Auf dem Weg

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Seminarkritik: Schreiben was im Kopf steckt / von Karl-Josef Schäfer

 

Zwei Tage Schreibwerkstatt mit Lutz Rathenow

„Schreiben was im Kopf steckt“ ist der Titel einer zweitägigen Schreibwerkstatt mit dem Essayisten, Lyriker und liberal-Redakteur Lutz Rathenow für angehende Autoren.

An Schreibanfänger wendet sich ein Seminar der liberalen Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. „20 Jahre Mauerfall – Schreibwerkstatt mit Lutz Rathenow – Schreiben, was im Kopf steckt“ nennt sich die Veranstaltung im Jahr 2009.

Zielgruppe

Die Schreibwerkstatt wendet sich ausdrücklich an angehende Autoren, die sich für Literatur und Journalismus interessieren. Die Bandbreite der Teilnehmer ist groß. Neben dem Studenten einer geisteswissenschaftlichen Fachrichtungen sitzt auch die Unternehmensberaterin, der Rentner, Wiedereinsteiger oder Autor, der bereits erste Erfahrungen sammeln konnte.

Inhalte

Reagiert ein Teilnehmer eher visuell oder doch eher akustisch auf einen Text? Ein Kreativtest macht dies deutlich. Im weiteren Verlauf werden die verschiedenen Textformen angesprochen und geübt. Dabei ist der Bogen der Inhalte weit gespannt. Von der Lyrik, über die Minigeschichte, den journalistischen Prosaformen, der Autobiographie und dem Kommentar bis hin zum Drama werden Themen zumindest angerissen. Jeder Teilnehmer kann einen Text im Vorfeld einreichen, der entweder in der Gruppe oder mit dem Seminarleiter besprochen wird.

Seminarablauf

Von Freitag, 17:00 Uhr bis Sonntag gegen 15:00 Uhr wird die Zeit intensiv genutzt. Übungen, Coaching und Erläuterungen gibt es im steten Wechsel. Einen breiten Raum nehmen Kreativitätsübungen und Lyrik ein: am ersten Tag bis 22 Uhr und am folgenden Vormittag bis zur ersten Pause.

Die Seminartage sind durch die vorgegebenen Essenszeiten klar strukturiert.

Die abendliche Lesung mit vielfältigen Texten aus dem jahrzehntelangen Schaffen des Seminarleiters ist Bestandteil und für manchen Teilnehmer ein Höhepunkt des Seminars.

Seminarleitung

Lutz Rathenow, Dissident und Kritiker des DDR-Regimes, ist 1952 in Jena geboren. Er lebt und arbeitet als freier Publizist in (Ost-) Berlin. Mehrfach wurde ihm vor der Wende die Ausreise aus der DDR nahegelegt. Rathenow lehnte das Angebot noch am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, ab. Das Veröffentlichungsverbot in der ehemaligen DDR umging er gemeinsam mit einem westdeutschen Verlag. Gute Kontakte zu akkreditierten, westdeutschen Journalisten halfen dabei, seinen Lebensunterhalt zu sichern.

Aus der Zusammenarbeit mit dem Fotografen Harald Hauswald entstanden eindrucksvolle Bildbände. Das 1986 im Westen erschienene und in der DDR verbotene Buch „Ost-Berlin“ erlangte Kultstatus.

In seinen Essays, (Kinder-) Büchern, Kommentaren, Glossen und anderen Beiträgen greift Rathenow immer wieder die deutsche Ost-West-Problematik auf. Er erzählt anschaulich das Leben in der DDR vor dem Mauerfall.

Die Vielfältigkeit seines Schaffens erlaubt ihm, flexibel, spontan und häufig unerwartet humorvoll durch die Schreibwerkstatt zu führen. Er bietet immer wieder Einzelgespräche und -coaching außerhalb der Seminarzeiten an. Dieses Angebot wird von den Teilnehmern dankbar angenommen. Die Gestaltung ist kurzweilig und dennoch straff. Mit Beispielen aus seinem eigenen und dem Werk von Kollegen reichert Rathenow die Inhalte an, bewertet gelegentlich seine eigenen Texte durchaus kritisch.

Tagungsort

Die Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach wurde 1967 eröffnet und mittlerweile modernisiert. Der Eingangsbereich vermittelt eine angenehme Atmosphäre, die zweckmäßig eingerichteten Zimmer mit großem Schreibtisch sind hell und sauber.

Das Personal ist sehr freundlich, hilfsbereit und zeigt, besonders bei den Mahlzeiten, eine unaufdringliche Präsenz.

Die Mahlzeiten in Büffetform sind sehr schmackhaft, die Auswahl ist reichlich. Ein vegetarisches Essen steht jeweils zum Mittag- und Abendessen zur Verfügung. Auf spezielle Diätwünsche geht das Personal gerne nach Möglichkeiten ein.

Im gesamten Komplex gibt es die Möglichkeit, sich über das kostenlose W-LAN mit dem Internet zu verbinden. Daneben stehen mehrere PC und Drucker in der Halle und in einem Seminarraum zur Verfügung der Gäste.

In der Cafeteria können sich die Gäste mit kostenlosem Wasser, Tee und Kaffee versorgen. Eine Bar im Keller dient dem Tagesausklang und dem Kennenlernen.

Der großzügige Außenbereich mit wunderbarem Blick ins Oberbergische ist aufwendig gestaltet und bietet Rückzugsmöglichkeiten zur Entspannung.

Kosten

Der Tagungsbeitrag beträgt 95 Euro (Schüler, Studenten, Auszubildende und Arbeitslose 70 Euro) inklusive Übernachtung und Vollverpflegung. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist problemlos.

Fazit

Zwei Tage Seminar mit Lutz Rathenow haben, unabhängig vom Seminarthema, ihren eigenen Reiz. Als Seminarleiter stellt Rathenow sein Wissen und sein Können uneingeschränkt den Teilnehmern zur Verfügung. Er bietet auch an, Texte nach der Veranstaltung zu redigieren und zu bewerten. Die Auswahl der von ihm vorgestellten Texte ist auf die Zielgruppe abgestimmt.

Mancher angehende Autor mag sich eine klarere Bewertung seiner Texte wünschen. Kritik wurde geschickt umgangen, ließ sich eher an den teilweise sehr feinen Abstufungen des Lobes erkennen.

Die Lesung am Abend des zweiten Werkstatttages gibt einen Überblick über die vielen Facetten seines publizistischen Wirkens. Dabei bleibt sich Rathenow als Erzähler treu. So stellt er sich schon zu Beginn des Seminares vor.

Die langen Arbeitszeiten und die Lesung stellen die Konzentrationsfähigkeit der Teilnehmer auf eine harte Probe. Rathenow versteht es jedoch, die Inhalte immer wieder interessant zu gestalten.

Der Titel der Ausschreibung ist hingegen irreführend. Wer in der Schreibwerkstatt „20 Jahre Mauerfall“ erwartet, wird enttäuscht. Dies bezieht sich ausschließlich auf die Lesung des Seminarleiters. Vielleicht sollte der Veranstalter für eilige Leser die Überschrift überarbeiten.

Insgesamt ist die Veranstaltung, dank der Präsenz Lutz Rathenows, uneingeschränkt empfehlenswert. Die Konzeption lässt auch Teilnehmer zu, die mehr als nur rudimentäre Erfahrungen im Schreiben haben. Die Theodor-Heuss-Akademie bietet ein ideales Lernumfeld.

Foto © Karl-Josef Schäfer, 2009

Pilgern an der Mosel

 

RZ-Online Artikelarchiv vom 30.09.2009

Pilgern an der Mosel
Vortrag im Stadthaus – Meditation inklusive

TRABEN-TRARBACH. "Jakobswege in Deutschland – Traben-Trarbach und der wa(h)re Jakob" heißt der Vortrag, der am Dienstag, 20. Oktober, 19 Uhr, im Stadthaus "Alter Bahnhof" in Traben-Trarbach zu hören ist. Karl-Josef Schäfer, Autor der Pilgerwanderführer-Reihe auf deutschen Jakobswegen, lädt die Besucher für 90 Minuten ein, ihn ein Stück auf dem Mosel-Camino von Stolzenfels bis Trier zu begleiten.

Hin und wieder hält er während der Veranstaltung gemeinsam mit seinen Zuhörern auch für eine Meditation inne. Eintrittskarten kosten 5 Euro. Es gibt sie bei der Tourist-Information, Tel. 06541/839 80.

Und hier der Bericht vom Mosel-Camino

 

Bitte beachten Sie, dass die Urheberrechte und das geistige Eigentum beim Autor liegen. Einen Kontakt stelle ich gerne her.

 

Der Mosel-Camino
von Koblenz nach Trier

Seit Sommer 2008 ist der Pilgerweg nach Santiago de Copostela auf der ca. 180 km langen Teilstrecke von Koblenz-Stolzenfels nach Trier als sogenannter "Mosel-Camino" ausgeschildert. Die gelbe Jakobsmuschel auf blauem Grund, mit ihren als Pfeil gedachten zusammen laufenden Rippen, weist dem Pilger die Wegrichtung.

Mit diesem Lückenschluss entlang der Mosel besteht nun die Möglichkeit, in Ost-West-Richtung über den Elisabethpfad II (Eisenach-Marburg) und den Lahn-Camino (Marburg-Lahnstein) zunächst nach Trier zum Grab des Apostels Matthias und dann weiter nach Santiago de Compostela zum Grab des Apostels Jakobus zu pilgern.

Die Route:

Koblenz-Stolzenfels – Waldesch – Hünenfeld – Naßheck – Dreifaltigkeitskirche Bleidenberg (Gemarkung Oberfell) – Alken (1. Etappe = ca. 23 km) – Löf – Hatzenport – Lasserg – Burg Eltz – Treis-Karden (2.Etappe = ca. 19 km) – Kloster Engelport – Beilstein – Kapelle Lindenhäuschen (Gemarkung Grenderich) – Bullay (3. Etappe = ca. 26 km) – Marienburg -Zell-Kaimt – Zell – Bummkopf – Enkirch – Starkenburg – Traben-Trarbach (4. Etappe = ca. 25 km)- Bernkastel-Kues – Lieser – (Osann-)Monzel (5. Etappe = ca. 24 km) – Minheimer Schutzhütte – Klausen – Krames – Klüsserath (6. Etappe = ca. 21 km) – Ensch – Schweich (7. Etappe = ca. 19 km) – Trier-Quint -Trier-Ehrang – Trier-Biewer – Trier (St. Matthias) (8. Etappe = ca. 22 km).

Literatur:    Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier
    von  Karl-Josef Schäfer und Wolfgang Welter
    ISBN-13: 978-3833498886; 2007
    Empfehlung: 8 Etappen

„Unser“ Mosel-Camino, von dem mir im September 2008 in Santiago de Compostela ein Ehepaar aus Hachenburg/Westerwald, berichtet hatte.

Etappe 1: von Stolzenfels  nach Wierschem

20.7.09    Stolzenfels bis Waldesch:     → wunderschöner Pilgerweg (Merkurtempel…)

Waldesch bis Naßheck    →Weg parallel zur Bundesstraße nutzen

Naßheck    → wird von der Hunsrückhöhenstraße aus kommend durch Naßheck gegangen, kurz vor dem Ortsende nach links, um die Autobahn-Fußgänger-Brücke nutzen zu können.

Naßheck bis Burg Thurant    → wunderschöner Pilgerweg; auf die Wegweiser achten! Irreführende Beschilderung!

Alken, Löf, Hatzenport…    → vom Hunsrück geht es über die Moselbrücke in die Eifel
→ interessante Wasserstandsanzeiger; die Hochwasser nehmen auch an der Mosel in den letzten Jahren deutlich zu…
→ sehr schöner Aufstieg nach Lasserg; alternativ den Weinbergsweg entlang der Bahnstrecke nach Moselkern nutzen.
In Lasserg gibt´s keine Einkaufsmöglichkeit und auch keine Unterkunft. Eine freundliche ältere Dame hat uns aber eine Flasche Wasser und etwas Saft gereicht für ein Vater unser… In den kleinen Ortschaften lohnen sich offensichtlich finanziell weder kleine Geschäfte noch Gasthäuser noch ein eigener Pfarrer… Trotzdem wäre eine Anlaufstelle für Pilger äußerst wichtig….., wenn Pilger in diesen Ortschaften willkommen sein sollen.  Nach dem wunderschönen Aufstieg ist der Pilger durstig und müde….

Lasserg nach Wierschem    → die erste Gasstätte in Wierschem hatte geschlossen. Der Landgasthof Neuhof (Fam. Wolff; 02605/569) am Ortsende hat uns trotz Ruhetag Übernachtung und Frühstück bereit gestellt. Sehr ruhig; gutes Frühstück! Nette Familie!

Etappe 2: von Wierschem zum Kloster Engelport

21.7.09    Wierschem zur Burg Eltz    → direkt hinter dem Landgasthof Neuhof in den Wald und am Ende des Waldes rechts halten, vorbei an einem sehr idyllischen alten Bauernhof, der sich hervorragend für ein Altenheim direkt am Camino eignen würde (die Menschen hätten hier Ruhe, aber auch den direkten Draht zur Bevölkerung, da hier der Weg zur Burg Eltz vorbei führt).

Burg Eltz    → wohl die einzige –sehenswerte – Burg in Deutschland, die trotz der Errichtung einer Trutzburg nie zerstört worden ist. Herrlicher Pilgerweg bis Karden, der gut markiert ist.

Karden nach Treis    → hier geht´s wieder über die Mosel. Diesmal von der Eifel in den Hunsrück! In Treis gibt´s ein schönes kleines Schwimmbad, das zu einer kleinen Rast einlädt.
Treis zum Kloster Engelport    → wunderschöner Pilgerweg durchs Flaumbachtal. Hier wurde 1945 der letzte Lachs (Salm) gefangen. Die verbleibende Weckstrecke wird hier einige male in Stunden angegeben, was früher üblich und heute nostalgisch wertvoll, aufgrund der unterschiedlichen individuellen Pilgergeschwindigkeit  aber irreführend ist.

Kloster Engelport    → sehr idyllisch gelegenes Kloster, dessen Ursprünge bis ins 11. Jhr. zurückreichen. Gute Unterkunft und der Gelegenheit an den Messen sowie am Abendessen und Frühstück teilzunehmen. Bruder Josef „betreut“ einen gepflegten –sehenswerten – Kräuter-Garten. Aber auch das Kloster selbst hat seine Sehenswürdigkeiten. Ein alter Steinsarg im Hof, eine Grotte, geschnitzte Innentreppe….
→ bis Ende der 50er Jahre wurde hier noch Strom aus Wasserkraft erzeugt..; vielleicht wird das kleine Wasserkraftwerk im Zuge des immer wichtiger werdenden nachhaltigen Wirtschaftens wieder in Betrieb genommen; regionale Unterstützung gibt es bestimmt….

Etappe 3: vom Kloster Engelport zur Marienburg

22.7.09    Engelport – Beilstein    → wunderschöner Pilgerweg durch den Wald
→ Wegweiser nicht eindeutig; umgestürzte Bäume lagen auf dem Pilger-Weg
→ Frau Petra Arens, Kellnerin im Kloster-Café hat uns gleich als Pilger erkannt und den Stempel des Kath. Pfarramtes mitgebracht. Wunderschöne Aussicht auf die Mosel. Die Wegmarkierung nach Grenderich genau beachten; hier haben wir uns verlaufen, da offensichtlich einige Markierungen gefehlt hatten…

Grenderich    → schöner Ort auf dem Plateau, der nicht auf Pilger eingestellt ist. Die Dorfschänke öffnet erst um 17 Uhr; keine Einkaufsmöglichkeit; Getränke-Großhändler am Ortsende (nahe Sportplatz); der Pfarrer betreut 18 Gemeinden… unglaublich!!! Wegmarkierung ab dem Sportplatz fehlt. Wir sind deshalb nicht in Bullay sondern in Zell angekommen, um von dort zurück über die Brücke von Bullay nach Alf zur Marienburg zu gelangen.

Marienburg    → gute Unterkunft; Abendessen und Frühstück ebenfalls.
→ wunderschöne Aussicht auf die Moselschleife(n)

Etappe 4: von der Marienburg nach Kesten

23.7.09    Kaimt    → Abstieg ist bis zum Wald eindeutig; dann vorbei an mehreren Weggabelungen, die nicht markiert sind; die Benutzung der Bundesstraße ist recht gefährlich und nicht zu empfehlen!
Fußgänger-Brücke nach Zell    → schöne Foto-Motive von der Brücke aus…

Notenau, Enkirch

Traben-Trarbach    → Von Zell aus „über den Berg…“; von Zell aus könnte auch ein Schiff nach Traben-Trarbach genommen werden….

Bernkastel-Kues    → wir sind von Traben-Trarbach mit dem Schiff nach Ürzig und dem Kloster Machern, weil ein Onkel während des III. Reiches in Ürzig eine Gastwirtschaft hatte. In Kues haben wir einen eindrucksvollen Mosel-Wasserstands-Anzeiger fotografiert.

Kesten    → Der Weg über Lieser ist recht angenehm zu laufen.
→ Vor Kesten ist eine alte römische Kelteranlage zu sehen.
→ Monzel und Kesten sind vom Weinbergsweg aus zu sehen, leider gibt es keine entsprechenden Hinweise
→ Kesten ist ein sehr schöner kleiner Weinort, den wir bevorzugt hatten, weil uns ein Gewitter überraschte.
→ Äußerst nette Aufnahme im Weingut Peter Junk, das gleichzeitig Touristen-Info-Stelle ist (06535/523)

Etappe 5: von Kesten nach Trier

24.7.09    Monzel    → von Kesten geht´s den Berg rauf nach Monzel; Herr Junk sagte uns, dass wir es von Kesten nach Trier an einem Tag schaffen würden… Die Wegmarkierung aus Monzel heraus ist nicht eindeutig… Achtung!

Klausen    → schöner besinnlicher Ort, in dem ein großes Kloster zum Verkauf steht. Gut organisiertes Pfarramt

Klüsserath    → verlassen des Waldes in die Weinberge; Wegweiser nach rechts und dann erreicht der Pilger eine Weggabelung ohne einen entsprechenden Hinweis….. An manschen Stellen könnten zur besseren Orientierung gelbe Pfeile auf den Teerweg oder an eine Weinbergsmauer… gespritzt werden…
→ Touristen-Information öffnet erst um 15 Uhr; Gastwirtschaft in der Nähe schließt um 14 Uhr; gutes Essen am Camping-Platz.

Trier    → die letzten 13 km sind wir mit dem Bus gefahren, da die Strecke nicht sonderlich einladend gewesen ist. Dafür sind wir dann vom Bahnhof in die Altstadt. Bahnhof und Theodor-Heuss-Allee bis zur Porta Nigra sind wohl ein kleiner „Brennpunkt“ in Trier.

→ Stempel von der Touristen-Info, der Jakobus-Bruderschaft und dem Dom haben wir erhalten.
→ Trier ist die älteste Stadt Deutschlands; der Heilige Rock und das Grab des Apostels Matthias sind hier!

Da wir einige zusätzliche Sehenswürdigkeiten angelaufen sind, sind wir gut und gerne 200 km in gut 5 Tagen gepilgert. Mein Neffe Matthias war abends dann doch froh, als wir einen der letzten Züge nach Kobern-Gondorf genommen haben, wo wir von seinem Vater abgeholt wurden.

Zwei junge Damen aus Luxemburg haben wohl beobachtet, als wir unser Ticket (Rheinland-Pfalz-Ticket der Bahn für bis zu 5 Personen) gekauft haben. Im Zug haben Sie uns dann angesprochen, ob sie auf unserem Ticket mitreisen dürften, was wir zugelassen haben. Die beiden waren noch keine 16 Jahre alt und auf dem Weg zum Punker Treffen bei Rostock. In Warenmünde haben wir die beiden dann sowohl am Kirchplatz vor dem Edeka Neuhof als auch an der Strandpromenade wiedergetroffen.

Habe sehr viele Menschen kennengelernt, die spätestens ab dem magischen Alter von 50 Jahren einen sinnvollen Weg suchen, um über sich selbst und das „Danach“ nachzudenken und um die verbleibende eigene Lebens-Zeit sowie das selbsterworbene eigene kleinere oder größere Vermögen sinnvoll im Sinne der Schöpfung einzusetzen. Diese Menschen sind oftmals von unserem gelebten Wirtschaftssystem enttäuscht, in dem die sogenannte Elite „gefühlt“ eher eigene Interessen als die Interessen der Bevölkerung sowie der Natur/des Klimas verfolgt. Die Gemeinschaft ist aufgrund des zunehmenden individuellen  Egoismus  auf dem Weg, zu  zerbrechen… Vor diesem Hintergrund sind Initiativen wie

→     GOGREEN-Programms der Deutschen Post AG
→    Null-Emissions-Landkreis Cochem – Zell (heute schon werden 100% des Stromverbrauchs des Landkreises aus eigenen Erneuerbaren Energien für die rund 65.000 BürgerInnen hergestellt) bis 2020 soll ein Null-Emissions-Landkreis entstehen
→ Wir bauen auf die Energie der Zukunft (www.verantwortung.aldi-sued.de); Aldi Süd hat bereits 729.358 m² Photo-Voltaik auf den Dächern seiner Filialen und Logistikzentren installiert!
→ Koblenz wird Solarstadt

äußerst wichtige – Mut machende – Leuchtturm-Projekte, die der jüngeren Generation Hoffnung auf eine lebens- und liebenswerte Zukunft geben. Es entsteht sehr sehr viel – unterstützen wir alle im Rahmen unserer Möglichkeiten ein nachhaltiges Denken und Handeln in Europa und auf der ganzen Welt.

Auf den Höhen von Eifel und Hunsrück haben wir viele Windkraftanlagen gesehen und in einigen Gemeinden sind bereits deutlich wahrnehmbare Kapazitäten an Photo-Voltaik (Strom-Erzeugung durch die Sonne u.a. in Lay, Alken, Lasserg, …) und Thermie (Warmwasser + Heizungsunterstützung durch die Sonne) entstanden… Auch Biogas scheint sich in der überwiegend landwirtschaftlich strukturierten Region durchzusetzen…

Die Erneuerbaren Energien sind neben der Energie-Einsparung und einer höheren Energie-Effizienz die tragende Säule unserer künftigen Energie-Beschaffung (Deutschland ist heute noch gut 70 % importlastig!!), zumal Deutschland international eine herausragende Spitzenposition, die von hochmotivierten Ingenieuren, begnadeten Tüftlern, vorausschauenden Politikern und Unternehmen erst ermöglicht worden ist, inne hat. Einige Banken (www.gls-bank.de; www.dkb-bank.de; www.umweltbank.de sowie zahlreiche Sparkassen und Raiffeisenbanken/Volksbanken) haben sich bereits sehr früh um den Aufbau der für die Finanzierung Erneuerbarer Energien nötigen Branchen-Kompetenz verdient gemacht. Aber auch Verbände wie der Sparkassen- und Giroverband Rheinland-Pfalz (Schwerpunkt: Geothermie), haben sich für die Förderung der Erneuerbaren Energien eingesetzt.

Darüber hinaus werden Projekte in anderen Ländern (z.B. in Tansania durch die Fa. Prokon (www.prokon.net) gefördert, um aus der anspruchlosen Energiepflanze Jatropha Pflanzenöl alternativ zum Diesel als Kraftstoff auf unwirtschaftlichen Flächen herzustellen. Werden dort die vielen Kleinbauern nicht enteignet, sondern bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen unterstützt, so kann auch dort bescheidener Wohlstand entstehen und zur Energiesicherheit sowie etwas mehr Frieden auf dieser Welt beigetragen werden.

Empfehlungen:    → Tourismus-Informationen der Mosel-Regionen sollten untereinander stärker zusammenarbeiten
→ Gemeinden am Camino sollten eine am Tage stets erreichbare „Anlaufstelle“ haben (Handy-Nr. z.B. an der Kirche hinterlegen).
→ teilweise ist der Camino denkbar schlecht markiert; versch. Wegführungen
→ nahtlose Entfernungsangaben der einzelnen Stationen für den Camino (s. Conrad Stein Pilgerführer) aufnehmen
→ die meisten von uns angesprochenen Menschen in den verschiedenen Gemeinden haben noch nichts vom Mosel-Camino gehört
→ konnte keine zusammenhängende Landkarte erhalten (ganz tolle Wanderkarten über www.traumpfade.de, die genutzt werden könnten)
→ „leichten Pilger-Führer“ mit guter Karte anbieten
→ „in der Fläche“ sinkt das Dienstleistungsangebot rapide; in einigen Gemeinden gab es keine Einkaufsmöglichkeiten; Gasthäuser haben erst ab 17 Uhr geöffnet oder es gab keine (Lasserg)
→ Pfarrämter waren fast ausnahmslos geschlossen; die Stempel könnten entweder in der Kirche liegen oder in einem nahen Restaurant
→ Pilgerbrief zum Heiligen Rock (bzw. dem Dom), dem Grab des Apostels Matthias oder…. nach Trier anbieten

Der Mosel-Camino ist ein Erlebnis……: für jeden! Je mehr Menschen unterschiedlichster Herkunft sich hier finden, miteinander reden und somit austauschen, um so eher setzen sich sehr gute Ansätze dauerhaft durch.

Der Jakobsweg von Flensburg nach Glückstadt/Elbe

 

Hier eine kritische Rückmeldung zur Via Jutlandica. Vielen herzlichen Dank dafür. Bitte wieder von unten nach oben lesen:

 

Lieber Herr Schäfer,

da ist mir ja ein Ding passiert, darum zuerst große Entschuldigung für die Namensverwechselung, Pardon.

Kritik ja, aber nicht vernichtend, schon garnicht gegen den inaltlichen Text Ihres Buches.

Meine Kritik bezieht sich auf Äußerlichkeiten. Ein Buch spricht mich auch optisch an und da spielt die "Fassade" doch eine erhebliche Rolle.

Man nimmt es in die Hand blättert und möchte sich auf der Rückseite des Einbandes/Deckels über den Inhalt informieren.

Hier begann für mich das Dilemma. Ein Druckbild in Miniaturschrift und einer ungenügend kontrastreichen Farbkombination. Hier der Einsatz einer

"optischen Lesehilfe", eine Lupe. Keine Chance, wir (nicht nur ich) konnten den Text nicht lesen, dies ist mein Problem und Krtikpunkt.

Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass hier kein Einfluss auf die Gestaltung des Buches bein Verlag möglich ist.

Noch zu den Bildern, hier Nr.30, es ist wenig bis garnicht  aussagekräftig, grau in grau mit geringsten Abstufungen an der Horizontlinie 

Ein typischer Elbblick ??

Ich hoffe doch, Sie verstehen meine Anmerkungen richtig und können sie zuordnen., viel Erfolg weiterhin.

Doch noch einmal die Frage, was steht auf der Rückseite?

Allea Gute und Grüße von der Elbe.

 

—– Original Message —–

From: Karl-Josef Schäfer

To:

Sent: Wednesday, August 19, 2009 6:05 AM

Subject: Re: Der Jakobsweg von Flensburg nach Glückstadt/Elbe

Hallo, schönen guten Tag, Herr Röhrig, endlich einmal eine durch und durch vernichtende Kritik. Hat Ihnen denn der Inhalt gefallen? Und wer ist Herr Schröder, den Sie in Ihrer eMail ansprechen?

Ja, der Einband ist suboptimal. Leider habe ich da keinen Einfluss drauf, das kommt vom Verlag und die anderen Pilgerwanderführer sind in gleicher Aufmachung.

Über die Qualität der Fotos lässt sich auch nicht streiten. Da mögen Sie bitte einem Pilger verzeihen, der keine komplette Fotoausrüstung mitschleppen kann.

Diesen Satz verstehe ich nicht: "Auch besondere optische Hilfen führten zu keinem

Ergebnis Handelt es sich um Texte oder was gibt die Seite her ??" Könnten Sie mir auf die Sprünge helfen?

Schöne Grüße ins wunderschöne Hamburg, Ihr Karl-Josef Schäfer

From:

Sent: Monday, August 17, 2009 3:00 PM

To: via-jutlandica@xschaefer.de

Subject: Der Jakobsweg von Flensburg nach Glückstadt/Elbe

Hallo Autor, lieber Herr Schröder !!

Laut Vorspann, bitten Sie  um Tipps.

Es beginnt mit dem Finden des Buches im Regal, dies grenzt schon an ein kleines Wunder.

Ich halte die 2. Auflage in den Händen. Oder ist das Exemplar ein drastischer Fehldruck ?

Soweit bis hier. Aber: Wer das Layout für den Einband in der vorliegenden Form für 

das Buch gestaltet hat, muss wohl alles über Farbe, Kontrast und Schriftgrößet

ausser acht gelassen haben. Gemeint ist der Rücken und die Rückseite der Einbandes.

Wer soll das lesen können? Wirklich unzumutbar ! Auch besondere optische Hilfen führten zu keinem

Ergebnis Handelt es sich um Texte oder was gibt die Seite her ??

Ein weiterer Punkt: Mit den heutigen technischen Möglichkeiten (ohne großes Geld!), läßt sich auch mit s/w-Bildern 

eine gute Abbildung (Abbildung 30, Blick? über die Elbe) realisieren.

Mein Tipp für die Zukunft, hier sollt etwas geschehen

Mit freundlichen Grüßen

 

Hamburg

Via Jutlandica

 

Der Jakobsweg von Flensburg nach Glückstadt/Elbe – Ein Pilgerwanderführer für die Via Jutlandica

Auch im hohen Norden tut sich etwas (bitte unten anfangen zu lesen):

 

Hallo Ka-Jo,

das ist ja eine prompte Reaktion aus dem weit entfernten Schottland, aber Internet überwindet jegliche Entfernung.
Besten Dank für Deine Information. Wir werden dann einfach losmarschieren (24.9.09)

Schöne Tage im hohen Norden, liebe Grüße
Deine
Eberhard und Petra
Ps.: Ein Erlebnis- und Reisebericht wírd dann zur gegebenen Zeit erfolgen.

"Karl-Josef Schäfer" <kajo@xschaefer.de> schrieb:

Hallo, Eberhard, es ist kein Problem, ohne Karte zu gehen. Ich bin gerade in Schottland – aber wenn noch irgendwelche Fragen sind, stehe ich gerne zur Verfügung.

Ultreya, guten Weg, Dein Ka-Jo Schäfer

 

Sent: Friday, September 11, 2009 1:16 PM

To: Karl-Josef Schaefer

Subject: Via Jutlandica

Sehr geehrter Herr Schäfer,
wir wollen am 26. September ds. Js. in Krusau die Pilgerschaft antreten auf der Via Jutlandica,
mit Ihrem Wanderführer in der Tasche.
Ist die Ausschilderung so gut und ausreichend, dass man ohne Wanderkarten das Ziel erreicht?
Oder sind die von Ihnen angegebenen Karten des Landesvermessungsamts Schleswig-Holstein notwendig?
Über eine kurze Antwort würden wir uns freuen.
Mit freundlichen Grüßen

Seminarkritik: Einstieg in den Umstieg / von Karl-Josef Schäfer

 

Drei Tage Neuorientierung für Selbstständige

„Einstieg in den Umstieg“ ist der Titel eines dreitägigen Seminares beim Institut für Bildung, Medien und Kunst in Lage-Hörste.

An erfahrene Freiberufler und Selbstständige richtet sich ein Workshopangebot des Instituts für Bildung, Medien und Kunst in Lage-Hörste.

Zielgruppe

Der Workshop richtet sich an Selbstständige, die ihre eigene Tätigkeit hinterfragen wollen. Die Berufe sind vielfältig. Der Fernsehproduzent und die Lektorin sind ebenso angesprochen, wie der bildenden Künstler, die Grafikdesignerin oder der bekannte Fußballjournalist. Gemeinsam ist ihnen die Bereitschaft, über ihr eigenes Schaffen nachzudenken und wo notwendig neue Wege zu beschreiten.

Inhalte

Die zentralen Fragen des Seminars werden schon zu Beginn gestellt: Kann ich mich noch auf dem Markt behaupten? Was kann ich in veränderten Märkten tun? Wäre eine Neuorientierung oder Ausweitung meiner Arbeitsfelder sinnvoll?

Dabei steht die intensive Beschäftigung mit eigenen Kompetenzen und Erfahrungen im Vordergrund. Die Selbst- und Fremdsicht wird ständig hinterfragt und manchmal korrigiert. Fähigkeiten und Stärken sollen herausgearbeitet werden. Aus vielen kleinen Puzzleteilen der Einzel- und Gruppenaufgaben setzt sich dann ein Bild zusammen. Darauf können sich die Teilnehmer nach Abschluss des Seminars stützen.

Den Höhepunkt des Workshops stellt eine Auswahl von Anregungen, Denkanstößen und Tipps für jeden Teilnehmer dar. Diese waren zuvor von anderen Teilnehmern erarbeitet und grafisch dargestellt worden. Zum Teil entstehen dabei neue Aufgabenfelder oder berufliche Ziele.

Seminarablauf

Der Workshop beginnt um 10 Uhr am ersten und endet um 13:00 Uhr am dritten Tag. Klare Arbeitsanweisungen strukturieren den Tag. Eine Kaffeepause kann schon einmal übersprungen oder in den Ablauf integriert werden. Lediglich die Mahlzeiten sind von der Küche vorgegeben und führen zu einer Unterbrechung.

Das besondere Thema führt dazu, dass Mittagspause und die Zeit nach dem Abendessen intensiv für den Austausch genutzt werden.

Während der Seminarzeiten sorgt steter Wechsel von Einzel-, Gruppen- und Plenumsarbeit dafür, dass der Spannungsbogen erhalten bleibt.

Seminarleitung

Berhard H. Miltner ist als Wirtschaftspsychologe selbst Freiberufler. Er führt seit 18 Jahren Trainings durch und ist seit 10 Jahren Kompetenz- und Karriereberater. Dabei verzichtet er bewusst auf Personalvermittlung und Headhunting.

Sein Ziel ist, berufliche Kompetenzen bewusstzumachen und gegebenenfalls neue Perspektiven aufzuzeigen.

Als Seminarleiter versteht er es, systematisch durch den Prozess zu führen. Ständig fordert er Teilnehmer auf, Aussagen zu konkretisieren und bleibt als Ansprechpartner präsent. Fachlich und persönlich geht er kompetent auf die Teilnehmer ein.

Tagungsort

Das Heinrich-Hansen-Haus des ver.di Institutes für Bildung, Medien und Kunst wurde 1954 erbaut. Es bietet nach verschiedenen Modernisierungen Platz für 104 Gäste in Einzel- und Doppelzimmern. Der Empfangsbereich öffnet sich nach links zum Kommunikationsbereich „Brücke“ und nach rechts in ein Foyer mit dahinterliegendem Speisesaal. Die zweckmäßig eingerichteten Zimmer mit großem Schreibtisch sind hell und sauber.

Das Personal ist sehr freundlich und hilfsbereit. Das „Gewerkschafts-Du“ macht den Umgang persönlich und familiär, der Gast kann sich gleich zu Hause fühlen.

Die Mahlzeiten in Büffetform sind sehr schmackhaft. Es steht neben dem Standardessen auch eine vegetarische Version zur Verfügung. Zum Abendessen kann sowohl warm als auch kalt gegessen werden, Salate sind in einer reichlichen Auswahl vorhanden. Auf spezielle Diätwünsche geht die Küche nach Möglichkeit gerne ein.

Im gesamten Komplex gibt es die Möglichkeit, sich über das kostenlose W-LAN mit dem Internet zu verbinden. In den Zimmern und im Außenbereich ist der Empfang jedoch stellenweise sehr schlecht. Im Wintergarten ist ein Internetcafé mit mehreren PC vorhanden.

Die Gaststätte im Untergeschoss mit Raucherraum und schönem Biergarten dient dem Tagesausklang und dem Kennenlernen. Sie ist einladend gestaltet und hat ortsübliche Preise. Für den kleinen Hunger stehen Salate, Brot und Aufschnitt kostenlos bereit.

Der großzügige Außenbereich bietet den Blick ins Grüne, die abgeschiedene Lage sorgt für Ruhe und Erholung.

Das Haus bietet Hotelkomfort auf recht hohem Niveau und kann auch von Einzelgästen belegt werden.

Kosten

Der Tagungsbeitrag beträgt 300 Euro (ver.di-Mitglieder zahlen 120 Euro und erhalten eine Fahrtkostenbeteiligung), inklusive Übernachtung und Vollverpflegung. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist problemlos. Seminarteilnehmer werden vom nächsten Bahnhof Lage (Lippe) entweder vom Hausbus oder einem Taxiservice abgeholt.

Fazit

Zu oft fehlen dem Freiberufler und Einzelunternehmer die objektiven Gesprächspartner, um eingefahrene Arbeitsfelder zu hinterfragen oder neue Ziele zu definieren. „Einstieg in den Umstieg“ soll nicht bedeuten, Altes über Bord zu werfen und etwas völlig Neues anzufangen. Der Workshop will und kann dabei helfen, eigene Kompetenzen zu überdenken und neue Ideen mit nach Hause zu nehmen.

Bernhard Miltner bleibt seinem eigenen Anspruch als Coach über die gesamte Zeit treu. Er führt die Teilnehmer durch den Workshop und begleitet sie durch die verschiedenen Prozesse. Der Seminarleiter achtet auf die Zeitvorgaben, ohne die Einzel- oder Gruppenarbeiten abrupt zu beenden. Dank des Wirtschaftspsychologen bietet das Seminar einen Übungsverlauf, der erkennbar auf den Höhepunkt zusteuert. Fast ohne es zu merken, setzen die Teilnehmer einen Schritt vor den anderen. Dabei ändern sich die Blickweisen von der eigenen Rolle hin zu der Position des Nachbarn oder Gegenübers. Den Höhepunkt stellt schließlich das erarbeitete Papier mit Hinweisen und Tipps für Kollegen dar.

Obwohl nicht Inhalt des Workshops, wünscht sich der Teilnehmer gelegentlich ein konkretes Feedback vom Seminarleiter. Dieser könnte sicher auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen und manche Gruppen- oder Einzelarbeit beschleunigen.

Die intensiven Arbeitszeiten stellen die Konzentrationsfähigkeit der Teilnehmer auf eine harte Probe. Seminarleiter Miltner versteht es jedoch, im rechten Moment einen interessanten Kurzvortrag oder eine Entspannungsphase einzuschieben.

Neben einem Besuch der nahe gelegenen Gedenkstätte Stukenbrok bietet die Hausleitung auch ein Abendprogramm an. Dass dieses von den Teilnehmern an einem derart intensiven Workshop nicht genutzt wird, sollte bei den Veranstaltern auf Verständnis stoßen.

Vielleicht ist es dem Veranstalter möglich, die Seminare im Haus so abzustimmen, dass die verschiedenen Zielgruppen homogener sind.

Insgesamt ist der Workshop, nicht zuletzt wegen Bernhard H. Miltner, empfehlenswert. Die Konzeption lässt auch Teilnehmer zu, die aus dem Management heraus über eine selbstständige Tätigkeit nachdenken. Das Heinrich-Hansen-Haus bietet ein angenehmes Lernumfeld.

Foto © Karl-Josef Schäfer, 2009

Ausflugstipp: Freistaat Flaschenhals am Rhein / von Karl-Josef Schäfer

 

90 Jahre nach der Anerkennung im Versailler Vertrag

Zwischen Kaub und Lorch im Mittelrheintal, und bis nach Limburg an der Lahn, erstreckt sich der historische Freistaat Flaschenhals. Heute laden Winzer zur Weinprobe in eine der schönsten Landstriche Deutschlands ein.

Wir befinden uns im Jahr 1918 nach Christus. Das ganze Rheinland ist von den Alliierten besetzt. Das ganze Rheinland? Nein! Ein von unbeugsamen Deutschen bevölkerter Landstrich hört nicht auf, sich selber zu verwalten und gründet am 19. Januar 1919 den Freistaat Flaschenhals.

Was wie der Einstieg in eine neue Geschichte der beliebten Asterix-Edition klingt, gab es in Deutschland wirklich. Und hatte Bestand bis zum 23. Februar 1923, als sich die französischen Besatzungstruppen entschlossen, der schwierigen Situation ein Ende zu bereiten.

Die Verträge von Versailles

Im Versailler Vertrag entstand das Kuriosum. Die Besetzung des Rheinlandes wurde angeordnet. Die Besatzungstruppen der Amerikaner in Koblenz und der Franzosen in Mainz schlugen mit dem Zirkel einen Kreis um die Brückenköpfe. Dabei entstand ein schmaler Streifen auf der rechten Rheinseite zwischen Kaub und Lorch. Im Hinterland erstreckte er sich bis Limburg an der Lahn und blieb unbesetzt. Die Region wurde im Versailler Vertrag als unbesetztes Gebiet anerkannt und erhielt wegen seiner Form von den selbstbewussten Menschen der region den Namen „Freistaat Flaschenhals“.

Schmuggler und Schwarzmarkthändler

Die Franzosen legten Einspruch gegen diese Konstruktion ein. Aber sie konnten sich gegen die Verbündeten und die deutsche Waffenstillstandskommission nicht durchsetzen. Die Grenzen wurden geschlossen, niemand sollte heraus und niemand kam hinein. Züge fuhren ohne Stop durch das Gebiet. Die Versorgungslage für die rund 8.000 Menschen im Gebiet wurde katastrophal. Über Limburg, der nächstgelegenen Stadt im unbesetzten Deutschland, gelangten Lebensmittel und Heizmaterialien aus dem unbesetzten Deutschland an den Rhein. Aber die Straßen waren schlecht, die Fuhrwerke und Lastwagen konnten nur halb beladen werden. Oftmals trafen die Transporte verspätet oder gar nicht ein. Die Preise stiegen ins Unermessliche.

Ein Paradies für Schmuggler und Schwarzhändler tat sich auf. Nachts legten Boote besonders in Lorch an, durch eine vorgelagerte Insel geschützt vor den Blicken von der anderen Rheinseite. Sie halfen, die Versorgung im Flaschenhals aufrecht zu erhalten. Der beliebte Rheingauer Riesling-Wein aber wurde verladen und nach Limburg in Richtung unbesetztes Deutschland geschafft.

Ende des Freistaates Flaschenhals

Ob es am Wein lag, den die Rheingauer Winzer aus ihren Kellern in den Flaschenhals vor den Franzosen in Sicherheit brachten? Der Kommandeur der französischen Besatzungstruppen, General Henry Mordacq, versuchte auf jeden Fall jede Gelegenheit wahrzunehmen, den Freistaat Flaschenhals zu beseitigen.

Im Winter 1922 geraten die Deutschen mit ihren Reparationszahlungen von Holz und Kohle in Verzug. Das Ruhrgebiet wird von französischen Truppen besetzt und die Gelegenheit wahrgenommen, auch in den Flaschenzahl einzumarschieren. Gegen den Widerstand der Bevölkerung endete am 23. Februar 1923 offiziell die Geschichte des politischen Kuriosums auf deutschem Boden.

Wein, Geschichte, Kultur und Natur auf Schritt und Tritt

Zum 75. Jubiläum des Freistaates Flaschenhals gründeten Winzer und Gastronomen die Freistaat Flaschenhals Initiative. Die heute 13 Mitglieder erzeugen qualitativ hochwertige Weine und bieten regionale Spezialitäten in den Gasthäusern und Restaurants an. Die Lorcher Kultur Tage und die Kauber Theater-Tage ziehen Besucher aus ganz Deutschland an.

Und nicht zu vergessen das romantische obere Mittelrheintal, 2002 von der UNESCO zum Weltkulturerbe gewählt. Burgen, Schlösser und Klöster stehen dicht an dicht. Die Geschichte des Landstrichs ist auf Schritt und Tritt spürbar.

Ein Bummel durch die historischen Altstädte, ein ruhiges Verweilen in einer die vielen Kirchen, sich auf der Turmspitze einer Burg als Ritter fühlen – das und ein gutes Essen mit einem erlesenen deutschen Wein ist der Freistaat Flaschenhals heute.

Wander- und Spazierwege, lokal und überregional, durchziehen das Gebiet und laden zu Mehrtages- oder Tagestouren ein. Am Rhein entlang führen Rheinsteig, Rheinhöhen- und Rheinburgenweg. Ein Stück des historischen Jakobsweges, der Rhein-Camino, führt Sie auch von Kaub bis nach Lorch. Durch den Taunus führt der Europäische Fernwanderweg 1. Und die vielen hervorragend gepflegten und markierten lokalen Rundwanderwege bieten sich zum Spaziergang an.

Informationen

Lorch am Rhein und Kaub am Rhein sind an der Bundesstraße 42 Koblenz-Wiesbaden gelegen und mit Bahn und Bus gut an den Öffentlichen Personen-Nahverkehr angebunden. Auf dem Rhein-Camino (Jakobsweg von Koblenz nach Worms) beträgt die Wanderentfernung 9 km rheinaufwärts. Die Zugfahrt zurück ist stündlich möglich, dauert 5 Minuten, die Einzelfahrt kostet 2,10 Euro (Abfrage am 12.05.2009). Es gibt verschiedene Fähr- und Schiffverbindungen. Auskunft erteilen die Fremdenverkehrs-Informationen. Diese halten auch Informationsmaterial über regelmäßige Veranstaltungen bereit.

Alle Fotos © Karl-Josef Schäfer, 2009

Anhang 6 – Rundgang durch das historische Koblenz

 

(Entnommen aus: Schäfer Karl-Josef und Welter Wolfgang: Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier – Der Pilgerwanderführer für den Mosel-Camino, BoD, 2007, ISBN: 978-3833498886, 14,95 Euro)

Unser erster Teil des Rhein-Camino endet in Stolzenfels, gegenüber von Lahnstein, wo sich die mittelalterlichen Pilger sammelten, um weiter am Rhein entlang (Mainz, Speyer, Straßburg) oder auch moselaufwärts in Richtung Trier zum Grab des Apostels Matthias zu pilgern.

Vielleicht haben Sie ja ein wenig Zeit, um sich Koblenz anzusehen. Wenn es sich dabei um richtig viel Zeit handelt, dann besorgen Sie sich am besten einen der wirklich guten Stadtführer und/oder besuchen die Festung Ehrenbreitstein auf der anderen Rheinseite. Für ein paar Stunden kann aber unser Stadtrundgang als Anhalt dienen.

Vorab: Für 2011 ist die Bundesgartenschau (BuGa) an Koblenz vergeben worden. Kernbereiche werden u.a. das Deutsche Eck, die gegenüberliegenden Ufer an Rhein und Mosel, die Rheinanlagen, der Schlossbereich, Ehrenbreitstein und der Blumenhof sein. Die entsprechende Agenda sieht für die Stadt in den kommenden Jahren vielfältige Bau-Maßnahmen vor:

· Tieferlegung der Straße zwischen dem Schloss und der Schlossstraße sowie Bau einer ebenerdigen Fußgängerbrücke

· Bau einer Tiefgarage unter dem Schlossvorplatz

· Bau einer Seilbahn über den Rhein vom Schloss zur Festung Ehrenbreitstein

· Bepflanzung der Kernbereiche

· Neugestaltung des Schlossvorplatzes und des Schlossgartens

Es könnte also sein, dass der folgende Rundgang wegen diverser Bauarbeiten nicht ganz so verlaufen kann, wie er hier vorgeschlagen wird.

Folgende Sehenswürdigkeiten begegnen uns u. a. auf unserem Streifzug durch die Koblenzer Kernstadt:

· Münzplatz

· Florinsmarkt

· Liebfrauenkirche

· Jakobuskapelle

· St. Kastor

· Deutsches Eck

· Kurfürstliches Schloss

Beginnen wir unseren Stadtrundgang am Münzplatz, inmitten des römischen ‚apud Confluentes’, also am Zusammenfluss von Rhein und Mosel. Hier ließen sich vor rund 2000 Jahren die Römer nieder. Ob Confluentes eine Handelssiedlung war oder schon unter Tiberius (14 – 37 n. Chr.) ein Kastell zum Schutz gegen die Germanen: so ganz sicher sind sich die Historiker nicht. Die Kastell-Theorie ist umstritten. Wie auch immer, fest steht, dass die Siedlung einen rasanten Aufschwung nahm und sich ständig vergrößerte. Und spätestens im 3. Jh. war Confluentes ein römisches Kastell, um sich gegen die immer häufigeren Angriffe der Germanen zu verteidigen.

Hier am Münzplatz standen die kurtrierischen Münzwerkstätten, Koblenz gehörte von 1018 bis 1794 dem Erzstift Trier und war lange Zeit Residenz des Trierer Erzbischofs. Einziges erhaltenes Gebäude in diesem Ensemble ist das Wohnhaus des kurfürstlichen Münzmeisters – 1761/62 nach Plänen von Johannes Seiz gebaut. Sie finden dieses Haus auf der rechten Seite des Platzes.

An der Westseite des Münzplatzes fällt der Metternicher Hof ins Auge. 1644 kam die Grafenfamilie von Metternich durch Belehnung in den Besitz des Hauses, 1773 wurde hier der spätere österreichische Staatskanzler Clemens Wenzel Lothar von Metternich geboren.

Durch den Torbogen gehen wir jetzt in Richtung Alte Burg. Wenn Sie sich einmal umschauen, dann sehen Sie oben auf der Rückseite des Torbogens eine interessante Seccomalerei von William Straube aus dem Jahr 1911. Sechs große Frauenfiguren symbolisieren Hoffnung und Trauer. Dazu steht geschrieben: „Leben und Zeit. Die Zeit sie mäht so Rosen als Dornen – Aber das treibt immer wieder von vornen.“ Die Verbindungsstraße ‚Im Paradies’ heißt so nach dem kurfürstlichen Garten. Direkt vor Ihnen liegt nun die Alte Burg, in der zweiten Hälfte des 13. Jh. als Zwingburg am Moselufer erbaut. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Burg stets vergrößert. Im 19. Jh. diente sie als Blechwarenfabrik, dann als städtische Gemäldegalerie. Heute schließlich nutzt sie die Stadt Koblenz als Archiv.

Am Moselufer erkennen Sie linker Hand die Balduinbrücke, Mitte des 14. Jh. auf Anweisung von Erzbischof Balduin errichtet. Diese zweitälteste Steinbrücke Deutschlands bewältigte bis zum 19. Jh. als einzige Moselüberquerung den gesamten Verkehr zwischen Köln und Mainz. Damit war sie auch eine der einträglichsten Geldquellen der Stadt.

Abb. 59 – Koblenz Alte Burg

Am Moselufer geht es an einigen sehenswerten Erkern vorbei bis zum ‚Deutschen Kaiser’. Dieser spätgotische Adelsbau wurde 1520 errichtet. Als einziges spätmittelalterliches Gebäude hat es die Kriegswirren unbeschadet überstanden.

Gehen Sie nun ein Stückchen die Kornpfortstraße hoch und biegen dann nach rechts in die Gasse Unterm Stern ein. Der Weg führt Sie zum Florinsmarkt.

An dessen Nordseite befindet sich rechter Hand das Schöffenhaus, von Erzbischof Richard von Greiffenclau 1528-30 im gotischen Stil errichtet. 1528, Gotik? Richtig, eigentlich war der Renaissance-Stil der angesagte Baustil.

Direkt daneben steht das 1425 fertiggestellte Kaufmann- und Tanzhaus. Unten, im Erdgeschoss, waren die Lagerräume und Verkaufsstände der Kaufleute, die erste Etage wurde von den Koblenzer Bürgern für Festveranstaltungen genutzt. Nach Beschädigungen im Pfälzischen Erbfolgekrieg ist der spätgotische Charakter zwar noch erkennbar, aber der Barock überwiegt heute schon.

Achten Sie auch auf den quadratischen Uhrturm mit dem ‚Augenroller’, einer hässlichen Fratze, die auf die Besucher hinab schaut. Im Takt des Pendels der Uhr bewegt er seine Augen hin und her, und zu jeder vollen und halben Stunde streckt er seine Zunge heraus. Die Koblenzer erzählen sich, dass die Fratze an den Raubritter Johann Lutter von Kobern erinnern soll. Er wurde 1536 in einem fünfmonatigen Prozess zum Tode durch Enthauptung verurteilt. Seine letzten Worte sollen gewesen sein: Ihr habt so lange euren Spaß mit mir gehabt, hängt meine Fratze ans Alte Kaufhaus, so lange geht es der Stadt gut. Aber erst 200 Jahre später muss jemand die alten Gerichtsprotokolle gelesen haben, denn erst als die Uhr im 18. Jh. an den Turm angebracht wurde, fand auch der Augenroller darunter einen Platz. Allerdings war der Kopf vor der Zerstörung des Gebäudes im Zweiten Weltkrieg größer. Heute hat hier das Mittelrhein-Museum sein Domizil gefunden.

An das Kaufmann- und Tanzhaus grenzt unmittelbar der Bürresheimer Hof, angelegt 1659/60. Der linke, zweiflügelige Bau kam Anfang des 18. Jh. hinzu, der moselseitige Saalbau in der Mitte 1769. Von 1851 bis zur Reichspogromnacht im Jahr 1938 war die Synagoge der jüdischen Gemeinde hier untergebracht. 

Abb. 60 – Koblenz Altes Kaufhaus mit Augenroller

An der Ostseite des Platzes steht die ehemalige Stiftskirche St. Florin, heute eine evangelische Gemeindekirche. Um 1100 erbaut, wurde die Kirche mehrfach umgebaut und ergänzt, so dass sie heute romanische, gotische und barocke Elemente aufweist. Die kaum restaurierten mittelalterlichen Wandmalereien gehören zu den lebendigsten Zeugnisse ihrer Zeit am Mittelrhein. Bei Ausgrabungen in der Kirche entdeckte man die Fundamente eines römischen Stadtmauerturms und fränkische Estrichreste über römischen Häusern. An der Nordseite der Kirche sehen Sie das älteste Haus von Koblenz, das romanische Kapitelhaus aus der Zeit um 1230. Schräg gegenüber, auf der anderen Straßenseite, befindet sich der Pfarrhof Liebfrauen. Die zwei rückwärtigen Türme der Hofanlage gehören zur frühmittelalterlichen Stadtbefestigung.

Abb. 61 – Koblenz Liebfrauenkirche

Wir gehen nun durch die Mehlgasse zur Liebfrauenkirche, die auf dem höchsten Punkt der Koblenzer Innenstadt steht. Schon im 5. oder 6. Jh. n. Chr. hat hier innerhalb eines römischen Großbaues eine Kirche existiert. Der heutige Bau zeigt überwiegend Elemente der Spätromanik und Spätgotik. Die barocken Zwiebeltürme entstanden 1693. Zur Ausstattung gehören Renaissancegrabplatten, ein Nikolausaltar von 1680 und das gotische Glasfenster im nördlichen Seitenchor.

Auf den Plan gelangen wir, wenn wir direkt neben der ehemaligen Grabkapelle die rechte Treppe hinunter gehen. Dieser Platz hat eine bewegte Geschichte zu erzählen. Er diente den Fleischern bis 1771 als Markt, den Jesuiten um 1594 als Theaterbühne, der Gerichtsbarkeit im 17. Jh. als Turnier- und Gerichtsplatz. An der Nordseite waren Stadtkommandantur und Hauptwache und im 19. Jh. das Rathaus untergebracht.  Der in der Mitte 1805 errichtete Brunnen erinnert an die erste Koblenzer Wasserleitung. An der Kreuzung Löhrstraße/Marktstraße/Altengraben/Plan sehen Sie noch die vier Fachwerkhäuser aus dem Jahr 1608, von den Koblenzern kurz die ‚Vier Türme’ genannt.

Der Kreis um das römische Koblenz schließt sich, wenn wir von hier durch den Entenpfuhl und die Kornpfortstraße in Richtung Mosel gehen. An verschiedenen Stellen ist die römische Stadtmauer zu sehen und in moderne Gebäude integriert. Im Parkhaus neben dem Hotel ‚Zur Kornpforte’ sind zwei römische Stadtmauertürme gefunden worden.

Unterwegs bewundern Sie noch den wunderschönen barocken Erker des Dreikönigenhaus, einem Adelshof aus dem Beginn des 18. Jh. Das Relief zeigt die Heiligen Drei Könige, der Erker des benachbarten Krämerzunfthauses dagegen die heiligen Michael, Maria und Tobias mit dem Fisch sowie einen Engel und Justitia mit Schwert und Waage.  

Am Dreikönigenhaus biegen Sie rechts in die Straße Am Alten Hospital ein und gehen dann durch das Kastorviertel in Richtung Rhein. Zwar wurde das Viertel weitgehend im 2. Weltkrieg zerstört, erhalten ist lediglich die Fassade des Fahnensaals des ehemaligen (von der) Leyenschen Hofes. Den kleinen Umweg machen wir aber wegen der aus dem 14. Jh. stammenden Jakobuskapelle.

1355 wurde die gotische Kapelle als Friedhofskapelle des Deutschen Ordens erbaut. Leider wurde die Kapelle 1944 durch Bomben zerstört, 1965 begann man mit dem Wiederaufbau.

Die Alt-Katholische Gemeinde übernahm die Innenausstattung. Heinrich Voegele-Mönnighoff (1907-1987) entwarf und arbeitete den Altar, die Gitter des Tabernakels und das schmiedeeiserne Ambo. Die kupfernen Türgriffe sind als Jakobsmuscheln ausgebildet. Voegele-Mönnighoff schenkte der Gemeinde u. a. eine Keramikfigur des Heiligen Jakobus d. Ä.; mittlerweile in Bronze gegossen, passt sie sich hervorragend dem gotischen Raum an.

Schräg gegenüber nun steht die bedeutendste Koblenzer Kirche: St. Kastor. Hier wurde deutsche Geschichte geschrieben und Johannes Paul II. hat sie 1991 zur Basilika minor erhoben. Der erhaltene romanische Baubestand macht sie auch baugeschichtlich zu einer ganz besonderen Kirche.

Schon seit dem 1. Jh. wurde diese Stelle für Kulthandlungen genutzt, um 100 wurde ein gallorömischer Tempel angelegt, der hier bis spätestens zum Ende des 7. Jh. stand. Die erste Kastorkirche, benannt nach dem Missionar der Mosel, dem heiligen Kastor, von dem sich auch einige Reli­qu­ien in dieser Kirche befinden, wurde 836 geweiht. In Koblenz befand sich ein fränkischer Königshof, so galt König Ludwig der Fromme als Bauherr dieser Kirche außerhalb der Stadt.

Kirche und Stift St. Kastor waren eng mit der Reichsgeschichte verbunden: 842 wurden hier die Bestimmungen der Reichsteilung ausgehandelt, 860 verhandelten die Karolinger familieninterne Streitigkeiten, 862 wurde die Reichsteilung in Ost- und Westreich beschlossen. Daraus gingen dann das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und Frankreich hervor.

1199 wurde die Kastorkirche im Krieg schwer beschädigt, Reparaturen und der Neubau des Kirchenschiffes wurden notwendig.

1338 fand das letzte bedeutende Treffen im Stift statt. König Ludwig der Bayer und der englische König Eduard III. besiegelten in der Kastorkirche Freundschaft und Bund.

Abb. 62 – Koblenz St. Kastor

Die Wandmalereien in der Kirche stammen aus den Jahren 1840 bis 1860. Zwischen 1890 und 1894 erhielt die gesamte Kirche eine Verblendung aus Tuffstein und somit ihr heutiges Erscheinungsbild.

Die Kastorkirche ist auch heute noch reich mit Kunstschätzen ausgestattet: die gotischen Wandgräber der Trierer Erzbischöfe, die Steinkanzel von 1625 und der Schrein der seligen Rizza, der angeblichen Tochter Ludwigs des Frommen. Im südlichen Kirchenschiff sehen Sie die Brigitten-Madonna, entstanden zwischen 1350 und 1410 in Böhmen, hat sie nach vielen Umzügen schließlich in St. Kastor eine Bleibe gefunden.

Auf dem Vorplatz steht ein Kuriosum. Der französische Präfekt ließ etwas voreilig zur Erinnerung an den glorreichen und siegreichen Russlandfeldzug Napoleons den Brunnen errichten. Wie bekannt, endete der Feldzug in einem Desaster, die Franzosen mussten am Rhein abziehen. Der russische Stadtkommandant zeigt jedoch Humor. Er ließ am 1.1.1814 unter die eingemeißelte Huldigung des Siegers sein ‚gesehen und genehmigt’ setzen.

1110 wurde ein Hospital neben der Kastorkirche gegründet, die erste Einrichtung zur Krankenpflege nördlich der Alpen. 1216 wurde der Deutsche Orden, der sich in der Krankenpflege engagierte, nach Koblenz gerufen und erhielt einen Teil des Geländes der Kastorkirche mit dem dort befindlichen St. Nikolaus-Hospital als Geschenk. Zur Verwaltung der Ordensprovinz Koblenz errichtete der Orden direkt an der Ecke der Moselmündung in den Rhein das Deutschherrenhaus. Seitdem wird die Stelle Deutscher Ordt, bzw. später Deutsches Eck genannt. 

Das heutige Deutsche Eck mit dem Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm I. auf der Landzunge erreichen wir, wenn wir der Danziger Freiheit folgen und dann die Straße überqueren. Das Standbild wurde in den letzten Kriegstagen schwer beschädigt und demontiert. Lediglich der Kopf befindet sich heute im Mittelrhein- Museum. Am 18. Mai 1953 hat der damaligen Bundespräsident Theodor Heuss den Denkmaltorso zum Mahnmal der Deutschen Einheit erklärt. Nach der Wiedervereinigung wurde das Standbild rekonstruiert und 1993 wieder aufgestellt.

Abb. 63 – Koblenz Deutsches Eck

Den Sockel können Sie -kostenlos- besteigen und haben von hier einen guten Panoramablick nicht nur auf das Deutsche Eck und den Zusammenfluss von Rhein und Mosel, sondern auch auf die ehemalige Festung Ehrenbreitstein.

Schon Ende des 10. Jh. stand auf dem Plateau die erste Burg. 1018 schenkte Kaiser Heinrich II. sie dem Erzstift Trier. Zunächst Grenzburg, gewann sie aber rasch an Bedeutung, als sich Kurtrier in den Westerwald ausdehnte. Anfang des 16. Jh. hat der bereits erwähnte Erzbischof Richard von Greiffenclau die ersten Geschützbastionen bauen lassen, und die erste Kanone, Vogel Greif, wurde 1524 in Frankfurt in Auftrag gegeben. Bis ins 18. Jh. hinein wurde die Festung immer wieder erweitert und verstärkt, sie galt als uneinnehmbar. 1794 nahmen die französischen Revolutionstruppen die Stadt ein, konnten aber die Festung erst fünf Jahre später nach einjähriger Dauerbelagerung besetzen. Damit die Festung nicht dem Feind in die Hände fallen konnte, wurde sie 1801 von den Franzosen gesprengt und lag bis 1815 in Trümmern. In diesem Jahr kam aus dem preußischen Hauptstadt Berlin die Order, die Stadt Koblenz und die Festung Ehrenbreitstein neu zu befestigen. 50 Jahre später war sie aber schon wieder veraltet und wurde nach dem Ende des 1. Weltkrieges noch nicht einmal mehr geschliffen. Im 2. Weltkrieg boten die Kasematten und Felsentunnel den Koblenzer Bürgern noch einmal Schutz vor den alliierten Bombenangriffen.

Abb. 64 – Koblenz Festung Ehrenbreitstein

Heute wird die Festung als Landesmuseum, als Jugendherberge, von zwei Restaurants  und vom Landesamt für Denkmalschutz genutzt; die andere Seite ist mit einer kleinen Personenfähre erreichbar. Von dort geht es per pedes nach oben oder auch in der Saison mit dem Sessellift.

Abb. 65 – Koblenz Historienbrunnen

Nun geht es wieder zurück; Sie überqueren noch einmal die Danziger Freiheit und kommen durch das Tor in der Stadtmauer in den Blumenhof. Von der stattlichen Dreiflügelanlage ist nur noch das Komturhaus erhalten, seit 1992 ist hier das Ludwig-Museum mit zeitgenössischer französischer Kunst und wechselnden Gastausstellungen untergebracht.

Weiter geht es zum Konrad-Adenauer-Ufer und vorbei an der ehemaligen Mädchenschule von St. Kastor, bis Sie rechts in die Rheinstraße einbiegen. Gehen Sie doch auf dem Görresplatz doch einmal um den Brunnen mit der Historiensäule herum. Dieses im Jahr 2000 von Prof. Dr. Jürgen Weber geschaffene Kunstwerk stellt in verschiedenen Schichten Szenen aus der wechselvollen Stadtgeschichte dar. Eine Tafel mit Beschreibung erleichtert das Verständnis der 2000jährigen Stadtgeschichte.

Durch die Firmungsstraße gelangen Sie zum Jesuitenplatz, vorbei an einigen schön erhaltenen Barockhäusern. Hier steht auch das ehemalige Jesuitenkolleg, das später als Gymnasium diente, und seit 1895 als Rathaus genutzt wird. Im Treppenhaus (Rathausgebäude I), können Sie die 1701 von Carl Maria Pozzi geschaffenen Stuckdecken bewundern. Von der Jesuitenkirche an der Ostseite existiert leider nur noch die frühbarocke Fassade. Dahinter errichtete man nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg einen modernen Kirchenbau. Durch den Torbogen neben der Kirche geht es weiter, den ehemaligen Klosterhof können wir durch das reich verzierte barocke Westportal erblicken.

Rechts steht der Schängelbrunnen von Carl Burger aus dem Jahr 1940. Schängel sind die in Koblenz geborenen Lausejungen. Das Wort stammt aus der 20-jährigen Zugehörigkeit (17941814) der Stadt Koblenz zu Frankreich. Gemeint waren damit ursprünglich die von den Franzosen abstammenden Kinder deutscher Mütter. Der gängigste Name war damals Hans oder Johann, was dem französischen Jean entspricht. Die Koblenzer hatten aber Schwierigkeiten, Jean französisch auszusprechen, und in der Mundart der Koblenzer wurde daraus Schang. Über die Zeit entwickelte sich hieraus schließlich Schängel (= Hänschen). Anfangs galt dies als Schimpfwort, etwa vergleichbar dem deutschen Bankert (Synonym für ein uneheliches Kind). Heute jedoch wird Schängel als Ehrenname verstanden, und jeder in Koblenz Geborene darf für sich in Anspruch nehmen, ein Schängel zu sein. Häufig wird sogar liebevoll eine zweite Verkleinerungsendung zum Schängelche angehängt.

Abb. 66 – Koblenz Schängel-Kanaldeckel

Sie folgen der Gymnasialstraße und biegen links in die Schanzenpforte ein. Die mittelalterliche Stadtmauer wurde hier stellenweise in die Wohnhäuser integriert und wurde dadurch erhalten.

Am Ende der Schanzenpforte halten Sie sich rechts und erreichen die Clemensstadt (Neustadt), benannt nach dem letzten Trierer Kurfürsten Clemens Wenzeslaus. Im 18. Jh. sollten am Rheinufer ein prunkvolles Schloss und ein neuer, repräsentativer Stadtteil entstehen. Gleich zu Ihrer Rechten befindet sich das erste neu entstandene Wohnhaus aus dem Jahr 1786, besonders die prunkvolle Fassadengestaltung fällt auf.

Abb. 67 – Koblenz Stadttheater

Jenseits der Clemensstraße liegt das frühklassizistische Comödien- und Ballhaus, das heutige Stadttheater, heute eine dreispartige Einrichtung, in der Schauspiel, Musiktheater und Ballett gleichrangig nebeneinander stehen. Es hat seine Heimat im einzigen erhaltenen klassizistischen Theaterbau am Mittelrhein; ein Ringtheater mit Illusionsmalerei und einem Zuschauerraum auf ringförmigem Grundriss, der auf die einstige kurfürstliche Loge ausgerichtet ist. Von Anfang an war es für das Volk und nicht für den Hofstaat bestimmt Wer seine Kenntnisse der lateinischen Ziffern nicht ganz verloren hat, erfährt hoch über dem Theatereingang, dass das Gebäude 1787 errichtet wurde, und zwar „für die Musen, die guten Sitten und das öffentliche Vergnügen“. Hoch über der Bühne lehrt uns die in Latein gehaltene Inschrift: „Ridendo corrigo mores“ (durch Lachen verbessere ich die Sitten). Vermutlich als Konzept fürs Theater gedacht, dennoch auch eine Weisheit, auf die man sich im Alltag vielleicht häufiger besinnen sollte …

Am Theater geht es die Stresemannstraße hinunter zum Rhein, vorbei an den ehemaligen Gebäuden des Oberpräsidiums der preußischen Rheinprovinz im rheinischen Barock mit Jugendstileinflüssen. Das Regierungsgebäude von 1906 am Konrad-Adenauer-Ufer ist ein riesiger neo-romanischer Bau. Hier befindet sich heute das Präsidium des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung.

Abb. 68 – Koblenz Schloss

Auf der Uferpromenade geht es jetzt stromaufwärts durch die Kaiserin-Augusta-Anlagen, gestaltet nach einem Entwurf von Peter Joseph Lenné. Vorbei am Joseph-Görres-Denkmal, das an einen der führenden Köpfe der revolutionären rheinischen Jugend zu Beginn des 19. Jh. erinnert, erreichen Sie die Pfaffendorfer Brücke und das 1925 erbaute Weindorf. Auf dem Fußgängerweg durch die Unterführung gelangen Sie schlussendlich zum Kurfürstlichen Schloss.

Das im reinen Klassizismus errichtete Gebäude mit den Zirkelbauten und dem Mittelbau, der durch die wuchtigen Säulen auffällt, wurde 1786 eingeweiht. Schon acht Jahre später musste Clemens Wenzeslaus vor den anrückenden französischen Truppen nach Augsburg fliehen. Dorthin nahm er auch die prächtige Innenausstattung mit. Leider ist das Kurfürstliche Schloss, heute sind hier verschiedene Behörden untergebracht, nicht zu besichtigen.

Zurück zum Ausgangspunkt des Rundgangs gelangen Sie nun durch die nahe gelegene City.

3. Auflage “Der Jakobsweg von Wetzlar nach Weilburg” erschienen

 

Ab heute liefert der Verlag die 3. Auflage des ersten Bandes der Pilgerwanderführer-Reihe von Karl-Josef Schäfer aus. “Der Jakobsweg von Wetzlar nach Weilburg – Ein Pilgerwanderführer für den Lahn-Camino” ist komplett überarbeitet und aktualisiert worden. So gibt es jetzt einen Abstecher zur Johannis-Kirche in Niederlahnstein, wo die Jakobusgesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland eine Jakobsstele aufgestellt hat. Die Nixe, eine Personenfähre zwischen Lahnstein und Koblenz-Stolzenfels, hat dort auch eine Anlegestelle, so dass der Pilger problemlos über den Rhein kommt, um seinen Weg auf dem vollständig markierten Mosel-Camino nach Trier fortzusetzen.

Auch die Adressen der Ansprechpartner in den Etappenzielen wurden überarbeitet und aktualisiert. Bei den Übernachtungstipps hat sich auch etwas getan, leider nicht immer zu Gunsten des Geldbeutels. Aber da gibt es auch Positives, z.B. bietet die Pilgerherberge im “Hotel Weilburg” in Weilburg einen Sonderpreis für Pilger mit Pilgerpass an.

Die allgemeinen Kostensteigerungen machten eine Preisanhebung von 1 Euro nötig, die Neuauflage kostet jetzt also 10,95 Euro.

Ein heisser Tipp: Wer mit der 2. Auflage zufrieden ist und sich die Aktualisierungen hier auf der Internetseite in der Kategorie “Updates” zusammensucht, kann den Euro sparen. Amazon.de hat per heute noch zwei “alte” Exemplare, ich habe auch noch ein Exemplar der 2. Auflage. Da heisst es schnell zugreifen, denn die sind sicher jetzt kurz vor Beginn der neuen Saison schnell weg.

Hier der Link zu amazon.de:Lahn-Camino

Und Libri.de und buch24.de haben schon die 3. Auflage im Angebot, hier ist der Link zu buch24.de:

http://partners.webmasterplan.com/click.asp?ref=370017&site=2176&type=text&tnb=3&pid=978-3833494758

Vor der Haustür zu sich selbst finden – In der Rhein-Zeitung am 03.02.2009

 

Vor der Haustür zu sich selbst finden

Karl-Josef Schäfer schreibt Pilgerwanderführer für den Rhein-Camino – Erster Teil liegt bereits vor – Strecke führt durch den Kreis Neuwied

Der Jakobsweg ist unter Pilgerern sehr bekannt. Darunter wird in erster Linie der Camino Francés verstanden, jene hochmittelalterliche Hauptverkehrsachse Nordspaniens, die von den Pyrenäen zum Jakobsgrab in Santiago de Compostela reicht. Der Jakobsweg verläuft aber auch durch den Kreis Neuwied. Eine neues Buch verdeutlicht die Route.

KREIS NEUWIED. In den vergangenen Jahren ist das Pilgern wieder beliebter geworden – Hape Kerkeling und Co. sei Dank. Immer mehr Menschen entdecken Pilgern als einen Weg, um zu sich selbst zu finden. Doch wer dafür nicht weit reisen will, findet auch in der Region eine Möglichkeit. Denn einer der berühmtesten Pilgerwege liegt direkt vor der Haustür. Das zeigt auch Karl-Josef Schäfer, der den ersten Teil des Rhein-Camino in seinem Pilgerwanderführer "Ein Jakobsweg von Neuss über Köln nach Koblenz-Stolzenfels" beschreibt. Dabei passiert der Pilgerwanderfreund auch Rheinbreitbach, Unkel, Linz und Bad Hönningen.

Karl-Josef Schäfer wanderte Ende 2006 auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Dabei bemerkte er, dass es für die anderen weit aus weniger bekannten Hauptrouten kaum Pilgerwanderführer gibt und so fing er mit dem Schreiben an. Der Führer zum Rhein-Camino ist bereits sein vierter Band. Doch Schäfer beschreibt in dem Führer nicht nur den Weg, sondern berichtet auch über die Geschichte des Pilgerns, die Besonderheiten, gibt Literatur- und Musiktipps sowie Internetseiten und Adressen zum Thema Pilgern.

Da gerade der Pilgerneuling nicht einfach losziehen sollte, hat Schäfer einige Informationen zusammengestellt, was vor und während der Reise alles zu beachten ist. Wer will, kann dann auch den Jakobsweg von Neuss nach Koblenz-Stolzenfels in acht Tagen gehen. Das entspricht circa 25 bis 30 Kilometern pro Tag. Doch dies sind laut Autor nur Vorschläge, denn jeder Pilgerwanderer sollte für sich selbst entscheiden, wie er den Weg gehen will. Machbar seien die Strecken aber sowohl für Pilgererfahrene als auch für Pilgerneulinge.

Für alle, die die vorgegebenen Etappen einhalten möchten, geht es am ersten Tag in Neuss von der Statue von Jakobus dem Älteren, nach dem der Weg benannt ist, nach Köln-Worringen, dann zum Kölner Dom. Am dritten Tag von dort aus nach Wesseling, dann folgen Bonn und Bad Honnef als nächste Etappenziele.

Am sechsten Tag kann der Pilgerwanderer von Bad Honnef nach Bad Hönningen ziehen. Die Strecke ist 26 Kilometer lang und ist ohne Pausen und Besichtigung laut Schäfer in circa sechs Stunden zu schaffen. Dabei geht der Autor von einer Pilgergeschwindigkeit von ungefähr vier Kilometer pro Stunde aus.

Als empfohlene Besichtigungsorte in dieser sechsten Etappe schlägt Schäfer Rheinbreitbach, Unkel, Linz und Bad Hönningen vor. Zu jedem dieser Orte erfährt der Pilger ein wenig Geschichte und welche Sehenswürdigkeiten es dort gibt. Für Rheinbreitbach empfiehlt der Autor zum Beispiel, sich die katholische Pfarrkirche St. Maria Magdalena mit den Holzskulpturen der Mutter Gottes und der Kirchenpatronin Maria Magdalena anzuschauen. In Unkel bieten sich das Freiligrathhaus, das alte Rathaus und die katholische Pfarrkirche St. Pantaleon an. Über Erpel, Kasbach und Ockenfels geht es dann nach Linz, wo der Pilger dazu eingeladen ist, sich die Pfarrkirche St. Martin anzuschauen. Denn dort befinden sich Wandmalereien aus der Zeit um 1230, wo auch in einer nur für den deutschsprachigen Raum typischen Darstellung eine Pilgerkrönung mit Jakobus dem Älteren zu sehen ist. Nach einer längeren Pause und Besichtigung in Linz geht es für den Pilgerwanderer über Dattenberg und Ariendorf zum Etappenziel nach Bad Hönningen.

Die letzten beiden Etappen führen schließlich weiter nach Weißenthurm, von wo aus es am letzten Tag bis nach Koblenz-Stolzenfels geht. Hier endet die Wanderung am Tor der St.-Menas-Kirche. Dort befindet sich eine Stele, auf der eine Jakobsmuschel abgebildet ist, die als Erkennungszeichen der Pilger dient.

Für alle Etappen hat Schäfer zu den Besichtigungsorten auch Informationen zur Geschichte, Bilder und Übernachtungsmöglichkeiten zusammengestellt. Außerdem schickt der Autor die Reisenden mit einem kleinen Spruch als Tagesimpuls und einer Sage zu einem Ort auf der jeweiligen Etappe auf den Weg. Wer nach der Ankunft in Kob-lenz-Stolzenfels weiter pilgern möchte, muss bis zum Frühjahr warten, wenn Karl-Josef Schäfer den zweiten Teil des Rhein-Camino bis nach Straßburg veröffentlicht.

   Wiebke Ebbing

Weitere Informationen über das Buch, das Pilgern und Druckversionen für die Städterundgänge gibt es unter www.xschaefer.de.

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