Stolzenfels (St. Menas und Jakobsstele) – Fähre – Niederlahnstein-Johanniskloster (Jakobsstele) – Oberlahnstein-Jakobskapelle (3 km) – Martinsburg (1 km) – Braubach (4 km) –  Abstecher Marksburg ca. 1 km – Martinskapelle (1 km) -Sauerbrunnen (4 km) – Schloss Liebeneck (7 km) – Osterspai (1 km) = ca. 21 km

oder

Stolzenfels (St. Menas und Jakobsstele) – Weltfriedenskreuz Königstuhl (7 km) – Rhens/Scharfer Turm (2 km) – Spay (4 km) – Boppard (10 km) = ca. 23 km

 

Schwierigkeitsgrad: in beiden Fällen mittel

Besichtigungen: Oberlahnstein, Abstecher Niederlahnstein, Abstecher Marksburg oder Rhens, Spay, Boppard

Zeitbedarf: 5 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen

Tagesimpuls: Ich bin glücklich, ich bin frei. Zeit für mich, Zeit für dich. Ich erwarte viel – Sonne, Wolken, Wind, Wasser, Weite, Freude.

Öffne mir die Augen für die Schönheit deiner Welt, gib mir wache Ohren für die Stimme der Schöpfung. Ich danke dir für die Tage der Freiheit. Laß mich Kraft sammeln, um freundlicher zu sein.

Ich werde Menschen erleben, vertraute und fremde, ich danke dir und bitte dich, laß mich ihnen zuhören, ihnen und ihrer Welt begegnen und sie verstehen, denn ich habe Zeit.

Gib mir Worte und Taten, die froh machen. Deine Liebe sei mit mir auf allen Wegen. Laß mich heimkehren, reich an Erfahrungen und mit neuer Kraft.

(gefunden in: Pereira, Alfonso: Jugend mit Gott, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer, 1971)

Sage: Wie die Marksburg zu ihrem Namen kam

Graf von Eppstein, der mächtigste Ritter weit und breit, ließ im 13. Jh. eine Burg in Braubach errichten. Seine Tochter Elisabeth wuchs zu einem wunderschönen Mädchen heran. Alle Welt sprach von ihr, und als sie in das heiratsfähige Alter kam, strömten die adligen Jünglinge von Nah und Fern nach Braubach um sie zu freien. Alle schickte Elisabeth wieder nach Hause. Bis, ja bis der junge Graf von Burg Lahneck, Siegbert, ihr seine Aufwartung machte. Ihm gelang es, das Herz der Jungfrau zu gewinnen und der alte Graf gab nur zu gerne seine Zustimmung, als Siegbert um die Hand Elisabeths anhielt. Aber noch während der Hochzeitsvorbereitungen ritt ein Bote des Kaisers in den Burghof und forderte Siegbert auf, dem Heerzug gegen die Böhmen zu folgen. Schweren Herzens nahm der junge Graf von seiner Geliebten Abschied und Elisabeth wartete eine quälend lange Zeit auf ihren Verlobten. Als die Kunde des Sieges von Kaiser Rudolph von Habsburg über die Böhmen nach Braubach kam, freute sie sich sehr, konnte sie doch den geliebten Grafen bald wieder erwarten. Er kam aber nicht. Statt dessen tauchte ein Ritter auf, der sich Rochus von Andechs nannte und als Vetter Anspruch auf Lahneck erhob. Er behauptete, Siegbert sei auf dem Schlachtfeld umgekommen und kaum war die Trauerzeit verstrichen, hielt er beim alten Grafen um Elisabeths Hand an. Elisabeth war sich aber nicht sicher. Zwar beeindruckte sie seine Fremdländigkeit – aber er war so anders als ihr verschollener Verlobter.

Aus dem Kloster Bornhofen war seit kurzem ein junger Mönch als Burgkaplan auf Braubach. Sein Name war Markus, so wie der Patron der Burgkapelle, wie der Evangelist. Ihm schüttete Elisabeth ihr Herz aus und Markus versprach, ihr beizustehen. Als Elisabeths Vater sich aber Sorgen um sie machte, stimmte sie gehorsam einer Hochzeit mit dem düsteren Rochus zu.

In der Nacht vor der Hochzeit betete der Burgkaplan zu seinem Namenspatron um Beistand für Elisabeth. Und plötzlich leuchtete in der Burgkapelle ein heller Licht und der heilige Markus sprach: "Wisse, Mönch, der Bräutigam, der sich Rochus von Andechs nennt, gehört in Wahrheit zum Fürsten der Hölle. Errette Elisabeth und berühre ihn mit diesem geweihten Kreuz."

Und als am nächsten Tag Rochus von Andechs im Hochzeitsgewand in den Burghof von Braubach einritt, trat ihm Bruder Markus entgegen und tat, wie ihm aufgetragen war. Er berührte ihn mit dem Kreuz und rief die dreifache Beschwörung des Bösen. Wutentbrannt stampfte Rochus auf den Boden. Da öffnete sich der Fels und der Andechser verschwand mit lautem Getöse.

Elisabeth nahm den Schleier und zog sich wehmütig in ein Kloster zurück. Sie erholte sich von diesem Schrecken nicht mehr und verstarb nur wenige Jahre später. Zu Ehren des heiligen Evangelisten Markus wurde die Burg von da an die St. Markusburg genannt.

(nach einer Erzählung auf www.marksburg.de)

 

Überblick Tagesetappe

Der heutige Tag führt Sie auf Ihrem Pilgerweg entlang des Rheins von der Stolzenfelser Pfarrkirche St. Menas und der Jakobsstele rheinaufwärts. So geht es mit der Personenfähre "Nixe" über den Rhein nach Niederlahnstein zur romanischen Johanniskirche (Achtung: von September bis Mai eingeschränkter Fährbetrieb nach Vereinbarung – www.faehre-lahnstein.de, Telefon 02621/ 4526, bzw. Schiffstelefon 0171/80 48 96 3) oder auf der linken Rheinseite bis nach Boppard und dort mit der Rheinfähre nach Filsen und späterem Anschluss an den markierten Jakobsweg. Im weiteren Text beschreibe ich für Sie beide in Frage kommenden Wege.

Ab Niederlahnstein ist der rechtsrheinische Weg mit der Jakobsmuschel markiert. Von der Jakobsstele am Johanniskloster pilgern Sie über die Lahnbrücke nach Oberlahnstein, und kommen dann an der Hospitalkapelle, dem Sammelpunkt der mittelalterlichen Pilger auf der rechten Rheinseite, vorbei. An der Martinsburg, einer ehemaligen Zollburg, vorbei geht es nach Braubach mit der Marksburg, der einzigen niemals zerstörten Burg am Mittelrhein. Dann geht es durch den Wald zum Sauerbrunnen. Im Wald oberhalb von Osterspai zweigt Ihr heutiger Weg vom markierten Jakobsweg ab, um Sie über Schloss Liebeneck hinunter in das Etappenziel zu führen. Die Pfarrkirche St. Martin lädt zu einigen besinnlichen Minuten ein, die Jakobskapelle der ehemaligen Burg ist leider nicht zu besichtigen.

Auf der linken Rheinseite führt der Weg ein Stück auf dem Mosel-Camino (Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier – Der Pilgerwanderführer für den Mosel-Camino), dann am Weltfriedenskreuz und dem Königsstuhl vorbei in das wunderschöne, historische Rhens. Sie sehen den Scharfen Turm von Rhens und pilgern dann immer am Rhein entlang über Spay bis nach Boppard, wo Sie die nächste Fähre vorfinden können.

Koblenz-Stolzenfels

Allgemeines: Stolzenfels gehört seit 1969 zur Stadt Koblenz. Zuvor hieß der Ort Kapellen-Stolzenfels. Im November 2006 hatte Koblenz-Stolzenfels ca. 400 Einwohner. Stolzenfels liegt auf der linken Rheinseite gegenüber von Lahnstein, wo die Lahn in den Rhein mündet. Oberhalb des Ortes liegt Schloss Stolzenfels. Zu den regelmäßigen Veranstaltungen am Mittelrhein gehört der ‚Rhein in Flammen’ mit Großfeuerwerken und Schiffskonvoi, zu dem zwischen Spay und Koblenz jährlich am 2. Samstag im August eingeladen wird. Sehr informativ sind die ehrenamtlich erstellten und gepflegten Internetseiten unter www.stolzenfels.de.

Anlaufstellen: Katholisches Pfarramt Stolzenfels St. Menas, Waldweg 3, 56075 Koblenz-Stolzenfels, Telefon 0261 53779; Tourist-Information Rathaus, Jesuitenplatz 2, 56068 Koblenz, Telefon: 0261 130920 (Auskunft und Zimmernachweis), E-Mail: info-jesuitenpl (at) touristik-koblenz.de; Pilgerstempel gibt es auch im Büro des Ortsvorstehers Stolzenfels – ehemals Schule – Mo-Fr.  von 9-10 Uhr sowie donnerstags 18-19.30 Uhr, Rhenser Str. 54, 56068 Koblenz-Stolzenfels, www.rhein-camino.de, www.mosel-camino.de

Übernachtung:  Pilgerherberge am Mosel-Camino und Rhein-Camino Ferienwohnung/Apartment Fam. Bannert,
Rhenser Str. 44/46, 56075 Koblenz-Stolzenfels, FeWo, ÜF für 2 Personen 49 Euro (Sonderpreis mit Pilgerpass – Frühstück wird zur Selbstzubereitung zur Verfügung gestellt), Tel.: 0261-51890, www.fewo-koblenz.de, E-Mail: contact (at) fewo-koblenz.de; Jugendherberge Festung Ehrenbreitstein, Tel: 0261-972870, E-Mail: koblenz (at) diejugendherbergen.de, MBZF ab 17,– Euro pro Person

 

Unterhalb der Pfarrkirche St. Menas, von Koblenz kommend rechter Hand, haben Sie die Möglichkeit, Ihr Fahrzeug auf dem großen Parkplatz kostenlos für die Zeit Ihrer Pilgerwanderung abzustellen. Wenn Sie mit dem Zug anreisen, steigen Sie am Hauptbahnhof in Koblenz in denn Bus 650 in Richtung Boppard. Der bringt Sie in 10 Minuten nach Stolzenfels und fährt an Werktagen mindestens alle 20 Minuten, an Sonn- und Feiertagen stündlich.

Bevor Sie hinunter zum Fähranleger der Nixe am Rhein gehen, sollten Sie noch einen kurzen Abstecher hinauf zum Schloss Stolzenfels und zur Pfarrkirche St. Menas machen. Für die Variante nach Boppard führt Ihr Weg dort sowieso vorbei. Der Aufstieg beginnt gleich am großen Parkplatz.

Zunächst kommen Sie an der Stolzenfelser Pfarrkirche St. Menas vorbei. Der neuromanisch/klassizistische Bau wurde Anfang des 19. Jahrhunderts vom preußischen König in Auftrag gegeben und nach den Plänen des berühmten Koblenzer Architekten und Baumeisters Johann Claudius von Lassaulx gebaut. Vor der Kirche befindet sich die Stele mit der Jakobsmuschel, die hier den Start des Mosel-Camino nach Trier kennzeichnet.

Die kleine Pfarrkirche hat ein außergewöhnliches Patronizium. Der heilige Menas starb vermutlich im Jahr 295 nach Christus als Märtyrer und sein Grab in Ägypten entwickelte sich bereits im 4. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Pilgerziele in der Spätantike. Auch heute noch ist die Stadt Abu Mena, die sich um das Grab herum bildete, eine der wichtigsten Stätten der christlich-koptischen Kirche. Die Stolzenfelser St.Menas-Kirche stellt das einzige Patronizium des Patrons der Kaufleute nördlich der Alpen dar.

Wenn Sie die Gelegenheit haben, in die Kirche zu gehen, achten Sie besonders auf das gotische Fenster aus einer wohl kölnischen Werkstatt des 15. Jahrhunderts. Es ist wunderschön erhalten. Erwähnenswert ist auch das Taufbecken aus dem 14. oder 15. Jahrhundert und vor dem Chorraum, unter dem Tabernakel, die Darstellung der heiligen Veronika aus der Zeit um 1500.

Vorbei an der Jakobsstele geht es weiter hinauf zu einem Abstecher ins Schloss Stolzenfels. Nachdem die Kurmainzer Erzbischöfe ihr Territorium auf der gegenüberliegenden Rheinseite mit dem Bau von Burg Lahneck 1232 markiert hatten, ließ es sich auch der Trierer Erzbischof Arnold II. von Isenburg nicht nehmen, am einträglichen Rheinzoll beteiligt zu sein und begann 1242 mit dem Bau der Burg Stolzenfels als Zollburg. Der fünfseitige Bergfried von 1248 ist noch heute erhalten.

170 Jahre Jahre hatte Stolzenfels als Zollfeste besondere Bedeutung, dann verlegten die Trierer den Rheinzoll zur heute untergegangenen Burg Kunostein in Engers, einem heutigen Stadtteil von Neuwied. Nach der Besetzung durch die Schweden und die Franzosen im 30jährigen Krieg wurde die Burg schließlich 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg, dem auch weitere Burgen, Ortschaften und Städte entlang Ihres Pilgerweges nach Worms zum Opfer fielen, zerstört. Das, was nach dem Krieg übrig geblieben war, verfiel in den nächsten 150 Jahren immer mehr.

1815 kamen die Koblenzer schließlich auf die glorreiche Idee, die Burg dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, dem späteren König Friedrich Wilhelm IV., zum Geschenk zu machen. Dieser war gar nicht so angetan von dem -für ihn- teuren Geschenk.  Dass er die Burgruine dann doch 1823 annahm, lag vielleicht an seiner jungen Frau, die er mit der romantischen Lage im Mittelrheintal beeindrucken wollte.

Die großen, zeitgenössischen Architekten wurden mit dem Neubau beauftragt. Unverkennbar ist heute der romantische Stil des Karl Friedrich Schinkels, der auch die Entwürfe für den Kuppelbau des Berliner Stadtschlosses angefertigt hatte. Ab 1839 war sein Schüler Friedrich August Stüler mit der Leitung beauftragt. Die Umgebung des Schlosses, z.B. der Turnierplatz, wurden von dem genialen Gartenarchitekten Peter Josef Lenne gestaltet, dessen Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft schon 1990 zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Die Klause (1843), an der Sie vorbeigekommen sind, wurde ebenso wie die neugotische Hauskapelle (1845) von Carl Schnitzler erbaut.

Mittlerweile König geworden, zog Friedrich Wilhelm IV. am 14. September 1842 mit großem Gefolge in das Schloss ein. Alle Teilnehmer des feierlichen Eröffnungsballes waren in historische Gewänder gekleidet.

Wenn Sie noch nicht genug von der rheinischen Hochromantik haben, dann sollten Sie unbedingt noch die Innenräume besichtigen. Mit Filzpantoffeln werden Sie durch die wunderschönen Räume geführt, im Rittersaal wartet eine Sammlung historischer Waffen und Trinkgefäße auf Sie. Und im mittelalterlichen Wohnturm befindet sich der Saal mit dem bedeutendsten Werk der Romantik: die Wandmalereien von Hermann Stilke stellen die sechs Rittertugenden dar.

(Informationen: www.schloss-stolzenfels.de, Eintritt für Erwachsene 2,60 Euro, geöffnet Sommer 10 – 18 Uhr, Winter 10 – 17 Uhr, im Dezember und am ersten Werktag der Woche geschlossen)

Sie sollten St. Menas und das Schloss Stolzenfels auf jeden Fall besichtigen, die Zeit lohnt sich wirklich. Aber nun müssen Sie sich ein wenig beeilen, damit die Zeit für die heutige Etappe nicht zu knapp wird.

Rhein-Camino: Sie erreichen den Fähranleger, in dem Sie die Hauptstraße überqueren und durch die Eisenbahnunterführung gehen. Dann wenden Sie sich nach rechts und sehen auch schon den Anleger und die Fahrplantafel. Die kleine Personenfähre Nixe hinüber nach Niederlahnstein fährt regelmäßig von Juni bis August, in den anderen Monaten sollten Sie vorher anrufen und sicherstellen, dass Sie übergesetzt werden. Einen regelmäßigen Fährbetrieb zwischen Stolzenfels und Niederlahnstein gab es übrigens schon im Mittelalter. Und zur Freude der Kinder ist die Überfahrt auch heute noch auf der Fähre ein kleines Abenteuer.

Auf der rechten Rheinseite angekommen, sind es nur ein paar Schritte bis zur Jakobsstelle, dem Endpunkt des Lahn-Camino und Startpunkt des markierten Abschnittes des Rhein-Camino. Bis nach Kaub begleiten Sie die Jakobsmuschel-Markierungen, die Sie von hier bis nach Kaub begleiten. Mit viel Akribie und Mühen haben die Mitglieder der Jakobusgesellschaft Rheinland-Pfalz/Saarland, Regionalgruppe Mittelrhein, den Jakobsweg ausgeschildert.

Lahnstein

Allgemeines: Stadt Lahnstein, im Bundesland Rheinland-Pfalz und im Rhein-Lahn-Kreis. Die Einwohnerzahl belief sich am 30.06.2007 auf 18.208.

Anlaufstellen: Kath. Pfarramt St. Martin, Pfarrgasse 6, 56112 Lahnstein, Tel. 02621-40006, E-Mail lahnstein.pfarrei.stmartin (at) t-online.de; Ev. Kirchengemeinde, Lahneckstr. 8, 56112 Lahnstein, Tel. 02621-2236; Tourismusbüro, Kirchstr. 1, 56112 Lahnstein, Tel. 02621-914171, www.lahnstein.de, E-Mail touristinformation (at) lahnstein.de

Übernachtung: Campingplatz Burg Lahneck, 56112 Lahnstein, Tel. 02621-2765; Hotel Koppelstein, Braubacher Str. 71, 56112 Lahnstein, DZF ab 42 Euro, Tel. 02621-2713, www.koppelstein.de, E-Mail zimmeranfrage (at) koppelstein.de; Hotel Weiland, Bürgerm.-Müller-Str. 3-5, 56112 Lahnstein, DZF ab 40 Euro, Tel. 02621-2233, www.hotel-weiland.de, E-Mail info (at) hotel-weiland.de

 

Geschichte und Stadtrundgang: Die heutige Stadt Lahnstein ist 1969 aus den beiden Städten Niederlahnstein und Oberlahnstein gebildet worden. Aber schon im Jahr 369 errichteten die Römer einen Burgus an der Lahnmündung, im heutigen Niederlahnstein. Genau übersetzt heißt "Burgus" Burg – tatsächlich war es wohl ein kleineres, turmartiges Kastell. Der Burgus diente bestimmt als Wachtposten für das nahegelegene Kastell Confluentes (Koblenz). Dieser Turm wurde im Mittealter als "fester Stein an der Lahn" bezeichnet und gab der heutigen Stadt ihren Namen.

In unmittelbarer Nähe entstand im 9. Jahrhundert eine Kirche, auf deren Reste im 10. Jahrhundert eine einschiffige Kirche gebaut wurde.Die romanische Johanniskirche mit dem zu Beginn des 20. Jahrhundert angeschlossenen Kloster wurde ab etwa 1130 errichtet. Vom Vorgängerbau sind noch Teile des Westwerkes im heutigen Turm erhalten. Die Wirren der folgenden Jahrhunderte haben ihre Spuren hinterlassen. Im 17. Jahrhundert wurde sie zweimal zerstört und danach zunächst im barocken Stil wieder aufgebaut. Die französischen Truppen unter Napoleon haben dann aber ganze Arbeit geleistet und zerstörten die Kirche fast vollständig. Eine Ruine blieb sie bis zum Jahr 1856, auch, weil zwischenzeitlich die St. Barbara Kirche gebaut und die alte Kirche nicht gebraucht wurde. 1960 – 1962 wurde die Kirche umfangreich restauriert und der romanische Baubestand weitgehend wieder hergestellt.

Die alte Innenausstattung ist weitgehend verloren gegangen – um so stärker wirkt dieser Kirchenbau durch die mächtigen Emporenpfeiler. Nur das Taufbecken stammt aus der Erbauungszeit; die großen Holzskulpturen sind barock aus der Zeit um 1720.

Die St. Johanniskirche ist eine der schönsten und stimmigsten romanischen Kirchbauten und die älteste Emporenkirche am Mittelrhein. Sie konzentriert sich auf das Wesentliche – was immer das auch für Sie sein mag.

Sicher  haben Sie vor der Kirche schon die Jakobsstele entdeckt. Die Regionalgruppe Mittelrhein der Jakobusgesellschaft Rheinland-Pfalz/Saarland hat sie hier aufgestellt und bezeichnet damit den Endpunkt des Lahn-Camino und den Start des von ihnen initiierten und markierten Teil des Rhein-Camino bis Kaub. In Kaub übrigens kann der moderne Pilger auf den Europäischen Fernwanderweg E3 wechseln, der ihn bis nach Santiago de Compostela führt.

Profaner ist ein Blick auf das historische Wirtshaus an der Lahn. Für eine Einkehr ist es heute Vormittag wohl noch zu früh, aber beeindruckend ist der dreigeschossige Fachwerkbau von 1697 mit dem mächtigen Zollturm aus dem Jahr 1348 auch von außen. Hier war Goethe auf einer seiner Lahnreisen 1774 zu Gast und hat vielleicht im Gastraum erstmals seinen unmittelbar vorher gedichteten "Geistesgruß" zum Besten gegeben. Und mit der letzten Strophe hat er auch uns Pilgern einen Gruß im Anblick von Burg Lahneck mitgegeben: "Mein halbes Leben stürmt‘ ich fort, Verdehnt‘ die Hälft‘ in Ruh‘ Und Du, Du Menschen-Schifflein dort, Fahr immer, immer zu!"

Aber nun das Stichwort "Lahneck" nutzen und, über die Brücke, nach Oberlahnstein.

Die strategische Lage an der Lahnmündung in den Rhein und eine Silbermine ließen den Mainzer Erzbischof und Kurfürsten Siegfried III. von Eppstein ab 1226 eine Burg zum Schutz seines Gebietes bauen. Viele wichtige und berühmte Zeitgenossen waren auf Lahneck zu Gast. 1298 brach König Adolf von Nassau von hier zur Schlacht am Donnersberg (bei Worms) gegen seinen Nachfolger, Albrecht von Habsburg, auf. In dieser Schlacht kam Adolf ums Leben und wurde erst spät im Dom zu Speyer beigesetzt. König Adolf von Nassau nimmt eine besondere Stellung in der Geschichtsschreibung ein, weil er als erster körperlich und geistig gesunder König von den Kurfürsten abgesetzt wurde. Sein damaliger Gastgeber auf Lahneck beteiligte sich aus Rache an einer Verschwörung gegen den neuen König und wurde 1309 hingerichtet. Heinrich III. von Virneburg, Erzbischof und Kurfürst von Mainz, nahm 1338 von hier aus Kurfürstenversammlung in Rhens teil, die zur Gründung des Kurvereins von Rhense führte (siehe Variante Stolzenfels – Boppard). Ob er auch schon mit einer "Nixe" den Rhein überquert hat? 1400 tagten die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln und der Pfalzgraf zu Rhein mit großem Gefolge auf Lahneck und erklärten König Wenzel für abgesetzt. Unter den Gästen weilte auch Friedrich V., Burggraf von Nürnberg, der später von Kaiser Karl IV. in den Reichsfürstenstand erhoben wurde und die schwäbische Linie der Hohenzollern begründete. Der Pfalzgraf zu Rhein, Ruprecht von der Pfalz, wurde am nächsten Tag von den anwesenden Kurfürsten und mit seiner eigenen Stimme auf dem Königstuhl zu Rhens zum König und Nachfolger Wenzels gewählt. Im 30-jährigen Krieg haben schwedischen und kaiserliche Truppen die Lahneck ziemlich beschädigt und die französischen Truppen im pfälzischen Nachfolgekrieg schossen 1688 die letzten Dächer in Brand. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Burg wieder aufgebaut und befindet sich seit 1907 im Besitz der Familie Mischke. Lahneck ist vom 01. April bis 01. November täglich zu besichtigen, der Eintritt für Erwachsene beträgt 3,50 Euro. Das Burg-Restaurant mit dem großartigen Blick in das Lahn- und das Rheintal lädt zu einer Erfrischung ein.

Viele Sagen ranken sich um Burg Lahneck. Zwei davon, der heldenhafte Untergang der Templer und die mysteriöse Geschichte um das schottische Fräulein Idilia Dubb, erzähle ich in dem Pilgerwanderführer "Der Jakobsweg von Wetzlar nach Lahnstein – Ein Pilgerwanderführer für den Lahn-Camino".

Da es heute noch weitergehen soll, schlage ich Ihnen vor, der Jakobsweg-Markierung gleich in den Kern von Oberlahnstein zu folgen.

Ein Teil des einträglichen Rheinzolls wurde schon 1310 von Boppard nach Oberlahnstein verlegt. Und als König Adolf von Nassau Oberlahnstein 1324 auf Drängen des Fürsterzbischofs von Mainz dem Ort die Stadtrechte verliehen hatte, konnte mit dem Bau der Stadtmauern begonnen werden. Die Stadtbefestigung war ungewöhnlich stark. Zweifache Stadtmauern, Gräben und 16 Türme waren im 14. Jahrhundert nicht die Regel und spiegeln die Bedeutung der Stadt für die Mainzer. Heute sind noch sieben der Stadttürme erhalten, darunter der Hexenturm. Daran kommen Sie auf Ihrem Weg durch die Stadt vorbei, er liegt mit einem rund 100 m langen erhaltenen Teil der Stadtmauer zu Ihrer Linken. Auch die Reste eines fränkischen Königshofes sind hier zu finden.

Wenn Sie der Straße weiter folgen, befindet sich auf der rechten Seite die katholische Pfarrkirche St. Martin. Bereits 977 wurde eine Kirche in Oberlahnstein erwähnt. Die Türme stammen noch von einer untergegangenen spätromanischen Basilika und können auf das späte 12. Jahrhundert datiert werden. Die gotische Taufkapelle war früher der Chorraum. Die Altäre mit ihren Darstellungen aus dem Leben von St. Martin und des heiligen Josef sind neugotisch. Aus einem Kloster bei Neuwied stammen die herrlichen Figuren einer Madonna mit Kind (Ende 15. Jahrhundert), der Anna mit Maria und Jesu-Kind und von Johannes dem Täufer.

Noch ein paar hundert Meter weiter, auch auf der rechten Seite, steht das Alte Rathaus, in dem sich heute das Stadtarchiv befindet. Es wurde 1507 erstmals urkundlich erwähnt und besteht unten aus Bruchsteinen und oben aus Sichtfachwerk.

Direkt gegenüber, ein wenig unscheinbar, befindet sich die Hospitalkapelle, dem heiligen Jakobus da.Ä. geweiht. 1330 wurden das heute untergegangene Hospital und Kapelle gebaut und dienten auch den Pilgern als Unterkunft und Sammelpunkt für ihren weiteren Weg. In ihrer wechselvollen Vergangenheit hatte sie viele unterschiedliche Besitzer und die meisten sind nicht gerade pfleglich mit der Kapelle umgegangen. Erst in der Neuzeit wurde die Jakobus-Kapelle mit viel Aufwand restauriert. 1982 fand man ein mittelalterliches Grab in der Kapelle, bei den sterblichen Überresten eines Pilgers fand man in Hüfthöhe eine Jakobsmuschel. Oft wurde das Pilgerattribut in Santiago de Compostela auf der Tasche befestigt, um zu beweisen, dass man am Apostelgrab gewesen war.  Ob der Pilger nun ein Bürger, Handwerker oder Bauer war, wissen wir nicht. Ob er überhaupt aus Oberlahnstein stammte, oder auf der Durchreise war? Wer kann das heute schon sagen? Vielleicht war es auch ein Wanderprediger oder ein Missionar aus Irland oder Schottland, von denen wir wissen, dass sie auch am Rhein den Glauben verbreitet haben. Heute können wir nur vermuten, dass dieser Pilger so wichtig war, um in der Hospitalkapelle bestattet zu werden. Durch das Portal haben Sie die Möglichkeit, einen Blick in die Jakobuskapelle zu werfen. Und wenn Sie einmal um die Kirche herumgehen, können Sie von hinten auch leicht erkennen, dass die romanische Architektur älter ist, als es die erste urkundliche Erwähnung vermuten lässt.

Noch ein Stückchen weiter auf der Hochstraße geradeaus können Sie links in die Hintermauergasse abbiegen. Dort steht ein weiterer der sieben erhaltenen Stadtbefestigungstürme, der Pulverturm. Dieser mächtige Rundturm aus dem Jahr 1411 war ständig bewacht und wurde auch in den zwei großen Weltkriegen nicht zerstört. Er steht auf dem Gelände der Lahnsteiner Brauerei, einer Privatbrauerei im Familienbesitz, die auf eine Brautradition von 10 Generationen und mehr als 300 Jahren zurückblicken kann. In Oberlahnstein wird sicher schon vor 1624 das erste Bier gebraut. Wenn Sie als Pilgergruppe gerne die traditionsreiche Brauerei und den Pulverturm mit dem wohl schönsten Blick über Lahnstein und das Rheintal besichtigen möchten, dann schicken Sie eine E-Mail an die Brauerei. Die Adresse finden Sie im Internet unter www.lahnsteiner-brauerei.de.

Unser Pilgerweg führt uns jetzt hinunter zum Rhein und zur Martinsburg.

Im heutigen Schloss Martinsburg befindet sich neben einer Arztpraxis und Privatwohnungen auch das Fastnachtsmuseum von Lahnstein. Vielleicht gab es zu dieser malerischen Schloss- und Burganlage schon 1244 einen Vorgängerbau; sicher ist aber, dass mit der Errichtung der Stadtbefestigung um 1324 auch ein erster Wohnturm gebaut wurde. Der oben schon erwähnte Rheinzoll und die Lage von Lahneck auf dem Berg etwas abseits vom Rhein machte die Schutzanlage notwendig. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die Anlage dann zunächst zu einer Wasserburg erweitert. Die Gräben sind allerdings heute aufgefüllt. Im Barock schließlich entwickelte sich das heutige Schloss und zeigt damit sehr schön die Entwicklung von einer Zollburg hin zu einer Residenz, in der gelegentlich auch die Mainzer Fürstbischöfe zu Gast waren. Der Bergfried mit seiner imposanten Höhe von 28 m wurde um 1400 erbaut. In den Garten der Martinsburg können Sie jederzeit, das Innere kann im Rahmen einer Stadtführung besichtigt werden. Die Termine dazu nennt Ihnen gerne die Touristen-Info (siehe Anlaufstellen Lahnstein).

Rhein-Camino: Hier vom Schloss Martinsburg geht es nun rheinaufwärts bis nach Braubach. Wenn Sie sich noch einmal umsehen, können Sie zwischen Oberlahnstein und Stolzenfels noch einen Blick durch das Rheintal bis nach Koblenz werfen. Und das nächste Ziel, die Marksburg, können Sie von hier aus auch schon sehen, wenn Sie nach vorne schauen. Nach etwa 4 km führt Sie die Markierung des Rhein-Camino nach links in den Ort Braubach hinein.

Braubach 

Allgemeines: Braubach ist eine Stadt im Bundesland Rheinland-Pfalz und im Rhein-Lahn-Kreis. Die Einwohnerzahl belief sich am 30.06.2007 auf 3.105.

Anlaufstellen: Kath. Pfarramt Heilig Geist, Gartenstr. 16, 56338 Braubach, Tel. 02627-974106, E-Mail kath.pfarrei.braubach (at) web.de; Ev. Pfarramt, Wilhelmstr. 8, 56338 Braubach, Tel. 02627-598, E-Mail info (at) ev-kirche-braubach.de; Tourist-Information, Rathausstr. 8, 566338 Braubach, Tel. 02627-976001, www.braubach.de, E-Mail stadtbraubach (at) t-online.de

Übernachtung: Campingplatz Rheinuferwiese, 56338 Braubach, Tel. 02627-1422, geöffnet: 15.April – 25.Oktober; Pension Felsenkeller, Brunnenstr. 32, 56338 Braubach, DZF ab 45 Euro, Tel. 02627-275, www.pension-felsenkeller.de, E-Mail kd-felsenkeller (at) felsenkeller.de, Gasthaus Forstmühle, Im Mühltal, 56338 Braubach, DZF ab 48 Euro, Tel. 02627-327, www.forstmuehle-braubach.de, E-Mail info (at) forstmuehle-braubach.de

Geschichte und Sehenswürdigkeiten: Wie eng die Verbindungen im frühen Mittelalter zwischen den Orten am Rhein war, zeigt die erste urkundliche Erwähnung von Brubach im Jahr 691. Da hat nämlich ein gewisser Helmgar der Basilika St. Cassius und Florentinus einen Weinberg geschenkt – vielleicht, um für seine Sünden zu büßen? Auf jeden Fall ist steht diese beschenkte Basilika noch heute. Es handelt sich um die Münsterkirche in Bonn (siehe auch Ein Jakobsweg von Neuss über Köln nach Koblenz-Stolzenfels). Der Ort selbst entstand wahrscheinlich während des Baus der Marksburg und erhielt 1276 unter den Eppsteinern die Stadtrechte. Kurze Zeit später kauften die reichen Grafen von Katzenelnbogen die befestigte Burg Braubach (heute Marksburg) und die befestigte Stadt. Durch Erbschaft kam Katzenelnbogen und somit auch Braubach im 15. Jahrhundert an die Landgrafen von Hessen.

Von der Marksburg erzähle ich später noch ausführlich, auch wenn sie eigentlich früher in der zeitlichen Abfolge stehen müsste. Denn wenn wir jetzt schon bei den Landgrafen von Hessen sind, dann sollte ich Ihnen zunächst vom Schloss Philippsburg in Braubach berichten. Zur Philippsburg gelangen Sie, wenn Sie nicht in den Ort abbiegen, sondern noch ein wenig geradeaus gehen. Sie steht am südlichen Ende der Stadt.

Von der Schlossanlage ist heute nur noch wenig der ursprünglichen Bausubstanz erhalten. Die Residenz in Tallage wurde im Auftrag von Philipp II. von Hessen-Rheinfels zwischen 1568 und 1571 als erstes Renaissanceschloss am Mittelrhein erbaut. Anscheinend erschien seiner Frau die Marksburg mit ihren wuchtigen Mauern und der unweigerlichen Kälte und Feuchtigkeit nicht mehr modern genug. Für sie sollte Braubach nämlich der Witwensitz werden. Also ließ Philipp die Pläne für ein zeitgemäßes Schloss zeichnen, das von der Lage und der Aussicht durchaus unseren heutigen, verwöhnten Ansprüchen genügen könnte. Drei Etagen wurden gebaut, und die prächtige Fachwerk-Schaufassade zeigte zum Rhein. Zum Schutz wurde eine Befestigung mit Rundtürmen und Schießscharten erbaut. Im nordöstlichen Bereich, also da, wo es keinen Ausblick und auch keine rheinfahrenden Bewunderer gab, entstanden die Wirtschaftsgebäude.

Nachdem erst die verwitwete Landgräfin bis 1602 und dann Landgraf Johann der Streitbare von Hessen-Braubach Philippsburg als Residenz von 1643 bis 1651 nutzte, blieb das Schloss unbewohnt und verfiel. Die nassauischen Herzöge ließen Schloss Philippsburg Anfang des 19. Jahrhunderts renovieren und mussten das Dach mit den schönen Giebeln und das oberste Geschoss entfernen. Und als dann die Anlage noch verkauft und durch einen Unternehmer zum Hotel umgebaut wurde, bekam sie das heute eher bescheidene Aussehen. Das Europäische Burgeninstitut ist heute in der Philippsburg angesiedelt. Vom ursprünglichen Bau sind nur noch ein Treppenturm und zwei Torbauten mit Fachwerkgiebeln erhalten.

Lassen Sie uns wieder in die historische Altstadt zurückgehen.

Den markanten Turm der St. Barbarakirche mit ihrer wechselvollen Geschichte können Sie kaum verfehlen. St. Barbara wurde 1276 unmittelbar an der Stadtbefestigung gebaut, ein Turm der Mauer wurde später zum Glockenturm umgebaut. Allerdings war die Lage nicht gerade ideal. Häufig wurde die Barbarakirche durch feindliche Truppen und durch das Rhein-Hochwasser verwüstet. So baute die evangelische Gemeinde, welche die Kirche seit 1526 als Pfarrkirche nutzte, ab 1897 eine neue Kirche. Und nachdem St. Barbara dann als Kino, Wahllokal, Gemeindesaal, Turnhalle und Lager genutzt wurde, ist sie seit 1970 das Gemeindezentrum.

Auf den Markierungen des Rhein-Camino kommen Sie auch fast am Eckfritz vorbei. Diese urgemütliche Wirtschaft gibt es schon seit das herrliche Fachwerkhaus 1597 als Bauernschänke gebaut wurde. Überhaupt sind noch einige schöne Fachwerkhäuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert in Braubach erhalten.

Das Obertor, auf das Sie jetzt zugehen, musste in der Neuzeit einiges über sich ergehen lassen. Es ist das östlichste Stadttor von Braubach und kontrollierte die Handelsstraße nach Wiesbaden. Anfang des 20. Jahrhunderts nutzte die Blei- und Silberhütte mit der Braubacher Kleinbahn das Tor als Durchfahrt aber als der LKW zum Haupt-Transportmittel wurde, musste die Kleinbahn eingestellt und das Obertor umgebaut werden. Heute wird gottseidank der Verkehr um das Tor herumgeführt.

Vorher gibt es zu Ihrer Rechten noch den markierten Aufstieg zur Marksburg. Der Jakobsweg führt jedoch weiter geradeaus und an der Straße entlang. Sie folgen quasi den Autoschildern zur Marksburg, bis zur ältesten Kirche in Braubach, der St. Martinkirche von 1242.

Dass die Marksburg, oder wie sie früher hieß Burg Braubach, die einzige Höhenburg am Mittelrhein ist, die niemals zerstört wurde, habe ich schon erwähnt. Und wie sie zu ihrem Namen gekommen ist, erzählt die Legende des heutigen Tages sehr schön. Genau wie die Marksburg stellen wir uns eine Ritterburg vor, oder? Und tatsächlich ist sie das Vorbild für so manche Ritterburg in unzähligen Kinderzimmern. Als aber in den 1990er Jahren die Japaner die Marksburg kaufen, abbauen und in Japan wieder aufbauen wollten, konnten sich die Eigentümer verständlicherweise nicht so ganz für diese Idee begeistern. Und so steht heute auf der japanischen Insel Miyako-jima eine originalgetreue Kopie.

Schon 1117 existierte ein Adelsgeschlecht von Braubach und sicher besaßen diese ein Festes Haus, eine in dieser Zeit durchaus übliche Bauform des Adels. Vielleicht stand dieser Wohnsitz in der Nähe der Martinskapelle. Urkundlich erwähnt wird die Burg Braubach erstmals 1231 als von den Herren von Eppstein, eine der mächtigsten Familien des hohen Mittelalters, erbaut. Die romanische Burganlage wurde später von einem Graf von Katzenelnbogen als Residenz genutzt und erhielt dafür Wohnbauten im gotischen Stil. Dadurch entstand das mächtige, wuchtige Erscheinungsbild. Die Landgrafen von Hessen schließlich erbauten das Schloss Philippsburg (siehe oben) und gestalteten die Marksburg zu einer Festungsanlage um. Die Anlage erhielt Batterien und Bastionen für Kanonen und wurde fortan militärisch verwaltet. Dadurch überstand sie unbeschadet den 30-jährigen Krieg. Unter Napoleon im 18. Jahrhundert galt die Festung als hoffnungslos veraltet und wurde als Gefängnis und Siechenheim genutzt. Auch als die Marksburg 1815 an das Herzogtum Nassau fiel, änderte sich daran nichts. Nach 1866, dem Jahr des preußisch-österreichischen Krieges und der preußischen Annexion von Nassau, verfiel die Burg nach und nach. Schließlich übernahm die Deutsche Burgenvereinigung im Jahr 1900 die verwahrloste Anlage für 1000 Goldmark (umgerechnet etwa 10.000 Euro), begann umfangreiche Maßnahmen zur Sicherung der Bausubstanz und nutzt sie heute, nach einem gewaltigen Rückschlag 1945, als die Burg von der anderen Rheinseite aus beschossen und erheblich beschädigt wurde, als Verwaltungs- und Bürogebäude. Der größte Teil der Anlage ist zu besichtigen. Die etwa 50-minütigen Führungen sind täglich im Sommer von 10 bis 17 Uhr und im Winter von 11 – 16 Uhr. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.marksburg.de.

Rhein-Camino: Zurück zum markierten Jakobsweg gelangen Sie, wenn Sie dem asphaltierten Fahrweg nach unten folgen. Und wenn Sie unten angekommen wieder die Jakobsmuschel-Markierung sehen (der Weg führt geradeaus in den Wald hinein), liegt rechts von Ihnen die St. Martinskapelle von 1242. Und hier irgendwo muss auch das feste Haus des Adelsgeschlechts von Braubach gestanden haben, als Vorgänger der Marksburg.

Die St. Martinskirche ist erstmals um das Jahr 1000 herum als Kirche der Bonner Basilika St. Cassius und Florentinus erwähnt. Die Lage oberhalb des Rheines hat die Kirche vor Hochwasser und die umliegenden Höhenzüge vor Zerstörungen geschützt. Heute dient sie als Friedhofskapelle und von der Bank, die davor steht, haben Sie einen wundervollen, erhöht liegenden Blick ins Mittelrheintal.

Aber jetzt geht es endlich in den Wald hinein,  neben der Jakobsmuschel begleitet Sie auch das ‚R‘ des Rheinhöhenweges. In einigen Windungen geht es auf die Taunushöhen bis zu einer Schutzhütte, von der Sie wieder einen herrlichen Blick in das Rheintal und -auf der anderen Rheinseite- den Hunsrück genießen können. Am ‚Lusthäuschen‘ (so heißt der Aussichtspavillon) treffen auch Rheinsteig und Rheinburgenweg wieder auf Ihren Pilgerweg. Bei soviel Markierungen können Sie den Weg in Richtung Dinkholdertal nicht verfehlen.

Nach etwa 4 km erreichen Sie den Sauerbrunnen. Im Mittelalter schon kamen die Menschen zu dem Schluss, dass dieses Wasser besonders gut geeignet sei, die Nachwirkungen einer vorabendlichen Trunkenheit, also kurz den Kater, zu bekämpfen. Mir hat bei der Begehung im März/April 2008 der Genuss des Wassers nicht geschadet, aber vielleicht sollten Sie etwas vorsichtiger sein. Nicht nur, dass der Brunnen nicht besonders einladend aussieht und einer Restaurierung bedarf, er liegt auch mitten im Wald und die neugierige Schwarzwild-Population wird sicherlich die eine oder andere Spur hinterlassen. Bei der Wegverzweigung nach etwa 1,5 km achten Sie bitte darauf, dass Sie sich links halten, um dem Rhein-Camino und dem Rheinhöhenweg weiter zu folgen. Auf den folgenden Kilometern kommen Sie immer wieder an schönen Plätzen vorbei, die einen Blick in das Rheintal und auf die Hunsrückseite erlauben.

Kurz vor Osterspai entdecken Sie auf der rechten Seite eine kleine geschützte Marienstatue und gegenüber steht ein Wegweiser mit dem Hinweis auf einen Pilgerpfad. Es sind nur ein paar Schritte bis zu dem Heiligenhäuschen, das erst vor wenigen Jahren mit viel Sorgfalt und Aufwand in privater Initiative restauriert wurde. Bei meinem Besuch fand ich eine Fotodokumentation vor, die in eindrücklicher Weise das Vor- und Nachher zeigt. Wenn Sie nach dem ereignisreichen Tag mit abenteuerlicher Rheinüberquerung, vielen Besichtigungen und dem Auf und Ab des Rhein-Camino noch Zeit (und Energie) haben, lohnt es sich, auf der Bank zu verschnaufen und die Eindrücke ein wenig sacken zu lassen.

Sie können aber auch noch 2 oder 300 m weiter zur Florianshütte der freiwilligen Feuerwehr Osterspai gehen. Hier belohnt Sie ein großartiger Blick über Osterspai, die berühmte Rheinschleife bei Boppard bis hinüber zum Jakobsberg auf der linken Rheinseite. Der Jakobsberg und das ehemalige Kloster Jakobsberg (heute Hotel und Golfplatz) haben aber nichts mit der Jakobuspilgerschaft zu tun. Der Name entstand viel später und vermutlich wurde hier, wie so oft, eine Gemarkung nach dem Besitzer benannt.

Um nach Osterspai zu kommen, haben Sie hier zwei Möglichkeiten. Entweder folgen Sie gleich an der Florianshütte den Verbindungswegen von Rheinsteig und Rheinhöhenweg (Markierung ‚RV‘) am Hexenklöppel vorbei, oder Sie gehen noch ein Stückchen weiter auf dem Weg der Jakobspilger, und biegen dann an der nächsten Abzweigung nach rechts auf den Rheinsteig ab. Dieser Weg führt Sie an Liebeneck vorbei, das zwar nicht von innen zu besichtigen, aber dennoch einen zweiten und dritten Blick wert ist. Am Schloss Liebeneck gibt es dann einen weiteren Rheinsteig-Verbindungsweg, der Sie direkt in den Ort hinunterbringt.

Osterspai

Allgemeines: Osterspai ist ein Ort in der Verbandsgemeinde Braubach im Bundesland Rheinland-Pfalz und im Rhein-Lahn-Kreis. Die Einwohnerzahl belief sich am 30.12.2007 auf 1.284.

Anlaufstellen: Kath. Pfarramt St. Martin, Elligstr. 5, 56340 Osterspai, Tel. 02627-377, E-Mail st.martino (at) gmx.de; Ev. Pfarramt, Wilhelmstr. 8, 56338 Braubach, Tel. 02627-598, E-Mail info (at) ev-kirche-braubach.de; Tourist-Information, 56340 Osterspai, Tel. 02627-8724, www.osterspai.de, E-Mail tourist (at) osterspai.de

Übernachtung: Hof Marienberg (liegt oberhalb Osterspai an der 2. Tagesetappe), 56340 Osterspai, DZF ab 44 Euro (evtl. zur Selbstzubereitung), Tel. 02627-8408; Gerdi Diesler, Eicherstr. 8, 56340 Osterspai, DZF 40 Euro, Tel. 02627-1787; Edgar Kreutzberg, Rheinuferstr. 3, 56340 Osterspai, DZF 39,50 Euro, Tel. 02627-621  

 

Fangen wir einmal mit Schloss Liebeneck an, es liegt direkt am Weg. Ursprünglich hieß es einmal Grauborn und war ein festes Haus mit wohl überwiegend landwirtschaftlicher Funktion. Um 1590 wurde der spätere Herrensitz von den Herren von Liebenstein erbaut. Nach dem Aussterben der Liebensteiner kam es zunächst an die Freiherren von Waldenburg und schließlich an die Familie von Preuschen von und zu Liebenstein. Durch Abriss und Neubau, durch An- und Umbauten und durch vermeintlichen Modernisierungen entstand das heutige Schloss. Obwohl durch die französischen Truppen im 1. Weltkrieg verwüstet erhielt es in den 1950er Jahren die größten Schäden an der Substanz. Es war geplant, das Schloss zu einem Hotel umzubauen und dafür brauchte es größere Eingriffe in die Bausubstanz. Schade, denn die Besitzer seit 1972 haben viel Mühe, das historische Gebäude zu erhalten. Besichtigen können Sie es leider nicht.

Osterspai könnte schon in römischer Zeit besiedelt worden sein, dafür gibt es aber keine Belege. Eine erste Erwähnung in der Mitte des 7. Jahrhunderts dagegen liegt tatsächlich vor – nur leider eine Fälschung, wahrscheinlich um die Interessen des Trierer Erzbischofs im 11. und 12. Jahrhundert am rechtsrheinischen Besitz zu rechtfertigen. Keine Fälschung ist die Reichsunabhängigkeit unter der Verwaltung eines Ritters.

Die Ursprünge der Pfarrkirche St. Martin liegen im 12. Jahrhundert, in der Sie in Ruhe den Pilgertag beenden können. Die drei Untergeschosse des Westturmes stammen noch aus dieser Zeit. Das Längsschiff wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert gebaut, der Westturm im 19. Jahrhundert und schließlich der Chorraum in den Jahren 1954/55. In der Friedhofsmauer neben dem Turm entdecken Sie noch ein spätromanisches Portal. Und bevor Sie die Kirche betreten, beachten Sie die kleine Nischenfigur der Immakulata aus dem Jahr 1684. Die Ausstattung der Kirche ist eine Pracht. Sofort ins Auge fällt die lebensgroße Figur des St. Martin in Bischofskleidung. Frühklassizistisch ist der Hochaltar mit den Figuren von St. Petrus und St. Paulus. Und die Wangen der Kirchenbänke stammen aus dem Rokoko.

Ganz in der Nähe des Osterspaier Bahnhofs befindet sich die ehemalige Wasserburg Osterspai mit der Kapelle. Die Burg wurde schon im 12. Jahrhundert erstmalig urkundlich erwähnt. Erhalten ist noch der mächtige gotische Wohnturm, erbaut Mitte des 14. Jahrhunderts. Das schöne Fachwerkhaus wurde um 1910 an den Turm angebaut – als Sommerresidenz der Familie von Preuschen.

Auf dem großen Gelände der Burg steht zur Rheinfront die Jakobuskapelle, ursprünglich dem Apostel Petrus geweiht. Der spätromanische Bau erinnert ein wenig an die Bauformen des Limburger Domes. 1747 wurde die Kapelle und darunter erscheinen noch Reste der ursprünglichen Ausmalung aus dem 13. Jahrhundert. Osterspai hat mit dieser Kapelle ein wirkliches Kleinod. Sie beherbergt auch seit einiger Zeit eine Figur des heiligen Jakobus d.Ä., die von dem spanischen Künstler Antonio Bernal Redondo aus Cordoba geschaffen wurde. Nach Anmeldung ist die Kapelle auch zu besichtigen. Die angegebene E-Mail-Adresse lautet osterspai (at) burg-preuschen.de. Oder versuchen Sie es telefonisch unter 01212-6-4100-4100.