1. Tag Krusau (DK) – Gendarmenpfad – Niehuus/Grenze (5 km) – Niehuus (1 km) – Harrislee (2,5 km) – Handewitt (8,5 km) = ca. 17 km

Schwierigkeit: leicht

Zeitbedarf: 4 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen

Impuls für den Tag: „Wir sind alle Pilger, die auf verschiedenen Wegen einem gemeinsamen Treffpunkt zuwandern.“ Antoine de Saint-Exupery

Sage: König Waldemar

Nicht weit von Bau (dänisch Bov) an der Krusau stand vorzeiten das alte Jagdschloss Waldemarstoft, das der dänische König Waldemar im Sommer und Herbst bewohnte, um seinem Lieblingsvergnügen, der Jagd, nachzugehen.

Einmal ritt der König frühmorgens mit vielen Jägern und Hunden in den Wald. Die Jagd ward gut, aber je größer die Beute war, desto stärker ward in Waldemar die Lust. Der Tag verging, die Sonne neigte sich, und noch immer ließ er nicht ab. Als endlich tiefe Nacht eintrat und die Jagd eingestellt werden musste, rief der König aus: „Oh, wenn ich doch ewig jagen könnte!“ Da erscholl eine Stimme aus der Luft: „Dein Wunsch sei Dir gewährt, König Waldemar, von Stund an wirst du ewig jagen.“ Bald darauf starb der König, und von seinem Todestage an reitet er in jeder Nacht auf einem Schimmel, umgeben von seinen Jägern und seinen Hunden, durch die Luft im wilden Jagen dahin. In den Johannisnächten allein ist er hörbar, doch an Herbsttagen hört man ihn auch im Flensburger Stadtgraben ziehen. Dann tönt die Luft von Hörnerklang und Hundegebell, von Pfeifen und Rufen wider, als ob eine ganze Jagd im Anzuge wäre. Man sagt dann: „Da zieht König Wollmer!“

(In: Müllenhoff, Karl – Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Kiel 1845)

 

Harrislee

Allgemeines: Harrislee liegt im Landkreis Schleswig-Flensburg und hatte am 31.12.2006 eine Einwohnerzahl von 11354.

Anlaufstellen: Kath. Pfarramt St. Marien Schmerzhafte Mutter, Vor der Koppe 2, 24995 Harrislee, Telefon 0461-1440910, E-Mail kath-kirche-fl@foni.net; Pastorat Harrislee, Musbeker Weg 1b, 24995 Harrislee, Telefon 0461-71110, E-Mail kirchengemeinde-harrislee@versanet.de; Dänische Kirchengemeinde, Berghof 10, 24955 Harrislee, Telefon 0461-71334; Gemeinde Harrislee, Tourismus, Süderstraße 101, 24955 Harrislee, Telefon 0461-706-101, E-Mail standesamt@gemeinde-harrislee.de

Übernachtung: Niehuuser Annenhof, Niehuuser Straße 25, 24955 Harrislee/Niehuus, Telefon 0461-71162, E-Mail info@niehuuser-annenhof.de, Ü im Doppelzimmer 45 Euro; DJH Flensburg, Fichtestraße 16, 24943 Flensburg, Telefon 0461-37742, E-Mail jhflensburg@djh-nordmark.de, ÜF für 2 Personen ab 29,20 Euro; Backpacker’s Inn, Schleswiger Straße 10, 24941 Flensburg, Telefon 0461-9090833, E-Mail info@backpackers-inn.de, Ü für 2 Personen ab 38 Euro; Etap-Hotel Flensburg City, Suederhofenden 14 (am ZOB), 24937 Flensburg, Telefon 0461-4808920, Ü-DZ ab 33 Euro; Pilgerunterkunft www.via-jutlandica.de

Unsere Pilgerwanderung auf der Via Jutlandica bis nach Glückstadt beginnt in Krusau, dem dänischen Grenzort, am gleichnamigen Flüsschen gelegen. Sie erreichen die Grenze von Flensburg-Bahnhof aus mit dem Bus Nr. 1, vorbei an der Ortschaft Kupfermühle. Hier hat schon um 1600 der dänische König Christian IV. ein Hammerwerk errichten lassen, das wenig später abbrannte und dann als Kupfermühle neu erbaut wurde. 1962 kam nach mehr als 300jähriger Geschichte das Aus für die Kupfermühle, die lange Zeit eines der größten Unternehmungen in der Gegend war. Heute erinnert ein Museum in den schön renovierten Gebäuden an diese große Zeit.

Seit den Schengener Verträgen werden die Grenz- und Zoll-Abwicklungsgebäude nicht mehr benötigt, und direkt hinter der Grenze steigen Sie aus dem Bus. Gehen Sie noch ein Stückchen die Straße hinauf in Richtung der Tankstelle und biegen an der davor gelegenen Straße links ab. Ein großes Schild zeigt in Richtung ‚Gendarmstien‘, und schon bald erkennen Sie die erste Markierung des wohl schönsten dänischen Wanderweges. Der Gendarmenpfad, mit einem blauen Gendarmen auf weißem Grund markiert, führt rund 74 km lang von Padborg bis nach Höruphav und entstand ursprünglich durch das Kontrollieren der deutsch-dänischen Grenze durch dänische Gendarmen. Erst 1956 erfolgte dies durch motorisierte Fahrzeuge und der Pfad geriet in Vergessenheit, bis er seit 1988  als Wanderweg wieder eingerichtet wird.

Auf unserem Teilstück zwischen Krusau und Niehuus führt der Gendarmenpfad durch das Tunneltal der Krusau. Steil abfallende Hänge prägen das Bachtal. Die Einmaligkeit und Vielfalt an schützenswerten Lebensräumen und seltenen Tier- und Pfanzenarten führte zur Aufnahme des Gebietes in ein deutsch-dänisches Naturschutzprojekt. Wenn Sie mehr über dieses Interregio-Projekt wissen möchten: das Tunneltal der Krusau hat eine eigene Internet-Seite: www.krusau-tunneltal.de.

Bei Rönsdam verlassen Sie Dänemark wieder auf dem ‚Krummen Weg‘, und am Grenzbaum ist auch gleich die erste Jakobsmuschel-Markierung angebracht. Diese Markierung begleitet uns nun bis zum Fährkopf in Glückstadt an der Elbe.

Der ‚Krumme Weg‘ ist ein Verbindungsstück vom Ochsenweg bei Bov bis nach Flensburg. Er gehört zu den ältesten gepflasterten Wegen des Landes und ist auf dänischer Seite teilweise im Originalzustand erhalten. Auf deutscher Seite wurde ein Teilstück rekonstruiert.

Der Jakobsweg führt Sie an der Burg Niehuus vorbei. Von dem um 1345 errichteten „dat nige hus“ (hochdeutsch: das neue Haus) ist heute nur noch der Burghügel zu erkennen. Andeutungsweise sehen Sie auch noch Wälle und Gräben. Wahrscheinlich diente die Burg an der Krusau-Furt dem Schutz des ‚Krummen Weges‘ und als Zollstation.

Weiter führt der Weg in Richtung Harrislee, vorbei am Niehuuser See. Vorher zweigt die Variante ‚Flensburg‘ ab (siehe Anhang 1). Nach Flensburg folgen Sie den Markierungen geradeaus. Wenn Sie heute nach Handewitt gehen wollen, biegen Sie nach rechts ab. Im Niehuuser See wurde eine Knochenharpune aus der Zeit um 8000 v. Chr. gefunden, die zeigt, dass wir uns hier auf uraltem Siedlungsgebiet bewegen. Mehr als 170 historische Funde im Gemeindegebiet, darunter 16 Steingräber, zeigen die Bedeutung der Umgebung. Niehuus (1371) und Harrislee (1352) wurden im 14. Jh. erstmals urkundlich erwähnt.

In den Außenbezirken von Harrislee überqueren Sie die stark befahrene L 17, wenden sich nach links und gehen dann gegenüber vom ‚Autoland‘ nach rechts auf den Reitweg. Diesem folgen Sie bis zum Ende, begeben sich dann wieder nach rechts und kommen in den nördlichen Teil vom ‚Stiftungsland Schäferhaus‘.

1992 wurde der ehemalige Truppenübungsplatz Schäferhaus der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein übertragen und entwickelte sich seitdem zu einem der interessantesten Naturschutzgebiete im Norden. Durch die Ansiedlung von rund 100 Galloways (schottische Robustrinder) und ursprünglich 5 Koniks (verwilderte polnische Hauspferde) in diesem 292 ha großen Gebiet wird der Bewuchs niedrig gehalten und so eine halboffene Wiesenlandschaft (Savanne) erhalten, die sich hier nach der letzten Eiszeit entwickelte. An 16 Stationen kann der Besucher die Natur beobachten.

Noch einmal unter der A 7 hindurch, dann erreichen Sie Handewitt.

Handewitt

Allgemeines: Handewitt liegt im Landkreis Schleswig-Flensburg und hatte am 31.12.2006 eine Einwohnerzahl von 6135.

Anlaufstellen: Pastorat Handewitt, Westerstraße 8, 24983 Handewitt, Telefon 04608-224, E-Mail pastorat@kirche-handewitt.de; Fremdenverkehrsverein Handewitt und Umgebung, Osterstraße 12, 24983 Handewitt, Telefon 04608-6193

Übernachtung: Ilse Andresen, Osterstraße 12, 24983 Handewitt, Telefon 04608-6193, ÜF im DZ nach Absprache; Ursula Asmussen, Handewittbusch 16, 24983 Handewitt, Telefon 04608-482, ÜF im DZ nach Absprache; Pilgerunterkunft www.via-jutlandica.de

Erstmals wurde Handewitt 1231 als Hanaewith erwähnt. Das könnte z. B. ‚Wald, in dem Hähne sind‘ oder ‚Wald des Hani‘ bedeuten. Die Kirche wurde im 13. Jh. erbaut, wurde aber nach einem Unwetter 1883/84 im neugotischen Stil erneuert.