dort, wo man einen wunderschönen Blick ins Lahntal hat. „Das ist mein Lieblingsplatz in Odersbach,“ erzählt Deuster. „Hier direkt vor uns Odersbach, der Campingplatz an der Lahn, die Jugendherberge und das Jugendwaldheim am Berg. Hier lebe ich mit meiner Familie, hier bin ich mittlerweile tief verwurzelt, bin hier zu Hause. Dort, auf der anderen Seite der Lahn, Kirschhofen. Dort bin ich aufgewachsen. Über die Fußgängerbrücke konnte man früher noch mit dem Auto fahren. Verbotenerweise, natürlich. Und im Hintergrund die Silhouette von Weilburg als verbindendes Element.“

Heinz-Jürgen Deuster, Odersbacher Ortsvorsteher, hoch über dem Ort am Parkplatz an der Runkeler Straße

Heinz-Jürgen Deuster, Odersbacher Ortsvorsteher, hoch über dem Ort am Parkplatz an der Runkeler Straße

Kurze Zeit später sind wir wieder im Ort, im alten Ort. Kommen am schmucken Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert vorbei. Es wurde die vergangenen 500 Jahre immer gepflegt und ist heute ein Odersbacher Schmuckstück. Wir fahren durch die enge Bachstraße, Deuster weist auf die schönen Häuser im alten Kern hin. „Odersbach ist nicht nur Neubaugebiet, wie man an den Ortsgrenzen fast meinen könnte. Es gibt soviel schöne Ecken zu entdecken.“ Das wissen auch die vielen langjährigen Campinggäste zu schätzen.

In Odersbach wird angepackt. Als das Freibad von Schließung bedroht war, formierte sich ein Schwimmbadverein und engagiert sich seitdem für das Kleinod. Der Kur- und Verkehrsverein betreibt mit unendlichen ehrenamtlichen Stunden den Campingplatz. Es gibt den Sportverein, die Gesangsvereine, die Freiwillige Feuerwehr, neuerdings auch wieder die Kirmesburschen. Nicht zu vergessen der Karnevalsverein. Bestimmt ist jetzt der eine oder andere nicht genannt. Heinz-Jürgen Deuster mittendrin, als grüner Kuckuck im roten Nest. Ein bisschen neugierig macht es auf seinen nächsten Auftritt in der Bütt. Es bleibt, ihm eine glückliche Hand und viel Erfolg für seine Amtszeit zu wünschen.

Blick nach … Obernhof

Im Pilgersaal von Kloster Arnstein finden viele Veranstaltungen zur Vollmondnacht statt (Foto: Bistum Limburg)

Im Pilgersaal von Kloster Arnstein finden viele Veranstaltungen zur Vollmondnacht statt (Foto: Bistum Limburg)

(Weilburg, Februar 2018, KS) In den letzten Jahren hat sich Obernhof an der Lahn nicht nur mit dem Lahnwein, sondern auch als Kulturdorf einen Namen gemacht. Mehr als 50 kulturelle Veranstaltungen im Jahr laden Gäste ein, Kultur zu erleben. Besonders ausgesuchte Veranstaltungen werden unter dem Titel „Gegen den Strom“ angeboten, die „Arnsteiner Abende“ werden von der kath. Erwachsenenbildung veranstaltet und die „Obernhofer Vollmondnächte“ prägen das kulturelle Leben an der unteren Lahn schon seit vielen Jahren.

Immer zum vollen Mond kommen Besucher nach Obernhof. An verschiedenen Veranstaltungsorten gibt es auch 2018 wieder literarisch-musikalische Vollmondnächte in und um den kleinen Weinort. Eingebettet in die wechselvolle Geschichte und umrankt vom einheimischen Lahnwein, garniert mit kleinen Leckereien und immer im reizvollen Ambiente – das sind die Obernhofer Vollmondnächte.

Mittwoch, 28. März 2018, 20:00 Uhr – Die Arnsteiner Bibel und das Arnsteiner Skriptorium im Mittelalter

Die wenigsten Besucher von Kloster Arnstein wissen wohl, dass es im Mittelalter ein bedeutendes Skiptorium sein Eigen nannte. Hier schrieben bis ins 13. Jhdt. die Mönche liturgische und andere Bücher ab und illustrierten sie auch. Eine der bekanntesten Handschriften, die daraus hervorging, ist die großformatige, zweibändige „Arnsteiner Bibel“, die der Mönch Lunandus von 1170 bis 1172 geschrieben hat. Heute hat sie einen fast unermesslichen Wert. Sie wird seit fast 300 Jahren in London in der British Library aufbewahrt, wo sie im dortigen Showroom als einer der größten Schätze von Zeit zu Zeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Die Gäste dieser Veranstaltung im gotischen Pilgersaal von Kloster Arnstein erfahren natürlich auch, wie früher in einer Schreibstube gearbeitet wurde, wie die Farben und Tinten hergestellt wurden … Die Texte sind von Monika Kahm und Gaby Fischer, für die Musik zeigt das Ensemble Stellaris verantwortlich.

Samstag, 28. April 2018, 20:00 Uhr – Nimm mich mit, Kapitän … Kleine Geschichte der Lahnschifffahrt

Da das Lahntal schon seit der Steinzeit besiedelt war, kam der Lahn spätestens seit der Römerzeit eine wichtige Rolle als Transportweg zu. „Die ersten christlichen Sendboten fuhren auf der Lahn in das heidnische Gebiet des Lahngaus und des Vogelberges und nach frommer Sage landete der Leichnam des Heiligen der Lahnschiffer, Lubentius, von der Mosel herauf auf unbemanntem Nachen vom Wind die Lahn stromauf getrieben, oberhalb von Limburg an der Dietkirche.“ (Erich Goldsticker)

Der beliebte und bekannte Songpoet und Folksänger Andreas Sittmann, der durch seine musikalische Vielseitigkeit besticht, wird an dem Abend mit seiner warmen und herzlichen Stimme Lieder aus seinem Freddy-Quinn-Programm singen, während Dr. Ulrich Brand im Pilgersaal von Kloster Arnstein über die Geschichte der Lahnschifffahrt erzählt.

Dienstag, 29. Mai 2018, 20:00 Uhr – Die Geschichte der Lahntalbahn

Mit Texten von Hans-Peter Günther und Musik der American Folkband Goldrush laden die Obernhofer Vollmondnächte in das Kloster Arnstein ein. Die 1858 eröffnete Lahntalbahn führt durch eines der schönsten deutschen Flusstäler und begeistert bis heute viele Touristen. Der Bau der Strecke wurde 1857 aufgenommen, am 1. Juli 1858 erfolget bereits die Eröffnung des Streckenabschnittes Oberlahnstein – Ems. Ab 1860 waren weitere Teilstrecken fertig gestellt, die Gesamtstrecke wurde am 10. Januar 1863 vollendet. Die Gesamtkosten für den Bau der Lahntalbahn betrugen 15,2 Millionen Gulden. Etliche (früher von imposanten Dampfloks gezogenen) Sonderzüge brachten seit 1925 in jedem Sommer Tausende von Wallfahrern zum Kloster Arnstein! Goldrush besteht aus Musikern mit besonders hohen gesanglichen Qualitäten. Sie interpretieren amerikanische Folksongs und lassen zum Beispiel mit Freight Train die Zeit der amerikanischen Eisenbahnromantik wiederaufleben.

Wenn nicht anders erwähnt, finden die Veranstaltungen zur Obernhofer Vollmondnacht im Pilgersaal von Kloster Arnstein statt. Zu erreichen ist Obernhof mit der Lahntalbahn ab Weilburg um 17:57 Uhr, Rückfahrt um 21:48 Uhr (nach Winterfahrplan). Umstieg ist jeweils in Limburg. Die Rückfahrkarte kostet derzeit 25,40 Euro.

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Mein Hasselbach – Spaziergang mit Lothar Hölzgen

Lothar Hölzgen, seit 19 Jahren Ortsvorsteher in Hasselbach

Lothar Hölzgen, seit 19 Jahren Ortsvorsteher in Hasselbach

(Weilburg, im Januar 2018, KS) Stellen Sie sich einmal einen großen, hellen Saal vor. Bequeme Stühle, weiß gedeckte Tische, eine nette Dekoration. Vor Ihnen steht ein Kännchen Kaffee und ein so richtig leckeres Stück Kuchen. Die Sonne scheint und aus den großen Fenstern haben Sie einen weiten Blick nach Westen über den Taunus, bis hinein ins Rheingebiet. Ein idealer Platz für ein Hotel mit Café, oder?

Na gut, Kaffee und Kuchen an weiß gedeckten Tischen gibt es in Hasselbach nicht – zumindest nicht jeden Tag und dann auch nicht für die Allgemeinheit. Aber den einzigartigen Blick, den kann jeder Besucher genießen.

Lothar Hölzgen und ich sind am Ende unseres Spazierganges angekommen. Schnell noch geht es ins neue Bürgerhaus hinein. Im Foyer hängt eine alte Schulglocke. „Die massive Holz-Aufhängung wurde mit Unterstützung aus Elkerhausen von heimischen Kräften gebaut,“ erklärt mir der Ortsvorsteher und macht die Türen zum Saal weit auf. Der atemberaubende Blick über Hasselbach und Gaudernbach, weit in den Taunus hinein macht das Hasselbacher Bürgerhaus für die Hasselbacher genauso interessant, wie für Auswärtige. Einfach stehen oder sitzen und genießen …

Doch lassen Sie uns chronologisch anfangen. Am gefühlt einzigen Sonnentag im Januar treffe ich Lothar Hölzgen, Ortsvorsteher in Hasselbach, am Bürgerhaus. Vorher Regen, nachher Regen – während unseres Spazierganges bleibt alles Trocken.

Das Bürgerhaus – Treffpunkt mit ungezählten ehrenamtlichen Stunden

Die alte Schulglocke im neuen Bürgerhaus

Die alte Schulglocke im neuen Bürgerhaus

Seit 50 Jahren dient der Platz, an dem das Bürgerhaus heute steht, den Hasselbachern als Treffpunkt. Etwas außerhalb des Ortes und erhöht, mit Blick über Hasselbach, stand hier zunächst eine Waschanstalt, später die Gefriergemeinschaft. Die funktionierende Dorfgemeinschaft sah das durchaus kritisch. Weit vom Schuss auf dem Berg … und es sieht aus wie ein türkischer Schafstall – liest sich in der Dorfchronik. Das alles ist längst vergessen. „Das Positive am Haus hat gnadenlos überwogen,“ erzählt der Ortsvorsteher. Heute ist der Weg nach oben auch nicht mehr so beschwerlich. Erstens wird die Wäsche nicht mehr mitgeschleppt, zweitens nimmt man das Auto. „Und als wir am 30. April 2011 mit dem Tanz in den Mai das neue Bürgerhaus eröffnet haben, hat es noch einmal einen ganz neuen Drive bekommen.“ Natürlich hat es viel Geld gekostet – aber wenn die Stadtteile lebendig gehalten werden sollen, dann müssen auch Mittelpunkte geschaffen werden. „Wir dürfen auch das Engagement der Bürgerinnen und Bürger nicht vergessen,“ sagt Hölzgen, „Beispiele öffentlicher Bauten gibt es genug, wo die Kosten aus dem Ruder gelaufen sind. Wir haben in Hasselbach deutlich weniger Geld ausgegeben. Das Engagement von mindestens zwei Personen aus dem Ort hat dazu geführt, dass wir mindestens 50.000 Euro weniger ausgegeben haben. In der gesamten Bauphase waren Rolf Lehr und Rainer Redling mit sehr viel Berufs- und Lebenserfahrung präsent und haben immer wieder auf einzelne Gewerke gezeigt, die Handwerker darauf hingewiesen: Genauso machen wir es nicht! oder Das machen wir selber!“

Lothar Hölzgen gehört heute wie selbstverständlich zu Hasselbach dazu. Er ist gebürtiger Weilburger, kam in der Schulgasse 11 zur Welt. Über Waldhausen führte ihn die Liebe nach Hasselbach. Dort wurde 1978 ein Haus gebaut. „Ja, ich bin Hasselbacher, mit Leib und Seele und gerne!“

Immer wieder kommt im Gespräch der Lokalpolitiker zum Vorschein. Lothar Hölzgen hat einen Sitz im Stadtparlament und auf die Frage, wo ein Hasselbacher zum Einkaufen hinfährt gibt es einen Exkurs in die Weilburger Politik. „Erste Anlaufstelle ist Weilburg und muss es auch sein. Natürlich sind die Zentren Limburg und Wetzlar besser aufgestellt. Doch mit der WWW gemeinsam müssen wir dafür Sorge tragen, dass Weilburg attraktiv bleibt. Auch für größere Anschaffungen, wo die Menschen schon preissensibler werden. Dort ist der Online-Handel natürlich stark und wir müssen Umsätze zurückgewinnen. Das geht nur mit einem breiten Angebot.“

Vom Friedhof und Drohnenwettbewerb

„Grundordnung auf dem Friedhof,“ sagt Lothar Hölzgen, „ist ein ganz wichtiges Thema. Er muss in Ordnung, gepflegt sein, man muss gerne dorthin gehen.“ Wir sind auf unserem Spaziergang am Friedhof angekommen. „Wir haben Wege angelegt, haben ein Urnengrabfeld angelegt und wir sind einer der wenigen Friedhöfe überhaupt, die keine Urnenwand haben. Bei uns ist kein Bedarf da, die Kosten können wir sparen. Wir sind sehr zufrieden mit unserem Herrn Schmidt, der sich neben Waldhausen auch um die Pflege des Friedhofs Hasselbach kümmert.“

Am Friedhof stehend kommt auch gleich das Gespräch auf das ehemalige evangelische Jugendheim, in das jetzt endlich, nach langem Hin und Her, mit einem Düsseldorfer Unternehmer neues Leben eingekehrt ist. Es finden in dem Haus sogar Schulungen zum Umgang mit Drohnen statt. Ein Raum wurde so gestaltet, dass Drohnen dort wetterunabhängig fliegen können. So kommt auch der jährliche Drohnenwettbewerb zustande, der nationale und internationale Piloten nach Hasselbach führt. Mit großem Engagement von Freiwilliger Feuerwehr und Dorfgemeinschaft wird die logistische Durchführung drei Tage lang gestemmt.

Altes Fachwerk

Weiter geht es durch den Ort, vorbei an so manchen alten, kaum noch zu sanierenden Häusern. Aber auch an ganz vielen alten Fachwerkhäusern, die mit viel Liebe und noch viel mehr Einsatz zu regelrechten Schmuckstückchen geworden sind. Und dann sind da noch die „Sorgenkinder“ des Ortsvorstehers. Die großen Häuser mit viel Platz, die ganz einfach leer zum Verkauf stehen und sich doch nicht verkaufen lassen. Oder der ehemalige Spar-Laden, bei dem auch das äußere Erscheinungsbild nicht angegangen werden kann. „Man kann informieren, man kann helfen, aber politisch ist kaum eine Einflussmöglichkeit vorhanden. Es bleibt die Hoffnung Menschen zu finden, die sich für die alte Bausubstanz im Ortskern begeistern. Diese schätzen und sie erhalten wollen. Oder mit einem modernen Neubau eine Baulücke im Kern schließen, so wie hier zum Beispiel.“

Der Dorfplatz, Rathaus und Ortsrufanlage

Eine der letzten Ortsrufanlagen in Hessen wird noch eifrig genutzt

Eine der letzten Ortsrufanlagen in Hessen wird noch eifrig genutzt

Wir kommen zum Dorfplatz, mit dem alten Rathaus alter und neuer Mittelpunkt des Dorfes. Viel ist schon gemacht, Sitzgelegenheiten, ein Brunnen – es macht auch jetzt im Winter einen netten Eindruck. Man möchte sich auf den Frühling freuen, oder auf warme Spätsommerabende und das eine oder andere Gespräch mit Freunden. „Ich habe keinen Lieblingsplatz in Hasselbach,“ erzählt mir Ortsvorsteher Hölzgen. „Aber ich habe derzeit ein Lieblingsprojekt. Das ist die neue, alte Mitte im Dorf. Dort hinten haben wir schon die alte Bruchsteinmauer gesichert, wollen dem alten Haus, das hier einmal stand, ein Denkmal geben. Die Steine vom Abbruch haben wir uns beiseitelegen lassen und damit den Hang abgefangen. Die Fläche hinter dem Platz werden wir ebnen und einen Boule-Platz anlegen. Es dreht sich darum, die Flächen so zu gestalten, dass es keiner Pflege mehr bedarf.“ Die Idee für die Boule-Anlage kam aus dem Ort heraus und fand die Unterstützung vieler Hasselbacher. „Es soll etwas entstehen, das von vielen Menschen genutzt werden kann. Wenn ich Jugendliche genauso wie Senioren ansprechen will, kann ich keinen Tennisplatz bauen. Aber eine „ruhige Kugel schieben“ kann ich in jedem Alter.“

„Sie fragen, Sie kriegen Antworten,“ sagt mir Hölzgen. Seit 19 Jahren ist er Ortsvorsteher in Hasselbach und kennt sein Dorf mit Zahlen und Fakten und den Menschen, die dahinterstecken, wie kein Zweiter. Zum Beispiel der Brunnen auf dem Dorfplatz. Eine Fehlplanung. Die Bohrung durch den Stein hat die ideale Größe für die umliegenden, als Bodenabdeckung genutzten, Steine. Und was machen Kinder? Sie stecken die passenden Steine in die Bohrung und niemand bekommt sie mehr heraus. Doch der Ortsvorsteher hat auch die Lösung zur Hand, will bei nächster Gelegenheit den Stein anheben lassen. Dazu wünscht er sich ein zweites Solarstrom-Panel für die Pumpe. Dann funktioniert der Brunnen wieder. „Das machen wir mit Kräften aus dem Ort. Der Bauunternehmer Özdemir ist ein Hasselbacher Urgestein und hilft, wo er kann. Und viele andere Hasselbacher werden auch mit anpacken.“

Am alten Rathaus, das nicht nur vom Ortsvorsteher und Ortsbeirat, sondern auch vom Ortsgericht genutzt wird, noch der Hinweis auf die Ortsrufanlage, eine der wenigen verbliebenen in hessischen Städten und Gemeinden. „Wir nutzen sie auch für Veranstaltungsankündigungen, Ortsbeiratssitzungen oder die Einladung zum Tannenbaumschmücken,“ erklärt der Ortsvorsteher.

Im alten Rathaus gibt es mit Ortsbeirat und Ortsgericht neues Leben

Im alten Rathaus gibt es mit Ortsbeirat und Ortsgericht neues Leben

Auf dem Weg zurück zum Bürgerhaus gehen wir die Trompeterstraße hinauf. Friderike ist am Tag zuvor über Mittelhessen hinweggerast und hat auch in Hasselbach ihre Spuren hinterlassen. Während unseres Spazierganges hören wir ständig die Motorsägen. Lothar Hölzgen weiß genau, wen es getroffen hat. Hier geht er über die Straße auf ein kurzes Gespräch. „Es macht Spaß, Ortsvorsteher zu sein,“ sagt Hölzgen. „Ich bin nicht allein. Man muss zwar immer wieder ein wenig anschieben, aber wenn es gilt, gibt es in Hasselbach ganz viel Menschen, die mit anpacken.“

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Mein Drommershausen – Spaziergang mit Jochen Janz

Eingang zur Kirche in Drommershausen

Eingang zur Kirche in Drommershausen

(KS, im Februar 2017) Samstagnachmittag, strahlender Sonnenschein, noch ein wunderschöner Wintertag. Ich bin auf dem Weg zu Jochen Janz, dem Ortsvorsteher von Drommershausen. Meine Gedanken sind bei den schönen Wanderungen, die ich schon rund um Drommershausen gemacht habe. Im Ort steht ein Esel an der Straße. Ich bereite mich in Gedanken auf das Gespräch vor. Drommershausen, was macht den Stadtteil so besonders? Was sind Ihre Lieblings … ein Esel? War das wirklich ein Esel? Bremsen, zurücksetzen. Tatsächlich, ein Esel. Mitten in Drommershausen. Schnell ein Foto gemacht und weiter. Der Ortsvorsteher wartet.
Wenig später spaziere ich mit Jochen Janz durch den Ort. Er ist Ortsvorsteher mit Leidenschaft, liebt seinen Stadtteil und die Menschen in Drommershausen. Es geht ins Neubaugebiet und durch die neue Fritz-Heil-Straße. „Hier sind noch Bauplätze frei,“ erzählt Janz. Und begrüßt eine junge Familie aus Idstein, die sich die schönen Plätze am Waldrand anschaut. Ein kurzes Gespräch über Bauhöhen, dann geht es weiter. Am Wald entlang geht es durch ehemalige Gärten. „Leider finden sich immer weniger Menschen, die an den Gärten Interesse haben,“ erzählt der Ortsvorsteher. „Aber verkaufen? Das geht für viele Drommershäuser gar nicht. Es könnte ja mal Bauland werden.“ Ein Stückchen weiter ein umgestürzter Baum. „Oh, der lag beim letzten Spaziergang noch nicht hier. Da muss ich dem Bauhof Bescheid geben.“ Ein Ortsvorsteher, so merke ich, ist Ortsvorsteher rund um die Uhr.
Plötzlich stehen wir auf einer Terrasse und schauen über ganz Drommershausen. „Dies ist einer meiner Lieblingsplätze im Dorf.“ Eine Tafel informiert über die wichtigsten Ereignisse in Drommershausen. Die Zeitachse reicht von 1197 bis 2015. Mehr als 800 Jahre Dorfgeschichte. „Dieser Platz ist eines der Freiwilligenprojekte, die wir regelmäßig angehen. Das Gestrüpp wird niedrig gehalten. Für den Nussbaum in der Mitte ist hier oben ein Nachfolger gepflanzt.“
Es sind viele Projekte des Freiwilligentages, an denen wir bei unserem Spaziergang vorbeikommen. In Drommershausen, so hat es den Anschein, funktioniert die Dorfgemeinschaft. „Auch Neubürger sind integriert,“ sagt Janz, „das geht bei den jungen Familien ganz schnell über die Kindertagesstätte. Und wir nehmen uns immer neue Projekte für die Freiwilligenarbeit vor.“ Auch damit konnte Drommershausen den Regionalentscheid und den 3. Platz auf Landesebene im Wettbewerb ‚Unser Dorf hat Zukunft‘ gewinnen.
Wir gehen wieder hinunter, kommen an der einen oder anderen Schmuddelecke vorbei. Der Hochbehälter am Ortsausgang Richtung Hirschhausen ist das Projekt für einen der nächsten Freiwilligentage. „Aber nicht alle Eigentümer können die Erhaltung ihres Anwesens über das absolut notwendige Maß hinaus schaffen,“ erzählt Janz, als wir an einer dringend restaurierungsbedürftigen Wand vorbeigehen.
Auf der anderen Straßenseite geht es wieder bergauf. Im Burgweg. Die Frage brennt mir schon lange auf der Zunge: „Gibt es eine Burgruine in Drommershausen?“ „Nein,“ sagt mir der Ortsvorsteher, „da können Sie lange vergeblich suchen, der Burgweg müsste eigentlich Burkweg heißen, er leitet sich von dem Namen Burk ab.“
An der nächsten Ecke pflegt der Anwohner ein Stück städtisches Gelände, mäht den Rasen, stutzt die Sträucher. Dann wieder ein Projekt für den Freiwilligentag, eine riesige Streuobstwiese. „Das schaffen selbst wir nicht mehr!“ Aber man merkt, wie stolz der Ortsvorsteher auf das Erreichte ist.
Für mich einmal Zeit, die Fakten und Daten abzufragen. Etwas mehr als 500 Einwohner hat Drommershausen, am Grundbach gelegen. Der Steinzler Hof, außerhalb des Ortes gelegen, wird 1196 erstmals urkundlich erwähnt. Auch die beiden historischen Wassermühlenanwesen Grünsmühle und Neumühle haben ihre Ursprünge im 13. Jahrhundert. Hauptsächlich haben die Drommershäuser von Landwirtschaft und Eisenerzbergbau gelebt.
Es fällt mir auf, dass es kaum Baulücken im Ortskern gibt. „Wir achten sehr darauf, die Lücken im alten Kern schnell wieder zu schließen,“ erzählt Jochen Janz, während wir vor einem alten, wohl mit Eternitplatten verkleideten Haus zwischen zwei schmucken Neubauten stehen. „Dieses Gebäude ist baufällig und muss über kurz oder lang abgerissen werden. Die Nachbarn sind sich schon einig und werden einen Carport oder eine Garage schaffen, die sich in das Gesamtbild einfügen.“
Mittlerweile kommen wir zur Turnhalle. Vorher zeigt Janz noch die eine oder andere grüne Ecke an der Straße. „Alles am Freiwilligentag in Ordnung gebracht,“ erzählt er, „und die Tüten für Hundehinterlassenschaften werden rege genutzt, da bin ich stolz auf unsere Hundehalter.“  Es ist schon einige Zeit her, dass ich zum letzten Mal in der Turnhalle war. „Sie gehört jetzt der Stadt, damit hört aber unsere Eigenleistung nicht auf.“ An einer eine Stelle wurde eine Wand errichtet, an anderer Stelle eine andere eingerissen. Die Sanitärräume haben ein modernes Gesicht bekommen und sind teilweise barrierefrei. Es hat sich viel getan in der Turnhalle.
Zum Schluss geht es noch ins alte Bürgerhaus, mitten im Ort. Dies ist jetzt an die Kirchengemeinde verpachtet, die Räumlichkeiten werden rege nutzt. Davor findet sich, gut vor dem Wetter geschützt, eine Bücherecke mit Sessel. Gute Idee, wieder ein Punkt auf der Habenseite der Dorfgemeinschaft.
Unser Rundgang durch Drommershausen ist fast zu Ende. „Beim Udo waren wir noch nicht“, sagt Janz. Die restaurierten und sanierten Anwesen von Udo Sartorius mitten im Straßendorf sind deshalb wichtig, weil sie einmal die Keimzelle des Ortes zeigen. Erst jüngst hat Sartorius eine Bauernburg aus dem Mittelalter und damit das älteste Wohnhaus in Drommershausen saniert. Hier klärt sich auch die Geschichte mit dem Esel auf. Dem ging es nicht ganz so gut, hatte wohl etwas Falsches gefressen. Daraufhin hat ihn Familie Sartorius zur Beobachtung vor dem Haus angebunden. So etwas gibt es wirklich nur in Drommershausen.
Drommershausen, ein alter Stadtteil mit einem ganz modernen regen Leben. Der Spaziergang haben dem Ortsvorsteher und mir viel Spass gemacht. Für den nächsten Spaziergang geht es nach Gaudernbach. Sicher bringe ich von dort auch einen interessanten Bericht mit.

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Blick nach Frankfurt – Fiona Tan. Geografie der Zeit im MMK 1

Fiona Tan, Diptych, 2006–11 Installationsansicht / installation view Stedelijk Museum, 2012 Courtesy the artist and Frith Street Gallery, London Foto/photo: Gert Jan Van Rooij

Fiona Tan, Diptych, 2006–11
Installationsansicht / installation view Stedelijk Museum, 2012 Courtesy the artist and Frith Street Gallery, London Foto/photo: Gert Jan Van Rooij

(KS, im Juli 2016) Vom 17. September 2016 bis zum 15. Januar 2017 zeigt das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main eine Ausstellung einer der außergewöhnlichsten Künstlerinnen unserer Zeit. In eindrucksvollen Bildern erzählt die indonesische Fotografin, Tochter eines indonesisch-chinesischen Vaters und einer australisch-schottischen Mutter, wie die eigene Vergangenheit unser Verständnis der Gegenwart prägt.

Die Künstlerin Fiona Tan (*1966) zählt zu den herausragenden Künstlerinnen ihrer Generation. In der Werkschau „Geografie der Zeit“ im MMK 1 stehen neben Hauptwerken aus ihrem filmischen Œuvre – wie die Doppelprojektion „Rise and Fall“, die sie 2009 für den Niederländischen Pavillon der Venedig Biennale produzierte – die neueste Entwicklung in ihrem Werk hin zu installativen Environments im Fokus. Fiona Tan verwendet Film, Fotografie, Installation, Audio und Text, um zentrale Fragen zur Identität des Menschen im 21. Jahrhundert zu stellen: Wie sehen wir uns selbst und was bestimmt unsere Perspektive auf das Andere? Ihre bewegenden und zutiefst menschlichen Werke untersuchen Geschichte und Zeit und unsere Verortung darin. In eindrucksvollen Bildern und Installationen erzählt Tan davon, wie die eigene Erinnerung unser Verständnis der Gegenwart prägt. In ihren Bildwelten lösen sich die Grenzen zwischen persönlichem und kollektiven Gedächtnis, Innen und Außen, Fiktion und Wirklichkeit auf. Erinnerung und Identität waren von Beginn ihrer künstlerischen Karriere wiederkehrende Themen in Fiona Tans Œuvre. Besonders das Thema der kulturellen Prägung spielt bedingt durch ihre Abstammung – Tan wurde als Kind von chinesisch-australischen Eltern in Indonesien geboren, wuchs in Australien auf und zog später in die Niederlande – eine entscheidende Rolle in ihrem Schaffen. Die Ausstellung im MMK 1 folgt mit Werken wie „Diptych“ (2006–11), filmischen Porträtaufnahmen von Zwillingen, über höchst elaborierte Video-Installationen wie „Nellie“ (2013), bis zu den jüngsten ‘mixed-media’-Werken wie „Ghost Dwellings“ und Objekt-Installationen wie „1 to 87“ diesen Leitmotiven, präsentiert in einer faszinierenden, von der Künstlerin entworfenen Ausstellungsarchitektur.

Das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main gehört zu den weltweit bedeutendsten Museen für Gegenwartskunst. Mit seinen großen Einzelausstellungen und seiner über 5.000 Werke umfassenden Sammlung internationaler Gegenwartskunst ist das MMK seit seiner Eröffnung im Jahr 1991 ein großer Anziehungspunkt für Kunstinteressierte.

Veranstaltungstipp: Mittwoch, 14. September 2016, 20 Uhr, Filmabend mit Fiona Tans erstem Kinofilm „History’s Future“ (2016) und Gespräch mit der Künstlerin im Deutschen Filmmuseum Eröffnung: Freitag, 16. September 2016, 20 Uhr im MMK 1

 

Öffnungszeiten & Preise:             Dienstag – Sonntag: 10 – 18 Uhr Mittwoch: 10 – 20 Uhr Montag: geschlossen

MMK 1* 12 Euro / ermäßigt 6 Euro Kombiticket** MMK 1|2|3 16 Euro / ermäßigt 8 Euro Für Kinder unter 6 Jahren ist der Eintritt frei. Jeden letzten Samstag im Monat freier Eintritt.

 

Mit dem RMV ab Weilburg (zum Beispiel): 

Weilburg ab 8:16 h, Gießen an: 8:42 h, Gießen ab: 8:54 h, Frankfurt-HbF an: 9:35 h U-Bahnlinie: U4, U5, Haltestelle Dom / Römer  Straßenbahn: 11, 12, Haltestelle Römer / Paulskirche  S-Bahnen (S1–S6): Haltestelle Konstablerwache Von den Haltstellen Dom/Römer (U-Bahn) oder Römer / Paulskirche (Straßenbahn) sind es nur noch 3 Minuten Fußweg zum MMK.

Mein Ahausen – Spaziergang mit Hans Werner Bruchmeier

Das alte Schulhaus in Ahausen

Das alte Schulhaus in Ahausen

(KS, im Juli 2016) „Seit 10 Jahren bin ich Ortsvorsteher in Ahausen und auf die nächsten fünf Jahre, für die ich gerade gewählt bin, freue ich mich sehr.“ Das erzählt mir Hans Werner Bruchmeier (63), Lehrer am Gymnasium Philippinum und engagierter Lokalpolitiker. Seit über 30 Jahren ist er Mitglied der Weilburger Stadtverordnetenversammlung. Weilburg kennt ihn auch als Vorstand des Weilburger Rudervereins.

Wir haben uns in Ahausen zu einem Spaziergang durch den Ort getroffen. Bruchmeier will mir den Stadtteil zeigen, so wie er ihn sieht – und liebt. Wir kommen an seinen Lieblingsplätzen vorbei und treffen den einen oder anderen Ahäuser auf einen kurzen Plausch.

„Ahausen ist überschaubar!“

Direkt an der Lahn, an der Grenze zur Nachbargemeinde Löhnberg, liegt der Weilburger Stadtteil Ahausen. 1320 erstmalig urkundlich erwähnt, kam der Ort im Zuge der hessischen Gemeindereform am 31. Dezember 1970 zu Weilburg. „Mit 667 Einwohnern am 1. Januar 2016 liegen wir einwohnermäßig im Weilburger Mittelfeld,“ sagt Hans Werner Bruchmeier, „Ahausen ist überschaubar.“

Wir sitzen beim Kaffee auf der Terrasse hinter dem schmucken Haus. 1824 und 1825 als Dorfschule gebaut, hat es Bruchmeier in den 80er Jahren gekauft und saniert. Heute ist das Haus ein Schmuckstück und neben der Erzverladestation am Ortseingang das beliebteste Fotomotiv in Ahausen. Hans Werner Bruchmeier erzählt von der Sanierung des Hauses, von seiner Familie und ganz besonders von Ahausen.

„Es ist schön, hier zu wohnen, die meisten Ahäuser kennen mich und ich kenne sie. Man grüßt, nimmt sich oft Zeit für ein kurzes Gespräch. Damals haben wir ein altes Haus gesucht und genau das in Ahausen gefunden. Seit 1989 wohnen wir hier.“ Bruchmeier gerät ins Schwärmen. Man merkt, als gebürtiger Weilburger ist er in diesem Haus angekommen, hat sein Familienheim gefunden.

Romantischer Weiher im Verborgenen

Aber wir wollen ja über Ahausen reden. Über den Hof und durch den Garten gehen wir nach hinten. „Das ist der Köppel,“ zeigt Bruchmeier auf eine Anhöhe. „Eine Hinterlassenschaft des Bergbaus in Ahausen.“ Und plötzlich stehen wir vor einem romantischen Weiher, der auch aus der Zeit des Bergbaus in unserer Region stammt. Dichtes Gebüsch am Ufer, im Vorbeigehen erhasche ich einen Blick auf wunderschöne Seerosen. „Manchmal erscheint das Wasser richtig rot,“ erzählt mir der Ortsvorsteher, „es sind viele Goldfische im Teich.“ An diesem heißen Tag haben sie sich in den Schatten verzogen. Neben dem Weiher eine Wiese – ein idealer Platz für ein Sommerfest, denke ich bei mir. Und schon spricht Bruchmeier weiter: „Hier feiern wir gelegentlich ein spontanes Weinfest, ein toller Platz im Sommer.“

Um den Weiher herum gelangen wir zur freiwilligen Feuerwehr und zum Bürgerhaus. Fast zwanzig Jahre alt, sehr gepflegt von den Ahäusern. „Wir planen einen kleinen Anbau, um das Mobiliar und Gerätschaften dort lagern zu können.“

Der weitere Weg führt durchs kleine Neubaugebiet. An einem Haus wird gerade gebaut, ein anderes ist jüngst bezugsfertig geworden. Drei Grundstücke stehen noch zur Verfügung.

Links von uns trennen zwei Reihen Apfelbäume das Neubaugebiet vom Feld. „Wir pflanzen alte hessische Apfelbäume, unser Apfellehrpfad. Um die alten Bäume, die regelmäßig gepflegt werden müssen, kümmert sich die Odersbacher Pomologin Martina Adams.“

„Da haben wir den Friedhof. Hier haben wir in Gemeinschaftsarbeit komplett die Wege in Ordnung gebracht. Es gibt in Ahausen keinen Freiwilligentag, wie in anderen Stadtteilen. Aber wenn Hände gebraucht werden, sind immer genügend Helfer da. Das gilt auch für die Ahäuser Kleinodien, zum Beispiel die Schüttanlage am Ortseingang, um die sich der Heimatverein liebevoll kümmert.“ Hans Werner Bruchmeier erzählt im Plauderton. „Bestattungskultur wandelt sich auch in Ahausen. Neben den klassischen Grabstellen haben wir eine Urnenwand und in der Planung sind zwei große Bäume am Friedhofsrand, unter denen auch jeweils bis zu 10 Urnen Platz finden können.“

Verborgene Wege

Ein Fremder würde die Wege gar nicht finden, auf denen wir hinunter zur Selterser Straße kommen. Kurz nach links gewendet und wir stehen vor der Verladestation der Eisensteinaufbereitungsanlage am Ortseingang. Der Heimatverein Ahausen hat seit 1997 die Erhaltung dieses Denkmals übernommen und viel Zeit und Arbeit in das Projekt investiert. Heute stellt sich dieser Teil der 1960 stillgelegten Grube Allerheiligen als Schmuckstück am Ortseingang dar.

Auf dem Rückweg halten wir uns auf der viel befahrenen Selterser Straße, der Durchgangsstraße in Ahausen. Zu fast jedem Haus hat Bruchmeier etwas zu erzählen. Einige der schönen, alten Häuser werden zur Zeit saniert und sollen noch in diesem Jahr bezogen werden. Hier ein kurzes Gespräch, dort ein Gruß über die Straße – Bruchmeier kennt und ist bekannt.

Noch einmal biegen wir ab. „Dies ist so einer meiner Lieblingsplätze in Ahausen. Die erhaltene und neu aufgebaute Ahäuser Viehwaage, der Brunnen und die Bank daneben.“ Demonstrativ setzt sich der Ortsvorsteher auf die Bank und lacht in die Kamera. „Da oben steht eines der ersten Bürgerhäuser in Hessen. Damals mit Gefrierstation, mit Saal, mit Vereinsräumen. Heute ist der Kindergarten der Weilburger Wirtschaft dort eingezogen, die Kirchengemeinde nutzt den Saal, der Heimatverein hat sein Archiv.“

Lahn-Marmor im Viehstall

Auf dem Rückweg zur Alten Schule kommen wir an einem sorgfältig restaurierten Gehöft vorbei. „Lass‘ uns mal schauen, ob Frau Göpel daheim ist.“ Frau Göpel ist Künstlerin mit regelmäßigen Ausstellungen in der Region. In Ahausen wohnt und arbeitet sie. Wir dürfen einen Blick in die Scheune werfen. Rechts der ehemalige Viehstall, heute ein Raum für Gespräche und Feiern. Ins Augen fallen die Säulen aus wohl Wirbelauer oder Villmarer Marmor und die erhaltenen Viehtränken aus dem schwarzen Schupbacher Marmor. Marmor als Baustoff im Viehstall – das gibt es wohl nur im Weilburger Land. Wobei fairerweise erwähnt werden muss, dass es sich um das Gehöft des Schultheißen im Dienst der Nassau-Weilburger handelte. Ein damals wichtiger und sicher auch wohlhabender Mann.

Die letzte Station auf unserem Spaziergang ist Herbert Schmidt’s Scheune, die Kulturscheune. Der Heimatverein zeigt hier landwirtschaftliches Gerät der letzten 150 Jahre. Es ist eine weitere Besonderheit und ein weiterer Beweis, dass in Ahausen angepackt wird wenn es gilt, Ideen zu verwirklichen.

Rund zwei Stunden hat unser Spaziergang gedauert. Schulhaus, Apfelbaumlehrpfad, verborgene Wege, eines der ältesten Bürgerhäuser Hessens, eine Verladestation, Lahnmarmor im Viehstall und eine Kulturscheune. Mir hat der Spaziergang gezeigt, dass Ahausen mehr ist als eine viel zu enge Durchgangsstraße. Mal sehen, was es in Bermbach mit Ortsvorsteher Kai Schmidt zu entdecken gilt.

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