Drei Tage Neuorientierung für Selbstständige

„Einstieg in den Umstieg“ ist der Titel eines dreitägigen Seminares beim Institut für Bildung, Medien und Kunst in Lage-Hörste.

An erfahrene Freiberufler und Selbstständige richtet sich ein Workshopangebot des Instituts für Bildung, Medien und Kunst in Lage-Hörste.

Zielgruppe

Der Workshop richtet sich an Selbstständige, die ihre eigene Tätigkeit hinterfragen wollen. Die Berufe sind vielfältig. Der Fernsehproduzent und die Lektorin sind ebenso angesprochen, wie der bildenden Künstler, die Grafikdesignerin oder der bekannte Fußballjournalist. Gemeinsam ist ihnen die Bereitschaft, über ihr eigenes Schaffen nachzudenken und wo notwendig neue Wege zu beschreiten.

Inhalte

Die zentralen Fragen des Seminars werden schon zu Beginn gestellt: Kann ich mich noch auf dem Markt behaupten? Was kann ich in veränderten Märkten tun? Wäre eine Neuorientierung oder Ausweitung meiner Arbeitsfelder sinnvoll?

Dabei steht die intensive Beschäftigung mit eigenen Kompetenzen und Erfahrungen im Vordergrund. Die Selbst- und Fremdsicht wird ständig hinterfragt und manchmal korrigiert. Fähigkeiten und Stärken sollen herausgearbeitet werden. Aus vielen kleinen Puzzleteilen der Einzel- und Gruppenaufgaben setzt sich dann ein Bild zusammen. Darauf können sich die Teilnehmer nach Abschluss des Seminars stützen.

Den Höhepunkt des Workshops stellt eine Auswahl von Anregungen, Denkanstößen und Tipps für jeden Teilnehmer dar. Diese waren zuvor von anderen Teilnehmern erarbeitet und grafisch dargestellt worden. Zum Teil entstehen dabei neue Aufgabenfelder oder berufliche Ziele.

Seminarablauf

Der Workshop beginnt um 10 Uhr am ersten und endet um 13:00 Uhr am dritten Tag. Klare Arbeitsanweisungen strukturieren den Tag. Eine Kaffeepause kann schon einmal übersprungen oder in den Ablauf integriert werden. Lediglich die Mahlzeiten sind von der Küche vorgegeben und führen zu einer Unterbrechung.

Das besondere Thema führt dazu, dass Mittagspause und die Zeit nach dem Abendessen intensiv für den Austausch genutzt werden.

Während der Seminarzeiten sorgt steter Wechsel von Einzel-, Gruppen- und Plenumsarbeit dafür, dass der Spannungsbogen erhalten bleibt.

Seminarleitung

Berhard H. Miltner ist als Wirtschaftspsychologe selbst Freiberufler. Er führt seit 18 Jahren Trainings durch und ist seit 10 Jahren Kompetenz- und Karriereberater. Dabei verzichtet er bewusst auf Personalvermittlung und Headhunting.

Sein Ziel ist, berufliche Kompetenzen bewusstzumachen und gegebenenfalls neue Perspektiven aufzuzeigen.

Als Seminarleiter versteht er es, systematisch durch den Prozess zu führen. Ständig fordert er Teilnehmer auf, Aussagen zu konkretisieren und bleibt als Ansprechpartner präsent. Fachlich und persönlich geht er kompetent auf die Teilnehmer ein.

Tagungsort

Das Heinrich-Hansen-Haus des ver.di Institutes für Bildung, Medien und Kunst wurde 1954 erbaut. Es bietet nach verschiedenen Modernisierungen Platz für 104 Gäste in Einzel- und Doppelzimmern. Der Empfangsbereich öffnet sich nach links zum Kommunikationsbereich „Brücke“ und nach rechts in ein Foyer mit dahinterliegendem Speisesaal. Die zweckmäßig eingerichteten Zimmer mit großem Schreibtisch sind hell und sauber.

Das Personal ist sehr freundlich und hilfsbereit. Das „Gewerkschafts-Du“ macht den Umgang persönlich und familiär, der Gast kann sich gleich zu Hause fühlen.

Die Mahlzeiten in Büffetform sind sehr schmackhaft. Es steht neben dem Standardessen auch eine vegetarische Version zur Verfügung. Zum Abendessen kann sowohl warm als auch kalt gegessen werden, Salate sind in einer reichlichen Auswahl vorhanden. Auf spezielle Diätwünsche geht die Küche nach Möglichkeit gerne ein.

Im gesamten Komplex gibt es die Möglichkeit, sich über das kostenlose W-LAN mit dem Internet zu verbinden. In den Zimmern und im Außenbereich ist der Empfang jedoch stellenweise sehr schlecht. Im Wintergarten ist ein Internetcafé mit mehreren PC vorhanden.

Die Gaststätte im Untergeschoss mit Raucherraum und schönem Biergarten dient dem Tagesausklang und dem Kennenlernen. Sie ist einladend gestaltet und hat ortsübliche Preise. Für den kleinen Hunger stehen Salate, Brot und Aufschnitt kostenlos bereit.

Der großzügige Außenbereich bietet den Blick ins Grüne, die abgeschiedene Lage sorgt für Ruhe und Erholung.

Das Haus bietet Hotelkomfort auf recht hohem Niveau und kann auch von Einzelgästen belegt werden.

Kosten

Der Tagungsbeitrag beträgt 300 Euro (ver.di-Mitglieder zahlen 120 Euro und erhalten eine Fahrtkostenbeteiligung), inklusive Übernachtung und Vollverpflegung. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist problemlos. Seminarteilnehmer werden vom nächsten Bahnhof Lage (Lippe) entweder vom Hausbus oder einem Taxiservice abgeholt.

Fazit

Zu oft fehlen dem Freiberufler und Einzelunternehmer die objektiven Gesprächspartner, um eingefahrene Arbeitsfelder zu hinterfragen oder neue Ziele zu definieren. „Einstieg in den Umstieg“ soll nicht bedeuten, Altes über Bord zu werfen und etwas völlig Neues anzufangen. Der Workshop will und kann dabei helfen, eigene Kompetenzen zu überdenken und neue Ideen mit nach Hause zu nehmen.

Bernhard Miltner bleibt seinem eigenen Anspruch als Coach über die gesamte Zeit treu. Er führt die Teilnehmer durch den Workshop und begleitet sie durch die verschiedenen Prozesse. Der Seminarleiter achtet auf die Zeitvorgaben, ohne die Einzel- oder Gruppenarbeiten abrupt zu beenden. Dank des Wirtschaftspsychologen bietet das Seminar einen Übungsverlauf, der erkennbar auf den Höhepunkt zusteuert. Fast ohne es zu merken, setzen die Teilnehmer einen Schritt vor den anderen. Dabei ändern sich die Blickweisen von der eigenen Rolle hin zu der Position des Nachbarn oder Gegenübers. Den Höhepunkt stellt schließlich das erarbeitete Papier mit Hinweisen und Tipps für Kollegen dar.

Obwohl nicht Inhalt des Workshops, wünscht sich der Teilnehmer gelegentlich ein konkretes Feedback vom Seminarleiter. Dieser könnte sicher auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen und manche Gruppen- oder Einzelarbeit beschleunigen.

Die intensiven Arbeitszeiten stellen die Konzentrationsfähigkeit der Teilnehmer auf eine harte Probe. Seminarleiter Miltner versteht es jedoch, im rechten Moment einen interessanten Kurzvortrag oder eine Entspannungsphase einzuschieben.

Neben einem Besuch der nahe gelegenen Gedenkstätte Stukenbrok bietet die Hausleitung auch ein Abendprogramm an. Dass dieses von den Teilnehmern an einem derart intensiven Workshop nicht genutzt wird, sollte bei den Veranstaltern auf Verständnis stoßen.

Vielleicht ist es dem Veranstalter möglich, die Seminare im Haus so abzustimmen, dass die verschiedenen Zielgruppen homogener sind.

Insgesamt ist der Workshop, nicht zuletzt wegen Bernhard H. Miltner, empfehlenswert. Die Konzeption lässt auch Teilnehmer zu, die aus dem Management heraus über eine selbstständige Tätigkeit nachdenken. Das Heinrich-Hansen-Haus bietet ein angenehmes Lernumfeld.

Foto © Karl-Josef Schäfer, 2009