Blick zurück nach Misdroy

Blick zurück nach Misdroy

Nur wenig mehr als 21 Kilometer geht es an einem der schönsten Ostseestrände von Międzyzdroje (Misdroy) nach Świnoujście (Swinemünde), vorbei an den Relikten einer grausamen Vergangenheit. Einige Bunker wurden gesprengt, doch vielfach sind die Geschützstellungen noch erhalten und sogar zugänglich. „Liebeseele“ zum Beispiel – dort können Sie mit der Taschenlampe durch den alten Bunker laufen.

In Swinemünde gar, im Fort Gerhard, begrüßt Sie ein Kadett in Phantasieuniform und ruft Ihnen „Uwaga“ (Achtung) zu. Gleich darauf donnern zwei Kanonenschüsse über das Fort – ein ohrenbetäubender Krach.

Zu diesen Erlebnissen später.

Misdroy – Swinemünde

Strecke: 21,1 Kilometer

Höhendifferenz: 13 Meter (Höhe von -2 Meter bis 11 Meter), Gesamtanstieg 49 Meter, Gesamtabstieg 49 Meter

Anforderung: Leicht

Tipp: Rucksackverpflegung und Getränke mitnehmen, Versorgungsmöglichkeit erst in Swinemünde am Bahnhof

Der lange Strand macht bei jedem Wetter viel Freude

Der lange Strand macht bei jedem Wetter viel Freude

Denn zunächst genießen Sie den traumhaften Strand der Ostseeküste auf der Insel Wollin in Hinterpommern. Kilometerlang läßt es sich wunderbar spazieren. Der feste Sand kann sogar von Fahrrädern befahren werden.

Leider entschieden sich die Verantwortlichen von Świnoujście (Swinemünde) den Hafen durch ein großes Erdgasterminal zu erweitern. Die Bauarbeiten sind in vollem Gange und der Strandwanderer läuft auf die lange Mole zu, die vor Świnoujście (Swinemünde) in die Ostsee hineinragt. Doch rechts davon ist die Insel Usedom zu sehen, zunächst der Badeort Ahlbeck, dann die beiden Hochhäuser von Heringsdorf und schließlich der Ostseebadeort Bansin.

Die lange Mole des neuen Erdgasterminals in Swinemünde

Die lange Mole des neuen Erdgasterminals in Swinemünde

Kurz vor der Swinemünder Mole des Erdgasterminals geht es vom Strand nach links in den Wald. Es gibt zwei oder drei Baustellendurchgänge, auf denen Wanderer zum nächsten Strandabschnitt gelangen können. Wenn Sie sich direkt am Zaun wieder nach rechts wenden, gelangen Sie wieder zum Strand. Der führt bis zur Mündung der Swine und zum Swinemünder Hafen. Die Swine (polnisch: Świna) trennt die Insel Wolin von der Insel Usedom. An der Sweinde-Mündung steht auch die Mühlenbake, das 1873 erbaute Wahrzeichen der Stadt Swinemünde.

Die Reichskriegsflagge im Fort Gerhard in Polen

Die Reichskriegsflagge im Fort Gerhard in Polen

Wenn Sie die Betonstraße gehen, kommen Sie zum Fort Gerhard. Erbaut im 19. Jahrhundert ist es ein gut erhaltenes Beispiel für den Festungsbau der Festung Swinemünde. Die Erfahrungen des Dänischen Krieges 1848 ließ wohl die Festung Swinemünde entstehen. Damals blockierten die Dänen den Hafen und die Arbeitslosigkeit veranlassten die preussischen Könige, viele Männer im Straßenbau zu beschäftigen.

Vorwerk im Wassergraben des Fort Gerhard

Vorwerk im Wassergraben des Fort Gerhard

Es ist ein monumentales Bauwerk, dieses Fort Gerhard. Begrenzt wird das Gelände durch einen Wassergraben und darin eingebettete Vorwerke. Fort Gerhard gehört zu den ältesten und am besten erhaltenen Festungsbauwerken in Europa. Gut erhalten? Kein Wunder, denn von hier wurde niemals ein Schuss abgegeben. Einer privaten Initiative ist es zu verdanken, dass Fort Gerhard seit 2001 nach und nach restauriert wird.

Der höchste Leuchtturm an der Ostsee, 1857 gebaut in Swinemünde

Der höchste Leuchtturm an der Ostsee, 1857 gebaut in Swinemünde

Ganz in der Nähe, nur wenige hundert Meter weiter, steht der alte Leuchtturm. Der östlich der Swine (auf der Insel Wollin) gelegene, in preußischer Zeit im Jahre 1857 fertiggestellte Leuchtturm ist mit 64,8 Metern (68 m über See) der höchste an der Ostseeküste. Er wurde nach 1990 aufwendig saniert und kann seitdem bestiegen werden (308 Stufen) und bietet einen weiten Blick über Stadt und Hafen, sowie entlang der Ostseeküste nach West und Ost.

Auf dem weiteren Weg begegnen Ihnen immer wieder die Markierungszeichen des Swinemünder Festungsweges, Dies ist ein rund vier Kilometer langer Lehrpfad in eine wirklich grausame Vergangenheit. Erinnern Sie sich? Das nationalsozialistische Unrechtssystem ließ entlang der Ostseeküste, besonders in Misdroy und Peenemünde, die V3 entwickeln. Schon der Name war Hohn, denn „V“ stand für „Vergeltungswaffe“. War Swinemünde auch schon im Ersten Weltkrieg der wichtigste Marinestützpunkt der Deutschen Reichsmarine, so wurde der Hafen zum U-Boot-Stützpunkt ausgebaut und so zur wichtigsten Marine-Garnison an der Ostsee.

Mit den modernen Anforderungen des Krieges veränderte sich die Qualität der um die Jahrhundertwende gebauten Festungsteile und Geschützbatterien. Weite Bereiche der Festung Swinemünde wurden modernisiert und den modernen Waffen angepasst. Wie schon in der Kaiserzeit dienten die Batterien der Anlandungs- und Flugabwehr – mit weit reichenden Waffen.

Große Teile der Bunkeranlagen sind noch heute erhalten. Der Festungsweg, er beginnt am Fort,  erlaubt eine Wanderung durch die zum Teil unter Denkmalsschutz stehenden Anlagen. Zwar waren die Festungsteile in und um Swinemünde niemals in Kampfhandlungen verwickelt, doch ist es wichtig, diesen Teil der europäischen Geschichte, die ihren Anfang im Mittelalter nahm, zu bewahren. Die Stadt Swinemünde hat auf ihren Internetseiten eine kurze Zusammenfassung veröffentlicht: Lehrpfad Befestigungsanlagen.

Von hier führt der Weg wieder zurück zur Baustelle des Erdgasterminals. Etwas eintönig ist der Weg zum Swinemünder Bahnhof, in dessen Nähe auch die kostenlosen Fähren über die Swine zum Westteil der Stadt – und damit zur Insel Usedom – führen.

 

Fähre über die Swine

Fähre über die Swine

Mit dem Zug oder mit dem Bus geht es wieder zurück nach Misdroy.

 

 

Übernachten in Misdroy

Übernachten in Swinemünde