Auf dem Weg

Geschichte - Kultur - Spiritualität

Schlagwort: jerusalem

Ein Bericht von den spanischen Jakobswegen

 

Vielen, vielen Dank für den Bericht, den ich gerne in den nächsten Tagen anonymisiert hier veröffentliche. Bitte beachten Sie, dass Tagebuch und die vielen Tipps geistiges Eigentum des Autors sind und eine Verwendung nur mit seiner Erlaubnis gestattet ist. Einen Kontakt zu ihm stelle ich gerne her.

 

Sehr geehrter Herr Schäfer,

hier noch mein Bericht vom vergangenen Jahr z.K.

VG

Ihr

 

—– Original Message —–

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Sent: Sunday, November 30, 2008 2:49 PM

Subject: Camino – und – schon jetzt ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest

Liebe Frau

beigefügt erhalten Sie meinen versprochenen persönlichen Bericht über den Jakobsweg. Für mich ist der Camino eine einzige "Offenbarung". Jede(r) Pilger(in) zieht die Menschen an, die sie/er braucht. Ich hatte wundervolle Begegnungen und mit den wichtigsten Menschen stehe ich nach wie vor in regelmäßigem Kontakt.

Eine Pilgerschaft zu einer der größten Wallfahrtstätten der Christenheit – Rom, Jerusalem und Santiago de Compostela – war einstmals aufwändiger als heute und dazu noch sehr gefährlich, obwohl die Pilger, die ein von weitem sichtbares Pilgerzeichen trugen, durch den Pilgerfrieden geschützt waren.

Unsere nächste Generation zahlt für die Fehler der abgehobenen Politiker und Wirtschaftsführer, die sich gottgleich fühl(t)en und entsprechend darstell(t)en, aber nichts für das Volk/die Belegschaft bewegt haben. Ein sinnvolles Korrelativ aufzubauen und lange zu bewahren ist äußerst schwierig; die Masse der Menschen lernt einfach nichts auch gar nichts aus der Geschichte.

Dabei wird nichts so sehr gefürchtet wie die Meinung unabhängiger Menschen, weshalb wir mehr für unsere Unabhängigkeit tun sollten. Die Unabhängigkeit setzt aber Bescheidenheit voraus, wofür viele Menschen nicht bereit sind. Somit versklaven sie sich über ihre Bedürfnisse selbst.

Auf dem Jakobsweg würde so mancher Egomane lernen, dass nur das wichtig ist, was er/sie tragen kann. Somit würde jeder unnötige Ballast vermieden.

Von Herzen wünsche ich Ihnen ruhige besinnliche Stunden, um bald – Weihnachten steht ja vor der Tür – innere Einkehr halten zu können.

Ihr 

Jakobswege in Deutschland: Die Muschel weist den Weg! (Kommentar)

 

Pilgern ist ‚in‘. Überall in Deutschland machen sich Menschen auf den Weg. Es vergeht keine Woche, in der nicht ein Jakobspilger-Weg neu ausgewiesen, oder, um im Jargon der zahlreichen Jakobusgesellschaften zu sprechen, revitalisiert wird. Die Pilger brauchen Orientierung – nicht nur spirituell, sondern auch ganz praktisch am Weg.

Aber müssen wir deshalb wirklich, nachdem wir endlich angefangen haben, den Schilderwald im Straßenverkehr auszudünnen, einen Schilderwald in der Natur schaffen? Schon werden Vierkanthölzer in den Waldboden gerammt, die Platz für bis zu 20 Markierungstäfelchen schaffen.

Ein Beispiel sind die Wanderwege durch die schönsten deutschen Landschaften, die unsere Väter und Großväter schon vor über hundert Jahren ausgewiesen und markiert haben. Am Rheinhöhenweg, eingeweiht im Jahr 1906, reichen die alten, aber stets erneuerten Markierungen an den Bäumen nicht mehr. Neben dem ‚R‘ für den Rheinhöhenweg findet der Wanderer an den Wegen häufig auch noch die Markierungen des Rheinburgenweges und des Rheinsteigs. Ganz zu schweigen von den Markierungen der lokalen Wanderwege und nicht zu vergessen der Kennzeichnung für die europäischen Fernwanderwege.

Aber damit nicht genug. In Ermangelung einer Wegalternative wird in Zukunft noch die Jakobsmuschel dem Wanderer und Pilger den Weg weisen. Denn der Verlauf des Rheins wurde schon seit der Antike nicht nur von den Kelten und Römern, den Händlern und Soldatenhorden genutzt, sondern auch von den Pilgern nach Rom, nach Jerusalem und selbstverständlich auch nach Santiago de Compostela. Ein weiteres Schild im bundesdeutschen Schilderurwald.

Vielleicht sollten die Verantwortlichen es bei dem belassen, was jetzt ist und statt dessen verstärkt Wanderführer schaffen, die dem Pilger die Orientierung auf seinem physischen und spirituellen Jakobsweg bieten. Den Wanderer und Naturfreund wird es freuen.

 

© Karl-Josef Schäfer, Alle Rechte vorbehalten!

Omnes viae Romam perducunt

 

Die "Lateiner" unter Ihnen wissen noch, was es bedeutet? Klar "Alle Wege führen nach Rom".

Die Via Francigena, der "Weg der Franken", aber auch die großen Zubringerwege in Deutschland, führen alle in eine Richtung: in die Ewige Stadt Rom.

Google liefert heute, am 23. September 2008, 7.270 Suchergebnisse für "rompilger". Für den Begriff "via francigena" sind es schon 297.000. Und die Zahlen steigen jeden Tag.

Klar, denn bis ins 12. und 13. Jh. waren Rom und Jerusalem die Hauptpilgerziele der Menschen aus dem heutigen Deutschland. Dann erst wurde der Jakobsweg zum Grab des heiligen Apostel Jakobus d.Ä. von den Pilgern geradezu überlaufen.

‚omnes viae Romam perducunt‘ – alle Wege führen nach Rom!

Jetzt lieferbar: Ein Jakobsweg von Neuss über Köln nach Koblenz-Stolzenfels

 

Karl-Josef Schäfer

Karl-Josef Schäfer, Jahrgang 1956, lebt in Weilburg/Lahn, nur wenige Schritte vom Lahn-Camino entfernt. Seit langer Zeit beschäftigt sich Schäfer mit der Geschichte der Jakobswege in Europa. Der erste Pilgerwanderführer für den Lahn-Camino ist im Mai 2007 erschienen. Der zweite Band der Pilgerwanderführer-Reihe und die Fortsetzung des Lahn-Caminos bis zum Apostelgrab in Trier ist seit Oktober 2007 im Buchhandel erhältlich. Mit dem Titel "Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels bis Trier – Der Pilgerwanderführer für den Mosel-Camino" haben Karl-Josef Schäfer und sein Co-Autor Wolfgang Welter die wichtige Ost-West-Verbindung nach Trier vervollständigt. Im Februar 2008 ist der 3. Band "Der Jakobsweg von Flensburg nach Glückstadt – Ein Pilgerwanderführer für die deutsche Via Jutlandica" erschienen. Nun liegt seit September 2008 auch ein Führer für die im Mittelalter wichtigste Zubringerstrecke am Rhein vor: "Ein Jakobsweg von Neuss über Köln nach Koblenz-Stolzenfels – Der Pilgerwanderführer für den Rhein-Camino" ist der erste von insgesamt drei Teilen. Die beiden anderen Teile bis Straßburg erscheinen im Frühjahr 2009, rechtzeitig zur neuen Pilgersaison.

Weitere Titel von Karl-Josef Schäfer:

Der Jakobsweg von Flensburg nach Glückstadt/Elbe

Der Jakobsweg von Wetzlar nach Lahnstein

Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier

Ein Jakobsweg von Neuss über Köln nach Koblenz-Stolzenfels

Der Pilgerwanderführer für den Rhein-Camino Teil 1

ISBN 978-3-8370-6010-2, Paperback, 160 Seiten, € 12,95

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Klappentext des Buches

Pilgern und wandern Sie auf den Wegen der Jakobspilger in Deutschland. Schon die ersten Pilger nach Rom und Jerusalem haben die Rheinachse als schnelle Verbindung in Richtung Süden genutzt. Entlang des Rheins fanden die Jakobspilger des Mittelalters eine dichte Infrastruktur an Klöstern und Hospitälern zur Unterkunft und Versorgung. – Mit dem vierten Band der erfolgreichen Pilgerwanderführer-Reihe (dem ersten Band des Rhein-Camino bis Straßburg) begleitet Sie Karl-Josef Schäfer von Neuss über Köln und Bonn nach Koblenz-Stolzenfels. Er führt Sie durch eine der geschichtsträchtigsten Landschaften in Deutschland. Dabei berichtet Schäfer über so manches Ereignis in der Vergangenheit, beschreibt den Weg, nennt Ansprechpartner entlang des Rheins und gibt Tipps zur preiswerten Übernachtung. Für jede Tagesetappe erhalten Sie einen spirituellen Impuls mit auf den Weg und der Autor erzählt die eine oder andere Sage und Legende. Außerdem haben Sie kostenlosen Zugriff auf Stadtrundgänge und Aktualisierungen im Internet. Die acht Etappenvorschläge für rund 200 km sind für den untrainierten Pilger fordernd aber nicht überfordernd.

Pilgerführer – Auf den Spuren des ersten christlichen Pilgers nach Jerusalem

 

Nicht viele schriftliche Zeugnisse der Pilger im ersten Jahrtausend nach Christi Geburt stehen uns heute noch zur Verfügung.

Dabei wissen wir sicher, dass nicht nur Kaiserin Helena sich um 326 n. Chr. von Trier aus auf den beschwerlichen Weg nach Jerusalem machte, sondern wir wissen aus den Aufzeichnungen, dass viele Christen in die Stadt pilgerten, in der Jesus gewirkt hatte und gekreuzigt wurde.

Von einem Pilger jedoch, einem Unbekannten aus Bordeaux in Frankreich, ist ein Pilgerführer aus dem Jahr 333 n. Chr. erhalten. Wir wissen nichts über diesen Pilger, der von Bordeaux über Istanbul, das damalige Konstantinopel, nach Jerusalem und dann über Rom zurück nach Bordeaux gepilgert ist. Wir wissen nicht, warum er den gefährlichen Landweg auf der Hinreise gewählt hat und nicht mit dem Schiff gereist ist. Vielleicht war er ein Verwaltungsbeamter, der an seinen Stationen Nachrichten zu überbringen hatte, vielleicht ein Abenteurer. Ja, vielleicht war er auch gar kein Mann, sondern eine Frau. Unserer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Das Itinerarium Burdigalense, so heißt sein Pilgerführer, ist nur kurz gehalten. Er listet die Orte auf, an denen seine Tagesetappen enden, und schreibt die Meilenangaben hinzu. Mehr nicht. Über 10.000 km hat er insgesamt zurückgelegt. Alleine für die Strecke von Konstantinopel nach Jerusalem brauchte er 2 Monate.

Die Mühsal und die Gefahren einer solchen Pilgerfahrt können wir Menschen im 21. Jh. nur mehr erahnen. Der Pilger konnte sich nicht wie Hape Kerkeling auf seinem Jakobsweg nach Santiago de Compostela in guten Hotels oder Pensionen einmieten oder einen Autobus für bestimmte Strecken benutzen. Der Pilger hatte kein Handy, um in einer abgelegenen Gegend Hilfe herbeizurufen. Er war ganz auf sich und das römische Straßensystem angewiesen. Es gab kein GPS, noch nicht einmal Karten der Provinzen, durch die er gegangen ist.

Und wenn wir davon ausgehen, dass er oder sie wirklich ein Pilger war, dann hatte er auch seine Angelegenheiten zu Hause in Bordeaux geregelt, hatte sein Testament gemacht und hat sich völlig mittellos auf die Reise begeben. Dafür stand er unter dem besonderen Schutz der Kirche. Wieviel ihm dieser Schutz geholfen hat, wissen wir heute auch nicht mehr. Seit dem Mailänder Edikt durch Kaiser Konstantin dem Großen im Jahre 313 konnte zwar jeder die Religion ausüben, der er nahestand, aber eine kirchliche Infrastruktur wie im Mittelalter gab es für Pilger nach Jerusalem sicherlich nicht.

Mittellos, angewiesen auf die christliche Hilfsbereitschaft der Menschen am Weg. Nicht wissen, welches der kürzeste und am wenigsten unbequeme Weg von A nach B ist. Nicht wissen, ob nach dem Essen noch ein weiteres Essen folgen wird oder ob es für die Nacht ein Dach über dem Kopf gibt. Und ganz in Gottes Hand sein. ‚Totus tuus‘ – Ganz Dein! Der Wahlspruch des Papstes Johannes Paul II. bedeutet auch eine radikale Nachfolge Jesu. Im Lukas-Evangelium steht: Die Füchse haben Gruben und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn dagegen hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann. (LK 9,58). Und weiter steht dort: Tragt keinen Geldbeutel, keinen Proviantsack, keine Sandalen, auch keinen Stock, und grüßt niemanden unterwegs. (Lk 10,4)

Es ist für mich als Mensch des 20. und 21. Jh’s. eine besondere Herausforderung. Genauso, wie es für viele von Ihnen eine besondere Herausforderung wäre. Totus tuus – ganz Dein! Ich weiß nicht, ob ich diese Herausforderung bewältigen kann. Alleine von Weilburg nach Frankfurt sind es mindestens 2 Tagesetappen – auf einer Strecke, die Sie und ich in 45 Minuten mit dem Auto zurücklegen können. Aber die Herausforderung ist es wert angenommen zu werden. Nicht nur die Herausforderung, einem fast 1.700 Jahre alten Pilgerführer, in Latein geschrieben, durch halb Europa und Vorderasien zu folgen, sondern auch oder gerade die Herausforderung anzunehmen, die Jesus seinen Jüngern gestellt hat.

Ich lade Sie ein, mich auf dem Pilgerweg von Weilburg nach Jerusalem in den nächsten Monaten und Jahren zu begleiten. Ich lade Sie ein, hier im Internet die Vorbereitungen und den Weg mitzuerleben. Ich kann nicht sagen, wann ich dort ankomme. Vielleicht 2009, vielleicht 2010, vielleicht noch später. Das 21. Jh. zeichnet sich besonders durch die wahnsinnige Geschwindigkeit der Veränderungen aus. Aber spannend für Sie und für mich wird es auf jeden Fall.

Einen Teil des Pilgerweges werde ich abändern. Ich werde erst in Mailand auf den Weg des Unbekannten aus Bordeaux stoßen, von dort nach Rom und wieder zurück pilgern. Und dann erst von Mailand nach Istanbul und weiter nach Jerusalem gehen.

Totus Tuus – ich freue mich auf die Herausforderung und ich freue mich über Ihre Begleitung.

Mit einem lauten Ultreya, dem uralten Gruß der Jakobspilger, und herzlichen Grüssen,

Ihr Karl-Josef Schäfer

Rheincamino

 

Diesen Hinweis bekam ich am 25. Juni – vielen herzlichen Dank dafür. Nur ob ich den Namen veröffentlichen darf, weiß ich nicht 🙁

Sehr geehrter Herr Schäfer.

mit großem Interesse lese ich auf Ihrer Homepage www.xschaefer.de von Ihrem geplanten Rheincamino.

Meine Frage lautet: Führt Ihr Weg auch über das schöne Städtchen Unkel am Rhein? In der Broschüre "Aus der Vergangenheit Unkels" (1988) lese ich auf der Seite 25 folgenden Hinweis:

"Der legitime Weg war die Pilgerreise nach Jerusalem, nach Santiago de Compostello zum Grab des Jakobus oder nach Rom. Die Pilger trugen besondere Kleidung – das erhärtet die Vermutung Franz Kemps, daß auf dem Herresdorfaltar in der Unkeler Kirche zwei Pilger dargestellt sind. Vielleicht haben Mitglieder der Familie Herresdorf Pilgerreisen unternommen."

Meine Frau und ich sind oft nach Unkel, in dieses nette und beschauliche Winzerörtchen gefahren und unternehmen auch gerne Pilgerwanderungen. Wir würden uns freuen, wenn Sie den Rheincamino über Unkel führen, da dort ja auch eine geschichtliche Spur vorhanden ist.

Mit freundlichen Grüßen

1. Etappe Neuss – Köln-Worringen = ca. 26 km

 

Neuss – Worringen

 

Neuss-Quirinusmünster – Römerlager (ca. 3 km) – Grimlinghausen (ca. 1,5 km) – Römerturm (ca. 2 km) – Uedesheim (ca. 2 km) – St. Peter (ca. 3,5 km) – Feste Zons (ca. 5 km) – Dormagen (ca. 5,5 km) – Worringen (ca. 3,5km) = ca. 26 km

Schwierigkeitsgrad: keine nennenswerten Steigungen, überwiegend geteerte Wege

Besichtigungen in Neuss, Feste Zons

Zeitbedarf ca. 6 Stunden zzgl. Pausen und Besichtigungen

Tagesimpuls: Eines Tages, als sie miteinander unterwegs waren, kam einer auf Jesus zu und sprach ihn an:“Ich will mit dir gehen, überall, wohin du gehst!“ Jesus erwiderte: „Die Füchse haben ihren Bau. Die Vögel haben ihr Nest. Ich, der Bevollmächtigte Gottes, habe nicht einmal einen Schlafplatz oder ein Versteck vor den Mächtigen, die mir nachstellen.“ (Lk 9, 57f.)

Legende: Hildegund von Neuss, oder Hildegund von Schönau, wie sie auch genannt wird, wurde in Neuss am Rhein als Tochter eines reichen Bürgers um 1171 geboren. Ihr Vater nahm sie mit auf eine Pilgerreise in das Heilige Land, nach Jerusalem. Zu ihrem Schutz steckte ihr Vater sie in Jungenkleider und gab ihr den Namen Joseph. Auf der Rückreise starb ihr Vater und Hildegund musste große Gefahren und Schwierigkeiten meistern. Auch wurde sie wegen Diebstahl zum Tode verurteilt, jedoch von Engeln errettet. Gestorben ist die heilige Hildegund mit nur 17 Jahren am 20. April 1188 im Zisterzienser-Kloster Schönau im Odenwald. Erst nach ihrem Tod hat man ihr wahres Geschlecht entdeckt. Ihr Grab befindet sich im Chor der Klosterkirche von Schönau.

Neuss am Rhein

Allgemeines: Neuss liegt linksrheinisch gegenüber Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen und ist Kreisstadt des Rhein-Kreises Neuss. Die Einwohnerzahl belief sich am 30.09.2007 auf 152450. Als römische Grün­dung am Jahr 16 v. Chr. feierte Neuss im Jahr 1984 das 2000-jährige Bestehen. Das Neusser Bürger-Schützenfest am letzten August-Wochenende jeden Jahres gilt als das zweitgrößte Schützenfest in Deutschland, mit ca. 6500 Schützen und 1200 Musikern. Weitere Informationen und einen Stadtrund­gang durch Neuss finden Sie im Anhang 1 dieses Pilger-Wanderführers.

Anlaufstellen:  Katholisches Pfarramt St. Quirinus (Münsterkirche), Freithof 7, 41460 Neuss, Tel. 02131-222327; Verband Ev. Kirchengemeinden in der Stadt Neuss, Further Straße 157, 41462 Neuss, Tel. 02131-66599-00; Islamische Gemeinde Neuss, Gielenstr.9, 41460 Neuss, Tel.: 02131-222258; Tourist Information Neuss, Rathaus-Arkaden, Büchel 6, 41460 Neuss, Tel. 02131-4037795, E-Mail: tourist-information(at)nttg-neuss.de

Übernachtung:  Jugendherberge Uedesheim (direkt am Jakobsweg), Macherscheider Straße 109, 41468 Neuss, Ü/F im DZ 46,40 Euro, Tel. 02131-718750, E-Mail: neuss(at)jugendherberge.de; Kolpinghaus (Innenstadt), Burggraben 1, 41460 Neuss, Ü im Doppelzimmer (ohne Frühstück) 42,– Euro, Tel. 02131-225-0, E-Mail: neusskolpinghaus(at)aol.com; Frank Schulze, Grünstraße 12 (Gnadental/Nähe Römerlager), 41460 Neuss, Ü im DZ (ohne Frühstück) ab 24,– Euro, Tel. 02131-470633, Frank.Schulze(at)extern.stk. nrw.de; Georg Scholz, Breite Straße 54 (Innenstadt), 41460 Neuss, Ü im DZ (ohne Frühstück) ab 30,– Euro, Tel. 02137-7864300, E-Mail: wohnung(at)ks-scholz.de

Geschichte: Ob Neuss nun wirklich neben Augsburg und Trier oder auch Kempten die älteste Stadt in Deutschland ist, sei einmal dahingestellt. Sicher ist die Gründung von Castra Novaesium im Jahr 16 v. Chr. durch die Römer. Und es ist der zweitälteste Ort an Ihrem Jakobsweg von Neuss über Köln nach Koblenz-Stolzenfels. Köln wurde spätestens 19 v. Chr. gegründet, Bonn und Andernach 12 v. Chr. und Koblenz schließlich 9 v. Chr. Ein erstes steinernes Legionslager mit bis zu 6500 Mann Besatzung entstand im 1. Jahrhundert n. Chr. Als das Lager an der Erftmündung Ende des 3. Jhs. aufgegeben hatte, entstand im Bereich der römischen Zivilsiedlung nahe des heutigen Quirinusmünsters eine neue Befestigung. Daraus entwickelte sich das mittelalterliche und heutige Neuss, denn hier wurde im 9. Jh. auch eine Kirche gebaut und daneben, Ende des 10. Jh., ein Benediktinerinnenkloster. Wahrscheinlich sind in dieser Zeit auch die Reliquien des heiligen Quirinus, der den Märtyrertod in Rom gestorben sein soll, nach Neuss überführt worden.

Heinrich VI. bestätigte 1190 die Zollfreiheit für Neuss, und ab 1200 hat man die Stadtmauer mit insgesamt 5 Türmen errichtet. Im Jahre 1209 wurde der Grundstein für das Quirinusmünster gelegt. Die verstärkt einsetzende Verehrung des Neusser Stadtpatrons als Patron der Pferde, Rinder und Ritter sowie seine Anrufung bei Bein- und Fußleiden, Gicht, Lähmung, Eitergeschwüren, Hautausschlag, Pest, Ohrenschmerzen, bei Kropf, Fisteln, Knochenfraß und Pocken (Quelle: www.wikipedia.org) machten eine größere Kirche nötig und wohl auch erst finanziell möglich. Allmählich entwickelte sich Neuss im  Mittelalter neben Aachen und Köln zu einer der wichtigsten rheinischen Wallfahrtsstätten. Zeitweise waren über 5000 Pilger in der Stadt – bei einer Einwohnerzahl von rund 4000.

Der falsche Kaiser Tile Kolup, der sich den Volksglauben an die Rückkehr des beliebten, 1250 gestorbenen Kaisers Friedrich II. geschickt zunutze machte, hielt 1284/85 fast ein Jahr lang Hof in Neuss. Natürlich drehte es sich, wie so oft in der Geschichte und in der Gegenwart, um das liebe Geld. Denn wer den Kaiser in seinen Mauern beherbergte, der brauchte dem rechtmäßigen König keinen Tribut zu leisten. Oder? Rudolf von Habsburg, der rechtmäßige König, belagerte die Stadt vergeblich, um dessen Auslieferung zu erzwingen. Im Sommer 1285 zog Tile Kolub mit seinem Gefolge aus ungeklärten Gründen nach Wetzlar. Auch hier wurde er mit allen Würden empfangen – bis Rudolf von Habsburg vor den Toren Wetzlars stand. Da bekamen die Wetzlarer Angst vor ihrer eigenen Courage und lieferten Tile Kolup an den König aus. Schließlich wurde er am 07. Juli 1285 in der Nähe von Wetzlar als Ketzer verbrannt.

Einen gewaltigen Aufschwung erlebte Neuss nach dem Burgundischen Krieg, auch Neusser Krieg oder Kölner Stiftsfehde genannt. Die Auseinandersetzung wurde zwischen dem Kölner Erzbischof Ruprecht von der Pfalz auf der einen, und dem Kölner Domkapitel auf der anderen Seite geführt. Der Burgunderherzog Karl der Kühne stand dem Erzbischof zur Seite. Während Ruprecht von der Pfalz im Wesentlichen die niederrheinischen und westfälischen Besitzungen zurückerobern und die Privilegien des Domkapitels und der Städte in Kurköln beschneiden wollte, versuchte Karl der Kühne in kriegerischen Auseinandersetzungen, ein unabhängiges Königtum Burgund zu schaffen. Dabei musste er sich gegen den Kaiser wenden, nachdem der Versuch, seine Tochter mit dem kaiserlichen Sohn zu vermählen, scheiterte. Karl der Kühne wurde durch die 10monatige, erfolglose Belagerung von Neuss entscheidend geschwächt, der Kaiser aber bedankte sich bei den Neussern mit dem Münzprivileg und den Hanserechten.

Im Kölnischen oder Truchsessischen Krieg, in dem die Bayern gegen den zum Protestantismus gewechselten Kölner Erzbischof vorgingen, wurde Neuss erobert und verlor die Privilegien wieder. Ein großer Stadtbrand 1586 tat ein Übriges zum Niedergang der wirtschaftlichen Macht von Neuss.

Die Stiftsfehde und auch der Truchsessische Krieg werden Ihnen auf dem weiteren Weg entlang des Rheins in Richtung Koblenz noch häufiger begegnen.

Erst im 19. Jh. erlebte Neuss wieder einen Aufschwung. Die Stadt wurde an das rechtsrheinische Bahnnetz angeschlossen und der Neusser Hafen ausgebaut. Sehenswürdigkeiten: Neuss ist immer wieder einen Besuch wert. Einen kleinen Stadtrundgang durch das historische Neuss habe ich für Sie im Anhang 1 zusammengestellt.

Rhein-Camino: Ihr Jakobsweg am Rhein startet mitten in der Stadt, am Quirinus-Münster. Er folgt bis zum Bonner Münster dem Niederrhein-Camino von Nimwegen über Xanten nach Bonn, den der Landschaftsverband Rheinland initiiert und markiert hat. Ein Pilgerwanderführer von Frau Heusch-Altenstein für diesen Weg ist zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses beim Landschaftsverband Rheinland in Vorbereitung und wird im Herbst 2008 erscheinen. Hier am Quirinus-Münster, zwischen der altehr­würdigen Kirche aus dem 13. Jh. und dem Zeughaus, steht auch die lebensgroße Bronze-Statue eines mittelalterlichen Pilgers. Ein wenig sieht dieser Pilger aus, als wäre er vor irgendetwas auf der Flucht. Na ja, wer weiß?! Sie gehen die Treppe hinunter und gelangen durch die Gasse auf der gegenüber liegenden Seite zum Omnibusbahnhof. Hinter dem großen Bauzaun, den Sie sicherlich 2008 und vielleicht auch noch 2009 vorfinden werden, finden archäologische Grabungen zum mittelalterlichen Neuss statt. In diesem Bereich muss auch die römische Zivilstadt gewesen sein; das Militär-Lager des römischen No­vaesium passieren Sie wenig später auf Ihrem Weg durch den Stadtteil Gnadental und Grimling­hau­sen.

Am Rheinischen Landestheater vorbei geht es auf der Oberstraße bis zum Obertor, dem einzigen noch erhaltenen Stadttor des mittelalterlichen Neuss. Dieses südlich gelegene, mächtige Stadttor wurde mit der Stadtmauer um 1200 gebaut und kontrollierte die wichtige Handelsstraße nach Köln. Sicher sind viele Pilger durch das Obertor in Richtung Süden gepilgert. Heute ist hier die Abteilung zum mittelalterlichen Neuss des Clemens-Sels-Museums untergebracht.

Weiter geht es zunächst am Kloster Immaculata und am St.-Josef-Krankenhaus vorbei, beides Gründun­gen der Neusser Augustinerinnen, bis zum Alexianerplatz. Wenn Sie die Straße überquert haben, folgen Sie dem Fußweg, der auf die Schule zuläuft und schon bald in einen Waldweg, dem Scheibendamm, übergeht. Wahrscheinlich wird der Landschaftsverband Rheinland noch in diesem Jahr damit beginnen, den Weg mit der Jakobsmuschel zu markieren, so dass es dann einfacher wird, den Weg zu finden.

Schnurgerade ist der Weg, der bis zum Neusser Sporthafen zwischen Gnadental und Grimlinghausen führt. Wenn Sie unter der Autobahn hindurchgegangen sind, befinden Sie sich im heutigen Neusser Stadtteil Gnadental und passieren das Areal des römischen Militärlagers aus der Mitte des 1. Jh. Hier war eine ganze Legion mit fast 6500 Soldaten stationiert. Nur wenige Schritte benötigen Sie für einen Ab­stecher zum ‚Historischen Rundgang’, der im Bereich des ehemaligen Garnisonsgeländes angelegt wurde. Nicht alle Exponate stammen aus Neuss – aber interessant ist der Rundgang allemal. Teil dieses Rund­ganges ist auch die Fossa Sanguinis, die angebliche Kybele-Kultstätte am Gepa-Platz in Gnadental. Dieser spätantike Keller ist einzigartig unter den archäologischen Funden – aber ob er tatsächlich dem Kybele-Kult gedient hat, ist mehr als fraglich.

Zurück auf dem Rhein-Camino, umrunden Sie den Sporthafen – hier werden übrigens die höchsten Immobilienpreise in Neuss gezahlt – und erreichen die Erftmündung.  An dieser strategisch wichtigen Stelle entstanden seit 16 v. Chr. neun aufeinanderfolgende römische Legionslager. Sogar eine Brücke über die Erft hatten die Römer errichtet – leider wurde der Erftübergang im 16. Jh. zerstört.

Auf der Straße Am Römerlager sind Sie im Neusser Stadtteil Grimlinghausen. Von hier führt der Weg mit kleinen Ausnahmen immer am Rhein entlang, orientiert sich an der Römerstraße, die von Xanten nach Mainz führte.

Am Ortsausgang von Grimlinghausen pilgern Sie bitte auf dem Fahrradweg neben der Straße weiter. Dann kommen Sie direkt an der Rekonstruktion eines römischen Wachtturms am niedergermanischen Limes vorbei. Hier in der Nähe des Reckberges (ca. 44m N.N.) befand sich ein römisches Kleinkastell, und um 1900 wurden die Fundamente eines Wacht- und Aussichtsturmes ca. 200 m davon entfernt gefunden. Von hier aus wurden Signale an die in Sichtweite liegenden Lager Dormagen (Durnomagus) und Neuss (Novaesium) weitergegeben.

Der Pilgerweg auf dem Rhein-Camino führt vom Reckberg geradeaus durch den Neusser Stadtteil Uedes­heim, vorbei an der Jugendherberge und wieder in die Nähe des Rheins. Hier geht es immer weiter auf dem gut ausgebauten Fahrradweg rheinaufwärts in Richtung Dormagen und Köln.

Dormagen, genaugenommen den kleinen Ortsteil St. Peter, haben Sie schon erreicht, wenn es vom Rhein hoch auf die B9 und dann weiter an der vielbefahrenen ehemaligen Römerstraße geht. Sie pas­sieren den Silbersee, der an heißen Tagen gerne (verbotenerweise) zum Schwimmen genutzt wird. Dies ist nicht ganz ungefährlich. Die früher hier angesiedelte Zinkhütte hat eine große Arsenblase im ver­seuch­ten Erdreich hinterlassen. An der großen Kreuzung überquert der Jakobsweg die B9 und auf der anderen Seite die daneben verlaufenden Gleise und biegt dann nach links in die Düsseldorfer Straße ein. Von hier aus geht es durch den Ort Stürzelberg bis zum Campingplatz am Rhein hinunter.

Wenn Sie auf dem Rhein-Camino nach rechts in die Oberstraße abbiegen, passieren Sie die Stürzelberger Pfarrkirche, die dem heiligen Aloysius von Gonzaga geweiht wurde. 1838 wurde die Kirche als Kapelle erbaut und 1910 mit einem Seitenschiff zur Kirche erweitert.

Immer entlang der Oberstraße pilgern Sie durch die typische Niederrhein-Landschaft bis Zons. Der Nie­der­rhein ist eine Landschaft voller Gegensätze und Eigentümlichkeiten mit schnurgeraden Pappelreihen, knorrigen Kopfweiden, grünen Rheinauen, weiten Feldern und Wiesen. Eine außergewöhnliche Eigen­tümlichkeit ist auch die Feste Zons bzw., ganz genau genommen, die Stadt Zons. Zwar handelt es sich um einen Dormagener Stadtteil, wegen der historischen Bedeutung darf sich Zons aber seit 1992 ‚Stadt Zons’ nennen. Natürlich nur als Titularstadt.

Stadt Zons

Allgemeines: Stadt Zons ist ein Stadtteil von Dormagen liegt linksrheinisch im Rhein-Kreis Neuss im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Die Einwohnerzahl belief sich im Januar 2006 auf 5405. 

Anlaufstellen:  Pfarrbüro St. Martinus, Hubertusstraße 1a, 41541 Dormagen, Tel. 02133-42180, E-Mail: pfarrbuero(at)st-martinus-zons.de; Gemeinsames Evangelisches Pfarramt, Ostpreußenallee 1, 41539 Dormagen, Tel. 02133-219221; Tourist-Information, Stadtmarketing- und Verkehrsgesellschaft Dor­ma­gen GmbH (SVGD), Schlossstraße 2-4, 41541 Dormagen (Zons), Tel. 02133-2762815, E-Mail: tourismus(at)svgd.de

Übernachtung:  Gästehaus Matzke, Kurfürstenstraße 9, 41541 Dormagen-Zons, Ü im DZ (ohne Frühstück) ab 50 Euro, Tel. 02133-45334; Gästehaus Wolter, Goltsteinstraße 5, 41541 Dormagen-Zons, Ü im DZ (ohne Frühstück) ab 50 Euro, Tel. 02133-46539, E-Mail: lydiawolter(at)aol.com

Geschichte: Schon im 7. Jh. wurde Zons erstmals urkundlich erwähnt, im Testament des Bischofs Kunibert von Köln. Aber archäologische Funde deuten auf eine Besiedlung des Gebietes schon in der Merowingerzeit hin. Eindeutig belegt ist ein Fronhof der Kölner Erzbischöfe im 12. Jh.

Die Befestigung von Zons stammen aus dem 13. und 14. Jh. – 1372 verlegte der Kölner Erzbischof die Erhebung des Rheinzolls von Neuss nach Zons, 1373 erhielt Zons die Stadtrechte, konnte sich aber in der Folgezeit wirtschaftlich nicht richtig entwickeln. 1463 verpfändete der Erzbischof die Festung an das Kölner Domkapitel.

Sehenswürdigkeiten: Der Rhein-Camino führt Sie durch das nördliche Rheintor in die Feste Zons hinein. Bevor Sie durch das alte Stadttor gehen, schauen Sie sich doch auf dem Vorplatz noch die Jakobsweg-Stele des Landschaftsverbandes Rheinland an. Zum Zeitpunkt der Recherche (April 2008) war die Aufstellung noch in der Planung, sollte aber bei Erscheinen des Pilgerwanderführers vollzogen worden sein.

Der Rheinturm, wegen der Figur des heiligen Petrus auch Petersturm genannt, wurde 1388 erbaut, hatte ursprünglich die Aufgabe, die Zolleinnahmen zu sichern. Im 19. Jh. wurde er als Wohnturm genutzt, an­schließend mit dem alten Zollhaus Teil eines Franziskanerinnenklosters. Die angebaute Rheintor-Kapelle wurde vom Kloster nach 1860 erbaut. Hier, unter dem Rheintor, ist das alte Kopfsteinpflaster noch er­halten, mit dem früher die ganze Altstadt gepflastert war.

Wenn Sie durch die Rheinstraße gehen, fallen Ihnen sicherlich die vielen schönen Details an den alten Häusern auf. Zwar sind diese alle nach dem großen Brand zu Beginn des 17. Jh. gebaut – dennoch ist das genauere Hinsehen lohnenswert. Am Haus Rheinstraße 8 ist allerdings die Jahreszahl 1310 auf der Haustür der Wunsch der Vater des Gedankens. Es müsste eigentlich 1710 heißen, die nachgemalten Zahlen sind nicht korrekt.

Die beiden auf der Rheinmauer erhaltenen Wachtürmchen – bis ins Jahr 1784 stand in der Mitte auch noch einer – werden auch Pfefferbüchsen genannt. Der mittlere Turm ist bei einem Hochwasser mit einem Teil der Mauer eingestürzt.

Sie gehen immer an der Mauer entlang, bleiben auf der Rheinstraße, und kommen zum ehemaligen Marktplatz, dem heutigen Schlossplatz. Vielleicht bemerken Sie, dass das Haus gleich am Eingang zum Platz, auf der linken Seite, auffällig schmal ist. Es benutzt als Wand einen Teil der Rheinmauer. Um aber auch größeren Fuhrwerken die Durchfahrt zu ermöglichen, musste das Haus besonders schmal gebaut werden. Der Schlossplatz liegt an der Schnittstelle von Rhein- und Schlossstraße, d. h., wenn Sie sich nach rechts wenden, gelangen Sie zum zweiten großen Zonser Stadttor, dem Feldtor. Links von Ihnen befindet sich ein schmaler Durchgang, durch den Sie auf die andere Seite der Rheinmauer gelangen.

Weiter geradeaus gelangen Sie in den Burghof. Heute wird die Burg als Kulturzentrum genutzt.

Interessant für Sie als Jakobspilger ist sicherlich der Ausgrabungs-Fund einer großen Muschel mit zwei Löchern. Benutzt wurde sie wohl als Pilgerzeichen, aber erst in der frühen Neuzeit, also zwischen dem 16. und 18. Jh. Wer die Muschel wohl getragen haben mag? Vielleicht war es ein Bewohner der Burg Friedestorm?

Die Fläche der Burg nimmt 1/6 der gesamten Stadt Zons ein. Hier wurden bei Ausgrabungen die ältesten Zonser Siedlungsspuren gefunden. Alleine fünf Kirchenbauten lassen sich im Burghof nachweisen: Der älteste Bau, eine Holzkirche, stammt aus dem 8. Jh. bis zu einem dreischiffigen, romanischen Bau aus dem 12. Jh., der dann in die Burganlage integriert wurde. Durch verschiedenfarbige Pflasterungen hat man die Stelle der verschiedenen Kirchbauten für den Besucher sichtbar gemacht.

Wenn Sie der Schlossstraße folgen, gelangen Sie zum ehemaligen Feldtor, von dem die dicken Mauern noch erhalten sind und einen kleinen Eindruck des ehemals mächtigen Tores vermitteln. Sie können dem Wallgraben nach rechts folgen, bis zum Krötschenturm, dem besterhaltenen Turm der Stadtbefestigung. Der Rhein-Camino führt aber nach links, in Richtung Windmühle. Diese ist sechsgeschossig und wie der Krötschenturm als Rundturm gebaut. Mühlenfunktion hat dieser Turm nachweislich seit 1447 gehabt, der Umbau zur Windmühle erfolgte gegen Ende des 17. Jh.

An der Mauerecke biegen Sie wieder nach links ein und folgen dem rund 25 m breiten Zwinger. Dabei passieren Sie auch den ehemaligen Zonser Hafen. Die Schiffe mussten hier um die Stadtmauer herum­gezogen werden.

Rhein-Camino: Von hier aus gehen Sie auf Ihrem Pilgerweg bis hinunter zum Rhein, um dann auf dem Deich bis nach Dormagen zu gelangen. Vorbei geht es an der Deponie und der Kläranlage auf dem Weg Oberster Monheimer Weg, bis dieser im Bogen zur Rheinfelder Straße und zur B9 führt.

Wenn Dormagen Ihr heutiges Etappenziel sein soll, überqueren Sie einfach die B9, folgen der Europa­straße ein Stückchen und biegen in eine der Straßen nach rechts ab. Diese führen Sie in die Innenstadt und zur Rathaus-Galerie.

Dormagen

Allgemeines: Dormagen liegt linksrheinisch im Rhein-Kreis Neuss im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 63474. 

Anlaufstellen:  Pfarrgemeinde St. Michael, Kölner Str. 38, 41539 Dormagen, Tel. 02133-42190, E-Mail: pastoralbuero(at)st-michael-dormagen.de; Gemeinsames Evangelisches Pfarramt, Ostpreußenallee 1, 41539 Dormagen, Tel. 02133-219221; Islamische Gemeinde Dormagen, Rosellerstr. 21, 41539 Dormagen; Tourist-Information, Stadtmarketing- und Verkehrsgesellschaft Dormagen GmbH (SVGD), Schlossstraße 2-4, 41541 Dormagen (Zons), Tel. 02133-2762815, E-Mail: tourismus(at)svgd.de

Übernachtung:  Gästehaus Renate Klein, Robert-Koch-Straße 25, 41539 Dormagen-Nord, Ü im DZ (ohne Frühstück) ab 36 Euro, Tel. 02133-43752; Klaus Tosetti, Florastraße 21, 41539 Dormagen-Mitte, Ü im DZ (ohne Frühstück) ab 40 Euro, Tel. 02133-49836

Durch den historischen Stadtkern von Dormagen verläuft heute die Kölner Straße, teilweise Fußgänger­zone, die im Wesentlichen dem Verlauf der alten Römerstraße Mainz-Xanten entspricht. Und obwohl der Raum Dormagen wohl Siedlungsgebiet der Eburonen (eines keltischen Volksstammes) war und später die Ubier angesiedelt wurden, beginnt die Bedeutung von Dormagen erst mit den Römern – damit einher gehend die Errichtung des Kastells genau zwischen Neuss und Köln, jeweils eine Tagesreise in beide Richtungen. Jedoch wurde die hier stationierte I. Legion schon 35 n. Chr. nach Bonn verlegt und es verblieb nur eine Abteilung in Durnomagus. Auch diese Abteilung wurde nach dem Bataveraufstand aufgelöst und erst 80 n. Chr. wieder ein Kastell errichtet. In einer Villa Rustica nahe Dormagen ist im 2. Jh. eine Kultstätte für die römisch/persische Gottheit Mithras nachgewiesen.

Die Franken haben im 5. Jh. die Römer abgelöst, Nievenheim, heute ein Dormagener Stadtteil, wurde zur Hauptstadt eines Gaus.

Die katholische Pfarrkirche St. Michael wurde ursprünglich 1190 erbaut. Sie steht auf den Fundamenten eines römischen Marstempels. Einen Keller und römische Fundgegenstände können Sie unter dem Pfarrheim besichtigen, wenn Sie sich den Schlüssel im Pfarrbüro besorgen (Öffnungszeiten Mo – Fr 00:00 – 00:00 Uhr). ?????????????? Die ersten drei Etagen des romanischen Turmes  sind erhalten. Über die vermutlich hölzerne Vorgängerkirche aus der Frankenzeit gibt es nur Vermutungen. Bis in das 19. Jh. hinein diente das Gelände um die Kirche als Friedhof. Der romanische Bau wurde im Laufe der Zeit durch eine gotische Kirche ersetzt, 1887 diese wiederum durch einen neugotischen Bau. Aber auch diese wurde 1970 abgetragen und durch das heutige moderne Gotteshaus ersetzt.

Ein Abstecher des Jakobsweges führt über das Kloster Knechtsteden, im Südwesten von Dormagen gelegen. Gegründet – von Köln aus – 1130, begann 1138 der Bau der Basilika. Es handelt sich um eine Doppelchoranlage, und während der Ostchor gotisch erneuert wurde, ist der Westchor original erhalten. Auch die Malerei ist noch ursprünglich und macht die Klosterbasilika zu einem besonderen Kleinod. Im Kloster ist für Pilger auch eine Übernachtung möglich.

Der Rhein-Camino führt nicht nach Dormagen hinein (obwohl die Altstadt durchaus sehenswert ist), son­dern führt Sie an der B9 nach links in Richtung (Köln-) Worringen. Nach kurzer Zeit erreichen Sie auf der Kölner Straße und wenig später auf der Neusser Landstraße den Chemiepark Dormagen und laufen zwischen dem Rhein und Bayer Dormagen bis nach Worringen. Von hier aus können Sie entweder mit dem Bus über Chorweiler (S-Bahnhof) in die Innenstadt fahren (Bushaltestellen u.a. an der B9), oder aber von der B9 rechts in die Alte Neusser Landstraße und dann rechts in die St.-Tönnis-Straße abbie­gen. Die führt Sie bis zum S-Bahnhof Worringen. 

Worringen

Allgemeines: Worringen ist der nördlichste Stadtteil von Köln und liegt linksrheinisch im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 9291. 

Anlaufstellen:  Pfarrbüro St. Pankratius, St.-Tönnis-Straße. 33, 50769 Köln (Worringen), Tel. 0221-782322, E-Mail: pastoralbuero(at)pfarrverband-awb.de; Evangelische Friedenskirche, Pfarrer Volker Hofmann, Hackenbroicher Straße 59, 50769 Köln, Tel.  0221-782338, E-Mail: hofmann(at)kirche-koeln.de; Islamische Gemeinde, Vietorstr. 70, 51103 Köln, Tel.: 0221-855226; KölnTourismus, Unter Fettenhennen 19 (Service-Center am Dom), 50667 Köln, Tel. 0221-221-30400, E-Mail: info(at)koelntourismus.de

Übernachtung:  Alle günstigen Übernachtungsmöglichkeiten befinden sich mehr oder weniger in der Kölner Innenstadt, sind somit sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen: Jugendherberge Köln-Riehl, City-Hostel, An der Schanz 14, 50735 Köln, ÜF ab 24,30 Euro im Mehrbettzimmer, Tel. 0221-767081, E-Mail: koeln-riehl(at)jugendherberge.de; Jugendherberge Köln-Deutz, City-Hostel, Siegesstraße 5, 50679 Köln, ÜF ab 24,30 Euro im Mehrbettzimmer, Tel. 0221-814711, E-Mail: koeln-deutz(at) jugendherberge.de; Station Hostel for Backpackers, Marzellenstraße 40-48, 50668 Köln, Ü im DZ ab 42 Euro, Tel. 0221-9125301, E-Mail: station(at)hostel-cologne.de; Art of Overnight Housing Köln – private Jugendherberge und Hostel, Hohenstaufenring, 50674 Köln-Zentrum, Tel. 0221-3500933, E-Mail: ohc-haus(at)t-online.de

Die bereits oben erwähnten keltischen Eburonen, danach die Ubier und dann, ab ca. 50 n. Chr., die Römer lassen sich archäologisch in Worringen nachweisen. Ihnen folgten ab etwa 355 die Franken. 922 wurde die Stadt erstmals urkundlich erwähnt, und nachdem im Jahre 1151 der Graf von Jülich Worringen an die Kölner Domprobstei  verkaufte, sicherte der Kölner Erzbischof diesen strategisch wichtigen Ort mit einer Burg. 1247, als Wilhelm von Holland zum deutschen König gewählt wurde, platzte sie aus allen Nähten, die Edlen und Ritter mussten in der näheren und weiteren Umgebung untergebracht werden.

Im Jahre 1288, mit der Schlacht von Worringen jedoch, wurde hier deutsche und europäische Geschichte geschrieben. Heute würde man sagen, dass sich durch den Ausgang der Schlacht die politische Land­schaft grundlegend verändert hat. Die blutige Schlacht, bei der 1100 Kämpfer den Tod auf dem Schlacht­feld fanden und 700 später ihren Verletzungen erlagen, war der grausame Höhepunkt des Limburger Erbfolgestreites.

Es begann alles im Jahr 1282 und zunächst war es eigentlich, wie es immer war. Wenn zwei sich streiten, dann freut sich der Dritte. Denn während sich seine Verwandtschaft um das Herzogtum Limburg (im heutigen Belgien) und den Titel des Herzogs von Niederlothringen stritten, verkaufte einer der Erb­berechtigten, Adolf von Berg, seinen Anspruch an Johann von Brabant. Dieser konnte zwar keine eigenen Erbansprüche anmelden, hatte aber große machtpolitische und wirtschaftliche Interessen an Limburg. Da aber Adolfs Vasallen dieses Spiel nicht mitmachen wollten und dem Brabanter den Huldigungseid ver­weigerten, marschierte dieser mit seinen Truppen in Limburg ein.

Und nun kommt der Kölner Erzbischof, Siegfried von Westerburg, ins Spiel. Der musste den Machtzu­wachs Johann von Brabants als Bedrohung und Gefährdung seines Kurfürstentums Köln am Niederrhein empfinden.

In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Scharmützeln zwischen den verschiedenen Parteien, die sich in diesem Konflikt gebildet hatten. Dem Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg mit seinen Verbündeten Reinald I. von Geldern, Heinrich VI. Graf von Luxemburg, Walram von Luxemburg, Graf Adolf von Nassau (dem späteren deutschen König) und einigen anderen standen Johann I. von Brabant, Herzog von Brabant, mit seinen Vasallen Graf Adolf V. von Berg, Graf Eberhard I. von der Mark sowie u.a. Bürger von Köln und bergische und märkische Bauern gegenüber.

Als im Mai 1288 Köln zu einer wichtigen Basis für Johann von Brabant wurde, spitzte sich die Lage zu. Das erste Ziel der Allianz, die erzbischöfliche Burg Worringen zu schleifen, führte zur Belagerung der Stadt. Die Bürger von Köln, sowieso immer scharf darauf, ihrem Erzbischof eins auszuwischen, waren mit einem großen Kontingent daran beteiligt.

Siegfried von Westerburg sammelte seine Vasallen und die Truppen bei Neuss. Nach der Aufnahme sei­nes Feindes Johann von Brabant in der Stadt Köln hatte der Erzbischof keine andere Wahl mehr: Er muss­te die Entscheidung suchen.

Am 05. Juni kam es bei Worringen zur alles entscheidenden Schlacht. Schon bald musste der Kölner Erzbischof seine aussichtslose Lage erkennen und bot die Kapitulation an. Der Verlust des Fahnenwagens an die kölnischen und bergischen Fußtruppen ließ den kurkölnischen Widerstand völlig zusammen­bre­chen. Auch die Vasallen mussten einer nach dem anderen den Kampf einstellen und gerieten in Gefan­genschaft.

Die Auswirkungen der Schlacht von Worringen auf das Machtgefüge in Mitteleuropa waren enorm. Die Territorien der Grafen von Berg und von der Mark wurden ausgebaut, die Bestrebungen des Erzbischofs, seine Besitztümer am Niederrhein und in Westfalen zu sichern und auszuweiten, waren zunichtegemacht. Siegfried von Westerburg wurde in Schloss Burg an der Wupper gefangen gehalten und gelangte erst 1289 die Freiheit wieder. Bis dahin hatten die Sieger bereits Tatsachen geschaffen. Burg Worringen, Feste Zons und Neuenberg wurden geschliffen. Düsseldorf erhielt von Adolf von Berg die Stadtrechte, damit war die Grundlage für die spätere bergische Residenzstadt geschaffen. Auch in Westfalen wurden die kurkölnischen Burgen geschliffen. Auch wenn der Erzbischof nach seiner Freilassung einen Prozess gegen die Stadt Köln anstrengte, so hatte die Stadt doch schon quasi den Status einer Reichsstadt. Die offizielle Anerkennung ließ aber dann noch 200 Jahre auf sich warten. Der Erzbischof hatte damit end­gültig die Herrschaft über seine eigene Bischofsstadt verloren.

1292 erhielt der Herzog von Brabant von Adolf von Nassau das Herzogtum Limburg als Lehen und es wurde der rote Limburger Löwe zu den goldenen brabantischen Löwen im Wappen hinzugefügt.

Der Pilgerweg führt Sie auch an der neugotischen Pfarrkirche St. Pankratius, gebaut Ende des 19. Jh., vorbei. Auf dem Vorplatz erinnert eine Stele an die Schlacht von Worringen. Die neue Pfarrkirche wurde errichtet, weil die alte Kirche aus dem 12. und 13. Jh. an der Alten Neusser Landstraße zu klein gewor­den war. Von diesem romanischen Bau ist nur noch der Turm erhalten.

Trotz der Eingemeindung in die Millionenstadt Köln hat sich der nördlichste Stadtteil Worringen seinen niederrheinischen Charakter und Charme erhalten. Bei schönem Wetter macht es viel Spaß, durch die Straßen und Gassen zu bummeln. Und die Kölner Innenstadt ist per ÖPNV schnell erreichbar, so dass Sie auf dem Weg zu Ihrer Unterkunft (siehe Anmerkungen im Worringer Infofeld oben) nicht zu hetzen brauchen.

Wege der Jakobspilger in Deutschland – Santiago de Compostela – warum wurde das Grab zum Hauptpilgerziel?

 

  • Einleitung
  • Mythos Jakobswege
  • St.-Jakobus d.Ä. – Apostel und Maurentöter?
  • Santiago de Compostela – warum wurde das Grab zum Hauptpilgerziel?
  • Mittelalterliche Pilger unterwegs!
  • Der "wahre Jakob"!
  • Heilige Jahre
  • Deutschland und seine Jakobswege
  • Stolzenfels im Jakobswege-Netz
  • Warum das 21. Jh. sich nicht so sehr vom hohen Mittelalter unterscheidet!

     

    Überall können wir bei dem bisher gesagten zwischen den Zeilen die machtpolitischen und wirtschaftlichen Interessen lesen, die mit dem Apostelgrab gerade am Ende der damalig bekannten Welt verbunden waren (und heute noch sind). Die ersten Pilger aus Aquitanien und dem Bodenseeraum sind bereits im 10 Jh. (wohl um 930 herum) belegt. Und dann geht es Schlag auf Schlag. Bei den Spaniern kann man es noch verstehen, immerhin handelt es sich um ihren Nationalheiligen. Dann aber folgten die Franzosen und die Deutschen – Pilger sind aus Osteuropa, aus Skandinavien, ja selbst aus Island belegt. Nach den Engländern wurde ein Pilgerweg, der Camino Ingles von Ferrol bzw. La Coruna, benannt.

    Warum das alles? Warum entwickelt sich hier, neben Jerusalem und Rom, ein drittes Hauptpilgerziel für die Christenheit?

    Zunächst einmal brauchte die Reconquista, die Rückeroberung der iberischen Halbinsel von den Arabern, und das neue Königreich Asturien eine Identifikationsgestalt. Diese war mit dem Apostel, Märtyrer und Maurentöter Jakobus d.Ä. schnell gefunden. Jakobus legitimierte Asturien als Nachfolgereich der im Maurensturm untergegangenen Westgoten und die Königsfamilie als Nachfolger Theoderichs des Großen.

    Aber erst 1075 erscheint ein erster ausführlicher Bericht über die Grabauffindung, die „Concordia de Antealtares“. Die Zusammenfassung der wichtigsten Legenden erfolgt im 12. Jh. durch den Liber Sancti Jacobi und durch die Legenda Aurea im 13. Jh. Der Liber Sancti Jacobi wird auch Codex Calixtinus genannt und enthält u.a. den ersten bekannten Pilgerwanderführer. (Nicht, dass ich mich in der Nachfolge des Papstes Calixt II. sehe, der wars auch gar nicht, der ihn geschrieben hat. Tatsächlich wird es wohl ein französischer Gelehrter, Aimeric Picaud, gewesen sein.)

    Im Codex Calixtus ist auch der sogen. Pseudo-Turpin enthalten, ein Buch, in dem geschildert wird, wie Karl der Große auf Geheiß des Apostels den Weg zum Grab von den Mauren befreit.

    Und schon sind wir mitten drin im schönsten Machtgerangel. Die Verbindung des in Deutschland und Frankreich verehrten Karl mit dem Nationalheiligen Spaniens weckt nicht nur das Interesse des deutschen und französischen Volkes, sie bietet auch die ideale Gelegenheit für Friedrich I. Barbarossa und Ludwig VII. von Frankreich die eigene politische Vormachtstellung in Europa zu begründen und anzumelden.

    Gleichzeitig nutzen Asturien und die anderen christlichen Königreiche Spaniens die Gelegenheit, die entvölkerten Landschaften neu zu besiedeln – besonders entlang des sich langsam entwickelnden Weges vom Kloster Roncesvalles in den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela. Besonders in Frankreich werden Bauern, Kaufleute und Handwerker mit Freiheitsrechten, Privilegien und Steuerbefreiungen angeworben und entlang des Pilgerweges angesiedelt. Noch heute heisst deshalb dieser Hauptjakobsweg "Camino Frances".

    Geschickt nutzte auch die Kirche das Interesse am angeblichen Apostelgrab. Die Klosterreform von Cluny (wussten Sie eigentlich, dass Cluny uns den Allerseelentag beschert hat?), aber ganz besonders neue theologische Entwicklungen in der christlichen Heils- und Erlösungslehre wurden noch vor Rom in Santiago de Compostela aufgegriffen und verbreitet.

    So wurde in einfachen, allen verständlichen Worten die Fürsprache des Apostels bei einem versöhnenden Christus vermittelt. Diese Botschaft fiel gerade bei der ärmlichen, ja wirklich im Elend lebenden Bevölkerung Europas auf fruchtbaren Boden. Viele machten sich auf, liessen den Schmutz und Unrat der mittelalterlichen Städte, den Hunger und das Elend hinter sich, um am Grab in Santiago de Compostela den heiligen Jakobus um Beistand bei Christus zu bitten.

    Später integrierte das Domkapital auch ein Ablasswesen und Heilige Jahre nach dem Vorbild Roms in die Pastoral.

    Bereits um 1075 wurde  mit dem Bau der romanischen Kathedrale begonnen, 1120 wurde sie zum Sitz eines Erzbischofs.

    In der frühen Neuzeit verfiel der Pilgergedanke mehr und mehr, die Reformation und Luthers persönliche Einstellung zum Thema Pilgern tat ein übriges: die Zahl der Pilger nahm dramatisch ab. Einige heftige Kriege zwischen Frankreich udn Spanien haben auch eine nicht zu geringe Rolle gespielt. Aber ab Mitte des 17. Jh. geht es wieder aufwärts, ein umfangreiches Bauprogramm wird begonnen und 1769 mit der Vollendung einer neuen Nordfassade abgeschlossen.

    Die Säkularisierungswelle nach den napoleonischen Kriegen zerstört nicht nur Cluny und andere kirchliche Schätze, sondern auch fast die gesamte karitative Infrastruktur des Camino Frances. Aber der Pilgerstrom wurde zwar reduziert, hört jedoch niemals ganz auf. 1879 wurden die verschollen geglaubten Gebeine des Apostels wiedergefunden, Papst Leo XIII. bestätigt 1884 die Echtheit  und löst damit eine neue Pilgerwelle aus. 1937 erklärte Franco das Fest des Heiligen Jakobus zum Nationalfeiertag. 1950 gründet sich in Paris eine wissenschaftliche Jakobusgesellschaft.

    Seit 1970 gibt es einen neuen Aufschwung. In dem Jahr haben 68 Pilger die Compostela erhalten. 1980 sind es 209 PilgerInnen, 1990 4.918, im Jahr 2000 55.004 und schliesslich 2007, im Jahre 6 nach HP  (Hape Kerkeling ist 2001 den Camino Frances gegangen) immerhin 114.026 Pilger.

    Auf dem Jakobsweg befinden Sie sich in berühmter und frommer Gesellschaft: Johannes Paul II., Otto von Habsburg, Cees Noteboom, Paulo Coelho, Shirley McLaine, Verona Pooth, Frank Elstner oder Jenna Bush, die amerikanische Präsidententochter.

    Den eigenen Machtanspruch manifestieren, Spanien eine neue Identifikationsfigur geben, verödete Landstriche neu besiedeln, und schliesslich sogar die europäische Vormachtstellung eines Friedrich I. Barbarossa oder Ludwig VII. begründen – all das setzt Energien bei den Herrschenden des Mittelalters frei, um Santiago de Compostela zu einem der wichtigsten Orte der Christenheit zu machen.

  • Der Rhein-Camino – machen Sie mit?

     

    Der Pilgerwanderführer für den deutschen Teil der Via Jutlandica bis zur Elbe nimmt Gestalt an – und ich beschäftige mich schon mit dem nächsten Projekt: dem Rhein-Camino. Den wieder mit Wolfgang Welter (was zeigt, dass mir die Zusammenarbeit riesigen Spaß gemacht hat)!

    "Jede Matthias-Bruderschaft westlich von Neuss hatte und hat ihren eigenen Weg nach Trier zum Apostelgrab" las ich gerade vor ein paar Tagen auf einer Internet-Seite. Aber diese Wege führten alle durch die Eifel in Richtung Trier. Und so sind heute auch die Wege der Jakobspilger als Jakobswege durch die Eifel markiert worden.

    Nun nutzten aber schon die Römer und vor ihnen die Kelten die Rhein-Achse als Nord-Süd-Verbindung. Wie ein mit dem Lineal gezogene Linie führte die Römerstrasse von Xanten nach Mainz. Die heutige B9 zeigt den Verlauf der historisch nachgewiesenen Römerstrasse sehr schön.

    Und da wir wissen, dass aus den Keltenstrassen die Römerstrassen wurden und dann die Römerstrassen von den Händlern bis ins späte Mittelalter genutzt wurden, in diesem Fall mit der B9 und den Autobahnen auf der Römertrasse sogar bis heute, können wir auch davon ausgehen, dass die historischen Pilger nach Rom, nach Jerusalem und besonders nach Santiago de Compostela diese Strassen benutzt haben.

    Beschreibungen, Wanderführer, für den Rheinsteig und den Rheinhöhenweg gibt es zur Genüge. Was unter dem Arbeitstitel "Rhein-Camino" entstehen soll, ist ein praktischer und spiritueller Pilgerwanderführer für einen Jakobsweg von Xanten, Neuss oder Köln nach Mainz, Speyer oder Worms. Ein Pilgerwanderführer, der auch schon einmal nach links oder rechts ausweicht, wenn denn ein Kloster, eine Kirche, ein historisches Hospital in der Nähe liegt.

    Sie sind am Rhein zu Hause? Schicken Sie Wolfgang und mir doch per E-Mail (rhein-camino@xschaefer.de) Vorschläge für den Streckenverlauf und für erwähnenswerte Sehenswürdigkeiten zwischen Köln und Speyer. Der Pilgerwanderführer wird vermutlich im Sommer 2008, rechtzeitig zur Pilgersaison im Herbst, erscheinen.

    Ultreia, Ihr Karl-Josef Schäfer

    Geschichte der Jakobswege

     

    Die Geschichte des Jakobsweges ist nahezu 1000 Jahre alt. Seit nachgewiesenermaßen 1047 pilgern Menschen aus ganz Europa hin zum Apostelgrab des heiligen Jakobus d. Ä. nach Santiago de Compostela, neben Jerusalem und Rom das dritte Hauptpilgerziel im Mittelalter.

    Nach dem arabischen Einfall auf der Iberischen Halbinsel im 8. Jh. entstand die Legende, dass der Apostel Jakobus d. Ä. die Halbinsel missioniert habe. Die Auffindung des Apostelgrabes spätestens um 840 unterstützte die Legendenbildung, die Verehrung war aber zunächst regional begrenzt. Seit etwa 930 sind Pilger aus Asturien und dem Bodenseeraum nachgewiesen. Unter dem Einfluss der von Cluny ausgehenden Klosterreform bildete sich eine der wichtigsten europäischen Pilgerschaften. Die Kathedrale in Santiago de Compostela wurde Anfang des 11. Jh. erbaut. Aus ganz Europa, ja, selbst aus dem skandinavischen Raum und aus Island, pilgerten nun Menschen zum Apostelgrab. In den letzten Jahren erlebt der Jakobsweg eine Wiedergeburt. Im Jahr 2006 haben 100377 Pilger die begehrte Urkunde, die Compostela, in der spanischen Kathedrale erhalten.

    Und diese Pilger nach Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela nutzten die schon vorher entstandenen Wege. Sicherlich werden die Pilger des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit die Beispiele der Volksfrömmigkeit in den Nähe ihres Weges aufgesucht haben. Und die von uns genannten Wallfahrtsorte und Kirchen haben alle durchaus schon existiert. Auch die Dörfer und Städte waren in der einen oder anderen Ausprägung meist schon existent und wurden zweifellos von Pilgern zur Versorgung genutzt.

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