Der Jakobsweg an der Lahn

Karl-Josef Schäfer ist den Jakobsweg entlang der Lahn gepilgert und hat einen Pilgerwanderführer verfasst. Die gelbe Muschel auf blauem Grund ist das vom Taunusclub entlang des Weges angebrachte Erkennungszeichen. Fotos: Laubach

Von Johannes Laubach

Limburg-Weilburg. Altbischof Franz Kamphaus ist den Jakobsweg gepilgert (zumindest 300 Kilometer), der ehemalige Limburger Stadtrat Ulrich Maria Werner hat den Weg von Eschhofen nach Santiago de Compostela zu Fuß zurückgelegt, wieder andere sind gepilgert und haben darüber geschrieben: Paulo Coelho oder auch der Komiker und Entertainer Hape Kerkeling, dessen Buch sich seit Monaten in den Bestsellerlisten hält. Karl-Josef Schäfer ist auch auf dem Weg. In Luxemburg ist er angelangt, die nächste Etappe startet im Oktober. Schäfer wohnt seit einigen Monaten in Weilburg. Ganz in der Nähe seines Hauses führt der Lahn-Camino vorbei. Der 51-Jährige ist den Weg nicht nur selbst gepilgert, sondern hat auch einen Pilgerwanderführer verfasst. „Der Jakobsweg von Wetzlar nach Lahnstein“ heißt sein kleines Werk über den 142 Kilometer langen Weg von Wetzlar nach Lahnstein.

Schäfer weist dabei auch auf Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten entlang der Strecke hin, wartet mit historischen Erläuterungen, schildert Anekdoten aus der Geschichte, gibt Tipps zum Pilgern und vieles mehr. Dazu gibt es einige nützliche Adressen und Rufnummern, Anlaufadressen und Übernachtungshinweise und eines Tageslosung für jeden Pilgertag.

Der Jakobsweg hat bei Karl-Josef Schäfer eine katholische Vergangenheit. Er war Vorsitzender des Bunds der katholischen Jugend in Köln, hat auch vier Semester Theologie studiert, erzählt er. Das ist lange her. Dass er den Jakobsweg aufgenommen, sich auf diesen Weg gemacht hat, damit ist er nach eigenen Angaben fünf Jahre schwanger gegangen. Im vergangenen Jahr hat er dann die gelbe Muschel auf blauem Grund als Zeichen des Camino im Lahntal entdeckt. Und an Weihnachten bekam er von seiner Frau dann noch Hape Kerkelings Pilgeraufzeichnungen „Ich bin dann mal weg“ geschenkt. Drei Tage später war er dann selbst auf dem Weg. In Tagesetappen geht es dem Ziel Santiago entgegen.

Abseits der Hauptrouten mangelt es nach Einschätzung von Schäfer an Jakobsweg-Führern. Zwar ist der Camino entlang der Lahn vor einigen Jahren durch den Taunusclub mit der gelben Muschel auf blauem Grund gekennzeichnet, doch Quellen und Literatur über den Weg selbst gibt es nach Angaben von Schäfer kaum. Er ist er davon überzeugt, dass der Weg eine lange Tradition hat, schließlich pilgern die Menschen seit fast 1000 Jahren zum Apostelgrab in Santiago. Dabei benutzten sie nach Einschätzung von Schäfer die Handelstraßen der Römer und Kelten oder mittelalterliche Handelswege, die oft über Höhenzüge führten. Der Lahn-Camino folgt dabei vor allem dem Lahnhöhenweg auf der Taunus-Seite.

„Die Pilger müssen irgendwie an den Rhein gekommen sein“, mutmaßt Schäfer. Er hat nach der Überquerung den großen Flusses entlang der Mosel den weiteren Weg beschritten., weil er nicht glauben kann, dass die Pilger das Apostelgrab in Trier außer acht ließen. Aber das ist ein anderes Stück des Weges. Auch darüber hat Karl-Josef Schäfer einen Pilgerwanderführer verfasst, der in Kürze zu erhalten ist.

„Ein paar wunderschöne Stellen zwischen Schaumburg und Laurenburg“, sagt Schäfer über seine Lieblingsplätze auf dem Lahn-Camino. Zwischen der Schaumburg und der Laurenburg gibt es nach Einschätzung von Schäfer einige Stellen, die einfach einen tollen Blick in das Lahntal gewähren. Aber auch der Mahlberg in Bad Ems und der Dom in Limburg gehören für Schäfer zu den favorisierten Plätzen auf dem Weg.

 
Sehr oft ist ein einschneidendes Erlebnis der Auslöser für eine Pilgerreise, schreibt Schäfer in seiner Einleitung. Bei ihm war das so. In der ganzen Welt war er unterwegs. Kaum aus dem Flieger ausgestiegen, wartete schon der nächste. Eine gesundheitliche Zwangspause führte zum ersten Nachdenken darüber, ob das alles so sein muss. Und nachdem der Terminkalender eine kurze Zeit nach der Genesung die gleiche Fülle wie zuvor angenommen hatte, war der zeitlich befristete Rückzug in ein Kloster die Möglichkeit, dem Leben eine Wendung zu geben. An dem Pilgern begeistert Schäfer vor allem die Langsamkeit und Besinnlichkeit des unterwegs sein. Entschleunigung ist für ihn angesagt.

Weitere Informationen gibt es unter http://www.xschaefer.de.