Schloss Hluboká nad Vltavou (Frauenberg)Auf keinen Fall dürfen Sie auf einer Rundreise durch Südböhmen einen Besuch im Märchenschloss Hluboká versäumen. Fürstin Eleonore von Schwarzenberg, eine geborene Prinzessin von Liechtenstein, träumte nach einem Aufenthalt auf Schloss Windsor von einem Märchenschloss im Tudorstil. Und weil die Romantik nicht nur am Rhein, sondern auch in Böhmen gerade en Vogue war, ließ sich ihr Gatte Fürst Johann Adolf II. von Schwarzenberg schnell erweichen. Das Schloss wurde zwischen 1840 und 1871 zum Märchenschloss umgebaut.

Leidenschaft der Schwarzenberger: Die Jagd

Leidenschaft der Schwarzenberger: Die Jagd

Von einer anderen Fürstin Schwarzenberg, Eleonore geborene Lobkowitz, geht die Sage um, sie hätte als Vampir ihr Unwesen getrieben und habe Bram Stroker als Inspiration für seinen Roman Dracula gedient. Aber das sind Gerüchte, erfreuen wir uns lieber am romantischen Frauenberg. Eleonore Lobkowitz starb auch schon 1741 im Wiener Schwarzenberg-Palais. Ihr Gatte, Fürst Adam von Schwarzenberg, kam nach 31 glücklichen Ehejahren im Jahr 1732 bei einem tragischen Jagdunfall ums Leben.

Nicht nur das Äußere des Schlosses, auch die Innenausstattung ist prunkvoll und spiegelt die Bedeutung des alten, bis ins 12. Jahrhundert zurückzuverfolgende, Adelsgeschlecht der Familie von Schwarzenberg wider. Die wertvollsten Möbelstücke haben die letzten 200 Jahre überdauert und stehen im Frühstückssalon; das Schlafzimmer, der Ankleideraum und der Lesesaal bieten Raum für Bilder der europäischen Meister  des 16. bis 18. Jahrhunderts, für Lüster, Vitragen und Fayence aus Delft. Doch die große Leidenschaft der Schwarzenberger war die Jagd und so war Schloss Frauenberg hauptsächlich in den Herbstmonaten zur Jagdzeit bewohnt.

Schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstand auf der Anhöhe im Moldautal eine frühgotische Burg. Es war eine Königsburg, die als Wachburg ihren Dienst versehen sollte. Dementsprechend oft wurde Hluboká verpfändet. In der langen Liste der Besitzer finden sich viele große Adelsgeschlechter ihrer Zeit. 1490 erhielt Wilhelm von Pernstein die Burg und ließ sie zu Beginn des 16. Jahrhunderts erweitern. Durch Erbschaft und Überlassung gelangten Burg und Herrschaft in den Besitz der Familie Ungnad von Sonegg. Diese ließen den Besitz herunterkommen, so dass König Ferdinand I. die überschuldete Herrschaft 1561 zurückkaufte. In den 80er Jahren des 16. Jahrhunderts wurde die Burg zu einem Renaissanceschloss umgebaut. 1661 gelangte das Schloss an Johann Adolf I. von Schwarzenberg. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde es im Barockstil umgebaut um dann schließlich zu einem romantischen Märchenschloss in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu werden. 1947 wurden die Güter der Familie von Schwarzenberg von der tschechoslowakischen Regierung konfisziert.

Die Familie Schwarzenberg gehört auch heute noch zu den einflussreichsten tschechischen Familien. Karel Schwarzenberg, dessen in Tschechien nicht erlaubter vollständiger Name Karl Johannes Nepomuk Josef Norbert Friedrich Antonius Wratislaw Mena Fürst zu Schwarzenberg, Herzog von Krummau, gefürsteter Graf zu Sulz und Landgraf im Kleggau lautet, ist seit Juli 2010 zum zweiten Mal tschechischer Außenminister.

Die Schwarzenberger entstammen dem Geschlecht der Seinsheimer, die sich auf den Alemannen-Fürsten Erkinger zurückführten. Hildebrand von Seinsheim (gestorben im Jahr 1386) gilt als Stammvater der Schwarzenberger. Im 15. Jahrhundert wurde die Herrschaft Schwarzenberg, die fränkische Burg Schwarzenberg (Scheinfeld) und der Titel Freiherr zu Schwarzenberg erworben. Schon damals besaß die Familie einige Höfe in Böhmen und konnte im 17. Jahrhundert durch Heirat auch in Besitz der Herrschaft Gimborn im Bergischen Land gelangen. 1599 wurden die Schwarzenberger Reichsgrafen, 1670 zu Reichsfürsten. Verwaltungssitz der Herrschaft Schwarzenberg wurde das Schloss Tiengen (Waldshut-Tiengen, Baden-Württemberg). Im 18. Jahrhundert erwarben die Schwarzenberger die Besitztümer der Rosenberger, eines der ältesten und einflussreichsten böhmischen Adelsgeschlechter. Der Hauptsitz der Familie Schwarzenberg war von 1719 bis 1871 das Schloss Krumau (Cesky Krumlov), danach Schloss  Hluboká nad Vltavou (Frauenberg).

 

 

 

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